Sehr geehrte Damen und Herren, liebe ehemalige Mitbürgerinnen und Mitbürger,

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1 Sehr geehrte Damen und Herren, liebe ehemalige Mitbürgerinnen und Mitbürger, vor einigen Tagen hat der Frankenthaler Weihnachtsmarkt seine Pforten geöffnet. In der Innenstadt leuchten abends nun wieder Tausende von Lichtern und an fast allen Ecken und Enden duftet es nach Lebkuchen, Zimt und Glühwein ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich das Jahr seinem Ende zuneigt, Gelegenheit aber auch, einmal innezuhalten, sich auf die Adventszeit und das vor uns liegende Weihnachtsfest einzustimmen und zurückzublicken, auf das, was in den vergangenen zwölf Monaten so alles passiert ist. Gerade in diesen Tagen wird, so denke ich, deutlich, wie wichtig es ist, dass wir unserem Leben bestimmte feste Strukturen zugrunde legen und uns Orientierungspunkte schaffen, an denen wir uns ausrichten können so wie es die Menschen seit jeher getan haben. Wie in den vergangenen Jahren, will ich Ihnen auch in diesem Jahr wieder eine kleine Frankenthaler Chronik zusammenstellen, damit sie nachlesen können, was sich 2005 in Ihrer ehemaligen Heimatstadt alles ereignet hat. Es ist wie immer eine Chronik, in der Heiteres und Erfreuliches ebenso zu finden ist, wie Nachdenkliches, Ernstes und Trauriges. In meinem letzten Brief hatte ich Sie gebeten, uns mitzuteilen, ob Sie nach wie vor Interesse an einer solchen Chronik haben. Die große und positive Resonanz hat mich nicht nur gefreut, sondern zeigt auch, wie sehr Sie sich nach wie vor Ihrer alten Heimat verbunden fühlen auch wenn einige von Ihnen schon viele Jahre nicht mehr in Frankenthal leben. Aber ich denke, es geht Ihnen wie mir: Wer hier geboren ist oder längere Zeit hier gelebt hat, der wird die Stadt immer ein Stück in seinem Herzen tragen.

2 2 Die große Politik zuerst Das wichtigste politische Ereignis der vergangenen zwölf Monate war natürlich die Wahl zum Deutschen Bundestag, die am 18. September stattfand, nachdem die Abgeordneten der Regierung zuvor das Misstrauen ausgesprochen und Bundespräsident Köhler daraufhin das Parlament aufgelöst hatte. In Frankenthal, das ja mittlerweile mit Ludwigshafen einen gemeinsamen Wahlkreis bildet, gaben Bürgerinnen und Bürger ihre Stimmen ab. Das waren 76,5 Prozent der Wahlberechtigten, etwas weniger als der Durchschnitt im Bund, wo es 78,7 Prozent waren. Stärkste Partei wurde die CDU mit 37,9 Prozent vor der SPD mit 35,1, der FDP mit 10,0, den Grünen mit 6,7 und der Linkspartei mit 5,4 Prozent. Auch in Frankenthal also ein Ergebnis ähnlich wie im Bund, das keinen eindeutigen Gewinner erbrachte und die große Koalition aus CDU/CSU und SPD, die mittlerweile ja zustande gekommen ist und mit ihrer Arbeit begonnen hat, präjudizierte. Bei den Erststimmen entfielen auf die Frankenthalerin Prof. Dr. Maria Böhmer von der CDU 45 Prozent, auf Doris Barnett aus Ludwigshafen von der SPD 39,6 Prozent. Im gesamten Wahlkreis hatte Doris Barnett allerdings die Nase vorn. Maria Böhmer, die im alten Bundestag stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion war und auch Bundesvorsitzende der Frauenunion ist, zog über die Liste in den Bundestag ein und wurde in der neuen Regierung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel Staatsministerin für Integration, Migration und Flüchtlinge, ein Themenbereich, der in einer Welt der sich immer mehr öffnenden Grenzen, für unsere Gesellschaft von ganz besonderer Bedeutung ist. Geschichte und Gedenken Auch mit der jüngeren Geschichte unseres Landes und unserer Stadt wurden wir in den zurückliegenden Monaten immer wieder konfrontiert. So erinnerten wir am 21. März mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Zwölf-Apostel-Kirche und einem historischen Vortrag im Dathenushaus an den 50. Jahrestag des Kriegsendes, des Zusammenbruchs der