Nationalrat, XXV. GP 11. Dezember Sitzung / 1

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1 Nationalrat, XXV. GP 11. Dezember Sitzung / Abgeordneter Heinz-Christian Strache (FPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Finanzminister! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es ist schon interessant, wenn man meinen Vorredner, Herrn Rauch, hier etwas näher analysiert. Da frage ich mich schon: Sind Sie zu einer Selbstreflexion in irgendeiner Art und Weise überhaupt fähig, Herr Kollege Rauch? Denn: Was Sie hier zum Besten gegeben haben, war eine Sammlung von Zitaten der Opposition oder mancher Oppositionspolitiker, die zu Recht damals kritisch waren und zu Recht damals nach 21 Untersuchungsausschussanträgen, die von Rot und Schwarz abgelehnt worden sind, skeptisch waren und befürchtet haben, dass diese Regierung wieder alles zu vertuschen versuchen wird. (Beifall bei der FPÖ.) Diese Skepsis ist damals zum Ausdruck gekommen! Und alle aus der Opposition haben nach Vorlage des Berichts der Frau Dr. Griss mea culpa! gesagt. Alle oder hören Sie nicht zu? Sie hätten gestern da sein sollen. Sie hätten die letzten Wochen und Tage die Diskussion mitverfolgen sollen, etwa jene Im Zentrum am Sonntag oder sonstwo. Alle von den Oppositionspolitikern haben gesagt: Wir müssen uns bei Frau Dr. Griss entschuldigen, weil wir uns getäuscht haben! Größten Respekt und Anerkennung für ihren seriösen und objektiven Bericht, weil sie mutig ist! Sie hat auch Dinge aufgedeckt, mit denen das Haider-Bashing der letzten fünf Jahre von Rot und Schwarz ad absurdum geführt wird. (Beifall bei der FPÖ.) Heute hat auch der Finanzminister Schelling auf einmal gesagt, nach dem Griss- Bericht sollten wir endlich von Schuldzuweisungen in der Hypo-Causa Abstand nehmen. Die Griss-Kommission ist nämlich zu der Erkenntnis gelangt, dass zwar in der Haftungsfrage selbstverständlich der Ursprung einer fehlerhaften Entwicklung in Kärnten liegt, beginnend unter einem ÖVP-Landeshauptmann Zernatto im Jahr 1993, weitergehend mit Erhöhungen, die unverantwortlich waren, dass aber klar herauskommt, dass SPÖ und ÖVP überall dabei waren. Da waren alle Parteien mit dabei! Ja, das ist ein Fehler gewesen! Aber bei allen weiteren Fehlentwicklungen waren nur mehr SPÖ und ÖVP dabei, nur mehr die beiden regierungsverantwortlichen Parteien, und zwar ab dem Zeitpunkt der Verstaatlichung ohne Not, zu der es sehr wohl Alternativen gegeben hätte, wie im Griss-Bericht steht. (Beifall bei der FPÖ.) Genau dort beginnt das Drama in drei Akten, wo uns nur mehr rote und schwarze Verantwortungsträger diesen Wahnsinn eingebrockt haben! ein Wahnsinn, den die

2 Nationalrat, XXV. GP 11. Dezember Sitzung / 2 österreichischen Steuerzahler mit vielleicht bis zu 20 Milliarden letztlich zu begleichen haben. Und ich frage mich: In welcher Interessenslage hat man diese Verstaatlichung vorgenommen? Warum hat man sich über den Tisch ziehen lassen? Warum hat es keine Rechtsberater gegeben, die den Vertragszustand überprüft hätten? Warum hat es keine Strategie gegeben? Was ist der Grund dafür? Was hat damals Josef Pröll als den damaligen Finanzminister letztlich so Angst gemacht? War im Hintergrund nicht nur Trichet, der im Übrigen geleugnet hat, da interveniert zu haben, was immer wieder fälschlich hier behauptet wird? Sind da ganz andere Druckmechanismen, etwa von Gläubigern, in Gang gesetzt worden, vielleicht sogar vom Raiffeisen-Konzern, der dann als Dankeschön nach einer Verstaatlichung, wo man die Gläubiger