Die exemplarische Geschäftsprozessmodellierung mit Kooperationsbildern Dipl.-Inform. Holger Breitling

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1 Die exemplarische Geschäftsprozessmodellierung mit Kooperationsbildern Dipl.-Inform. Holger Breitling AB Softwaretechnik FB Informatik Universität Hamburg &

2 Dualität von Geschäftsprozess und Software-Unterstützung Geschäftsprozesse und Anwendungssoftware greifen ineinander Geschäftsprozesse müssen zielführend, zuverlässig und effizient sein Passende Anwendungssoftware ist dafür ein wichtiger Schlüssel Andererseits: Prozesse müssen sich häufig an bestehende Software anpassen, weil Software teuer und langlebig ist Unsere Folgerung: Geschäftsprozesse und Software müssen gemeinsam betrachtet und entwickelt werden.

3 Modellierung von Geschäftsprozessen und Anwendungssoftware-Entwicklung Geschäftsprozessmodellierung und Anwendungssoftware- Entwicklung betrachten den gleichen Gegenstand den Anwendungsbereich Sie verwenden unterschiedliche Modelle und Vorgehensweisen. Geschäftsprozessmodelle werden im Anwendungsbereich abgelehnt oder nicht verstanden. Die in der Softwareentwicklung etablierten Dokumente und Diagramme berücksichtigen Geschäftsprozesse unzureichend Folge: Doppelarbeit und schlecht passende Anwendungssysteme.

4 Thesen zur Modellierung des Anwendungsbereichs Die Modelle der klassischen Geschäftsprozessmodellierung sind für die objektorientierte Anwendungssoftware-Entwicklung nur begrenzt verwendbar. Es ist möglich, eine gemeinsame Modellierungsgrundlage für beide Bereiche zu schaffen. Es ist sinnvoll, diese Modellierungsgrundlage auf die jeweilige Domäne (z.b. Bankgeschäft) zuzuschneiden. Eine Reihe von anwendungsorientierten Dokumenten und Diagrammen lassen sich auf dieser Modellierungsgrundlage aufbauen.

5 Ziel Wir streben eine gemeinsame Basis an für eine leichtgewichtige Geschäftsprozessmodellierung, die für Anwender, Organisatoren und Entwickler verständlich ist. für die fachlichen Modelle bei Entwicklung, Einsatz und Anpassung von (objektorientierter) Anwendungssoftware Diese Modellierungsbasis soll sich auf die jeweilige Domäne zuschneiden lassen

6 Vorteile der gemeinsamen domänenspezifischen Modellierungsbasis Reduzierung von Doppelarbeit durch eine sinnvolle Arbeitsteilung zwischen GP-Modellierern und Software-Entwicklern Gemeinsame Kommunikationsgrundlage für die Zusammenarbeit Aktualisierte Dokumentation von Geschäftsprozessen und Anwendungssoftware Gemeinsame Konzepte und Begriffe für Geschäftsprozesse und Anwendungssysteme. Besseres Zusammenspiel zwischen Geschäftsprozessen und unterstützender Anwendungssoftware. Ausgangspunkt für System- und Akzeptanztests Unterlage für Anwenderschulungen und Orientierungshilfe im Arbeitsprozess

7 Kooperationsbilder AB Softwaretechnik FB Informatik Universität Hamburg &

8 Abbildung von Prozessen mit Kooperationsbildern Uns interessiert an Prozessen: Wer sind die Teilnehmenden (Akteure)? Was tun sie typischerweise in welcher Reihenfolge? Mit wem arbeiten sie zusammen? Mit welchen Gegenständen arbeiten sie? Wann geben sie Gegenstände (an wen) weiter? Wie koordinieren sie ihre Zusammenarbeit? Bei welchen Tätigkeit werden sie von EDV unterstützt? Wie? Der wichtigste Modelltyp unserer Methode, das Kooperationsbild, behandelt diese Aspekte einfach und anschaulich

9 Elemente von Kooperationsbildern (1) Ein Akteur bearbeitet einen Gegenstand

10 Elemente von Kooperationsbildern (2) Aktivitäten werden nummeriert Zusätzliche Informationen zu Art und Zweck der Aktivität (Wie & Wozu)

11 Elemente von Kooperationsbildern (3) Ein Akteur bearbeitet mit Hilfe eines Gegenstands einen anderen Gegenstands

12 Das Metamodell (1) Mit der Beziehung "wer bearbeitet was womit wozu" greifen wir das grundlegende Konzept der Objektorientierung auf.

