CAVA. Cava im Höhenflug

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1 CAVA Cava im Höhenflug Die Cava-Region erfährt momentan den wichtigsten Qualitätsschub ihrer jüngeren Geschichte und hat mit der neuen Premium-Kategorie Cava de Paraje den spanischen Wein sektor aufgemischt. Woher kommt diese Dynamik, wie entwickelt sich die Stilistik und was sind die feinen Geheimnisse von Spaniens Schaumwein-Star? Ein Blick ins Herz des Cava. I

2 WEINWIRTSCHAFT DOSSIER Fotos: Do CAVA II

3 cava Der gelungene Schachzug, den Cava über eine Anerkennung von Lagen bzw. Single-Vineyard-Gewächsen in den Köpfen der Profis und Verbraucher auf eine ganz neue Qualitätsebene zu stellen, hat weltweit für Schlagzeilen nicht nur in der Fachpresse gesorgt. Von dieser neuen Offensive profitieren ebenfalls die Reserva- und Gran Reserva-Weine der berühmten gebietsübergreifenden Appellation für Qualitätsschaumweine. Auch wenn eine Definition von Lagenweinen nicht gänzlich neu ist, muss man dem neuen Gesetzesrahmen für den Cava de Paraje Calificado allen Respekt zollen. Die Katalanen hatten schon über ihre Vi de Finca-Regulierung eine Qualitätsebene für Single-Estate-Weine geschaffen. Mit der Definition der Lagen- bzw. Parzellen-Cavas war die Geschützte Herkunftsbezeichnung Cava schneller am Start als entsprechende Regelungen in Rioja und dem kleinen Bierzo und konnte außerdem sogleich mit fertigen Produkten aufwarten, was allein für sich schon eine außergewöhnliche Leistung ausmacht. Zudem schaffte die zuständige Weinbaubehörde das Kunststück, ein Modell auf die Beine zu stellen, welches von großen wie kleinen Häusern gleichermaßen gut aufgenommen wurde und weder zu Polemik noch hitzigen Auseinandersetzungen im Gebiet selbst geführt hat. Auch politisch gesehen kann man also durchaus von einem Volltreffer sprechen. Die DOP setzte damit der Entwicklung hin zu einem immer breiter gefächerten Angebot an Premium- Cavas das i-tüpfelchen auf. Eine Frage des Stils Keine Frage, Premium-Cava hat schon immer eine feste Fangemeinde besessen, vor allem bei den Spanien-affinen Weingenießern, welche den Cava immer schon als hochwertiges Produkt abseits des Lebensmittelhandels gesehen haben. Auch wenn der prozentuale Anteil an vermarktetem Top-Cava im Fachhandel sowie der gehobenen Großfläche beschränkt war, galt das Produkt den Kennern auch bei uns als seriös und authentisch. Insbesondere der Tourismusmagnet Barcelona mit Umland hatte vielen Besuchern gezeigt, wie vielseitig sich das Angebot darstellt und mit welcher Selbstverständlichkeit Cava dort genossen wird, angefangen von einfachen Touristenlokalen bis hin zur weltberühmten Gourmet-Gastronomie der Region. Paradoxerweise spielt der Klimawandel dem katalanischen Nationalgetränk in gewisser Weise in die Hände, da gerade der Cava doch als außerordentlich leicht und hervorragend verträglich gilt. Cava ist Trend ob seiner Frische und Eleganz. Obwohl das Gros der Produktionsfläche klar mediterran geprägt ist, stößt man kaum auf schwere Qualitäten. Der Cava entspricht genau den Bedürfnissen, die der Klimawandel erst richtig geweckt hat, nämlich dem Wunsch nach einem gleichermaßen leichten und markanten Charakter. Die Tatsache, dass die Grundweine nur selten durch biologischen Säureabbau geprägt sind, lässt die meisten Cavas unbeschwert erscheinen; ein schlankes Mundgefühl sowie ein attraktiver Fluss am Gaumen gelten bei den meisten Cavas als gesetzt. Hinzu kommt sicherlich