DER JOHANNITERORDEN SCHWEIZERISCHE KOMMENDE

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1 MGDH.com DER JOHANNITERORDEN SCHWEIZERISCHE KOMMENDE Fortbildungskurs 1. Auflage

2 INHALTSÜBERSICHT I. GESCHICHTE II. TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS III. VORSTELLUNG DER VERSCHIEDENEN ORDEN IV. DER JOHANNITERORDEN V. DIE SCHWEIZERISCHE KOMMENDE VI. VERPFLICHTUNGEN EINES RITTERS 1

3 Gegenstand des Seminars Gründung über die Geschichte des Ordens über seine Traditionen und Werte über den Sinn seiner Verpflichtungen über seine Regeln und Gebräuche Informationen über die Werke in Deutschland und der Schweiz über die Organisation und ihre Strukturen über die Grundprinzipien Gedankenaustausch über die behandelten Aspekte Aufnahme neuer Mitglieder 2

4 I. GESCHICHTE INHALTSÜBERSICHT Die Anfänge Der Aufschwung ( ) Die militärische Macht ( ) Spaltung und Niedergang ( ) Der Wiederaufschwung ( ) Der Orden heute 3

5 DIE ANFÄNGE Die Gründung und der Erfolg des ersten Johanniter-Hospizes gehen zurück auf: die Bedeutung der Wallfahrten zur Grabstätte Christi; die Notwendigkeit, die Pilger aufzunehmen und medizinisch zu versorgen sowie den Bedarf an Beherbergungsmöglichkeiten; die Gründung von Krankenhäusern und den Fortschritt der modernen Medizin. 4

6 DIE ANFÄNGE Die Wallfahrten nach Jerusalem Die Wallfahrten ins Heilige Land reichen bis ins 4. Jahrhundert zurück, als die Ehefrau Kaiser Konstantins glaubte, das Kreuz Jesu und die Stelle der Kreuzigung entdeckt zu haben. Die Christen sind um ihr persönliches Seelenheil und das Warten auf die Wiederkehr Jesu Christi besorgt. Eine Pilgerfahrt ins Heilige Land befreit sie von ihren Sünden. Indem sie im Heiligen Land sterben, werden sie am Tag des Jüngsten Gerichts dabei sein, wenn das Neue Jerusalem auf der Erde entstehen und das irdische Jerusalem ersetzen wird. 5

7 Die Christen in Jerusalem: DIE ANFÄNGE Die Niederlassung der Christen in Jerusalem Um 600: Das erste Hospiz wird auf Initiative von Papst Gregor dem Grossen in Jerusalem errichtet ( ). 614: Eroberung Palästinas durch die Perser; Christenverfolgung und Zerstörung der Kirchen und des Hospizes. 700: Palästina gerät unter ägyptische Herrschaft; anfänglich werden die Pilgerfahrten von den Kalifen noch toleriert. Bau einer von Benediktinermönchen geführten Kirche (Sainte Marie Latine) und eines Hospizes, zuerst nahe des Ölbergs, dann in der Nähe des Heiligen Grabes (Erwähnung dieser Errichtung: 870). Pippin der Kurze und Karl der Grosse unterhalten gute Beziehungen zu den ägyptischen Kalifen; Anerkennung eines christlichen Gebietes sowie eines Protektorats der beiden Herrscher über die christlichen Besitztümer im Heiligen Land. Erbauung eines Hospizes, einer Kirche und einer Bibliothek (unter Schirmherrschaft der Benediktiner) : Die Fatimiden besetzen Ägypten; einer ihrer Sultane, Hakim ( ), befiehlt im Jahr 1009 die Grabeskirche abzureissen, alle christlichen Wahrzeichen zu beseitigen und die Reliquien zu zerstören : Genehmigung des neuen Kalifs von Ägypten, eine Kirche und ein Hospiz zu errichten. 1076: Die Seldschuken (eine Fürstendynastie) nehmen Jerusalem ein: Sie beginnen, die Christen zu verfolgen. Die Pilgerfahrten finden ein Ende. 6

8 DIE ANFÄNGE Die Gründung von Krankenhäusern und die Entfaltung der modernen Medizin Erst mit dem Christentum werden die ersten Krankenhäuser gegründet, die im Sinne der christlichen Barmherzigkeit und Brüderlichkeit allen offen stehen. Das erste bekannte dieser Krankenhäuser ist jenes von Caesarea (4. Jahrhundert), das zweite jenes von Rom. Die Christen erbauen mehrere solche Krankenhäuser im Mittleren Osten, insbesondere in Syrien. Diese dienen den Arabern als Vorbild für medizinische Behandlungen und für die Erbauung eigener Krankenhäuser: in Damaskus (erstes grosses Krankenhaus) in Bagdad in Mekka in Antakya Diese Krankenhäuser beschäftigen nicht nur viele Ärzte, sondern beherbergen meistens auch eine Universität: Dies ist das typische Modell eines Johanniter-Krankenhauses. 7

9 DIE ANFÄNGE Die Gründung Ab dem Jahre 1021 beginnt eine neue Zeit der Toleranz. Kaufleute aus Amalfi erhalten die Erlaubnis für die Erbauung: einer Kirche (Lateinische Mutter Gottes, vollendet ) eines Klosters (Kloster der Lateiner Benediktinerkloster) Um 1080, auf Initiative zweier Familien aus Amalfi: Bau zweier Krankenhäuser gegenüber des Heiligen Grabes zur Betreuung gesunder oder kranker Pilger beider Geschlechter. Dasjenige für Frauen wird der Heiligen Maria Magdalena gewidmet. Dasjenige für Männer wird unter den Schutz des Johannes Eleymon, auch bekannt unter dem Namen des heiligen Johannes des Almosengebers, oder Johannes des Barmherzigen, gestellt: Es ist das erste Johanniter-Krankenhaus. Die Verwaltung dieser Institutionen wird Laien, nach anderer Interpretation Benediktinern anvertraut. 8

10 DIE ANFÄNGE Die Gründung (Fortsetzung) Diese neuen Krankenhäuser erlauben es dem Verantwortlichen Gerhard sich von den Benediktinern zu distanzieren und einen eigenen Orden zu gründen: «Mit ehrwürdigen und religiösen Gleichgesinnten hat er sein normales Gewand angezogen, über den Kleidern ein weisses Kreuz auf der Brust, und hat seine religiöse Überzeugung und seinen Glauben ganz in den Dienst der ehrwürdigen Institutionen gestellt.» (Jakob von Vitry, 13. Jahrhundert). Das Hospiz ersetzt ein Krankenhaus, das seiner Zeit unter Karl dem Grossen erbaut worden ist. Zeugenbericht eines Reisenden aus dem Jahre 1047: Neben den Moscheen gibt es eine Vielzahl an Gebäuden, die als Unterkunft für Arme und Kranke dienen, «ein exzellentes Bimaristan», oder anders ausgedrückt, ein erstklassig ausgestattetes Krankenhaus, «zahlreiche Kranke werden mit Zaubertränken und Lotionen geheilt». Ab 1076 werden die Pilgerfahrten verboten: Papst Urban II. ruft auf dem Konzil von Clermont zum Kreuzzug (1096) und zur Befreiung der heiligen Stätten und Jerusalem auf. 9

