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1 Früherfassung und Wiedereingliederung Ein Leitfaden für Arbeitgeber IV STELLE B A S E L S T A D T

2 IV Integrationsversicherung Früherfassung und Wiedereingliederung Ein partnerschaftliches Projekt zwischen Arbeitgebern und Versicherern. Ab 2008 fördert die Invalidenversicherung (IV) konsequent den Arbeitsplatzerhalt und die frühzeitige Wiedereingliederung. Dieses Ziel kann nur in aktiver Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern erreicht werden. Diese Broschüre zeigt das Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Versicherern im Falle von Krankheit oder Unfall auf. Besonderes Augenmerk richtet sich auf Ihre Rolle als Unternehmer wie auch auf die neuen von der IV bereitgestellten Instrumente der Früherfassung und Frühintervention. Gesundheit und Absenzen managen und die berufliche Wiedereingliederung fördern: Die Arbeitgeber spielen eine wichtige Rolle dabei. Mit einem wirksamen Anwesenheitsmanagement können Arbeitgeber präventiv zur Abnahme der Absenzen beitragen und zudem die Wiederaufnahme der Arbeit beschleunigen. Bei länger dauernden Absenzen führt eine Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren schneller zum Ziel. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in den Händen der Arbeitgeber, auch wenn die vorliegende Broschüre die seitens der Versicherer geleistete Unterstützung hervorhebt. Entstehen Pflichten für den Arbeitgeber? Das IV-Gesetz schafft für Arbeitgeber keine Pflichten. Der Arbeitgeber geht die Vereinbarungen, welche im Eingliederungsplan getroffen werden, freiwillig ein. Sie schränken seine Kündigungsfreiheit nicht ein. Von Arbeitgebern wird aber erwartet, sich im Rahmen des Zumutbaren bei der Entwicklung von Lösungen zu beteiligen. Schliesslich verursacht die Beschäftigung von Menschen mit einer gesundheitlichen Einschränkung nicht nur Mehraufwand für einen Arbeitgeber, sondern im Unternehmen bleibt wertvolles Know-how erhalten, die Rekrutierung und Einarbeitung von neuem Personal erübrigt sich und die soziale Verantwortung, die der Arbeitgeber wahrnimmt, kann sich positiv auf das Betriebsklima auswirken. Sichere Arbeitsplätze erhöhen grundsätzlich die Motivation von Mitarbeitenden. Die Solidarität gegenüber einem gesundheitlich eingeschränkten Mitarbeitenden kann sich zudem auf das ganze Team übertragen. Sämtliche Formulare und weitere Informationen erhalten Sie bei Ihrer kantonalen IV- Stelle und Ihrer Taggeldversicherung (Adressen siehe Rückseite).

3 Gesundheitsmanagement Die drei Stufen des Gesundheitsmanagements: 1. Anwesenheits-/Absenzenmanagement Vor der Abwesenheit klare Richtlinien definieren und diese den Mitarbeitenden offen kommunizieren Personalreglement bei Bedarf anpassen Kader für Absenzenmanagement schulen Verantwortliche für das Absenzenmanagement im Unternehmen bestimmen neue Mitarbeitende für Gesundheitsförderung, Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit sensibilisieren Während der Abwesenheit Versicherer über die Besonderheiten des Arbeitsplatzes informieren regelmässige Kontaktaufnahme mit den abwesenden Mitarbeitenden vereinbaren vor Wiederaufnahme der Arbeit je nach Bedarf ein Vorbereitungsgespräch und Management fortlaufende Betreuungsgespräche führen bei Wiederaufnahme der Arbeit ein an den Einzelfall angepasstes Rückkehrgespräch führen 2. Förderung der Wiedereingliederung Die Wiederaufnahme der Arbeit kann beschleunigt werden durch Anpassung der Arbeitszeit der Leistungsanforderungen der Aufgaben des Arbeitsplatzes 3. Prävention Die Umsetzung gezielter Massnahmen zur Prävention und Gesundheitsförderung führen sowohl zu einer messbaren und nachhaltigen Abnahme der Arbeitsunfähigkeit als auch zur Steigerung der Produktivität der Mitarbeitenden.