noch ein weiteres technisches Detail, welches den Qualitätsschaumweinen aus dem spanischen Osten zugutekommt. Anreicherung ist kein Thema, was den Alkoholgehalt in sehr angenehmen Grenzen hält. Ein bedeutender Teil der Cava-Produktion weist auf den Etiketten nicht mehr als 11,5 % vol. auf. Der Cava liegt also wie kaum ein anderer Qualitätsschaumwein im Trend der Zeit, obwohl es sich um ein südeuropäisches Gewächs handelt, dessen Profil ja eher nicht sofort mit Leichtigkeit assoziiert werden muss. Die enorme Attraktivität, die von einem solchen Produkt ausgehen kann, ist folglich nicht zu unterschätzen, vorausgesetzt diese Tugenden können in geeigneter Form kommuniziert werden. Überwiegend autochthon Eine nicht unwesentliche Rolle für den Erfolg des Cavas insbesondere im gehobenen Segment ist die Dominanz heimischer Sorten und der damit unweigerlich verknüpfte völlig eigenständige Charakter. Tonangebend sind die drei weißen Sorten Macabeo (alias Viura), Parellada und Xarel.lo flankiert von einer im Vergleich viel geringeren Präsenz roter Trauben wie Monastrell (alias Mouvèdre), Garnacha tinta und der nur in Katalonien in Erscheinung tretenden Trepat. Sicherlich sind sie ebenfalls vorhanden, die unvermeidlichen Schaumweinsorten des nördlichen Nach- III

4 WEINWIRTSCHAFT DOSSIER und durchaus gerechtfertigt für gute Rotweine steht, spricht die Rebsortenverteilung eine andere Sprache. Ein Großteil der verfügbaren Anbaufläche entfällt auf weiße Trauben, die natürlich zu Cava und nicht zu DOP-Penedés-Weinen verarbeitet werden. Der Cava und sein Terroir barn Frankreich. Anteilsmäßig spielt der Chardonnay indes nicht die Rolle, die ihm vielleicht der ein oder andere Weinliebhaber zuschreiben will, und zusammen mit der Pinot Noir ist der Anteil der internationalen Sorten bis heute nicht über elf Prozent hinausgekommen. Gut so, mag man da denken, Cava ist sich weitgehend selbst treu geblieben. Im Rosé-Bereich finden sich immer wieder sortenreine Cavas dieser internationalen Rotweinsorte, während der Chardonnay wiederum heute vor allem als willkommener Cuvée-Partner dient. Er setzt Akzente ohne das eigentlich schlankwürzige Profil des typischen Cava zu stark zu beeinflussen. Alleine die wenigen reinen Chardonnays zeigen sich mächtiger als die traditionellen Gewächse. Doch die Befürchtung, die in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts immer wieder laut wurde, der Chardonnay könne das Gebiet und seinen Schaumwein verändern, hat sich nicht bewahrheitet. Ganz im Gegenteil, das angestammte weiße Cava-Triumvirat sitzt fester im Sattel als je zuvor. Dies zeigt, wie fest die Winzer im Kerngebiet des Cava, welches sich im Wesentlichen auf das Penedés konzentriert, an ihre drei weißen Hauptsorten geglaubt haben. Denn obwohl die Stillwein-Appellation bekanntermaßen Die Cava-Region umfasst neben Katalonien auch Gemeinden in den Regionen Extremadura, Navarra, La Rioja, dem Baskenland sowie Aragón und Valencia. Etwa 96 % des Volumens entfällt dabei auf die Region im Nordosten, als zweitwichtigste Gemeinde außerhalb wäre das Kleinstädtchen Requena im Hochland von Valencia zu nennen gefolgt von Almendralejo in der Südhälfte der Extremadura. Als gebietsübergreifende Appellation kann die DOP Cava über die im Register der Appellation eingetragenen Gemeinden auf Flächen in den meisten katalanischen Herkunftsbezeichnungen Cava produzieren mit Ausnahme des Montsant, der Terra Alta und des Priorat. Das