Internationalisierung und Europäisierung der Berufsausbildung Konsequenzen für die moderne Beruflichkeit?

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1 Internationalisierung und Europäisierung der Berufsausbildung Konsequenzen für die moderne Beruflichkeit? Prof. Dr. Dietmar Frommberger Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

2 Internationalisierung und Europäisierung der Berufsausbildung Konsequenzen für die moderne Beruflichkeit? 1) Eingangsthese 2) Internationale und Europäische Entwicklungen in der Berufsbildung - Beispiele 3) Schlussüberlegungen zur Einordnung der deutschen Berufsbildung und des Konzepts der modernen Beruflichkeit

3 1. Eingangsthese Traditionelle internationale Unterschiede in der Berufsbildung Wachsende Ähnlichkeiten im Zuge der Internationalisierung und Europäisierung Page 3

4 a) Stärkung der Übergänge in die Berufsausbildung Page 4

5 b) Stärkung der Berufsorientierung Page 5

6 c) Ausbau der betrieblichen Praxisanteile in der Berufsausbildung ( Dualisierung ; rediscovery of apprenticeship ) Page 6

7 d) Aufbau und Entwicklung kooperativer / kollektiver Steuerungsformen der Berufsausbildung Beteiligung der Sozialpartner: Konsensprinzip Subsidiaritätsprinzip Rechtliche Rahmung und Ordnungsmittel für die betriebliche Qualifizierung Steuerungsmodelle in der Berufsbildung nach Greinert (2005); Busemeyer/Trampusch (2012) Page 7

8 d) Aufbau und Entwicklung kooperativer / kollektiver Steuerungsformen der Berufsausbildung Berufsbildung liegt im Schnittfeld wirtschafts-, sozial- und bildungspolitischer Zielstellungen: TVET systems and institutions are often expected to pursue competing educational purposes and serve competing interests. As well as training for work, they are also expected to equip learners with basic literacy and numeracy skills, support personal and social development and offer routes into higher education ( ) (Holmes 2009, 906). Mit kooperativen Berufsbildungsstrukturen kann ein ganzes Bündel von politischen und ökonomischen Interessen und Bedarfen versöhnt werden. Page 8

9 e) Verbindung zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung Öffnung der Hochschulen für Berufstätige Berufsbegleitende und berufsqualifizierende Studiengänge Higher-Apprenticeships Gleichwertigkeit/Anrechnung zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung Page 9

10 f) Wandel in der Anlage beruflicher Curricula: Lernergebniseinheiten Vgl. Frommberger / Krichewsky 2012 Page 10 Bündelung fragmentierter Qualifikationen zu Lernergebniseinheiten / Modulen Differenzierung beruflicher Ausbildungsgänge durch Lernergebniseinheiten / Module

11 g) Wandel in der Anlage beruflicher Curricula: Outcomeorientierung Definition von Zielvorgaben bzw. Lernresultaten ( outcomes ); inhaltliche bzw. fachliche Ergänzungen rücken in den Hintergrund Enger Bezug zu betrieblichen Aufgaben- und Tätigkeitsbereichen Formulierungen primär in Hinsicht auf breit angelegte gewünschte individuelle Verhaltens- und Dispositionsspielräume Zulassung zu Prüfung und Zertifizierung erfolgt unabhängig von der Lernart, der Lernzeit oder dem Lernort; entscheidend ist das assessment und damit das Lernergebnis Page 11

12 h) Förderung von Transparenz und Durchlässigkeit: Entwicklung internationaler und nationaler Qualifikationsrahmen Kompetenzen und Abschlüsse (Qualifications) werden mittels einer Matrix gegenüberstellt und verglichen. Page 12

13 3. Schlussüberlegungen (1) Das auf Konsens beruhende und basisdemokratische Steuerungskonzept der traditionellen deutschen Berufsbildung, als wichtige Voraussetzung der modernen Beruflichkeit, ist im Kontext der Internationalisierung und Europäisierung grundsätzlich nicht gefährdet. Vielmehr gewinnen wichtige traditionelle und aktuelle Merkmale der Beruflichkeit (Dualität/Pluralität der Lernorte; Konsensprinzip; Subsidiaritätsprinzip; Konzentrationsprinzip; Curriculare Ordnung und rechtliche Rahmung betrieblicher Qualifizierung) international zunehmend an Bedeutung. Andere internationale und europäische Entwicklungen (v. a. Transparenz, Durchlässigkeit, Verbindung beruflicher und hochschulischer Bildung) sind im Konzept der erweiterten modernen Beruflichkeit enthalten. Page 13

14 3. Schlussüberlegungen (2) Eine Gefährdung der berufsfachlichen Ausbildung erfolgt jedoch durch eine weitgehende und angelsächsisch geprägte Outcomeorientierung. Der internationale Vergleich zeigt, wie zentral (und schwierig) die Entwicklung und Sicherung der betrieblichen Ausbildungsbeteiligung für die Berufsausbildung ist. Der internationale Vergleich zeigt vor allem, wie wichtig eine konkurrenzfähige und gesellschaftlich anerkannte ( berufsqualifizierende ) Säule der Berufsausbildung ist. Abschlussfrage: Gefährdet das Konzept der erweiterten modernen Beruflichkeit durch die Nähe zur Hochschulbildung diese bewährte und eigenständige Säule der Berufsbildung und damit das Berufskonzept? Page 14

15 Literatur Busemeyer, M. R., & Trampusch, C. (2012). Introduction: The Comparative Political Economy of Collective Skill Formation. In Busemeyer, M. R. & Trampusch, C. (Eds.), The Political Economy of Collective Skill Formation (pp. 3-38). Oxford, New York: Oxford University Press. Frommberger, D. / Krichewsky, L.. (2012): Comparative analysis of VET Curricula in Europe. In: Pilz, M. (Hrsg.): The Future of VET in a Changing World. Wiesbaden 2012, Greinert, W.-D. (2005): Mass vocational education and training in Europe Classical models of the 19th century and training in England, France and Germany during the first half of the 20th. Cedefop Panorama series; 118. Luxembourg: Office for Official Publications of the European Communities. Holmes, K. (2009): The Reform and Governance of Public TVET Institutions: Comparative Experiences. Maclean, R. / Wilson, D. (eds.): International Handbook of Education for the Changing World of Work, [DOI / VI.3] Page 15

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