Wie Zuzug gelingt. Hintergründe, Methoden und Beispiele für die Arbeit in Gemeinden

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1 Wie Zuzug gelingt Hintergründe, Methoden und Beispiele für die Arbeit in Gemeinden

2 Unser Leitbild / Our Mission Nachhaltig für Natur und Mensch / Sustainable for nature and mankind Lebensqualität / Quality of life Wir schaffen und sichern die Voraussetzungen für eine hohe Qualität des Lebens in Österreich. / We create and we assure the requirements for a high quality of life in Austria. Lebensgrundlagen / Bases of life Wir stehen für vorsorgende Erhaltung und verantwortungsvolle Nutzung der Lebensgrundlagen Boden, Wasser, Luft, Energie und biologische Vielfalt. / We stand for a preventive conservation as well as responsible use of soil, water, air, energy and bioversity. Lebensraum / Living environment Wir setzen uns für eine umweltgerechte Entwicklung und den Schutz der Lebensräume in Stadt und Land ein. / We support an environmentally friendly development and the protection of living environments in urban and rural areas. Lebensmittel / Food Wir sorgen für die nachhaltige Produktion insbesondere sicherer und hochwertiger Lebensmittel und nachwachsender Rohstoffe. / We ensure sustainable production in particular of safe and high-quality food and of renewable resources Impressum Medieninhaber, Herausgeber, Copyright: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Sektion III Landwirtschaft und Ernährung, Stubenring 12, 1010 Wien Alle Rechte vorbehalten Gesamtkoordination: Österreichisches Institut für Erwachsenenbildung (oieb) Schimmelgasse Wien Autorin: Mag. a Barbara Gruber-Rotheneder (oieb) Mit inhaltlicher Unterstützung von Mag. Ingolf Erler (oieb) Mag. Klaus Thien (oieb) Lektorat: Mag. a Carina Diesenreiter (oieb) Titelbild: Barbara-Maria Damrau - Fotolia.com Layout: Österreichisches Institut für Erwachsenenbildung (oieb) Besonderer Dank für die Bereitstellung von relevantem Datenmaterial sowie der kritischen Durchsicht der Manuskripte an: Fachabteilungen des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, Agrarmarkt Austria Marketing GmbH Wien, Dezember 2020 Bildnachweis, Produktion und Druck: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier mit Pflanzenfarben. 2 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

3 ProjektpartnerInnen Dieses Handbuch ist das Ergebnis eines Projekts im Auftrag der LEADER-Region Weinviertel- Manhartsberg, durchgeführt im Rahmen des LEADER-Programms, das von Bund, Land und Europäischer Union kofinanziert wird. Im Projekt wirkten VertreterInnen folgender Organisationen mit: Bildungs- und Heimatwerk Niederösterreich, Gemeinde Grabern, Katholisches Bildungswerk Wien, LEADER-Region Weinviertel-Manhartsberg, Niederösterreichische Dorf- & Stadterneuerung und Österreichisches Institut für Erwachsenenbildung. Gemeinde Grabern Besonderer Dank gilt dabei dem Projektteam, dessen Expertisen sowohl in die Fragebogenerhebungen als auch in Erstellung dieses Handbuchs eingeflossen sind: Christa Bieglmayer (Gemeinde Grabern) Ingolf Erler (oieb) Margit Fiby (Niederösterreichische Dorf- & Stadterneuerung, Regionalbüro Weinviertel) Barbara Gruber-Rotheneder (oieb) Markus Hofbauer (Niederösterreichische Dorf- & Stadterneuerung, Regionalbüro Weinviertel) Herbert Leeb (Gemeinde Grabern) Erwin Mayer (KBW Wien, Regionalbetreuung Weinviertel) Renate Mihle (LAG Weinviertel-Manhartsberg) Daniela Stampfl-Walch (BHW Niederösterreich) Klaus Thien (oieb) LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

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5 Inhaltsverzeichnis Einleitung 7 Aspekte der Suburbanisierung und Zuzug in städtischen Umlandgemeinden 9 Begriffsklärung und Überblick von der Wohnsuburbanisierung bis zur Postsuburbanisierung 9 Wohn- bzw. Bevölkerungssuburbanisierung 9 Gewerbe- und Dienstleistungssuburbanisierung 10 Freizeitsuburbanisierung 11 Postsuburbanisierung 11 Aspekte des Zuzugs in städtischen Umlandgemeinden 14 Bevölkerungsentwicklung 14 Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur 18 Entwicklung der Siedlungsstrukturen 21 Charakteristik der Zugezogenen 24 Motive und Erwartungen an den neuen Wohnstandort 24 Eigentumsbildung und Status 24 Soziales Umfeld und Identifikationsmöglichkeit 25 Freiräume und ein gesundes Leben 26 Arbeitsplatz 26 Kinder 26 Motive im Überblick 27 Typologie der Zugezogenen 27 Junge (Klein-)Familien 28 Ältere Menschen 29 Verschiedene Lebensstiltypen 29 Unterschiede zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen 30 Altersstruktur 30 Bildungsniveau 30 Berufsstatus und Einkommen 31 Mobilität 32 Lebensstil 32 Bewertung des Zuzugs aus Gemeindesicht 33 Generell mehr Zuzug erwünscht 34 Jungfamilien als bevorzugte Personengruppe 34 Aktive Strategien zur Steigerung der Gemeindeattraktivität 35 Bevorzugte Wohnformen 36 Allgemeine Vor- und Nachteile für die Gemeinde 36 Schlussfolgerungen für Gemeinden 37 Gesellschaftspolitische Maßnahmen 37 Raumordnungsspezifische Maßnahmen 38 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

6 Integration neuer GemeindebürgerInnen in ihre(r) Zuzugsgemeinde 39 Definition von Integration 39 Dimensionen von Integration 40 Vier Stufen von Integration 41 Bewertung der Integration von Zugezogenen in Gemeinden 42 Sichtweisen der Alteingesessenen und der Zugezogenen auf Integration 43 Sichtweisen der Gemeinden auf Integration 43 Gemeindeaktivitäten zur Integration von Zugezogenen 44 Gelingensfaktoren und Hindernisse bei der Integration Zugezogener 45 Good-Practice-Beispiele für die Integration von Zugezogenen 49 Praxisbeispiele zur Integration von Zugezogenen nach vier Stufen 49 Informieren 49 Kennenlernen 53 Gemeinsam gestalten 62 Miteinander leben 68 Praxisbeispiele für die Integration von Zugezogenen nach unterschiedlichen Zielgruppen 78 (Junge) Familien 78 Kinder und Jugendliche 80 SeniorInnen / Generationen 81 Menschen mit Migrationshintergrund 83 Frauen / Männer 85 Zusammenfassung 87 Literaturverzeichnis 89 Kurzfragebögen 93 6 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