Schwergewicht der Cava-Region ist dabei natürlich das Gebiet um Sant Sadurní d Anoia etwa 40 Autominuten von Barcelona entfernt. Demnach ist das Terroir des Anbaugebietes überwiegend mediterran geprägt, wobei die Vielfalt der Mikroklimata mit durchaus auch kühleren Plätzen überrascht. Nicht nur in den höheren Lagen des Landesinneren finden sich kühle Plätze. Auch der Die Kategorien Cava: mehr als 9 Monate Hefe lager Cava Reserva: mehr als 15 Monate Hefelager Cava Gran Reserva: mehr als 30 Monate Hefelager Cava de Paraje Calificado: mehr als 36 Monate Hefelager IV

5 cava maritime Gebirgszug, welcher sozusagen die erste prominente Erhebung östlich des Küstenstreifens ausmacht, bietet zahlreiche Punkte mit gemäßigten Temperaturkurven auf. Nicht nur der exakte geographische Platz sowie die Ausrichtung der Weinberge spielen dabei eine wichtige Rolle. Einen wichtigen Einfluss auf die Situation der Weinberge hat auch die vorhandene Vegetation. Dichte mediterrane Wälder bilden Rebsorten für die Cava-Produktion 20% 9% 4% 0% 0% 3% 3% 26% an zahlreichen Stellen immer wieder einen schützenden und ausgleichenden Rahmenfaktor. In den meeresnahen Lagen dominieren Sandböden ebenso wie Schwemmland mit Flussgestein in den Tälern, während an den Rändern der Gebirge und in den höheren Gestaden Lehmkalkstrukturen vorherrschen. Man muss sich den Kern des Cava-Gebietes als eine Wanne zwischen zwei Kalkgebirgsketten vorstellen, bekannt als Sierras Litoral und Prelitoral. Als beste Lagen im Penedés-Tal gelten die mit wenig komprimierten Kalkbrocken durchsetzten roten Lehmböden. Lockere Bodenstrukturen gelten den Winzern als ideal. Vor allem in den mittleren Höhen zeigen sich diese durchaus tiefen Böden mit guter Speicherkapazität, aber wenig kompaktem Untergrund, der den Wurzeln eine einfache vertikale Penetration erlaubt. Alleine das Penedés, welches einen Großteil der für die Cava-Produktion zugelassenen Gemeinden mit ihren Rebflächen beherbergt, weist 96 verschiedene Bodentypen auf. Hinzu kommen Granitböden im Nordosten der Cava- Region sowie gen Westen Schiefer- und Quarzit-Strukturen im mittleren Hochland. Dementsprechend vielseitig fällt das Cava- Terroir aus, sei es für die Bereitung eines Blends verschiedener Teilgebiete zwecks Gewährleistung einer Marken-Kontinuität oder aber für die Ausschöpfung eines definierten Terroir. 35% Macabeo Xarel.lo Parellada Chardonnay Garnacha Tinta Trepat Pinot Noir Subirat Parent Monastrell Autochthone Dominanz und internationales Beiwerk Die heimischen weißen Sorten sind vielseitig und ergänzen sich hervorragend, gelten aber nicht als betont fruchtintensiv. Unter den drei klassischen Sorten beansprucht die Macabeo mit etwa 35 % den größten Anteil an der eingetragenen Fläche. Historisch gesehen galt sie als der eigentliche Protagonist des Cava. Ihre frühe und in der Regel sehr zuverlässige Reife rückte sie über viele Jahrzehnte hinweg ins Zentrum der Cava-Produktion. Zitrusfrüchte und Noten vom Apfel sind typisch für diesen nicht sehr ausdrucksvollen Allrounder, der am Meer ebenso wie im Hochland sehr zuverlässige Qualität hervorbringt. Aufgrund ihres milden Aromaprofils übernimmt die Sorte sehr schnell die durch die Autolyse geprägten Sekundäraromen. Die zimtigapfeligen Komponenten bei gereiften traditionellen Cuvées werden in der Regel der Macabeo zugesprochen, womit sie natürlich einen entscheidenden Beitrag zum klassischen Cava-Profil beiträgt. Als Akteur im Hintergrund könnte man die Parellada beschreiben. Ihre Ausdruckskraft steht wie bei keiner anderen Cava-Traube in direktem Verhältnis zum Standort und zu den gewonnenen Erträgen. Je geringer die Volumina, desto rassiger fällt ihr Profil aus. Die Höhe sorgt für einen längeren Vegetationszyklus V

