Aufgaben und Inanspruchnahme einer insofern erfahrenen Fachkraft Art der Meldung Schutzplan Datenschutz

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1 Informationen zum Verfahren bei Kindeswohlgefährdung in Einrichtungen Vereinbarung gem. 8a Sozialgesetzbuch VIII zur Wahrnehmung des Schutzauftrages bei Kindeswohlgefährdung Aufgaben und Inanspruchnahme einer insofern erfahrenen Fachkraft Art der Meldung Schutzplan Datenschutz Fortbildungen für Kindertageseinrichtungen in Fulda: Verfahren bei Anzeichen von Kindeswohlgefährdungen 29. Oktober 2013, 31. Oktober 2013, 05. November 2013 H.- Georg Weigel, ISS-Frankfurt am Main Verfahrensschema 2 1

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3 Aufgaben und Inanspruchnahme einer Insofern erfahrenen Fachkraft Die insoweit erfahrene Fachkraft soll - die Einrichtungen und Dienste der Träger der Jugendhilfe bei der Abschätzung des Gefährdungsrisikos unterstützen, - wenn diese ihren Schutzauftrag entsprechend 8b SGB VIII, (1) wahrnehmen:, Fachliche Beratung und Begleitung zum Schutz von Kindern und Jugendlichen (1) Personen, die beruflich in Kontakt mit Kindern oder Jugendlichen stehen, haben bei der Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung im Einzelfall gegenüber dem örtlichen Träger der Jugendhilfe Anspruch auf Beratung durch eine insoweit erfahrene Fachkraft. - den Diensten und Einrichtungen das notwendige Fachwissen und die Handlungssicherheit in Gefährdungslagen verfügbar machen, über die sie möglicherweise selbst nicht verfügen. 5 Qualifikation, Rolle und Aufgaben und einer Kinderschutz-Fachkraft Qualifikation der Kinderschutzfachkraft einschlägige Berufsausbildung als Diplom-Sozialarbeiter(in), Diplom- Sozialpädagoge (in), Diplom-Psychologe(in), Arzt, Ärztin einschlägige Fortbildung im Bereich Kindeswohlgefährdung berufspraktische Erfahrung Rolle und Aufgabe der Kinderschutzfachkraft Kontrakt, eine Vereinbarung, eine Dienstanweisung o.ä., wann und in welcher Weise die Kinderschutzfachkraft in Anspruch genommen wird. Dies gibt der Kinderschutzfachkraft und auch den Fachkräften der Einrichtung, des Dienstes, Klarheit darüber, wie die Kooperation stattfindet und welche Aufgaben von wem wahrgenommen werden. 6 3

4 Fallverantwortung vs. Fallberatung Die Fallverantwortung liegt bei der Fachkraft bzw. bei der Leitung der Einrichtung (des Dienstes) Die Einrichtung bzw. der Dienst trägt die Verantwortung dafür, dass die notwendigen Maßnahmen ergriffen und durchgeführt werden. Die Kinderschutzfachkraft hat beratende und begleitende Funktion. Die Kinderschutzfachkraft unterstützt die Einrichtung, den Dienst darin, die Gefährdungslage einzuschätzen und die notwendigen Schritte umzusetzen, indem sie beratend zur Verfügung steht. 7 Inhalte der Beratung Sammlung und Benennung der Gefährdungsmomente (konkrete Beschreibung, was wurde wann beobachtet, festgestellt) Gewichtung der Anhaltspunkte (akut gefährdend, mittelfristig gefährdend, nicht gefährdend) Erarbeitung der nächsten Schritte: Einbeziehung der Eltern, des Kindes, Jugendlichen zur weiteren Gefährdungseinschätzung (ist dies möglich ohne den Schutz des Kindes zu gefährden?) Erarbeitung geeigneter Hilfsangebote (Hilfen die direkt angeboten werden können, Hilfen die beim Jugendamt in Anspruch genommen werden können) Gegebenenfalls Unterstützung und Mitarbeit bei der Vorbereitung des Elterngespräches zur Motivation zur Inanspruchnahme der Hilfe Erarbeitung eines Überwachungsverfahrens zur Überprüfung der Wirksamkeit der Hilfe Falls anzubietende Hilfen nicht ausreichend erscheinen und/oder Gefährdungsmomente vorliegen die Hilfen durch das Jugendamt oder Interventionen durch das Jugendamt erforderlich machen, Unterstützung bei der Überleitung an das Jugendamt In akuten Notlagen, in denen eine Überleitung an das Jugendamt nicht abgewartet werden kann, Unterstützung bei der Einleitung notwendiger Sofortmaßnahmen 8 4