freigespielt hat und die österreichischen Steuerzahler zur Kasse gebeten hat, Josef Pröll ganz weich im Raiffeisen-Konzern wieder aufgefangen hat? (Beifall bei der FPÖ.) All diese Mechanismen sind aufzudecken, denn das ist der Kriminalfall! Und die Verstaatlichung ohne Not ist letztlich der Akt, wo der Brand endgültig entfacht worden ist. Durch diese Verstaatlichung hat man den Brand entfacht. Hätte man nämlich nicht verstaatlicht und das kommt im Griss-Bericht deutlich heraus, dann wäre der Schaden zu minimieren gewesen. Mit 6 bis 8 Milliarden hätte die Bayerische Landesbank, wie aus allen Unterlagen hervorgeht, sicher keine Insolvenz in Betracht gezogen. Es ist in allen Papieren heute nachlesbar, dass sie dieses Risiko niemals in Kauf hätten nehmen können, weil letztlich die Bayerische Landesbank hätte geradestehen müssen und weil auch das Land Bayern hätte geradestehen müssen und weil der deutsche Wirtschafts- und Bankenstandort sich das gar nicht hätte leisten können. Genau das ist der entscheidende Punkt! (Zwischenruf des Abg. Matznetter.) Und jetzt frage ich: Warum? Das alles steht im Griss-Bericht. (Zwischenruf des Abg. Krainer.) Auch die Partikularinteressen Ihrer Partei haben da eine Rolle gespielt, indem man dann nach einer unverantwortlichen Verstaatlichung jahrelang nichts gemacht hat, Herr Krainer. Durch die jahrelange Untätigkeit ist der Schaden noch einmal maximiert worden, um mehrere Milliarden erhöht! Ja, weil man untätig geblieben ist, weil da ganz andere Interessen eine Rolle gespielt haben und da sind wir wieder beim Haider-Bashing, nicht wahr, gegen einen, der sich nicht mehr wehren konnte. Genau das ist die Methode, und das hat ja auch die Griss-Kommission klar herausgearbeitet, dass letztlich die ÖVP-Finanzminister ja, die Minister Pröll, Fekter,

3 Nationalrat, XXV. GP 11. Dezember Sitzung / 3 Spindelegger in dem Fall die Verantwortung für diesen Prozess hatten. Mit dabei war dann auch der Staatssekretär Schieder, der heute als Klubobmann versorgt ist; dabei war der Staatssekretär Lopatka, der heute als Klubobmann versorgt ist ja, Sie alle waren da Beteiligte und tun heute so, als wäre Ihr Name Hase und Sie hätten von nichts gewusst! Das ist ja unglaubwürdig, und genau das gilt es herauszuarbeiten. (Beifall bei der FPÖ.) Herauszuarbeiten gilt es auch Ihre Handlanger aus dem Bankensektor, die letztlich mitgeholfen haben, durch Interessenslagen den Österreichern einen wirtschafts- und finanzpolitischen Super-GAU zu hinterlassen, anstatt die berechtigten Forderungen der Oppositionsparteien auf eine geordnete Insolvenz nach dem angerichteten Verstaatlichungsschaden zu überprüfen! Alles an Diskussion hat man hier abgelehnt! Wieder war Alternativlosigkeit das Thema es gibt immer Alternativlosigkeit bei Ihnen! Also, ich denke mir, wenn ein Politiker alles als alternativlos sieht, dann hat er doch den falschen Job gewählt! Es gibt immer Alternativen! (Beifall bei FPÖ, Grünen, Team Stronach und NEOS. Abg. Kogler: Richtig, immer!) Es gibt immer zu disponierende unterschiedliche Szenarien, wo man letztlich die beste Möglichkeit zu wählen hat, in Verantwortung für unsere Staatsbürger und Steuerzahler. Genau das ist es, was da herauszuarbeiten ist! (Zwischenruf des Abg. Matznetter.) Es geht nicht nur um Milliardenverluste, Arbeitsplatzverluste und natürlich eine Schädigung des Standortes und all das ist letztlich im Bericht der Untersuchungskommission vorhanden, sondern auch darum, dass hier ein Versagen vorliegt, wo entschlossenes