6 WEINWIRTSCHAFT DOSSIER und damit zu einem delikaten Bukett von weißen Früchten. Wichtig für die Harmonie und Eleganz, rundet sie viele Cava-Kompositionen perfekt ab. Meist eher würzig ausgelegt, zuweilen auch etwas vegetabil, steht sie für die Finesse und Energie am Gaumen. Selten findet sie sich als Protagonist wieder, wobei einige Erzeuger mit Anlagen in großer Höhe, wo die Sorte die besten Resultate erbringt, Cavas kreieren, die stark Parellada-gesteuert sind. Unbestrittener Star des Dreigestirns ist indes die Xarel.lo, berühmt aufgrund ihres völlig eigenständigen Charakters. Dies war nicht immer so, und die Xarel.lo dominierten Super-Cavas von heute sind ein Phänomen der letzten 15 Jahre. Ihre Weine können mit reifer gelber Frucht betören aber auch mit ihrer erdig-konzentrierten Art beindrucken. Sie steht für Körper, Säure und Stabilität im Alter und gilt daher als unverzichtbar bei der Herstellung von Cavas mit hohem Lager- bzw. Reifepotenzial. Faszinierenderweise setzt sich bei ihr die Autolyse-Prägung erst nach Jahren durch. Lange wirkt sie völlig unbeeindruckt durch lange Hefelager. Puristen loben ihren standhaften Charakter, der von den meisten Weinmachern auch nicht durch nennenswerte Dosagen beeinträchtigt wird. Niedere ph-werte, ihr Vermögen stabile und langlebige Perlagen zu entwickeln sowie dem rekordverdächtig hohen Gehalt an Resveratrol, einem Antioxidanten, der zu den Polyphenolen zählt, machen sie zu eine der wertvollsten weißen Sorten Süd europas. Fast alle tonangebenden Entwicklung der Cava-Verkäufe national und im Export Jahr Gesamtabsatz Entwicklung ggü. Vorjahr (in %) Absatz in Spanien Entwicklung ggü. Vorjahr (in %) Export in die EU Entwicklung ggü. Vorjahr (in %) Export sonstige Entwicklung ggü. Vorjahr (in %) , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,156 0, , , Quelle: DO Cava VI

7 cava Premium-Produzenten greifen auf diese kompletteste aller Cava-Sorten bei der Bereitung ihrer langlebigen Cavas zurück. Ein Exot unter den weißen heimischen Sorten ist die rare Subirat Parent, uns Zentraleuropäern als Malvasía bekannt. Einige wenige Cava-Häuser bereiten auf der Basis dieser aromatischen Traube gelungene»dessert- Cavas«. Im roten Bereich spielen Garnacha sowie die auf Katalonien beschränkte Trepat eine wichtige Rolle. Letztere erbringt Rosés von überraschender Feinfruchtigkeit und Eleganz, während die rustikale Monastrell nur noch eine anekdotische Präsenz in der Cava-Region zeigt. Blanc de Noirs haben keine Tradition im Cava-Gebiet, wobei einige der großen Häuser vorgeprescht sind und erstaunlich komplexe Kreationen auf der Basis der Pinot Noir vorgestellt haben. Cava de Paraje Calificado und andere Premium-Gewächse Im Jahre 2015 drang es erstmals an die Öffentlichkeit, dass die DOP mit einem neuen Premiumsegment dem komplexen Terroir des Cava-Kernlandes ein Gesicht geben würde. Im Juni 2016 wurde die Premiumklasse schließlich erstmals offiziell vorgestellt. Die erste Welle der Produzenten umfasst neun Häuser mit 16 Einzellagen-Cavas im Programm, drei weitere befinden sich im Klassifizierungsprozess. Hierbei handelt es sich um Cavas aus terroir-geprägten