7 Einleitung In den letzten Jahrzehnten weisen einzelne Gemeinden in Österreich erhebliche Wanderungsgewinne durch Zuzug aus naheliegenden Großstädten auf. Diese Entwicklungen gehen auf das Phänomen der Suburbanisierung zurück, wonach sich Großstädte in konzentrischen Kreisen über ihre administrativen Grenzen hinaus ausdehnen. Das eingeschränkte Wohnraumangebot, die Boden- und Mietpreise sowie die Umweltqualität in der Kernstadt führten dazu, dass viele Menschen sich am Stadtrand oder im Stadtumland ansiedelten. In suburbanen Gebieten waren die Grundstückspreise meist günstiger, die Flächen weniger verbaut und der Wunsch nach Wohnen im Eigenheim und nach Nähe zur Natur erfüllbarer. ZuzüglerInnen scheinen nach bestimmten Aspekten von Lebensqualität zu suchen, die sie in locker verbauten städtischen Umlandgemeinden in höherem Maß als in den dicht bebauten Kernstädten zu finden hoffen. Zudem ermöglicht gestiegener Wohlstand und die damit verbundene erhöhte Mobilität ein tägliches Pendeln von der Arbeit zum Wohnort, das auch durch gut ausgebaute Verkehrsanbindungen und durch Ansiedlung von Gewerbe-, Dienstleistungs- und Freizeiteinrichtungen unterstützt wird. Auf Gemeindeebene sind mit der Suburbanisierung Vor- und Nachteile verbunden: Einerseits profitieren Zuzugsgemeinden von zusätzlichen Einnahmen über den Finanzausgleich, das Ansteigen der Brutto-Regionalprodukte und von höheren Kaufkraftströmen; andererseits sehen sie sich mit hohen Kosten für zusätzliche Infrastrukturen, der Verbauung von Flächen und mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen konfrontiert. In den letzten Jahren und Jahrzehnten lässt sich zudem ein Phänomen beobachten, dass die Suburbanisierungszonen mittlerweile in durchwegs ländlich charakterisierte Gebiete hineinreichen. Daher spricht man heute auch oft von Postsuburbanisierung. Die ursprünglichen Suburbanisierungszonen rund um Großstädte werden nicht zuletzt durch die Ansiedlung von Gewerbebetrieben, Büroanlagen und großen Einkaufs- und Freizeitparks immer mehr verbaut. Die Nachfrage nach freien Flächen erhöht die Grundstückspreise. Viele Menschen siedeln sich daher immer häufiger in weiter entfernteren ländlichen Gemeinden an und nehmen auch in Kauf, für ihre Pendelbewegungen längere Distanzen zurückzulegen. Soziale Aspekte fanden in dieser Debatte bisher weniger Beachtung. Der steigende Zuzug in stadtnahen oder ländlichen Gemeinden bringt neben gemeindepolitischen Aspekten wie Einnahmen, Infrastruktur und Angeboten auch die Frage der Integration mit sich: Wie können Zugezogene, die aus einer anderen Gemeinde, einer anderen Stadt oder einem anderen Land zuziehen, bestmöglich in ihre Zuzugsgemeinde integriert werden? Das vorliegende Handbuch widmet sich dieser Frage. Aufbau und Zielgruppe des Handbuchs Im ersten Teil des Handbuchs Aspekte der Suburbanisierung und Zuzug in städtischen Umlandgemeinden werden das Phänomen der (Post-)Suburbanisierung und die damit verbundenen Entwicklungen erläutert. Eine Charakteristik der Zugezogenen gibt darüber Aufschluss, wer die Menschen vorwiegend sind, die aus den Kernstädten in städtische Umlandgemeinden und ländlichere Gemeinden zuziehen. Ein weiteres Kapitel widmet sich der Gemeindesicht und der Frage, wie Gemeinden den steigenden Zuzug bewerten. Die Frage, wie ZuzüglerInnen bestmöglich in ihre neuen Wohngemeinden integriert werden können, bildet das Abschlusskapitel des ersten Handbuchteils. LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

8 Im zweiten Teil des Handbuchs Good-Practice-Beispiele für die Integration von Zugezogenen wird eine Vielfalt an Praxisbeispielen aus dem Erwachsenenbildungsbereich, aus dem Regional- und Kommunalentwicklungsbereich und aus dem sozialen Bereich aufgelistet. Die Praxisbeispiele, die nur einen Querschnitt aus der Fülle an Projekten darstellen können, werden dabei nach zwei verschiedenen Kategoriensystemen sortiert: nach den vier Stufen Informieren, Kennenlernen, Gemeinsam gestalten und Miteinander leben und nach verschiedenen Zielgruppen wie (Junge) Familien, Kinder und Jugendliche, SeniorInnen / Generationen, Menschen mit Migrationshintergrund, Frauen / Männer. Das Handbuch richtet sich in erster Linie an Gemeinden, (örtliche) Bildungsträger, Vereine und soziale Einrichtungen, die sich mit der Frage der Integration Zugezogener in Gemeinden beschäftigen. Es soll sowohl den theoretischen als auch den praktischen Hintergrund dafür liefern, das Phänomen besser zu verstehen und erste Impulse zu erhalten. Vor allem die praktischen Beispiele im zweiten Teil zeigen Gemeinden eine Vielfalt an Möglichkeiten auf, wie das Zusammenleben Alteingesessener und Zugezogener gefördert werden kann. Entstehungskontext Dieses Handbuch ist das Ergebnis eines Projekts im Auftrag der LEADER-Region Weinviertel- Manhartsberg, durchgeführt im Rahmen des LEADER-Programms, das von Bund, Land und Europäischer Union kofinanziert wird. Im Zentrum des Projekts standen zudem die folgenden Schritte: I In der Weinviertler Gemeinde Grabern, die seit einigen Jahren Zuzugsgewinne aufweisen kann, wurde pilothaft eine Fragebogenerhebung zum Thema Integration von ZuzüglerInnen durchgeführt. Alteingesessene und neu zugezogene BürgerInnen wurden u.a. nach Zufriedenheit und Nutzung der Angebote in der Gemeinde (Angebote von Vereinen und Gruppen, Angebote in Form von Infrastruktureinrichtungen), nach Motiven für den Zuzug und nach ihren Integrationserfahrungen gefragt. Einzelne Ergebnisse aus der Befragung werden im Handbuch angeführt. II Zusätzlich wurde unter Gemeinden in Österreich, die einen Zuzug von mehr als 5% aufweisen, eine Online-Fragebogenerhebung ebenfalls zum Thema Integration von ZuzüglerInnen durchgeführt. Die Gemeinden wurden u.a. danach gefragt, welche Motive sie hinter dem Zuzug vermuten, welche Vor- und Nachteile der Zuzug für die Gemeinde mit sich bringt und wie Integration in der Gemeinde funktioniert. Auch aus dieser Erhebung sind einzelne Ergebnisse in das Handbuch eingeflossen. III Im Rahmen eines Workshops wurde von der Weinviertler Gemeinde Grabern, dem Österreichischen Institut für Erwachsenenbildung (oieb), von den lokalen und regionalen Bildungsträgern und von den Vereinsobleuten aus der Gemeinde ein Prozess zur Förderung der Integration von Zugezogenen in Grabern gestartet. 8 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

