NR. 51 / JULI BIS OKTOBER 2018 D R A U S S E N

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1 NR. 51 / JULI BIS OKTOBER 2018 D R A U S S E N

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3 Festival 9Brisach 13. bis 15. Juli 2018, 14 h Musée Vauban, 7 Place de la Porte de Belfort Musik HOPLA GUYS ZWEIERPASCH DREAM CONTROL und weitere Gäste + Workshops Medienkunst Videoinstallationen oberrheinischer KünstlerInnen

4 Sommerträume Richten Sie Ihren Garten ein mit exklusiven, witterungsbeständigen und pflegeleichten Outdoormöbeln. Eine große Auswahl finden Sie jetzt in unserer Gartenmöbelausstellung in Tiengen und auf der Terrasse im Haus Waldshut. Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Seipp Wohnen, Waldshut, Bismarckstraße 35 + Tiengen, Schaffhauser Straße 36,

5 inhalt editorial DRAUSSEN 6 thema. Nike U. Breyer: Ohne Moos nix los 14 persona. Naturkunde Im Gespräch mit Xiaoqun Wu und Oliver Hischier 18 novum. Wolkengärten / Singapur Bewegte Natur / Sibratsgfäll 20 text. Buchtipps 24 werkraum. Alphabet des Lebens 26 spezial. Draußen 28 fokus. Hartmann, Wien 30 campus. EMMA Kreativzentrum Pforzheim 32 campus. New Design University St. Pölten 34 campus. Im Gespräch mit Andrea Moya Hoke New Design University St. Pölten 35 campus. Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW Basel 36 spotlight. Empfehlungen und Adressen 36 Die Künstlerbrille Denken, lernen und arbeiten vor der Tür 39 friends of carlotta. Darwins Darlings Evolution tipps. Aktuelle Ausstellungen 49 messetipps. Messen und Events 51 agenda. Termine von von Juli bis Oktober impressum. Jetzt holt die Stadt auf. Nicht nur, dass sie auf mehr Häuser, Menschen, Kriminalität, Autos, Lärm, Fremde, Discos, Feinstaub und Restaurants verweisen kann als die Provinz, nein, jetzt besinnt sie sich aufs DRAUSSEN und aufs DRAUSSENSEIN. Und damit ist nicht nur gemeint, möglichst weit weg als Tourist frische Luft zu schnappen, sondern nun will man daheim, in der verdichteten Stadt mal gucken, ob man vielleicht ins Gespräch kommt mit dem Nachbarn oder anderen Gestalten. Dazu braucht es kleine Geschäfte, Cafés und Kneipen, heimelige Plätze und viel Grün, und vor allem: Autos raus, Fahrräder rein. Die Skandinavier waren Vorreiter. Ebenfalls ganz vorne dabei bei den grünsten Städten: Bristol, Amsterdam und Berlin. In München räkeln sich die Nackerten schon seit Jahrzehnten auf den Wiesn und die Surfer reiten die Isarwelle als gäbe es keine Beton-Begrenzung rechts und links. Nun möchten auch Stadtplaner weniger pittoresker Metropolen ihren Einwohnern mehr bieten als nur Stadtstress. Sogar eigens für das heilige Auto konzipierte Städte wie Pforzheim beginnen in jüngster Zeit, ekstatisch zu begrünen, zu entsiegeln. Beim Urban Gardening und mit der Einführung der Permakultur zeigen die Städter umzingelt von Pendlersiedlungen und Agrarwüste den Landwirten, wie man begeistert und vor allem ökologisch Gemüse anbaut und den Förstern, was Arten vielfalt ist. Amseln, Meisen und Grashüpfer singen und schreien in der Stadt höher, um sich gegen den Lärm zu behaupten. Gespinstmotten in Basel finden helles Licht bei Nacht nur halb so spannend wie ihre Artgenossen vom Land und gewiefte Stadtvögel, die in ihren Nestern Zigarettenkippen verbauen, leiden möglicherweise weniger an Ektoparasiten. Was sich gesundheitlich sonst noch bei ihnen tut, ist nicht bekannt. Ansonsten werden Leoparden in Mumbai, Kojoten in Chicago gesichtet, und in Berlin begegnet man nachts Wildschweinen und Füchsen, die nur bei Grün über die Ampel gehen. Es lohnt sich also mittlerweile, einen Fuß vor die Tür zu setzen. Am besten nehmen Sie dieses Heft gleich mit. Im Gegensatz zum Smartphone-Screen lässt es sich nämlich auch bei grellem Sonnenlicht gut lesen. Spannende Entdeckungen wünschen Thomas Hirtenfelder und Björn Barg DRAUSSEN 5

6 thema Ohne Moos nix los Aufbruch ins Grüne / alte und neue Designkonzepte Nike U. Breyer Outdoor ist überall. Auch wer weder klettert, wandert, segelt oder surft, weder Mountainbike fährt noch Wildwasserkanu, hat zu Hause mindestens eine ultraleichte Fleecejacke oder eine wetterfeste Klimamembran-Outdoorjacke im Kleiderschrank. Diese praktischen Kleidungsstücke haben nicht nur klare Tragevorzüge, sondern bringen auch einen Hauch Abenteuer in unseren Großstadtalltag. Dabei hat dieser Großraumtrend längst auch den Bereich Leben und Wohnen erreicht und zieht unseren Blick magnetisch aus den eigenen vier Wänden hinaus ins Grüne. Seit eh und je, so scheint es, wird ein Draußen mit Gesundheit, Natürlichkeit und last but not least mit Freiheit assoziiert, wenn nicht übermütig damit gleichgesetzt. In jedem Fall wird es als vergnügliche Erweiterung des Lebens vorgestellt, weshalb Outdoor -Produkte und -Aktivitäten unbedingt in unseren begrenzten modernen Lebensradius hineingepresst werden. Reine Mode? Genau besehen hat dieser von unbestimmten Erwartungen geprägte Hunger nach draußen eine recht überschaubare Tradition. In eine prägende Form gegossen hat ihn der französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau ( ), der die Natur als idealen unschuldigen Raum und Zustand entwarf und einer von Zwängen und Kompromissen geprägten menschengemachten Gesellschaft gegenüberstellte, ein Jahrhundert später gefolgt vom amerikanischen Schriftsteller Henry David Thoreau ( ), der 1854 mit seinem Buch Walden. Life in the woods über sein Experiment eines alternativen Lebens berichtete und damit zivilisationsmüde Zeitgenossen begeisterte. Mit diesem griffig konstruierten Gegensatzpaar vom Leben in grauer Städte Mauern, wie ein altes Wandervogel- Lied titelt, versus ein besseres grünes Leben in und mit der Natur, etablierte sich eine wirkmächtige Denkfigur, die hart am Klischee unsere Vorstellungen vom Menschen und der Gesellschaft nachhaltig, zum Teil bis heute, geprägt hat. Von der Naturgewalt zum locus amoenus Aber stimmt diese romantisch gedachte Polarität? Historisch machte erst die Erfahrung eines drinnen ein Bild vom draußen möglich und dieses war keineswegs immer schon gegeben. Bevor Menschen die Schönheit der Natur entdeckten, war der Unterschlupf der Sehnsuchtsort schlechthin. Denn dieser bot Schutz vor Bedrohung durch Kälte, Unwetter und wilde Tiere. Die archäologischen Funde sprechen dafür, dass die ersten Behausungen nicht Höhlen gewesen sind, wie man lange Zeit dachte, sondern je nach geografischer Lage Zelte aus Tierfellen oder provisorische Hütten aus Zweigen und Blättern sowie schüt /2018

7 zende Felsvorsprünge. Höhlen, in denen sich Knochen und menschliche Artefakte über zehntausende von Jahren erhalten haben, dienten eher kultischen Zwecken. Als die Menschen in der Neolithischen Revolution vor ca Jahren begannen, statt zu jagen und zu sammeln den Boden zu bestellen, entstanden auch die ersten festen Häuser aus Holz, Lehm und Stein. Die ersten Gärten, die nicht mehr die Natur/Gewalt, sondern die Schönheit der Natur spiegelten, sind uns aus dem alten Ägyptern aus der Zeit um v. Chr. bekannt, vergleichbar ähnlichen Anlagen im Zweistromland. Ausdruck eines entscheidenden Perspektivenwechsels. Im römischen Reich sehen wir später den ersten öffentlichen Park, den 55 v. Chr. der Feldherr und Politiker Gnaeus Pompeius Magnus in Rom anlegte. Seit dieser Zeit geisterte auch der Topos vom Locus amoenus (lat. für lieblicher Ort) als paradiesähnlicher Ort mit Blumenwiese, Baum und Brunnen durch die Literatur der Spätantike und des Mittelalters. Über tatsächliche Ziergärten wissen wir in dieser Zeit wenig. Natur mal zwei Zum festen Bestandteil architektonischer Gestaltung wurde der Garten mit der Renaissance. Natur präsentierte sich dem Menschen nun in zwei Erscheinungs- Mit dem Flair von Orangerie und Palmenhaus. Warum ein Gewächshaus nicht als Arbeitsplatz im Grünen nutzen? Dieses Gewächshaus der Luxusklasse von dem italienischen Hersteller Unopiù besteht im selbst tragenden Gerüst aus verzinktem puverbeschichteten Eisen und kann durch Polykarbonatpaneele, dazu gehören Tür und Fenster, nach Wunsch variiert werden. Foto: Unopiù DRAUSSEN 7

8 thema Ohne Moos nix los Aufbruch ins Grüne alte und neue Designkonzepte BACHELORSTUDIUM DESIGN, HANDWERK & MATERIELLE KULTUR Handwerk trifft Produktdesign: Das einzigartige Bachelorstudium an der New Design University St. Pölten verbindet Designkompetenz und Handwerksausbildung auf universitärem Niveau. JETZT ANMELDEN! EINSTIEG AUCH OHNE ABITUR MÖGLICH! formen, als gehegte Natur im Umfeld von Villen, Landhäusern und Schlossanlagen und als wilde Natur weit draußen, die einer Überformung durch den Menschen lange Zeit entzogen war. Während wir uns seit Jahrhunderten an Gärten und Parks erfreuen, interessierten sich für die naturbelassene Natur die längste Zeit der Geschichte vorwiegend Wissenschaftler und Forschungsreisende. Diese Positionen haben sich auf erstaunliche Weise ins Gegenteil verkehrt. Wilde Natur ist heute zum Konsumartikel geworden, welche die Menschen auf Pauschalreisen ans Nordkap, nach Tibet oder Patagonien bezwingen, während domestiziertes Stadtgrün zur gänzlich unspaßigen Pflichtaufgabe für Politiker geworden ist. Angesichts wachsender Verdichtung der Städte und zunehmend extremer Klimaschwankungen soll Natur in der Stadt in einem breiten ökologischen Maßnahmenkatalog nicht mehr einer zufälligen Entwicklung überlassen, sondern wissenschaftlich erforscht und gezielt gepflegt und gefördert werden. Die Stadt Frankfurt hält hierfür etwa den Klimafonds bereit, aus dem für die Begrünung von Dächern und Fassaden auch an Privathäusern Mittel abgerufen werden können. Das Bundesumweltministerium hat 2017 zudem das Weißbuch Stadtgrün herausgebracht, das Anregungen gibt, wie städtische Grün- und Freiflächen gesichert und gestaltet werden können. Grüne Putztruppe Mit gutem Grund. Neben ihrer kulturübergreifend empfundenen Schönheit verbessern Bäume und andere Grünpflanzen messbar die Luftqualität, indem sie als grüne Lunge Kohlendioxid aus der Umgebung binden und Sauerstoff produzieren. Auch immergrünes Efeu und wilder Wein, die an Häuserfassaden emporranken, sehen nicht nur pittoresk aus, sondern wirken bei Kälte wie Hitze moderierend und können Starkregen abfedern. Zudem sind sie ein natürlicher Lärmschutz. Ein besonderes Talent als grüne Putztruppe entfalten Moose. Dank ihrer vergrößerten Oberflächenstruktur können diese unscheinbaren Pflänzchen elektrostatisch positiv aufgeladenen Feinstaub aus der Luft anziehen und verdauen. Ammonium, das nahezu die Hälfte des Feinstaubs ausmacht, ist ein wichtiger Nährstoff für Moose, die damit als Luftfilter wirken. Inzwischen gibt es erste Pilot-Versuche in dieser Richtung. In Stuttgart flankiert eine mehrere Meter lange bemooste Betonwand eine befahrene Stadtautobahn. In Mailand steht eine solche Moosstation schon auf einem innerstädtischen Platz, umgeben von ein Paar Stühlchen. Richtig gemütlich wirkt das noch nicht. Da ist für innovative Designkonzepte noch Luft nach oben. Doch der Ball ist aufgenommen. Sehr überzeugend hat sich dieser Aufgabe bereits das schwedische Designbüro Nola angenommen, das eine postmodern angehauchte originelle Formensprache Die New Design University ist die Privatuniversität der Wirtschaftskammer NÖ und ihres WIFI

9 mit Ergonomie verbindet. Nola entwirft jegliches Möbel für den öffentlichen Stadtraum, vom eleganten Pflanzenkübel im XXL-Format für die mondäne Fußgängerpromenade über filigrane Eiscafé-Stühle bis zu Parkbänken und anderen öffentlichen Sitzgelegenheiten mit integrierten Designextras. Da geht noch was. Wohnung als Dschungelcamp Auch für das private Habitat wächst das Interesse an Grün als Gegengewicht zum Beton und Asphalt der städtischen Umgebung, was etwas vereinfacht in zwei Ausprägungen wahrnehmbar ist: Zum einen werden traditionelle Indoor-Aktivitäten nach draußen ins Grüne verlagert, weil unsere technischen Arbeitswerkzeuge, allen voran das mobile Internet, dies inzwischen erlauben. Zum anderen holen wir das Grün von draußen zu uns herein. Schauen wir zunächst auf diese zweite Variante. Unter dem schicken Namen Jungle Design beschreibt dieser Interior-Trend das Verfahren, Grünpflanzen dominant in Inneneinrichtungen zu positionieren. Die Restaurantkette Vapiano gehörte vor ein paar Jahren zu den Pionieren, als sie mit knorrigen Olivenbäumen in Kübeln ihren Restaurants mediterranes Flair verlieh. Die hessische Ökobäcker-Kette Siebenkorn platzierte unlängst eine hohe Mooswand im Caféraum einer neu eröffneten Filiale namens Café Tante. Noch etwas brav, aber sehr grün. Daneben sehen wir neue Produktdesigns, mit denen Indoor-Grün im Wohnraum arrangiert werden kann, von Blumenbänken bis zu frei hängenden oder an der Wand befestigten Ampeln und Töpfen. Der Produktdesigner Jörg Brachmann aus Lützen hat für sein Label Urbanature eine Pflanzenständer-Skulptur entworfen, bei der mehrere kleine Übertöpfe aus hellgrauem Feinbeton auf hohen Eichenholzstangen balancieren. Hier wird auch die unscheinbarste Grünpflanze zum Ereignis. Andere Designer versehen Deckenlampen mit Becken, aus denen Zierpflanzen dekorativ herabhängen. Im Trend liegen Tillandsien, ein neotropisches Ultraleichtgewächs, das sich von feinsten Wassertröpfchen und Staubpartikeln in der Luft ernährt, und sich für diesen Job besonders eignet. Die sternförmigen Pflanzenkörper sind ebenso dekorativ wie bedürfnislos. Der Phantasie sind bisher wenig Grenzen gesetzt. Dauerhaft durchsetzen dürfte sich dieser Dschungeltrend gleichwohl kaum. Denn ähnlich wie für die spektakulären vertikalen Gärten des französischen Künstler-Botanikers Patrick Blanc, der in Mailand die Fassade eines Wohnhochhauses mit ausgewachsenen Bäumen begrünt hat, gilt auch für Indoor-Grün: Pflanzen in Containern benötigen Betreuung und Pflege, und das kostet Zeit und Geld bei einem Haus von der Größe des Mailänder Bosco Verticale jährlich leicht sechsstellige Beträge. Auf längere Sicht dürften damit vertikale Gärten und Indoor-Begrünung ohne Bodenkontakt Prestigeprojekten wie Luxuswohnungen, Nobelhotels und repräsentativen Firmenzentralen vorbehalten bleiben, etwa der als Erlebnispark gestalteten Google-Niederlassung in Zürich. Leben am Pool Immerhin gibt es Alternativen. Figurative Textilien mit Pflanzenmotiven, wie sie Bettwäsche, Sofakissen und Keramik oder auch eine exklusive Tapete schmücken. Für alle erschwinglich zaubert dagegen die Grafik designerin Bodil Jane ein elegantes Dschungelambiente auf Tassen, Schalen und Teller der Serie Bamboo Bodil vom Amsterdamer Label &klevering. Ein attraktiver fake garden, der die Anmutung von Grün und Exotik ins Haus bringt, ohne störende Nebenwirkungen wie Blattlausbefall, Spinnenplage oder vertrocknete Pflanzenleichen. Wer gleichwohl auf lebendiges Grün auf keinen Fall verzichten will, Das schwedische Designbüro Nola entwirft ebenso funktionale wie originelle Möbel für den öffentlichen Stadtraum. Bei diesen integrierten Sitzgruppen aus bunt lackiertem Stahlblech ist jeweils ein Blumenkasten fest mit dem Sitzmöbel verbunden. Das sieht schön aus und verankert das Möbel fest mit dem Standort. Links: Arena, Design: Mattias Stenberg / Rechts: Vilding, Design: Sebastian Hedengrahn, Fotos: Nola DRAUSSEN 9