11 DIE ANFÄNGE Die Eroberung Jerusalems durch die Kreuzritter Jerusalem wird am 15. Juli 1099 erobert. Die Kreuzritter finden Folgendes vor: eine lateinische Kirche; ein Benediktinerkloster; ein von Frauen geführtes Hospiz für Kranke und Pilger; ein von Männern geführtes Hospiz für Kranke und Pilger; medizinisches Know-how auf hohem Niveau; einen Oberverantwortlichen Bruder Gerhard von dem man nicht weiss, ob er Laie oder Mönch war. 10

12 DER AUFSCHWUNG Kreuzzüge Unterstützung der Kreuzfahrerstaaten Finanzielle Macht Anerkennung des medizinischen Know-hows Militärischer Orden Anstieg der Mitgliederzahl Rechtliche Konsekration Organisation der Herrschaft Organisation der Gebiete Verpflichtungen eines Ritters 11

13 DER AUFSCHWUNG Die Kreuzzüge Die Entwicklung und der Erfolg des Ordens erklären sich vor allem durch die Kreuzzüge und durch die Entstehung der Kreuzfahrerstaaten: enorme Präsenz der Franken; Zustrom der Pilger; Zufluss von Geldern; neue Mitglieder (viele davon Ritter); Unterstützung durch das Papsttum; Akzeptanz der Herrschaft auf Zeit. 12

14 DER AUFSCHWUNG Unterstützung der Kreuzfahrerstaaten Der Legende nach hat der Gründer des Ordens, Bruder Gerhard, den Kreuzrittern während der Belagerung Jerusalems geholfen. Zahlreiche Pilger und Kreuzritter werden dank der hervorragenden Pflege durch die Hospitaliter geheilt. Godefroy de Bouillon vermacht dem Orden im Jahr 1099 als Zeichen seiner Dankbarkeit zwei Lehen. Die Unterstützung der Kreuzfahrerstaaten wird später durch die den Hospitalitern übertragene militärische Mission gestärkt. 13

15 DER AUFSCHWUNG Finanzielle Macht Die Kunde von den Verdiensten des Ordens verbreitet sich nach der Rückkehr der ersten Kreuzritter im Westen schnell. Als Folge davon erhält der Orden: Spenden von verschiedenen Seiten (Könige, Gutsherren, Privatpersonen...); zahlreiche Privilegien (Steuerbefreiung). Der Orden umfasst nun ein grosses Gebiet. Dank der päpstlichen Anerkennung von 1113 nimmt der Spendenfluss noch zu. Dank seiner Besitzungen kann der Orden sein Netz an Krankenhäusern entlang der Pilgerstrassen nach und nach ausbauen. 14

16 DER AUFSCHWUNG Anerkennung des medizinischen Know-hows Der Orden baut zahlreiche weitere Hospitäler im Heiligen Land, in welchem es bis zu diesem Zeitpunkt kaum gesundheitliche Einrichtungen gab. Im Jahre 1160 zählt der Deutsche Pilger Johann von Würzburg knapp 2000 Kranke, und um 1180 hält ein gewisser Theokrit fest: «Südlich des Heiligen Grabes erheben sich die Kirche und das Krankenhaus des Heiligen Johannes des Täufers, und Worte allein reichen nicht aus, um zu beschreiben, wie schön diese Gebäude sind, wie gut sie ausgestattet sind mit Räumen und Betten für die armen Kranken, und mit welcher Sorgfalt jene gepflegt werden... Wir sind durch den gesamten Palast geschritten und es war uns nicht möglich, festzustellen, wie viele Kranke dort gepflegt werden. Aber es muss über 1000 Betten gegeben haben.» 15

17 DER AUFSCHWUNG Militärischer Orden Gezwungenermassen wird der Orden militärisch: Die Könige von Jerusalem benötigen eine konstante Armee: Ziel ist es, einen Teil der Kreuzritter in eine Armee der Könige zu überführen. Die Betreuung der Pilger bleibt vorrangig, doch muss auch sichergestellt werden, dass sie nach ihrer Landung gesund und wohlbehalten in Jerusalem ankommen, denn die Wege sind zu dieser Zeit sehr unsicher. Im Jahre 1118 entsteht der Orden der Armen Soldaten Christi (Templerorden: ein ausschliesslich militärischer Orden). Ab dem Jahre 1120 gewinnt der Orden unter Raimund von Puy, dem Nachfolger von Gerhard, an Bedeutung. Der Orden wird militärisch. 1137: Fulko der Erste, König von Jerusalem, überträgt dem Orden die Verteidigung der Burg von Bath Gibelin. 1142: Raimund von Tripolis tritt seine Rechte an den verlorenen Ländereien im Norden von Jerusalem den Hospitalitern ab. Mit deren Rückeroberung gelangen sie in den Besitz der berühmten Kreuzfahrerburg «Krak des Chevaliers». Die Hospitaliter bekämpfen alle: Ottomanen, Kurden, Araber aus Ägypten und dem Libanon, Mongolen... 16

18 DER AUFSCHWUNG Anstieg der Mitgliederzahl Die Vorstellung vom Mönch als Soldat als Antithese zum meditativen Klostermönch fand umgehend Anklang und neue Rekruten strömten aus den christlichen Ländern Europas herbei. Die Gemeinschaft entwickelt und strukturiert sich. 17

19 DER AUFSCHWUNG Rechtliche Konsekration 1113: Papst Paschalis II. anerkennt den Status der Hospitaliter; die Gemeinschaft wird zum hospitalischen Ritterorden des Heiligen Johannes von Jerusalem. «Paschalis, Bischof, Diener aller Diener des Herren, an seinen ehrwürdigen Sohn Gerhard, Gründer und Leiter des Hospitals in Jerusalem, und an seine legitimen Nachfolger, solange es solche geben wird. Eure fromme Bitte wird grosszügigst erfüllt; Euer von Euch gegründetes Hospital nahe der Johanneskirche in der Stadt Jerusalem wird unter den Schutz des apostolischen Stuhls sowie unter die Schirmherrschaft des Apostels Petrus gestellt. Wir, für welche die in Eurem frommen Krankenhaus gebotenen Dienste einem wahren Segen entsprechen, bewilligen Euer Gesuch mit väterlichem Wohlwollen und verordnen daher mit diesem Dekret, dass Euer Hospital, ein wahres Gotteshaus, zugleich unter den Schutz des apostolischen Stuhls und des Heiligen Petrus gestellt wird...» 18

20 DER AUFSCHWUNG Rechtliche Konsekration (Fortsetzung) Wichtigste Bestimmungen der päpstlichen Bulle: Autonomie: Der Orden untersteht weder einem Fürsten noch einem Bischof, sondern direkt dem Papst. Das Recht, den Nachfolger Gerhards frei zu wählen, ohne Einmischung kirchlicher oder weltlicher Autoritäten. Zusätzlich zu den drei traditionellen klösterlichen Gelübden wird das Gelübde der Hospitalität eingeführt, welches den Grundsatz des Ordens bildet. Erlassung der Zehntenabgabe auf den Ländereien. Das Recht, von Ländereien Anderer einen Zehnten zu verlangen. Eigentumsgarantie über alle Güter und Vermögen, die sie aus dem Orient und Okzident erhalten haben oder erhalten werden. 19