Lagen, im Besitz oder gepachtet von jeweils einer einzigen Kellerei. Die neue Kategorie wird den bisherigen Qualitätsstufen Reserva mit mindestens 15-monatigem Hefelager und Gran Reserva mit mindestens 30 Monaten Hefelager übergeordnet. Einige der Paraje- Pioniere bereiten aus ein und derselben Lage mehrere klassifizierte Cavas, was die Anzahl der bisher klassifizierten Lagen auf ein Dutzend beschränkt. Die Entwicklung hin zu lagenklassifizierten Gewächsen ist insofern keine Überraschung, als dass viele Cava-Erzeuger in den vergangenen zwei Jahrzehnten verstärkt das Terroir als wichtigsten Weg hin zur internationalen Schaumweinspitze gesehen haben. Schon alleine die deutliche Zunahme an Gran Reserva-Qualitäten über die letzten Jahre (die im Übrigen auch einen Jahrgang tragen müssen) hat gezeigt, dass man im Gebiet auf breiter Ebene mit Lagen bzw. Standorten und immer hochwertigeren Grundweinen experimentiert. Hinzu kommt ein klares Bekenntnis zur Nachhal- Cava de Paraje die Anforderungen auf einen Blick: Trauben aus kleiner klassifizierter Parzelle Ertrag maximal kg pro Hektar Alter der Rebstöcke mindestens zehn Jahre Beschränkung des Hektarhöchstertrags auf 48 hl pro Hektar Jahrgangs-Cava Mindestlagerzeit auf der Hefe 36 Monate nur bis zur Geschmacksrichtung Brut dosiert keine Rosé-Cavas absolute Transparenz von der Herstellung bis zur Vermarktung ständige Qualitätskontrollen und abschließende Verkostung durch Experten Die Speerspitze: 9 Unternehmen, 12 Parajes, 16 Cavas Alta Alella Vallcirera Mirgin Evolution, Mirgin Exeo Casa Sala Can Sala Can Sala Castellroig Terroja Reserva Familiar Codorniu Tros Nou Tros Nou La Pleta La Fideuera La Pleta La Fideuera Gramona Font de Juí Enoteca, III Lustros, Celler Batlle Juvé Camps La Capella La Capella Recaredo Turó d'en Mota Turó d'en Mota Serral del Vell Serral del Vell Torelló Vinyes de Can Martí 225, Gran Torelló Vins el Cep Can Prats Claror Vii

8 WEINWIRTSCHAFT DOSSIER tigkeit und damit natürlich zum Terroir. Bestärkt sieht sich eine wachsende Zahl von Premiumwinzern zudem in der Tradition der Bereitung von hochwertigen Cavas mit geringer oder absoluter Null-Dosage. Eine Eigenschaft, die viele der hochwertigen Weine aus der Cava-Region eigen ist und den Cava von anderen Schaumweinregionen der Welt unterscheidet. Denn man sollte nicht vergessen, dass Brut-Nature- Qualitäten in Zentraleuropa erst im Zuge des Klimawandels zum Thema wurden, während die BN s vielen Cava-Häusern selbstverständlich sind. Gerade dieses Puristische und Unverkleidete wird nun bei einigen CPC s im Zusammenspiel mit dem Terroir auf die Spitze getrieben. Nicht umsonst stehen einige der Parajes in biodynamischem Anbau. Brut Nature, langes Hefelager und Biodynamie in einem Wein mehr Radikalität im Spitzenschaumweinbereich geht nicht! david schwarzwälder Cava in aller Munde was sagen die Experten? Premium-Cava überzeugt nicht nur eingefleischte Fans, auch die Profis der deutschen Weinwelt zeigen sich beeindruckt. Vielseitigkeit und Vielfalt sind immer wieder Schlagworte, die fallen. Die Sommelière und Schaumweinspezialistin Yvonne Heistermann betont die charaktervolle Aromatik hochwertiger Cavas:»Vor allem die Mineralität sticht bei guten Cavas besonders heraus, durch ihre zartgliedrige Art schimmert das Terroir fast immer durch.