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1 40 die Johanniter Jahre

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3 1974 wurde die Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich als klassische Rettungsorganisation gegründet. Damals starteten die Johanniter in Wien mit einem Krankentransportwagen einem Einstandsgeschenk der deutschen Johanniter und einer Hand voll engagierter Ehrenamtlicher. Heute bieten die Johanniter eine Vielzahl an sozialen Leistungen. Inzwischen leisten die fast Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, darunter 500 Ehrenamtliche und 150 Zivildiener, durchschnittlich Einsätze jährlich. Der Fuhrpark ist von einem Krankentransportwagen auf rund 130 Einsatzfahrzeuge angewachsen. Nach wie vor spielen die Ehrenamtlichen eine tragende Rolle bei den Johannitern. Manche Präsidiumsmitglieder oder Bereichsbeauftragte sind schon seit Jahren ehrenamtlich bei der Johanniter-Unfalll-Hilfe aktiv: der Bundesfinanzbeauftragte Dr. Heinrich Weninger ist seit 1975 dabei, der Wiener Bereichsbeauftragte Hansgeorg Schuster seit 1983, der Bereichsbeauftragte in NÖ, Rudolf Niebler, seit 1984, der Kärntner Bereichsbeauftragte, Siegfried Mayerbrugger, seit In Tirol war Michael Baubin 24 Jahre lang Bereichsbeauftragter, sein Nachfolger Christof Kautzky war 16 Jahre aktiv, um nur einige zu nennen. Mein verehrter Freund und Vorgänger als Präsident, Helmut Hehn-Wied, übte das Präsidentenamt knapp 20 Jahre und damit die Hälfte unseres bisherigen Bestehens verdienstvoll aus. Aber natürlich nicht nur in der Führungsebene gibt es langjährige ehrenamtliche Tätigkeit. Stellvertretend sei hier noch einmal an das Ehepaar Olbrich gedacht, welches über 30 Jahre unermüdlich in den verschiedensten Arbeitsbereichen ehrenamtlich tätig war. Ich selbst bin seit 1976 bei den Johannitern tätig und war lange Zeit als Ehrenamtlicher im Krankentransport und in der Hauskrankenpflege tätig. Ich erinnere mich auch gerne an die ersten Sonnenzugfahrten, mehrtägige Ausflüge gemeinsam mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen zurück. Viele emotional berührende Momente haben diese Zeit geprägt, eine Zeit, die ich nicht missen möchte. In all den Jahren haben uns neben den Ehrenamtlichen immer mehr Fördermitglieder, Spenderinnen und Spender wie auch Sponsoren unterstützt. Ihnen wie auch den Fördergebern der Länder gilt unser größter Dank. Danken wollen wir natürlich auch den vielen langjährigen und engagierten hauptamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen deren erster, Harald Nimberg, auch schon seit 30 Jahren bei uns ist. Nicht zuletzt wurde und wird unser Team durch viele Zivildiener verstärkt, welche oft nach ihrem wichtigen Einsatz im Zivildienst diese Tätigkeit gerne ehrenamtlich fortsetzen. Heute können wir Johanniter stolz auf 40 ereignisreiche wie auch erfolgreiche Jahre zurückblicken. Wir haben in dieser Zeit vieles auf die Beine gestellt. Wir sind nicht der größte Anbieter unter den Hilfs- und Rettungsorganisationen in Österreich. Aber wir haben mit vielen Nischenangeboten eine Vorreiterrolle gespielt und diesen Weg wollen wir auch in Zukunft fortsetzen! Herzlichst, Ihr DI Johannes Bucher Präsident der Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich 3

