KREATIVQUARTIERE. Moderation: Rupert Weinzierl, SPÖ Referentin: Susanne Flynn, KunstWohnWerke München

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1 Neue Strategien für die Cultural & Creative Industries KREATIVQUARTIERE Arbeitsgruppe und Diskussionsforum 6) Beispiel 4: KunstWohnWerke München Moderation: Rupert Weinzierl, SPÖ Referentin: Susanne Flynn, KunstWohnWerke München SPÖ Klubenquete Kreativquartiere - Wien, 9. April 2013 ANLASS für KunstWohnWerke eg und Projekt streitfeld, München Selbstständige Kreative und KünstlerInnen sind ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung einer Stadt. Oft werden Zwischennutzungen angeboten und dadurch Quartiere und Immobilien (bewußt) aufgewertet. Städtische Atelierprojekte bieten zeitlich begrenzte Angebote (3-5 Jahre). In München fehlt und verschwindet seit langem, wie in vielen anderen attraktiven Großstädten, beständiger und bezahlbarer Raum.

2 ENTWICKLUNG der Idee und des ersten Projektes Der Verein Genius Loci e.v. wurde 2005 von Münchener Kreativen und KünstlerInnen gegründet, um in Eigeninitiative die Raumsituation für Kunst und Kultur in München zu verbessern, neue Arbeits- und Wohnformen zu realisieren. Vorbild waren dabei Projekte, in denen versucht wird - oftmals selbstverwaltet Kunst, Kultur, Arbeiten und/oder Wohnen zu verbinden. Eine vom Verein organisierte Veranstaltung in der WhiteBox, München 2007 stellte Beispiele vor u.a. in der Schweiz Basel (Grenze, Gundeldinger Feld), in Berlin (ExRotaprint), New York (Westbeth), Wien (Sargfabrik). Veröffentlichung: wohnbund e.v. Raum für Kreativität WEITERENTWICKLUNG Die Akteure und Interessenten machten mehrmals die Erfahrung, dass ein Verein gegenüber Eigentümer, Banken und Partnern eingeschränkt verhandlungsfähig ist. Für eine Gewerbe- und Wohnnutzung in Frage kommende Bestandsobjekte wurden schnell an Investoren und Bauträger veräußert und abgerissen. Hier konnte auch die Kommune nicht helfen. Aufgabe war es, ähnlich wie die vorgestellten Vorbilder, gemeinsam rechtliche und finanzielle Strukturen aufzubauen, um ein ernst zu nehmender Verhandlungspartner zu sein.

3 RECHTSFORM UND FINANZIERUNGSFORM KunstWohnWerke Eingetragene Genossenschaft eg auf Grund folgender Vorteile: Transparenz durch die Prüfung durch Genossenschaftsverband > Bereitschaft Eigenkapital beizusteuern > Bessere Verhandlungsposition gegenüber Partnern und Geldgebern Mitwirkung: Viele zukünftige NutzerInnen stehen fest; sie können bereits in der Planungsphase gemeinsam und mit Fachleuten Entscheidungen erarbeiten Stimmrecht: Jede/r hat eine Stimme unabhängig von der Miete > Gute Basis für die Realisierung eines gemeinschaftlichen Projektes AUFBAU KunstWohnWerke (KWW) 2007 Gründung der Genossenschaft KunstWohnWerke eg durch KünstlerInnen und selbstständige Kreative. Ziele der Genossenschaft für soziale und kulturelle Zwecke (keine Wohngenossenschaft!): Schutz der Arbeits- und Wohnräume von Kreativen und KünstlerInnen, um diese nicht immer wieder durch Abriss oder Luxussanierung zu verlieren Schaffung der Möglichkeit Orte und Räume langfristig selber gestalten und verwalten zu können Verbindung von Arbeiten und Wohnen; neue Wohnformen Beitritt / Mitgliedschaft Das einmaliges Eintrittsgeld von 70.- Euro wird nicht erstattet 1 Pflichtanteil in Höhe von Euro Alle eingelegten Pflichtanteile sind Eigenkapital der KWW eg Falls der/die Nutzer/in kündigt wird der Pflichtanteil nach Ablauf der (langen) Kündigungszeit ausgezahlt

