Demografischer Wandel

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1 Demografischer Wandel 1. Kapitel: Immer älter immer weniger Hey, ich bin s. Euer Kurzi, von einer Zeitreise ins Jahr Ich spiel' jetzt in der Knaben III. Bei der U44 Nachwuchs-Meisterschaft. Unsere Gesellschaft wird immer älter. Die Menschen in ihr immer weniger. Darin besteht, kurz gesagt, der demografische Wandel. Der Begriff Demografie leitet sich aus dem griechischen demos Volk und graphein schreiben ab. Die Demografie befasst sich mit der Bevölkerungsentwicklung. Seit 1964 ist die Zahl der Geburten in Deutschland demnach rückläufig. Die Statistik zeigt, dass jede Frau in ihrem Leben rund zwei Kinder zur Welt bringen müsste, damit die Bevölkerungszahl konstant bleibt. Derzeit sind es durchschnittlich lediglich rund 1,5 Kinder. In den letzten Jahrzehnten entschieden sich viele Frauen und Männer in unserer Gesellschaft für eine kinderlose Ehe oder für ein Leben mit so genannten Lebensabschnittspartnern oder als Single. Jeder vierte bis fünfte Deutsche entscheidet sich für ein Dasein ganz ohne Kinder. Männer häufiger als Frauen. Ganz nach dem Motto Cabrio statt Buggy oder Wüstentrip statt Sandkasten, gründet sich diese freie Entscheidung des Einzelnen häufig auf den Wunsch nach persönlicher Unabhängigkeit oder beruflicher Karriere. Der Geburtenrückgang in Deutschland bedeutet, dass sich die Bevölkerung von derzeit über 80 Millionen bis 2050 auf rund 70 Millionen verringern könnte. Der demografische Wandel wird zudem durch die durchaus erfreuliche Tatsache verstärkt, dass Menschen immer älter werden. Wurden Männer um das Jahr 1900 durchschnittlich lediglich rund 46 und Frauen 52 Jahre alt, werden sie heute aufgrund körperlich leichterer, kürzerer und gesünderer Arbeit, vor allem aber durch Fortschritte in der Medizin und bei der Gesundheitsversorgung, durchschnittlich 77 beziehungsweise 82 Jahre alt. Tendenz weiter steigend. Kommentartext Demografischer Wandel 1

2 Das heißt, die Zahl der Rentner wird die nächsten Jahrzehnte stark ansteigen und die Zahl der Erwerbstätigen sinken. Kurz gesagt: Die Alterspyramide ist geometrisch keine Pyramide mehr, sondern wird zunehmend einer Trichterform gleichen, die nach unten hin schmaler wird. Diese Veränderung birgt gesellschaftliche Konflikte und stellt die Politik und die nachfolgenden Generationen vor Probleme zum Beispiel, den Generationenvertrag zu erfüllen. Kommentartext Demografischer Wandel 2

3 2. Kapitel: Der Generationenvertrag Generationenvertrag? Neee, Leute! Das müsst' ich wissen. Im so genannten Generationenvertrag gibt es im juristischen Sinne keine Vertragspartner. Niemand hat tatsächlich einen solchen Vertrag unterschrieben. Das Prinzip des Generationenvertrags ist die Verpflichtung der arbeitenden Generation, Rentenbeiträge zu bezahlen, von denen die monatliche Auszahlung für die rentenempfangende Generation geleistet wird. Diese Form der Rentenfinanzierung nennt sich Umlagefinanzierung. Die arbeitende Generation tut dies in der Erwartung, dass nachfolgende Generationen das Gleiche tun. Daher spricht man vom Generationenvertrag. Die Rentenversicherung gehört zu den gesetzlichen Pflichtversicherungen. Die Rentner werden zwar von der arbeitenden Generation bezahlt, aber sie haben ihren Beitrag zum Übereinkommen der Generationen bereits geleistet ihr ganzes Arbeitsleben lang. Die Rentenhöhe ist unterschiedlich und bemisst sich danach, wie viel der Einzelne in seinem Arbeitsleben in die Rentenkasse einbezahlt hat oder ihm beispielsweise als Erziehungszeit auf die Rente angerechnet wird. Wenn nun aber insgesamt aus der Rentenkasse mehr aus- als einbezahlt wird, klafft ein Loch. Ein Problem, für das eine Lösung gefunden werden muss. Immer mehr arbeitende Menschen sorgen daher heute schon für eine private Altersvorsorge, indem sie beispielsweise in Immobilien oder andere Kapitalanlagen investieren. Der deutsche Staat fördert auch private Basis- oder Zusatzrentenmodelle durch Zulagen oder steuerliche Vorteile, wie zum Beispiel die Riester- und Rürup- Rente. Kommentartext Demografischer Wandel 3

4 3. Kapitel: Wandel der Gesellschaft Marathon 2040 Leute da kommt euer Kurzi groß raus! Mit 44 Jahren der Jüngste im Feld! Der demografische Wandel hat jedoch nicht nur Auswirkungen auf die Rentenfinanzierung. Eine Verschiebung der Altersstruktur hat Auswirkungen auf alle gesellschaftlichen Bereiche, so auch auf Angebot und Nachfrage. Produkte und Dienstleistungen werden zunehmend an den Bedürfnissen älterer Menschen ausgerichtet sein. Beispielsweise Anbieter von kulturellen Angeboten oder Reisen werden sich den Märkten 60+ stellen müssen. Auch Kommunen sind bereits dabei, ihre Angebote und Leistungen anzupassen. Während in einzelnen Gemeinden, zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern, Kinderspielplätze aufgrund fehlender Geburtenzahlen geschlossen werden, bereiten sich die kommunalen Träger und Wohlfahrtsverbände vielerorts auf erhöhten Pflegebedarf und Altersbetreuung oder den Bau von Altenwohnanlagen und -heimen vor. Auch ganz neue Projektformen, wie Wohngemeinschaften älterer Menschen oder andere Projekte gemeinschaftlichen Wohnens entstehen. Und dies ist höchstwahrscheinlich erst der Anfang. Nicht nur die Kaufkraft der Rentnergeneration wird steigen, ganz sicher auch ihre Präsenz und Einfluss in allen Bereichen. Wenn die Generation der heutigen Schülerinnen und Schüler in rund 30 Jahren im Bus, im Café oder im Theater sitzen wird, wird rund die Hälfte der Menschen um sie herum der Generation 60, 70 oder 80+ angehören und mit ihnen zur Wahlurne gehen! Kommentartext Demografischer Wandel 4