4 Grußwort des Bischofs der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, Dr. Michael Bünker Dem Nächsten zu helfen ist dem Christentum in die Wiege gelegt. Jesus selbst hat sich als Diakon bezeichnet und auch so gehandelt. Bis heute rüttelt seine Mahnung Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan auf. Deshalb wurde die Diakonie zu so etwas wie dem Markenzeichen der ersten christlichen Gemeinden. Im 1. Clemensbrief vom Beginn des zweiten Jahrhunderts wird die Gemeinde in Korinth gelobt, weil sie von einem unstillbaren Verlangen, Gutes zu tun erfüllt sei. Heute geschieht Diakonie unter den Bedingungen des modernen Sozialstaats. Seine Sicherung und sein Ausbau sind ein wichtiges Anliegen für die Kirchen. Organisationen, die der christlichen Tradition entstammen und der Kirche verbunden sind, leisten ihren Beitrag zum allgemeinen Wohl. Bei der Johanniter-Unfall-Hilfe verbindet sich beides in beeindruckender Weise. Auf der einen Seite steht sie in einer mehr als 900jährigen Tradition. Zugleich ist sie eine moderne Einrichtung mit einem vielfältigen Arbeitsfeld und eine verlässliche Partnerin der öffentlichen Hand und anderer Hilfsorganisationen. Die große Zahl der Ehrenamtlichen und die Verbindung mit Diakonie und Kirche bezeugen den Geist, aus dem diese Hilfe geschieht. Dabei ist die geleistete Arbeit enorm: In einem Jahr fährt die Unfallhilfe rund 75 Mal um die ganze Welt! Aber nicht nur die Quantität überzeugt, die Johanniter- Unfall-Hilfe setzt auch neue Akzente, etwa durch die Begleitung pflegender Kinder und Jugendlicher im Projekt superhands. Das unstillbare Verlangen, Gutes zu tun ist keine moralische Verpflichtung, zu der man sich schweren Herzens überwinden müsste. Jeder Mensch ist von Natur aus begabt und geneigt dazu, den Notleidenden zu helfen. Christlicher Glaube schafft die Rahmenbedingungen dafür, dass Menschen menschlich sein können. Diesen Einsatz für Menschlichkeit lebt die Johanniter-Unfall-Hilfe in allen ihren Einrichtungen seit 40 Jahren glaubwürdig und engagiert. Für die Zukunft Gottes reichen Segen! Dr. Michael Bünker Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich 4

5 Grußwort des Bundespräsidenten der Republik Österreich, Dr. Heinz Fischer Die Johanniter feiern ihre 40jährige Tätigkeit in Österreich und ich möchte sowohl zum Jubiläum als auch zur informativen Festschrift sehr herzlich gratulieren! In diesen vier Jahrzehnten hat die Organisation hervorragende Dienste geleistet. Spezialisiert auf Rettungsdienste und Krankentransporte bewähren sich Tag für Tag die bestens ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ihren Einsätzen. Neue Pflegeangebote und Betreuungsdienste wie jene des mobilen Palliativteams wurden von den Johannitern ebenfalls erfolgreich umgesetzt. Als eine zukunftsweisende Dienstleistung gilt auch das Projekt superhands, das pflegenden Teenagern mit Rat und Tat zur Seite steht. Die betroffenen Menschen in unserem Land sind dankbar für diese verlässlichen sozialen Strukturen, die in den vergangenen vier Jahrzehnten kontinuierlich aufgebaut wurden. Von Beginn an haben sich die Johanniter auch international ausgerichtet. Längst ist der Katastrophenhilfsdienst ein geschätztes und anerkanntes Mitglied im internationalen Einsatzverbund. Die Johanniter helfen überall dort, wo sie gebraucht werden, und zeigen so auf eindrucksvolle Weise nationale und internationale Solidarität. Ich nutze daher das 40jährige Bestandsjubiläum der Johanniter auch als einen Moment des Dankes und der Anerkennung. Herzliche Gratulation und alles Gute für die Zukunft! Dr. Heinz Fischer Bundespräsident der Republik Österreich 5

6 Grußwort des Österreichischen Bundesministers für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, Rudolf Hundstorfer Wenn man den Begriff Johanniter hört, denken wohl viele zu allererst an den Johanniterorden und eine damit einhergehende jahrhundertealte Hilfstradition. Dass sich die Johanniter heute als moderner und vielseitiger sozialer Dienstleister präsentieren, ist manchen Menschen sicherlich nicht bewusst. Dabei reicht die Palette dieser Dienstleistungen vom Krankentransport über Sanitätsdienste bis hin zu spezifischen Tätigkeiten in Pflege und Betreuung finanziert werden sie vorwiegend durch Spenden, Förderbeiträge sowie durch die Leistungen des Ehrenamtes. Diese beiden Bereiche sowohl die Pflege, als auch die Freiwilligenarbeit fallen in mein Ressort und genießen daher auch meine besondere Aufmerksamkeit. Eine Organisation wie die Johanniter, die seit nunmehr 40 Jahren in Österreich aktiv ist, verdient meiner Auffassung nach unseren besonderen Dank aus Sicht der Sozialpolitik. Gerade in diesen für das gesellschaftliche Miteinander so wichtigen Themengebieten Pflege und Ehrenamt hat sich aktuell einiges getan. Um in Zukunft eine bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu gewährleisten, besteht seit 1. Jänner 2014 für pflegende und betreuende Angehörige die Möglichkeit der Vereinbarung einer Pflegekarenz bzw. einer Pflegeteilzeit. Durch diese neu geschaffenen Optionen ist die Vereinbarkeit von familiären und beruflichen Verpflichtungen für Betroffene deutlich verbessert worden. Was die Freiwilligenarbeit anlangt, so genießt diese in unserem Land einen besonderen Stellenwert: Rund 46 Prozent der österreichischen Bevölkerung ab 15 Jahren leisten in irgendeiner Form einen freiwilligen Dienst. Diese Kultur des freiwilligen Engagements, der Solidarität und gegenseitigen Unterstützung ist ein wichtiger Teil unseres Sozialkapitals. Seitens der Sozialpolitik arbeiten wir ständig daran, die Rahmenbedingungen für das Ehrenamt weiter zu verbessern, eine der jüngsten Neuerungen war unter anderem die Einführung des Anerkennungsfonds für freiwilliges Engagement zur besonderen Anerkennung und Aufwertung von Freiwilligenengagement. So bleibt mir abschließend nur, den Johannitern zum 40. Geburtstag sehr herzlich zu gratulieren und Ihnen allen für die Leistungen der vergangenen Jahre zu danken. Soziales und freiwilliges Engagement sind für Österreich unverzichtbar aber keinesfalls selbstverständlich! Alles Gute und viel Erfolg für die nächsten 40 Jahre, Ihr Sozialminister Rudolf Hundstorfer 6