21 DER AUFSCHWUNG Organisation der Herrschaft Vollmitglieder: Die Ritter (später «Rechtsritter» genannt): Durch ihre Abstammung oder ihren vorgängigen Status sind sie dazu berufen, Waffen zu tragen (ab dem Jahre 1266 gilt dies als Beweis für adlige Abstammung); die Kaplane: Sie richten die Messen aus und sind für die Seelsorge verantwortlich; die Waffendiener: niederrangige Ritter und Hospitaliter. Ehrenmitglieder: Die Ehrenmitglieder: Laien (legen kein Gelübde ab). Sie sind Ordensmitglieder aus Überzeugung. Ihre Anzahl steigt stetig an, weshalb im 14. Jahrhundert die Aufnahme auf Adlige beschränkt wird (später «Ehrenritter» genannt). 20

22 DER AUFSCHWUNG Organisation der Herrschaft Ein Oberhaupt. Gewählt auf Lebzeiten und souverän, seit 1267 Herrenmeister genannt (gemäss eines päpstlichen Erlasses). Ein Kapitel. Im Fall einer ernsthaften Krise versammelt es auf Initiative des Herrenmeisters die Würdenträger. Es trifft Entscheidungen und darf selbst die Statuten ändern. Ein Generalrat. Er unterstützt den Herrenmeister und besteht aus Vögten und Repräsentanten aller Zungen. Innerhalb des Rates gibt es eine spezielle Aufteilung der Aufgaben: Grossmarschall Grosshospitalier Grosser Quartiermeister Grossvogt (für die Festungen) Grosskanzler Verwalter des gemeinsamen Vermögens 21

23 DER AUFSCHWUNG Organisation der Gebiete Hospiz (vgl. unsere Subkommenden!) Kommende / Genossenschaft Balley Priorat Grosspriorat Beispiele: in Frankreich gab es 27 Priorate und 6 Grosspriorate; in Deutschland gab es 12 Priorate und 1 Grosspriorat. 22

24 DER AUFSCHWUNG Organisation der Gebiete (Fortsetzung) Die Zungen: Einteilung nach Nationen (genannt «Zungen», entstanden 1301) Beispiel: Die deutsche Zunge umfasste die Grosspriorate: Deutschland (gegründet 1187) Ungarn (1217) Böhmen (1182) Polen Dänemark Schweden Dakien (1268) Diese Einteilung ist über Jahrhunderte hinweg unverändert geblieben. 23

25 DER AUFSCHWUNG Verpflichtungen eines Ritters Ablegen der drei klösterlichen Gelübde (Armut, Keuschheit, Gehorsam). Einsatz für unsere «Herren, die Kranken» (Hospitalitergelübde). Bewaffneter Kampf gegen die Feinde des Glaubens (militärisches Gelübde). Andere Verpflichtungen (Auszug): niemals die Waffen gegen ein christliches Land richten; niemals das Banner senken, um Unterkunft bitten, zurückweichen oder sich ergeben; keine Schulden machen. 24

26 DIE MILITÄRISCHE MACHT ( ) Chronologie Die Entwicklung des Ordens 25

27 DIE MILITÄRISCHE MACHT ( ) Chronologie 1291 Rückzug aus Palästina nach der Niederlage von Akra, Niederlassung in Zypern, wo bereits zahlreiche Kommenden des Ordens existieren. Entschluss, auf See gegen die Muselmanen zu kämpfen, um ihr Vordringen zu stoppen; vorübergehender Verzicht auf die ursprüngliche Idee, das Heilige Land zurückzuerobern. Entwicklung karitativer Aktivitäten, um die Vermögen der Kommenden sinnvoll einzusetzen. Der Papst erlaubt dem Orden, die Schiffe militärisch auszurüsten (1306) / 1310: Eroberung Rhodos (35 Ritter, 2 Galeeren, 4 Schiffe); Ausarbeitung eines Plans für künftige Bauten: - Festungsanlagen, Hospitäler etc. Der Orden wird zum souveränen Staat. 26

28 DIE MILITÄRISCHE MACHT ( ) Chronologie (Fortsetzung) 1312 Auflösung des Templerordens; Clemens V. überträgt den Hospitalitern die Besitztümer der Templer Sultan Süleyman besetzt die Insel Rhodos. Bis 1530 Entwicklung der Flotte; zahlreiche Gefechte gegen die Ottomanen und die Ägypter sowie gegen die nordafrikanischen Berber. 27

29 DIE MILITÄRISCHE MACHT ( ) Chronologie (Fortsetzung) 1530 Kaiser Karl V. tritt dem Johanniterorden die Insel Malta ab; Errichtung gewaltiger Festungsbauten (Nach dem Modell «Rhodos») Belagerung Maltas durch die Türken. Sieg des Ordens: Die Nachricht dieses Sieges verbreitet sich in den westlichen Ländern schnell, da zahlreiche Könige zuvor beunruhigt auf den unaufhaltsamen Vormarsch der Türken in Richtung ihrer eigenen Gebiete geblickt hatten Seeschlacht von Lepanto, in welcher der Orden eine wichtige Rolle spielt; der Sieg markiert das Ende des türkischen Vormarsches; der finanzielle Reichtum, die militärische Macht und das Prestige des Ordens erleben ihren Höhepunkt. 28

30 DIE MILITÄRISCHE MACHT ( ) Die Entwicklung des Ordens Entwicklung des medizinischen Know-hows: Das erste Krankenhaus auf Rhodos erlangt einen ausgezeichneten Ruf; das medizinische Wissen der Hospitaliter hat vom Einblick in die arabische Medizin, den sie während zwei Jahrhunderten im Heiligen Land gewinnen konnten, stark profitiert. In Rhodos können sie ihre neuen Techniken anwenden: - Einzelbetten werden eingeführt; - diese werden durch Vorhänge voneinander getrennt, um den Kranken ausreichend Ruhe zu gewähren; - die Bettwäsche wird dreimal pro Woche gewechselt; - Benutzung von Silbergefässen gegen die Ausbreitung von Keimen; - wichtige prophylaktische Massnahmen, um Ansteckungen zu vermeiden (isolierte Zimmer, gründliches Waschen bei der Einlieferung, Einführung von Quarantänen). Kultivierung von Heilpflanzen und Herstellung von Medikamenten. 29

31 DIE MILITÄRISCHE MACHT ( ) Die Entwicklung des Ordens (Fortsetzung) Die wichtigsten Errungenschaften des Ordens auf Malta sind: Errichtung einer chirurgischen und einer pharmazeutischen Schule (10 Jahre Studium); Durchführung von Sezierungen (trotz Verbot durch die Kirche); exzellenter Ruf für erfolgreiche Operationen des Grauen Stars. Durch das Erlangen der militärischen Macht auf See hat sich der Orden Folgendes zur Aufgabe gemacht: Beschützen von europäischen Handelsschiffen; Befreien von christlichen Gefangenen (oft durch Freikauf). 30

32 SPALTUNG UND NIEDERGANG ( ) Der Malteserorden Malta, der strategische Einsatz Die Balley Brandenburg Der Vergleich von Heimbach Die Reformation England 31

33 SPALTUNG UND NIEDERGANG ( ) Der Malteserorden Die Zeit des militärischen Ruhmes an Land und auf See ist vorbei (Schwächung der Türken); dies führt zu einem progressiven Niedergang der militärischen Macht des Ordens auf See. Der religiöse Geist weicht der Vergnügungslust und der Frivolität (Karnevals, Spiele, Musik, Theater). Aufgrund katastrophaler Finanzverwaltung durchlebt der Orden eine finanzielle Krise: Die Reserven schwinden. Das medizinische Niveau der Krankenhäuser sinkt. 32