Handeln nunmehr notwendig ist. Und da sind wir beim jetzigen Finanzminister. Ich freue mich, dass die jahrelange freiheitliche Forderung, nämlich eine Klage gegen die Bayern wegen Irrtumsanfechtung zu erheben, offenbar endlich seit heute feststeht. Ich sage, Irrtumsanfechtung ist notwendig, denn wir sind natürlich getäuscht worden! Es geht ja aus vielen Belegen und Unterlagen der Bayern hervor, dass wir bewusst getäuscht worden sind! Aber ich möchte jetzt den Begriff nicht verwenden da gehören schon ein paar Unvermögende dazu, die sich in dieser Art und Weise täuschen lassen! Oder vielleicht sind sie gar nicht so unvermögend und haben bewusst in Kauf genommen, den Schaden auf die Steuerzahler umzuwälzen?! Dann sind wir beim Kriminalfall Hypo! Ich glaube, dass wahrscheinlich Zweiteres der Fall ist, dass es um einen bewusst hingenommenen Schaden geht, den man auf die Steuerzahler

4 Nationalrat, XXV. GP 11. Dezember Sitzung / 4 übergewälzt hat, um Gläubiger letztlich herauszuhalten. Genau das gilt es aufzuklären, und zwar spät, aber doch! Wobei sich natürlich die Frage stellt: Warum erst so spät, warum nicht schon früher?! Wird diese Klage gegen die Bayern jetzt endlich in Gang gesetzt?! Weil sie notwendig ist, weil sie natürlich auch insgesamt die Verhandlungsposition verbessert für Österreich wenn man überhaupt noch die Chance ergreifen will, über den Verhandlungsweg, über einen Ausgleich mit den Bayern, eine Einigung zu erreichen. Ich sage Ihnen, das hätte man alles schon im Jahr 2011 wissen müssen. Damals war dieser unglaubliche Vertrag letztlich in der Öffentlichkeit bekannt ein Vertrag mit sittenwidrigen Klauseln, die zum Beispiel den vollen Verzicht auf die Gewährleistung des Verkäufers, also der Bayerischen Landesbank, beinhalteten. Ich bringe es immer wieder in einem Beispiel: Wenn eine Bank verkauft wird, ist das so, als ob man ein Auto verkauft. Wenn ich einen VW-Golf verkaufe, dann kommen die Prüfer und schauen sich das Auto rundherum an. Dann wird festgestellt: Der Motor ist in Ordnung, die Karosserie ist in Ordnung und dann gibt es einen Kaufpreis und einen Vertrag. Drei Jahre später kommt dann der Käufer und sagt: Also bitte, bei aller Wertschätzung, jetzt habe ich einen Motorschaden nach drei Jahren, nehmt euer Auto bitte wieder zurück und kommt für den Schaden auf! Na, dann wird jeder Verkäufer zu Recht sagen: Da stimmt ja was nicht, wie komme ich dazu?! Das ist ja gar nicht mehr mein Auto, das ist drei Jahre später passiert! (Abg. Krainer: Sie haben eine Haftung übernommen!) Aber das ist genau der Punkt, und da sind wir wieder beim Thema Haftung. Dazu hat Professor Chini von der Wiener Wirtschaftsuniversität ein Gutachten geschrieben. Demnach haben die Bayern selbstverständlich durch den Mehrheitseigentümer der Bayerischen Landesbank und wegen deren weiterer Expansionspolitik bei weiterer Bilanzexplosion, die die Bayern auch zu verantworten hatten, natürlich auch als Mehrheitseigentümer! eine Verantwortung! Diese Mitverantwortung hätte Bestand gehabt, hätten wir nicht verstaatlicht! Die Bayern hätten mit ihren sechs bis acht Milliarden Euro, die sie riskiert hätten, natürlich geradestehen müssen! Die Bayern hätten sich selbstverständlich überlegt, ob sie wenn wir Partizipationskapital zuschießen bereit sind, die Bank wieder in eine gute wirtschaftstragfähige Richtung zu führen. Es hätte Möglichkeiten gegeben, diesen Schaden abzuwenden. Und genau das verdecken Sie und verstecken Sie! Das hat ja die Frau Dr. Griss auch im Bericht bestätigt.