10 thema Ohne Moos nix los Aufbruch ins Grüne alte und neue Designkonzepte der sollte sich auf die zweite eingangs genannte Variante eines Lebens mit Grün besinnen. Ganz klassisch lässt sich nämlich immer schon mit Balkon, Terrasse, Wintergarten und Loggia der Wohnraum nach draußen öffnen und erweitern. Mit neuen Möbeldesigns, deren Formen modern und deren Materialien und Textilien wetterbeständig sind, lässt sich dieser Übergangsbereich auch jenseits traditioneller Looks auf frische Art gestalten. Das Label Diabla, eine Linie des spanischen Herstellers Gandia Blasco aus Valencia, setzt in diesem Sinne auf Transparenz und wasserklare Linienführung. Dabei erinnert die ultramoderne Diabla-Strandliege Clip, die aus zwei Modulen konfiguriert werden kann, vage an die Formensprache der Architektin Zaha Hadid. Das Material, weißer Kunststoff, ist unempfindlich gegen Regen, Poolund Meerwasser, dabei hundertprozentig recyclebar. Damit fühlt sich das neue Leben im Transit bereich von Haus und Garten gleich sehr zeitgemäß an, bleibt naturgemäß aber auf die Ferien und Freizeit beschränkt es sei denn, man gehört zu den Digitalen Nomaden. Diese neue Spezies wird mindestens von den Soziologen bereits massenhaft gesichtet. Dabei handelt es sich um Individuen, die ihrer beruflichen Tätigkeit jenseits eines herkömmlichen Büros nachgehen. Während der Homeoffice-Arbeiter sein Büro immerhin noch in den eigenen vier Wänden einrichtet, arbeitet der Nomade mit Notebook und Netzanschluss wo immer er will, also etwa auch da, wo Wind, Wellen und Strand zum Surfen einladen. Den Strom liefern derweil die Solarzellen auf dem Dach des Wohnmobils und den Team-Anschluss die wöchentliche Skype-Konferenz. Heißt es. Die Wirklichkeit sieht in den allermeisten Fällen weniger paradiesisch aus. Ohne eiserne Disziplin und ein Maximum an persönlicher Struktur und Organisation, vor allem wenn man die deutsche Grenze passiert, läuft hier gar nichts, wie das TV-Magazin Galileo vor einiger Zeit in einer Reportage resümierte. Für die meisten Nomaden endet die Reise damit wohl doch eher im heimischen Coworking Space des Cafés im Kietz um die Ecke, im Idealfall mit Mooswand oder Dschungelbegrünung. Dieser Hintergrund dürfte auch erklären, warum derzeit eine zweite Variante des Auswärts-Arbeitens mindestens so populär ist wie das Nomadentum. Heiner Schwär Gestaltung und Anfertigung Individueller Brillen aus Naturhorn Freiburg Tel Wintergärten zu Gartenbüros Wer sich ein Arbeiten ohne festen Bürostandort nicht leisten kann oder will, für den stehen immerhin wenn er selbstständig entscheiden kann auch andere Möglichkeiten bereit. Beispielsweise lassen sich traditionelle Wintergärten oder auch Gewächshäuser für fast jeden gewünschten Zweck umrüsten. Der traditionelle Charme dieser kleinen Glaspaläste mit dem Flair von Orangerie und Palmenhaus

11 oben Der spanische Hersteller Gandia Blasco kultiviert eine wasserklare klassisch-moderne Designhandschrift. Die Strandliege Clip aus der Unterlinie Diabla ist wetterfest und besteht aus hundertprozentig reecycelbarem schneeweißem Kunststoff. unten James Bond lässt grüßen. Das Gewächshaus Cristal von Diabla by Gandia Blasco sieht aus wie aus einem coolen Filmset aus den Sixties. Ideal nicht nur für Grünpflanzen, sondern auch für ein gepflegtes Meeting oder schlicht zum Chillout. Fotos: Gandia Blasco DRAUSSEN 11

12 thema Ohne Moos nix los Aufbruch ins Grüne alte und neue Designkonzepte ist ein ästhetischer Genuss und belebt mit Sicherheit die Kreativität wie die Arbeitsmoral. Besonders vornehme Exemplare gibt es von Unopiu aus Italien und dem deutschen Hersteller Juliana. Der schon genannte spanische Hersteller Gandia Blasco hat mit Cristal eine ultramoderne Interpretation entworfen, die sich ebenfalls sehen lassen kann. Doch zum geschützten Arbeiten im Grünen muss man nicht unbedingt im Glashaus sitzen. Eine wachsende Zahl von Designstudios bietet inzwischen Planung und Realisation von Gartenbüros und anderen Multifunktions-Lodges im Grünen an. Green Retreats, Buffs Garden, Green Studios oder das irische Garden Rooms haben sich damit schon einen Namen gemacht. Die Preise für die ins Grüne ausgelagerten, zumeist mit Zedernholz verschalten Gartenhäuschen, die über Strom, Internet, Heizung und bei Bedarf sogar Wasser und Badezimmer verfügen, bewegen sich schwerpunktmäßig zwischen und Euro, bei einer nach oben offenen Grenze. Die Galerien mit Referenzprojekten auf den jeweiligen Homepages belegen die rege Nachfrage und zeigen ein Spektrum intelligenter Umsetzungen, die Lust machen, sofort einzuziehen. Noch einen großen Schritt weiter in Richtung wissenschaftlichem Experiment gehen die dänische Architektin Anne Romme und die Künstlergruppe N55 bei ihrer Entwicklung des Glas-Gewächshauses Spaceplates, für dessen Raumkonstruktion sie ein hexagonales Muster nutzen, das der Geometrie der Seeigel abgeschaut ist. Arbeiten in biomorphen Hüllen, warum nicht? Wege und Formen eines Aufbruchs ins Grüne sind, wie wir gesehen haben, alt und vielfältig. Ob der Trend in nur eine Richtung anhält? Wer weiß es. Vielleicht erwartet uns demnächst ein neues Cocooning-Indoor als neues großes Ding /2018

13 linke Seite Hier wird jede Grünpflanze zum Ereignis. 1,50 Meter hoher Pflanzenständer Hochgarten aus hellgrauen Beton-Übertöpfen auf Eichenholzstäben, von Urbanature. oben und rechts Das Spaceplates Greenhouse, das die dänische Architektin Anne Romme 2011 zusammen mit der Künstlergruppe N55 entwickelt hat, basiert auf hexagonalen Grundelementen, die der Geometrie des Seeigels abgeschaut sind. Anne Romme hat mit verschiedenen namhaften Architekturbüros zusammengearbeitet und experimentiert für eine neue Form des Bauens mit der Verschmelzung von geometrischen Mustern, zeitgenössischer Technologie und Leichtkonstruktion. DRAUSSEN 13

14 persona Naturkunde Im Gespräch mit Xiaoqun Wu und Oliver Hischier von Bienvenue Publishing aus Zürich. Mit ihrem kleinen Label haben sich die beiden Grafikdesigner auf feine, handgemachte Notizbücher, Grußkarten und Prints spezialisiert, die allesamt Formen der Natur zum Thema haben. Sie verwenden diese aber keineswegs nur als rein dekorative Elemente. Jedem ihrer Projekte gehen intensive Recherchen und Forschungsreisen voraus. Oliver Hischier ist als freischaffender Grafiker und Freelancer in Zürich tätig. Xiaoqun Wu ist im chinesischen Shanghai aufgewachsen und arbeitet ebenfalls als freischaffende Grafikerin und Illustratorin in Zürich. Beide sind Absolventen des Studiengangs Grafik Design an der F+F, Schule für Kunst und Mediendesign in Zürich gründeten sie gemeinsam Bienvenue Publishing. Ihre Produkte werden über ausgesuchte Läden in der ganzen Welt sowie im eigenen Online-Shop vertrieben: bienvenuestudios.com Foto: Sebastian Magnani Inform: Können Sie uns einen kleinen Einblick in Ihren Arbeitsprozess geben? Xiaoqun Wu und Oliver Hischier: Sehr gerne. Wir nutzen die Schönheit und Vielfalt der Natur, um eine eigene visuelle Sprache zu finden. Als Grafiker befassen wir uns mit Erscheinungen der Natur, die bisher nur wenig Beachtung gefunden haben. In einem ersten Schritt gehen wir der Frage nach, was sie hervorgebracht hat und erforschen deren vielschichtige kulturelle Bedeutungen. In einem zweiten Schritt setzen wir die Ergebnisse unserer Forschungen visuell so um, dass sie eine erzählerische Dimension bekommen. Ägyptische Schutzzeichen können ebenso in unseren Fokus rücken wie die Schnabelformen von Galapagos-Finken, morbide Ästhetik in China oder Steingärten in Japan. Im Sommer 2017 sind wir zum Beispiel am Strand von Bolinas (Bay Area, Kalifornien) auf Steine gestoßen, welche auffällig perfekte Löcher aufwiesen so als hätte ein außerordentlich sorgfältiger Goldschmied diese in stundenlanger Arbeit hineingefräst. Wir haben vor Ort recherchiert. Schließlich haben wir herausgefunden, dass die Löcher von wirbellosen Tieren stammen wie Muscheln, die sich in einem frühen Entwicklungsstadium in die weichen Steine bohren und dann in ihnen größer werden. Uns ist aufgefallen, wie leicht und zerbrechlich diese Steine sind. Diese Leichtigkeit hat uns bei der grafischen Umsetzung inspiriert. Wir haben die Steine fotografiert und grafisch so inszeniert, dass sie über dem Blatt zu schweben scheinen. Als Betrachter möchte man diese gleich in die Hand nehmen. Hinter jedem Motiv steckt also eine spannende Geschichte. Woher kommt diese Faszination für die Natur? Wie haben Sie die Natur als Quelle für Ihre Arbeit entdeckt? Xiaoqun Wu: Durch unseren interkulturellen Hintergrund haben wir eine unterschiedliche Sichtweise auf die Natur. Oliver ist im Wallis aufgewachsen und schätzt die Natur seit seiner Kindheit. In meiner Kindheit konnte ich die Natur nicht wirklich wahrnehmen, weil ich in einer Großstadt aufgewachsen bin. Shanghai ist eine riesige und schnellwachsende Stadt, die innerhalb von zehn Jahren zu einer Metro pole in China geworden ist. Als ich vor 16 Jahren nach Zürich gezogen bin, musste ich zuerst lernen die Natur zu verstehen und zu respektieren. Die Schweiz hat in mir die Faszination für die Natur geweckt und dann hat es nie mehr aufgehört /2018

15 von links nach rechts Mick Pearce. Beim Eastgate Shopping Centre in Harare, Zimbabwe, ließ sich der Architekt von der Bauweise der Termiten inspirieren. Fotos: Mick Pearce. Die markanten gelben Türme am Dach des Council House 2 in Melbourne, Australien, sind Teil eines ausgeklügelten natürlichen Kühlungs- und Belüftungssystems. Foto: Nick Carson / Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0 In der Serie Viewing Stone beschäftigen Sie sich mit der chinesischen Tradition der Gelehrtensteine. Was hat es mit diesen seltsam geformten Fundstücken auf sich? Viewing Stone ist durch unsere Recherche über die höchste Form der Ästhetik in China entstanden. Diese Steine, welche ursprünglich aus dem Taihu See in China stammen, werden für ihre extreme Schönheit bewundert. Abgewetzt und über Jahre vom Wasser geformt, bilden sich die charakteristischen Poren und Löcher dieser Steine. Es heißt, es sei ein heiliger Prozess, bei dem die Seele des Steines gewaschen und freigelegt werde. Und wer sie lange genug betrachtet, dem eröffnet sich ein Einblick auf seine eigene Seele. Seit der Ming-Dynastie bis heute sind die Steine wichtige Bestandteile traditioneller daoistischer Gärten. In unserem Buch Morbid Fascination erfährt man auch mehr über andere morbide Schönheitsformen in China. Ein Beispiel sind die vielfältigen Zuchtformen von Karpfen, die wir in der Serie Morbid Being zeigen. Man hat bereits vor Jahren begonnen, sie zu züchten und erfreut sich seit jeher an ihren langen, prächtigen Flossen und der beruhigenden Wirkung, die ihre Bewegungen auf die Menschen haben. Insgesamt sind Ihre Arbeiten sehr reduziert und poetisch, manchmal überraschend abstrakt, wie zum Beispiel in der Serie Wave. Sie laden dazu ein, genauer hinzuschauen. Könnte man Ihre Produkte in diesem Sinne auch als Anregung zu mehr Achtsamkeit und zu einem bewussteren Umgang mit der Natur verstehen? Auf jeden Fall. Der Mensch will die Natur nicht nur schützen weil er sie als Ressource braucht um zu überleben, sondern auch weil sie ihm gefällt links Fundstücke am Strand: von wirbellosen Tieren durchbohrte Steine. Limited Print Pacific Marks No. 2. rechts Die Serie Morbid Being beschäftigt sich mit den vielfältigen Zuchtformen chinesischer Karpfen. in ihrer Schönheit, Eigenart und Vielfalt. Dies sollen unsere Produkte dem Betrachter vor Augen führen. Auf den ersten Blick wirken unsere Werke eher surreal und geheimnisvoll. So möchten wir beim Betrachter das Interesse wecken. Durch etwas Zeit und genaueres Hinschauen kann man selber in Erfahrung bringen, um was es geht, denn unsere Prints ergänzen wir jeweils auch mit den Ergebnissen unserer Nachforschungen. Sie verwenden auch eine ganz besondere Drucktechnik. Wodurch zeichnet sich diese aus? Für unsere Editionen haben wir ein etwas in Vergessenheit geratenes, japanisches Druckverfahren, die Risographie wieder aufgegriffen. Diese Drucktechnik hat uns fasziniert, weil sie eher raue und sehr satte Druckergebnisse erzeugen kann. Wie im Siebdruckverfahren DRAUSSEN 15

16 persona Naturkunde Im Gespräch mit Xiaoqun Wu und Oliver Hischier potentiale.at November 2018 Design. Fotografie. Medienkunst. Messe & Festival werden Farben Schicht für Schicht aufeinander gedruckt. Bekannt ist die Risographie für schnelle, grobe, sehr farbige Drucke. Wir wollten diese Technik aber auf eine neue Art und Weise verwenden. Durch viel Ausprobieren und Geduld haben wir einen Weg gefunden, feine und präzise Resultate zu erzielen. Diese Weiterentwicklung führt zu einer unbekannten Erscheinung der Risographie-Ästhetik. Auch ökologisch überzeugt uns diese Druckmethode. Die Farbe besteht auf Ölbasis und wird ohne Verwendung von Chemikalien oder Hitze aufs Papier gebracht. Stichwort Papier. Wir verbringen heute immer mehr Zeit vor Bildschirmen. Bilder und Grafiken werden häufig nur noch digital verbreitet und betrachtet. Dennoch erfreuen sich hochwertige, handgefertigte Druckerzeugnisse weiterhin großer Beliebtheit. Den entscheidenden Unterschied macht dabei das Material Papier. Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihr Papier aus? Welche Eigenschaften sind Ihnen dabei besonders wichtig? Die bewusste Auswahl von Materialien, nicht nur Papier, ist ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Wir versuchen möglichst mit ökologischen Materialien zu arbeiten. Für unsere Editionen haben wir uns für ein mattes, raues, naturweißes Druckpapier entschieden. Das Papier ist zu 100 Prozent holzfrei und unter FSC-Bedingungen hergestellt. Dank seiner porösen Oberfläche verfügt es über eine besonders angenehme Haptik.

