Dr. Hans-Joachim Frank Branchenanalyse November Franchising in Deutschland wird erwachsen

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1 Dr. Hans-Joachim Frank Branchenanalyse November 27 Franchising in Deutschland wird erwachsen

2 Wachstumsbranche Franchising Index 1995= Umsatz Franchising (nominal) BIP (nominal) Quellen: DFV, Statistisches Bundesamt Umsatzwachstum im Franchising deutlich über BIP-Zunahme (nom.) Von 1995 bis 26 hat sich der Franchise-Umsatz in Deutschland um fast 11% p.a. erhöht, dagegen legte das BIP nur um 2% p.a. zu Neben deutlich expandierenden Geschäftsfeldern wie Systemgastronomie wurden neue Sparten (z.b. Wellness) erschlossen Anteil des Franchising am BIP dank Effizienzvorteilen gegenüber anderen Vertriebsformen auf 1,6% mehr als verdoppelt Seite 2

3 Expansion der Geber- und Nehmerzahlen Index 1995= Franchise-Geber 1 Franchise-Nehmer Quelle: DFV Franchise-Nehmer expandierten seit 1995 schneller als -Geber Die Zahl der Geber stieg um 5% p.a. auf 9 und die Zahl der Nehmer um 8% p.a. auf gut 51. Zahl der Nehmer pro Geber erhöhte sich durch die Expansion bestehender Systeme von 4 auf rd. 6 Motor für Firmengründungen im Mittelstand Seite 3

4 Franchise-Nehmer dynamischer als Selbständige insgesamt Quelle: Statistisches Bundesamt Zahl der Selbständigen in ' (links) Franchise-Nehmer (rechts) Zahl der Franchisenehmer nahm im Betrachtungszeitraum um 8% p.a. zu Dagegen stieg die Selbständigenzahl insgesamt nur um gut 2% p.a. Neben dem Basiseffekt spielt auch eine Rolle, dass Franchise-Nehmer nach der Existenzgründung weniger oft scheitern als Existenzgründer allgemein Dennoch erreicht Anteil der Franchise-Nehmer an den Selbständigen insgesamt lediglich gut 1% Seite 4

5 Beschäftigtenzahl auch stark gestiegen Beschäftige in ' Quelle: DFV Branche beschäftigte 26 mit etwa 43. Mitarbeitern fast 2. mehr als 1995 (+knapp 9%) Dies entspricht in etwa der Zahl der Beschäftigten in der Schlüsselbranche Chemie Allerdings sind in der Franchise- Wirtschaft im Vergleich zur Chemieindustrie mehr Teilzeitkräfte tätig Jedoch nicht nur zusätzliche Arbeitsplätze Conversion- Franchising Seite 5

6 Franchise-Wirtschaft Vorteile Geber Kontrolle über Geschäftsidee und Zugriff auf lokale Marktdaten Schnelles Wachstum bei geringer Kapitalbindung Unternehmerisches Risiko gering Einmalige Lizenzgebühr und umsatzabhängige Einnahmen Vorteile Nehmer Nutzen eines bewährten Geschäftsmodells (vor allem des Branchen Know-hows und des Marktimages) Unterstützung bei Ressourcenbeschaffung, Betriebsführung, Marketing und Weiterbildung Nachteile Geber Verzicht auf Teile der Erträge Gefahr, dass Konzept verwässert und Image des Systems leidet Nachteile Nehmer Eigenes unternehmerisches Handeln eingeengt Teil der Einnahmen gehen an Geber Informationsasymmetrie zu Gunsten der Geber Risiko, dass Franchisegeber aufgibt oder aufgekauft wird Seite 6

7 Einstiegsgebühr und Investitionssumme für Franchise- Nehmer unterschiedlich Anteile Einstiegsgeb. 1% 15% Anteile Invest.- summe 28% 5% 3% 45% Keine Bis 1. EUR Über 1. bis 2. EUR Über 2. bis 6. EUR Quelle: DFV 45% 22% Keine Bis 5. EUR Über 5. bis 1. EUR Über 1. bis 65. EUR Quelle: DFV Seite 7

8 Franchise-Struktur entwickelt sich unterschiedlich Anteile % /1 2/3 4/5 6/7 Dienstleistung Handel Gastgewerbe Handwerk Quelle: DFV Dienstleistungsfranchising gewann deutlich Anteile Gastgewerbe, vor allem Systemgastronomie, kann ebenfalls Anteile ausweiten Handel und Handwerk dagegen als Anteilsverlierer Spiegelbild der schwachen Konjunktur im Einzelhandel und der langjährigen Baurezession Auch künftig liegen Potenziale in erster Linie bei speziellen Dienstleistungen Seite 8