5 Kompetenzen bei der Abschätzung des Gefährdungsrisikos Kenntnisse über Anzeichen, Formen und Ursachen der Kindeswohlgefährdung (Vernachlässigung, Misshandlung, Missbrauch, Gefährdungen durch Dritte) Kenntnisse über Familiendynamiken bei Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung Kenntnisse über Hilfesysteme, Hilfen und ihre Wirksamkeit Kompetenz in Gesprächsführung mit Eltern und Kindern Supervisorische Kompetenz um die Verstrickung der fallverantwortlichen Fachkräfte erkennen und benennen zu können und deren Beziehung zu den Eltern und Kindern im Beratungsprozess reflektieren zu können 9 Art der Meldung einer Kindeswohlgefährdung Ist eine Information des Jugendamtes erforderlich, erfolgt diese durch die Leitungskraft der Einrichtung/des Dienstes. Information der Personensorgeberechtigten Die Information an das Jugendamt muss folgende Aussagen enthalten: Angaben zu den gewichtigen Anhaltspunkten für die Kindeswohlgefährdung Angaben zu der mit einer insofern erfahrenen Fachkraft vorgenommenen Risikoeinschätzung Angaben zu den Personensorge- bzw. Erziehungsberechtigten benannten Hilfen Angaben dazu, inwieweit die erforderlichen Hilfen nicht bzw. nicht ausreichend angenommen worden sind. Möglich: Sofern datenschutzrechtliche Bestimmungen nicht entgegenstehen, informiert das Jugendamt die Einrichtungen/den Dienst über den weiteren Verlauf und die eingeleiteten Maßnahmen. Möglich:: Gemeinsame Auswertung der Fälle 10 5

6 Schutzkonzept Die nach 8a Abs. 2 SGB VIII abzuschließenden Vereinbarungen sind durch einrichtungsspezifische Schutzkonzepte zu ergänzen, das folgende Punkte beinhaltet und verbindlich regelt: 1. Bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung: Wie erfolgt die Risikoabwägung: Wann und mit wem (in welcher Reihenfolge) erörtert eine Fachkraft ihren Verdacht auf Vorliegen einer Kindeswohlgefährdung (Meldekette): Wann und wie wird Leitung informiert, Wer ist verantwortlich, die insoweit erfahrene Fachkraft hinzu zu ziehen? Wie erfolgt die schriftliche Dokumentation der Ergebnisse der Risikoabwägung unter Benennung der Beteiligten? Wann und wie erfolgt die Abwägung hinsichtlich der Beteiligung der Personensorgeberechtigten und des Mädchens/ Jungen? Falls weitere Hilfen für notwendig erachtet werden, wie werden die Personensorgeberechtigten einbezogen? 11 Schutzkonzept 2. Bei akuter Kindeswohlgefährdung: Einschalten des Jugendamtes bei akuter Kindeswohlgefährdung bzw. Informationsverpflichtung 3. Beschreibung, wie (neue) Mitarbeiter/innen informiert und qualifiziert werden: Wie informiert der Träger seine Mitarbeiter/innen hinsichtlich des Schutzauftrages bei Kindeswohlgefährdung? Wie erfolgt die Einarbeitung (neuer) Mitarbeiter/innen? Welche Anteile des Fortbildungsbudgets werden für Fortbildungen zu dieser Thematik eingesetzt? Wie werden die Mitarbeiter/innen über die getroffene Vereinbarung zur Umsetzung des 8a SGB VIII unterrichtet? 12 6

7 Datenschutz Ein Rechtfertigungsgrund zur Weitergabe ist immer gegeben, wenn gewichtige Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung vorliegen: Rechtfertigende Notsituation im 34 StGB: Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut eine Tat begeht, um die Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht rechtswidrig, wenn bei Abwägung der widerstreitenden Interessen, namentlich der betroffenen Rechtsgüter und des Grades der ihnen drohenden Gefahren, das geschützte Interesse das beeinträchtigte wesentlich überwiegt. Dies gilt jedoch nur, soweit die Tat ein angemessenes Mittel ist, die Gefahr abzuwenden. Genereller Schutz der Vertrauensbeziehung als Basis für den aktuellen und zukünftigen Aufbau von Hilfebeziehungen. Der Schutz der persönlichen Interessen und damit auch der Datenschutz dient insofern Interessen von Kindern und Jugendlichen (Beispiel: 65 SGB VIII, Verbot der Weitergabe anvertrauter Daten, Wahrung des Vertrauensverhältnisses) Eine Datenübermittlung ist grundsätzlich zulässig, wenn eine Einwilligung des Betroffenen vorliegt. 13 7

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