17 Bei unseren Holzdisplays für Karten und Prints haben wir uns für ein Massivholz aus Schweizer Esche mit FSC-Label entschieden. Dabei wollten wir das gesamte Holz verwenden, auch den Kern. Dies hat zur Folge, dass die Färbung der Displays von sehr hell bis hin zu einem warmen Braun variieren kann. Keines ist identisch, jedes ist einzigartig. Dies bringt auch die Ästhetik unserer Riso-Editionen auf den Punkt. Das Notizbuch als mobiler Ideenspeicher hat also noch lange nicht ausgedient. Für welches Projekt sammeln Sie gerade Ideen, oder anders gefragt, wohin geht die nächste Reise? Es gibt viele Themen, die uns faszinieren und an denen wir parallel arbeiten. Zur Zeit beschäftigen wir uns aber mit dem Thema Schutzzeichen. Unsere Quelle stammt aus dem Buch Master Who Embraces Simplicity von Ko Hung. Der Betrachter wird zurück ins Dao-Zeitalter geführt. In dieser Zeit begegnete der Mensch der Natur mit sehr viel Respekt und Demut. Wir wollen die Geschichte in den heutigen, internationalen Kontext stellen und daraus eine Serie entwickeln. Erster Vorbote dieser Serie ist unsere Small Print Collection Iridescence Das Interview führte Thomas Hirtenfelder. linke Seite Small Print Collection Viewing Stone : Sogenannte Gelehrtensteine werden in China für ihre extreme Schönheit bewundert. ganz oben Von der Natur inspiriert: Feine Papierprodukte von Bienvenue Publishing. Foto: Sebastian Magnani oben Analoge Ideenspeicher: Notizbücher aus der Glacier-Edition. DRAUSSEN 17

18 novum Wolkengärten Der Boden wird knapp. Urbane Nachverdichtung ist deshalb auch hierzulande ein immer bedeutenderes Thema. Die große Herausforderung besteht dabei darin, mehr Platz zu schaffen und gleichzeitig für mehr Lebensqualität zu sorgen. Die Inselnation Singapur versteht diese Probleme wohl besser als jede andere Stadt. Auf nur 700 km² drängen sich hier 5,6 Millionen Menschen aber die lokalen Architekten, allen voran das innovative Büro WOHA, halten zukunftsweisende Lösungen bereit und haben sich auf die Schaffung vertikaler Grünräume spezialisiert. In radikalen Bauten wie dem 2016 eröffneten Oasia Hotel Downtown lösen WOHA herkömmliche Vorstellungen von Innen und Außen, Gebäude und Landschaft auf. Der 27-stöckige Wolkenkratzer beherbergt neben 314 von der renommierten Designerin Patricia Urquiola ausgestatteten Hotelzimmern drei nach außen hin offene, begrünte Pool-Decks, eine öffentlich zugängliche, parkähnliche Sky Terrace im 12. Stock sowie mehrere kleinere Sky Gardens. Für die Architekten, die Stadtplanung in erster Linie dreidimensional denken, funktionieren diese Ebenen wie zusätzliche Erdgeschosse. Das Oasia Hotel verfügt auf diese Weise etwa über 11-mal so viel Grünfläche wie das ursprüngliche Grundstück. Die größte Grünfläche ist aber das Gebäude selbst, dessen lebendige Fassade rundum von 21 verschiedenen Kletterpflanzen, 18 Baumarten und Blumen bedeckt ist, die im tropischen Klima bestens gedeihen, für Beschattung und frische Luft sorgen und Tieren wie Vögeln, Papageien und sogar Eichhörnchen als Habitat dienen. Inmitten des quirligen Geschäftszentrums von Singapur gelegen, gibt dieser Prototyp eines tropisch-offenen Hochhauses mit eigenem Ökosystem dem Wort Betondschungel eine ganz neue Bedeutung. Hotelgäste und Besucher erhalten hier einen ersten Vorgeschmack darauf, wie das unaufhaltsame Wachstum unserer Städte in eine lebensfreundlichere Richtung gelenkt werden könnte. [THI] Fotos: Oasia Hotel Downtown, Singapore /2018

19 Bewegte Natur Dass der Boden, auf dem wir täglich stehen und gehen und auf den wir unsere Behausungen stellen, mitunter gar nicht so stabil ist, wie wir glauben, wird gerne vergessen. Große Erdbeben kommen hier glücklicherweise kaum vor. Dass ein ganzer Berghang etwa aufgrund starker Regenfälle in Bewegung gerät, ist aber gerade in den Alpen ein gar nicht so seltenes Phänomen. An ein solches einschneidendes Ereignis erinnert nun ein eigens angelegter Rundweg im kleinen Vorarlberger Bergdorf Sibratsgfäll. Im Mai 1999 nahm die Katastrophe im Ortsteil Rindberg ihren Lauf. Auf einer Fläche von ca. 250 Fußballfeldern sind Menschen mit ihren Wohn- und Ferienhäusern, Tiere, Wald, Wiesen, Straßen und Alpgebäude von dem riesigen Erdrutsch betroffen. Das Großereignis hat tiefe Spuren hinterlassen. In der Landschaft und in der Seele des Dorfes. Die als Mahnmal und Themenweg konzipierte Georunde Rindberg umfasst insgesamt acht Stationen und kann in einer knappen Stunde erwandert werden. Ein ganz besonderer Zeuge für die Kraft der Naturgewalten ist etwa Felbers schiefes Haus, das sich heute in deutlicher Schieflage befindet, seine 18 Meter weite Bewegung aber ohne nennenswerte Schäden überstanden hat. Mehrere skulptural-architektonische Interventionen bilden weitere Stationen in der malerischen Landschaft. Die begehbaren Objekte aus Edelstahl machen es möglich, die dramatischen Auswirkungen für die Menschen vor Ort am eigenen Leib nachzuvollziehen. Schautafeln informieren über die geologischen Ursachen, beleuchten die Hintergründe und stellen Erkenntnisse und Maßnahmen für die Zukunft vor. Das ebenso lehrreiche wie gestalterisch ambitionierte Projekt wurde vom Architekturbüro Innauer Matt und den Designern von Super Büro für Gestaltung konzipiert wurde es mit dem österreichischen Staatspreis Design in der Kategorie Räumliche Gestaltung ausgezeichnet. [THI] Fotos: Adolf Bereuter DRAUSSEN 19

20 text Neu erschienene Bücher Garden City. Supergreen Buildings, Urban Skyscapes and the New Planted Space Anna Yudina / Thames & Hudson / engl. / 256 S. / EUR 39,80 / CHF 57,90 mit ihren durchbrochenen Fassaden und ineinander verschachtelten Innen- und Außenbereichen. Konzepte für eine lebendige Architektur aus organischen Materialien, für ganze Gebäude aus Bambus (Rising Canes) oder für Biofassaden, an denen zum Beispiel Mikroalgen gezüchtet werden, zeigen, wie Architekten, Designer, Techniker und Wissenschaftler heute mit vereinten Kräften und enormem Einfallsreichtum versuchen, die Natur wieder stärker in die bebaute Umwelt zu integrieren und unsere Städte entscheidend zu transformieren. Ein visuell ansprechendes, inspirierendes und informatives Nachschlagewerk. [THI] Die Gartenstadt, das war einmal eine dieser verheißungsvollen, aber spätestens mit Aufkommen des Individualverkehrs fehlgeleiteten Utopien der Moderne, die uns viele der heutigen Probleme überhaupt erst eingebracht hat: den täglichen Pendlerstau, die Luftverschmutzung, den innerstädtischen Leerstand. Jetzt kehrt die Gartenstadt in neuem Gewand zurück. Aus der Flucht in die Peripherie ist die Sehnsucht nach mehr Grün mitten im Zentrum geworden. Begrünte Fassaden und Dachgärten, üppig bepflanzte Innenräume, Urban Gardening und Farming, aber auch grüne Technologien und Bionik sollen dabei helfen, unsere Städte im Zeitalter von Überbevölkerung, Feinstaub und Klimawandel wieder zukunftsreif und vor allem lebenswert zu machen. Die Disziplinen Gartenbau und Archi tektur wachsen dabei im Idealfall zu einem nachhaltigen Ganzen und Gebäude zu lebendigen, weitgehend autonomen Ökosystemen zusammen. Dass es dafür mehr braucht als nur ein paar hängende Gärten beleuchtet nun ein umfangreich bebilderter Band. In fünf Kapitel unterteilt Fusion, Expansion, Coexistence, Performance, Fusion 2.0 werden mehr als 100 Gebäude und innovative Ideen aus aller Welt vorgestellt. Das Spektrum reicht hierbei von einem Baumhaus in der Größe eines ganzen Häuserblocks (25 Green, Turin) über Parkanlagen in revitalisierten ehemaligen Industrie-Arealen (MFO-Park, Zürich-Oerlikon) bis zu den fotogenen kompakten Häuschen des Japaners Sou Fujimoto im Uhrzeigersinn Luciano Pia, 25 Green, Turin, Italien, 2013, Foto: Beppe Giardino / Vo Trong Nghia Architects, House for Trees, Ho Chi Minh City, Vietnam, 2014, Foto: Hiroyuki Oki / James Radsey/Raad Studio, Mathews Nielsen, John Mini Distinctive Landscapes, The Lowline, New York, NY, in Bau (Eröffnung 2020), Foto: Cameron R. Nielson / Sou Fujimoto, House N, Oita, Japan, 2008, Foto: Courtesy Sou Fujimoto / Penda, Rising Canes, Konzept, Foto: Courtesy Penda /2018

21 Yan Wang Preston: Forest Hatje Cantz Verlag / engl. / 128 S. / EUR 50, / CHF 65, ebenfalls gängige Umsiedlung von ganzen Dörfern denken lässt, für die Preston im Baum ein starkes und künstlerisches und ästhetisch ungemein ergiebiges Bild gefunden hat erhielt Preston für dieses Forest Projekt den Syngenta Preis für Fotografie. [NB] unten Egongyan Park, Chongqing, 2017, Yan Wang Preston ganz unten Guanyinqiao Shopping District, 2017, Yan Wang Preston Diese Fotos haben etwas zutiefst Unheimliches. Sie erinnern an Traumbilder und bilden doch Wirklichkeit ab, die seltsam eingefroren und mindestens für Europäer fremd und extrem befremdlich wirkt. Der Himmel ist dunstig grau und lässt keine Tageszeit erkennen. Die Menschen, wo sie vorkommen, erscheinen als kleine bunte Punkte, die wie Requisiten ganz auf sich selbst bezogen agieren und doch ähnlich verwundet erscheinen wie die unübersehbaren Protagonisten dieses Fotobildbandes: Bäume. Doch diese Bäume werden von Yan Wang Preston (*1976), gebürtige Chinesin und Fotografin dieses ebenso atemberaubenden wie beklemmenden Bildbandes, nicht in europäischer Tradition als Symbol einer paradiesischen Natur festgehalten, sondern als Patienten, die auf bestürzende Weise beschnitten, entwurzelt und bandagiert erscheinen, zum Teil von Holzkrücken gestützt. Bäume sind hier Material wie andere Baustoffe auch, in einer Landschaft, die nicht von der Natur geformt erscheint, sondern von Baggern und Kränen. Preston, die studierte Anästhesie-Ärztin ist und seit ihrer Heirat mit einem Engländer 2005 in England lebt, hat hier ihre alte Heimat mit einem beeindruckenden Blick portraitiert. Ohne Anklage und ohne Voyeurismus zeigt sie eine im gegenwärtigen China gängige Praxis: Baumtransplantationen, bei denen bis zu 300 Jahre alte Bäume aus ihrer ursprünglichen Umgebung entnommen und umgepflanzt werden, um an einem fernen Ort, meist inmitten grauer Betonsiedlungen die ihnen zugedachte Funktion zu erfüllen, als Natur-Repräsentant. Eine Praxis, die unwillkürlich an die in China DRAUSSEN 21

22 text Neu erschienene Bücher Roberto Burle Marx Lectures. Landscape as Art and Urbanism Gareth Doherty (Hg.) / Lars Müller Publishers / engl. / 288 S. / EUR 30, / CHF 30, Aus der Luft betrachtet sehen sie aus wie abstrakte Malerei. Die ikonischen, vom Brasilianer Roberto Burle Marx ( ) gestalteten Gartenanlagen, Parks und öffentlichen Plätze zeichnen geschwungene Linien und asymmetrische Formen in die Landschaft und zelebrieren die Opulenz der tropischen Vegetation seines Heimatlandes. Saftiges Grün trifft auf erdige Braun- und Rottöne, schwarzweiße Muster schlängeln sich den Boden entlang, wie etwa in seinem wohl berühmtesten Entwurf, der wellenförmigen Pflasterung der Avenida Atlântica an der Copacabana in Rio de Janeiro von Über Projekte hat Burle Marx während seiner mehr als 60-jährigen Laufbahn als Landschaftsarchitekt realisiert. Zusammen mit den Architekten Oscar Niemeyer und Lúcio Costa gilt er als wichtigster Wegbereiter der Moderne in Brasilien und hat das Gesicht der großen Metropolen des Landes entscheidend geprägt. Aber auch als Maler, Bildhauer, Bühnenbildner, Designer, Botaniker und Umweltaktivist hat der Ausnahme-Künstler gewirkt und ein umfassendes Œuvre hinterlassen. Sein charakteristisches und viel beachtetes Werk wurde bereits in unzähligen Ausstellungen und Büchern gewürdigt, seinen eigenen Worten und theoretischen Schriften bisher jedoch vergleichbar wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Eine grafisch wunderschön gestaltete Publikation schließt nun diese Lücke und versammelt insgesamt 12 Vorträge, die großteils noch nie auf Englisch veröffentlicht wurden. Faksimile der von Burle Marx bearbeiteten Original- Manuskripte sowie beeindruckende Aufnahmen des brasilianischen Architekturfotografen Leonardo Finotti begleiten die Texte. Behandelt werden Themen wie Landscapes of Brazil, The Garden as a Form of Art, Concepts in Landscape Composition, Gardens and Ecology oder The Problem of Garden Lighting. Die Vorträge geben einen spannenden Einblick in die Denk- und Arbeitsweise eines überzeugten Humanisten, der sich zeitlebens leidenschaftlich für die Verschönerung und Bewahrung der natürlichen Landschaft, für grüne Städte und ein besseres Leben für die Menschen eingesetzt hat. [THI] diese Seite im Uhrzeigersinn Roberto Burle Marx Lectures, Foto: Alice Poma / Centro de Processamento de Dados do Banco do Brasil, São Paulo, 1970 / Copacabana, Strandpromenade (Avenida Atlântica), Rio de Janeiro, 1970 / Banco Safra, Dachgarten, São Paulo, 1983, Fotos: Leonardo Finotti rechte Seite Bruno V. Roels: Looking for Cole Porter, 2017, Bruno V. Roels, Courtesy Gallery FIFTY ONE /2018

23 Paradise is Now Palm Trees in Art Hatje Cantz Verlag / dt./engl. / 160 S. / EUR 38, / CHF 53, Palmen da denkt wohl jeder an Urlaub in der Südsee, an Marokko, das Tessin, aber auch an gläserne Palmenhäuser mit Kolibris, Orchideen und schwüler Luft und nicht zuletzt an die Palmen in den Salons von Nobelhotels, wie etwa dem Berliner Adlon. Die Palme ist mehr als ein Baum. Sie ist ein schillerndes Symbol. Während sie im Mittelmeerraum und im vorderen Orient für Vitalität, Freude und Fruchtbarkeit steht, assoziiert man mit der Palme jenseits ihrer Heimat Fernweh und gepflegte Exotik bis hin zum Kleinbürgertraum im Westentaschenformat in Gestalt der Yucca Palme aus dem Supermarkt oder auch platt gedrückt zum legendären Hawaiihemd. Symbole sind geduldig. Gerade Künstler hat die Palme dabei immer schon inspiriert, um dieser Bedeutungsdichte willen und natürlich wegen ihrer grafisch reizvollen Form. In der italienischen Frührenaissance begegnet sie uns als beliebte Zutat bei Krippenbildern und bei Portraits von Maria mit dem Jesuskind. Dann erlebt sie im 19. und 20. Jahrhundert erneut eine Hochzeit und entfaltet in unterschiedlichsten Kunstwerken ihren ikonischen Zauber. Ein kunsttheoretisch angelegter Bildband folgt nun der Palme in der modernen Kunst und Fotografie des 20. und 21. Jahrhunderts und trägt bekannte und entlegenere Bildbeispiele zusammen, u.a. von David Hockney, Marcel Broodthaers, Sigmar Polke oder Ed Ruscha. Essays und Betrachtungen von Robert Grunenberg, Norman Rosenthal und Bret Easton Ellis führen ins Thema ein, ergänzt durch kleine Meditationen, welche die vertretenen Künstler in ihrer spezifischen Herangehensweise beleuchten. Palmen als Pfad in die moderne Kunstgeschichte eine interessante Annäherung. [NB] DRAUSSEN 23