7 Grußwort der Österreichischen Bundesministerin für Inneres, Mag. a Johanna Mikl-Leitner 40 Jahre Johanniter 40 Jahre Solidarität und Nächstenliebe. Vom Rettungs- und Krankentransportdienst über mobile Hauskrankenund Palliativpflege bis hin zur Katastrophenhilfe die Johanniter stehen seit 40 Jahren für soziales Engagement. Als eine der führenden Hilfsorganisationen weltweit sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Johanniter für viele Menschen ein Fels in der Brandung und eine wichtige Stütze in schwierigen Zeiten. Die Johanniter leisten auch einen wichtigen Beitrag in der Jugendarbeit: Bei der Johanniter-Jugend lernen Kinder und Jugendliche spielerisch die Hilfe für den Nächsten kennen. Auch der Zivildienst wird bei den Johannitern großgeschrieben. Die Einrichtungen der Johanniter zählen zu den bedeutendsten Zivildiensteinrichtungen Österreichs. Mit einem Angebot von 170 Zivildienstplätzen jährlich sind sie ein wichtiger Eckpfeiler im Bereich des Zivildienstes. Aufgrund der hohen Wertschätzung, die den Zivildienern bei den Johannitern entgegengebracht wird, sind diese Plätze sehr begehrt. Die Organisation gilt außerdem als großer Verfechter des Zivildienstes. Vor allem im Vorfeld der Volksbefragung 2013 sind die Johanniter unermüdlich für die Beibehaltung des Zivildienstes eingetreten. Sie waren eine treibende Kraft, wenn es darum ging, die Bedeutung des Zivildienstes an die Öffentlichkeit zu tragen. Dafür möchte ich mich auf diesem Weg herzlich bedanken, denn damit haben die Johanniter einen wichtigen Beitrag geleistet, dass die Österreicherinnen und Österreicher weiterhin auf die Hilfe der Zivildiener zählen können. Ich gratuliere den Johannitern herzlich zum 40jährigen Bestehen. Ein herzliches Danke gilt all jenen, die bei dieser Hilfsorganisation mitarbeiten. Sie leisten durch ihren engagierten Einsatz einen wichtigen Beitrag für das soziale Wohl in unserer Gesellschaft. Für ihren unermüdlichen Dienst am Nächsten wünsche ich ihnen weiterhin alles Gute und viel Erfolg! Mag. a Johanna Mikl-Leitner Bundesministerin für Inneres 7

8 Eine Idee lernt laufen Juni 1974: Gründung der Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich auf Initiative und mit Unterstützung österreichischer Angehöriger des Johanniterordens in Wien und der Johanniter in Deutschland. V.l.n.r.: Dipl.-Kaufm. v. Sethe, Pfarrer Mag. Satlow, Pfarrer Mag. Koblanck, Pfarrer Mag. Gläser, JUH-Präsident Thonke, Prim. MR Dr. Emich Erste eigene Dienststelle in Wien Währing, Beginn der Mitarbeit im Wiener Ärztefunkdienst. } Jedoch aus heutiger Sicht betrachtet, wurde selten ein Startkapital so sinnvoll und nachhaltig eingesetzt, wie im Fall der Johanniter Österreich. 8

