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2 Geld, Kredit und Banken Prof. Dr. E. Baltensperger LVP vom Name: Vorname: Matrikelnummer: Prüfungsanleitung: (1) Tragen Sie auf diesem Blatt Ihren Namen und Ihre Matrikelnummer ein. (2) Nicht programmierbare Taschenrechner sind erlaubt. (3) Die zusammengehefteten Prüfungsblätter dürfen nicht auseinandergenommen werden. (4) Beantworten Sie die Fragen direkt auf dem dafür vorgesehenen Zwischenraum auf den Prüfungsblättern. Schreiben Sie gegebenenfalls auf die Rückseite der Prüfungsblätter (und vermerken Sie dies auf der Vorderseite). Am Ende des Prüfungsbogens hat es zusätzlich 1 Reserveblatt. Verwenden Sie kein eigenes Papier. (5) Die Prüfung dauert 100 Minuten. Es können 100 Punkte erreicht werden. Allozieren Sie Ihre Zeit entsprechend. Hinweis: Schauen Sie zuerst die ganze Prüfung an. Lesen Sie die Fragen genau durch. Stellen Sie sicher, dass Sie auf die gestellten Fragen antworten! Viel Erfolg!

3 Aufgabe 1: Inflation und Inflationserwartung (12 Punkte) Seit 1997 geben die USA indexierte Bundesobligationen heraus. Das sind Obligationen, deren Auszahlung (Coupon) in Dollars an die Höhe der Inflationsrate geknüpft ist (so dass die Auszahlung z.b. 5 USD beträgt, wenn die Inflationsrate 0 Prozent ist und 5 (1.04)=5.20 USD beträgt, wenn die Inflationsrate 4 Prozent ist). Beantworten Sie folgende Fragen. a) Wieso bzw. inwiefern kann man die Rendite auf diesen Bundesobligationen dazu nutzen, die erwartete Inflation zu bestimmen? (3 Punkte) b) Könnte man dieses Resultat gegebenfalls auch dazu nutzen, um zu testen, ob (i) die Erwartungen der Marktteilnehmer rational sind oder (ii) die Fisher-Hypothese stimmt? (6 Punkte) 2

4 c) Wieso könnte die Ausgabe von solchen, Inflationsindexierten Obligationen gerade für Länder, die unter hoher Inflation leiden und diese bekämpfen wollen, von grossem Vorteil sein? (3 Punkte) 3

5 Aufgabe 2: Diamond-Dybvig Modell (14 Punkte) a) Erläutern Sie die Grundzüge des Banken-Modells von Diamond und Dybvig (1983). Erklären Sie, wieso es in diesem Modell zu Bank-Runs kommen kann und wieso die Einführung einer Depositenversicherung Bank-Runs verhindern kann. (9 Punkte) b) Welche Art von Problemen oder Fragen wird in diesem Modell vollkommen ausgeklammert? (5 Punkte) 4

6 Aufgabe 3: Notenbank-Instrumentarium und -Strategie (14 Punkte) a) Nennen und erlüutern Sie die geldpolitischen Instrumente der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Gehen Sie auch auf deren akutelle Bedeutung ein. (6 Punkte) 5

7 b) Erläutern so detailliert wie möglich das aktuelle geldpolitische Konzept der SNB. Erklären Sie dabei insbesondere (i) was der LIBOR ist, (ii) welche Bedeutung er im Rahmen dieses Konzepts hat, (iii) unter welchen Voraussetzungen die SNB eine restriktivere Geldpolitik führt und (iv) wie sie konkret vorgeht, um eine solche Politik umzusetzen. (8 Punkte) 6

8 7

9 Aufgabe 4: Optimale Reservehaltung unter Unsicherheit (10 Punkte) Bestimmen Sie die optimale Reservehaltung einer Bank, die sich Unsicherheit bezüglich der Menge Depositen, die innerhalb einer Periode zurückgezogen werden, gegenübersieht. Dabei sei f(x) die Dichtefunktion über die Menge Rückzüge, mit f(x)=1+x für -1 x 0 und f(x) = 1-x für 0<x 1 und f(x)=0 sonst. Bezeichnen Sie mit i die Opportunitätskosten der Reservehaltung und mit p die mit einem Defizit verbundenen (fixen) Anpassungskosten. a) Bestimmen Sie die optimale Reservehaltung in Abhängigkeit von i und p. (8 Punkte) b) Unter welchen Voraussetzungen bezüglich i und p ist die optimale Reservehaltung 0? (2 Punkte) 8

