Die Bewertung von kleinen und mittelständischen Familienunternehmen in der Unternehmensberatungspraxis

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1 Die Bewertung von kleinen und mittelständischen Familienunternehmen in der Unternehmensberatungspraxis Kolloquium Mat.-Nr.:

2 Ziele Darstellung der Bewertung von kleinen und mittelständischen Familienunternehmen in der Unternehmensberatungspraxis Welche Methode(n) (und warum)? z.b. Ertragswertverfahren, DCF-Verfahren, Multiplikatorverfahren, In welcher Funktion? z.b. Entscheidungsfunktion, Verhandlungsfunktion, Schiedsfunktion, Zu welchem Anlass? z.b. Kauf/Verkauf, Verschmelzung, Börseneinführung, Untersuchung von sechs Praxisfällen im Rahmen einer explorativen Studie: 1. Erwartetes Ergebnis: Tendenziell ist in der Praxis eine Diskrepanz zwischen den rechnerisch ermittelten Werten von Familienunternehmen und den subjektiv empfundenen Unternehmenswerten der Unternehmer(familien) zu beobachten. 2. Ansätze zur Erklärung der (evtl. festgestellten) Differenzen 2

3 Agenda 1 Definition Familienunternehmen/KMU 2 Explorative Studie 3 Fazit & Handlungsempfehlungen 4 Nutzen der Erkenntnisse 5 Fragen/Diskussion 3

4 2 Definition Familienunternehmen Laut Institut für Mittelstandsforschung (IfM) diejenigen Unternehmen, bei denen Eigentums- und Leitungsrechte in der Person des Unternehmers vereint sind. Die Größe des Unternehmens und die Rechtsform sind für die Charakterisierung als Familienunternehmen ohne Belang, wenngleich die Schnittmenge von Familienunternehmen und kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) naturgemäß sehr groß ist. Der überwiegende Teil der Familienunternehmen sind kleine und mittlere Unternehmen: Üblicherweise Abgrenzung nach Jahresumsatz, Anzahl der Beschäftigten, Bilanzsumme Je nach Institution existieren unterschiedliche Definitionsansätze: 4

5 Exkurs: Definition KMU KMU- Höchstgrenzen Anzahl der Beschäftigten Jahresumsatz Bilanzsumme IfM Mio. - HGB ,5 Mio. 19,25 Mio. EU Mio. 43 Mio. 5

6 2 Definition Familienunternehmen (I) Allerdings gibt es auch Familienunternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten bzw. über 50 Mio. Jahresumsatz. Umgekehrt existieren auch kleine und mittlere Unternehmen, die eine Vielzahl von nicht-familienverbundenen Unternehmenseignern aufweisen und/oder von Fremdmanagern geführt werden. Familienunternehmen im engeren Sinn sind demnach eigentümergeführte Unternehmen. Eigentümerführung aus Sicht des IfM gegeben, wenn: bis zu zwei natürliche Personen oder ihre Familienangehörigen mindestens 50 % der Anteile eines Unternehmens halten und diese natürlichen Personen der Geschäftsführung angehören. Nach den Berechnungen des IfM sind in dieser Abgrenzung 95,1 % aller Unternehmen als Familienunternehmen zu charakterisieren. Auf sie entfallen 41,5 % aller Umsätze und sie vereinen 57,3 % aller Beschäftigten auf sich. 6

7 3 Explorative Studie Übersicht Praxisfälle Praxisfall Branche Bewertungsanlass Rechtsform Umsatz (T ) Anzahl Beschäftigte I Ingenieurdienstleistungen Fusion GmbH ca II Elektrotechnik Nachfolge GmbH ca III Erdbau und Kiesabbau Verkauf GmbH & Co. KG ca IV Floristik und Garten Grundlage für weitere strategische Entscheidungen GmbH ca V Erdbau und Abbruch Nachfolge GmbH & Co. KG ca VI Einzelhandel Nachfolge/ Verkauf Einzelfirma ca