9 Aspekte der Suburbanisierung und Zuzug in städtischen Umlandgemeinden In den letzten Jahrzehnten lässt sich rund um Großstädte ein Phänomen beobachten, das mit dem Begriff Suburbanisierung beschrieben wird. Dabei handelt es sich um ein Phänomen, das die Stadtentwicklung in vielen europäischen Ländern und nicht nur in Österreich prägt. 1 Unter Suburbanisierung ist im Allgemeinen zu verstehen, dass sich Großstädte über ihre Grenzen hinweg in das städtische Umland ausdehnen. Das geschieht meist unkoordiniert und unkontrolliert, daher sind suburbane Siedlungsstrukturen nur schwer mit planerischen Ordnungsvorstellungen (klare Abgrenzung zwischen Stadt und Land u.ä.) zu vereinbaren. 2 Die Grenzen zwischen Stadt und Umland verlaufen zudem fließend, oft sind diese funktional eng miteinander verflochten. Suburbanisierungsphänomene, wie wir sie heute kennen, entstanden in Österreich in erster Linie in den 1980er / -90er Jahren. Einkommensstärkere Bevölkerungsgruppen zogen aus den Kernstädten in Gemeinden des Stadtumlandes, um dort ihren Wunsch nach Eigenheim und nach dem Wohnen im Grünen zu erfüllen. Zunächst waren die sogenannten Suburbs bzw. die Suburbia hauptsächlich Schlafstädte (Wohn- bzw. Bevölkerungssuburbanisierung). Parallel dazu wurden zunehmend auch Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe in das Umland verlagert (Suburbanisierung der Gewerbe- und Dienstleistungseinrichtungen). Arbeitsplätze und Freizeiteinrichtungen siedelten sich erst später im suburbanen Raum an und machten die Suburbanisierungszonen zu kleinen, der Großstadt vorgelagerten Vorstädten (Suburbanisierung der Freizeiteinrichtungen). 3 Die verstädterten Gebiete im suburbanen Raum sind zu einem weitflächigen, unscharf gegliederten Siedlungssystem geworden. Die Stadt dehnt sich über ihre administrativen Grenzen aus und erzeugt eine oft unscharfe und unstrukturierte Raumstruktur ( Urban Sprawl ). 4 Aktuell lässt sich das Phänomen erkennen, dass sich die Suburbanisierungszonen von Großstädten auch immer mehr auf weiter entfernte Gemeinden in eher ländlich geprägten Gebieten ausweiten. 5 Im Folgenden werden die wesentlichen Kernbereiche der Suburbanisierung bis hin zu aktuellen Stadt-Umland-Entwicklungen, der Postsuburbanisierung, näher ausgeführt. Begriffsklärung und Überblick von der Wohnsuburbanisierung bis zur Postsuburbanisierung Wohn- bzw. Bevölkerungssuburbanisierung Wohnsuburbanisierung entstand als Folge des regionalen Wohnungsmarktes, denn sowohl die Immobilien-, als auch die Bodenpreise wurden in den Kernstädten wesentlich teurer als im städtischen Umland. Daher und auch aufgrund anderer Faktoren wanderten viele aus der Großstadt ins Umland aus. Begünstigt wurden diese Entwicklungen auch durch staatliche Förderungen des Hausbaus und durch steuerliche Absetzbarkeit von Fahrtkosten (PendlerInnenpauschale). 6 Persönliche Gründe waren 1 vgl. Helbich 2009, 9 2 Kühn 2000, zit. nach Helbich 2009, 10 3 vgl. Dastel 2005, 12 4 Fassmann 2009, vgl. Strahl 2007, 1 6 vgl. Fassmann 2009, 183 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

10 dabei häufig der Wunsch nach einer größeren Wohnfläche, nach besserer Wohnqualität und mehr Nähe zur Natur, die viele außerhalb von Städten zu finden versuchen. 7 Zudem präferierten viele den suburbanen Raum, um sowohl die Vorzüge der Stadt, als auch die Vorzüge des ländlichen Raums nutzen zu können. Marco Helbich fasst die Gründe für Wohn- bzw. Bevölkerungssuburbanisierung zu folgenden Push- und Pull-Faktoren zusammen: Push-Faktoren: steigender Flächenbedarf, der in der Kernstadt nicht bzw. nur gegen enorme monetäre Aufwendungen gedeckt werden kann, hohe Boden- und Mietpreise in der Kernstadt, Modifikationen im sozialen Status und/oder im Lebenszyklus, mangelnde physische Umweltqualität in der Kernstadt etc. Pull-Faktoren: Wohnen im Grünen, Nähe zur Natur, Realisierbarkeit eines Einfamilienhauses, steuerliche Begünstigungen (Eigenheimförderungen), geringe Verkehrsbelastung, Naheverhältnis zur Kernstadt bleibt durch gute Infrastrukturanbindungen aufrecht, gestiegener Motorisierungsgrad etc. 8 Jene Personen, die ihren Lebensmittelpunkt in das Stadtumland verlegten, zählten eher zu den mittleren und höheren Einkommensgruppen, während einkommensschwächere in Wohnungen in der Kernstadt zurückblieben. Das Eigenheim in Form von Ein- oder Zweifamilienhäusern ist zwar nach wie vor die dominierende Wohnkategorie im suburbanen Raum; die Bevölkerung in den Suburbanisierungszonen wird aber immer heterogener, denn heutzutage lassen sich in Suburbia meist in Mietwohnungen auch Singles, Alleinerziehende oder Zweipersonenhaushalte nieder. 9 Foto: photo Fotolia.com Gewerbe- und Dienstleistungssuburbanisierung Die Wohn- bzw. Bevölkerungssuburbanisierung war meist nur der erste Schritt einer umfassenderen Stadt-Umland-Entwicklung. In weiterer Folge kam es in den näheren Gebieten rund um die Kernstädte auch zu einer Auslagerung von Gewerbe- und Dienstleistungseinrichtungen. Das städtische Umland konnte im Vergleich zu innerstädtischen Gebieten durch günstigere Bodenpreise, mehr Platz für große Gewerbeflächen und durch gute Lage in der Nähe von zentralen Verkehrsrouten punkten. 10 Zu Beginn war die Auslagerung noch von Einrichtungen des sekundären Wirtschaftssektors dominiert, zunehmend kamen aber Dienstleistungseinrichtungen hinzu, da diese ebenfalls einen Bedarf an großen Flächen zu günstigen Grundstückspreisen hatten. 11 Die Dezentralisierung von Dientsleistungsbetrieben wird oft auch als Tertiäre Suburbanisierung bezeichnet. Insbesondere für Einzelhandelsbetrie- 7 vgl. Pinter 2005, 18 8 Helbich 2009, 11 9 Strahl 2007, vgl. Fassmann 2009, vgl. Dastel 2005, LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