nationalsozialistischen Diktatur und des demokratischen Neubeginns in unserer Stadt. In den letzten Jahren haben Historiker, Publizisten und Politiker immer wieder darüber diskutiert, ob das Ende des Krieges eigentlich eine Niederlage oder eine Befreiung war. Subjektiv betrachtet war es beides je nachdem, wo der Einzelne stand. Für die Anhänger des NS-Systems, die bis zum Schluss nicht erkannt hatten oder erkennen wollten, welch' verbrecherisches System sie da unterstützt hatten, war es natürlich eine Niederlage. Befreiung war es für alle, die vom NS-Regime verfolgt und bedroht wurden, aber auch für jene, die sich nicht mit diesem national-

3 3 sozialistischen Deutschland identifizierten, die das "andere Deutschland" repräsentierten und andere politische Ideen vertraten. Objektiv betrachtet aber war das Kriegsende natürlich für alle Befreiung. Denn ohne die Niederlage des NS-Systems wäre nicht möglich gewesen, was nach 1945 in Gang gesetzt wurde. Der 21. März 1945 bedeutete für Frankenthal nicht nur das Ende von Diktatur und Krieg. Der Tag war auch der erste Schritt auf dem Weg zum politischen und moralischen Neubeginn, der dem nationalsozialistischen Unrechtsregime, Diktatur und Unterdrückung eine Staatsidee entgegenstellte, die auf den Werten Frieden, Freiheit, Demokratie und Rechtstaatlichkeit basiert. Der Tag, an dem NS-Diktatur und Krieg zu Ende gingen, so hat der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog einmal gesagt, war ein Tag, "an dem ein Tor in die Zukunft aufgestoßen wurde", ein Tag, an dem die Deutschen einen "neuen Anfang" geschenkt bekamen. Auch in Frankenthal haben die Menschen 1945/46 begonnen, die Trümmer der vergangenen Jahre beiseite zu räumen. Sie haben ihre Stadt wieder aufgebaut und sie haben uns eine funktionierende Demokratie anvertraut eine Demokratie, die wir gegen alle in Schutz nehmen müssen, die sie in Frage stellen. Im April wurden in der Stadt die ersten 18 "Stolpersteine" des Kölner Künstlers Gunter Demnig verlegt. Es handelt sich dabei um kleine messingfarbene Pflastersteine, die an ehemalige jüdische Mitbürger erinnern, die von den Nationalsozialisten umgebracht wurden. Vermerkt sind auf ihnen die Namen der Opfer, ihre Lebensdaten und ihr Schicksal. Man soll über sie "stolpern" natürlich nur im übertragenen Sinne - und darüber nachdenken, was auch in Frankenthal jüdischen Mitbürgern angetan wurde. Verlegt wurden sie in der Speyerer Straße, der Eisenbahnstraße, der Vierlingstraße, der ehemaligen Färbergasse hinter dem Rathaus, vor dem Dathenushaus und vor der AOK in der Pilgerstraße dort wo jene, an die sie erinnern sollen, einmal lebten, mitten unter uns, bevor sie Opfer eines menschenverachtenden Regimes wurden. Weitere "Stolpersteine" werden im nächsten Jahr verlegt. Am 1. Mai schließlich fand auf dem Rathausplatz eine große Protestkundgebung statt, an der über 1200 Menschen teilnahmen. Sie stand unter dem Motto "Gemeinsam für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit" und war eine imposante Demonstration gegen den Aufmarsch von 300 Neonazis, der zur selben Zeit in Frankenthal stattfand. Unterstützt wurde mein Aufruf zu dieser Protestkundgebung von allen demokratischen Parteien, den Gewerkschaften,

4 4 den Kirchengemeinden und zahlreichen Vereinen und Verbänden. Hauptredner war der frühere SPD-Vorsitzende und Bundesjustizminister Hans-Jochen Vogel, der die Menschen in einer mitreißenden Rede aufforderte, "nicht weg zu schauen und nicht weg zu hören", wenn Neonazis, die Hass predigen und die Verbrechen des NS- Regimes leugnen, aufmarschieren. "Man muss aufstehen und sein Gesicht zeigen", so betonte er. Ich selbst forderte in meiner Rede dazu auf, vor allem die politische Auseinandersetzung mit dem Rechtsradikalismus zu verstärken. Ich bin sicher, dass die sozialen Probleme, die unser Land seit Jahren belasten, einer der Hauptgründe für die Zunahme