9 Wie aus einer Hand voll engagierter Menschen, einem Krankentransportwagen, einer Beatmungspuppe und einem Verbandskoffer der Grundstein für die Johanniter in Österreich gelegt wurde Wiederaufbauhilfe nach dem Erdbeben in Friaul: Die Johanniter entsenden einen Katastrophenschutzzug Gründung des Bereichs Tirol in Innsbruck mit Behindertenfahrdienst und Erste-Hilfe-Kursen. Foto von der 5-Jahres-Feier, im Bild: Dr. Call, Dr. Paumgarten, Freiherr v. Uckermann, Prof. Stumpfl, BR Hadl, Ordenskanzler Dr. von Cossel, JUH-Präsident Arch. Hehn-Wied, Gründer und Bereichsbeauftragter Dr. Baubin. Als am 21. Juni 1974 zehn interessierte Personen in den 120m² großen Festsaal des Christlichen Vereins Junger Menschen in der Kenyongasse 15, im 7. Wiener Gemeindebezirk eintrafen, wirkten sie noch etwas verloren, hatte man doch mit deutlich mehr Gästen gerechnet. Im Verlauf der ersten Gründungsversammlung im eigens angemieteten Festsaal jedoch rückten die Teilnehmenden enger aneinander. Auch das etwas zu reichlich konzipierte Buffet trug möglicherweise sein Scherflein dazu bei. Und so wurde im Laufe des Abends Geschichte geschrieben und die Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich gegründet. Das war vor genau 40 Jahren. Das nachhaltigste Geschenk Ein Krankentransportwagen, ein Verbandskoffer und eine Beatmungspuppe waren die Geschenke der großen deutschen Schwester an den jungen Verein der Johanniter in Österreich gewesen. In den 70iger Jahren war der Begriff Nachhaltigkeit noch kein politisches Leitbild, das für nahezu alle Sparten von der Umwelt, Wirtschaft über Bildung bis zu sozialem Handeln seine Gültigkeit beanspruchte. Jedoch aus heutiger Sicht betrachtet, wurde selten ein Startkapital so sinnvoll und nachhaltig eingesetzt, wie im Fall der Johanniter Österreich. Wie passend für die Grundsteinlegung der Johanniter 9

10 } Die junge Gemeinschaft der Johanniter Österreich begann innerhalb der ersten eineinhalb Jahre auf knapp 70 Mitglieder zu wachsen. in Österreich erscheint daher der Auszug aus der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung, Alle Menschen sollen die Chance haben, sich Wissen anzueignen, damit sie nachhaltig denken und verantwortungsvoll handeln können. Sie sollen Verhaltensweisen und Lebensstile erlernen, die eine lebenswerte Zukunft ermöglichen und die Weltgemeinschaft positiv verändern. Vom Engagement Einzelner absolvierte Johannes Satlow, Mitglied der deutschen Johanniter-Unfall-Hilfe, das letzte Semester seines Theologiestudiums in Wien. Nebenbei hielt er auch in Wien Erste-Hilfe-Kurse ab. Eines Tages rief mich der Präsident der Johanniter-Deutschland an. Er wollte wissen, ob mir bekannt sei, dass Johannes Satlow Erste-Hilfe-Kurse 1979 Die Tiroler erweitern ihr Angebot mit einem Fahrdienst für Menschen mit Behinderungen und starten mit der mobilen Pflege in Innsbruck Johanniter Tirol: Start der Hauskrankenpflege in Innsbruck. 10

