johanniter Erfüllte Sehnsucht Wie Kinder ihren Vätern im Gefängnis nah sein können

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1 johanniter Zeitschrift für die Freunde der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. Erfüllte Sehnsucht Wie Kinder ihren Vätern im Gefängnis nah sein können

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3 Willkommen Liebe Freunde der Johanniter, im Advent ist in Senioren- und Pflegeheimen traditionell viel los. Weil dann Kindergärten und Jugendgruppen auf Besuch sind bei Menschen, die nicht mehr aktiv am Leben teilnehmen können. Diese Absicht steckt auch hinter einer Idee des berühmten Geigers Yehudi Menuhin: Seit 1977 kommen unter dem Dach von Live Music Now junge Musiker in Krankenhäuser, Seniorenheime und Strafanstalten und bringen Trost und Freude. Und zwar das ganze Jahr über. Hilfe, die immer verfügbar ist, freut mich persönlich am meisten. So war ich gleich von dem Projekt begeistert, das wir Johanniter im Allgäu angestoßen haben. Um den Vollzug in der dortigen Strafanstalt Kempten familienfreundlicher zu gestalten, ermöglichen wir den Kindern inhaftierter Väter zusätzliche und durch Fachpersonal begleitete Besuchszeiten. Es ist erwiesen, dass solche Maßnahmen die Rückfallgefahr reduzieren. Und die Kinder der Inhaftierten meist die wirklich Leidtragenden haben bessere Chancen, einen so problematischen Lebensabschnitt zu bewältigen. Dass jenseits der alltäglichen Arbeit von uns Johannitern immer wieder solche besonderen Hilfsangebote gemacht werden können, ist auch Ihr Verdienst. Danke deshalb für Ihr finanzielles Engagement, das wir dort einsetzen, wo unsere Hilfe wirklich benötigt wird. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest im Kreis Ihrer Familie Themen 10 Die Hort-Kinder in Groß Gaglow begeistern jedes Jahr mit liebevollen Weihnachtsmärchen. In Aktion Projekt LaVista Alltagsglück hinter Gittern Kinderhort Was für ein Theater! Jordanien/Libanon Hoffnung in der Fremde In Kürze Namen & Nachrichten 14 In Jordanien und im Libanon unterstützen die Johanniter Flüchtlingsfamilien aus Syrien. Fürs Leben Service: Hausnotruf Sicherheit zum Verschenken Wellness & Gesundheit Rund ums Internet Ihr Dr. Arnold von Rümker Präsident der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V Unter Freunden Leser im Porträt Freude für Fremde Drei Fragen an Adam Hohmann Lesertelefon Denkanstoß Die Botschaft der Engel umsetzen Leserstimmen Zum Schluss Die bunte Meldung und Rätselspaß Impressum Verbandszeitschrift der Layout Raufeld Medien GmbH, Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. Paul-Lincke-Ufer 42/43, Herausgeber Johanniter Berlin; Jenny Hasselbach, Unfall-Hilfe e. V., Marketing/ Daniel Krüger (Artdirektion); Kommunikation, Lützowstraße 94, Titelfoto Nikolaus Brade Berlin Druck, Verlag & Anzeigen Redaktion Wolfgang Brenner Hofmann Druck Nürnberg GmbH (verantwortlich), Claudia Hauptmann, & Co. KG, Emmericher Straße 10, Frank Markowski, Evamaria Moore, Nürnberg; Anzeigen Peter Altmann Rüdiger Sander (verantwortlich) Gültige Anzeigenpreisliste 1/14 Druckauflage Exemplare (IVW 3. Quartal 2014) Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe ist der 6. Januar Die nächste Ausgabe wird am 27. Februar 2015 per Post versendet. Keine Haftung für unverlangte Einsendungen jeglicher Art. Für Mitglieder der Johanniter- Unfall-Hilfe e. V. ist der Bezug der Zeitschrift im Mitgliedsbeitrag enthalten. Eine gesonderte Berechnung des Bezugspreises erfolgt nicht. Ein Teil dieser johanniter - Ausgabe enthält Beilagen der HDI Versicherung AG, der Wibo-Werk GmbH, der HMK GmbH sowie der RSD Reise Service Deutschland GmbH. Das johanniter- Servicetelefon: * * 14 ct/min aus dem deutschen Festnetz, max. 42 ct/min aus den Mobilfunknetzen 3