rechtsradikalen Gedankenguts sind und wir uns wieder mehr um die Frage der sozialen Gerechtigkeit in der Gesellschaft kümmern müssen. Menschen, die Arbeit haben, für sich eine Perspektive sehen und das Gefühl haben, in einer gerechten Gesellschaft zu leben, laufen den braunen Rattenfängern nicht nach. Kulturelle Höhepunkte und ein schlimmer Brand Das kulturelle Highlight des vergangenen Jahres war ohne Zweifel die große Ausstellung zur Geschichte der Frankenthaler Porzellanmanufaktur, deren Entstehung sich 2005 zum 250. Male jährte. Gegründet wurde sie im Jahre 1755 von dem Keramiker Paul Anton Hannong, der zuvor schon in Straßburg eine Porzellanfabrik besaß, diese aber schließen musste, weil in Frankreich Porzellan nur noch in Sèvres hergestellt werden durfte. Daraufhin erhielt Hannong von Kurfürst Carl Theodor die Erlaubnis, sich in der Kurpfalz niederzulassen und in Frankenthal in einer ehemaligen Dragonerkaserne einen neuen Betrieb zu eröffnen. In den folgenden Jahren entwickelte sich die Frankenthaler Manufaktur zu einer der bekanntesten und bedeutendsten im ganzen deutschsprachigen Raum. Hannong produzierte alles, was das Herz seiner adligen Kunden begehrte: Frühstücksgedecke, Speisegeschirre, Tischleuchter, Räuchervasen, Waschgarnituren, Apothekergefäße, Riechfläschchen, Uhrengehäuse, Vogelbauer, Spiegelrahmen, Schreibzeuge, Dosen, Griffe für Spazierstöcke und Figuren für die Tafeldekoration, ja sogar Nachttöpfe und Spucknäpfe. Als Hannong 1760 starb, musste sein Sohn durch Erbansprüche der Geschwister gezwungen die Manufaktur verkaufen. Neuer Besitzer wurde der Kurfürst selbst. Im Jahre 1800 stellte die Manufaktur schließlich ihre Produktion ein. Unter dem Titel "Die Kunst Porcelain zu machen" wurden im Erkenbert-Museum weit über 300 wertvolle Kunstwerke der Frankenthaler Manufaktur, von Spitzenkräften ihrer Zeit entworfen und gefertigt, gezeigt. Sie stammten aus Privatsammlungen und zahlreichen anderen Museen. Rechnet man noch unsere eigenen Exponate hinzu, die in einer Dauerausstellung im Museum und im Rathausfoyer gezeigt werden, so waren rund 680 Stücke zu bewundern. Es war eine der größten Ausstellungen von Frankenthaler Porzellan, die bisher zu sehen war - und zwar weltweit. Über Besucher kamen ins Erkenbert-Museum. Ein umfangreicher Ausstellungskatalog mit 424 Abbildungen "Die Kunst Porcelain zu machen". Frankenthaler Porzellan , herausgegeben von Dr. Edgar J. Hürkey - hält die nun wieder zerstobene

5 5 Pracht auf 231 Seiten fest. Sollten Sie Interesse haben: Er ist beim Kulturamt der Stadt Frankenthal erhältlich. Umrahmt wurde die Ausstellung, die auch in der überregionalen Presse, im Radio und Fernsehen große Beachtung fand, von zahlreichen Veranstaltungen zum Thema "Porzellan": Wissenschaftliche Vorträge, die das Thema mit weiteren Erkenntnissen und schönen Bildfolgen anreicherten, Konzerte mit Kammermusik des 18. Jahrhunderts, eine "lange Nacht der Porzellanliteratur" in der Stadtbücherei, ein Keramikmarkt und Vorführungen unserer Frankenthaler Puppenmacherin Christa Spittel, die Interessierten demonstrierte, wie eine Porzellanfigur entsteht. Auch der Perron- Kunstpreis der Stadt Frankenthal, der alle drei Jahre vergeben wird, war in diesem Jahr für die Sparte Porzellan ausgeschrieben. Insgesamt hatten 235 Künstler Arbeiten eingereicht eine Zahl, die deutlich macht, welche Bedeutung dieser mit dotierte Kunstpreis der einzige übrigens, der auch Porzellan berücksichtigt - mittlerweile in Deutschland besitzt. Vergeben wurde er von der Jury an die Berliner Künstlerin Aino Nebel für ihr Werk "Marie 2003". Frankenthal 2005 also ganz im Zeichen des Porzellans. Aber es gab natürlich auch andere kulturelle Höhepunkte in den vergangenen zwölf Monaten. Allen voran die 13. Frankenthaler Kulturtage, die ich im Mai eröffnen konnte und die wieder einmal ein facettenreiches Bild vom Kulturleben