11 in Wien unterrichte und dass er das in der deutschen Johanniter-Uniform tue. Er begrüßte zwar dieses intensive Engagement und die Begeisterung von Satlow für die Johanniter über die Grenzen Deutschlands hinaus, bat mich aber gleichzeitig zu überlegen, wie diese Praxis auch in Österreich auf vernünftige Beine gestellt werden könne. Und wir entschieden uns dafür, die Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich zu gründen, erzählt heute Ernst-Joachim Thonke, Gründungspräsident der Johanniter Österreich. Ich bin ja seit 1970 Johanniter-Ordensmitglied in Deutschland und lebe seit 1971 in Wien. Da für die Vereinsgründung laut Statuten Voraussetzung ist, dass der Präsident und Vizepräsident Johanniter-Ordensmitglieder sein müssen, wurde ich als Präsident vorgeschlagen und Pfarrer Nils Helge Koblanck als Vizepräsident. Zum Ausbildungsleiter wurde Pfarrer Mag. Johannes Satlow gewählt, die Position des Schatzmeisters übernahm Dipl.-Kaufm. Berthold von Sethe. Prim. MR Dr. Rudolf Emich war der Bundesarzt im Gründungspräsidium, der leider bereits verstorben ist. Als Vertreter von Seiten der Diakonie Österreich wurde Direktor Pfarrer Mag. Ernst Gläser ernannt. Dr. Heinz Franke komplettierte als Schriftführer das Team. Bald nach dem Gründungstag konnten die Johanniter in Wien bei Krankentransporten mit dem Wiener Roten Kreuz eine Zusammenarbeit vereinbaren. Der Fokus der jungen Johanniter Österreich richtete sich zunächst auf die Ausbildung in Erster Hilfe. Anfang 1975 konnten die Johanniter in einem Währinger Gymnasium vier Oberstufenklassen in Erster Hilfe ausbilden. Davon bewarben sich fünf junge Menschen als ehrenamtlich Tätige. Die junge 1980 Wien: Eröffnung der ersten eigenen Station in der Herbeckstraße 39. V.l.n.r.: Peter Neumann, Karin Kramer, Niki Gaberszig, Irene Schrenk (geb. Schöndorfer), Richard Mosgan, Joe Oberhauser Innsbruck: Bezug der Station in der Rosegger- Straße Großeinsatz beim Papstbesuch von Johannes Paul II. in Wien: Die Johanniter unterstützen beim Ambulanzdienst. 11

12 Gemeinschaft der Johanniter Österreich begann innerhalb der ersten eineinhalb Jahre auf knapp 70 Mitglieder zu wachsen, davon 28 aktive Helfer und Helferinnen. Damals besaß der Bereich Wien noch keine eigene Dienststelle. Fortbildung und Schulung fanden im Pfarrsaal der Evangelischen Gemeinde am Tabor statt. Doch dies stellte sich sehr bald als unpraktisch heraus. Das Fahrzeug musste auf der Straße geparkt werden und Lagerraum war auch keiner vorhanden. Durch die Diakonie konnten Räumlichkeiten in Wien Währing, in der Schopenhauerstraße 16, in Untermiete übernommen werden: Schulungsraum, Aufenthaltsraum für die Dienstmannschaft, Lager und Büros wurden eingerichtet. Zwei Jahre später wurde diese Dienststelle an die Johanniter feierlich übergeben, so Jörg Gläser, Sohn von Pfarrer Mag. Ernst Gläser Kärnten: Gründung der Rettungsstation in Patergassen. Der Rettungs- und Krankentransportdienst wird auf Patergassen und auf das Sommer- und Wintertourismusgebiet Turracher Höhe erweitert. V.l.n.r.: Dr. Raidl, Gläser, Satlow (1. Bereichsbeauftragter in Wien), Pertl (1. Bereichsbeauftragter in Kärnten) Die Wiener Johanniter beginnen mit dem selbstständigen Rettungsdienst und Krankentransport Die Johanniter in Wien starten mit Organtransporten in Zusammenarbeit mit der 1. Chirurgischen Universitätsklinik. (Im Bild: Thomas Windhager) 12

13 1976 waren die Johanniter Österreich aktiv bei der Planung und Durchführung des Sonnenzugs beteiligt. Der Sonnenzug war eine Zugreise für Menschen mit Behinderungen, die jährlich von mehreren karitativen Organisationen veranstaltet und von ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen begleitet und unterstützt wurde. Noch weitere 20-mal fanden diese sehr beliebten Reisen mit Johanniter- Unterstützung statt. Während meines Studiums kam ich im Jahr 1976 zur Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich und war in der Folge lange Jahre ehrenamtlich aktiv im Krankentransport und Rettungsdienst, sowie in der Behindertenarbeit und Hauskrankenpflege tätig. Eines meiner schönsten Erlebnisse hatte ich am Sonnenzug. Ich war im sogenannten Tanzwaggon und habe dort am Rande ein junge Frau sitzen und wehmütig den Tanzenden zusehen gesehen. Als ich sie zum tanzen aufforderte, begannen ihre Augen zu strahlen und ihr ganzes Gesicht lachte. Sie konnte kaum stehen, geschweige denn tanzen, also habe ich sie mehr oder weniger getragen. Ihre unbändige Freude und ihre strahlenden Augen werde ich nie vergessen, erinnert sich DI Johannes Bucher, Präsident der Johanniter Österreich seit dem Jahr Die Mitarbeit am Wiener Ärztenotdienst übernahmen die Johanniter im Mai Im September desselben Jahres wurde Helmut Gläser zum Leiter des Bereichs Johanniter Wien ernannt und löste Satlow ab, der sich nach Abschluss seines Theologiestudiums zum Vikariat in Oberösterreich entschloss. Nicht nur ein zweiter Krankentransportwagen konnte in diesem Jahr in den Dienst aufgenommen werden, 1989 Kärnten: Neuerrichtung der Rettungsstation in Patergassen Kärnten: Erstmals ist der Johanniter- Pistenrettungsdienst auf der Turracher Höhe im Einsatz Eröffnung der neuen Rettungsstation in Wien Währing, Herbeckstraße