9 Mittelfristige Wachstumschancen von Franchising Expansion auf traditionellen Feldern fällt schwerer (Einzelhandel, Gastronomie, z.t. Wellnessbereich) Großes Potenzial im Gesundheitswesen Pioniererfolg: Augenoptik Zahnbehandlung Apotheken Kosmet. Behandlung Pflegedienste Häusliche Dienste Seniorenbetreuung Haustechnik Urlaubsservice Ausweitung im Bildungssektor Software-Entwicklung Internetschulung Bemühungen zum Energieeinsparen beflügelt Umwelt/Energie-Sektor Wärmedämmung in Althäusern Steigerung der Energieeffizienz in Haushalten und Unternehmen umweltschonende Textilreinigung Freie Berufe Rechtsanwälte Steuerberater u.ä. Seite 9

10 Pflegedienste bieten gute Expansionsmöglichkeiten Betreute Personen, Mio. 5 in Heimen 5 zu Hause 4 1,7 4 1,4 3 1,2 3 1, 2,8,7 2 2,9 2,6 1 2, 2,2 1,5 1, Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research Pflegebedarf steigt als Folge der Überalterung der Bevölkerung kräftig Zahl der Pflegebedürftigen nimmt von heute 2,2 Mio. bis 23 auf 3,4 Mio. zu Dabei rechnen wir mit einem Anstieg der zu Hause Betreuten um,7 Mio. und der in Heimen Versorgten um,5 Mio. Sowohl für ambulante als auch für stationäre Pflege sind gute Möglichkeiten für Franchise-Systeme zu erwarten Seite 1

11 Weiterhin hohes Umsatzplus im Franchising erwartet Mrd. EUR Quellen: DFV, Prognose: DB Research Bis 215 expandieren die Umsätze im Franchising von EUR 38 Mrd. auf rd. EUR 7 Mrd. Damit wird das Wachstum mit 7% p.a. deutlich über dem des BIP liegen (nominal +gut 3% p.a.) Als Wachstumsbremse gilt der wachstumsschwache relativ hohe Anteil der Einzelhandelsunternehmen im Franchise-Sektor Wachstumstreiber werden neue Geschäftsfelder im Gesunheitswesen, Bildungsbereich und Umwelt/Energiesektor sein Seite 11

12 Franchiseumsatz der USA: großer Vorsprung absolut und relativ Mrd. EUR 1 9 USA 8 7 Deutschland Quelle: DB Research Die Bedeutung des Franchising in Deutschland bleibt trotz der erwarteten Expansion noch immer hinter den USA zurück Verbreitung in den USA seit 5er Jahren hoch Während bei uns der Anteil des Franchising an der Gesamtwirtschaft in zehn Jahren auf knapp 2,5% zunehmen wird, kam er in den USA schon 25 auf fast 5% und könnte 215 bei etwa 6% liegen Seite 12

13 Finanzierung als Hürde für Franchise-Nehmer Finanzierung der Einstiegsgebühr und der Anfangsinvestitionen (für Betriebsstätte, Maschinen u.ä.) oft Barriere für Einsteiger Investitionssumme schwankt von Branche zu Branche, beträgt in der Regel EUR 1. Großteil der Finanzierung über Kreditinstitute (Ausnahme Franchise- Geber als Kapitalgeber) Bisher bieten wenige Banken franchise-spezifische Finanzierungslösungen. Gleiches Prozedere wie Kreditvergaben an freie Existenzgründer. Meist nur Regionalprinzip, das umständlich ist und Kreditentscheidung unnötig verzögert Gutachten für BMWi führt Finanzierungsprobleme als größtes Wachstumshemmnis zur schnelleren Verbreitung des Franchising an Seite 13

14 Fazit: Weiterhin Wachstumsbranche Bis 215 wird der Franchise-Umsatz mit 7% p.a. auf EUR 7 Mrd. zunehmen, d.h. Zuwachs deutlich stärker als Gesamtwirtschaft. Damit positive Beschäftigungseffekte verbunden Die Zahl der Beschäftigten dürfte um etwa 18. auf 61. (+4% p.a.) steigen Weniger Impulse von Einzelhandel und Gastgewerbe zu erwarten Gute Chancen in neuen Zukunftsbereichen: Gesundheitswesen (vor allem Pflegedienste) Bildung Umwelt/Energie Zusätzliche Expansionschance, wenn bestehende Restriktionen in der Handwerksordnung, im Kündigungsschutz entfallen Weiterer Schub zu erwarten dank franchise-spezifischer Finanzierungskonzepte Franchising trägt dazu bei, das strukturelle Gründerproblem in Deutschland zu mildern Seite 14

15 Copyright 27. Deutsche Bank AG, DB Research, D-6262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe Deutsche Bank Research gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informationszwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorstehenden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht verfügt. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die in Bezug auf Anlagegeschäfte im Vereinigten Königreich der Aufsicht der Financial Services Authority unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Limited, Tokyo Branch, genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen. Seite 15

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