24 werkraum Werkraum Bregenzerwald Im Jahr 1999 schlossen sich mehrere Handwerks- und Gewerbebetriebe der Region unter dem Namen Werkraum Bregenzerwald zusammen. Diese als Verein organisierte Plattform zählt mittlerweile rund 90 Mitglieder, von Tischlern, Polsterern und Zimmerleuten über Maler, Elektriker, Installateure, Ofenbauer, Schmuckund Schuhmacher bis zu Grafikern und sogar Metzgern. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, sich in allen Belangen gegenseitig zu unterstützen und die Vorrangstellung des regionalen Handwerks sowie sein öffentliches Ansehen zu pflegen und zu sichern. Als richtungsweisendes Modell für neues Handwerk findet der Verein heute interna tional Anerkennung. Alphabet des Lebens Welche Gestaltungsprinzipien finden sich in der Natur und wie können wir von der Natur lernen, ressourceneffizient und nachhaltig zu gestalten, zu produzieren und zu wirtschaften? Dies sind zentrale Fragestellungen, mit denen sich die aktuelle Ausstellung im Werkraumhaus in Andelsbuch befasst. Sie ist als Lernwerkstatt angelegt und stellt innovative und naturinspirierte Anwendungen aus Handwerk und Design vor. Mitten im von Peter Zumthor entworfenen Gebäude ist ein hängender Baum das zentrale Objekt. Die aufgrund der Schneelast des letzten Winters umgeknickte und abgestorbene Grauerle ist Drehund Angelpunkt der Ausstellung und symbolisiert den Kreislauf des Lebens. Strategien und Muster, die sich über 3,8 Milliarden Jahre Evolution bewährt haben, werden beispielhaft am Ökosystem dieses Baumes untersucht. Rundherum ordnet sich das Alphabet des Lebens mit den 26 zentralen Grundprinzipien der Natur an, welche die junge Grafikdesignerin Monika Ernst in Acryl auf Holzplatten gemalt hat. Der Typograf Johannes Lang kreierte, basierend auf dem Gen-Code der Blattlaus, eine eigene Schrift dafür. Jeder Buchstabe steht dabei für ein Naturbeispiel, das ein Prinzip der Biomimicry repräsentiert. Dieser innovative Design-Ansatz nimmt die Natur zum Vorbild und verbindet Gestaltung mit Naturwissenschaft, Technologie und anderen Fachgebieten. Gezeigt werden Biomimicry-Projekte aus den USA und Europa, darunter aus Produktionsabfällen entwickelte Fliesen des Kohler WasteLab aus Wisconsin oder das Ornilux Vogelschutzglas von Arnold Glas in Deutschland. Das multidisziplinäre Forschungs-, Bildungsund Ausstellungsprojekt, das Wissenschaft mit Handwerk und Kunst verbindet, startete mit einem Workshop im Sommer Federführend sind die Projekt- und Kommunikationsdesignerin Elisabeth Kopf (Universität für angewandte Kunst Wien) und die Biomimicry-Expertin Regina Rowland. Sie haben im Vorfeld gemeinsam mit Claus Schnetzer und Gregor Pils, die für die Ausstellungsarchitektur verantwortlich zeichnen, Interviews mit zahlreichen ExpertInnen aus dem Bereich der Naturwissenschaften geführt, vor allem aber die lokalen Handwerksbetriebe besucht und in den Prozess miteinbezogen. Die Vernetzung mit Partnern wie der inatura Dornbirn, dem designforum Vorarlberg, dem Energieinstitut Vorarlberg, dem Naturpark Nagelfluhkette und der Klimawandel- Initiative would2050 lieferte weitere wichtige Impulse. Bäume bieten Lebensraum und Nahrung für eine immense Artenvielfalt. Ein Beispiel ist die holznistende Wildbiene, die sich in bestehende Fraßgänge im Totholz einnistet. Ihre zarten Flügel erlauben nur eine begrenzte Anzahl von Flugstunden, daher muss sie sehr sparsam mit ihren Ressourcen umgehen und setzt bei Material- und Nahrungsbeschaffung auf kurze Wege. Sie lieferte die Inspiration für einen eigens eingerichteten Schlafbereich in Form eines geschickt geschlichteten Bretterstapels. Das Bett im Inneren ist dem gesunden Schlaf gewidmet, während ein zweites Bett außen zu Sinnlichkeit und zum Träumen einlädt. Das Holz stammt aus einem Windwurf und wird nach Ausstellungsende als Wandverkleidung verwendet. Das Werkraumhaus ist damit lediglich der Ort der Zwischentrocknung, ganz im Sinne des Biomimicry-Prinzips der Material- und Ressourceneffizienz. Gleich daneben werden in der Natur-Bau-Küche biologisch unbedenkliche Materialien für das Bauen und Wohnen wie Naturzement oder Pflanzenkleber vorgestellt. Den Abschluss des Rundgangs bildet ein hängender Garten. Hier werden unter anderem Reund Upcycling-Ideen vorgestellt, die das Prinzip aufgreifen, dass in natürlichen Ökosystemen Rohstoffe immer in unendlichen Kreisläufen zirkulieren oder nachwachsen. Beispiele sind die kompostierbare Mode F-ABRIC von FREITAG oder die Ecover Ozeanflasche von Edificio Logoplaste aus Portugal, die das wichtige Thema der Reinigung der Meere von Plastikmüll aufgreift. Ebenfalls bis Herbst zu sehen ist eine von 60 Jugendlichen im Rahmen der Bautage der Werk raumschule gemeinsam mit dem Schweizer Gestalter Serge Lunin gebaute Fassadenkonstruktion aus Holz ein Nistplatz für den Nachwuchs, der sich an den Bauprinzipien der Natur orientiert. Mehr zum vielseitigen Rahmenprogramm mit Workshops, Vorträgen, Führungen und Naturerkundungen für Fachleute, Laien und die ganze Familie unter: /2018

25 Fotos: Roswitha Schneider Vorschau: Handwerk+Form 2018 / Ausstellungsrundgang 13. / 14. Oktober und 18. / 19. / 20. / 21. Oktober 2018, täglich h Der renommierte Gestaltungswettbewerb wird in diesem Jahr bereits zum achten Mal ausgetragen. Sämtliche Einreichungen werden im Oktober in einer groß angelegten Ausstellung in Andelsbuch gezeigt. Die außergewöhnliche Präsentation in ehemaligen Werkstätten und vorbildlich sanierten Häusern führt, ausgehend vom Werkraumhaus, in einem attraktiven Rundgang durch das ganze Dorf. Werkraum Bregenzerwald / Werkraumhaus / Hof 800 / A-6866 Andelsbuch / Di Sa h / DRAUSSEN 25

26 spezial DRAUSSEN Frischluft liegt im Trend. Die Städte wollen grüner und wir gesünder werden. Indoor-Aktivitäten werden ins Freie verlegt und die Natur in die Wohnung oder ins Büro verpflanzt neue Technologien und Gestaltungsideen machen es möglich, und unser Leben reicher. Rucksack für Digitale Nomaden: seine kompakte Größe macht den neuen Small Pack zum idealen Begleiter im urbanen Dschungel Hersteller: QWSTION Bezug: Büropflanze 2.0: flexibler Raumteiler Green Divider mit Rankhilfen aus weiß lackiertem Stahl Design: Louise Hederström Hersteller: Vollmondnächte im Garten: die portable Akku-LED-Leuchte Mooon! ist in sechs Farben erhältlich Design: Tristan Lohner Hersteller: Fermob Bezug: Stilvolles Grillen: minimalistische Feuerschale Slide 700 mit Grillrost Design: RSW Hersteller: Konstantin Slawinski Bezug: /2018

27 Spielfeld: von Sportplätzen inspirierte Strandtuch-Kollektion Athletica Design: Nadja Stäubli Hersteller: schoenstaub Bezug: Der Sommer wird bunt: Eisbecher-Set Biobu aus Bambusfaser und Maisstärke Design: Nutcreatives Hersteller: Ekobo Bezug: Blätterdach: Sonnenschirm Shadylace in extravaganter Spitzenoptik mit integriertem Vogel Design: Chris Kabel Hersteller: Droog Bezug: Urlaubsstimmung: moderner Klappstuhl Lise für entspannte Sonnenstunden Design: Lise & Hans Isbrand Hersteller: Skagerak Bezug: skagerak.dk DRAUSSEN 27

28 fokus Hartmann, Wien Werkstätte für maßgeschneidertes Sehen Nicht was wir sehen, wohl aber wie wir sehen, bestimmt den Wert des Geschehenen. Blaise Pascal ( ) Die Fähigkeit, sehen zu können, wird in allen Sprachen als Spiegel unseres Bewusstseins reflektiert. Der Ein-, Aus-, Weit- oder Durchblick deutet die Bandbreite der philosophischen, sozialen, politischen und psychologischen Implikationen an. Das Sehen, wie kein anderer unserer Sinne, verbindet uns mit dem Kosmos, auch im ursprünglichen Wortsinn, mit der Schönheit. Das Sehen ist ein Geschenk der Natur und ist glücklicherweise in der modernen Zeit, im Falle eines Fehlers, oft auch korrigierbar. Hier wiederum sind wir dankbar für Profis. Hartmann in Wien wird diesem Anspruch in besonderem Maße gerecht, und dies zeigt sich auf allen Ebenen: Im Bereich der Augenoptik ermessen die Experten nicht nur die Sehstärke. Das Auge verändert sich kontinuierlich, und so kann eine habituelle Videovermessung jene Parameter liefern (Dioptrien, etc.), welche die Grundlagen für ein ideales Brillenglas ergeben. Die biometrische Sehkorrektur erfasst das Pupillenspiel, die Hornhauttopographie, die Vorderkammertiefe, die Augenlänge, die Abbildungsfehler der Augenlinse und die Abbildungsfehler höherer und niedrigerer Ordnung für Ferne und Nähe. Diese technische Ausgereiftheit ist die Grundlage der guten, individuellen Betreuung. Die Umsetzung in ein praktikables Instrument der täglichen Benutzung ist eine andere Herausforderung. Und wenn aus diesem Instrument gar noch ein Schmuckstück wird, so können wir mit Freude auf die glückliche Verbindung von Technologie, Handwerkskunst und ästhetischem Empfinden blicken. Hier öffnet sich das zweite große Tor: die Ebene der Ästhetik, die gleichzeitig auch das Optimum für den Brillenträger in puncto Materialien im Auge behält. Es war bestimmt kein leichter, sondern ein steiniger Weg bis das richtige Material für die Brillenfassungen von Hartmann erkundet war: Das Horn des indischen Wasserbüffels ist antiallergisch und federleicht. Besonders das Gewicht der Brille ist jedem Brillenträger eine bedenkliche Größe. Denn immerhin Stunden im Jahr tragen oder ertragen wir eine Brille im Durchschnitt! Das könnte uns wohl zu denken geben, ob wir dem Druck nicht nachgeben sollten, uns mit einem erstklassigen Produkt zu beschenken. Dreißigjährige Erfahrung lassen die Naturhornbrillen eigenen Designs in Verbindung mit Spitzentechnologie zu persönlichen Unikaten werden. Zum Beispiel die Multilayertechnik: Der Vater der jetzigen Chefin erfand in akribischen und geduldigen Experimenten eine Möglichkeit, die oberste, hauchdünne Schicht des Hornes der Wasserbüffel mit Seide zu unterlegen, sodass diese durchschimmern kann. Das Leuchten, das Farbspiel des an sich schon immer einzigartigen Hornes in Verbindung mit dem Seidenglanz lässt ein kunstvolles Unikat entstehen. Edelmetalle, Holz oder Seide können den individuellen /2018

29 Charakter beleuchten. Diese einzigartige Technik zeigt, wie wichtig der Firma Hartmann ihr Auftrag ist. Aufwendige 40 Arbeitsschritte verfeinern ein Produkt, das technische Ausgereiftheit mit dem ästhetisch motivierten Handwerkskönnen eines Familienbetriebs verbindet. Der Kunde darf wissen, dass eine Brille, die so exklusiv hergestellt wurde, nicht nur ihren Preis rechtfertigt, sondern ihn wert ist. Neben den Hornbrillen führt Hartmann auch Brillen aus Edelmetall sowie edle Accessoires aus Naturhorn und Murano Glas. Selbstverständlich Unikate. Darüber hinaus sind im Geschäft in der Wiener Innenstadt auch Brillen anderer ausgewählter Marken erhältlich, wobei jeweils nicht die Marke, sondern wie bei allem anderen auch die Qualität im Vordergrund steht. Sie ist die bestimmende Größe. Zum Abschluss möchte ich als Journalistin anmerken, wie wichtig es mir scheint, dass wir als Konsumenten diese Qualität wieder vermehrt beachten. Die Quantität der Warenströme spült leicht das Gefühl für Handwerkskunst hinfort. Die Jahre des Lernens und Erlernens einer Technik, die geduldige Entwicklung neuer Arbeitsschritte, das Erhalten von Traditionen. Es ist unsere Verantwortung wohin wir unser Geld tragen. Auch das hat mit Sichtweise zu tun, und so möchte ich mit den Worten eines österreichischen Aphoristikers schließen: Schauen ist eine Liebeserklärung an das Sehen. (Ernst Ferstl) [MB] Hartmann Wien Singerstraße 8 (Eingang Liliengasse) A-1010 Wien Foto: Hartmann Wien Fotos: Martin Oberauner DRAUSSEN 29

30 campus Designers Residence Das EMMA Kreativzentrum Pforzheim EMMA - Kreativzentrum Pforzheim Emma-Jaeger-Straße 20 D Pforzheim Ausstellung: Designers in Residence bis 8. Juli Mi Fr h, Sa, So h 12. September bis 25. Oktober Haus der Wirtschaft, Stuttgart /2018

31 Emma Franziska Kiehnle wird 1830 als Tochter eines Schmuckfabrikanten in der Goldstadt Pforzheim geboren. 70 Jahre später stirbt die reiche, kinderlose Witwe Emma Jaeger, aus ihrem Vermögen gehen Goldmark an den Volksbadefonds der Stadt Pforzheim und ermöglichen den Bau des Emma-Jaeger-Bades zum Wohle der Allgemeinheit entsteht in dem Jugendstil-Volksbad ein Arbeits-, Ausstellungsund Veranstaltungsort für Kreativschaffende. Das EMMA-Kreativzentrum Pforzheim liegt idyllisch am Enzufer und fußläufig zur Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim. Auf einer Fläche von 3.000m² stehen Studierenden, Existenzgründern, Agenturen und Jungunternehmen Arbeitsplätze in Werkstätten für Schmuckdesign, Modedesign und Industriedesign, Coworking-Arbeitsplätze, Büros und Ateliers zur Verfügung. Die Veranstaltungsfläche im Erdgeschoss bietet Platz für Ausstellungen, Vorträge, Tagungen und Workshops. Eine kreative Mischung Das EMMA ist offen für alle Kreativen aus den Bereichen Musikwirtschaft, Buch, Kunst, Film, Rundfunk, darstellende Künste, Architektur, Design, Presse, Werbung sowie Software und Games. Sie finden hier dauerhaft für höchstens fünf Jahre, aber auch tage- oder monatsweise zu günstigen Mieten nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern einen Ort des Austausches mit kurzen Wegen und Begegnungsplätzen wie zum Beispiel der großen Dachterrasse mit Blick über die Stadt. Ein Ort, der lebt Neben dem informellen Austausch, den die MieterInnen besonders schätzen, bietet das EMMA regelmäßig öffentliche Fortbildungen in Form von Workshops, Coachings und Seminaren an, bei denen ganz praktische Themen wie Strategieplanung, Fördermittelanträge oder Preiskalkulation die Gründer auf dem Weg in die Selbstständigkeit unterstützen. Beim für die ganze Region offenen Netzwerktreffen Creative After Work berichten ReferentInnen zum Beispiel von ihren Projekten und Unternehmen oder auch über Themen wie etwa die neue Datenschutzgrundverordnung. Jedes Jahr am ersten Adventswochenende findet der Designmarkt Schöne Bescherung statt, im Februar stellt im EMMA der Studiengang Accessoire Design im Rahmen der Werkschau der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim aus und im Juni gibt es ein Sommerfest auf der Dachterrasse, zu dem auch alle Nachbarn aus dem Quartier eingeladen sind. So ist das Kreativzentrum ein lebendiger Ort mit Strahlkraft für die Kreativwirtschaft, die Pforzheimer und die Region. Emma Jaeger hätte sicher ihre Freude! Designers in Residence Die Stadt Pforzheim lädt seit 2016 jedes Jahr internationale NachwuchsdesignerInnen aus den Bereichen Schmuck-, Mode-, Accessoire- und Industriedesign im Rahmen des Stipendiatenprogramms Designers in Residence nach Pforzheim ein. Von April bis Juni haben drei StipendiatInnen die Möglichkeit ein eigenes Projekt umzusetzen. Ihnen stehen die Werkstätten im Kreativzentrum zur Verfügung, bei Bedarf auch jene der Hochschule Pforzheim. Außerdem umfasst das Stipendium die Unterkunft, die An- und Abreise sowie Euro im Monat. Das Stipendium ist begehrt, zuletzt bewarben sich 170 DesignerInnen aus 40 Ländern. Die Ergebnisse werden in einer Ausstellung im EMMA präsentiert. Die diesjährige Schau läuft noch bis zum 8. Juli. Danach wird sie in Kooperation mit dem Design Center Baden-Württemberg vom 12. September bis zum 25. Oktober 2018 in Stuttgart gezeigt. Designers in Residence wird auch im nächsten Jahr fortgeführt: Die Ausschreibung für den Aufenthalt 2019 startet Mitte September Die diesjährigen StipendiatInnen sind James Boock aus Neuseeland (derzeit London), Avital Chalemsky aus Israel und Ágnes Várnai aus Ungarn. Der Industriedesigner James Boock setzt sich mit Künstlicher Intelligenz und den Beziehungen zwischen Menschen und Maschinen auseinander. In seiner Installation enter. zeigt er am Beispiel des chinesischen Social Credit Systems (SCS) die Realität dieser Systeme. Durch die Simulation eines alltäglichen Szenarios mit dem Beurteilungssystem basierend auf dem sozialen und wirtschaftlichen Status stellt Boock dar, wie das Leben innerhalb eines solchen Systems aussehen kann und lädt zu einem Dialog über die Einflüsse Künstlicher Intelligenz auf unser zukünftiges Leben ein. Die Schmuckdesignerin Avital Chalemsky setzt in ihren Arbeiten Emotionen, die durch Bewegungen ausgedrückt werden, in Formen um. Die Finger als Spiegel der Emotionen sind ein zentrales Element ihres Projektes Transparent feels. Sie spielt damit, abstrahiert sie und ordnet sie choreografisch an. Dazu entwickelte sie eine Technik, um Bewegungen des Körpers abzuformen und in Schmuckstücke zu übertragen: Sie lötet kleine Plättchen aus Feinsilber zu dreidimensionalen Objekten zusammen und kombiniert dies mit textilen Metall-Techniken. Welche Rolle spielen Glaube und Religion im modernen Leben? Um diese Frage dreht sich das Projekt Glue in Reality, das die Modedesignerin Ágnes Várnai als Teil des Künstlerkollektivs The (new) constellation zusammen mit Tina Kult und Timea Strott realisierte. Das Projekt untersucht auf eine künstlerische Weise soziokulturelle Strukturen und Trends und bietet eine Plattform, um über neue Formen von Spiritualität nachzudenken. Auf den ersten Blick würde man etwa Veganismus oder die Schönheitskultur nicht als Religionen bezeichnen meiner Meinung nach weisen diese Trends aber ähnliche Strukturen auf wie organisierte Religionen. Ich finde es spannend, diese Phänomene des täglichen Lebens zu erforschen und mithilfe von verschiedenen Medien in einen neuen Kontext zu setzen, erklärt Ágnes Várnai. [AB] Ágnes Várnai, Fotos: Winfried Reinhardt DRAUSSEN 31