14 1996 Errichtung der Johanniter-Station in Innsbruck, Josef-Wilberger-Straße Die Johanniter bieten den Hausnotruf an, der medizinische Hilfe auf Knopfdruck ermöglicht Erstmalig in Wien: Der Akutpflegedienst zur Versorgung von Pflegenotfällen während der Nachtstunden nimmt seinen Dienst auf. auch die Johanniter-Fangemeinde wuchs auf 100 Mitglieder, davon 35 Ehrenamtliche.... zur professionellen Hilfe Als im Frühjahr 1976 ein schweres Erdbeben Norditalien und besonders Friaul erschütterte, war auch für die Johanniter Österreich die Dringlichkeit und der Zeitpunkt gekommen, über die Grenzen hinaus Hilfe zu leisten. Der Meilenstein der Johanniter Katastrophenhilfe wurde mit der Wiederaufbauhilfe in Friaul gelegt. Ein weiterer Bereich der Johanniter Österreich stellte die Pflege dar. Und so konnte bereits 1978, dank des Engagements 40 freiwilliger Helferinnen und Helfer, die Hauskrankenpflege in Wien angeboten werden. 14

15 2000 Johanniter-Jugend in Kärnten wird gegründet Kärnten: Beginn der regelmäßigen Teilnahme der Jugendgruppe an den Landesjugendbewerben Aufräumarbeiten im Kamptal nach dem verheerenden Hochwasser. Vier Jahre nach Gründung der Johanniter Österreich in Wien entstanden die Johanniter Tirol, gegründet 1978 von Dr. Michael Baubin. Mit dem Transport von Menschen mit Behinderungen und mit der Durchführung von Erste-Hilfe-Kursen hinterließen die Johanniter auch im westlichen Bundesland deutlich ihren Fußabdruck. Schon ein Jahr später wurde in Tirol die Angebotspalette um einen Fahrdienst für Menschen mit Behinderungen und der Mobilen Pflege erweitert erfolgte dann auch die Hauskrankenpflege in Innsbruck starteten die Johanniter Kärnten in Patergassen mit dem Rettungsdienst und Krankentransport unter der Führung von Johannes Satlow, der zu dem Zeitpunkt bereits Pfarrer in Feldkirchen war. 28 Jahre lang, also bis 2007, konnten die Johanniter Kärnten ihre Hilfsangebote nur mit Hilfe von Ehrenamtlichen durchführen. Aufgrund der steigenden Nachfrage wurden ab 2008 auch Mitarbeitende im Angestelltenverhältnis aufgenommen, die somit die Arbeit der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer ergänzen. Zu dem Zeitpunkt sind in Wien bereits vier Johanniter-Fahrzeuge im Einsatz. Ein Jahr später wurde eine neue Station für die Johanniter notwendig, das Haus in der Herbeckstraße 39 adaptiert und im Frühling 1980 feierlich eröffnet erfolgte der Startschuss der Zusammenarbeit der Johanniter mit der Wiener Rettung im Rahmen der Rettungsgemeinschaft. Bereits ein Jahr später konnten auch Organtransporte in Zusammenarbeit mit dem Transplantationszentrum der Universitätsklinik in Wien durchgeführt werden. 15

16 Danach entwickelten sich auch die Bereiche in Tirol und Kärnten weiter, so konnte 1989 die Rettungsstation Patergassen in Kärnten eröffnet und 1996 die Johanniter-Station in der Josef-Wilberger- Straße in Innsbruck errichtet werden wurde in Wien der Akutpflegedienst gegründet, der kurzfristige Pflege bietet. Das neue Jahrtausend Im Jahr 2007 erfolgte die nächste Gründung der Johanniter-Dienststelle, diesmal in Orth an der Donau, deren Angebotspalette vom Rettungsdienst über Krankentransport und Erste-Hilfe-Ausbildung reicht. Bei der Fußballeuropameisterschaft 2008 leisteten die Johanniter Österreich den bislang längsten und personalintensivsten Sanitätsdienst bei der Fanmeile in Zusammenarbeit mit den 4 für Wien Tirol: Benefizkonzert mit Marika Lichter und Uwe Kröger (im Bild) sowie Verena Pötzl, Michael Tschuggnall und The Pure. Es folgte die CD-Produktion Hands of Love Eröffnung des Johanniter-Center- Nord in Wien, Floridsdorf, mit neuem Ausbildungszentrum und der Hausnotruf-Zentrale Gründung der Dienststelle Orth benbereichen Rettungsdienst, Hilfe-Ausbildung. V.l.n.r. Wald jr., LAbg. Nowohradsky, Pfarrer DDr. Superintendent Mag. Weiland, 16