4 LAGE UND OBJEKT Das Objekt befindet sich außerhalb des Mittleren Ringes, ist aber zentrumsnah. Die zwei Gebäude der ca qm großen, ehemaligen Kleiderfabrik, gebaut in den 60er und 70er Jahren liegen in einem Gewerbegebiet; in direkter Umgebung zu Verlagen, Medienagenturen und anderem nichtproduzierenden Gewerbe, oftmals aus der Kreativwirtschaft. KONZEPT KWW eg, Projekt streitfeld 3000 m! Nutzfläche für Ateliers/Werkstätten/Studio von 13 m! 130 m! 2 Förderateliers, 1 Gast-Atelier, geplant "Artist in Residency 1 Projektraum 75 m! für Veranstaltungen und Ausstellungen 8 Wohneinheiten, jeweils mit Gewerbe (Atelier-, Bürofläche) kombiniert 2 Gästeapp.; davon eins z.z. an das Kulturreferat der LH München vermietet 1 Gemeinschaftsraum 50 m! mit Küche und Dachterrasse

5 STRUKTUR UND UMSETZUNG - am Beispiel KWW eg, Projekt streitfeld - Für die Streitfeldstrasse 33 gibt es zwei Grundbücher. - Die Stiftung trias ist Eigentümerin von Grund und Boden - Die KWW eg ist Erbaurechtsnehmerin, saniert u. bewirtschaftet beide Gebäude - Die KWW eg zahlt vierteljährlich Erbbauzins (ca Euro/Jahr) an trias. - Im Erbbaurechtsvertrag mit der Stiftung trias sind die Ziele aus der Satzung der KWW eg eingetragen > Der Standort wird langfristig für die Zielsetzungen der KWW gesichert. FINANZIERUNG - am Beispiel KWW eg, Projekt streitfeld Fremdkapital - Bankdarlehen z.b. hier GLS Bank - Kredite für Neubau, Umbau hier z.b. energetische Sanierung von Gewerbe und Wohnen mit Krediten der Kreditanstalt für Wiederaufbau Eigenkapital - Das für die Zusage von Darlehen notwendige Eigenkapital setzt sich aus Einlagen in Form von weiteren nutzungsbezogenen Anteilen zusammen - Die Höhe der Einlage/ Einheit hängt von der Finanzierung des jeweiligen Objektes ab z.b. KWW streitfeld Einlage = 330 Euro/m2 Förderung - durch NutzerInnen, Mitglieder und Sponsoren - Zeichnung zusätzlicher freiwilliger Anteile (z.b. unverzinst) - Zinsgünstige private Darlehen (Achtung: unerlaubtes Bankgeschäft) - Übernahme der notwendigen Einlage - Spende an den gemeinnützigen Verein Genius Loci e.v. - Zweckgebundene Zustiftung an Stiftung trias

6 WIRTSCHAFTLICHKEIT - am Beispiel KWW eg, Projekt streitfeld Nutzungsbezogene Anteile Die Einnahme der in der Wirtschaftlichkeitsberechnung kalkulierten Einlagen d.h. die Zeichnung von Genossenschaftsanteilen ist Grundbedingung für die Auszahlung der zugesagten Darlehen. 70 % der Einlagen mussten nach dem Notarvertrag durch die zukünftigen NutzerInnen für den Kauf eingezahlt werden. Mit Vorverträgen wurde die Zahlung zu einem bestimmten Zeitpunkt vereinbart. Diese nutzungsbezogenen Anteile werden nach Ablauf der Kündigungszeit an den Nutzer ausgezahlt. Durch Übertragung der Anteile auf den neuen Nutzer kann die Auszahlung beschleunigt werden. Nutzungsgebühr (Miete) Die Nutzungsgebühr ist eine reine Kostenmiete, mit der der Erbauzins, die Darlehenszinsen, die Rücklagen (weitere Baumaßnahmen, Reparaturen u.a.) und die externe Verwaltung bezahlt werden. Nebenkosten/ Abschlagszahlungen Wie in einem Miet- oder Eigentumsprojekt fallen Nebenkosten für den Betrieb und Unterhalt an, außerdem Abschlagszahlungen für Heizung u.a. Nebenkosten und Abschlagszahlungen können reduziert werden, wenn von der Gruppe oder Einzelnen ehrenamtlich oder geringere Entgelte Aufgaben übernommen werden. Hierfür gibt es bereits viele Arbeitsgruppen. In monatlichen Vollversammlungen werden Projekte vorgestellt und darüber abgestimmt. ZWISCHENERGEBNIS Erfolge: Energetisch sanierte Gebäude mit unkündbaren Räumen für ca. 50 NutzerInnen Vollvermietung, große Nachfrage > Wirtschaftlichkeit gesichert Aufgabe: Balance zwischen Stabilität und notwendiger, gewünschter Veränderung bzw. Erneuerung KONTAKT KunstWohnWerke München eg Streitfeldstrasse 33 D München fon fax

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