4 Unfall Was tun bei Arbeitsunfähigkeit infolge von Unfall? 1. Wahl des richtigen Unfallformulars Bei Arbeitsunfähigkeit bis zu 3 Tagen wird das Formular für Bagatellunfälle (grün) benutzt. Bei 4 Tagen und mehr wird das normale Unfallformular (weiss) verwendet. 2. Anzeige des Unfalls Der Arbeitgeber beantwortet die im Unfallformular enthaltenen Fragen genau, wenn möglich in Anwesenheit des betroffenen Mitarbeitenden. Dies fördert den persönlichen Kontakt mit dem verunfallten Mitarbeitenden. Zudem kann sich der Arbeitgeber von der Glaubhaftigkeit des Vorfalls überzeugen. Bei Meinungsverschiedenheiten ist es wichtig, den Versicherer zu informieren. 3. Abrechnung des Taggeldes Der Arbeitgeber entrichtet das Taggeld nur auf Vorweisen des Unfallscheins und nach Stellungnahme des Unfallversicherers. Je nach Entwicklung der Arbeitsunfähigkeit übermittelt der Arbeitgeber dem Versicherer eine Kopie des Unfallscheins. 4. Schrittweise und angepasste Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit Unfallversicherer und Arbeitgeber besprechen gemeinsam mit dem verunfallten Mitarbeitenden die Möglichkeiten einer schrittweisen, seinem Gesundheitszustand angepassten Arbeitsaufnahme. Der Versicherer kann dies fördern, indem er eine Arbeitsaufnahme zu therapeutischen Zwecken ermöglicht oder die Fahrtkosten zwischen Wohn- und Arbeitsplatz übernimmt. 5. Früherfassung Ab 30 Tagen Arbeitsunfähigkeit meldet der Unfallversicherer der zuständigen IV-Stelle Personen, für welche Massnahmen der Frühintervention in Frage kommen könnten. Der betroffene Mitarbeitende wie auch dessen Arbeitgeber werden entsprechend informiert. Ein spezialisierter Mitarbeitender der Unfallversicherung stellt eine optimale Koordination zwischen den verschiedenen Akteuren sicher.

5 Krankheit Was tun bei Arbeitsunfähigkeit infolge von Krankheit? 1. Absenzenmeldung Mitarbeitende melden der im Betrieb zuständigen Person Absenzen unverzüglich. Erfolgt dies nicht, ist der abwesende Mitarbeitende zu kontaktieren. Es ist wichtig, während der gesamten Arbeitsunfähigkeit regelmässigen und persönlichen Kontakt zu pflegen. 2. Empfang des Arztzeugnisses Innert der im Personalreglement vereinbarten Frist ist ein Arztzeugnis vorzuweisen. Nach Ablauf des mit dem Versicherer vereinbarten Zeitraumes muss das Arztzeugnis zusammen mit der Arbeitsunfähigkeitsmeldung an diesen weitergeleitet werden. 3. Unterstützung während der medizinischen Behandlung Die Vertrauensärzte des Versicherers sorgen für den optimalen Ablauf der medizinischen Rehabilitation und klären die Arbeitsfähigkeit ab. 4. Früherfassung Nach einer Arbeitsunfähigkeit von 30 Tagen melden Sie als Arbeitgeber oder Krankentaggeldversicherung per «Meldeformular» der IV-Stelle jene Mitarbeitende, für die Massnahmen der Frühintervention in Frage kommen könnten. Die betroffenen Mitarbeitenden und deren Arbeitgeber werden von der IV-Stelle kontaktiert. Die Eingliederungsspezialisten der IV-Stelle garantieren die optimale Koordination zwischen den Akteuren. Wann ist eine Meldung an die IV-Stelle sinnvoll? Ihr Mitarbeitender kann die angestammten Tätigkeiten infolge gesundheitlicher Probleme nicht mehr zufrieden stellend ausüben. Es bestände eine Möglichkeit, den Mitarbeitenden weiterhin in Ihrem Unternehmen zu beschäftigen, aber die Ressourcen dazu sind nicht vorhanden. Es bestehen Unklarheiten, welche Tätigkeiten Ihrem Mitarbeitenden aus medizinischer Sicht noch zumutbar sind. Sie stossen wegen gesundheitlicher Probleme eines Mitarbeitenden an Grenzen und möchten gerne professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen. Generelles Vorgehen bei Krankheit oder Unfall, unabhängig von der früher beginnenden Zusammenarbeit mit der IV-Stelle: Dauert eine Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit oder Unfall mehr als 90 Tage, so füllt der Arbeitgeber die «Erwerbsunfähigkeitsmeldung» aus, damit die Vorsorgeeinrichtung die Meldung der Arbeitsunfähigkeit erhält, die Prämienbefreiung in die Wege geleitet werden kann und die Koordination zwischen den verschiedenen Versicherungen gefördert wird.