13 Elemente von Kooperationsbildern (4) Wir definieren die elementare Kooperationsbeziehung: Ein Akteur gibt einen Gegenstand (eine Arbeitsunterlage) weiter an einen anderen Akteur

14 Elemente von Kooperationsbildern (5)... oder... Akteure müssen sich abstimmen und koordinieren. Wir definieren die Koordinationsbeziehung: Ein Akteur informiert mit einem Gegenstand (über ein Medium) einen anderen Akteur

15 Das Metamodell (2) Mit der Beziehung "wer gibt Gegenstand weiter an" modellieren wir Kooperation. Mit der Beziehung "wer informiert mit Gegenstand/Medium wen" modellieren wir Koordination.

16 Elemente von Kooperationsbildern (6) Unterstützung von Tätigkeiten durch EDV wird durch einen Blitz gekennzeichnet Die Art der Unterstützung (hier z.b. die generische Bezeichnung externes Produkt ) wird ebenfalls annotiert

17 Das Metamodell (3) Alle Gegenstände und Beziehungen lassen sich als "IT-gestützt" modellieren. Damit ist es z.b. möglich, ein elektronisches Dokument und seine ausgedruckte Kopie zu unterscheiden. Unterschiedliche Systeme lassen sich farblich kennzeichnen.

18 Beispiel: Kooperationsbild Kommunalkredit

19 Bewertung der Kooperationsbilder Kooperationsbilder erzählen Geschichten Sie zeigen die wichtigsten Akteure, Gegenstände und Aktivitäten auf einen Blick Sie zeigen das Ineinandergreifen von Prozess und IT- Unterstützung Sie sind für Organisatoren für IT-Fachleute und für Mitarbeiter des Fachbereichs gut verständlich Sie können deshalb in gemeinsamen Workshops erarbeitet werden Mit Kooperationsbildern können die Beteiligten einen gemeinsamen Wissensstand und eine gemeinsame Sprache erarbeiten

20 3+1-Modellierung AB Softwaretechnik FB Informatik Universität Hamburg &

21 Übersicht Business Use Case Diagramm Prototyp wird erläutert durch Szenario Business Use Case wird erläutert durch Arbeitsplatzbild Klassenmodell Begriffsmodell Kooperationsbild Glossar IT-Interaktionsbild inhaltlich abhängig verweist auf gemeinsames Meta-Modell

22 3+1-Modellierung Unsere Geschäftsprozessmodellierungstechnik kennt zunächst drei miteinander verknüpfte Ebenen Obere Ebene: Kooperationsbilder zeigen, wie mehrere Akteure in einem Geschäftsprozess zusammen arbeiten (wurde bereits ausführlich erläutert). Mittlere Ebene: Arbeitsplatzbilder zeigen, wie ein Akteur in einer bestimmten Situation an seinem Arbeitsplatz agiert. Aus einer Folge von einzelnen Tätigkeiten wird hier ein sinnvoller Arbeitsablauf konstruiert. Untere Ebene: IT-Interaktionsbilder zeigen, wie ein Akteur eine einzelne Tätigkeit IT-gestützt durchführt.

23 3+1-Modellierung Mehrere Kooperations- und Arbeitsplatzbilder beziehen sich auf ein fachliches Begriffsmodell Das Begriffsmodell sorgt für eine Begriffs- Vereinheitlichung über die verschiedenen Modelle Es ordnet Ober- und Unterbegriffe zu Es definiert Begriffe als Teil eines Ganzen

24 Mittlere Ebene: Arbeitsplatzbild Um Arbeitsplatzsituationen abzubilden, werden separate Arbeitsplatzbilder gestaltet. Sie werden innerhalb des Kooperationsbildes wie ein einfacher Prozessschritt eingereiht und mit einer Nummer versehen Ein Kooperationsbild enthält also mehrere Prozessschritte, von denen einige Arbeitsabläufe am Arbeitsplatz sind (=Arbeitsplatzbilder) Arbeitsplatzbilder enthalten wieder einzelne Arbeitsschritte

25 Mittlere Ebene: Arbeitsplatzbild Arbeitsplatzbilder werden in Kooperationsbilder an den Akteuren (Arbeitsplätzen) eingehängt Sie erhalten eine Nummer im Sinne eines Schrittes innerhalb des Kooperationsbildes In diesem Beispiel hier sind die Schritte 2 und 7 als Arbeitsplatzbilder hinterlegt.