32 campus Design, Handwerk & materielle Kultur New Design University St. Pölten Modernes Design, kombiniert mit Handwerk, das bedeutet Arbeiten sowohl konzeptionell und digital als auch direkt am Material und analog. Als Designer von der Idee über den Gestaltungsprozess bis hin zum greifbaren Produkt aktiv zu gestalten, ermöglicht einen gebündelten, konzentrierten Arbeitsablauf. Ein selbstbestimmter Schritt zu neuen Lösungen, Erfahrungen und persönlichen Entwicklungen als kreativer Kopf aber ohne gelerntes Handwerk nicht denkbar. Mit ihrem Bachelorstudiengang Design, Handwerk & materielle Kultur schlägt die New Design University St. Pölten seit über vier Jahren erfolgreich die Brücke zwischen Design und Handwerk. Wer eine Handwerksausbildung hinter sich hat, kommt auch ohne Matura in den Studiengang, wer kein Handwerk gelernt hat, kann dies in den Werkstätten der Universität nachholen. Während dem Studium wird hinterfragt, wie wir Handwerk heute definieren, auf welche Weisen sich Handwerk lohnen kann und wie man industrielle Fertigung und kreative Einzellösungen effizient und sinnvoll unter ein Dach bringt. Ein konkretes Praxis-Projekt des Studiengangs soll dazu Nutzer des Busverkehrs in der Gemeinde Zeillern unter dem Dach von Bushaltestellen zusammenbringen. Unter der Leitung von Andrea Moya Hoke haben Studierende der NDU sich im Rahmen eines Wettbewerbs mit der Fragestellung auseinandergesetzt, wie man bessere, passende Bushaltestellen gestaltet. Dabei wurde der Anspruch gestellt, dass die Designs der Haltestellen zur Identität der Gemeinde passen, preislich realistisch umsetzbar, aus wind- und wettertauglichem Material beschaffen und vor allem für die Menschen einladend gestaltet sind. Bevor aber die Ideen fließen, gilt es mit analytischen Methoden erstmal die verschiedenen Bedürfnisse der Gemeinde in Erfahrung zu bringen. Wer nutzt den öffentlichen Nahverkehr und somit die Bushaltestellen, wie häufig, warum und auch: warum nicht? Ebenfalls wichtig sind Rahmenbedingungen wie Stadtbild, Landschaft sowie kulturelle Schwerpunkte und Anbindung an Bahnverkehr, Gastronomie und Hotels. Wichtig für die Gestalter ist dafür, im Rahmen einer Exkursion die Gemeinde Zeillern direkt vor Ort kennen zu lernen, selber zu erleben statt lediglich die Fakten auf dem Papier zu lesen. Dabei wird eine Besonderheit der NDU sichtbar: Anstelle fiktiver Beispielprojekte wird hier direkt mit Kunden zusammengearbeitet. Die Studierenden lernen praktisch, wie die Arbeit eines Gestalters in der Arbeitswelt aussieht. Das Ergebnis sind intelligente, innovative und umsetzbare Lösungen, die von kreativem Selbstbewusstsein zeugen. Modulare Baulösungen erlauben ein Anpassen der Haltestellen an den jeweiligen Standort. Bei dem Projekt Die organische Geometrie von Harald Mehofer und Moritz Knoll wird auf einen stählernen Skelettbau Natur aufgetragen: An den Außenseiten sollen Grünflächen wachsen, die nicht nur freundlich aussehen und sich visuell in die Land /2018

33 schaft einfügen, sondern auch abwechslungsreiche, beruhigende Lichtspiele in das Wartehäuschen werfen. Einen Kontrastpunkt dazu bieten Ferdinand Scheuer, Florian Schlager und Daniel Schober bei einem anderen Entwurf aus Beton mit modularen Baustücken in umgekehrter L-Form, die durch verschiedene Größen und Farben auffallen und dank einem Schienensystem individuell bestückbar sind. Mit Columna entwerfen Julia Fuchs und Mario Marx eine kluge Kombination aus Info-Säule und Wartehäuschen. Schwarzer Stahl und dunkles Holz, kombiniert mit viel Glas, geben dem Projekt einen edel-leichten Look und laden zum entspannten Verweilen ein. Fenster Häuschen Haus von Laura Burtscher und Petra Wieser verwenden das Symbol des Hauses für Geborgenheit und Schutz. Dank freundlichem Lärchenholz-Look und Fenstern bleibt es hell und übersichtlich und frei zusammenbaubar für verschiedene Häuschen-Formate. Moderner Retro-Chic kommt bei Turm Zwei und Block Vier auf. Die Bushaltestelle von Teresa Hausharter, Johannes Kleespies, Felix Lerbscher und Jonathan Pala weckt Erinnerungen an die Bushaltestelle als Treffpunkt der Jugend die in Zeillern die größte Zielgruppe des Busverkehrs bildet mit genug Rückzugsorten innerhalb eines eleganten Linienspiels. Die Mischung aus Beton, Stahl und Glas schafft das Spagat zwischen locker-leichtem und stabil-massivem Design. Diese und viele andere nicht weniger interessante Konzepte zeigen, wie vielfältig die Lösungsansätze für eine vermeintlich simple Aufgabenstellung sein können. Wer mehr über studentische Arbeiten an der NDU erfahren will, kann im Rahmen der Vienna Design Week 2018 vom 28. September bis 7. Oktober 2018 die Ausstellung Neues Handwerk neues Wirtschaften besuchen. Das Kooperationsprojekt zwischen dem Werkraum Bregenzerwald und der NDU beschäftigt sich nicht primär mit dem Ergebnis, sondern dem Entstehungsprozess. Dabei ist Thema, die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb eines Produkts sichtbar zu machen und die Schnittstellen zwischen Design, Handwerk, Industrie und Wirtschaft aufzuzeigen. Genauere Informationen zu dieser Ausstellung, der praktischen Philosophie des Studiengangs als auch vielen weiteren Projekten gibt es unter [CS] New Design University Privatuniversität GesmbH Mariazeller Straße 97a A-3100 St. Pölten linke Seite oben Ferdinand Scheuer, Florian Schlager und Daniel Schober, CONCRETEBUSSTOP linke Seite unten Harald Mehofer und Moritz Knoll, Die organische Geometrie oben Laura Burtscher und Petra Wieser, Fenster Häuschen Haus unten Teresa Hausharter, Johannes Kleespies, Felix Lerbscher und Jonathan Pala, Turm Zwei und Block Vier / Fotos: Nikolaus Korab DRAUSSEN 33

34 campus Neue Wege beschreiten New Design University St. Pölten Innerhalb des Projekts zur Neugestaltung der Bushaltestellen für die Gemeinde Zeillern lernen die Studierenden anhand einer praktischen Aufgabenstellung Analyse, Kommunikation und Umsetzung einer Idee. Andrea Moya Hoke begleitet die Studierenden durch die Semesterarbeit und erzählt uns von Hintergründen und Herausforderungen. Inform: Wie entsteht eine gute neue Idee für eine Bushaltestelle? Andrea Moya Hoke: Viele Entwürfe hatten einen spannenden Hintergrund, jeder war dabei individuell inspiriert. Zum Beispiel bei dem Projekt Turm Zwei und Block Vier, dort hat sich Turm Zwei daraus ergeben, dass es in Zeillern eine Milchkannensammelstelle gibt. Sie ist ebenfalls betoniert, man kann draufklettern und die Umgebung beobachten aber sie ist auch gleichzeitig eine improvisierte Bushaltestelle. Daraus hat sich eben die Idee zu einer Art Aussichtsturm als Haltestelle ergeben, der gleichzeitig aber auch als geschützter Treffpunkt funktioniert. Bei dem Projekt Fenster Häuschen Haus wiederum war ein Gedanke, einen Rückzugsort mit heimeliger Note zum Wohlfühlen zu kreieren. Wo sonst oft Stahl und Glas kombiniert werden, funktioniert hier ein nach allen Seiten geöffnetes Wartehäuschen aus Holz als moderne Interpretation einer universellen Idee. Was ist der beste Weg, zu solchen Konzepten zu gelangen? AMH: Eine ganz besonders wichtige Aufgabe war die Recherche zur Nutzungsweise und Zielgruppe des Nahverkehrs. Diese Auswertungen geben uns einen Erkenntnisgewinn, dass es zwar ein guter Schritt ist, Bushaltestellen neu zu gestalten, aber auch, dass für das Oberthema öffentliche Verkehrsmittel auf dem Land generell innovative neue Ansätze gesucht werden sollten. Als Teil des Arbeitsprozesses ist eine solche Analyse etwas sehr Wertvolles. Hier werden potentiell auch weitere Aspekte der Aufgabenstellung sichtbar, die so nicht im Briefing stehen. Das bringt uns zu dem sogenannten unsichtbaren Design, vom Nutzer nicht unbedingt wahrgenommene Abläufe und Umsetzungen im Hintergrund, die aber erst das Funktionieren eines Projekts oder Produkts ermöglichen. Welche Erkenntnisse haben Sie als Dozentin aus dieser Semesterarbeit gewonnen? AMH: Für die Zukunft will ich das Briefing weiter anpassen, um beispielsweise bereits eine Recherche vor der Bekanntgabe einer konkreten Aufgabenstellung durchführen zu lassen. Wenn man, gerade im Bereich der Forschung, bereits eine gewünschte Antwort in Form eines konkreten Briefings erhalten hat, geht man sicher anders an eine Recherche und ihre Auswertung heran, als wenn man unbefangen in ein Projekt startet. Innerhalb der Studienzeit wollen wir unseren Studierenden auch das Selbstbewusstsein geben, während eines Projekts neue Wege zu beschreiten, vielleicht auch außerhalb der ursprünglichen Aufgabenstellung. Als GestalterIn hat man einen Blick von außen, man sieht wesentliche Punkte und Zusammenhänge, die ein Auftraggeber intern so vielleicht gar nicht betrachtet hat. Ein Ziel des Studiums ist, unseren Studierenden ein selbstständiges Denken zu lehren, kritisches Analysieren von Problemstellungen, damit sie eine gewisse Argumentationsgrundlage entwickeln, um sinnvolle Lösungen für ein Problem zu erarbeiten. Das Interview führte Cornelius Schiffmann /2018

35 campus Abschlussarbeiten der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW in Basel Unsere alten Vorstellungen von Draußen und Drinnen werden durch die alles durchdringende Virtualität immer weiter in Frage gestellt. Wann sind wir heute noch ohne Elektronik unterwegs, die unseren Horizont um Informationen und Kommunikationskanäle erweitert, aber unsere Sinne an anderer Stelle auch einschränkt? Wie können wir unser Sein und Schaffen in virtuellen und erweiterten Realitäten wahrnehmen und anpassen? In der Master-Thesis 2018 des Instituts für Integrative Gestaltung Masterstudio an der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW in Basel stellen die Absolventinnen und Absolventen Projekte und Ansätze vor, wie wir unseren Wirklichkeiten neu begegnen können. Sophie Kellner verfolgt in Elektronische Zärtlichkeit die Idee, alltägliche Elektronik durch verschiedenste Textilien haptischer und weicher erfahrbar zu machen. Die Elektronik passt sich durch die Stoffe an unsere Bedürfnisse an. Ein spielerischer Umgang mit der Technologie wird mit einer elektro-textilen Raumhülle ermutigt, die wärmere Ästhetik sorgt für eine menschlichere Sinneserfahrung in virtuellen Räumen. Eine Verknüpfung zwischen den verschiedenen Realitäten beschäftigt Kathrin Mast in Splaces: Virtuelle Räume nicht als Ersatz, sondern als Erweiterung analoger Lebensräume. Diese Erweiterung wird durch experimentelles Design sichtbar. Gesammelte virtuelle Raumeindrücke werden über reale urbane Räume projiziert, wodurch Schnittstellen sichtbar und definierbar werden. Nemeth interessiert sich sowohl für den Prozess in der Erschaffung neuer Räume als auch in der Gestaltung und Interaktion innerhalb dieser Räume. Für Verhandlungsräume untersucht er während einer Übergangsnutzung der ehemaligen Coop Verteilzentrale in Pratteln die kreativen Prozesse und wie Gestalter auf diese Einfluss nehmen können. Für Growing Stones arbeitet Manon Briod an Gestaltungsmöglichkeiten mit Mikroorganismen, deren Wachstum sich kontrollieren lässt. Durch Einfluss auf das Wachstum von Bakterien legt sie die Geometrie von neu entstehendem Kalkstein fest. Mihajlo Nenad entwirft für Designing Game Worlds Programmcode, wobei der Code selbst zum Designer wird. Durch prozedurales Design erschafft die Software riesige Computerspielwelten Stichwort Open World mit natürlichen, kohärenten Inhalten für den Spieler zum Erkunden. Der menschliche Gestalter muss nun lediglich die Marschrichtung vorgeben. Die Master-Thesis 2018 wurde nach einer Vernissage am 30. Juni vom 1. bis 6. Juli 2018 in der Voltahalle Basel ausgestellt. Weitere Informationen zu Projekten und zum Studium an der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW finden sich unter und Virtuelle Arbeitsräume sind flexibel, mit wenigen Clicks haben wir die gewünschten Einstellungen am Computer angepasst. Diese Agilität kann man mit Elias Lanz Agile Furniture ins analoge Büro übernehmen. Faltdesigns aus Polyestervlies-Platten ermöglichen jederzeit eine Anpassung des Arbeitsraums an neue Bedürfnisse. Jan-Kristof von links nach rechts Sophie Kellner, Elektronische Zärtlichkeit / Kathrin Mast, Splaces: / Elias Lanz, Agile Furniture DRAUSSEN 35

36 spotlight München Kreise ziehen Wir sagen Eine runde Sache!, wenn wir mit etwas ganz besonders zufrieden sind. Die Kreisform als klassisches Gestaltungselement, als Grundform oder als praktisch verwertbares Objekt schmeichelt unserem Auge instinktiv. Als spirituelles Symbol und als wissenschaftliches Objekt ist der Kreis zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte allgegenwärtig. Die Galerie Handwerk in München setzt noch bis zum 28. Juli 2018 zum Thema Alles rund Punkt Kreis Kugel der geometrischen Urform in jeder Hinsicht ein Zeichen und präsentiert dafür Kunsthandwerk von 40 Künstlern aus aller Welt. Mit dreidimensionalen Glasobjekten als Projektionsfläche schafft der Glasmaler Wilfried Grootens plastische Geometrie, welche dem Betrachter aus jedem Winkel neue Einblicke erlaubt. Jeremy Wintrebert zaubert ebenfalls aus Glas faszinierende Formen, wie aus der Bewegung gegossen, während Jun Konishi seinem Schmuck aus Plastik verwobene Qualitäten wie aus Textil verleiht. Die aus vielen einzelnen kleinen Silberplatten bestehenden Rundobjekte des Silberschmieds Ludwig Menzel geben dem Material einen fragilen, aber durch die ruhige Komposition dennoch stabilen Charakter. Metallene Formkompositionen der Künstlerin Therese Hilbert kombinieren verschiedene geometrische Formen mit Kreisen und erhalten dabei einen fast organischen Charakter. Aus Acrylglas und Silber kreiert Katja Schlegel symmetrische Formspielereien, die dabei so leicht wirken wie ein Farbtupfer auf weißem Papier. Wuchtiger, erdiger kommt dabei Kiho Kang daher, der mit seiner Keramik in Kombination mit Licht und Schatten aus nur scheinbar einfachen Formen kolossale Wirkung erzielt. Mit feinen Textilstücken zeichnet Marian Bijlenga faszinierende organisch-geometrische Gemälde in den Raum, in denen der Blick versinken kann. Der globale Fokus dieser Ausstellung erlaubt den Besuchern neue Einblicke zu dieser uni versalen geometrischen Form. Mit den unterschiedlichsten kulturellen und materiellen Herangehensweisen an das Thema zeigen die Künstler, wie man aus einer einfachen Grundform immer neue Inspiration ziehen kann. Kultur verbindet, auch dafür ist der Kreis ein gutes Symbol. Alles rund Punkt Kreis Kugel bis 28. Juli Im Uhrzeigersinn von oben Kiho Kang / Ludwig Menzel, Foto: Konrad Juenger / Wilfried Grootens, Foto: Norbert Heyl / Jun Konishi /2018