«ilka Lindemann, Chefredakteurin von Meiningers Weinwelt, attestiert dem Cava eine erstaunliche Klarheit: «Die Perlagen sind fast immer ausgewogen, am Gaumen fallen die Cavas der gehobenen Klasse eigentlich immer sauber, präzise und herrlich unbeschwert aus. Cava hat einfach Charme, er wirkt genauso urban wie bodenständigländlich und ist Genuss pur«. Beide Expertinnen weisen zudem auf die Leichtigkeit der Schaumweine aus der Cava-Region hin.»ein großes Plus«, so Yvonne Heistermann,»immerhin sind wir ja mit Cava in mediterranen Gefilden zuhause, und doch ist da nichts Schweres oder Alkoholisches, was das Cava-Vergnügen beeinträchtigen könnte.«ähnlich äußert sich auch Christoph Nicklas, ausgewiesener Spanienkenner und Redakteur u. a. für meiningers sommelier, das offizielle Organ der Sommelier-Union Deutschland:»Die vielen Premium-Cavas, die ich in den letzten Jahren verkosten durfte, kommen nicht plakativ daher, es ist eher die Finesse, die beindruckt. Angenehm überrascht bin ich auch immer wieder von der perfekt austarierten Frucht, nicht zuviel des Guten, die Stiltransparenz steht im Vordergrund.«Leicht ist es nicht, den organoleptischen Charakter eines Premium-Cavas in Worte zu fassen. Wein-Blogger und Berater Sigi Hiss attestiert den Cavas einen großen Wiedererkennungswert.»Einerseits sind wir klar auf der floralen Seite, dann kommen Noten wie Kamille dazu und natürlich dieser erdige Eindruck von Kalk bzw. Kalkstaub. Cava ist in dieser Hinsicht ein Faszinosum!Das Kreidig-Karge und Kräuterige macht das Profil des typischen Cavas aus«, fasst auch Marian Henss zusammen. Für den Gewinner der Spanien-Trophy 2014 ist es auch die Frische, die letztendlich immer wieder überrascht.»trotz warmer Gefilde ist Cava ein puristisch-eleganter Wein, mit dem es sich als Sommelier hervorragend arbeiten lässt. Insbesondere die Premium-Kategorie mit ihrem unüberbietbar guten Preis-Leistungsverhältnis öffnet uns in der Gastronomie viele Möglichkeiten, die wir bei der Konkurrenz einfach nicht haben.«auch Hiss weist auf das äußerst attraktive Preisniveau hin:»wenn man überlegt, was für ein Niveau schon viele Reserva-Qualitäten aufweisen, wird klar, dass sich andere Gebiete da mächtig anstrengen müssen, um mithalten zu können. Wirklich einzigartig sind sicherlich auch die extrem lang gereiften Cavas, in vielen Fällen ausgebaut als Brut Nature«, versichert der Weinjournalist aus Südbaden. Viel Lob erhält auch die Einführung der Cava-de-Paraje-Regelung.»Mich hat diese Qualitätsoffensive überrascht«, merkt Marian Henss an.»wenn man die Cavas de Paraje einmal verkostet hat, dann ist klar, dass man es genau so machen muss.«und Christoph Nicklas schiebt nach:»man merkt, die wollen das richtig machen, sie haben sich die internationale Schaumweinspitze vorgenommen, und genau da sind sie jetzt mit den Top-Parajes!«Ilka Lindemann:»Cava hat einfach Charme!«Marian Henss:»Mich hat die Qualitätsoffensive überrascht!«viii

9 cava Cava-Champions-League Spaniens Schaumwein-Aushängeschild nimmt das internationale Premiumsegment ins Visier. Wir haben uns einen aktuellen Überblick verschafft und rund 50 der hochwertigsten Cavas im Tasting unter die Lupe genommen. Fazit der Experten: Mit der neuen Kategorie Cava de Paraje Calificado und den starken Gran-Reserva- Qualitäten ist die DO auf dem besten Weg, sich ebenbürtig mit den renommiertesten Schäumern aus Frankreich, Italien und Deutschland zu messen. Insbesondere die mutig-puristischen Brut-Nature-Cavas setzten dabei ein dickes Ausrufezeichen. Ebenso eindrucksvoll war das Reifepotenzial: So brillierten in der Verkostung z. B. Cavas aus den Jahrgängen 2010, 2007 und Von etablierten großen Häusern bis zur kleinen Manufaktur bietet sich dem Handel ein immenses Spektrum an Entdeckungen. IX