in unserer Stadt präsentierten: Ausstellungen, Konzerte, offene Ateliers, Führungen auf dem Friedhof zu "Versteckte(n) Kostbarkeiten" und vieles andere mehr. Im Rahmen der Kulturtage wurde am 15. Mai im Theater Alte Werkstatt auch wieder der Pfälzer Mundarttheaterpreis der Stadt Frankenthal vergeben. Der zweite Preis ging an Rudy Kupferschmitt für sein Stück "Pälzer in Future", eine Satire aus der Zukunft der Pfalz und der Pfälzer. Zwei dritte Preise erhielten der Frankenthaler Gerhard Metzler für "Herzklobbe", ein Stück über das ewig junge Thema Liebe, und der Flomersheimer Walter Rupp für die "Loreley vunn Frankedahl", eine Komödie über einen alten Schifferkahn und den Frankenthaler Kanal. Ein erster Preis wurde in diesem Jahr nicht vergeben. Weniger erfreulich war, was einige Wochen später passierte, als in den frühen Morgenstunden des 30. Juli das Lux-Kinocenter in der August-Bebel-Straße durch einen Großbrand vollständig zerstört wurde. Nicht nur für die Cineasten ein Schock, sondern auch für die Kulturszene der Stadt ein schwerer Schlag, da sich das Lux nach dem allgemeinen Niedergang der Kinos in den 70ern und 80ern des vergangenen Jahrhunderts in den letzten Jahren längst wieder zu einem wichtigen Bestandteil des kulturellen Lebens in Frankenthal entwickelt hat. Zwar ist ein Wiederaufbau geplant, aber das wird dauern. Frankenthal also monate-, ja vielleicht jahrelang ohne Kino? Undenkbar! Also haben wir uns zusammengesetzt und mit Hilfe des Protestantischen Dekanats rasch eine Übergangslösung gefunden: Bis zum Bau des neuen Kinogebäudes findet das Lux nun im Dathenushaus eine neue Heimat. Geburtstage, Jubiläen und Abschiede Ganz besondere Jubiläen konnten in diesem Jahr ein Frankenthaler Verein und zwei Schulen der Stadt feiern: der Kleintierzuchtverein, die Albert-Schweitzer-Schule und unser altehrwürdiges und doch stets so junges und modernes Karolinengymnasium.

6 6 Der Kleintierzuchtverein blickte im Juni auf sein 100jähriges Bestehen zurück und erhielt aus diesem Grunde als besondere Auszeichnung den Staatsehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz. Vereine wie der Kleintierzuchtverein sind ein wichtiges Element unserer lebendigen Bürger- und Zivilgesellschaft. Sie ermöglichen nicht nur mitmenschliche Begegnungen, Kommunikation und persönliche Kontakte, sondern tragen auch zur Pflege der Gemeinschaft bei, erfüllen eine Mittlerrolle zwischen den Generationen und sind seit jeher "sozialer Treffpunkt", der dazu beiträgt, Menschen aller Schichten, Nationalitäten und Religionen in die örtliche Gemeinschaft einzubinden. Beim Kleintierzuchtverein kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu: Der intensive und verantwortungsbewusste Umgang mit dem Tier fördert beim Menschen die Sensibilität für die Bedeutung einer intakten und gesunden Umwelt. Lange bevor andere die Notwendigkeit von Umwelt- und Artenschutz erkannten, haben ihn die Kleintierzüchter schon praktiziert. Die Kleintierzucht ist daher auch hervorragend geeignet, junge Menschen an den Umgang mit Tieren heranzuführen und ihnen zu zeigen, dass wir Tiere schützen und pflegen und unserer Umwelt Respekt zollen müssen. Ebenfalls 100 wurde die Albert- Schweitzer-Schule für Lernbehinderte. Und es war ein langer Weg von der "Hilfsklasse", die 1905 erstmals eingerichtet wurde, über die "Hilfsschule", wie sie lange hieß, die "Sonderschule für Lernbehinderte" bis hin zur heutigen "Förderschule". Ein langer Weg nicht nur räumlich von der Neumayerschule in das Schulhaus an der Wormser Straße, die spätere Pestalozzischule, dann in der Nachkriegszeit nach Mörsch, in die Schillerschule, den Kindergarten in der Pilgerstraße, erneut in die Pestalozzischule, in die Holzhofstraße und schließlich die endgültige Rückkehr in die Pestalozzischule, wo die Schule nun seit fast einem Vierteljahrhundert untergebracht ist und ab dem Schuljahr 