37 Basel Auf Regen folgt Sonne Die Sommerkollektion für das Jahr 2018 des Labels kleinbasel by Tanja Klein lebt durch den feinen Unterschied. Die Kollektion trägt den Namen Assoziation und so trifft Regen des Frühlings auf die Sonne des Sommers, Schneiderkunst verbindet sich mit modernem Design. Die zu fairen Bedingungen gefertigten Stücke glänzen im Alltag drinnen wie draußen und zeichnen sich durch ihre einfache Kombinierbarkeit untereinander aus. Neu ist seit 2016 auch die Männerkollektion. Erhältlich sind Bekleidung und Taschen in den Stores in Basel und Bern. Eine Auswahl des Sortiments gibt es in ausgewählten Boutiquen, beispielsweise bei Claudia Güdel in Zürich und an vielen weiteren Standorten in der Schweiz. Online ist eine Selektion an Taschen und Accessoires für Herren und Damen erhältlich. kleinbasel.net Basel Blumige Worte Wer seinen persönlichen Arbeitsplatz verschönern möchte wird bei Bookbinders fündig. Das Unternehmen mit schwedischen Wurzeln wurde seit der Gründung der Buchbinderei im Jahre 1927 schon zum geschätzten Partner verschiedenster Branchen. Das Sortiment umfasst neben Boxen und Schreibgeräten auch Notizbücher aus hochwertigen Materialien. Wer sich bei herrlichstem Sonnenschein doch nach Zeit im Grünen sehnt nimmt die Notizbücher einfach mit nach draußen. Ob im Park, im eigenen Garten oder im Wald das Notizbuch Venus mit zartem Blumendesign lässt sich nicht nur mit blumigen Worten füllen. Notizbücher und andere Accessoires, die das Herz eines jeden Skribenten höher schlagen lassen, findet man in den Boutiquen in Basel, Bern, Genf, Luzern und Zürich oder online. bookbindersdesign.ch DRAUSSEN 37

38 Die Künstlerbrille Was und wie Führungskräfte von Künstlern lernen können Denken, lernen und arbeiten vor der Tür Dies ist der erste Beitrag der neuen Serie Die Künstlerbrille Was und wie Führungskräfte von Künstlern lernen können. Darin werden künstlerische Herangehensweisen, Denkund Arbeitshaltungen beispielhaft aufgezeigt. Er beinhaltet Gedankenanstöße für Nicht-Künstler sowie Ideen und praktische Handlungsanweisungen für den beruflichen Alltag als Führungskraft. Viele Künstler/innen suchen sich ihren Arbeitsplatz je nach Aufgabe aus. Dafür verlassen sie hin und wieder ihr Atelier. Wenn ich mit einem neuen Werk beginne, stehe ich draußen vor der Tür und sehe etwas, was ich mit ins Atelier nehme. Ich mache mir Notizen, Skribbles, die im Atelier weiterverarbeitet werden, schildert etwa die Malerin Bettina Wächter. Inspiration lässt sich nicht erzwingen, aber draußen sind die Sinne der Künstlerin wach und aufnahmebereit. So schult sie ihre Aufmerksamkeit und Wahrnehmung. Ungewöhnliche Lern- und Arbeitsorte erproben Im Rahmen der Vermittlung der Künstlerbrille verlassen Studierende im Sommersemester ihren Schulraum, um ein Gespräch mit einem Künstler und einem Unternehmer mitzuverfolgen auf einer Wiese auf dem Campus, unter schattenspendenden Bäumen. Das Gespräch hätte genauso gut im geschlossenen Raum stattfinden können, aber die angenehme Atmosphäre unter freiem Himmel verhilft zu einem erinnerungsstarken Erlebnis. Ein vertiefender Austausch zu zweit in Bewegung bei einem Spaziergang hat eine andere Qualität als den ganzen Tag auf Stühlen zu sitzen. Kreative Einfälle gedeihen nachweislich am besten in Bewegung und in der Natur, das hat auch der Hirnforscher Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer kürzlich in einem Vortrag bestätigt. Grenzen im Kopf sprengen Warum ein Konzept immer am Bürotisch ausarbeiten, weshalb ein Kundengespräch immer im Besprechungszimmer abhalten? Es geht auch anders. Ein sonniger Tag im Juli. Mein Workshop-Partner und ich erarbeiten ein Konzept für einen Zukunftsworkshop auf der Terrasse meines Ateliers, geschützt unter der Markise. Unsere Ideen für das Vorgehen kleben wir an die Außenseite der großen Atelierfenster. Mein Partner meint: Jetzt haben wir vier Stunden gearbeitet, aber es kommt mir nicht wie Arbeit vor. Außenräume ausprobieren Welche außerbetrieblichen Orte sind für Sie geeignet? Das müssen Sie selbst herausfinden. Der Ort im Freien soll angenehm-inspirierend auf Sie wirken und Ihr Thema fördern. Am besten suchen Sie ihn vorher auf und verweilen etwas. Außenbereiche sind störanfälliger als Innenräume. Achten Sie auf Störfaktoren wie Lärm vorbeifahrender Autos und Passanten sowie auf Witterungsverhältnisse. An einem zu heißen oder zu kalten oder zugigen Ort bleibt man nicht lange Zeit. Und wenn Außenräume zu gemütlich sind, lauert die Gefahr des Abschweifens. Räumliche Veränderungen evozieren im Gehirn ein Umdenken. Im Andersdenken lässt sich deshalb auch anders handeln. Daher können andere Umgebungen im Umgang mit routinierten wie neuen, unstrukturierten Aufgaben förderlich sein. Erfahrungs- und gewohnheitsgeprägte Verhaltensformen werden aufgebrochen und neue Sicht- und Denkweisen ermöglicht. Aus der Norm fallende Orte bieten sinnliche Erfahrungen in neuen Zusammenhängen und bleiben anschaulich und nachhaltig in Erinnerung. Künstlerische Handlungsempfehlung Joggen oder spazieren Sie auf der Suche nach einer guten Idee entspannt durch den Wald. Dagmar Frick-Islitzer Kubus Kulturvermittlung Balzers/Liechtenstein /2018

39 Darwins Darlings Evolution 2.0 Darwins großartige Forschungen zu fleischfressenden Pflanzen sind hinlänglich bekannt. Weniger bekannt sind seine sagenhaften Arbeiten zu fleischproduzierenden Pflanzen (Hybriden), die er in seinen späten Jahren gezüchtet und erforscht hat. Diese sind heute nicht nur unter dem Stichwort Vegan-Cross over von Bedeutung, sondern können auch als Rollenmodell für das Zusammenleben der Arten dienen. Für die Ausstellung SALADE DE FRUITS im Juni 2018 habe ich zum Thema Früchte recherchiert und bin dabei auf Charles Darwins unglaubliche Experimente mit fleischproduzierenden Pflanzen gestossen. Dank seinen detaillierten Aufzeichnungen und Skizzen kann ich der Welt mit meiner Schmuckarbeit nun die fantastischen Kreuzungen aus Früchten und Tieren in ihrer ursprünglichen Gestalt zeigen, wie z.b. den Bunten Kumquatlöffler, den Gemeinen Litchimops oder auch den Seltenen Weiblichen Hodenkobold. Technisch bedingt musste ich einige Anpassungen vornehmen. Bruna Hauert PS: Wir wollen besser sein als die Evolution... Den ernst zu nehmenden Möglichkeiten der Gentechnik und den ernst gemeinten Absichten der Self-Improvement-Bewegung wollte ich eine spielerische Auseinandersetzung mit dem Thema der verbesserten Natur entgegensetzen. Darwins Darlings sind artenübergreifende Mu tationen aus knackigen Früchten und kauzigen Tieren und leben in einer Fantasiewelt, die gar nicht so weit von unserer realen Welt entfernt scheint. Nebst Darwins Arbeiten und Zeichnungen haben sicher auch aktuelle Berichte über die Entwicklung der synthetischen Biologie meine Arbeit beeinflusst. Bilder von Mäusen, auf deren Rücken menschliche Ohren oder Nasen wachsen, oder Experimente an Schweinen mit menschlichem Erbgut für zukünftige Organspenden sind nur ein paar Beispiele, die mir bei meinen Recherchen begegnet sind. Unsere Wahrnehmung der technologischen Entwicklung ist linear, der tatsächliche technologische Fortschritt jedoch exponentiell. Ist die technische Entwicklung, wie wir sie kennen, im Grunde nichts anderes als die Fortsetzung der Evolution auf nicht biologischer Basis? Nur viel, viel schneller? Meine Darwins Darlings verstecken sich im Dunkeln und offenbaren nur sehr neugierigen und aufmerksamen Blicken ihre wahre Identität. Fühlen sie sich trotz ihres nicht konformen Äußeren geliebt und getragen, lassen sie ihre schwarze Hülle fallen und wechseln auf die helle Seite. Und glücklicherweise sind sie als schmückende Kreaturen völlig losgelöst von jeglicher ethischen Diskussion. friends of carlotta Galerie für zeitgenössischen Schmuck und Objekte Neumarkt 22 CH-8001 Zürich T Di Fr und h, Sa 11 16h 39

40 tipps Aktuelle Ausstellungen 1 2 DÜSSELDORF D Anni Albers Ausstellung bis 9. September Sie ist eine der ältesten Handwerkskünste der Menschheit und wurde schon vor Jahrtausenden ausgeübt: die Bildweberei. In der jüngeren und jüngsten Kunstgeschichte erfuhr sie allerdings wie alle textilen Künste eher wenig Beachtung. Zum einen, weil sie hauptsächlich von Frauen praktiziert wurde, zum anderen, weil sie sich als Kunsthandwerkstechnik den gängigen Kategorien entzieht und weder eindeutig den angewandten noch den bildenden Künsten zugeordnet werden kann. Seit ein paar Jahren lässt sich jedoch ein Comeback beobachten. Insbesondere in der zeitgenössischen Kunst wird wieder vermehrt mit textilen Materialien und Techniken gearbeitet, was wohl nicht zuletzt auch mit dem allgemeinen Revival des Handwerks und analoger, haptischer Tätigkeiten als Reaktion auf das digitale Zeitalter in Verbindung steht. In diesem Zusammenhang werden auch viele Vorbilder und bisher marginalisierte Persönlichkeiten wiederentdeckt und erfahren, spät aber doch, die Wertschätzung, die ihnen schon lange gebühren würde. Eine davon ist Anni Albers ( ), die bislang oft im Schatten ihres berühmten Mannes, des deutschen Künstlers Josef Albers, stand. Dass ihr Werk wie das zahlreicher anderer Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts völlig zu Unrecht in Vergessenheit geriet, zeigt noch bis zum 9. September 2018 eine sehenswerte Ausstellung im K20 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Die als Retrospektive angelegte Schau widmet sich erstmals seit 20 Jahren dem eindrucksvollen Werk der vielseitigen Künstlerin, Handwerkerin, Designerin, Autorin und Lehrerin. Sie spannt dabei einen Bogen von den Anfängen am Bauhaus in Weimar und Dessau über die Zeit am legendären Black Mountain College in den USA bis in die 1980er-Jahre. Über 300 Leihgaben aus europäischen und amerikanischen Sammlungen werden im Rahmen der in Kooperation mit der Londoner Tate Modern entstandenen Düsseldorfer Ausstellung präsentiert. Darunter befinden sich ihre großformatigen Pictorial Weavings, Zeichnungen und Drucke, aber auch Textilmuster, Raumteiler und Stoffe für den Wohnbereich, Entwürfe für die Manufaktur sowie zahlreiche Dokumente, die einen umfassenden Einblick in die Denk- und Arbeitsweise der Künstlerin ermöglichen. Ergänzend werden außerdem Kunstwerke, Fotografien, /2018

41 1 Anni Albers in ihrem Studio im Black Mountain College, 1937, Fotografie von Helen M. Post, Courtesy Western Regional Archives, State Archives of North Carolina 2 Anni Albers, Vicara Rug II, 1959, Inge Brouard Brown, nach einem Entwurf von Anni Albers, Vicara, Wolle und Baumwolle, cm, Neues Museum Nürnberg, 2018 The Josef and Anni Albers Foundation/Artists Rights Society (ARS), New York/VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: Foto: Neues Museum Nürnberg (Annette Kradisch) 3 Installationsansicht im K20, Foto: Achim Kukulies 4 Anni Albers, Red and Blue Layers, 1954, Baumwolle, 61,6 x 37,8 cm, The Josef and Anni Albers Foundation / VG Bild- Kunst, Bonn 2018 / alle Fotos: Kunstsammlung NRW 3 4 Bücher, Texte und Materialien gezeigt, welche die Künstlerin inspirierten, beispielsweise eine Auswahl präkolumbischer und peruanischer Textilien aus ihrer privaten Sammlung. Anni Albers war eine der ersten, die das Handwerk des Webens als vollwertige Kunstform etablierte. Sie revolutionierte die uralte Kulturtechnik und verband sie mit einer von der abstrakten Formensprache der Moderne geprägten, zeitgemäßen künstlerischen Bildpraxis. Damit hat sie viele Generationen jüngerer Künstlerinnen und Designerinnen nachhaltig beeinflusst. Nicht zuletzt durch ihr 1965 erschienenes Buch On Weaving machte sie sich darüber hinaus auch als Theoretikerin einen Namen. Anhand von zehn Texten und Illustrationen erläutert und diskutiert sie darin Grundbegriffe und Methoden des Textilen und stellt das Weben als eine ebenso faszinierende wie anspruchsvolle Technik vor, in der Hand, Auge, Maschine und der planende Geist perfekt zusammenspielen müssen. Die im Jahr 1899 in Berlin in eine wohlhabende, bürgerliche Familie geborene Annelise Fleischmann entschied sich bereits früh für ein Leben als Künstlerin und studierte ab 1922 am Bauhaus in Weimar. Dort trat sie wie andere Frauen mangels Alternativen in die Werkstatt für Textilien ein, wo sie bald zu einer Meisterin am Webstuhl avancierte. Später, am mittlerweile nach Dessau verlagerten Bauhaus, trat die Entwicklung von Stoffen für die maschinelle Produktion in den Vordergrund. Nach der Schließung des Bauhauses 1933 emigrierten Albers und ihr Ehemann in die Vereinigten Staaten, um am gerade gegründeten Black Mountain College in Asheville, North Carolina, zu lehren. An diesem progressiven Ort, an dem Kunst, Tanz und Musik ebenso ihren Platz hatten wie Soziologie, Philosophie, Wirtschaftswissenschaft oder Mathematik, erlebte das Paar produktive Jahre. Hier entstanden in den späteren 1930er-Jahren die ersten, durch die Reisen des Paares nach Mexiko inspirierten, an abstrakte Malerei erinnernden Bildwebereien. Zahlreiche weitere dieser ausschließlich für die Betrachtung geschaffenen Arbeiten entstanden dann in Connecticut, wo Albers von 1950 bis zu ihrem Tod im Jahr 1994 in der Nähe der Stadt New Haven lebte. Parallel zur Düsseldorfer Ausstellung zeigt die Villa Hügel in Essen in Kooperation mit dem Josef Albers Museum Quadrat Bottrop bis 7. Oktober 2018 eine umfassende Retrospektive zu Leben und Werk des 1976 verstorbenen Ehemannes von Anni Albers. Eine gemeinsam veranstaltete Vortragsreihe begleitet die Ausstellungen. [THI] K20 Grabbeplatz Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Grabbeplatz 5 D Düsseldorf Di Fr h, Sa/So h Mo geschlossen DRAUSSEN 41

42 tipps Aktuelle Ausstellungen 1 2 FRANKFURT AM MAIN D FAHR RAD! Die Rückeroberung der Stadt Ausstellung bis 2. September Der amerikanische Stararchitekt Daniel Libeskind hat kürzlich in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung das nahende Ende des Autoverkehrs in den Städten prophezeit. Man müsse erkennen, dass Autos die Städte zerstören, so Libeskind. Wenn wir uns vom Auto befreien, gewinnen wir insgesamt mehr Freiheit. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, vor allem in der Autonation Deutschland. Hier werden noch immer mehr als die Hälfte aller Wege mit dem Auto zurückgelegt. 80 Prozent der Deutschen besitzen zwar ein eigenes Fahrrad, aber nur 11 Prozent aller Wegstrecken werden damit erledigt. Zum Vergleich: In den Niederlanden entfallen bereits beeindruckende 27 Prozent auf das Rad, das ist fast ein Drittel des gesamten Verkehrsaufkommens. Die Vorteile liegen auf der Hand: die Städte werden leiser, Radfahren spart Platz, es ist gesund, umweltfreundlich und klimaschonend, und es stellt eine für alle Bevölkerungsgruppen nutzbare und erschwingliche Form der Mobilität dar. Damit sich der Anteil auch andernorts erhöht, ist eine kluge Neuverteilung des öffentlichen Raums unabdingbar. Fahrradgerechte Infrastrukturen sind gefragt. Wie diese aussehen müssen, damit in Zukunft noch mehr Menschen auf das Rad umsteigen und unsere Städte lebenswerter werden, zeigt jetzt die Ausstellung FAHR RAD! Die Rückeroberung der Stadt im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt. Anhand von Vorzeigeprojekten aus aller Welt wird für eine Stadtentwicklung geworben, die nicht nur mehr Grün- und Freiflächen, sondern auch eine gleichmäßig komfortable und sichere Verkehrsfläche für unterschiedlichste Geschwindigkeiten und Maßstäbe bereitstellt. Dies ist nur dann realisierbar, wenn Verkehrs-, Stadt- und Landschaftsplanung künftig enger zusammenarbeiten. Das DAM möchte mit FAHR RAD! daher auch eine integrierende Debatte mit den Verantwortlichen anstoßen. Mit Kopenhagen, New York, Karlsruhe, Oslo, Portland, Barcelona, dem Ruhrgebiet und Groningen rückt die Ausstellung acht Städte und Regionen vergleichend in den Fokus, die sich hinsichtlich ihrer geografischen Lage, ihres Klimas, ihrer Fläche, ihrer Bevölkerungszahl und ihrem derzeitigen Stand als Fahrradstadt unterscheiden. Zudem werden 26 internationale Einzelprojekte wie Fahrradbrücken, Radschnellwege oder Parkanlagen vorgestellt, darunter etwa der 2015 eröffnete Buffalo Bayou Park in Houston, der gleichzeitig als urbaner Hochwasserschutzkanal dient. Gelungene Beispiele wie diese zeigen auf, wie der Weg zu einer nachhaltigen und sozialen Stadt auch über die Planungen für eine fahrradgerechte Stadt führen kann. [THI] DAM Deutsches Architekturmuseum Schaumainkai 43 D Frankfurt am Main Di, Do So h, Mi h Mo geschlossen /2018