4 4

5 Projekt LaVista Alltagsglück hinter Gittern 5

6 Mit ihrem Projekt LaVista helfen die Johanniter im Allgäu den Familien von Häftlingen, eine schwierige Zeit zu überstehen. Rot, blau, gelb hingebungsvoll trägt der kleine Michael* die dicken Acrylfarben auf die Leinwand auf. Sein Vater Gregor macht ihm vergeblich immer wieder vor, wie man den Pinsel auswäscht, bevor man eine neue Farbe benutzt. Die zehnjährige Kascha am anderen Tischende grinst. Sie achtet peinlich genau darauf, einen makellos grünen Rasen zu malen, während ihr Vater Leonid die Umrisse eines roten Autos daneben setzt. Engagierte Väter, die mit ihren Kindern malen eine Szene wie aus der Werbung des Bundesfamilienministeriums. Wäre da nicht der Ausblick aus dem Fenster: vier Meter hohe Betonmauern, gekrönt von Stacheldraht. Gregor, Leonid und die beiden anderen Väter im Raum verbüßen eine Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Kempten. Dort, im Gefängnis, ist eine Malstunde mit ihren Kindern für sie ganz und gar keine Selbstverständlichkeit. Sie ist nur im Rahmen des Projekts La- Vista möglich, das die Johanniter-Unfall-Hilfe vor einem Jahr ins Leben gerufen hat. Durch den Rettungs- und den Menüdienst hatten die Johanniter in Kempten schon länger Kontakt zur örtlichen JVA und wussten um die Nöte der inhaftierten Väter und der Angehörigen. Kindgerechte Besuche Wenn Papa ins Gefängnis muss, ist das eine riesige Belastung für die ganze Familie. Wir wollen ihnen helfen, das gemeinsam so gut wie möglich durchzustehen, fasst Projektleiterin Regine Fendt die Ziele von LaVista zusammen. Die Vater-Kind-Gruppe ist dabei entscheidend, denn der übliche Besuch in einem Gefängnis kann aus Sicherheitsgründen nicht so auf Kinderwünsche eingehen, wie es wünschenswert wäre. Der Raum, in dem die Vater-Kind-Gruppe stattfindet, ist größer als der normale Besuchsraum, sodass die Kinder mehr Bewegungsfreiheit haben und auch mal rumrennen können, ohne dass ihr Toben andere Besucher stört. Wie alle 14 Tage hat Regine Fendt heute fünf Mütter und ihre Kinder am Eingang der Haftanstalt versammelt. Esma und Michael, Zu ihrem Schutz dürfen Kinder in der JVA zum Väter-Treffen abseits der üblichen Wege gehen. beide zwischen drei und vier, haben sich gleich an der Hand gefasst, die gleichaltrige Lotta verdrückt noch ein paar Tränen und behauptet, sie wolle lieber bei Mama bleiben. Kascha, die Große, streicht ihr tröstend übers Haar. Man kennt sich schon, denn für diese Gruppe ist es bereits der dritte von insgesamt sechs Terminen. Schließlich ist auch der kleine Jens mit seiner Mutter da. Jetzt, so der Plan, geht jedes Kind einzeln durch den Metalldetektor. Das muss sein, denn in anderen Justizvollzugsanstalten ist es leider schon vorgekommen, dass Kinder zum Einschmuggeln verbotener Gegenstände missbraucht wurden. Doch Jens weigerte sich heute mit Schreien, Auf-den-Boden-Werfen und allen anderen Mitteln, die einem Dreijährigen zur Verfügung stehen. Bevor er alle anderen verrückt macht, darf er heute bei seiner Mama Fotos: Nikolaus Brade 6

7 und den anderen Frauen bleiben. Sie fahren zur Dienststelle der Johanniter, wo sich die Müttergruppe des Projekts trifft. Regine Fendt macht sich derweil mit den anderen vier Kindern auf den Weg über das Gefängnisgelände. Voran geht ihr Projektpartner, Markus Martin, der Seelsorger der JVA. Während er so beiläufig wie möglich Türen auf- und wieder zuschließt, scherzt und plaudert er mit den Kindern. Nach ein paar Minuten sind sie vorbei an Gitterstäben, Stacheldraht und Mauern. Noch ein Flur, der aussieht wie der einer Schule nach Unterrichtsschluss, dann ist das Grüppchen angekommen im Mehrzweckraum, in dem außer dem Ausblick nichts an eine Haftanstalt denken lässt. Knuddeln mit Papa Während Seelsorger Martin die Papas aus ihren Zellen abholt, zieht Regine Fendt Spielsachen aus ihrer großen Tasche. Michael hat schon mal einen Lego-Zug gebaut, Lotta und Esma vergnügen sich mit einem Plastikkrokodil und Kascha hat sich hinter der Tür versteckt. Mit einem zirkusreifen Sprung hängt sie sich von hinten an die Schultern ihres Vaters, als der mit den anderen reinkommt. Gelächter, Umarmungen, Küsse. Esma lässt sich von ihrem Papa so lange im Kreis herumwirbeln, bis beiden schwindelig ist. Regine Fendt und Markus Martin halten sich während dessen still im Hintergrund. Gerade bei den Kleinen ist es vor allem das Toben und Knuddeln mit dem Papa, was fehlt. Dazu muss dann hier Gelegenheit sein, sagt die Projektleiterin. Familien mit Kindern ab drei Jahren können bei LaVista mitmachen. Vorab trifft sich Regine Fendt mit beiden Eltern und bespricht, was dabei möglich ist und was nicht: Die meisten Familien möchten es den Kindern am liebsten verheimlichen, dass der Vater im Gefängnis ist. Beliebte Ausreden waren früher Papa ist auf Montage oder Papa arbeitet im Ausland. Im Handy-Zeitalter wundern sich heute aber bereits Fünfjährige, warum der Papa so selten anruft. Regine Fendt versucht, die Eltern zu überzeugen, dass es besser ist, den Kindern die Wahrheit zu sagen. Dann, so ihre Erfahrung, könne man den Kindern helfen, die Ängste und Vorurteile, die mit dem Knast verbunden sind, loszuwerden. Dass Papa nicht in einem dunklen Verlies angekettet ist, sondern regelmäßig zu essen bekommt, in einem richtigen Bett schläft. Dass er arbeiten geht und Sport macht. So was ist für die Kinder extrem wichtig. Nachdem alle Zeit hatten für eine ausführliche Begrüßung, versammelt Regine Fendt alle Beteiligten im Kreis. Heute liest sie eine Geschichte vor, in der es um Stärke durch Zusammenhalt geht. Dann verteilt sie Leinwände und Farben, damit jeder sein eigenes Bild zum Thema Familie malen kann. In Gruppen mit älteren Kindern wird mehr geredet, zum Beispiel darüber, was man macht, wenn man gehänselt wird, weil der Vater im Gefängnis ist, oder über andere Probleme, die da sind, weil Papa im Alltag fehlt. Viele Wenn Papa ins Gefängnis muss, ist das für die ganze Familie eine riesige Belastung. Über gemeinsame Aktivitäten wie Malen kommen bei LaVista Väter und ihre Kinder einander wieder näher. 7