2004/2005 als Ganztagsschule ihre wohl endgültige Heimstatt gefunden hat. Ein langer Weg auch, was die inhaltlichen Konzepte anbelangt: Von der Isolation und Aussonderung von Kindern mit Lernproblemen in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens über erste Ansätze fortschrittlicherer Methoden bis hin zur modernen Pädagogik, in deren Mittelpunkt heute die Themenkomplexe Förderung und Integration stehen. An kaum einer anderen schulischen Einrichtung wird der Wandel von Erziehungsauftrag und Erziehungsmethodik im Verlauf der letzten 100 Jahre deutlicher. Die Albert-Schweitzer-Schule ist heute Stammschule für alle Kinder mit Lernproblemen in den Grundschulen von Frankenthal und des nördlichen Rhein-Pfalz-Kreises. Sie ist ein wichtiger und selbstverständlicher Teil der Schulstadt Frankenthal. Ihre Aufgabe ist es, Kinder und Jugendliche entsprechend ihren Fähigkeiten optimal auszubilden, ihnen den Erwerb qualifizierter Schulabschlüsse zu ermöglichen und sie so in die Lage zu versetzen, sich nach Beendigung ihrer Schulzeit in der Erwachsenenund Arbeitswelt zurechtzufinden. Jedem jungen Menschen muss die bestmögliche Förderung eröffnet werden. Mit ihrer pädagogischen Arbeit hat die Albert-Schweitzer- Schule wesentlich dazu beigetragen, dass diese Forderung weitgehend Realität geworden ist. Ihre Pädagogen haben sich dabei stets von den Werten leiten lassen, für

7 7 die Albert Schweitzer, der Namensgeber der Schule, auch heute noch steht: Humanität, Nächstenliebe, soziale Gerechtigkeit. Im September erinnerte das Karolinengymnasium an seine Gründung als "Philantropin für protestantische junge Frauenzimmer" im Jahre 1780, die sich zum 225. Male jährte. Beim Festakt sprach die Ministerin für Bildung, Frauen und Jugend in Rheinland-Pfalz, Doris Ahnen. "Bildung", so betonte sie in ihrer Rede, " ist der Schlüssel zur Chancengleichheit". Und sie machte den Frankenthalern und dem KG, wie das Karolinengymnasium in der Stadt liebvoll heißt, ein schönes Kompliment: "Ihre Kinder sind hier in guten Händen". Zahlreiche Veranstaltungen ergänzten den Festakt, unter anderem auch die Kunstausstellung "225 Carolinen" und eine historische Ausstellung, mit der Schülerinnen und Schüler der Schule die Geschichte des Karolinengymnasiums während der NS-Zeit dokumentierten. Einen ganz besonderen Geburtstag feierte am 10. Januar 2005 auch der Mörscher Rudolf Christmann, der 105 Jahre alt wurde und der älteste Frankenthaler ist. Man stelle sich vor: Als er geboren wurde, regierte in Deutschland noch Kaiser Wilhelm II. Danach erlebte er als junger Mann die Weimarer Republik, Inflation und Weltwirtschaftskrise. Zeitabschnitte und Ereignisse, die für uns Jüngere weit in der Vergangenheit liegen und Geschichte sind. Für Rudolf Christmann sind sie Teil seiner Biographie. Anschließend NS-Diktatur, Zweiter Weltkrieg, Wiederaufbau nach Kriegsende und schließlich über 50 Jahre Bundesrepublik Deutschland. Rudolf Christmann lebt übrigens seit seiner Geburt in Mörsch ein echtes Mörscher Urgewächs also. In den Ruhestand verabschiedet wurden in diesem Jahr Gerhard Bürckle, der seit 1975 kaufmännischer Leiter und seit 1991 alleiniger Geschäftsführer der Frankenthaler Stadtwerke war; Werner Salz, der das Pfalzinstitut für Hörsprachbehinderte zwölf Jahre als Direktor leitete, und Hans Werner Tautz, der acht Jahre Chef des Albert- Einstein-Gymnasiums war. Im Februar wurde der Frankenthaler Dr. Dieter Schiffmann zum neuen Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz in Mainz ernannt. Zuvor hatte er für die SPD seit 1987 dem rheinland-pfälzischen Landtag angehört und dort die Interessen der Stadt Frankenthal stets mit großem Engagement vertreten. Seine Nachfolgerin im Landtag wurde die junge Frankenthaler Rechtsanwältin Antje Weiser. Sie haben sich für das Gemeinwohl verdient gemacht Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz hat kürzlich darauf hingewiesen, dass die Zahl der Bürgerinnen und Bürger, die sich in Rheinland-Pfalz ehrenamtlich engagieren, in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist. Dies ist eine äußerst erfreuliche Entwicklung, denn wir wissen alle, dass unsere freiheitliche und demokratische Gesellschaft nur lebt und funktioniert, wenn die Menschen in ihr mitarbeiten und Ver-