10 WEINWIRTSCHAFT DOSSIER Gramona Enoteca Gran Reserva Cava de Paraje Calificado Font de Jui Brut Nature rauchig-speckig, Blockmalz, intensive dunkle Würzigkeit, getrocknetes Steinobst, sehr komplex; enorme Länge, sehr straff und konzentriert, immer noch Potenzial Cava Llopart Llopart Leopardi Gran Reserva Brut Nature feine erdige Würze, sehr traubig, Kamillentee, Zitrusfrucht, hell nussig; sehr geradlinig, salzig-mineralisch, super Länge Gramona Celler Batlle Gran Reserva Cava de Paraje Calificado Brut Grapefruit, weißer Tee, feine Würze, Minze, Basilikum, herbe rötliche Frucht; sehr geradlinig, herb und straff, dunkle Hefigkeit, intensive Mineralität Cava Llopart Llopart Original 1887 Gran Reserva Brut Nature Brotkruste, rotfruchtig, Kirsche, Walnuss, Tabak und Schoko; sehr stoffig, dennoch nicht zu fett, Säure animiert Cava Torelló Gran Torelló Cava de Paraje Calificado Brut Nature weiße Frucht, Brioche, Zitruszeste, Sesam, hefignussig, Frucht im Vordergrund; super ausgewogen, feine Cremigkeit, feine Mineralik Bodegues Sumarroca Cava Sumarroca Brut Reserva dunkler, reifer Typ, Walnuss, Olivenlake, Pumpernickel, Tabak, Boskop; viel Druck am Gaumen, sehr feine Perlage, zart minziges Finale Cava Torelló Torelló 225 Cava Brut Nature Mandel-Nougat, sehr komplex, helle Kräuterwürze, kalkigmineralische Anklänge, feine Reduktion, Apfelschale; sehr fleischig und mineralisch, röstig-druckvoll Castellroig Finca Sabaté i Coca Reserva Familiar Cava de Paraje Calificado Brut Nature zurückhaltende Frucht, etwas Haselnuss, hefig-tabakig, Küchenkräuter, Pomelo; herber Grip, feine Säure und zarte Perlage, elegant Juvé y Camps La Capella Cava de Paraje Calificado Brut Nature super gereift, sehr vital, geröstete Haselnuss, Bienenwachs, salziges Popkorn, Mirabellenkompott; sehr offen, aber voll lebendig, intensive Hefigkeit, tolle Länge, nie fett Codorníu Ars Collecta El Tros Nou Pinot Noir Cava de Paraje Calificado Brut Apfelschorle, wirkt sehr frisch, ganz hell hefig, kandierte Zitrusfrucht; sehr intensiv, wirkt fast süßlich, fruchtgesteuert, charming, minziges Finale Bodegues Sumarroca Cava Sumarroca Gran Reserva Brut Nature hefig-stoffig, reif, Bienenwachs, Honigbanane, Rosinenbrot, feine Würze; sehr ausgewogen und elegant, schöne Stoffigkeit, sehr lang Castellroig Finca Sabaté i Coca Gran Reserva Brut Nature sehr dunkle Würze, Wachs, Kirchenbank, Wildbeize, kandierte Zitrusfrucht, recht offen; sehr schlank und mit Säurespannung X

11 CAVA Freixenet Elyssia Gran Cuvée Brut kräutrig, Wermut, Orangenzeste, Bleistiftmine, auch Kamille, Mandel, gelbes Kernobst; eher schlank, spürbare Mineralik, sehr straff, coole Säure Freixenet Reserva Real Cuvée de Prestige Brut wilde Würze, Jod, Rauchfleisch, angetrocknetes Kernobst, viel Tabak, dunkle Hefigkeit, Politur; sehr straff, auch salzig, getrocknete Kräuter Vilarnau (González Byass) Castanyer Reserva Brut Nature wild, Moschus, erdige Würze, frische Champignons, wenig Frucht, viel Autolyse, speziell aber spannend; intensive Farbe, sehr dicht und druckvoll, guter Speisebegleiter Alta Alella AA Mirgin Exeo Cava de Paraje Calificado Brut Nature sehr erdig, viel Hefigkeit, toastig, Nougat, Mirabelle, getrockneter Apfel und Aprikose; Röstnoten, dabei vitale Säure, schöne Länge Pere Ventura Maria