11 be (Einkaufszentren, Fachmärkte) war eine Verlagerung in das Stadtumland von besonderem Interesse, um der abgewanderten Kaufkraft nachzufolgen. Praktisch war hier auch die günstige Lage entlang von Hauptverkehrsrouten mit großen KundInnenparkplätzen und Lagermöglichkeiten. Da viele Haushalte in den Suburbanisierungszonen über ein oder mehrere Autos verfügen, sind Einzelhandelsbetriebe flexibler bei der Standortwahl und können sich auch dort ansiedeln, wo keine öffentlichen Verkehrsmittel unmittelbar zur Verfügung stehen. 12 Gewerbe- und Dienstleistungseinrichtungen in der Suburbia profitieren auch von KundInnen aus der Kernstadt, was aber den Nachteil mit sich bringt, dass Kaufkraft aus der Kernstadt in die umliegenden Gebiete abfließt. Da Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe auch Arbeitsplätze offerieren, bringt dies zwar steuerliche Nachteile für die Kernstadt, aber Vorteile für die städtischen Umlandgemeinden mit sich. Die Umweltproblematik, die die Ansiedlung von Betrieben immer mit sich bringt, wird durch eine Verlagerung in das Stadtumland ebenfalls verlagert. 13 Freizeitsuburbanisierung Der Bereich der Freizeit hat in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung und gesellschaftlichem Stellenwert gewonnen. Ein wichtiges Charakteristikum suburbaner Gebiete sind große Einkaufszentren und Freizeitparks, mit denen dem Wunsch der BewohnerInnen nach einer Kombination von Konsum- und Freizeitmöglichkeit nachgekommen wurde. 14 Es hat sich ein Wirtschaftszweig herausgebildet, der die Nachfrage der Kund[Inn]en in jeder Weise zu befriedigen scheint es entstanden verschiedene Formen von Freizeiteinrichtungen wie Freizeitparks, Multiplexkinos, Großdiskotheken, etc. 15 Negative Konsequenzen der Freizeitsuburbanisierung können aus ökologischer und städtebaulicher Perspektive zusammengefasst werden: Freizeiteinrichtungen sind sehr flächenintensive Bauten, sie wirken sich ungünstig auf die Kernstädte aus, sie bedeuten einen großen Einschnitt in die Umwelt, sie erhöhen den Freizeitverkehr aufgrund der hohen PKW-Nutzung, sie folgen meist kurzlebigen Freizeittrends und unterliegen daher raschen Änderungsprozessen. 16 Erkennbar wird eine immer stärkere Kommerzialisierung des Freizeitsektors, der insbesondere durch die Großräumigkeit der suburbanen Zonen unterstützt wird. Durch die Auslagerung von Betrieben aller Art und durch die Ansiedlung von Einzelhandels- und Freizeitbetrieben wurden Suburbanisierungszonen aber nicht nur für das Wohnen, sondern auch für Arbeit, Versorgung und Freizeitgestaltung interessant und damit geht auch die Suburbanisierung von Infrastruktur einher. Gebaut wurden daher vermehrt auch Kindergärten, Schulen und Verkehrsnetze, um das infrastrukturelle Angebot der suburbanen Gebiete zu vervollständigen. 17 Postsuburbanisierung Der jahrzehntelange Trend der Suburbanisierung hat dazu geführt, dass sich der Traum vom Eigenheim im Grünen in unmittelbarer Großstadtnähe nicht mehr so leicht realisieren lässt. Grund dafür ist Verknappung von Freiflächen, da der suburbane Raum bereits zu einem großen Teil zersiedelt ist. 18 Insbesondere an den Verkehrshauptachsen in Richtung Kernstadt haben sich bereits unzählige Wohnhäuser, Betriebe, Bürobauten und Freizeiteinrichtungen angesiedelt. Die hohe Nachfrage von vormals günstigeren Grundstückspreisen im Stadtumland sorgte zudem dafür, dass die Preise stärker anstei- 12 vgl. Leupold 2007, 17ff. 13 vgl. a.a.o., vgl. Fassmann 2009, Dastel 2005, vgl. Dastel 2005, 17; Leupold 2007, vgl. Pinter 2005, 19f. 18 Strahl 2007, 16 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

12 gen und sich die Abwanderung aus den Städten in weiter entlegenere Gemeinden ausdehnt, wo die Grundstückspreise niedriger und in größerer Zahl vorhanden sind. 19 Das heißt, der suburbane Raum dehnt sich in konzentrischen Kreisen rund um die Kernstädte aus und reicht mittlerweile in durchwegs ländlich charakterisierte Gebiete hinein. Dieses Phänomen wird als Postsuburbanisierung bezeichnet. Nun sind zunehmend auch Gemeinden von Suburbanisierung betroffen, die weiter von Großstädten entfernt liegen. Menschen, die dorthin übersiedeln, sind vermehrt dazu bereit, für ihre Pendelbewegungen längere Distanzen zurückzulegen. Generell stellt Auspendeln aufgrund einer gut ausgebauten Verkehrsinfrastruktur sowohl im öffentlichen Verkehr als auch im Individualverkehr keine große Einschränkung mehr dar. 20 Die Knoten, die sich im suburbanen Umland entwickeln, werden oft auch als Zwischenstadt bezeichnet. Diese ist dadurch charakterisiert, dass sie fast ausschließlich bewohnt wird, jedoch in weiterer Folge Arbeitsplätze und Konsumversorgung nach sich zieht, sodass sich die Zwischenstadt aus ihrer Abhängigkeit von der Ursprungsstadt löst. Sie kann sich nun selbst versorgen und steht jetzt zur Ursprungsstadt in einem Verhältnis von Wechselwirkungen. 21 Es entsteht ein polyzentrisches System mit mehreren Knoten, die ihrerseits stadtähnliche Charakteristika aufweisen, wobei die Kernstadt auch weiterhin als Zentrum dient. 22 Grafisch lässt sich dieses Phänomen der Postsuburbanisierung im Vergleich zu früheren Suburbanisierungsentwicklungen folgendermaßen darstellen: Wie in der Abbildung rechts dargestellt, lösen sich die kleinen Zwischenstädte zunehmend aus ihrer Abhängigkeit von der Kernstadt: Es entstehen funktionale[ ] Knoten 23 bzw. Funktionsinseln 24 mit Shopping Centern, Office Parks, Produktionsstätten und ähnlichen Gebäudekomplexen. Funktionale Knoten entstehen nämlich meist in unmittelbarer Nähe zu wichtigen Verkehrsknotenpunkten (z.b. an 19 vgl. Fassmann 2009, vgl. Dastel 2005, 12; Fassmann 2009, 186, Strahl 2007, 1 21 Sieverts 1998, 14ff. zit. nach Pinter 2005, vgl. Strahl 2007, 4 23 Fassmann, 2009, a.a.o., LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

