Christof Timpe: Präsentation zum Thema

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1 Dialogforum Grünstrom-Bilanzierung im Berlin, 23. Februar 2012, Uhr + Get-Together Hessische Landesvertretung, In den Ministergärten 5, Berlin Christof Timpe: Präsentation zum Thema Christof Timpe, Öko-Institut, Bereichsleiter Christof Timpe studierte elektronische Energietechnik an der Universität Erlangen-Nürnberg. Seit 1996 ist er Leiter des Bereichs Energie & Klimaschutz. Seine thematischen Schwerpunkte liegen in der Förderung von politischen Instrumenten zur nachhaltigen Flankierung einer liberalisierten Energiewirtschaft auf nationaler und europäischer Ebene, in der Erhöhung der Transparenz auf den Energiemärkten, in kommunalen Klimaschutzstrategien sowie in der sozial-ökologischen Forschung im Bereich Versorgungswirtschaft. Seine zahlreichen Projekte führten ihn zur Konzeption eines europaweiten Bilanzierungsverfahrens für Strom, zur Entwicklung eines Systems für Herkunftsnachweise für Strom in im Rahmen des European Energy Certificate Systems, sowie zu einer Analyse für die Stadtwerke München zum Ausbaupotenzial von Strom aus erneuerbaren Energien und entsprechenden Umsetzungsstrategien. Träger der Plattform klimaverträglicher Konsum

2 Dialogforum Grünstrom-Bilanzierung im Berlin, 23. Februar 2012 Christof Timpe Öko-Institut e.v. Freiburg/Darmstadt/Berlin Zwei Herangehensweisen und ihre (vermuteten) Motivationen Strom aus Erneuerbaren Energien hat minimale Emissionen Wer den EE-Strom kauft, sollte sich auch die Umweltvorteile zurechnen können. Alle Verfahren mit Bezug auf EE-Ausbau verwenden willkürliche Setzungen. CO 2 -Daten aus der Stromkennzeichnung sind für CPF verwendbar. Nur ein Beitrag zum Ausbau der EE berechtigt zur Anrechnung niedriger Emissionen Ein niedriger CFP sollte nur angerechnet werden, wenn wirklich Emissionen vermieden wurden. Die Vereinfachung EE = niedrige Emissionen setzt falsche Anreize für Unternehmen. Stromkennzeichnung und CFP sind verschiedene Dinge und bedürfen unterschiedlicher Daten. 2

3 Funktionsweise des (Grün-) Strommarkts Der größte Teil des heute als Grünstrom verkauften Stroms kommt aus alten Anlagen. Der Strom dieser Anlagen wurde in der Vergangenheit als Teil des Strommixes verkauft. Stromanbieter lösen diese Mengen nun aus dem Strommix heraus und vermarkten ihn als Ökostrom. 3 Funktionsweise des (Grün-) Strommarkts Der größte Teil des heute als Grünstrom verkauften Stroms kommt aus alten Anlagen. Der Strom dieser Anlagen wurde in der Vergangenheit als Teil des Strommixes verkauft. Stromanbieter lösen diese Mengen nun aus dem Strommix heraus und vermarkten ihn als Ökostrom. Hierdurch wird EE-Strom nur umverteilt, es kommt zu keiner CO 2 -Reduktion. Da nicht alle Kunden CFP ausweisen (müssen), wird diese Umverteilung oft nicht einmal sichtbar. 4

4 Funktionsweise des (Grün-) Strommarkts Nur wenn der Stromanbieter gezielt neue Anlagen fördert, wird zusätzlicher EE-Strom erzeugt. Hierfür gibt es verschiedene Modelle: Händlermodell Fondsmodell Initiierungsmodell Die Förderung nach Händleroder Fondsmodell sollte over and above der gewährten staatlichen Förderung sein (z.b. EEG). 5 Das Angebot an Grünstrom in ist deutlich größer als die Nachfrage!

5 EE-Stromerzeugung in Europa 7 Neben der inländischen Erzeugung gibt es ein großes Potenzial für Importe von EE-Strom Norwegen hat 2010 fast 60% seiner Wasserkraft-Produktion als Grünstrom nach Kontinentaleuropa exportiert! Stromkennzeichnung 2010 Aufteilung des Verbrauchs in Norwegen auf Energieträger, incl. Brutto-Importe 23,1% Wasserkraft 0,1 % Windkraft 4,3 % Thermische Kraftwerke fossil 0,5 % Thermische Kraftwerke Biomasse 58,7 % Unbekannte / undefinierte Herkunft 13,3 % Import Quelle: NVE