8 3 Explorative Studie Praxisfall I Praxisfall Branche Bewertungsanlass Rechtsform Umsatz (T ) Anzahl Beschäftigte I Ingenieurdienstleistungen Fusion GmbH ca II Elektrotechnik Nachfolge GmbH ca III Erdbau und Kiesabbau Verkauf GmbH & Co. KG ca IV Floristik und Garten Grundlage für weitere strategische Entscheidungen GmbH ca V Erdbau und Abbruch Nachfolge GmbH & Co. KG ca VI Einzelhandel Nachfolge/ Verkauf Einzelfirma ca

9 3 Explorative Studie Praxisfall I (I) Auftragsdurchführung orientierte sich an den Grundsätzen zur Durchführung von Unternehmensbewertungen (IDW S 1), mit Stand vom Bewertungsgutachten wurde dabei in der Funktion des neutralen Gutachters erstellt. Ziel war die Erstellung eines objektivierten Unternehmenswertes. Ermittlung des Unternehmenswertes: Positionen Planergebnis Zinssatz Abzinsungsfaktor Barwert T T Ermittlung des Kapitalisierungszinsfußes 1 0,00 8,66 % 0,9203 0,00 1 bis 5 6 bis Basiszinssatz 5,00 % 5,00 % Risikozuschlag 5,50 % 5,50 % Ertragssteuersatz 17,50 % 17,50 % Wachstumsabschlag 0,00 % 0,50 % Kapitalisierungsszinsatz: 8,66 % 8,16 % 2 22,00 8,66 % 0, , ,00 8,66 % 0, , ,00 8,66 % 0, , ,00 8,66 % 0, ,00 6 bis 29,00 8,16 % 12, ,00 Unternehmenswert, Ertragswert nach IDW-Richtlinien: 321,00 9

10 3 Explorative Studie Praxisfall I (II) Im Ergebnis zeigten sich die Unternehmer zufrieden mit dem ermittelten Unternehmenswert. Die Fusion wurde daraufhin durchgeführt. In diesem Fall bestätigte sich die eingangs geäußerte Vermutung nicht. 10

11 3 Explorative Studie Ergebnis Praxisfall Branche Bewertungsanlass Rechtsform Umsatz (T ) Anzahl Beschäftigte Ergebnis I Ingenieurdienstleistungen Fusion GmbH ca II Elektrotechnik Nachfolge GmbH ca III Erdbau und Kiesabbau Verkauf GmbH & Co. KG ca IV Floristik und Garten Grundlage für weitere strategische Entscheidungen GmbH ca V Erdbau und Abbruch Nachfolge GmbH & Co. KG ca VI Einzelhandel Nachfolge/ Verkauf Einzelfirma ca

12 3 Explorative Studie Zusammenfassung der Ergebnisse Betrachtet wurden sechs Praxisfälle aus der Unternehmensberatungspraxis, bei denen es um die Kaufpreisfindung von Familienunternehmen ging. Gegenstand der Beratungsleistung war dabei einerseits die Nennung von Kaufpreisdimensionen, welche unter realistischen Gesichtspunkten am Markt zu erzielen sein könnten (Fälle I, II, IV, V, VI). In einem anderen Fall wurde zudem versucht, das Unternehmen zu den Kaufpreisvorstellungen des Unternehmers zu verkaufen, was jedoch nicht gelang, da sich zeigte, dass diese Kaufpreisvorstellung nicht am Markt durchzusetzen war (Fall III). Die eingangs geäußerte Vermutung bestätigte sich in fünf (Fälle II bis VI) der sechs Fälle. Bei der Ermittlung der Unternehmenswerte wurde auf das Ertragswertverfahren zurückgegriffen. 12

13 3 Explorative Studie Zusammenfassung der Ergebnisse (I) Gezielte Befragung der Unternehmer im Vorfeld der Kaufpreiseinschätzung konnte nicht durchgeführt werden. Wäre sinnvoll gewesen, um einen bessere Einschätzung davon zu bekommen, worauf sich die höhere Kaufpreiseinschätzung aus Sicht des Unternehmers bzw. der Unternehmer begründet. Wann jedoch hierüber Informationen eingeholt werden konnten, kristallisierten sich vor allem die folgenden Faktoren heraus: Investiertes Management-Know-how über die Jahre Über die Jahre aufgebauter Kundenstamm Gute Beziehungen zu dem über die Jahre aufgebauten Kundenstamm Wir haben so viel in das Unternehmen hineingesteckt Selbstidentifikation mit dem Unternehmen Persönliche Unabhängigkeit Selbstverwirklichung Die hier ermittelten Faktoren sind lediglich als Ansätze zu verstehen. Im Rahmen einer größer angelegten Studie würde es sich anbieten, diese zu erweitern und zu verifizieren. 13