13 Autobahnkreuzungen oder an leistungsstarken Straßen). Wohngebiete gibt es meist in verkehrsberuhigteren Zonen, das heißt Wohnen, Versorgung und Arbeiten passiert an jeweils unterschiedlichen Orten. Mit diesem postsurbanen Sprawl 25 wie oben beschrieben sind auch Probleme verbunden: Einzelne Funktionsinseln entstehen im Urban Sprawl und produzieren damit eine diffuse, polyzentrische Entwicklung. Die Möglichkeiten, Verkehr zu kanalisieren und durch öffentliche Verkehrsmittel abzuwickeln, sind aufgrund dieser diffusen Struktur beschränkt. 26 Da sich in den suburbanen Zonen vorwiegend einkommensstärkere Personengruppen ansiedeln, die auch über einen eigenen PKW verfügen, ist die Nähe zwischen Arbeitsplatz, Schule und Einkaufsmöglichkeiten und das Wohnen in unmittelbarer Nähe zu öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr so wichtig. Viele SuburbanisierungszonenbewohnerInnen arbeiten nach wie vor in der Kernstadt und nutzen für bestimmte Distanzen eher den PKW. Insbesondere dann, wenn sie in größerer Entfernung zu jenen Hauptverkehrsstrecken wohnen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln ausgestattet sind und wenn die Distanzen nur mit dem PKW in einer zumutbaren Zeit bewältigt werden können. Daher sorgen die Pendelbewegungen oft für eine Mehrbelastung der Umwelt. 27 StadtentwicklungsexpertInnen kritisieren diese Zersiedelungstendenzen und würden es eher begrüßen, wenn sich die Ausdehnung der suburbanen Zonen auf die Entwicklungsachsen des öffentlichen Verkehrs konzentriert. Die Zersiedelung erscheint den meisten Expert[Inn]en und Entscheidungsträger[Inne]n aus funktionalen, ökologischen wie auch aus ästhetischen Gesichtspunkten problematisch. 28 Aktuell gibt es daher Bemühungen, der Zersiedelung durch den Bau von Wohnhäusern mit hoher Wohnqualität (z.b. Reihenhäuser) und durch den das Schaffen von ansprechenden Betriebsorten im dichter verbauten Stadtgebiet entgegenzuwirken. 29 Wie bereits im Zusammenhang mit der Wohnsuburbanisierung erwähnt, wandern eher Personengruppen mit überdurchschnittlichem Einkommen und höherem Bildungsniveau in das Stadtumland ab, darunter befinden sich oft jüngere verheiratete Menschen. In der Kernstadt bleiben meist einkommensschwächere Personen, soziale Randgruppen und Menschen mit Migrationshintergrund zurück. 30 Die Kernstadt gerät dadurch in manchen Gebieten zu einem Abwertungsprozess Filtering-down 31, da die Abwanderung kaufkräftiger Bevölkerungsschichten in das Stadtumland auch einen Strukturwandel bei den Betrieben und der Infrastruktur vor Ort (z.b. Schulen) mit sich bringt. Dies kann in weiterer Folge zu einem Rückgang an Investitionen in Häuser, Wohnungen, Geschäften und Infrastruktur bestimmter Stadtteile in der Kernstadt führen. Die zunehmende Nachfrage nach Baugründen im Stadtumland verteuert die Grundstückspreise und führt dadurch zu einer noch stärkeren sozialen Selektion und wie oben bereits geschrieben zu einer Ausdehnung der Suburbanisierungszone. 32 Im Gegensatz zum Filtering-down mancher Kernstadtteile kommt es aber zu einem Filtering-up 33 umliegender Gemeinden, die sich über eine Aufwertung durch den Zuzug finanzkräftiger Bevölkerungsschichten freuen dürfen. 25 Fassmann 2008, a.a.o. 27 vgl. Helbich 2009, Pinter 2005, vgl. a.a.o. 30 vgl. Helbich 2009, Fassmann 2009, vgl. a.a.o. 33 a.a.o., 188 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

14 Fact-Box WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN In den letzten Jahrzehnten kam es zunehmend zu einer Ausdehnung der Kernstädte in das städtische Umland (Suburbanisierung). Grund dafür waren günstigere Grundstückspreise und der Wunsch nach Wohnen im Eigenheim, der sich am Stadtrand und in den städtischen Umlandgemeinden eher realisieren ließ. Zunächst hatten die Stadtumlandgemeinden vorwiegend Wohnfunktion, nach und nach siedelten sich aber auch Gewerbe-, Dienstleistungs- und Freizeitbetriebe an. Charakteristisch für städtische Umlandgemeinden sind daher Einfamilienhäuser sowie große Gewerbe- und Freizeitbetriebe mit ausreichend KundInnenparkplätzen und Lagermöglichkeiten. Jüngere Menschen mit überdurchschnittlichen Einkommen und hohem Bildungsniveau zählen zu jener Bevölkerungsgruppe, die eher aus der Kernstadt in das Stadtumland abwandert. Aufgrund der zunehmenden Verbauung des Stadtumlands lässt sich in der letzten Zeit beobachten, dass sich immer mehr Menschen auch in weiter entfernteren ländlichen Gemeinden ansiedeln (Postsuburbanisierung). Neben der starken Zersiedelung des Stadtumlands zählen das erhöhte Verkehrsaufkommen und eine gewisse Form der sozialen Selektion zu den negativen Folgen der (Post-)Suburbanisierung. Aspekte des Zuzugs in städtischen Umlandgemeinden Räumliche Entwicklungen, wie bspw. Abwanderung, Zuzug, Binnenwanderungen, Pendelbewegungen sowie die Art und Weise, wie Menschen ihren Wohn-, Arbeits- und Lebensraum wählen und gestalten, hängen im Wesentlichen mit demografischen und sozioökonomischen Aspekten zusammen, wie aus den nachfolgenden Unterkapiteln hervorgehen wird. Die Individualisierung der Gesellschaft, der Trend zur Kleinfamilie und zum Einpersonenhaushalt, die Zunahme älterer Bevölkerungsgruppen, die steigende Mobilität, der Einfluss der neuen Technologien auf die Veränderungen in der Arbeitswelt sowie die neuen Bedürfnisse der Freizeit- und Erlebnisgesellschaft 34 sind einige der Aspekte, die für Veränderungen in den Wanderbewegungen und v.a. für den Bevölkerungszugewinn von städtischen Umlandgemeinden und Gemeinden in gut erreichbaren ländlichen Gebieten verantwortlich sind. Bevölkerungsentwicklung Bei der Bevölkerungsentwicklung sind mehrere Faktoren zu berücksichtigen: die aktuelle Struktur der Bevölkerung, natürliche Bevölkerungsbewegungen (Geburten und Sterbefälle) sowie räumliche Wanderungsbewegungen (Abwanderung, Zuwanderung, Binnenwanderung). 35 Sowohl demografischer, als auch sozioökonomischer Wandel wirken sich auf die Bevölkerungsentwicklung aus und ziehen räumliche Konsequenzen im Sinne von Zu-, Ab- oder Binnenwanderung nach sich. Grundsätzlich verläuft das Bevölkerungswachstum von Region zu Region unterschiedlich. Betrachtet man die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte stellt man fest, dass die Zonen rund um die Großstädte die Suburbanisierungszonen meist diejenigen mit dem stärksten Bevölkerungswachstum waren, während die peripheren ländlichen Gebiete vermehrt von Abwanderung betroffen waren. Die östlichen Bundesländer Wien, Niederösterreich und das Burgenland profitieren besonders von diesen aktuellen 34 Mayer 2004, vgl. a.a.o., 3 14 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

