Für die Betreuung dementiell erkrankter Bewohner in den Wohnbereichen. im Senioren-Park carpe diem Aachen

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1 Konzeption Für die Betreuung dementiell erkrankter Bewohner in den Wohnbereichen im Senioren-Park carpe diem Aachen Nutze den Tag dies ist der Grundgedanke für das neuartige Konzept, welches in den Senioren- Parks carpe diem verwirklicht wurde und an der Maxime So viel Selbständigkeit wie möglich, so viel Betreuung und Pflege wie nötig ausgerichtet ist. 1

2 Beschäftigungsmöglichkeiten bei dementiell veränderten Bewohnern und Bewohnerinnen Vorwort Pflegekräfte beklagen oft, dass ihr Arbeitsfeld auf die Grundpflege der Bewohner reduziert wird und übersehen dabei, dass der erste Kontakt am Morgen gerade bei dementiell veränderten Bewohnern sehr wichtig ist, da dort der Start in den Tag gegeben wird. In diesem Moment können die natürlichen Ressourcen des Bewohners im besonderen Maße genutzt und so Gedächtnis und Bewegungsapparat trainiert werden. Außerdem wird den Pflegekräften am Tag selten noch einmal die Gelegenheit geboten, eine solch individuelle und persönliche Einzelbetreuung durchzuführen. Beschäftigungsangebote können darauf aufbauen und runden die ganzheitliche Pflege des Bewohners sinnvoll ab. Voraussetzung hierfür ist gut ausgebildetes Personal, das mit den Krankheitsbildern der Bewohner und deren Auswirkungen vertraut ist. Aus diesem Grund sollen vorrangig Fachkräfte und als Präsenskraft geschulte Mitarbeiter in der Beschäftigung von dementiell erkrankten Bewohnern eingesetzt werden. Nur so wird man den Bewohnern und auch sich selbst gerecht werden. Voraussetzung für Beschäftigungsangebote: 1. Biografiearbeit: um zu erfahren, wo bei der Betreuung angesetzt werden kann 2

3 ( Bsp.: Hobbys, Interessen, Beruf, Abneigungen ) 2. Ressourcen: welche Fähigkeiten hat der Bewohner, welcher Demenzstufe gehört er an ( zur Vermeidung von Überforderung und Unterforderung). Dabei beachten, dass nicht immer klare Einstufungen gemacht werden können, dies kann individuell verschieden sein. Bewohner dort abholen, wo er gerade steht! 3. Sammeln von Beschäftigungsangeboten für die jeweilige Demenzstufen 4. Einpflegen der Beschäftigungsangebote in die Pflegeplanung 5. Planung der Aktivitäten in Wochen und oder Monatsplänen anhand des Dienstplanes. (Wer macht was wo und wann) 6. Reflexion der Aktivität in den Pflegeberichten und Weitergabe an das Team wie die Aktivität gelaufen ist. Regeln für die Beschäftigungsangebote: 1. Dem Angebot den richtigen Rahmen geben. Das heißt, dem Angebot entsprechend die Räumlichkeit wählen 2. Angebote zeitlich begrenzen, nicht länger als Minuten, da die Konzentration in der Regel nicht länger aufrechterhalten werden kann. 3. Unterlagen für die Beschäftigung in einen dafür bestimmten Schrank oder Regal sammeln und aufbewahren. 4. Gruppenstärke für eine Betreuungsperson soll ein bis höchstens sechs Bewohner beinhalten, um den Bewohnern gerecht zu werden und die Pflegekraft nicht zu überfordern. 5. Verlauf des Angebotes in den Pflegebericht eingeben und Weitergabe an das Team in der Übergabe. Angebote für die einzelnen Demenzstufen Demenzstufe I Defizit: Störung des Kurzzeitgedächtnis, der Orientierung (örtlich und zeitlich) Ressourcen: 3

4 Alle Dinge des alltäglichen Lebens sind bei gleich bleibender und fester Struktur gut zu bewältigen. Angebote: ROT (Realistätsorientierungstraining) Alles was zum Tag, zum Ort und der Jahreszeit Orientierung gibt, wie beispielsweise - Spaziergänge, Jahreszeitfeste, Kochen, auch Kochen im Kopf, Kofferpacken im Kopf, Kurze Geschichten vorlesen, Sprichwörter ergänzen, Wäsche falten, Singen, Gedichte von früher aufsagen usw. Demenzstufe II Defizit: Langsamer Verlust der Orientierung (örtlich, zeitlich, situativ), zuletzt die persönliche Orientierung Ressourcen: Das Langzeitgedächtnis ist noch gut abrufbar. Angebote: 10 Minuten Aktivierung in Verbindung mit validierender Kommunikation oder aber auch basale Stimmulation und das Einhalten von festen Rieten, z. B. morgens am Frühstückstisch immer die gleiche Musik spielen oder Lied singen, Abends nach dem Abendbrot ebenfalls. Demenzstufe III Defizit: Endstadium der Demenz mit körperlichem Siechtum, meist Bettlägerigkeit. Kompletter Verlust der Orientierung in allen Bereichen ( örtlich, zeitlich, situativ sowie persönlich), Verlust der Sprache. Ressourcen: Wahrnehmung der Sinne noch vorhanden (besonders im sensitiven Bereichen) Angebote: basale Stimulation zur Förderung der Aufmerksamkeit und der Körperwahrnehmung in Form von Musik, Düften, optischen Reizen, körperlichen Reizen (z.b. hart und weich), Achtung: Keine Dauerberieselung! Generell gilt bei allen Betreuungsangeboten: 4