5 4. Kapitel: Auf dem Weg in die Rentnerdemokratie? Nun ist die SPU auch für mehr Flexibilität im 2. Bildungsweg. Mein Großonkel Thomas studiert grad im zweiten Semester auf Lehramt. Das ist natürlich stark überzeichnet, wenngleich politische Parteien immer nach gesellschaftlichen Mehrheiten schielen. Gestiegene Flexibilität und Bildung bis ins hohe Alter darf durchaus als eine positive Entwicklung angesehen werden. Wie sähe ein Szenario einer Gesellschaft im demografischen Wandel aus? Welche Chancen bieten sich? Vielleicht ist es ja unsinnig, alte Menschen aus der Mitte der Gesellschaft in den so genannten Lebensabend oder ins Feierabendheim zu verabschieden. Alte Menschen haben so viel Erfahrung und Wissen. Wieso wird der gesellschaftliche Nutzen ausschließlich unter dem Aspekt Verwertung der Arbeitskraft als ökonomischer Faktor gesehen? Generieren wir zu viel Mehrwert und zu wenig Werte? Welchen Wert bietet die ältere Generation jenseits der Logik, mit allem Gewinne machen zu wollen? Beispielsweise als Wissensvermittler, als Betreuer oder Berater? Ein fiktives Beispiel: Samiras Familie lebt in zweiter Generation in Deutschland. Sie berichtet als Zeitzeugin über die Geschichte ihrer Familie und über deren Integrationserfahrungen. Sie spricht über Kultur, Religion und Landschaft im Herkunftsland ihrer Vorfahren und ist vielleicht Begleiterin auf einer Studienfahrt dorthin. Jüngste Studien haben ergeben, dass auf der japanischen Insel Okinawa durchschnittlich die ältesten Menschen auf der Welt leben. Nicht deswegen, weil sie etwa einen langen Lebensabend genießen. Im Gegenteil: Neben einer gesunden Ernährung übernehmen sie wichtige Aufgaben in Familie und Gesellschaft und erfahren hohe Wertschätzung. Vielleicht können auch hier die Generationen voneinander profitieren. Kommentartext Demografischer Wandel 5

6 Alte Menschen haben ihren Beitrag in Form von Kindererziehung oder Beiträgen in die Rentenkasse und zum ökonomischen Mehrwert im Arbeitsmarkt bereits geleistet. Darum kann es nicht gehen. Ein sinnvolles Miteinander, Respekt, Wertschätzung und keine Konkurrenz der Generationen das wäre eine Vision. Kommentartext Demografischer Wandel 6

7 5. Kapitel: Lösungsansätze Der Kameradenkalle ist voll die Null. Sagt zu Erkan, er solle nach Hause gehen, das Boot sei voll Wie, nach Hause? Welches Boot? Fragt der Na, Doitschland, sagt die hohle Nuss. Dabei ist schon Erkans Vater Deutscher und Erkan selbst war noch nie in der Türkei. Um dem demografischen Wandel entgegenzuwirken, gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten für unsere Gesellschaft. Sie sorgt für Nachwuchs und Zuwanderung. Die Entscheidung für Kinder ist allerdings jedem selbst überlassen und die Politik kann nur über Maßnahmen wie steuerliche Vergünstigungen, Kindergeld oder auch gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten Anreize für diese Entscheidung schaffen. Der Wunsch nach Zuwanderung von außen ist derzeit noch mindestens genauso groß wie die Ängste vor Überfremdung im Inneren. Dennoch könnte gerade Zuwanderung zu einem Teil der Lösung des Problems demografischer Wandel werden. Auch hier kann die Politik durch Verordnungen und Gesetze Grundlagen schaffen und entsprechende Integrationskonzepte und -angebote erarbeiten. Allein zu sagen wir haben zu viele Alte und wir haben zu viele Fremde löst nicht das Problem des demografischen Wandels und bringt unsere Gesellschaft nicht weiter. Wir brauchen Menschen, die hier leben, arbeiten und sich in die Gesellschaft einbringen. Kommentartext Demografischer Wandel 7

8 6. Kapitel: Zusammenfassung Der demografische Wandel besteht darin, dass die Menschen immer älter werden und die Bevölkerung insgesamt weniger wird. Die Lebenserwartung ist durchschnittlich in den letzten rund 100 Jahren bei Männern von 45 auf 77 Jahre und bei Frauen von 48 auf 82 Jahre gestiegen. Der so genannte Generationenvertrag ist kein unmittelbarer Vertrag, sondern eine Umlagefinanzierung zwischen den Generationen und ist durch die gesetzliche Rentenversicherung geregelt. Die Verschiebung der Altersstruktur wird Angebot und Nachfrage an den Märkten, kommunale Dienstleistungen, wie zum Beispiel kulturelle Angebote oder Altenbetreuung sowie Wahlen und die Programme der Parteien beeinflussen. Zu stoppen ist der demografische Wandel durch mehr Geburten und Zuwanderung. Kommentartext Demografischer Wandel 8

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