del Mar Gran Reserva Brut tolle Kräuterwürze: Zitronenthymian, Oregano, super edel, Safran, Apfelchutney; sehr weinig und druckvoll am Gaumen, super Länge und Salzigkeit Marqués de la Concordia MM Reserva de la Familia Rosé Brut nussig-buttrig, dezente Frucht, getrocknete Waldbeeren, Karamell, nicht typisch Rosé, aber spannend; speckigfleischig, stoffig, gute Länge Alta Alella AA Bruant Brut Nature helle Rauchigkeit, Rhabarber, gelber Apfel, kalkig-erdig, Butterkeks; super trocken, zartherber Biss, lebendige, aber feine Perlage Cava Torelló Special Edition Reserva Brut viel Aprikose, Weißbrot, sehr traubig, heller Tabak, zart nussig; sehr typisch, herb und straff, gute Länge Mas Codina Reserva Brut minzig-kräuterwürzig, etwas Wachs, weiße Blüten, heller Honig, feine Zitrusfrucht, nie aufgesetzt; sehr balanciert, fein integrierte Perlage, schlank und frisch Bodegues Sumarroca Nuria Claverol Reserva Rosé Brut sehr weinig, erdig-minzige Kräuterwürze, Cranberry, säuerliche rote Frucht; sehr straff, tolle Säure, griffiges Finale Dominio de la Vega Cuvée Prestige Reserva Brut Nature kräutrig-floral, Grapefruit und Orangenzeste, hell-hefig-nussig; sehr herb und mit recht grober Perlage, saftig Castellroig Sabaté i Coca Josep Coca Gran Reserva Brut Nature reif, Nuss-Nougat, viel Honig und Wachs, aber stimmig, Kräutertee, Mirabellentarte; ausgewogen-leicht, cremiger Schmelz, nussig-mineralisches Finale XI

12 WEINWIRTSCHAFT DOSSIER Dominio de la Vega Reserva Especial Brut Babypuder, Heilkräuter, Marille, getoastetes Brioche, auch Zitrus; salzig-herbe Mineralität, schöne Länge Alta Alella AA Mirgin Cava Laitá Gran Reserva Rosé Brut Nature verhaltener, süßer Tabak, Waldfrucht, kräutrig, zart laktisch, reifer Duft, roter Apfel; satte Hefigkeit, schöner Druck, filigranes, mineralisches Finish Segura Viudas Gran Reserva Brut sehr helle Zitrusfrucht, weißer Tee, Blumenwiese, dezent exotisch; saftig-animierend, feine Säure, dicht, aber zugleich leicht Vilarnau (González Byass) Barcelona Reserva Brut Nature viel Birne, Fenchelsamen, minzig, Wiesenkräuter, dezente Frucht Hefekuchen; sehr helle Farbe, herbe Saftigkeit Marqués de la Concordia MM Gran Reserva Brut Nature Nussschale, hefig-röstigfleischig, Plätzchenteig, gelbes Kernobst; zart süßlicher Schmelz, Mandel, hat Druck, sehr charming, Mate-Tee Marqués de la Concordia MM Reserva de la Familia Brut Nature getrocknete gelbe Frucht (Ananas/Mango), Waldmeisterkräuter, etwas laktisch; schwammig-weich Pere Ventura Vintage Gran Reserva Brut kräutrige Würze, Minze, Brioche, Mirabelle, auch Tabak; stoffig-dicht, säuremild, saftignussig, auch balsamisch Cava Llopart Microcosmos Reserva Rosé Brut Nature eingemachte rote Früchte, reife Pflaumen, etwas Spekulatius, auch Rhabarber, schöne Hefigkeit; sehr himbeerig, recht schlank, saftig-zitrisch Mas Codina Reserva Brut Nature intensive hellgelbe Frucht, Mandelkrokant, etwas rote Beeren, sehr charming; recht schlank, gute Frische und Saftigkeit, sommertauglich Freixenet Torre Galimany Gran Reserva Brut Nature herb-nussig, recht dunkle Würze, recht gedeckt, Apfelschale; dezent salzigstoffig, Säure im Finale Freixenet Elyssia Pinot Noir Rosé Brut dezentere Frucht, Waldbeeren, Pink Grapefruit, feine helle Hefigkeit; saftig-straff, wieder recht schlank, aber animierend Pere Ventura Gran Vintage Gran Reserva Brut viel Honig, getrocknete Mango, zarte Reduktion, sehr reif; sehr üppig-süßlich, Marzipan, unkompliziert XII