5 Keine Dauerberieselung, denn dann wird die Aktivität irgendwann nicht mehr wahrgenommen Über- und Unterforderung vermeiden Bewohner gleicher Demenzstufe in eine Beschäftigungsgruppe zusammenfassen Gruppenstärke beachten: Weniger ist mehr! Ansonsten droht sehr schnell die Überforderung der Bewohner und sich selbst. Die 10 Minuten Aktivierung Vorwort Die 10 Minuten - Aktivierung ist besonders gut in den stressigen Stationsalltag zu integrieren, da der zeitliche Aufwand gering ist. Vor allem für die Bewohner der Demenzstufe I und II wird diese Art der Aktivität als besonders geeignet angesehen, da sie auf die Aktivierung des Langzeitgedächtnisses zielt und auch vom zeitlichen Aufwand der Konzentrationsfähigkeit dieser Bewohner entgegenkommt. Die 10 Minuten - Aktivierung ist als Einzelangebot durchzuführen, kann aber auch in kleinen Gruppen a 5 bis 6 Personen angewendet werden Ziel der 10 Minuten Aktivierung: - Gedächtnistraining - Erinnerungen wecken - Langzeitgedächtnis aktivieren - Ins Gespräch kommen - Zuwendung geben - Freude bereiten Voraussetzung für die 10 Minuten Aktivierung: Aus der Biografie des Bewohners Ansatzpunkte, z. B. Hobbys, Beruf, Interessen herauffiltern. Sollte diesbezüglich nichts bekannt sein, sollte versucht werden durch die 10-Minuten- Aktivierung Interesse zu wecken. 5

6 Die Aktivierung sollte regelmäßig stattfinden, z. B. 2 3 mal wöchentlich bei denselben Bewohnern und mit den gleichen Gegenständen. Vorbereitung In schönen Kartons (die äußere Hülle soll schon neugierig machen) Gegenstände sammeln, an den der Bewohner, aus der Biografie heraus, Interesse haben könnte. Gegenstände können auch zu erst in einen einfachen Plastikbeutel, der schön knistert (weckt Neugierde) verstaut werden und dann in den Kartons. Inhalte der Kartons für die 10 Minuten Aktivierung sind zumeist Gegenstände aus dem alltäglichen Leben, wie beispielsweise Klammern, Gürtel, Krawatten, Schuhputzzeug, Nähutensilien, Dinge aus dem Haushalt, Werkzeug, Kosmetikartikel, Stoffe Die Kartons mit den gesammelten Gegenständen werden auf dem WB in einem Schrank oder Regal gesammelt und beschriftet. Jeder WB sollte einen eigenen Schrank oder eigenes Regal haben, um die Aktivitäten Kartons jederzeit griffbereit zu haben. Durchführung von Einzelangeboten: - Im Wochenplan festlegen, mit welchem Bewohner welcher Mitarbeiter an welchen Tagen eine 10 Minuten - Aktivierung durchführt (wird im Dienstplan blau gekennzeichnet). - Für die Beschäftigung sollte ein ruhiger Ort gewählt werden, der wenig Störungsquellen bietet. - Geeigneten Karton auswählen. - Dem Bewohner gegenüber oder neben ihm Platz nehmen. - Karton vor dem Bewohner auf dem Tisch stellen. - Abwarten, ob der Bewohner selbst neugierig wird und den Karton öffnet, sonst Neugierde durch Animation wecken. - Das Gespräch auf die Gegenstände bringen, anfassen lassen und nachfragen, was dem Bewohner zu den Gegenständen einfällt. - Bewohner mit Gegenständen agieren lassen. - Je nach Gegenstand gymnastische Übungen einbauen. - Zum Ende der Aktivität Verlauf im Pflegebericht festhalten, um so Fortschritte und Entwicklungen zu erkennen, außerdem Weitergabe ans Team in Übergaben. 6

7 Durchführung von Gruppenangeboten: - Jeden Bewohner ein Gegenstand aus dem Karton herausnehmen lassen - Durchführung ansonsten identisch wie der bei einem Einzelangebot Neben den 10 Minuten Aktivierungen und anderen Beschäftigunksangboten auf den Wohnbereichen sorgt das Team der Ergotherapie in Form von abwechslungsreichen Einzel- und Gruppenangeboten für Beschäftigung. Durch Gedächnis-, Motorik- und oder Bewegungsübungen werden Ressourcen der Bewohner erhalten und gefördert (siehe Konzept der Ergotherapie). Aachen, im Dezember

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