8 Mütter erzählen uns, dass die Kinder nach ein paar Treffen wieder normal schlafen und essen, sich besser konzentrieren können in der Schule, freut sich Regine Fendt. Das entlaste dann vor allem die Mütter. Endlich kann man offen sprechen, Papa ist kein Tabu mehr: Für viele Familien ist das der erste Schritt, mit dem Thema offen umzugehen. Verpasste Momente Genauso wichtig sind die Treffen für die Väter: Wegen der Haft hab ich den letzten Geburtstag meiner Kleinen verpasst. Und die Geburt von meinem Sohn, sagt Lottas Vater Enrico. Das kann ich nie mehr nachholen. Aber jetzt kann sie mir wenigstens erzählen, was im Kindergarten los ist. Dass sie schwimmen war und schon bis 20 zählen kann. Leonid bewundert gerade, dass die Haare seiner Kascha schon bis zur Hüfte reichen. Wie bei meiner Mutter, sagt er mit einem versonnenen Lächeln. Kascha ergänzt, dass sie ihrer ukrainischen Oma sehr ähnlich sehe. Dann beugen sich Vater und Tochter wieder über ihr Familienbild. Haftstrafen bis zu drei Jahren werden in der JVA Kempten verbüßt. Meist sind es Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und Betrugsdelikte. Oft auch eine Häufung von Kleindelikten. Mein Papa hat einen Fehler gemacht, deshalb ist er jetzt im Gefängnis, lautet Kaschas knappe und klare Antwort, wenn jemand sie nach ihrem Vater fragt. Noch fast ein Jahr muss sie warten, bis er wieder das rote Familienauto fährt, das sie gerade gemeinsam gemalt haben. Bei Lottas Vater Enrico sind es nur noch ein paar Wochen, bis er rauskommt. Am meisten, sagt er, freue ich mich darauf, einfach wieder den ganz normalen Alltag mit den Kindern und meiner Frau zu teilen. Und er hofft, dass sich Lotta später nicht mehr so genau daran erinnert, wo das bunte Bild mit den Herzen eigentlich entstanden ist. Sigrun Matthiesen *Zum Schutz der Kinder und Eltern wurden alle Namen von der Redaktion geändert. Für viele Familien ist das der erste Schritt, mit dem Thema offen umzugehen. Das Johnniter-Projekt LaVista Mit LaVista helfen die Johanniter den Kindern von Strafgefangenen im Allgäu. Damit der Kontakt nicht abbricht, können straffällig gewordene Väter bei sechs Treffen in Begleitung der Sozialarbeiterin Regine Fendt mit ihren Kindern gemeinsam Zeit verbringen, spielen und basteln. So wird die Bindung zwischen den Vätern und Kindern erhalten und gefestigt. Die Familie retten Eine Gefängnisstrafe kann weitreichende Konsequenzen für die ganze Familie haben. Damit künftig mehr Kinder mehr Zeit mit ihren inhaftierten Vätern verbringen können und der Kontakt nicht abreißt, wollen die Johanniter ihr ausschließlich über Spenden finanziertes Projekt LaVista auch in Zukunft anbieten und mit Rahmenangeboten für die Kinder ausbauen. Unterstützen Sie die Arbeit der Johanniter, damit Kinder diese schwierige Zeit unbeschadet überstehen. 8 Spenden Sie! Die Johanniter ermöglichen den Kontakt zwischen Kindern und ihren Vätern. Helfen Sie, Kinder stark zu machen! Spendenkonto Bank für Sozialwirtschaft IBAN: DE Stichwort: LaVista

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