15 Entwicklungen. Die westlichen Bundesländer Tirol, Vorarlberg und Salzburg verzeichnen zwar ebenfalls stellenweise Zuwächse; diese sind aber auf die Prognose zurückzuführen, dass dort auch in Zukunft mit einer höheren Geburtenrate als andernorts zu rechnen sein wird. Durch den steigenden Anteil an älteren Bevölkerungsgruppen gewinnen auch Gemeinden in attraktiver Lage dazu, weil diese oft als Standort für einen Zweit- oder Alterswohnsitz ausgewählt werden. 36 Eine wichtige Rolle für die Attraktivität von Gemeinden spielen die Nähe zu größeren Zentren, die Wohnqualität, die Grundversorgung an Infrastruktur und die gute Verkehrsanbindung, insbesondere für PendlerInnen. Je nach Bevölkerungsgruppe ist die Verfügbarkeit wohnortnaher Kindergärten und (Pflicht-)Schulen für junge Familien maßgeblich und für ältere Menschen ist die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs von großer Wichtigkeit. 37 Einer steigenden Anzahl älterer Menschen steht zunehmend eine sinkende Anzahl jüngerer Menschen gegenüber. 38 Diese Veränderung in der Altersstruktur der Bevölkerung hat v.a. Auswirkungen auf kleinere Städte und Gemeinden, da jeweils unterschiedliche Infrastrukturen bereitgestellt werden müssen (Betreuungsangebote und Schulen für jüngere vs. Pflegeangebote und Daseinsversorgung für nichtmobile ältere Bevölkerungsgruppen). 39 Welche Raumkategorien (Stadt, Land, Stadtumland) von welcher Altersgruppe bevorzugt werden, hängt u.a. vom Lebenszyklus ab: Wanderungen von der Kernstadt in das Stadtumland erfolgen zu einem guten Teil lebensabschnittsspezifisch. Jene, die höhere Bildung absolvieren oder im Dienstleistungsbereich eine höher qualifizierte Tätigkeit ausüben möchten, siedeln sich zumindest temporär in der Stadt an; 40 jene, die ihren Wohnraum vergrößern oder einen Alterswohnsitz gründen möchten, ziehen eher in das Stadtumland oder in gut gelegene Gemeinden im ländlichen Raum. 41 Gemeinden mit alternder Bevölkerung stehen aber auch vor der Herausforderung, Maßnahmen bei Infrastruktur (Nahversorgung etc.) und bei der baulichen Gestaltung zu setzen, um die Lebensqualität für ältere Menschen zu steigern und einen Rückzug bzw. Wegzug der älteren Bevölkerung Richtung Stadt zu vermeiden. 42 Den meisten Bevölkerungszuwachs haben die Gemeinden in den Umlandbezirken rund um die Landeshauptstädte und v.a. rund um Wien, wie aus der nachfolgenden Abbildung hervorgeht. Die Binnenwanderung zeigt einen ausgeprägten Trend zur Suburbanisierung, der mit steigendem Alter auch auf stadtfernere Gebiete ausgreift. Einzig die jungen Erwachsenen zwischen 18 und 26 Jahren wandern überwiegend in die Kernstädte, um die dortigen Bildungschancen und Arbeitsplatzangebote wahrzunehmen. 43 Besonders hohe Zuzugsgewinne gab es in den Außenzonen der Landeshauptstädte Bregenz, Innsbruck, Linz, Salzburg sowie der Bundeshauptstadt Wien (vgl. Tabelle 1). 36 vgl. Fassmann 2010, Schipfer 2005, 15f. 38 vgl. Schipfer 2005, 3; Fassmann 2010, 3ff. 39 vgl. Schipfer 2005, 5, vgl. Fassmann 2010, vgl. Schipfer 2005, 15ff. 42 vgl. a.a.o., Statistik Austria 2012: LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

16 Tabelle 1: Entwicklung der Wohnbevölkerung in den Außenzonen der Landeshauptstädte Außenzone Bregenz Außenzone Eisenstadt Außenzone Graz Außenzone Innsbruck Außenzone Klagenfurt Außenzone Linz Außenzone Salzburg Außenzone St. Pölten Außenzone Wien Quelle: Statistik Austria. Wohnbevölkerung Während jüngere Erwachsene vorwiegend in die Stadt ziehen, siedeln sich in den suburbanen Zonen oft junge Familien an, die zur Mittelschicht zu zählen sind, gute Qualifikationen aufweisen und über entsprechendes Einkommen verfügen. Sie erhoffen sich dort die Vorstellung vom Leben im Grünen, im eigenen Heim und mit einem höheren Ausmaß an baulicher und funktioneller Selbstbestimmung realisieren zu können. 44 Die städtischen Umlandgemeinden gewinnen daher nicht nur an Bevölkerung und Haushalten, sondern auch an Kaufkraft und Steuerleistung. Neben dem Zuzug aus den Kernstädten ist auch der Zuzug aus teilweise peripheren ländlichen Regionen für das Wachstum der Suburbanisierungszonen relevant. 45 Dabei gewinnen aber nicht nur die sub- 44 Fassmann 2010, vgl. a.a.o., LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

17 urbanen Zonen rund um die Großstädte, sondern zunehmend auch kleinere und mittlere Städte, die insbesondere deshalb attraktiver werden, weil sie auch Schulen, Krankenhäuser, Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung sowie Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe beherbergen. 46 Die Städte verlieren ihre scharfe Außengrenze 47 und gehen in sogenannten Stadtregionen auf. In Österreich gibt es mittlerweile 34 Stadtregionen, wobei die Stadtregion Wien die größte ist. In den Stadtregionen, die in der folgenden Karte eingezeichnet sind, leben 64% der österreichischen Gesamtbevölkerung (5,16 Millionen EinwohnerInnen). Davon leben 3,81 Millionen in den Kernzonen der Stadtregionen und 1,35 Millionen in den Außenzonen. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahrzehnten werden aber künftig auch die Kernstädte wieder wachsen. Die Landeshauptstädte und v.a. die Bundeshauptstadt Wien hatten zwar aufgrund der Suburbanisierungstendenzen eine negative Bevölkerungsentwicklung; diese Entwicklung wird aber durch die Zuwanderung aus dem Ausland, insbesondere aus dem EU-Ausland, wieder ausgeglichen. Außerdem ist die Stadt für höhere Bildungswege, eine Tätigkeit in Dienstleistungsbranchen und für ausdifferenzierte und flexible Lebensstile nach wie vor der bevorzugte Wohnraum für manche längerfristig, für manche auf begrenzte Zeit. 48 Die Zahl der WienerInnen, die in das Stadtumland abwandern, hat sich seit 2008 fast halbiert und es ist generell ein globale[r] Megatrend zurück in die Stadt 49 zu beobachten. Insbesondere jüngere Menschen ohne Kinder schätzen die Urbanität. Problematisch bei der Stadtentwicklung ist aber wie weiter oben schon ausgeführt die Gefahr einer ökonomischen Trennung der Bevölkerung aufgrund von unterschiedlichen Einkommenssituationen und die selektive Abwanderung der einkommensstärkeren Mittelschicht in das städtische Umland ( Filtering-up bzw. Filtering-down ). 50 Eine weitere Herausforderung ist trotz zunehmender gegentei- 46 vgl. Fassmann 2010, vgl. a.a.o. 48 vgl. a.a.o., Madreiter 2012 zit. nach Schmidt 2012, 5 50 vgl. Fassmann 2010, 19; vgl. Schipfer 2005, 16 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