10 Aufgabe 5: Erwartungsnutzentheorie (14 Punkte) a) Erläutern Sie verbal die wesentlichen Elemente und Grundzüge der Erwartungsnutzentheorie. (3 Punkte) b) Erläutern Sie mit Hilfe - von geeigneten Graphiken die Begriffe Risikoaversion, Risikoneutraliät und Risikovorliebe. (3 Punkte) 9

11 c) Zeigen Sie, dass ein Individuum mit der Nutzenfunktion u(x)=x-0.5x 2 sogenannte meanvariance -Präferenzen hat; das heisst, sein Erwartungsnutzen hängt allein vom Erwartungswert µ und der Varianz σ 2 von x ab. (Zur Erinnerung µ=e[x]= xf ( x) dx und σ 2 = E[(x-µ) 2 ]=E[x 2 ]- µ 2 2 = ( x µ ) f ( x) dx, wobei f(x) die Dichtefunktion von x ist). (4 Punkte) d) Zeichnen Sie schematisch die Indifferenzkurve eines Individuums mit dieser Nutzenfunktion für den Erwartungsnutzen von 0 in einem Diagramm mit den Achsen µ und σ 2. (2 Punkte) 10

12 e) Hat ein Individuum mit dieser Nutzenfunktion zunehmende oder abnehmende Risikaversion? Begründen Sie anhand Ihres in d) gezeichneten Diagramms. (2 Punkte) 11

13 Aufgabe 6: Portfolioansatz, optimale Geldhaltung und optimale Geldpolitik (16 Punkte) a) Gehen Sie von einem einfachen Modell vom Tobin-Markowitz Typus (Portfolio-Ansatz) aus, in welchem es genau ein risikobehaftetes Wertpapier mit positivem Ertrag und ein risiko- und ertragsloses Aktivum (Geld) gibt. Zeigen Sie graphisch, wie sich die optimale Aufteilung für ein Wirtschaftssubjekt mit zunehmender Risikoaversion ergibt. (6 Punkte) b) Erläutern Sie allgemein, das heisst für ein beliebiges Gut, gegebenenfalls unter Zuhilfenahme einer geeigneten Graphik, was man unter Einkommenseffekt (EE) und Substitutionseffekt (SE) versteht. (4 Punkte) 12

14 c) Nehmen Sie nun an, Geldhaltung werde mit positiver Verzinsung belohnt. Leiten Sie die optimale Aufteilung her und erklären Sie, c1) weshalb in diesem Modell das Vorzeichen der Zinsabhängigkeit der Geldnachfrage (im Gegensatz etwa zum Baumol-Tobin) nicht mehr bestimmt ist und (2 Punkte) c2) wie (indirekt) eine positive Verzinsung auf Geldhaltung eingeführt werden könnte (2 Punkte) c3) Beantworten Sie ausserdem die Frage, unter welchen Voraussetzungen die in c2) erwähnte geldpolitische Massnahme sozial optimal ist und welcher Ökonom namentlich mit dieser Regel in Verbindung gebracht wird. (2 Punkte) 13

15 Aufgabe 7: Diskutieren Sie ausführlich, welche Argumente dafür und welche dagegen sprechen, dass die Schweiz den Schweizer Franken aufgibt und sich durch Beitritt den Euro-Ländern anschliesst. Was ist von der möglichen Alternativen zu halten, dass die Schweiz zwar nicht den Franken aufgibt, aber diesen an den Euro anbindet wie seinerzeit die österreichischen Nationalbank den Schilling an die Deutsche Marke? (10 Punkte) 14

16 Aufgabe 8: Ertragskurve (10 Punkte) Betrachten Sie die beiden Diagramme auf der nächsten Seite, welche die Zinsstruktur schweizerischer Bundesobligationen im Jahr 1990 (Diagramm 1) und 1998 (Diagramm 2) wiedergeben. a) Wie nennt man die Zinsstruktur im Jahr 1990? Wie jene 1998? (3 Punkte) b) Welche der beiden Situationen liegt typischerweise vor? Erklären Sie, wieso dies so ist, und gehen Sie insbesondere auf die Rolle der Risikoprämie ein. Erläutern Sie, für welches Risiko eine Prämie bezahlt werden muss. (4 Punkte) c) Können Sie eine konkrete Veränderung im Bankenbereich nennen, die mithilft, die ungewöhnlichere der beiden abgebildeten Situationen zu erklären? (3 Punkte) 15

17 Diagramm 1 Ertragskurve, schweizerische Bundesobligationen 1990 Diagramm 2 Nomineller Zinssatz (per annum) Laufzeit Ertragskurve, schweizerische Bundesobligationen Nomineller Zinssatz (per annum) Laufzeit 16

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