5 Nationalrat, XXV. GP 11. Dezember Sitzung / 5 Die Abbaugesellschaft statt einer geordneten Insolvenz war dann noch einmal eine schlechtere Lösung. Interessanterweise sagt ja auch der Finanzexperte Androsch ja, ein interessanter Finanzexperte für Sie, denn auch wenn sie getilgt ist, hat er einmal eine Vorstrafe kassiert, das wird heute so gerne vergessen, ist getilgt, keine Frage, jedenfalls, der große Finanzexperte der SPÖ sagt: Insolvenz wäre eigentlich nach wie vor ein kluger und richtiger Weg, und wir müssten ihn rasch andenken, da wir nur noch bis Juni kommenden Jahres Zeit haben, das in der Richtung abzuwickeln. Angeblich kann sich sogar der Finanzminister Schelling damit anfreunden, aber er sagt noch nichts dazu, da sind wir noch gespannt! Aber all das waren Vorschläge der Opposition, die Sie verteufelt haben, wo Sie sich hingestellt haben und gesagt haben: Na, die Opposition entsetzlich, die Vorschläge und Überlegungen der Opposition, das würde das Land ins Desaster führen, nicht?! Das sind immer Ihre krusen Verschwörungstheorien, die Sie in Wahrheit haben! Denn in Wahrheit sind wir im Griss-Bericht in allem, was wir in den letzten Monaten gesagt haben, bestätigt worden. Deshalb ist natürlich Ihre Aufregung heute auch verständlich: Schließlich ist das ganze System des Haider-Bashing, also die Version, dass dieser eine Mann alleine schuld sein soll, in sich zusammengebrochen! Das ist ein Verflechtungssystem, wo heute nach wie vor die Verantwortungsträger in Amt und Würden sind oder irgendwo auf tollen Posten untergebracht worden sind, wenn wir dann von politischer Verantwortung sprechen. Der Josef Pröll ist untergekommen. Die Finanzministerin sitzt als Abgeordneter hier. Schieder ist als Klubobmann untergekommen und Lopatka auch als Klubobmann. Der Herr Nationalbankdirektor Nowotny ist nach wie vor im Amt. Der Peschorn ist auch im Amt. Alle Verantwortlichen bis hin zum Helmut Ettl, dem Vorstand der FMA, und zum Nationalbankdirektor Kurt Pribil von der ÖVP: Alle sind noch im Amt! Präsidentin Doris Bures: Herr Klubobmann, ich darf Sie um den Schlusssatz bitten! Abgeordneter Heinz-Christian Strache (fortsetzend): Ja, ich komme schon zum Schlusssatz: Wo ist die politische Verantwortung? Die hauptverantwortliche Person ist der Kanzler, der eigentlich zurücktreten sollte! (Beifall bei der FPÖ.) Präsidentin Doris Bures: Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Krainer zu Wort gemeldet. Herr Abgeordneter, ich mache auf die diesbezüglichen Bestimmungen der Geschäftsordnung aufmerksam. Bitte.

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