18 liger Tendenzen auch, dass durch die Abwanderung in das Umland erhebliche ökologische und infrastrukturelle Folgekosten [entstehen], während Kaufkraft abfließt und die Steuerbasis sinkt. 51 Im Österreichischen Raumentwicklungskonzept ÖREK wird in diesem Zusammenhang vorgeschlagen, die Kernstädte sollen grüner werden, innerstädtische Freiflächen soll[en] auch Bestandteile der urbanen Wohnqualität werden, auch um pro-aktiv mit den Folgen des Klim[a]wandels besser umgehen zu können. 52 Um den stadt- und regionsplanerischen Herausforderungen zu begegnen, ist aber auch eine koordinierte Entwicklung von Stadt und Umland wichtig. Das gilt besonders für Städte und ihre Umlandregionen, damit nicht Gemeinden aus finanzwirtschaftlichen Überlegungen in einen ruinösen Wettbewerb um Einwohner[Innen] schlittern, mit all den damit verbundenen Auswirkungen auf die untereinander in Konkurrenz stehenden Kommunen. 53 Es geht daher nicht um Rivalität zwischen Gemeinden oder zwischen Städten und ihrem Umland, der auch vereinzelt zu erkennen ist, 54 sondern die Nutzung von Synergien, langfristiges Planen und strategisches Handeln. Durch Kooperationen und eine abgestimmte Raumordnung soll v.a. bei den Stadtregionen verhindert werden, dass sich ihr Wachstum auf eine nicht nachhaltige Weise vollzieht. 55 Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur Die zunehmende Motorisierung, demografischer und sozioökonomischer Wandel sowie die Entwicklungen der (Post-)Suburbanisierung haben auch wesentliche Auswirkungen auf die Verkehrsinfrastruktur sowohl auf den motorisierten Individualverkehr (IV), als auch auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Wohnraum, Arbeit, Gewerbe und Freizeit verlagern sich zunehmend von der Kernstadt ins Stadtumland und machen mehr oder weniger lange (Arbeits-)Pendelbewegungen erforderlich. Einerseits entstehen zwischen den oben beschriebenen funktionalen Knoten 56 bzw. Funktionsinseln 57 immer längere Distanzen, die nicht durch den öffentlichen Verkehr abgedeckt werden können; andererseits nehmen gerade diejenigen, die in weiter entlegenere Gebiete gezogen sind, längere Verkehrswege und eine gewisse Abhängigkeit vom Auto zugunsten eines Wohnens im Grünen in Kauf. Die Vorstellung, dass eine Gemeinde eine abgeschlossene Welt darstellt, in der die Bevölkerung arbeitet, wohnt, sich versorgt und die Freizeit konsumiert, ist schon seit langem nicht mehr aktuell. In der einen Gemeinde ist der Wohnort, in einer anderen Gemeinde befindet sich der Arbeitsplatz und wiederum in einer anderen Gemeinde wird die Freizeit konsumiert oder die Güter des täglichen Bedarfs eingekauft. ( ) Arbeiten in der Kernstadt, wohnen am Stadtrand oder auch umgekehrt kennzeichnet die Realität von heute. 58 Diese Tendenz zeigte sich auch in der Fragebogenerhebung zum Thema Integration von ZuzüglerInnen, die im Rahmen dieses Projekts in der Weinviertler Gemeinde Grabern durchgeführt wurde: Es zeigte sich, dass Zugezogene für das Erreichen ihres Schul- oder Arbeitsortes durchschnittlich 68 Kilometer hin und retour zurücklegen, während Alteingesessene nur 29 Kilometer im Durchschnitt fahren. Alteingesessene pendeln großteils nach Hollabrunn (48%) und weniger nach Wien (16%) und Zugezogene zu ungefähr gleichen Teilen nach Wien (39%) und nach Hol- 51 Fassmann 2010, a.a.o. 53 Schipfer 2005, vgl. Mayr 2012, 4 55 Ausführliche Überlegungen zu strategischen Maßnahmen für die Raumordnung: vgl. Fassmann 2010, 22ff.; ÖREK 2011, 78ff. 56 Fassmann, 2009, a.a.o., Fassmann 2010, LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

19 labrunn (31%). Güter des täglichen Bedarfs werden von beiden befragten Gruppen hauptsächlich in der näheren Umgebung gekauft, für größere Einkäufe werden weitere Distanzen zurückgelegt. Was den Besuch von Freizeit-, Sport-, Kultur- und Bildungseinrichtungen anbelangt, sind Alteingesessene tendenziell mehr als Zugezogene auf ihre Wohngemeinde hin orientiert, während Zugezogene vermehrt Angebote aus den umliegenden größeren Städten nutzen. Dennoch zeigt sich bei beiden befragten Gruppen, dass nicht nur Angebote innerhalb der Gemeinde, sondern auch in den umliegenden Gemeinden und Städten in Anspruch genommen werden. 59 Foto: Alexandra Gl - Fotolia.com Bei den (Arbeits-)Pendelbewegungen dominiert der motorisierte Individualverkehr nach wie vor den öffentlichen Personennahverkehr. In Wien pendeln an Werktagen nahezu Personen über die Stadtgrenze, davon 79% mit dem Auto. 60 Insbesondere im Süden und Südosten von Wien überwiegt der Anteil des Individualverkehrs trotz einer vergleichsweise guten Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel. 61 Die Wechselbeziehung zwischen Siedlungsstrukturen und Verkehrsinfrastruktur stellt dabei einen Teufelskreis dar: Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur folgt einerseits der steigenden Nachfrage nach guter Erreichbarkeit. Andererseits treibt das gute Infrastrukturangebot die Siedlungsentwicklung an und führt gemeinsam mit dem steigenden Motorisierungsgrad dazu, dass Pendler[Innen]distanzen und Zersiedelung zunehmen, und zwar nicht nur in den Stadtregionen, sondern immer mehr auch abseits davon in den ländlichen Räumen. 62 Die Suburbanisierungszonen befanden sich ursprünglich entlang der Achsen des öffentlichen Verkehrs. Durch die zunehmende Zersiedelung dieser Zonen (durch Ansiedlung von Gewerbe-, Dienstleistungs- und Freizeitbetrieben) führte allerdings dazu, dass auch die Zwischenräume zwischen den Achsen besiedelt wurden. Die diffusen Verkehrsströme in den Zwischenräumen konnten aber nicht durch den öffentlichen Verkehr abgedeckt werden und für eine nicht-motorisierte Fortbewegung (zu Fuß oder mit dem Fahrrad) wurden die Distanzen zu groß. 63 Mobilität und hier insbesondere motorisierter Individualverkehr wird daher aus unterschiedlichen Gründen erzwungen : aus Gründen des Berufspendelns, des Besuchs des Ausbildungsortes, der Nahversorgung und der Nutzung von sozialen Infrastrukturleistungen. Das erhöht die Zahl der Aus- und EinpendlerInnen. Zudem erhalten die ins Stadtumland oder in entlegener Gemeinden Zugezogenen die Bindungen zur ihrer Ursprungsstadt bei ihrer Alltagsgestaltung eher aufrecht. Während Zugezogene ihren Arbeitsplatz oft in der Kernstadt behalten, ist bei den Alteingesessenen die Binnenorientierung höher. 64 Das zeigte sich auch wie oben ausgeführt in der Befragung zum Thema Zuzug in der Weinviertler Gemeinde Grabern. 59 vgl. Österreichisches Institut für Erwachenenbildung 2012, Befragung Grabern zum Thema Zuzug 60 vgl. Madreiter 2012 zit. nach Schmidt 2012, 5 61 vgl. Zacharia 2004, 4 62 Tötzer / Loibl / Steinnocher 2009, vgl. Leupold 2007, vgl. a.a.o., 66f. LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