43 1 SWA Group, Buffalo Bayou Park, Houston/ USA, 2015, Foto: Jonnu Singleton/SWA, courtesy of Buffalo Bayou Partner ship 2 Lola Domènech, Passeig de St Joan, Barcelona/Spanien, 2011/2014, Foto: Adrià Goula 3 Lacaton & Vassal, Sozialer Wohnbau, Cité Manifeste, Mulhouse, , Innenansicht, Foto: Philippe Ruault 4 Lacaton & Vassal, Einfamilienhaus Latapie, Floriac, , Foto: Philippe Ruault 3 4 INNSBRUCK A Lacaton & Vassal. Inhabiting: Pleasure and Luxury for Everyone Ausstellung bis 6. Oktober Was ist luxuriöses Wohnen? Diese Frage ist in Zeiten immer enger werdender Städte und horrender Wohnungspreise gar nicht so leicht zu beantworten. Der Immobilienvermittler RE/ MAX hat etwa im vergangenen Jahr erhoben, dass man für ein durchschnittliches deutsches Monatsgehalt in Berlin nur noch eine Wohnfläche von etwas mehr als einem halben Quadratmeter erwerben kann. Anders ausgedrückt: Luxus kann im Hinblick auf das Thema Wohnen längst nicht mehr mit nobel, exquisit oder prachtvoll gleichgesetzt werden. Einen sehr pragmatischen Lösungsansatz für das allgemeine Wohn-Dilemma propagiert seit vielen Jahren das französische Architekten-Duo Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal, dem das Tiroler Architekturzentrum aut. in Inns bruck jetzt eine Ausstellung widmet. Renovierung statt Abriss und die Reduktion von Baukosten durch die Verwendung einfacher und industrieller Materialien das sind die Eckpfeiler ihrer sozialen, ökonomisch und ökologisch nachhaltigen Architekturauffassung. Günstigen und zugleich luxuriösen Wohnraum für jeden zu schaffen, ist ihr Hauptanliegen. Bereits in ihrem ersten Projekt, dem Einfamilienhaus Latapie von 1993, dessen Errichtung damals nur rund Euro gekostet hat, formulieren sie die Grundzüge ihres weiteren Schaffens. Eine adaptierte industrielle Gewächshauskonstruktion stülpt sich dabei über einen einfachen Holzkörper und definiert eine klimatische Hülle, die als Wintergarten und erweiterter Lebensraum fungiert. Das Gewächshaus wird in Folge zu einem zentralen Motiv und Grundprinzip ihres Werks. Immer wieder taucht es auf, etwa im viel beachteten sozialen Wohnbauprojekt Cité Manifeste in Mulhouse ( ) oder bei der gefühlvollen Transformation gesichtsloser Wohnblocks, die bei Vollbetrieb technisch saniert und durch eine vorgelagerte Raumschicht, bestehend aus Wintergarten und Balkon, erweitert werden und das bei gleich bleibender Miete. Luxus, das bedeutet für Lacaton & Vassal vor allem, großzügig zu sein. Architektur müsse Empfindungen, Freude und Gemütlichkeit hervorbringen, schreiben sie in einem anlässlich der Ausstellung veröffentlichten Text, der die Züge eines Manifests trägt. Auf keinen Fall dürfe Architektur die Menschen einengen. Vielmehr solle sie dem Leben dienen und in ihrer Nutzung ein Gefühl von Freiheit vermitteln. Diesem Konzept folgend entstehen offene, luftige Räume, die auf sehr subtile Weise vielfältige Möglichkeiten der Aneignung anbieten. Dass die Bauten in Innsbruck als wandfüllende Projektionen gezeigt werden, macht diese besondere räumliche Qualität und die damit verbundene Haltung auf unmittelbare Weise erfahrbar. [THI] aut. architektur und tirol Lois-Welzenbacher-Platz 1 A-6020 Innsbruck Di Fr h, Sa h So, Mo geschlossen DRAUSSEN 43

44 tipps Aktuelle Ausstellungen 1 2 WIEN A Otto Wagner Ausstellungen Wien Museum, bis 7. Oktober MAK, bis 30. September Seine Bauten prägen das Stadtbild von Wien bis heute und gelten als Meilensteine auf dem Weg vom Historismus zur Moderne. Otto Wagner ( ) war ohne Zweifel einer der weltweit einflussreichsten Architekten und Stadtplaner an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Seinen 100. Todestag nehmen nun gleich zwei Wiener Institutionen zum Anlass für umfassende Sonderausstellungen, die nicht nur Leben und Werk des visionären Gestalters beleuchten, sondern auch die anhaltende Aktualität der von ihm aufgeworfenen Fragen verdeutlichen. Otto Koloman Wagner wird 1841 in Penzing bei Wien geboren. Er wächst in großbürgerlichen Verhältnissen auf und erhält eine fundierte Ausbildung. Am Polytechnikum in Wien legt er die Matura ab und studiert danach Mathematik, Physik, Darstellende Geometrie, Technologie und Zeichnen. Von 1860 bis 1861 besucht er die Königliche Bauakademie in Berlin, danach die Wiener Akademie der bildenden Künste. Im Alter von 21 Jahren tritt Wagner in das Atelier des Architekten und Stadtbaumeisters Heinrich von Förster ein. Ab 1864 ist er selbstständig tätig und entwirft erste eigene Bauten. Der Beginn seiner Laufbahn fällt somit genau in die bedeutendste Epoche der Wiener Baugeschichte. Mit der Eröffnung der Ring straße 1865 beginnt der radikale städtebauliche Umbau zur repräsentativen k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt und damit zur modernen Großstadt von Weltrang. Als einer der Schwerpunkte der großen Personale im Wien Museum am Karlsplatz wird Wagners Frühwerk erstmals ausführlich behandelt. Bereits hier deutet er sich als Vorreiter einer neuen Baukunst an, die den historischen Stilen eine auf Funktion, Konstruktion und Material basierende Architektur entgegensetzt und sich dabei konsequent das moderne Leben zum Vorbild nimmt. Ein weiterer Schwerpunkt beschäftigt sich mit seinen Großstadtvisionen, vom Generalregulierungsplan für Wien von 1893 bis zum wichtigsten Auftrag seiner Karriere, dem Bau der Wiener Stadtbahn, deren ikonische Jugendstil-Stationen auch heute noch als Teil der U-Bahn-Linien U4 und U6 bestaunt werden können. Weitere Kapitel sind Wagners unausgeführten Projekten für den Kaiserhof, dem Kampf /2018

45 1 Otto Wagner Pavillon Karlsplatz, Foto: Hertha Hurnaus, Wien Museum 2 Nussdorfer Wehr, Foto: Wolfgang Thaler, Wien Museum 3 K. k. Österreichische Postsparkasse, Großer Kassensaal, Foto: Hagen Stier, 2015 / MAK 4 Armlehnsessel aus der Postsparkasse, 1906, Foto: Peter Kainz, Privatbesitz 5 Rupert Pokorny, Projekt für eine Thermen- und Kuranlage in Vöslau, Vogelperspektive, In: Otto Schoen thal (Hg.), Das Ehrenjahr Otto Wagners an der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien. Arbeiten seiner Schüler. Projekte, Studien u. Skizzen, Wien 1912, S. 39 MAK um ein Stadtmuseum das am heutigen Standort des Wien Museums hätte errichtet werden sollen und natürlich seinen beiden Hauptwerken, der Postsparkasse und der Kirche am Steinhof, gewidmet. Mehr als 500 Exponate, von Originalzeichnungen über Möbel und Modelle bis zu Gemälden und persönlichen Gegenständen, geben erstmals seit 50 Jahren einen eindrucksvollen Überblick über das Werk des Architekten und veranschaulichen dessen internationale Strahlkraft. Zur Ausstellung ist zudem eine reich illustrierte Publikation (544 Seiten) erschie nen, die schon jetzt als neues Standardwerk bezeichnet werden muss, da sie neben Beiträgen renommierter AutorInnen das erste kommentierte Verzeichnis sämtlicher Bauten, Projekte und kunstgewerblicher Entwürfe Wagners enthält. Parallel ist im Wiener MAK die Ausstellung POST OTTO WAGNER. Von der Postsparkasse zur Postmoderne zu sehen. Sie richtet den Blick insbesondere auf sein Vermächtnis als Vater der Moderne. Ausgehend von seinen wichtigsten Werken werden Wechselwirkungen zwischen Wagner und anderen Protagonisten der frühen Moderne aufgezeigt und sein Einfluss auf Zeitgenossen, SchülerInnen sowie nachfolgende Generationen dargestellt. Aus Wagners Schule und Atelier gingen weltweit bedeutende Architekten hervor, darunter Josef Hoffmann, Joseph Maria Olbrich, Jan Kotěra oder Rudolph M. Schindler. Auch im Werk zahlreicher Ikonen der jüngeren Architekturgeschichte und der Postmoderne wie Frei Otto, Robert Venturi und Denise Scott Brown oder Hans Hollein sind Einflüsse und Parallelen erkennbar, zum Beispiel im Hinblick auf Wagners Umgang mit Fassaden und Materialien. Vor allem die unweit des MAK gelegene Postsparkasse ( ) steht dabei für die von ihm initiierte, vielbeachtete Verbindung von tradierter Baukunst und der Ästhetik des Maschinenzeitalters, die sich in seinen Bauten etwa im Einsatz konstruktiver Elemente als formgebendes Prinzip manifestiert. Früher als andere erkannte er im Zuge der Entwicklung der Großstädte um 1900 und des Aufkommens neuer Bautypen die zunehmende Bedeutung von Technik und Ingenieurwesen. Auch seine für die Postsparkasse entworfenen Möbel gelten als Klassiker und werden noch heute vielfach zitiert. Als Schlüsselwerk der Wiener Moderne stellt die Postsparkasse den zentralen Ausgangspunkt der MAK-Ausstellung dar und ist auch als reales Gebäude miteinbezogen. Mit einer MAK-Eintrittskarte besteht die Möglichkeit, die anlässlich von POST OTTO WAGNER wieder geöffnete und vom MAK ergänzend kuratierte Ausstellung im WAGNER:WERK Museum Postsparkasse jeweils von Montag bis Freitag ( h) gratis zu besuchen. [THI] Wien Museum Karlsplatz Karlsplatz 8 A-1040 Wien Di So h Mo geschlossen MAK-Ausstellungshalle Stubenring 5 A-1010 Wien Di h, Mi So h Mo geschlossen DRAUSSEN 45

46 tipps Aktuelle Ausstellungen WINTERTHUR CH Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine Ausstellung bis 4. November In unserer Kindheit begegneten sie uns meist in Spielzeugform oder als sympathische Protagonisten von Science-Fiction-Filmen. Erst seit einigen Jahren spielen sie auch im echten Leben eine immer größere Rolle und schicken sich an, unseren Alltag grundlegend zu verändern. Die Rede ist von Robotern. Ob Staubsauger oder Rasenmäher, Lieferdrohnen, selbstfahrende Züge und Autos, intelligente Sensoren oder Industrie 4.0 die Robotik hält allerorts Einzug und wirft neue ethische, soziale und politische Fragen auf. Sie schafft aber auch spannende neue Designaufgaben an der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine und hält Lösungen für komplexe gestalterische Probleme bereit. Die Ausstellung Hello, Robot., die nach Stationen in Wien, Weil am Rhein und Gent jetzt im Gewerbemuseum Winterthur gezeigt wird, untersucht den aktuellen Boom der Robotik erstmals eingehend. Mehr als 200 Exponate aus Design und Kunst, darunter Roboter aus dem Wohn- und Pflegebereich und der Industrie, aber auch Computerspiele, Medieninstallationen sowie Beispiele aus Film und Literatur zeigen, wie vielgestaltig Robotik heute ist. In vier Kapiteln werden unterschiedliche Aspekte des Themas unter die Lupe genommen. Im ersten Teil, Science und Fiction, geht es um die alte Begeisterung der Moderne für den künstlichen Menschen und den starken Einfluss der Populärkultur auf unsere Vorstellung davon, was ein Roboter ist und sein soll. Das zweite Kapitel, Programmiert auf Arbeit, ist mit der Industrie und Arbeitswelt jenem Bereich gewidmet, in dem die Robotik schon früh ihren Durchbruch erlebte und mittelfristig einige Berufe überflüssig machen wird. Hier reicht die Bandbreite vom klassischen Industrieroboter bis zur Kunstinstallation, die die Grenzen zwischen automatisierbarer Arbeit und menschlicher Kreativität auslotet. Der dritte Abschnitt ist dem Roboter in seiner allseits beliebten Funktion als Freund und Helfer gewidmet im Haushalt, in der Pflege, als digitaler Kamerad oder gar beim Cybersex. Im vierten Teil geht es schließlich um das Eins werden von Mensch und Robotik, etwa in Form eingepflanzter Sensoren oder dem Leben in smarten Städten und Gebäuden /2018

47 1 Zos Lee und Gina Jeon für AKA, Musio, 2016, Pädagogischer Roboter, div. Materialien, 22 x 16,8 x 8,5 cm, AKA, LLC., Tokio 2 Stephan Bogner, Philipp Schmitt und Jonas Voigt, Raising Robotic Natives, 2016, Installation mit Industrieroboter, div. Materialien, Stephan Bogner, Philipp Schmitt, Jonas Voigt / Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd 3 Sander Burger, Alice Cares, 2015, Dokumentarfilm, Filmstill, KeyDocs/ Alice Cares. 4 Francis Bitonti Studio Inc., Molecule Shoe, 2015, 3D-Druck, Francis Bitonti / Foto: Museum of Fine Arts, Boston, Architektur ist auch das Thema der aktuellen Sonderpräsentation im Material-Archiv (bis 28. Oktober). Unter dem Titel Wenn Roboter bauen werden konkrete Anwendungsmöglichkeiten von Robotik beim Bau komplexer Fassaden- und Wandsysteme vorgestellt. Begleitet wird der Roboter-Schwerpunkt von einer Filmreihe, Führungen, Vorträgen und Workshops. So sind etwa am 1. und 2. September Interessierte aller Altersgruppen eingeladen, ihren eigenen, funktionierenden Roboter zusammenzubauen ein Kindheitstraum geht in Erfüllung! [THI] Gewerbemuseum Winterthur Kirchplatz 14 CH-8400 Winterthur Di So h, Do h Mo geschlossen Alphabet des Lebens Lernwerkstatt Natur FÖRDERER FORSCHUNGSPARTNER DRAUSSEN Di Sa, h Werkraumhaus Hof Andelsbuch werkraum.at 47

48 inform ABO EINFACH ZU HABEN! Ich bestelle INFORM ABO (3 Ausgaben im Jahr) zum Preis von 14, /Jahr (D) ABO (3 Ausgaben im Jahr) zum Preis von 16, /Jahr (CH/EU) beginnend mit der Ausgabe (Monat): Vor- und Nachname: Postanschrift: Bitte senden Sie das ausgefüllte Formular per Post an: INFORM Designmagazin, Stichwort: ABO, Insel 3, Freiburg oder per Fax an: + 49 (0) Dieses Abo-Bestellformular finden Sie auch unter: Telefon: Datum /Unterschrift: Kto.-Nr.: BLZ: Widerrufsrecht Ich kann diese Vereinbarung innerhalb von 2 Wochen bei art-media-edition Verlag, Sandstr. 17, D Freiburg schriftlich widerrufen. Die Frist ist durch die rechtzeitige Absendung des Widerrufs gewährt. Ich bezahle gegen Rechnung per Bankeinzug Ich bestätige dies mit meiner zweiten Unterschrift: Unterschrift: Freiburg Oberlinden 13 Tel