14 4 Fazit & Handlungsempfehlungen Unternehmensnachfolge/Unternehmensverkauf als hauptsächliche Bewertungsanlässe bei kleinen und mittelständischen Familienunternehmen. Die Aufgabe des Gutachters ist in diesem Zusammenhang eher die eines Beraters, dessen Aufgabe es ist, den Parteien eine Orientierungshilfe bei der Preisfindung zu geben. Auch wenn mittlerweile eine Vielzahl an Methoden zur Ermittlung von Unternehmenswerten existiert: Zur Bewertung von kleinen und mittelständischen Unternehmen ist vor allem das Ertragswertverfahren sinnvoll: Geeignete Anwendbarkeit auf die Bedingungen, die bei KMU vorzufinden sind Geringer Bewertungsaufwand als Restriktion bei der Bewertung von Kleinbetrieben Als Nachteil der anderen Methoden zu sehen 14

15 4 Fazit & Handlungsempfehlungen (I) Bei der Bewertung von kleinen und mittelständischen Familienunternehmen ist tendenziell eine Differenz zwischen den rechnerisch ermittelten Werten von Familienunternehmen und den subjektiv empfundenen Unternehmenswerten aus der Sicht der Unternehmer(familien) festzustellen Besonders dann der Fall, wenn das Unternehmen aus der Hand gegeben werden soll Emotionale Faktoren, die die Unternehmer(familien) vergütet sehen möchten Wert eines Familienunternehmens muss als relativer Wert gesehen werden, der maßgeblich von den Emotionen der Unternehmer(familie) geprägt ist. 15

16 4 Fazit & Handlungsempfehlungen (II) Handlungsempfehlungen: Tiefergehende Erforschung und Verifizierung im Rahmen einer größer angelegten Studie Gezielte Befragung des Unternehmers nach Kaufpreisvorstellung im Vorfeld (evtl. per Fragebogen). Anschließend durch Befragung des Unternehmers herausfinden, welche emotionalen Faktoren den subjektiv empfundenen Unternehmensmehrwert besonders beeinflussen (evtl. per Fragebogen). Gewichtung der ermittelten Faktoren durch den Unternehmer Gegenüberstellung Kaufpreisvorstellung des Unternehmers / rechnerisch ermittelter Unternehmenswert. Aufschlüsselung der Differenz gemäß den im Vorfeld ermittelten Faktoren um Quantifizierbarkeit herzustellen. 16

17 4 Fazit & Handlungsempfehlungen (III) Emotionale Faktoren rechnerisch ermittelter Unternehmenswert (Ertragswertverfahren, DCF-Verfahren, Multiplikatorverfahren, ) Kaufpreisvorstellung des Unternehmers bzw. der Unternehmer(familie) 17

18 5 Nutzen der Erkenntnisse? Zu versuchen, diese emotionalen Faktoren erfassbar und quantifizierbar zu machen, würde bestimmte Vorteile mit sich bringen: Im Rahmen der Betreuung von Nachfolgeregelungen bzw. der Begleitung von Unternehmensverkäufen Sensibilisierung des Unternehmers bzw. der Unternehmerfamilie im Vorfeld durch den Berater. Dieses könnte der Gefahr einer extremen Überschätzung des Marktwertes des Unternehmens durch den Eigentümer entgegenwirken sowie einen reibungsloseren Ablauf der Nachfolgeregelung gewährleisten. Im Rahmen der Begleitung von Verkaufsprozessen Diese (für Familienunternehmen spezifischen) Faktoren als Argumentationswerte in Kaufpreisverhandlungen mit externen Dritten einfließen lassen. 18

19 6 Fragen/Diskussion Vielen Dank! Fragen / Diskussion 19

20 Die Bewertung von kleinen und mittelständischen Familienunternehmen in der Unternehmensbewertungspraxis Kolloquium Mat.-Nr.:

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