Hollanders Theorie über Konformität, Status und Idiosynkrasie-Kredit. Referat von Varinia Bernau

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1 Hollanders Theorie über Konformität, Status und Idiosynkrasie-Kredit Referat von Varinia Bernau

2 Gliederung I. Einleitung II. III. IV. Hollanders Theorie über Konformität, Status und Idiosynkrasie-Kredit 1. Individuumsgebundene Variablen 2. Gruppenvariablen Schematische Darstellung des Konzepts Implikationen V. Experimentelle Befunde Hollanders VI. Kritik VII. Fazit

3 I. Einleitung Hollander postuliert, dass Nonkonformität eines Gruppenmitglieds nicht bestraft wird, wenn dieses bereits über ein Guthaben von hoher Kompetenz und hoher Konformität in bezug auf Gruppennormen verfügt. Idiosynkrasie-Kredit Konformität = Voraussetzung für Innovation Normen sind nicht offenkundig, sondern eine Erwartung: Für ein Individuum resultiert Konformität nicht aus Normen, die unabhängig von seiner Rolle existieren, sondern aus der Wahrnehmung dessen, was die Gruppe von ihm erwartet.

4 II. Hollanders Theorie 1. Individuumsgebundene Variablen P a = Wahrnehmungsfähigkeit P e = Wahrnehmungsfehler P-Variablen abhängig von Persönlichkeitstypologie M a = Motivation, soziale Bestätigung zu erhalten/ beizubehalten (andere-leute-fokus - Erhalt von Zustimmung entscheidend) M g = Motivation, an zentralen Gruppenaktivitäten teilzunehmen (Aktivitätsfokus - Belohnung entscheidend)

5 C = Idiosynkrasie-Kredit Anhäufung von positiven Eindrücken, die der Wahrnehmung relevanter anderer entstammen; er entspricht operational dem Grad, zu dem ein Individuum von den allgemeinen Erwartungen der Gruppe abweichen darf. Jedes Individuum hat ein Kontingent an von der Gruppe zugeschriebenen Krediten, die Idiosynkrasie-Verhalten ermöglichen,bevor Gruppensanktionen erteilt werden. Die Anbindung an die Gruppe sinkt, je mehr Kredit gen 0 tendiert. Das Ausmaß von Kreditverlust ist abhängig von Schwere und Häufigkeit des Vergehens.

6 Variablen, die den Gruppeneindruck bestimmen: V a = Aufgabenkompetenz bezüglich einer Gruppenaktivität V b = Charakteristika des Individuums, die nicht mit einer Gruppenaktivität verbunden V-Variablen steigern Kredit B = unmittelbar vorangegangenes Idiosynkrasie- Verhalten B senkt Kredit

7 II. Hollanders Theorie 2. Gruppenvariablen Erwartungen müssen normativ sein und kommuniziert werden. A = Anziehungskraft der Gruppe A wird aus M a / M g gespeist; eine aus M a gespeiste Anziehungskraft ist stabiler. Y = Kommunikation; Grad, zu dem Erwartungen evident gemacht werden Y von positiven Normen liegt höher; Y ist mit Verhalten, damit mit Interaktion verbunden

8 t III. Schematische Darstellung des Konzepts A P a M a M g Y 1 P e1 M 1 V b1 A 1 B 1 V a1 Y 2 P e2 M 2 C 2 V b2 A 2 B 2 V a2 C 2

9 IV. Implikationen - Verlauf von Anhäufung und Verlust des Idiosynkrasie-Kredits: anfangs: Konformität dient dazu, Status zu behalten/ zu erhöhen (Anhäufung) später: Status erlaubt größeres Gewähren von Idiosynkrasie-Verhalten (Verlust) bei völligem Verzehr des Kredits: Druck, Sanktionen - Erwartungen variieren mit Status Genauigkeit der sozialen Wahrnehmung und Modifizierbarkeit des Verhaltens sind Determinanten für Statuserreichung - kompetenter vs. beliebter Führer

10 V. Experimentelle Befunde Hypothese 1: Eine (kompetente) Person, die sich zu einem frühen Zeitpunkt nonkonform verhält, verliert stärker an Einfluss als eine Person, die sich zu einem späteren Zeitpunkt nonkonform verhält. Hypothese 2: Ein Gruppenmitglied erhält größeren Einfluss, wenn es sich in der Vergangenheit konform verhalten hat und sich zu einem gegebenen Zeitpunkt nonkonform verhält, als wenn Nonkonformität Konformität vorausgeht. Versuchsaufbau: - Simuliertes Strategiespiel (7*7-Matrizen) - Vordiskussion, um gemeinsame Gruppenerwartungen zu etablieren - 12 Gruppen mit vier jungen Männern und einem Konföderierten - 15 in drei Zonen gegliederte Durchgänge - räumliche Trennung, Verständigung über Mikros und Kopfhörer

11 UV = Konformität der Konföderierten 6 Treatments: durchgängig NK NK in ersten beiden Zonen NK in erster Zone NK in letzten beiden Zonen NK in letzter Zone durchgängig K AV = Akzeptanz des Einflusses des Konföderierten (gemessen in der Anzahl von Durchgängen pro Zone, bei der die vom Konföderierten vorgeschlagene Antwort als Gruppenantwort akzeptiert wird) Resultate: - ernsthafte Versuche der Vpn, Strategie zu ermitteln - Konföderierter wurde als besonnen wahrgenommen, keine Zweifel an seiner Authentizität