17 2010 erfolgte die bis dato letzte Johanniter- Neugründung mit dem mobilen Palliativteam in Waidhofen an der Ybbs, das sich der Pflege und Beratung von chronisch und unheilbar kranken Menschen widmet. Das jüngste und innovativste Produkt der Johanniter Österreich ist superhands, die Internetplattform für Kinder und Jugendliche, die Angehörige pflegen. Seit der Präsentation im Oktober 2012 finden pflegende Teenager auf und bei der superhands-hotline Hilfe, Beratung und Entlastung. Schließlich konnten die Johanniter Österreich im August 2013 ihr neues und jetziges Headquarter in Wien-Floridsdorf beziehen. In etwas mehr als einjähriger Bauzeit wurde das Johanniter-Center- Nord, in der Ignaz-Köck-Straße 22, umgebaut und um zwei Stockwerke erhöht. Insgesamt arbeiten nun 90 Johanniter-Mitarbeitende unter einem gemeinsamen Dach in Wien. Zudem stehen 37 Einsatzfahrzeuge für den Rettungsdienst und Krankentransport bereit. 40jährige Erfolgsbilanz Die vergangen 40 Jahre sind für die Johanniter eine Erfolgsgeschichte: Sie zeigt, wie aus einer kleinen Idee im Jahre 1974 eine große professionelle Hilfsgemeinschaft wachsen kann. Die 40jährige Erfolgsgeschichte der Johanniter basiert auf dem Zusammenhalt, dem Engagement und der Hilfsbereitschaft jeder einzelnen Mitarbeiterin, jedes einzelnen Mitarbeiters. Der Dank gebührt diesen Menschen, für ihren unermüdlichen, vielfach ehrenamtlichen Einsatz sowie der finanziellen Unterstützung von mittlerweile mehr als Förderern Start des Schulsanitätsdienstes in der Hauptschule Nockberge in Patergassen. Die Schulsanis lernen, ihre Mitschüler zu versorgen. an der Donau mit den Aufga- Krankentransport und Erste- Pfarrer Hielscher, Bgm. Mayer, Bolz, Wald sen., LR Kadenbach, JUH-Präsident DI Bucher Johanniter leisteten den bislang längsten und personalintensivsten Sanitätsdienst in der Fanmeile der Fußballeuropameisterschaft 2008 in Wien und in Klagenfurt. 17

18 2010 Schweres Erdbeben in Haiti: Ehrenamtliche der Johanniter Wien unterstützen die deutsche Auslandshilfe im Katastropheneinsatz Waidhofen an der Ybbs: Die Johanniter richten ein mobiles Palliativteam ein, das sich der Pflege und Beratung von chronisch und unheilbar kranken Menschen widmet EU-Jahr der Freiwilligen: europaweites Austausch in 13 Mitgliedsländern. der Sanitätsversorgung Über die Johanniter Die Johanniter zählen weltweit zu den führenden Hilfsorganisationen und können auf eine traditionsreiche Geschichte verweisen. Bereits 1099 gründete der Johanniterorden in Jerusalem ein Hospital zur Pflege von Pilgern. Die Idee, Menschen in Not zu helfen, ist nach wie vor zentraler Leitgedanke der Johanniter. Die Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich wurde 1974 gegründet und ist im Vergleich zum Johanniterorden eine junge Einrichtung. Auch heute stehen die Johanniter für soziales Engagement in christlicher Tradition. Rettungsdienst und mehr Was mit einem einzigen Rettungswagen begann, ist heute eine im österreichischen Gesundheitswesen etablierte Hilfsorganisation mit einem breit gefächerten Angebot an sozialen Dienstleistungen: So führen die Johanniter neben Rettungs- und Krankentransporten auch Organtransporte sowie Fahrdienste für Menschen mit Behinderungen durch und unterstützen den Ärztefunkdienst. 18