34 SPALTUNG UND NIEDERGANG ( ) Malta, der strategische Einsatz Politische Gründe beschleunigen den Niedergang des Ordens zusätzlich. Aus strategischen Gründen haben sowohl das Königreich von Neapel als auch England und Russland einen Blick auf Malta geworfen. Am 10. September 1792 erklärt die französische Nationalversammlung alle Besitztümer des Ordens zu Nationaleigentum. Dies bedeutet eine finanzielle Katastrophe für den Orden aufgrund der grossen Bedeutung der französischen Gebiete (der Orden verliert 70% seiner Einkünfte). Der Grossmeister Ferdinand von Hompesch wendet sich an Russland, worauf Zar Paul I. ihm die Zusage erteilt, Schirmherr des Ordens zu werden. Frankreich reagiert: Napoleon erobert die Insel Malta am 10. Juni Im Jahr 1800 wird Malta von Admiral Nelson eingenommen. 33

35 SPALTUNG UND NIEDERGANG ( ) Die Balley Brandenburg Der Papst übergibt dem Johanniterorden alle Besitztümer der Templer, insbesondere die grossen Besitztümer in Brandenburg. Beginn eines Konflikts rund um den Grossmeisters Villaret; die Ritter fordern seine Absetzung und wählen einen neuen Grossmeister: Maurice de Pagnac. Der Papst greift in den Konflikt ein, indem er Villaret seine Rechte zurückgibt: Die Ritter von Brandenburg lehnen den Entscheid ab, verlassen Rhodos und ziehen sich nach Sonnenburg zurück, eine alte Templerkommende, welche in den Besitz des Ordens übergegangen war (Preussen). Die Ritter gründen die Balley Brandenburg und wählen einen weltlichen Herrenmeister, dem sie den Eid leisten und welcher die Kommendatoren ernennt. Die Balley kommt unter den Schutz des Markgrafen von Brandenburg. 34

36 SPALTUNG UND NIEDERGANG ( ) Die Balley Brandenburg (Fortsetzung) 1366 Ordenskapitel zu Avignon: Beschluss, einige Kommenden abzutreten, um mit dem Geld Projekte auf Rhodos zu finanzieren und die Besitztümer der Templer zurückzuerlangen, namentlich in Frankreich, wo der König eine kostenlose Übertragung abgelehnt hatte. Das Kapitel verkauft Besitztümer in Pommern und erwägt, sich auch von den Kommenden in Brandenburg zu lösen Aufstand aller Ritter in Brandenburg, die sich weigern, den Instruktionen des Grossmeisters zu folgen; Verhandlungen Der Grossmeister sieht sich gezwungen, eine Halbunabhängigkeit Brandenburgs anzuerkennen; er unterzeichnet den Vergleich von Heimbach, der die Sonderstellung der Balley Brandenburg innerhalb des Ordens anerkennt. 35

37 SPALTUNG UND NIEDERGANG ( ) Der Vergleich von Heimbach die Balley Brandenburg wird als Einheit anerkannt; die Balley darf ihr Oberhaupt frei wählen (genannt Herrenmeister); sie wird von jeglichen Abgaben befreit; der Orden sieht davon ab, die Besitzrechte, die der Balley gehören, zu verkaufen. Als Gegenleistung: muss die Nominierung des Herrenmeisters vom Orden und vor allem vom Grossprior von Deutschland abgesegnet werden; bleiben sowohl die Ritter als auch der Herrenmeister der Gehorsamspflicht in allen anderen Bereichen unterstellt; hat der Grossprior von Deutschland ein Besuchsrecht für die Einrichtungen des Ordens; beschränkt sich die finanzielle Beteiligung auf eine jährliche Pauschale von 324 Gulden. 36

38 SPALTUNG UND NIEDERGANG ( ) Die Reformation 1415 Der Herrenmeister huldigt den Kurfürsten von Brandenburg Der Kurfürst von Brandenburg nimmt die Reformation an; die Balley folgt nach; der Grossprior von Deutschland protestiert, doch besitzt er nicht genügend Autorität, um die Entwicklung aufzuhalten Frieden von Augsburg. Die Unabhängigkeit der Balley wird anerkannt. 37

39 SPALTUNG UND NIEDERGANG ( ) Die Reformation (Fortsetzung) 1648 Westfälischer Friede: Die Situation der Balley wird neu geregelt: - sie erkauft sich ihre totale Unabhängigkeit für 2500 Florin Gold; - die Mitglieder der Balley übertragen ihre Treuepflicht auf den Markgrafen von Brandenburg; - sie erhält die Bezeichnung Evangelischer Johanniterorden oder Johanniterorden; - sie wählt ihre eigenen Grossmeister aus den Prinzen des Hauses Hohenzollern Friede von Tilsit: Napoleon zwingt Preussen eine Zahlung in Höhe von 240 Millionen Franken auf Der König von Preussen beschliesst, die Besitztümer der Kirche, inklusive diejenigen der Balley, zu konfiszieren, um diese Summe bezahlen zu können; die Balley Brandenburg wird aufgelöst und durch einen Verdienstorden ersetzt. 38

40 SPALTUNG UND NIEDERGANG ( ) England Von Anfang an entstanden in England Kommenden. Die Englische Zunge wird bereits anfangs des 12. Jahrhunderts gegründet und umfasst drei Priorate (England, Schottland und Irland). Zu Beginn der Reformation versucht Henri VIII., die Besitztümer des Ordens zu konfiszieren; er lässt vier Ritter umbringen, die sich geweigert haben, ihn als Oberhaupt der Kirche anzuerkennen. Im Jahr 1560 konfisziert Elisabeth I. die Besitztümer, die noch nicht beschlagnahmt waren. Der Orden wird allerdings in England nicht verboten. Das Grosspriorat hat über die darauf folgenden Jahrhunderte hinweg keine reelle Existenz; die meisten englischen Ritter, einige von ihnen Anglikaner, schliessen sich verschiedenen französischen Prioraten an. 39

41 DER WIEDERAUFSCHWUNG Der Malteserorden Der Johanniterorden Most Reverend Order of Saint John 40

42 DER WIEDERAUFSCHWUNG Der Malteserorden 1800 ab ab 1860 Rückzug nach Rom, der Orden dämmert lange Zeit vor sich hin; wenig Geld, dafür zahlreiche Ritter, die durch die Revolution und die verschiedenen Konfiszierungen ruiniert sind. Der Orden versucht, durch die Verleihung von Ehrenabzeichen und Würdeauszeichnungen neues Geld einzunehmen. LLLLLL Wiederherstellung der Grosspriorate. LLLLLL Der Papst überlässt dem Orden ein Kloster und eine Kirche in Ferrara. LLLLLL Der Orden lässt sich in Rom nieder. LLLLLL Bildung nationaler Verbände, welche die Struktur der Priorate und Grosspriorate ersetzen. LLLLLL Ernennung eines Grossmeisters, nachdem das Amt fast 70 Jahre lang unbesetzt blieb

43 DER WIEDERAUFSCHWUNG Der Malteserorden (Fortsetzung) Gleichzeitig erlebten die Hospitalmissionen einen neuen Aufschwung: erstes Krankenhaus im Jahr 1840; Teilnahme an bewaffneten Konflikten ab dem Jahr 1860; diese Periode ist geprägt durch eine Auffrischung der Bestände durch mehrheitlich nicht dem geistlichen Stand angehörende Mitglieder. 42