8 8 antwortung übernehmen mit eigenen individuellen Initiativen, in Vereinen und Verbänden, in der Kommunalpolitik oder im sozialen und kulturellen Bereich. Wir haben deshalb auch in diesem Jahr bei unserem alljährlichen Bürgerempfang im September wieder fünf Frankenthaler Bürgerinnen und Bürger, die sich in ganz besonderem Maße für die Allgemeinheit engagiert haben, mit der Ehrenanstecknadel der Stadt Frankenthal ausgezeichnet: Dorothea Gast, die seit seiner Gründung im Jahr 1965 Mitglied im Gehörlosenverein Frankenthal ist und in diesen 40 Jahren als 1. Vorsitzende und in zahlreichen anderen Funktionen ehrenamtlich gewirkt und mit unermüdlichem Einsatz für das Wohl des Vereins und seiner Mitglieder gearbeitet hat. Sie ist ein herausragendes Beispiel für den großen Einsatz, mit dem sich auch in unserer Stadt zahlreiche Menschen über Jahre und Jahrzehnte in einem unserer Vereine engagieren. Dies gilt auch für Horst Weindorf. Er gehört seit fast 30 Jahren dem Kreisverband Frankenthal der Johanniter-Unfall-Hilfe an und ist seit 1978 Gruppenführer im Betreuungsdienst und seit 1979 Schirrmeister und damit für den ordnungsgemäßen Zustand und die Einsatzbereitschaft des Materials und der Fahrzeuge verantwortlich. Seit 1999 leitet er außerdem die Verpflegungsgruppe des Standortes Frankenthal. Herr Weindorf hat nicht nur beim Umbau der Johanniter-Unterkunft in Frankenthal viele freiwillige Arbeitsstunden geleistet, sondern war bis zu seiner schweren Erkrankung Anfang dieses Jahres eines der aktivsten ehrenamtlichen Mitglieder der Johanniter-Unfall- Hilfe in unserer Stadt überhaupt. Werner Busch, Rektor im Ruhestand, hat sich sowohl im kulturellen Leben als auch in der Kommunalpolitik unserer Stadt besondere Dienste erworben. Er war nicht nur jahrelang Schulleiter der Schiller-Realschule, einer der größten Realschulen in Rheinland-Pfalz, sondern hat in seiner Freizeit 40 Jahre lang den Orgeldienst der Lutherkirche versehen und 30 Jahre lang den Kirchenchor der Gemein-

9 9 de geleitet. Er ist Mitglied im Vorstand der Ökumenischen Sozialstation und Ehrenvorsitzender des FDP-Kreisverbandes. Dem Frankenthaler Stadtrat gehörte er mit Unterbrechung 15 Jahre lang an. Die Gründung der Frankenthaler Musikschule ist vor allem auch seiner Initiative und seinem besonderen Engagement für das kulturelle Leben unserer Stadt zu verdanken. Kommunalpolitisch und in zahlreichen Vereinen aktiv war auch Max Carius. Dem Stadtrat gehörte er als Vertreter der Freien Wählergruppe von 1994 bis 2004 an. Daneben war er Gründungsmitglied und langjähriger Vorsitzender des Gießereifachvereins Frankenthal, des Verkehrsvereins, des Frankenthaler Carnevalsvereins und des Rudervereins, dessen Ehrenvorsitzender er heute ist. Herr Carius war stets großzügiger Mäzen. Anlässlich ihrer 400-Jahr-Feier schenkte er der Stadt Frankenthal 1977 das Glockenspiel auf dem Turm der Zwölf-Apostel-Kirche, das er selbst gegossen hatte stiftete er die von Adam Martin Foeller geschaffene, lebensgroße Plastik "Treidler mit Schiff", die beim Freilichtmuseum "Frankenthaler Kanal" aufgestellt ist. Und 1997 machte er der Evangelischen Kirchengemeinde ein großes Abendmahlrelief zum Geschenk. Darüber hinaus übernahm Herr Carius jahrelang die Treibstoffkosten für die Fahrzeuge der Diakonissen- und Ordensschwestern für deren Fahrten zur Pflege und Betreuung älterer und kranker Bürger. Herr Paul Theobald schließlich hat sich vor allem für das Gedenken an die ehemaligen Frankenthaler Juden