6 Ökostrom im CFP: Zentrale Fragestellungen Hat es überhaupt eine CO 2 -Reduktion gegeben? Niedriger CFP gilt implizit als umweltverbessernde Maßnahme Daher: nur wenn neue EE-Anlagen gefördert wurden, soll eine CO 2 -Reduktion angerechnet werden. Wurden die Lebenszyklus-Emissionen des Stroms (Produkt oder nationaler Mix) berechnet? Daten der Stromversorger zur Stromkennzeichnung erfüllen diese Anforderung nicht. Kann bei Verwendung von produktspezifischen Emissionsdaten eine Doppelzählung verhindert werden? Das ist nur der Fall, wenn statt nationaler Durchschnittsdaten ein Residualmix für den Strommix und die Emissionen bestimmt wird und sichergestellt ist, dass dieser Mix durchgängig angewendet wird. 9 Effekte und Risiken einer Verwendung von produktspezifischen Emissionsdaten Im CFP würden sich Effekte von z.b. gesteigerter Energieeffizienz und dem Einkauf von EE-Strom nicht unterscheidbar vermischen. Bei aktuellen Marktpreisen für EE-Strom ist der Einkauf von Grünstrom die mit Abstand kostengünstigste Maßnahme. Sobald der Strombezug so CO 2 -frei gerechnet wurde, rechnen sich jegliche Maßnahmen zur Stromeinsparung nicht mehr. (CO 2 -Vermeidungskosten werden extrem hoch). Hochgradig schädliche Anreize für die weitere Nachhaltigkeits- Strategie eines Unternehmens. Das Unternahmen macht sich leicht angreifbar. Die Schwächen der Methodik sind öffentlich bekannt und können leicht aufgegriffen werden. Hohes Risiko für die Glaubwürdigkeit des Unternehmens. 10

7 Ein Rechenbeispiel Die produktspezifische CO2-Bilanzierung von Grünstrom bietet eine unschlagbar günstige Möglichkeit, den CFP zu reduzieren. 11 Anforderungen der ISO/DIS (E) Strom soll einschließlich vollständiger Lebenszyklusemissionen bilanziert werden. Derartige Informationen stellen Stromanbieter nicht bereit. Voraussetzung für produktspezifische Emissionsdaten ist, dass der Stromanbieter garantiert, dass der gelieferte Strom und die produktspezifischen Emissionen nicht doppelt gezählt werden. Derartige Garantien können Stromanbieter (derzeit) nicht geben. Die Bedingungen für die Anwendung produktspezifischer Emissionsdaten sind (derzeit) nicht erfüllt! 12

8 Ein möglicher Lösungsansatz (1) 1. Sicherstellung einer CO 2 -Reduktion (Niedrige) produktspezifische Emissionsdaten nur insoweit verwenden, als das Produkt zum Ausbau der EE beiträgt. Zudem muss das Produkt zertifiziert sein und Herkunftsnachweise verwenden. Alle anderen Strommengen verwenden einen netzspezifischen Standard-Emissionsfaktor. Konkreter Vorschlag Öko-Institut/IFEU (~ degressive Abschreibung): Strom aus EE-Anlagen, die nicht staatlich gefördert werden und die maximal 6 Jahre alt sind, wird zu 100% mit produktspezifischen Emissionsdaten angerechnet. Strom aus EE-Anlagen, die nicht staatlich gefördert werden und die zwischen 6 und 12 Jahren alt sind, wird zu 50% mit produktspezifischen Emissionsdaten, zu 50% mit dem netzspezifischen Standard-Emissionsfaktor angerechnet. Sonstiger Strom wird mit dem (korrigierten) netzspezifischen Standard-Emissionsfaktor bewertet. 13 Ein möglicher Lösungsansatz (2) Berechnungsbeispiele zum Vorschlag Öko-Institut: Art der Stromerzeugung Emissionsfaktor im PCF (LCA) Strommix (unkorrigiert) 670 g/kwh Strommix (korrigiert, Schätzung) 720 g/kwh Steinkohlekraftwerk ca. 960 g/kwh Erdgaskraftwerk ca. 430 g/kwh Wasserkraftwerk, Direktvermarktung, < 6 Jahre 40 g/kwh Windkraftwerk, Direktvermarktung, < 6 Jahre Stromprodukt 50% Wasser, 50% Wind, Direktvermarktung, < 6 Jahre Stromprodukt Mindestanforderungen ok-power Eigene Berechnungen auf Basis des GEMIS-Modells 20 g/kwh 30 g/kwh 380 g/kwh 14

9 Ein möglicher Lösungsansatz (3) 2. Lebenszyklusemissionen Verwendung von typischen (energieträger- und technologiespezifischen) E-Faktoren, z.b. aus dem GEMIS-Modell 3. Vermeidung der Doppelzählung Bestimmung eines netzspezifischen, residualen Standard-Emissionsfaktors (incl. LCA-Emissionen). Festschreibung der Nutzung dieses Faktors anstelle eines nationalen Mixes für alle nicht produktspezifisch bewerteten Strommengen im Rahmen der künftigen Standardisierung. Nur wenn alle drei Schritte 1-3 erfüllt sind, ist eine robuste und glaubwürdige Methodik erreicht! 15 Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Christof Timpe Öko-Institut e.v. Freiburg - Darmstadt - Berlin Postfach 1771, Freiburg, Germany Tel.:

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