44 DER WIEDERAUFSCHWUNG Der Johanniterorden Im Jahre 1852 gründet König Friedrich Wilhelm IV. wieder einen Orden unter dem Namen «evangelischer Johanniterorden». Indem alle noch lebenden Mitglieder des Ordens wiedervereinigt werden (8 Greise), knüpft er an die früheren Traditionen an. Der Orden verpflichtet sich zu einem Doppelauftrag: Eintreten für den Glauben und Einsatz für den Kranken und Hilfsbedürftigen. Der Bruder des Königs wird zum Herrenmeister gewählt. Der Orden engagiert sich zunehmend im diplomatischen, karitativen und medizinischen Bereich: Mitbegründung des IKRK; Krankenhäuser (Berlin, Sonnenburg); Einsatz während kriegerischer Konflikte; Gründung der Johanniter-Schwesternschaft; Krankenhauszüge während des Ersten Weltkrieges. 43

45 DER WIEDERAUFSCHWUNG Most Reverend Order of Saint John Die nach 1820 erfolgten Bemühungen, das englische Priorat wiederherzustellen, kollidieren mit der religiös begründeten Feindseligkeit des Papstes (der Grossteil der Ritter ist anglikanischen Glaubens). Der Grossprior von England verzichtet auf ein Mitwirken in sämtlichen ausländischen Verbindungen und beschliesst, nur noch auf nationaler Ebene aktiv zu sein. Er sieht sich als legitimen Nachfolger der englischen Zunge, jedoch ohne direkten Bezug zum Orden in Rom. Deshalb zieht er einen autonomen Orden für seine Ritter vor. Dies stösst beim Malteserorden auf heftigen Widerstand; der englische Orden wird als Falscher Orden betrachtet. Im Jahre 1888 gibt Königin Viktoria dem Orden eine königliche Charta und der Fürst von Wales, der spätere Eduard VII., wird zum Grossprior von England ernannt. Gegenwärtig wird dieser Posten vom Herzog von Gloucester, einem Onkel der Königin Elisabeth II., besetzt. Der britische Orden hat seit seiner Gründung ordensspezifische und medizinische Ziele verfolgt: Gründung der «Saint John s Ambulance Association»; Gründung der «Saint John s Ambulance Brigade» (Erste Hilfe für Verunfallte); Gründung des «Saint-John Jerusalem Hospital». 44

46 DER ORDEN HEUTE Entwicklungen Der Orden und der Nationalsozialismus Die Schwierigkeiten des Ordens nach dem Zweiten Weltkrieg 45

47 DER ORDEN HEUTE Entwicklungen Anstieg der Bestände; Geographische Ausdehnung; Rückbesinnung auf ordensspezifische Tätigkeiten; Diversifikation der Tätigkeitsbereiche; Beträchtliches Wachstum der Organisationen; Annäherung der einzelnen Orden. 46

48 DER ORDEN HEUTE Spezifische Probleme der Balley Brandenburg des Johanniterordens Der Orden und der Nationalsozialismus: Der Orden als Institution stellte sich nicht offiziell gegen das Naziregime; zahlreiche Mitglieder sahen das nationalsozialistische Gedankengut jedoch als Widerspruch zu ihren Ordensgrundsätzen und wehrten sich viele von ihnen auch aktiv gegen das Naziregime. 47

49 DER ORDEN HEUTE Die Schwierigkeiten des Ordens nach dem Zweiten Weltkrieg Der Orden verlor zahlreiche Mitglieder. Der Orden verlor einen Grossteil seiner Einrichtungen (Ostdeutschland, Polen). Der Orden wurde von der englischen Besatzung verboten. Es ist dem Einsatz der Schweizerischen Kommende sowie dem Wohlwollen des englischen Ordens zu verdanken, dass der Johanniterorden die offizielle Genehmigung erhielt, seine Tätigkeiten wieder aufnehmen zu dürfen. 48

50 II. TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS INHALTSÜBESICHT Präsentation Traditionen und Werte innerhalb des Johanniterordens Historische Gestalten Texte mit zentraler Bedeutung für den Orden Abzeichen Der Ordenspatron Johannes der Täufer 49

51 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Präsentation Kenntnis der Ordensgeschichte ist zentral, um folgende Fragen beantworten zu können: Wie ist die Wesensart unseres Ordens? Was ist sein eigentlicher Sinn? Welche Botschaft möchte er vermitteln? Nur eine klare Vorstellung unserer eigentlichen Identität kann unsere Entscheidungen lenken und unseren Tätigkeiten die nötige Kohärenz verleihen. In diesem Zusammenhang stellt sich eine weitere Frage: Wie gelingt es unserem Orden, sich trotz Anpassung an die heutigen Bedingungen in eine tausendjährige Tradition einzufügen? Sich für unseren Orden einsetzen heisst, ihn am Leben erhalten: Der Orden muss die notwendigen Anpassungen vornehmen, um auch in Zukunft neue Herausforderungen annehmen zu können. 50

52 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Der Johanniterorden im Laufe der Geschichte Ein Orden Christlich Weltlich Hospitalisch Exempt Adlig Ritterlich Souverän Militärisch 51

53 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Ein Orden Am Anfang eine einfache informelle Gruppierung mit der Struktur einer Gemeinschaft. Päpstliche Anerkennung in zwei Schritten: 1113: Gemeinschaft der Hospitaliter; 1120 (?): religiöse Gemeinschaft. Der Johanniterorden war gleichzeitig ein religiöser und ein weltlicher Orden. Nach dem Kirchenrecht war er ein exempter Orden. Er verfolgte sowohl ordensspezifische (hospitalische) als auch militärische Ziele. 52

54 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Ein Orden Der Malteserorden heute: Der Malteserorden ist ein kirchlicher Orden; er steht unter dem direkten spirituellen Schutze des Papstes; der Grossmeister ist ein geistliches Oberhaupt: Die katholische Kirche verleiht ihm den Rang eines Kardinals; der Papst ernennt einen Kardinal, der den Titel cardinalis patronus (Kardinal-Patron) trägt. Er repräsentiert ihn im Orden; der Papst ernennt auch einen Ordensprälaten. 53

55 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Ein Orden Die Merkmale eines Spitalordens sind: Doppelauftrag: Eintreten für den Glauben und Einsatz für den Hilfsbedürftigen; geschlossene Gesellschaft (Aufnahme- und Ausschlussverfahren); Bruderschaft; Gemeinschaftsarbeit (Studium, Andacht, ordensspezifische Einsätze); persönlicher Einsatz (welcher dem religiösen Grundsatz entspringt); Ordensregel; hierarchische Organisation. 54

56 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Ein Orden Was der Orden nicht ist: ein diakonischer Dienst einer Kirche; ein karitativer Klub (Rotary ); ein Herrenklub (Jockey Club ); ein Verdienstorden (wie z.b. die Ehrenlegion, der Hosenbandorden etc.). 55

57 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Ein christlicher Orden Der Orden dient dem Herrgott, indem er: die spirituelle Entwicklung seiner Mitglieder fördert; für Gottes Ruhm eintritt; seinem Nächsten hilft. 56