engagiert. Mit seiner Arbeit hat er deutlich gemacht, dass wir nachfolgenden Generationen zwar keine Schuld an dem tragen, was zwischen 1933 und 1945 auch in Frankenthal geschehen ist, dass aber auch wir Verantwortung übernehmen müssen. In mühevoller Kleinarbeit hat Herr Theobald das Schicksal der Frankenthaler Juden erforscht und seine Forschungsergebnisse uneigennützig zur Verfügung gestellt. Er hat sich dafür eingesetzt, dass im Jahre 2002 einige der noch lebenden Frankenthaler Juden eingeladen wurden. Er hat einen großen Teil der Betreuung übernommen und sich in diesem Jahr auch finanziell und organisatorisch an der Aktion "Stolpersteine" beteiligt. Darüber hinaus hat er sich dafür eingesetzt, dass die 10jährige Dorintina Bajrami aus dem Kosovo, die schwer herzkrank war, in Deutschland operiert werden konnte. Er hat sie betreut und einen nicht geringen Teil der anfallenden Kosten übernommen. Der Vereinsförderpreis ging in diesem Jahr an die Ökonomische Obdachlosen- und Nichtsesshaftenhilfe für ihr Projekt "Frankenthaler Tafel", bei dem kostenlos Lebensmittel an bedürftige Menschen in Frankenthal verteilt werden. Das Projekt existiert seit 1998 und wurde von Franz-Josef Möller und seinen Helfern von der Obdachlosen- und Nichtsesshaftenhilfe ins Leben gerufen. Unterstützt wird die "Frankenthaler Tafel" von zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeitern, Supermärkten und Geschäf-

10 10 ten aus Frankenthal und den umliegenden Orten, die Lebensmittel zur Verfügung stellen. Der letzte Armutsbericht der Bundesregierung hat deutlich gemacht, dass es auch in unserem so reichen Land immer mehr Armut gibt offen, zum Teil aber auch versteckt und verschämt. Auch in Frankenthal hat die Zahl bedürftiger und armer Menschen in den letzten Jahren zugenommen. Auch in unserer Stadt geht die soziale Schere wieder auseinander, gibt es Menschen, denen es immer schwerer fällt, von dem Geld, das ihnen zur Verfügung steht, menschenwürdig zu leben. Mit ihrer Arbeit trägt die "Frankenthaler Tafel" dazu bei, diesen Menschen zu helfen unbürokratisch und ohne lange zu fragen. Ihre Initiatoren haben sich nicht darauf beschränkt, die zunehmende Armut zu beklagen, sie sind aktiv geworden und haben geholfen. Sie haben das getan, was in Sonntagsreden immer wieder gefordert, aber immer noch viel zu selten in die Tat umgesetzt wird: Sie haben Verantwortung für den Mitmenschen übernommen und ein Zeichen der Nächstenliebe und Solidarität gesetzt. Das verdient unseren Respekt und unseren Dank. Die Stadt verändert ihr Gesicht Natürlich hat sich auch das Frankenthaler Stadtbild in den vergangenen zwölf Monaten verändert nicht mehr mit ganz großen Projekten, wie dies in den letzten Jahrzehnten der Fall war, aber doch Schritt für Schritt. So konnte ich im April den neu gestalteten und erweiterten Metzner-Park zwischen Schmiedgasse und Foltzring hinter dem Hieronymus-Hofer-Altenheim der Öffentlichkeit übergeben. Er ist benannt nach dem Frankenthaler Sportler und Arzt Adolf Metzner, der aus einer bekannten Brauereifamilie der Stadt stammte und als Leichtathlet ebenso erfolgreich war wie später als Kardiologe und Sportmediziner. Im Juni wurde das neue Konferenzzentrum unseres CongressForums in Dienst gestellt, im Juli wurden der "Wohnpark Südliche Frankenstraße/Salierring" mit 64 Einfamilienhäusern auf Teilen des früheren Werksgeländes von Crown-Bender seiner Bestimmung übergeben und auf der Freifläche zwischen unserem neuen Verwaltungsgebäude und der Stadtbücherei in der Welschgasse der erste Spatenstich für einen großen neuen Büro-, Wohn- und Geschäftskomplex vollzogen und im Oktober wurde im Geschäfts- und Gewerbegebiet der nördlichen Wormser Straße ein neues Fachmarktzentrum eröffnet, das die Einkaufsmöglichkeiten im nördlichen Stadtgebiet weiter verbessert und den Ruf Frankenthals als Stadt der kurzen Wege erneut bestätigt.