19 Johanniter bieten erstmals ein programm für Ehrenamtliche 2012 nehmen Österreicher an der Olympischen Spiele teil Neue Unterrichtsmethode in der Ersten Hilfe: Reduktion auf 7 Leitsymptome, interaktiver Unterricht unter Einbindung von spielerischen Elementen erhöhen den Erinnerungswert Eintritt in den Rettungsverbund Tirol: gemeinsam mit Maltesern, Rotes Kreuz und Samariterbund. Mobile Pflege Auch die individuelle und fachkundige Pflege liegt den Johannitern am Herzen: mobile Gesundheitsund Krankenpflege sowie ergänzende soziale Dienste werden ebenso angeboten wie besondere Nischenprodukte: Dazu zählen der Pflegenotdienst, die Palliativpflege sowie das Projekt superhands, das Hilfe und Beratung für pflegende Teenager bietet. Ergänzend zu den Pflegeangeboten stellen die Johanniter den Hausnotruf bereit ein wichtiges Sicherheitsnetz zur medizinischen Versorgung im Notfall. Katastrophenhilfe und Rettungshunde Hilfe nach Naturkatastrophen oder Großschadensereignissen sowie die medizinische Versorgung bei Großveranstaltungen ist Aufgabe des Katastrophenhilfsdienstes. Gemeinsam mit den Rettungshunden, die nach Vermissten suchen, ist der Johanniter-Katastrophenhilfsdienst in Österreich, aber auch weltweit tätig. Ausbildung Menschen dazu zu ermutigen, im Notfall Erste Hilfe zu leisten, ist das Ziel der Ausbildung. Die Johanniter bieten daher Erste-Hilfe-Kurse für Laien und Betriebe sowie maßgeschneiderte Ausbildungen im Notfallmanagement für medizinisches Fachpersonal und Pflegekräfte an. Aus- und Weiterbildungen im Bereich Pflege runden unser Portfolio ab. Für Kinder und Jugendliche Auch die junge Generation steht im Fokus der Johanniter: Wir möchten junge Menschen dafür begeistern, anderen zu helfen und ihnen so die Freude an einer ehrenamtlichen Tätigkeit vermitteln. Ehrenamt und Spenden Die Dienstleistungen der Johanniter werden durch Spenden und Fördererbeiträge finanziert. Auch die Ehrenamtlichen leisten einen beachtlichen Beitrag zu den Leistungen der Johanniter. Gemeinsam helfen wir Menschen in Not in Österreich und weltweit. Aus Liebe zum Leben! 19

20 Über den Johanniterorden Der Ritterliche Orden St. Johannis vom Spital zu Jerusalem ist der älteste geistliche Ritterorden. Er wurde 1099 in Jerusalem von Bruder Gerhard von Thum gegründet, um Kranken und Notleidenden zu helfen erlangte der Orden von Papst Paschalis II. ein Schutzprivileg und die offizielle Anerkennung als geistlicher Orden. Die Befreiung von den Abgaben war der Grundpfeiler für die bis heute andauernde kirchliche Sonderstellung der Hospitaliter, wie die Ritter genannt wurden. In den kommenden Jahrzehnten erhielten die nach ihrem Schutzpatron, dem Hl. Johannes dem Täufer, genannten Johannes- Ritter/Johanniter weitere Privilegien. Aus diesem Orden gingen später der katholische Souveräne Orden der Malteser und die vier protestantischen Johanniterorden hervor. Zu den vier evangelischen Orden zählen: die Balley Brandenburg des ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem in Deutschland, kurz Johanniterorden genannt The Grand Priory of the British Realm of the Most Venerable Order of the Hospital of St. John of Jerusalem mit Sitz in Großbritannien, kurz Order of St John der Orde in Nederland (Niederlande) und der Johanniterorden i Sverige (Schweden) Die vier evangelischen Orden schlossen sich 1961 in der Ordensallianz zusammen, sie agieren jedoch autonom. Der deutsche Johanniterorden verfügt über je eine Genossenschaft in Finnland, Frankreich, Ungarn, Österreich und der Schweiz sowie über 17 Kommenden in Deutschland. Weitere Subkommenden bestehen in Australien, Belgien, Dänemark, Italien, Kanada, Kolumbien, Namibia, Südafrika, in den USA und Venezuela. Der Orden hat seinen offiziellen Sitz in Potsdam, Verwaltungssitz ist Berlin. Zum deutschen Johanniterorden zählen weltweit etwa Ritter, er wird seit 1999 vom Herrenmeister 2012 Benefizschwimmen Tirol: Euro Spenden für schwer kranken Johanniter-Patienten! 2012 Wien: superhands die Internetplattform für pflegende Kinder und Jugendliche wird der Öffentlichkeit vorgestellt Unter einem Dach: Ab sofort befinden sich die gesamte Verwaltung sowie die Einsatzzentrale im Johanniter-Center-Nord in Wien-Floridsdorf. 20

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