58 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Ein Orden weltlicher Mitglieder Die Gemeinschaft der Hospitaliter des Heiligen Johannes war zu Beginn rein weltlichen Charakters. Erst um 1120 herum wurde der Orden religiös. Weltliche Elemente blieben daher bis heute neben religiösen Grundsätzen bestehen. Der Johanniterorden ist ein weltlicher Orden: Da der Protestantismus das Mönchstum strikt ablehnt, gibt es unter den Ordnensmitgliedern auch keine Mönche. 57

59 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Ein Spitalorden Die päpstliche Bulle von 1113 gebietet der Vereinigung das Ordensgelübde, welches ihr ihren eigentlichen Charakter verleiht. In Jerusalem hat der Orden seinen Auftrag von Anfang an auf zwei Gebiete im Dienste der Pilger ausgerichtet: Unterkunft; medizinische Versorgung. Dieser Auftrag hat sich bis heute gehalten, und die Hilfe wurde auf alle Hilfsbedürftigen ausgeweitet: Kranke; benachteiligte Familien; Randständige; Personen mit Behinderungen und Menschen, die auf fremde Hilfe angewiesen sind; Opfer bewaffneter Konflikte; Opfer von Naturkatastrophen. 58

60 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Ein exempter Orden Ein exempter Orden ist ein Orden, der nicht von Bischöfen kontrolliert wird, sondern direkt dem Papst unterstellt ist. Ein exempter Orden genoss daher eine grosse Unabhängigkeit; der weltliche Klerus im Orient hat diese Sonderstellung des Ordens, der den Ruf einer «Kirche innerhalb der Kirche» erlangt hatte, heftig kritisiert. 59

61 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Ein adliger Orden Als ritterlicher Orden wurde der Orden aufgrund der mit dieser Form von Verbindungen einhergehenden militärischen Tätigkeiten zum adligen Orden. Um Ritter zu werden, musste man seine adlige Abstammung nachweisen können; die Aufnahme in den Orden wiederum, namentlich der Ritterschlag, machte die Mitglieder automatisch zu Rittern. Ab dem Jahre 1270 wurde die adlige Herkunft zur Grundvoraussetzung für die Aufnahme im Orden. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde dieses Aufnahmekriterium jedoch in fast allen Orden wieder abgeschafft. Dieses Aufnahmekriterium ist mittlerweile der Voraussetzung des «Adel des Herzens und des Charakters» gewichen. 60

62 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Ein Ritterorden Zu Beginn des 11. Jahrhunderts erarbeitete die Kirche für das moralische Verhalten ein Modell, welches die Rechtfertigung der militärischen Aktivitäten der Aristokratie zum Ziel hatte. So sind es diese von der Kirche eingeführten Kriterien ritterlichen Verhaltens, welche die Definition eines «christlichen Soldaten» ermöglichten, was wiederum erst die Voraussetzung für die Bildung einer Adelsgemeinschaft schuf. Die traditionellen Werte des Ritterstandes sind: Mut; Kraft; Treue; Ehrgefühl. Zu ihnen gehören auch die Kardinaltugenden (Klugheit, Tapferkeit, Mässigung, Gerechtigkeit). Die Kirche hat dem Rittertum eine religiöse Prägung verliehen. Der Ritter wurde ein frommer Held, der die kirchlichen Personen und Güter beschützen muss, sowie die Schwachen, Armen und Waisen; dessen oberstes Ziel der Kampf gegen den Unglauben ist. 61

63 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Ein souveräner Orden Nachdem sich der Orden 1310 in Rhodos niedergelassen hatte, übernahm er von Beginn an die Strukturen eines souveränen Staates. Diese Souveränität behielt er auch auf Malta bis zum Jahr Diese Souveränität wird ihm auch heute noch zugesprochen, obwohl der Orden keinerlei Ländereien mehr besitzt. Die Balley Brandenburg hat nie den Status eines souveränen Staates als solcher erlangt. 62

64 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Ein militärischer Orden Weil sie sich die Pflege der Armen zum Grundsatz genommen hatten, sahen sich die Hospitaliter gezwungen, zu den Waffen zu greifen. Diese Erweiterung der Funktion erforderte eine Anpassung der Regeln, welche von Raimund von Puy im Jahre 1135 vorgenommen wurde. Bis zu seinem Tod 1160 definierte er die Rolle des Ordens neu: Die bewaffnete Verteidigung der christlichen Königreiche im Orient um jeden Preis. Der militärische Charakter des Ordens verstärkte seine Autonomie. Der Johanniterorden ist heute kein militärischer Orden mehr. Der kämpferische Charakter hat sich jedoch in Form von Disziplin und Mut bis heute erhalten: Manchmal ist es in der Tat schwieriger, den Kranken Hilfe leisten zu können als Krieg zu führen. 63

65 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Historischer Charakter Internationaler Charakter Seit seiner Gründung ist der Orden wie eine internationale Institution organisiert. Der Grund dafür ist, dass er nicht lokalen Bischöfen, sondern stets direkt dem Papst unterstellt war. Offene Türen Das Modell des Johanniter-Hospizes hat deshalb die Wirren der Zeit überstanden, weil seine Türen allen offen standen: Christen, Juden, Muselmanen... Im Hospiz in Jerusalem wurden auch «Exkommunizierte und Ausgestossene» gepflegt. Neutralität Der Orden hat stets seine Unabhängigkeit gegenüber den regierenden Mächten der jeweiligen Zeiten bewahrt. Es war allein diese Neutralität, die es dem Orden ermöglichte, über die Jahrhunderte hinweg zu überleben. Noch heute erlaubt sie dem Johanniterorden, überall auf der Welt Hilfe zu leisten, unabhängig von der Religion oder der politischen Situation in den betroffenen Ländern. 64

66 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Historischer Charakter (Fortsetzung) Vortrefflichkeit (Excellence) Auf globaler und militärischer Ebene hatten die Werte des Ordens immer einen exemplarischen Charakter: Diese Tradition der Vortrefflichkeit soll dem Ruf des Ordens auch in Zukunft erhalten bleiben. Anpassung Der Orden und seine Mitglieder haben sich seit jeher dazu berufen gefühlt, gegen die Armut auf dieser Welt anzutreten. Dies hat die Johanniter immer wieder dazu gezwungen, sowohl die Strukturen und Strategien des Ordens als auch die Möglichkeiten, Notlagen zu bekämpfen, den jeweiligen Zeiten und Gegebenheiten anzupassen. «Modern durch Tradition» ist eine der Devisen des Ordens. Sie steht für die tiefe Verwurzelung in der tausendjährigen Tradition, in der die Bekämpfung des Leidens an vorderster Front schon immer eines der wichtigsten Prinzipien gewesen ist. 65

67 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Texte mit zentraler Bedeutung für den Orden Matthäus 25, 35-40: «Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.» Das Christentum, welches in jedem von uns ein Abbild Christi sieht, liefert eine klare Vorstellung bezüglich der Würde des Menschen. Nach diesem Grundsatz eines christlichen Ordens lehren auch wir unseren Mitgliedern, das Abbild des leidenden Christus in all jenen zu erkennen, die physischen oder seelischen Qualen ausgesetzt sind. 66