11 11 Die Metropolregion Rhein-Neckar Vor einigen Monaten wurde die Region Rhein-Neckar, der siebtgrößte Wirtschaftsraum Deutschlands, in die Riege der europäischen Metropolregionen aufgenommen. Rhein-Neckar gehört damit zu den herausgehobenen Regionen Europas, denen eine besondere Funktion und damit verbunden auch die Aussicht auf besondere Förderungen zugemessen wird. Bis zum Jahr 2015 soll die Region als Unternehmens- und Arbeitsstandort, als Gesundheits- und Wissenschaftsstandort, als Ort großer Kulturund Sportereignisse und als Standort mit herausragender Wohn- und Lebensqualität zu einer der attraktivsten Regionen Europas werden. Frankenthal ist ein wichtiger Teil dieser Region. Unsere Stadt ist ein anerkannter Wirtschaftsstandort. Unternehmen wie KSB, KKK, KBA, Siemens, Renolith oder Tarkett-Sommer haben Weltruf. Darüber hinaus haben sich in den letzten Jahren moderne mittelständische Unternehmen der Kommunikations- und Computertechnik angesiedelt, und im neuen Unternehmenspark Frankenthal-Nord stehen attraktive Gewerbeflächen mit bester Infrastrukturanbindung zur Verfügung. Unser CongressForum ist eine der modernsten und attraktivsten Veranstaltungs- und Tagungsstätten in der Region. Mit Landgericht, Amtsgericht, Staatsanwaltschaft und Justizvollzugsanstalt sind wir in der Region der zentrale Justizstandort. Für die Stadt und den heutigen nördlichen Landkreis Rhein-Pfalz halten wir die wichtigsten Schulen vor. Unsere Strandbadanlage mit ihrem alten Baumbestand und dem großen Weiher gehört zu den schönsten weit und breit und ist ein einzigartiger Ort für große Musikveranstaltungen. Das Frankenthaler Porzellan und zahlreiche weitere Kunstwerke im Museum, der Perron-Kunstpreis, ein ansprechendes Theater- und Musikprogramm, das Theater Alte Werkstatt, unsere Musikschule, der Kunstverein und demnächst vielleicht das "Philipp-Karcher-Haus für Kunst und Kultur" stehen für eine lebendige Kulturszene. Das Kletterzentrum Pfalzrock als Landesleistungszentrum, das Strohhutfest, das Sommerfestival in der Erkenbertruine oder die zahlreichen Märkte im Stadtzentrum führen Menschen aus der ganzen Region immer wieder in unsere Stadt. Attraktive alte und neue Wohngebiete, schöne Park- und Grünanlagen oder die naturnahen Entwicklungszonen am Kräppelweiher und im Kleinen Wald bieten eine hohe Lebensqualität. Durch großes ehrenamtliches Engagement zahlreicher Bürgerinnen und Bürger gibt es ein vielfältiges Vereinsleben in nahezu allen denkbaren Interessenssparten. All das werden wir in die weitere Entwicklung von Rhein-Neckar einbringen. Und mir ist nicht bange, dass Frankenthal so wie schon in der Geschichte - auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil der Region sein wird ein Bestandteil, der aber die eigene Identität stets hüten und bewahren wird.

12 12 Apropos Zwei interessante Kleinigkeiten zum Schluss: Seit Mai trägt ein ICE der Deutschen Bundesbahn, der im bundesweiten Netz der Bahn unterwegs ist, den Namen unserer Stadt und seit September hören die Frankenthaler mittags um zwölf Uhr ein neues Lied vom Glockenspiel im Turm der Zwölf-Apostel- Kirche: "Geh aus mein Herz und suche Freud" von Paul Gerhard löste den "Jäger aus Kurpfalz" ab, der bisher ertönte. Sollten Sie noch mehr über Frankenthal wissen wollen, so besuchen Sie doch einfach die Frankenthaler Homepage im Internet: www. frankenthal.de. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, Ihrer Familie und Ihren Freunden ein gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für das Neue Jahre Mit herzlichen Grüßen

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