49 messetipps Messen und Events WIEN A Als Berater für die Saison 2018/19 fungieren dabei die neuen Kuratoren des Jahres: Marcel Besau und Eva Marguerre vom Studio Besau Marguerre. Die beiden Shootingstars der deutschen Designszene stehen spätestens seit der Inneneinrichtung der Elbphilharmonie in Hamburg im Rampenlicht. Studio Besau Marguerre sind für mich ein Prototyp des Designers von Morgen, fiebert blickfang-geschäftsführerin Jennifer Reaves dem gemeinsamen Saison-Auftakt in Wien entgegen. Obwohl sie in der Fachszene zu den Tonangebern zählen, sind sie bodenständig, nahbar, auf Augenhöhe und erklären Design in Worten, die man versteht. Und darum geht es bei der blickfang. blickfang Designverkaufsmesse MAK Wien, 26. bis 28. Oktober Das mit jährlich über 650 Ausstellern und Besuchern größte Design-Shoppingevent im deutschsprachigen Raum startet in die neue Herbstsaison und macht zum 16. Mal Station in der österreichischen Hauptstadt. 150 Designer laden Stilliebhaber, Designenthusiasten und Individualisten wieder zum Staunen und Shoppen in das Wiener MAK ein. Wer durch die Hallen schlendert, taucht in die Designszene ein, findet Inspirationen und begegnet neuen Lebensbegleitern, die man gleich mit nach Hause nehmen kann. Moritz Pröll Maschro Hier treffen junge Ideen auf alte Werte, denn die Designer persönlich begleiten ihre Entwürfe von der ersten Skizze über die Produktion bis in die Hände der Kunden. Mit Hingabe, die bei Handwerk alltäglich und bei Massenware rar ist, feilen sie an Ideen, verfeinern das Material und stecken ihr Herzblut in jedes noch so kleine Detail. Und von dem Moment an, in dem man als blickfang-besucher von den anwesenden Designern persönlich beraten wird und in ihre Welt eintauchen darf, erzählen Möbel, Mode und Schmuck ihre eigene Geschichte. Für das kontinuierlich hohe Niveau der gezeigten Produkte sorgt eine Fachjury. Nur wer mit Ästhetik, Originalität und Qualität überzeugen kann, wird zur Teilnahme eingeladen. Die ersten Aussteller der blickfang Wien stehen bereits fest: Das Tiroler Label Almut zeigt und verkauft beispielsweise Leuchten, deren Schirm aus sorgsam gepresstem Almheu besteht. Trotz der sichtbaren Herkunft fügen sich die schlichten Entwürfe in zeitgemäße Interieurs. Altbekanntes neu gedacht dieses Motto gilt auch für die eleganten Porzellanbecher und -schalen von Additive Addicted, in denen sich Tradition mit modernster Technologie verbindet. Ihre charakteristischen Oberflächen entstehen durch die Schichten, in denen ein 3-D-Drucker die Keramik aufgebaut hat. Die blickfang versteht sich aber nicht nur als Messe, sondern auch als Plattform für Design. blickfang Wien MAK Weiskirchnerstraße 3 A-1010 Wien Fr h, Sa h, So h Almut Case Studies, Fotos: blickfang DRAUSSEN 49

50 aktuelle Kunstpositionen im art-media-edition Verlag Freiburg: Auch gut (erscheint im gleichen Verlag wie INFORM): Ausgabe Nord III 2018 Kunstmagazin Ahrenshoop Alkersum Braunschweig Bremen Bremerhaven Brunsbüttel Cuxhaven Emden Eutin Flensburg Glückstadt Greifswald Hamburg Hannover Kiel Lübeck Lüneburg Neumünster Neuenkirchen Nordhorn Oldenburg Osnabrück Pinneberg Rostock Schleswig Schwerin Stade Steinfurt Wilhelmshaven Wolfsburg Worpswede Tejal Shah, Lucid Dreaming VII, 2013, Detail, Courtesy of the artist, Project 88, Mumbai & Barbara Gross Galerie, München, zu sehen in der Ausstellung Facing India im Kunstmuseum Wolfsburg, bis 7. Oktober 2018

51 agenda ANDELSBUCH (A) Alphabet des Lebens Lernwerkstatt Natur bis Handwerk+Form 2018 Ausstellungsrundgang 13./14. & Werkraumhaus Hof 800 A-6866 Andelsbuch Di Sa 10 18h BASEL (CH) Portrait of a Landscape bis Transform Schweizerisches Architekturmuseum S AM Steinenberg 7 CH-4051 Basel Di, Mi, Fr 11 18h, Do h Sa, So 11 17h Ulli Lust. Zu viel ist nicht genug bis Cartoonmuseum Basel St. Alban-Vorstadt 28 CH-4052 Basel Di So 11 17h Lynn Hershman Leeson: Anti-Bodies bis Eco-Visionaries HeK (Haus der elektronischen Künste) Freilager-Platz 9 CH-4142 Basel/Münchenstein Mi So 12 18h BERLIN (D) Erotik der Dinge bis Werkbundarchiv Museum der Dinge Oranienstraße 2 D Berlin Do Mo 12 19h Vista contemplativa bis Archi-Union Architects Architektur Galerie Berlin Karl-Marx-Allee 96 D Berlin Di Fr 14 19h, Sa 12 18h Oh Yeah! Popmusik in Deutschland bis Was fremde Sprachen anders machen bis Museum für Kommunikation Berlin Leipziger Straße 16 D Berlin Di 9 20h, Mi Fr 9 17h Sa, So 10 18h DESSAU (D) Carl Fieger. Vom Bauhaus zur Bauakademie bis Stiftung Bauhaus Dessau Gropiusallee 38 D Dessau-Roßlau Mo So 10 17h DORNBIRN (A) Gustav Internationaler Salon für Konsumkultur Design- und Genussmesse Messe Dornbirn Messeplatz 1 A-6854 Dornbirn Sa 10 20h, So 10 18h Biomimicry-Workshop designforum Vorarlberg Campus V Hintere Achmühlerstraße 1 A-6850 Dornbirn Di Fr 10 19h, Sa 10 16h Making of Austrian Pavilion Biennale Architettura di Venezia 2018 bis vai Vorarlberger Architektur Institut Marktstraße 33 A-6850 Dornbirn Di Fr 14 17h, Do 14 20h Sa 11 15h DÜSSELDORF (D) Anni Albers bis K20 Grabbeplatz Kunstsammlung Nordrhein- Westfalen Grabbeplatz 5 D Düsseldorf Di Fr h, Sa, So h FRANKFURT (D) RAY Fotografieprojekte Extreme Bodies bis Lore Kramer. Ich kann ohne Keramik nicht leben bis Michael Riedel. Grafik als Ereignis bis Lara protects me Museum für angewandte Kunst Schaumainkai 17 D Frankfurt am Main Di, Do So 10 18h, Mi 10 20h FAHR RAD! bis Märklin Moderne bis Wohnen für alle bis RHEIN-MAIN Die Region leben bis Die immer neue Altstadt HYBRID TBILISI Häuser des Jahres Deutsches Architekturmuseum Schaumainkai 43 D Frankfurt am Main Di, Do So 11 18h, Mi 11 20h GRAZ (A) FH Joanneum Industrial Design Show 2018 bis designforum Steiermark Andreas-Hofer Platz 17 A-8010 Graz Di Sa 13 19h ÖKOTOPIA Graz Museum Sackstraße 18 A-8010 Graz Mi Mo 10 17h HAMBURG (D) Die Dame bis Mobile Welten bis Art Déco. Grafikdesign aus Paris bis DELETE bis Inky Bytes Otto Die Ausstellung Pop und Protest Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg Steintorplatz D Hamburg Di So 10 18h, Do 10 21h if design exibition Hamburg Elbarkaden/HafenCity Hongkongstraße 6 D Hamburg Di So 11 18h HEIDELBERG (D) Klassiker der Verpackung Dauerausstellung Stollwerck s schönste Schoko-Schachteln Sonderausstellung Deutsches Verpackungsmuseum Hauptstraße 22 D Heidelberg Mi Fr 13 18h, Sa, So 11 18h SANDY BROWN Großbritannien bis Jubiläumsausstellung Zeitgenössische Keramische Kunst der Welt Galerie Marianne Heller Friedrich-Ebert-Anlage 2 Im Stadtgarten D Heidelberg Di Fr & 14 18h Sa 11 18h HORNU (B) THE LIMITS TO GROWTH! Design and no-growth bis BENOÎT DENEUFBOURG Process Site du Grand-Hornu Rue Sainte-Louise 82 B-7301 Hornu Di So 10 18h HUSSEREN-WESSERLING (F) Yokoso: Willkommen in Japan Zwischen Tradition und Modernität bis Expedition Jules Verne bis Dauerausstellung Écomusée textile Parc de Wesserling F Husseren-Wesserling Mo So 10 18h INNSBRUCK (A) Lacaton & Vassal. Inhabiting: Pleasure and Luxury for Everyone bis aut. architektur und tirol Lois-Welzenbacher-Platz 1 A-6020 Innsbruck Di Fr h, Sa h DRAUSSEN 51

52 Maureen Winterhager DESIGNER MODESCHMUCK & ACCESSOIRES Fischerau 12 D Freiburg Tel KÖLN (D) Peter Gowland s Girls bis Andy Warhol Pop goes Art Kölner Design Preis Toby E. Rodes Award Museum für Angewandte Kunst Köln An der Rechtschule D Köln Di So 11 17h 1. Do im Monat 11 22h 1. So im Monat 10 18h LAUSANNE (CH) ligne de mire line of sight bis The Bauhaus #itsalldesign Plot in Plastilin mudac Pl. de la Cathédrale 6 CH-1005 Lausanne Di So 11 18h Jul/Aug: Mo So 11 18h LEIPZIG (D) L amour fou Carolein Smit bis Made in Denmark. Formgestaltung seit 1900 bis Blumen Flowers Fleurs bis Grassimesse Grassi Museum für Angewandte Kunst Johannisplatz 5 11 D Leipzig Di So 10 18h Let s print in Leipzig Museum für Druckkunst Nonnenstraße 38 D Leipzig Mo Fr 10 17h, So 11 17h MÜNCHEN (D) Hella Jongerius & Louise Schouwenberg. Beyond the New bis LOFT CUBE. Inspired Concept Store bis Die Neue Sammlung The Design Museum Pinakothek der Moderne Türkenstraße 15 D München Di So 10 18h, Do 10 20h African Mobilities bis Königsschlösser und Fabriken Ludwig II. und die Architektur Architekturmuseum der TU München Pinakothek der Moderne Barer Straße 40 D München Di So 10 18h, Do 10 20h Alles rund Punkt Kreis Kugel bis Galerie Handwerk Max-Joseph-Straße 4 Eingang Ottostraße D München Di, Mi, Fr 10 18h Do 10 20h, Sa 10 13h NÜRNBERG (D) Goshka Macuga bis Beste Plakate Hochschule für Gestaltung in Ulm ( ). Ein Rückblick Präsentation Architektenmöbel. Möbelmanifeste Präsentation Kunstflug Präsentation East and West: DDR/BRD East and West: Tschechisches Design East and West: USA Dauerausstellungen Neues Museum für Kunst und Design Nürnberg Eingang Klarissenplatz D Nürnberg Di So 10 18h, Do 10 20h PFORZHEIM (D) Ost trifft West exquisite Kostbarkeiten des Art déco bis Schmuckmuseum Pforzheim Jahnstraße 42 D Pforzheim Di So 10 17h SALZBURG (A) Resonanz von Exil bis Marisa Merz bis Museum der Moderne Mönchsberg 32 A-5020 Salzburg Di So 10 18h, Mi 10 20h ST.GALLEN (CH) Die totale Wohnharmonie? Textile Konzepte bis Die Spitzen der Gesellschaft Textilmuseum Vadianstrasse 2 CH-9000 St. Gallen Mo So 10 17h Werkstoffarchiv Sitterwerk Sittertalstrasse 34 CH-9014 St. Gallen Mo Fr 9 17h, So 14 18h STUTTGART (D) EMMA Pforzheim Designers in Residence Design Center Baden- Württemberg Haus der Wirtschaft Willi-Bleicher-Straße 19 D Stuttgart Mo Fr 11 18h WEIL AM RHEIN (D) Night Fever. Design und Clubkultur 1960 heute Museum bis Ron Arad: Yes to the Uncommon! Schaudepot bis Bas Princen. Image and Architecture Gallery bis Christien Meindertsma: Beyond the Surface Gallery Victor Papanek: The Politics of Design Museum Vitra Design Museum Charles-Eames-Str. 2 D Weil am Rhein Mo So 10 18h WIEN (A) blickfang Internationale Designmesse MAK Österreichisches Museum für angewandte Kunst /

53 Gegenwartskunst Weiskirchnerstraße 3 A-1010 Wien Fr 12 21h Sa 10 20h, So 10 18h Vienna Design Week Designfestival Wagner, Hoffmann, Loos und das Möbeldesign der Wiener Moderne bis Hofmobiliendepot Möbel Museum Wien Andreasgasse 7 A-1070 Wien Di So 10 18h SOS Brutalismus. Rettet die Betonmonster! bis Europas beste Bauten Roland Rainer (Un)Umstritten Az W Architekturzentrum Wien Museumsplatz 1 im MQ A-1070 Wien Mo So 10 19h GO WEST! American Illustration bis designforum Wien quartier 21/MQ Museumsplatz 1 A-1070 Wien Mo Fr 10 18h Sa, So 11 18h POST OTTO WAGNER. Von der Postsparkasse zur Postmoderne MAK Ausstellungshalle bis Jahre Wiener Porzellanmanufaktur MAK Ausstellungshalle bis Adriana Czernin MAK Galerie bis falkeis2architects: active energy building MAK Forum bis Gustav Peichl 15 Bauten zum 90sten MAK-Kunstblättersaal bis Beste Plakate 17 MAK Design Labor bis Klimt s Magic Garden MAK-Schausammlung bis Sagmeister &Walsh: Beauty MAK Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst Stubenring 5 A-1010 Wien Di 10 22h, Mi So 10 18h Otto Wagner bis Wien Museum Karlsplatz 8 A-1040 Wien Di So h WINTERTHUR (CH) Hello, Robot. bis Wenn Roboter bauen Material-Archiv bis Times of Waste Was übrig bleibt Rock Print Pavilion Gewerbemuseum Kirchplatz 14 CH-8400 Winterthur Di So 10 17h, Do 10 20h ZÜRICH (CH) PA-DONG! Die Möbel von Susi und Ueli Berger bis Protest! Widerstand im Plakat bis Design Studio: Prozesse bis Social Design Museum für Gestaltung Toni-Areal Pfingstweidstrasse 96 CH-8031 Zürich Di So 10 17h, Mi 10 20h Oïphorie: atelier oï bis Ideales Wohnen Plakatgeschichten Collection Highlights Dauerausstellungen Museum für Gestaltung Ausstellungsstrasse 60 CH-8031 Zürich Di So 10 17h, Mi 10 20h Alle Angaben ohne Gewähr impressum INFORM art-media-edition Verlag Freiburg Insel 3 D Freiburg T Herausgeber: Björn Barg, Redaktion: Thomas Hirtenfelder, Anzeigenreservation: T Mitarbeitende dieser Ausgabe: Björn Barg Maren Barg Anke Bluth Nike U. Breyer Dagmar Frick-Islitzer Miriam Grohmann Cornelius Schiffmann Geraldine Zschocke Gastbeiträge von: Bruna Hauert (friends of carlotta, Zürich) Konzept Grafik: Annett Frey freysign.de Korrektorat: Thomas Hirtenfelder Erscheinungsweise: 3 4 mal im Jahr Es gelten die Mediadaten #9 vom Titelrechte: Jeder Nachdruck, auch auszugsweise, ist nur mit Erlaubnis des Verlages und der Redaktion gestattet. *Alle Angaben ohne Gewähr INFORM Designmagazin Herbst erscheint November Anzeigenschluss: Schwerpunktthema: Verpackung Referenz Titelbild: zlikovec / Alamy Stock Photo DRAUSSEN 53

54 Ideen für Gestalten & Design 13. / / 19. / Oktober Paul Jackson Muster im Rapport ISBN Die Grundlagen für Design, Mode und Architektur zum Entwerfen von Wiederholungsmustern. Ausstellungsrundgang täglich Uhr Andelsbuch handwerk undform.com Marlis Maehrle Art in a Box ISBN Von der Wunderkammer zur Kästchenkunst: Inszenierungen von Skurrilem und Alltäglichem sind im Trend. Leseproben auf

55 GUTES DESIGN KAUFEN Ohrringe Neptun Goldmarlen, 75 EUR, Designers Market by blickfang imm cologne, blickfang Stuttgart, blickfang Online Shop Wenn beim Ankleiden die Haut prickelt, wenn das Auge den Esstisch verschlingt und wenn Schmuck einem zuwispert, dass man alles erreichen kann: Dann ist es ein blickfang-moment. Keksdose Ontwerpduo, ab 130 EUR, blickfang Hamburg, blickfang Online Shop Denn auf der internationalen Designmesse blickfang und im zugehörigen Onlineshop finden Sie genau die Möbel-, Mode- und Schmuckentwürfe, nach denen sich Stilliebhaber, Individualisten und Designliebhaber die Finger lecken und in Kaufhäusern vergeblich suchen. Zwischen 100 und 250 ausgewählte Designer warten persönlich auf Sie, um Ihnen neue Lieblingsstücke zu präsentieren und zu verkaufen mit Kanten, Charakter und Suchtpotential. Und wer schon heute haben will, was morgen jeder gerne hätte, besucht einfach gleich den blickfang Designshop unter Schal Lijn Winter in Holland, ab 108 EUR, blickfang Hamburg, blickfang Online Shop Save the Date! Tisch und Bank cibusx Hildinger & Koch, Tisch EUR, Bank EUR, blickfang Stuttgart Tischleuchte Orbit studio-t, 260 EUR, blickfang Stuttgart blickfang Stuttgart Wien MAK Liederhalle Oktober März blickfang Basel Bern Bernexpo Messe Basel November Mai blickfang Wien Zürich MAK Stage One Oktober November blickfang Designers Market Bern by Bernexpo blickfang imm cologne November Januar 2019 blickfang Zürich Hamburg Stage Deichtorhallen One November Februar Designers Market by blickfang imm cologne Januar 2019 blickfang Hamburg Deichtorhallen Februar 2019 Tickets auch online im blickfang Designshop erhältlich!

56 magazin.com MÖBEL, LEUCHTEN, BAD, HAUSTEXTILIEN, HAUSHALT, KÜCHE, SCHREIBBEDARF, UNTERWEGS STUTTGART BONN MÜNCHEN