68 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Texte mit zentraler Bedeutung für den Orden (Fortsetzung) Der Epheserbrief, Kapitel 6, Verse 10 bis 17 «Übrigens, Brüder, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Ziehet an die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr zu bestehen vermöget wider die Listen des Teufels. Denn unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut, sondern wider die Fürstentümer, wider die Gewalten, wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis, wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern. Deshalb nehmet die ganze Waffenrüstung Gottes, auf dass ihr an dem bösen Tage zu widerstehen und, nachdem ihr alles ausgerichtet habt, zu stehen vermöget. Stehet nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, und angetan mit dem Brustharnisch der Gerechtigkeit, und beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens, indem ihr über das alles ergriffen habt den Schild des Glaubens, mit welchem ihr imstande sein werdet, alle feurigen Pfeile des Bösen auszulöschen. Nehmet auch den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches Gottes Wort ist.» 67

69 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Texte mit zentraler Bedeutung für den Orden (Fortsetzung) Die Seligpreisungen (Matthäus 5,1-10): «Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen. Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.» 68

70 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Texte mit zentraler Bedeutung für den Orden (Fortsetzung) «Tuitio fidei» und «Obsequium pauperum» Raimund von Puy, der Nachfolger des Gründers, erweiterte die Verpflichtungen eines Ritters um ein viertes Gelübde: die Brüder hatten nun auch den bewaffneten Schutz der Pilger und somit der Religion zur Pflicht. «Ein Ordensritter ist einzig Soldat Jesu Christi, und wenn ihn die Umstände nicht gerade dazu zwingen, die Waffen im Dienste der Religion zu ergreifen, dann ist er mit der Pflege der Armen und Kranken beschäftigt: denn genau dies ist die Aufgabe dieses Ordens und die Pflicht jedes einzelnen Ordensritters.» 69

71 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Texte mit zentraler Bedeutung für den Orden (Fortsetzung) «Unsere Bruderschaft wird unvergänglich sein, weil der Boden, auf dem diese Pflanze wurzelt, das Elend der Welt ist und weil, so Gott will, es immer Menschen geben wird, die daran arbeiten wollen, dieses Leid geringer, dieses Elend erträglicher zu machen.» (Meister Gerhard) Dies ist der einzige Satz des Gründers, der über die Zeiten hinweg erhalten blieb. Es wird immer Mitglieder des Ordens geben, für welche die Linderung des Elends auf dieser Welt gleichzeitig eine tiefe Überzeugung und eine Hoffnung darstellt. Denn der Johanniterorden ist eine Vereinigung von Menschen, die denjenigen nachhaltige und langfristige Hilfe leisten wollen, die Not leiden. 70

72 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Texte mit zentraler Bedeutung für den Orden (Fortsetzung) Das Ordensgebet «Segne, segne, Herr den Orden! Dir zur Ehre will er dienstbar sein. Sei ihm gnädig, hilfreich immer, Steh ihm bei im Kampf zum Heil. Stärk den Glauben an den Heiland, Der zu Ehren das Kreuz gebracht, Wehr dem Bösen, hilf zum Guten, Dem Schwachen hilf, treu zu sein, Den Schwachen hilf! Herr, höre uns!» 71

73 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Texte mit zentraler Bedeutung für den Orden (Fortsetzung) Die Ordensregel Eine Regel ist kein Gesetz: Sie dient in erster Linie der spirituellen Orientierung, die der Gruppe die Richtung weist. 72

74 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Abzeichen Das Ordenskreuz Das Kreuz symbolisiert die Seligpreisungen; die weisse Farbe des Kreuzes steht für Reinheit; die rote Farbe erinnert an das Blut, das Christus vergossen hat. Der Mantel Der schwarze Mantel erinnert an die Kleidung des Gründers des Ordens. Die Farbe Schwarz ist ein Zeichen für Demut. Der Mantel wurde ursprünglich über der Rüstung getragen, später dann über dem Militärkleid. Der Mantel hat ein weisses Kreuz über dem Herzen. Heute wird der Mantel nur noch an religiösen Zeremonien getragen (mit oder ohne Mantelschnur cingulum ). 73

75 TRADITIONEN UND WERTE DES ORDENS Ordenspatron: Johannes der Täufer Weshalb und wie kann Johannes der Täufer den Einsatz der Ritter inspirieren? Johannes der Täufer verkörpert wie kein Zweiter die Nächstenliebe, den Einsatz für den Glauben und die Ehrfurcht vor Gott. 74

76 ZUSAMMENFASSUNG III. VORSTELLUNG DER VERSCHIEDENEN ORDEN Die fünf Orden Die Eckdaten der fünf Orden Die Allianz der protestantischen Orden Die Zusammenarbeit zwischen dem Malteserorden und der Allianz Weitere Orden Die Falschen Orden 75

77 76 VORSTELLUNG DER VERSCHIEDENEN ORDEN Die fünf Johanniterorden Johanniterorden vom Spital des heiligen Johannes zu Jerusalem 1099 Souveräner Ritterorden vom Hospital des heiligen Johannes von Jerusalem, Rhodos und Malta Balley Brandenburg Johanniterorden i Sverige Johanniterorde in Nederland Reverend Order of Saint-John 1830 / 1888

78 VORSTELLUNG DER VERSCHIEDENEN ORDEN Eckdaten der fünf Orden Malta St. John Balley Brandenburg des Johanniterordens Schweden Holland Mitglieder Damen 400? Funktionäre??

79 VORSTELLUNG DER VERSCHIEDENEN ORDEN Die Allianz der protestantischen Orden Am 13. Juni 1961 wurde auf schweizerische Initiative und in der Schweiz die Urkunde über die Allianz der Johanniterorden unterschrieben. Der Wille, die historischen Zungen wieder einzuführen: Es gab gleichzeitig eine Allianz der vier protestantischen Orden, aber auch die Entstehung einer Allianz der verschiedenen Länder (die ausländischen Kommenden, also Finnland, Österreich, Schweiz, Ungarn und Frankreich). Anerkennung der Autonomie und Unabhängigkeit der einzelnen Orden. Anerkennung einer engen Verbundenheit und: - einer gemeinsamen Geschichte; - der reformierten Konfession; - einer ordensspezifischen Zielsetzung; - des Wunsches, diese Bande durch gemeinsame Tätigkeiten und Bestrebungen zu verstärken. 78

80 VORSTELLUNG DER VERSCHIEDENEN ORDEN JOIN JOIN (steht für: Johanniter International) ist ein Zusammenschluss von Kommenden, Unternehmen und Orden verschiedener Länder, welcher in Brüssel angesiedelt ist und vor allem die Zusammenarbeit in gemeinsamen Hilfsprojekten sicherstellen soll. Sein Ziel: die Allianz gegenüber den einzelnen Staaten und vor allem gegenüber der EU zu repräsentieren; Zusammentragen von Informationen über die jeweiligen Projekte, die Finanzierung und die Aufbereitung dieser Informationen für die Mitglieder; Lobbying betreiben sowie das Sichern von Subventionen und finanzieller Hilfe auf europäischer Ebene. 79

81 VORSTELLUNG DER VERSCHIEDENEN ORDEN Die Zusammenarbeit zwischen dem Malteserorden und der Allianz Die Zusammenarbeit zwischen den Johannitern und dem Malteserorden ist im Rahmen der Allianz der protestantischen Orden organisiert. Alle drei Jahre findet eine Zusammenkunft zwischen der Allianz der evangelischen Johanniterorden und dem Malteserorden statt. Daran nehmen teil: die Mitglieder der Allianz; der Herrenmeister und die Ordensregierung; der Grossmeister und die Ordensregierung des Malteserordens; Die letzten zwei Allianztagungen haben stattgefunden in Rom: 2004 in Dresden:

82 VORSTELLUNG DER VERSCHIEDENEN ORDEN Die Zusammenarbeit zwischen dem Malteserorden und der Allianz (Fortsetzung) Das oberste Ziel ist die Bekräftigung: der gemeinsamen Traditionen und Ziele; der Legitimität jedes Ordens; der gemeinsamen Geschichte. Das zweite Ziel ist der Schutz des Namens sowie der Symbole des Ordens und der Kampf gegen «Falsche Orden». Das dritte Ziel ist die Stärkung der Verbindung zwischen den verschiedenen Orden: durch eine systematische Repräsentation an den wichtigsten Veranstaltungen der jeweiligen Orden; durch gemeinsame Projekte und Aktivitäten. 81

83 VORSTELLUNG DER VERSCHIEDENEN ORDEN Weitere Orden Deutscher Ritterorden Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem 82

84 VORSTELLUNG DER VERSCHIEDENEN ORDEN Die «Falschen Orden» Aktuell sind beinahe 80 Fälle von missbräuchlicher Verwendung der Symbole des Ordens bekannt (sei es die Bezeichnung Johanniter- oder Malteserorden, das Kreuz oder die Bezeichnung Hospitaliter...). Unter diesen 80 Nachahmern sind 29 Organisationen mit internationaler Verbreitung. Darunter befinden sich: 13 mit mafiösem Charakter; 7 mit vermutlich mafiösem Charakter; 9 Organisationen, welche durch die Insinuierung einer mit einem Orden gemeinsamen Entstehung starken Aufwind erhielten. Beispiele für «Falsche Orden»: Johanniterorden zu Jerusalem, aktiv auf der ganzen Welt, umbenannt in Johanniteroden des Heiligen Landes; Grosspriorat der Johanniter zu Jerusalem von Dänemark. Lazarusorden (grünes Kreuz) 83

85 IV Die Balley Brandenburg der Johanniterorden INHALTSÜBERSICHT Struktur Organisation Die Kommenden Werke und Einrichtungen Kommunikation / Information 84

86 DER JOHANNITERORDEN Organigramm Herrenmeister Ordensstatthalter Ordenshauptmann Ordenskapitel Ordensregierung Kommenden 85

87 DER JOHANNITERORDEN Der Herrenmeister Der Herrenmeister steht an der Spitze unseres Ordens. Er ist der gesetzliche Vertreter des Ordens. Er vertritt unsere Tätigkeiten gerichtlich und außergerichtlich. Dr. Oskar Prinz v. Preußen 86

88 DER JOHANNITERORDEN Der Ordensstatthalter Der Ordensstatthalter vertritt den Herrenmeister, falls dieser rechtlich oder tatsächlich an der Ausübung seines Amtes verhindert oder das Amt des Herrenmeisters nicht besetzt ist. 87

89 DER JOHANNITERORDEN Der Ordenshauptmann Der Ordenshauptmann hat sich der Wahrung der Ehre des Ordens in besonderer Weise anzunehmen. Er berät den Herrenmeister in allen Ehrenangelegenheiten und in Rechtsfragen. 88

90 DER JOHANNITERORDEN Die Ordensregierung Gemäß den Weisungen des Herrenmeisters, der Ordensregel, der Satzung und den Beschlüssen des Kapitels führt die Ordensregierung unter Leitung des Ordenskanzlers die Geschäfte des Ordens. Der Ordenskanzler Der Ordenskanzler steht an der Spitze der Ordensregierung und ist ihr Sprecher. Er bestimmt die Richtlinien für die Arbeit der Ordensregierung. Innerhalb dieser Richtlinien üben die Mitglieder der Ordensregierung ihr Amt selbständig aus. Der Ordensdekan Der Ordensdekan legt die Grundsätze für die geistliche Ausrichtung des Ordens fest. Er berät den Herrenmeister und den Ordenskanzler in kirchlichen und theologischen Fragen. Er hält die Verbindung zur Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und unterstützt die Arbeit der verantwortlichen Geistlichen in den Genossenschaften / Kommenden und Werken. 89

91 DER JOHANNITERORDEN Die Ordensregierung Der Ordenswerkmeister Der Ordenswerkmeister vertritt die Interessen des Ordens in seinen Werken, insbesondere in der Johanniter-Unfall-Hilfe und der Johanniter-Schwesternschaft. Der Ordensschatzmeister Der Ordensschatzmeister legt die Grundsätze zur Durchführung des Rechnungs- und Bilanzwesens des Ordens fest. 90

92 DER JOHANNITERORDEN Die Ordensregierung Der Generalsekretär Der Generalsekretär steht der Ordensverwaltung vor. Im Ordensbüro werden insbesondere folgende Tätigkeiten wahrgenommen: Mitgliederbetreuung, Ordensveranstaltungen, Verbindung zu den Genossenschaften/ Kommenden, Finanzverwaltung, Verbindung zu den einzelnen Ordenseinrichtungen. Er wird unterstützt von: dem Beauftragten für Ordensangelegenheiten; dem Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit; dem Beauftragten für die Johanniter-Hilfsgemeinschaft; der Oberin der Johanniter-Schwesternschaft e.v.; dem Präsidenten der Johanniter-Unfall-Hilfe e.v. 91

93 DER JOHANNITERORDEN Das Ordenskapitel Das Kapitel ist das oberste Organ des Ordens. Es setzt sich zusammen aus dem Herrenmeister, dem Ordensstatthalter, den Regierenden Kommendatoren, dem Ordenshauptmann und den Mitgliedern der Ordensregierung. Das Kapitel berät und beschließt über alle das Leben des Ordens bestimmenden Fragen. Die Beschlüsse des Kapitels erhalten Rechtskraft mit der Bestätigung durch den Herrenmeister und in der schweizerischen Kommende nach Genehmigung durch die Ritterversammlung. 92

94 DER JOHANNITERORDEN Die Kommenden / Genossenschaften Der Orden gliedert sich in 23 Kommenden / Genossenschaften: Die Balley ist die Mitte des Ordens, die alle Ritter, die direkt dem Orden unterstellt sind, zusammenfasst (Ordensmitglieder, die in einem Land wohnhaft sind, wo es keine eigenen Kommenden gibt); 13 Kommenden in Deutschland; 4 ausserterritoriale Kommenden, angesiedelt in den ehemals deutschen Gebieten; 5 nicht-deutsche Kommenden (Österreich, Finnland, Frankreich, Ungarn, Schweiz). 93

95 DER JOHANNITERORDEN Die Deutschen Kommenden 1. Die Kommende der Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem mit ihren Subkommenden in Europa und Übersee 2. Schleswig-Holsteinische Genossenschaft 3. Hamburgische Kommende 4. Mecklenburgische Genossenschaft 5. Hannoversche Genossenschaft 6. Brandenburgische Provinzial-Genossenschaft 7. Provinzial-Sächsische Genossenschaft 8 8. Westfälische Genossenschaft 9 9. Rheinische Genossenschaft 10. Hessische Genossenschaft 11. Sächsische Genossenschaft Genossenschaft Rheinland-Pfalz-Saar 13. Baden-Württembergische Kommende 14. Bayerische Genossenschaft 13 Zusätzlich existieren 4 (+1) ausserterritoriale Kommenden sowie die 5 nicht-deutschen Genossenschaften der Balley

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