6 Früh-Erfassung & -Intervention Die Meldung an die Invalidenversicherung Arbeitgeber können sich bezüglich Aufrechterhaltung eines Arbeitsplatzes oder beruflicher Wiedereingliederung jederzeit von der IV-Stelle ihres Kantons beraten lassen. Bei einer gesundheitlich bedingten Arbeitsunfähigkeit ab 4 Wochen kann der Arbeitgeber nach vorheriger Besprechung mit dem Mitarbeitenden den Fall der IV-Stelle des Wohnsitzkantons melden, wenn ein Chronifizierungsrisiko besteht oder die bisherige Berufstätigkeit voraussichtlich nicht mehr ausgeübt werden kann. Bei vermehrt auftretenden Kurzzeitabsenzen mit Invaliditätsrisiko sollte ebenfalls eine Benachrichtigung per «Meldeformular» erfolgen. Früh-Erfassung Die IV-Stelle überprüft, ob die Instanz, welche die Meldung eingereicht hat, dazu berechtigt ist und lädt den Mitarbeitenden, falls erforderlich, zu einem Erstgespräch ein. Je nach Situation können auch der Arbeitgeber, eine Vertrauensperson und/oder ein Arzt oder eine Ärztin des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) hinzugezogen werden. Dabei wird eine erste Analyse der medizinischen und sozialberuflichen Situation vorgenommen. Die IV-Stelle entscheidet innerhalb von 30 Tagen nach Eingang der Meldung, ob sie zuständig ist und Massnahmen der Frühintervention angezeigt sind oder nicht. Ist die IV zuständig, wird die Person aufgefordert, eine offizielle IV-Anmeldung einzureichen. Wenn die IV nicht zuständig ist, informiert sie entsprechend und macht ggf. Vorschläge oder vermittelt den Mitarbeitenden an eine externe Partnerorganisation. Meldeberechtigt sind: die versicherte Person sowie deren gesetzliche Vertretung im gemeinsamen Haushalt lebende Familienangehörige Arbeitgeber behandelnde Ärzte und Chiropraktoren Krankentaggeldversicherer Unfallversicherer Einrichtungen der beruflichen Vorsorge Arbeitslosenversicherung Sozialhilfeorgane Militärversicherung Früh-Intervention Nach erfolgter IV-Anmeldung wird während eines Evaluationsgespräches (Assessment) gemeinsam ein auf die versicherte Person zugeschnittener Eingliederungsplan mit Zielvereinbarung erarbeitet. Dieser regelt zudem die Kooperation zwischen den beteiligten Parteien und definiert die Verantwortlichkeiten und Fristen. Ziel ist es, entweder den Arbeitsplatz zu erhalten, den Mitarbeitenden an einem anderen Arbeitsplatz im Unternehmen einzuarbeiten, ihn beruflich neu zu qualifizieren oder ihn in einem anderen Unternehmen wiedereinzugliedern. Der IV stehen im Rahmen der Frühintervention für die Dauer von maximal 6 Monaten alle IV-Massnahmen zur Verfügung. Wenn die Massnahmen der Frühintervention für eine positive Reintegration in den Arbeitsprozess nicht ausreichen, wird die IV im Rahmen von Integrations- oder anderen beruflichen Eingliederungsmassnahmen weitere Kosten (inkl. Taggeld) übernehmen. Rechtsanspruch: Es besteht kein Rechtsanspruch auf Massnahmen der Frühintervention. Während der Frühintervention wird der Anspruch auf weitergehende Leistungen geprüft. Bis zum Abschluss der Abklärungen besteht kein Anspruch auf Taggelder.