26 Untere Ebene: IT-Interaktionsbild Geno-Kredit Kundensuche Suchkriterium eingeben Auswahl Kunde Kunde übernehmen O/S JBF Browser Ergebnismenge Einzelne Tätigkeiten mit IT- Unterstützung können auf der untersten Ebene durch unsere IT-Interaktionsbilder dargestellt werden. Diese Bilder können in Arbeitsplatzbildern an Einzeltätigkeiten hinterlegt werden Kundendaten laden Button OK Kundeneintrag Kunde (geladen)

27 IT-Interaktionsbild mit Systemwechsel Förderkredit Start Geno- Star Geno -Kredit Vorgang Systemwechsel können durch Schachtelung elegant visualisiert werden Geno- Star Rechnung durchführen Geno-Star Modellrechnung Modellrechnung Speichern, Beenden Modellrechnung Modellrechnung (übernommen)

28 Übersicht Business Use Case Diagramm Prototyp wird erläutert durch Szenario Business Use Case wird erläutert durch Arbeitsplatzbild Klassenmodell Begriffsmodell Kooperationsbild Glossar IT-Interaktionsbild inhaltlich abhängig verweist auf gemeinsames Meta-Modell

29 Zusammenhang zur UML Unsere Modelltypen lassen sich leicht in das Metamodell der UML integrieren Ein Kooperationsbild (oder mehrere) können eines UML-(Business)- Use-Case erläutern Das fachliche Begriffsmodell entspricht einem UML-Klassenmodell in der Form des Object Model

30 Exemplarische Modellierung AB Softwaretechnik FB Informatik Universität Hamburg &

31 Einsatz von Kooperationsbildern So verwenden wir Kooperationsbilder: Eine flächendeckende Modellierung aller Geschäftsprozesse ist meist nicht notwendig. Wenige Geschäftsprozesse reichen aus. Sie werden mit wenig Aufwand erstellt. Ziel ist nicht Vollständigkeit... Kooperationsbilder zeigen keine negative Prozessverläufe Kooperationsbilder kennen keine Fallunterscheidungen Sie zeigen typische Prozessverläufe Dazu wird die Ausgangssituation eingegrenzt z.b. Maschinenfinanzierung einer GmbH, Kreditsumme EUR, Kunde bekannt (bei Modellierung von Kreditgeschäften) Leitbild ist der 90%-Fall, die Masse des Geschäfts

32 Exemplarische Prozessverläufe Das Lernen und Diskutieren anhand guter Beispiele (exemplarisch) ist eine bewährte Technik. Die Kooperationsbilder sollen solche guten Beispiele sein Alle wichtigen Prozesse müssen abgebildet werden Alle wichtigen Variationen müssen vorkommen Im Kreditgeschäft z. B. im Bezug auf Sicherheiten: Alle wichtigen Sicherheitenarten müssen in passenden Prozessen vorkommen. Wenn man die Beispiele verstanden hat, kann man sich den Rest denken Keine Detaillitis

33 Auswahl von Standard-Software Software

34 Lösungsansatz: Auswahl Standard-Software egpm Ist-fachl. Unternehmen Anbieter egpm Soll-IT Standard-Software Kernsystem & Ausbaustufen

35 Neu-Entwicklung

36 Lösungsansatz: Entwicklung einer neuen Anwendung egpm Soll_fachl. Unternehmen Begriffsmodell egpm Soll-IT Kernsystem & Ausbaustufen Neuanwendung Etappenplan

37 Fazit Die exemplarische Geschäftsprozessmodellierung mit Kooperationsbildern kann die Kluft zwischen der Planung von Geschäftsprozessen und der Entwicklung oder Anpassung von Anwendungssoftware überbrücken und u.a. folgende Fragen beantworten: Wie sehen die aktuellen und geplanten Prozesse aus? Wie sieht die aktuelle und zukünftige IT-Unterstützung aus? Wie könnte eine (bessere) IT-Unterstützung für einen geplanten Prozess aussehen Wie könnte ein Prozess auf Basis einer (feststehenden) IT-Unterstützung (besser) gestaltet werden? Welche relevanten organisatorischen Änderungen treten auf? Wie ändert sich die Interaktion mit dem System an relevanten Stellen?

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