12 Anzahl der Durchgänge, bei denen die Gruppe die vom Konföderierten vorgeschlagene Lösung akzeptierte (Hollander) Zone I Zone (1-5) (6-10) nonkonform konform nonkonform II Zone (11-15) III konform nonkonform konform MIT unmittelbar vorangeganer NK OHNE unmittelbar vorangegane NK 1,67-3,25 3,00 4,00 5,00-2,00 5,00 3,75 5,00 4,75

13 Hollanders Erkenntnisse: a) Mittelwert von ohne vorherige NK übersteigt Mittelwert von mit vorheriger NK b) Kombination ohne ohne NK hat durchgängig höhere Werte als Kombination von mit mit c) Maximaler Wert von 5,00 erscheint für Kombination ohne vorherige NK, aber mit gegenwärtiger NK problematisch: - Spanne der Mittelwerte sehr klein - keine direkten Informationen über Gründe der Gruppenakzeptanz - Ergebnisse spiegeln nicht Verlauf des Verhaltens wider - Zone III: maximaler Wert von 5,00 für Kombination NK-K (vs. a, c) - Varianz innerhalb der Vpn und Durchläufe

14 VI. Kritik Vielfalt an Variablen, die theoretisch eingeführt werden, ist im Experiment nicht erfasst Bowers (1958): Gruppen können einem kompetenten Führer folgen, ohne seinen Führungsstil oder seine Person gutzuheißen Gibbs (1966): Konsequenzen eines aufgestauten Ärgers: Gruppen können einem nonkonformen Führer folgen und doch bereit sein, ihn so bald wie möglich zu ersetzen, ohne das Gruppenziel aufzugeben Wahrman, Pugh (1972): experimentelle Untersuchung zu Konformität und Einfluss

15 Experimentelle Befunde von Wahrman, Pugh - ähnlicher Versuchsaufbau wie bei Hollander aber: Unterteilung in Früh-NK, Mittel-NK, Spät-NK, durchgängig K - Hypothesen: 1. Je länger ein Konföderierter NK hinauszögert, desto größer sein Einfluss. (= Hollander) 2. Je länger ein Konföderierter NK hinauszögert, desto geringer der Ärger über seine NK. - Ergebnis: Vpn signifikant stark von Frühnonkonformen beeinflusst.

16 Mittlerer Einfluss in den drei Zonen (Wahrman, Pugh) Zone I Zone II Zone III insgesamt Frühe NK mittlere NK späte NK stete K frühe NK, inkompetent 3,67 5,00 5,00 13,67 1,67 4,17 5,00 10,84 1,55 2,83 5,00 9,38 0,83 3,33 4,83 8,99 4,05 2,94 2,11 9,10

17 Implikationen der experimentellen Befunde Wahrmans und Pughs Der Einfluss früher Nonkonformisten war stets größer (oder zumindest gleich) als der Einfluss von Konföderierten, die ihre Nonkonformität noch herauszögerten. (Grund: Unauffälligkeit von kompetenten Konformisten?) Gerade erst eingesetzte Nonkonformität steigerte den Einfluss. (Vgl. Marak s icebreaking function, 1964) Nonkonforme mussten ihre Kompetenz jedoch weiterhin unter Beweis stellen. Diejenigen Nonkonformen, deren Urteil sich als falsch herausstellte, verloren an Einfluss.

18 Hypothese 1 wurde nicht bestätigt.: Nonkonformität steigert den Einfluss, Konformität verringert diesen. (vs. Hollander) Hypothese 2 wurde bestätigt: Vor allem wenn sich Nonkonforme als inkompetent herausstellen, verlieren sie an Ansehen. (entspricht Hollander) Aber: Kompetente Nonkonforme waren noch besser angesehen als Konforme.

19 Ansehen ist ein besserer Indikator für Zustimmung/ Ärger als Einfluss, welcher ein unzuverlässiger Indikator ist Möglicher Grund für die unterschiedlichen Ergebnisse: Studienfach der Vpn (Technik vs. Geisteswissenschaft) Vpn, die sich selbst für kompetent halten, können einen kompetenten Nonkonformen länger ignorieren; Vpn, die sich kompetent wissen, stellen fest, dass das erfolgreiche Bewältigen der Aufgabe ein Herunterschlucken von Unzufriedenheit mit dem Gruppenführer verlangt.

20 VII. Fazit Zentrale Variable in Hollanders Theorie: Idiosynkrasie-Kredit Durch Kompetenz und Konformität wird ein Ansehen erreicht, welches Nonkonformität und damit Innovation erlaubt und ermöglicht. experimentelle Befunde zeigen Unschlüssigkeiten auf: Konformität ist keine zwingende, Kompetenz jedoch eine notwendige Bedingung für Einfluss in einer Gruppe.

I. II. I. II. III. IV. I. II. III. I. II. III. IV. I. II. III. IV. V. I. II. III. IV. V. VI. I. II. I. II. III. I. II. I. II. I. II. I. II. III. I. II. III. IV. V. VI. VII. VIII.

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