7 IV-Massnahmen Der Entscheid der Invalidenversicherung Unabhängig davon, ob Frühinterventionsmassnahmen notwendig sind, stehen der Invalidenversicherung unter dem Titel «Integrations- oder Berufliche Eingliederungsmassnahmen» alle nachstehenden Werkzeuge zur Verfügung. Diese Massnahmen können entweder im selben Unternehmen (Arbeitsplatzerhalt) oder bei einem anderen Arbeitgeber umgesetzt werden. Anpassung des Arbeitsplatzes: Hilfsmittel oder bauliche Massnahmen Umfassende Berufsberatung Berufliche Qualifizierung - Umschulung (sämtliche mit der Ausbildung verbundene Kosten) - Wiedereinschulung - Ausbildungskurse zur Umplatzierung im Unternehmen - Arbeitstraining - Erstmalige berufliche Ausbildung (invaliditätsbedingte Mehrkosten) Während dieser Massnahmen besteht Anspruch auf IV-Taggeld (Ausnahme: während der Frühintervention). Arbeitsvermittlung (Einarbeitungszuschüsse an den Arbeitgeber sind während der Einarbeitung bis max. 180 Tage möglich) Integrationsmassnahmen (vorwiegend bei psychisch Behinderten) - Sozialberufliche Wiedereingliederung (Belastbarkeitstraining, Aufbautraining, wirtschaftsnahe Integration mit Unterstützung am Arbeitsplatz) - Beschäftigung (Arbeit zur Zeitüberbrückung) Die IV entrichtet in diesen beiden Fällen während höchstens 1 Jahr Taggelder (Ausnahme: während der Frühintervention). Bleibt die Person im Rahmen von Integrationsmassnahmen im Unternehmen beschäftigt, so kann die IV dem Arbeitgeber für die Mehrkosten bei der Betreuung einen Beitrag von maximal Fr. 60. pro Tag entrichten. Weitere Anreizmassnahmen für Arbeitgeber: Die IV kann dem Arbeitgeber eine Entschädigung für Beitragserhöhungen der obligatorischen beruflichen Vorsorge und der Krankentaggeldversicherung ausrichten, wenn die Person nach erfolgter Arbeitsvermittlung innert zwei Jahren wegen der vorbestehenden Erkrankung erneut arbeitsunfähig wird. Begleitung und Job-Coaching: Der Mitarbeitende und dessen Arbeitgeber werden auf Wunsch während der gesamten Zeit der Wiedereingliederung von Eingliederungsspezialisten begleitet und unterstützt.

8 Partner Ihre Gesprächspartner bei den kantonalen IV-Stellen: Hier können Sie sämtliche Formulare anfordern. Aargau Appenzell A.Rh Appenzell I.Rh ai.ausgleichskasse.ch Basel-Landschaft Basel-Stadt Bern Freiburg Genf Glarus Graubünden Jura Luzern lu.iv-stelle.ch Neuenburg Nidwalden nw.ausgleichskasse.ch Obwalden Schaffhausen Schwyz sz.ausgleichskasse.ch Solothurn St. Gallen Tessin Thurgau tg.ausgleichskasse.ch Uri ur.ausgleichskasse.ch Waadtland Wallis Zug Zürich IV-Stelle für Vers. im Ausland

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