20 Erhebungen der Statistik Austria belegen, dass im Jahr 2010 mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen in Österreich (53,2% bzw Personen) nicht an ihrem Wohnort, sondern in einer anderen Gemeinde oder im Ausland gearbeitet hat und somit auspendelt ist. Die andere Hälfte (46,8% bzw Personen) der Erwerbstätigen hat in der eigenen Wohngemeinde (z.b. wohnt und arbeitet innerhalb Wiens) gearbeitet. Zwischen 2001 und 2010 ist unter den AuspendlerInnen ein Anstieg von 2,9% zu verzeichnen. 65 Dieser Trend lässt sich auch langfristig beobachten, denn im Zeitraum zwischen 1991 und 2001 ist die Zahl der AuspendlerInnen um 21% gestiegen, seit 1961 hat sich die Zahl sogar verdreifacht. 66 Das heißt, es besteht ein großer Trend zu mehr Mobilität im Berufsleben, Wohnen und Arbeiten finden nicht mehr zwingend am selben Ort statt. Zudem gibt es einen Zusammenhang zwischen der Pendelmobilität und den Faktoren Alter, Geschlecht, Bildungsniveau, Voll- oder Teilzeitarbeit und Art der Beschäftigung (selbständig oder unselbständig). Höhere bzw. höchste Mobilität gibt es bspw. bei männlichen Erwerbstätigen, bei der Altersgruppe der 50- bis 64-Jährigen, bei Personen mit Lehrabschluss, bei Vollzeitbeschäftigten und bei unselbständig Beschäftigten. 67 Wie aus der nachfolgenden Grafik hervorgeht, sind die größten Einpendelzentren Wien, die großen Landeshauptstädte sowie vereinzelten Städte in der Nähe der Landeshauptstädte. Am Beispiel Wien, dem größten PendlerInneneinzugsgebiet in Österreich, lässt sich erkennen, dass aus den angrenzenden Gemeinden ein Anteil von 50% und mehr in die Kernstadt zum Arbeiten pendelt (dargestellt wurden all jene Gemeinden bzw. Städte, die mehr als 50 TagespendlerInnen aufweisen). In Gemeinden, die sich in einem erweiterten Kreis um Wien befinden, ist der Anteil etwas geringer. Grundsätzlich pendelt ein Großteil der Erwerbstätigen (94,7%) täglich vom Wohnort an den Arbeitsplatz. Laut Erhebungen der Statistik Austria (nach der Volkszählung 2001) nutzen 60% aller Erwerbstätigen das Auto für ihren täglichen Weg zum Arbeitsplatz, 18% nutzen öffentlichen Verkehrsmittel, 9% arbeiten zu Hause (z.b. am eigenen Hof), 7% gehen zu Fuß, 4% fahren mit dem Fahrrad und 1,5% 65 vgl. Statistik Austria 2012, 1 66 vgl. Statistik Austria 2004, 9 67 vgl. Statistik Austria 2012, 2ff. 20 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

21 nutzen ein Motorrad oder Moped. Im Zeitraum von 1991 bis 2001 stieg die Nutzung des Autos für den täglichen Arbeitsweg um 27% an, die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ging um 4,5% zurück. Eine Ausnahme bildete allerdings die Nutzung von Straßen- und U-Bahn, die ein Plus von 16% verzeichnete. 47% der Erwerbstätigen benötigt für den Arbeitsweg weniger als 15 Minuten, wobei hier die Zahl jener, die ohnehin von zu Hause aus arbeiten, inkludiert ist. 68 Ein hoher Anteil an motorisiertem Individualverkehr zeigt sich auch und insbesondere in den städtischen Umlandgebieten, z.b. im Großraum Wien, was sich negativ auf die Lebensqualität der BewohnerInnen und die ökologisch nachhaltige Entwicklung des Stadtumlands auswirkt. 69 Problematisch ist aber auch der Einkaufs- und Freizeitverkehr. Viele KernstadtbewohnerInnen besitzen zunehmend Zweitwohnsitze (Wochenendhäuser, Ferienhäuser) im Stadtumland oder im entlegeneren ländlichen Raum. Die daraus resultierende Wochenendmobilität trägt ebenfalls zur Zunahme des motorisierten Individualverkehrs und zu einer Verflechtung von Kernstadt und Umland bei. 70 Eine aktuelle Studie des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) im Auftrag von ÖBB und ASFiNAG zeigt aber, dass im Bereich des Berufspendelns zunehmend ein Mix aus Straße und Schiene genutzt wird und dass insbesondere jüngere AutopendlerInnen Bereitschaft für Alternativen zeigen. Nur 15% der befragten AutopendlerInnen sehen keine Alternative zum Auto. Von vielen befragten AutopendlerInnen wurde als entscheidendes Kriterium für den Umstieg vom Auto zu öffentlichen Verkehrsmitteln genannt, dass diese günstiger sein müssten, insbesondere wenn ein Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel eine längere Fahrtdauer betragen würde. Jene, die ohnehin bereits öffentliche Verkehrsmittel für ihren Arbeitsweg nützen, nennen weniger Stress als wesentlichen Beweggrund. Angesichts steigender Treibstoffpreise, die für PendlerInnen zunehmend eine Herausforderung darstellen und bei der Wahl des Verkehrsmittels Beachtung finden, ist auch das [K]ostensparen ein wichtiger Grund für die Wahl eines öffentlichen Verkehrsmittels. 71 Aufgrund der hohen Zahl an IndividualpendlerInnen stellt die Parkraumbewirtschaftung in den Kernstädten, insbesondere in Wien, eine Herausforderung dar, denn der Straßenverkehr benötigt viel Platz für sich. Seit dem Jahr 1993, in dem noch 40% der Alltagswege in Wien mit dem Auto zurückgelegt wurden, ist die Autonutzung im Jahr 2011 zwar auf 29% gesunken und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel auf 71% angestiegen; dennoch fahren PKWs bspw. jeden Werktag aus dem Umland nach Wien, was den Lebensraum für die Menschen in Wien stark beansprucht. Der Verkehrsclub Österreich plädiert daher für eine Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung in Wien und für einen Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes. 72 Entwicklung der Siedlungsstrukturen Ein besonderer Aspekt des Suburbanisierungstrends ist der steigende Flächenverbrauch und die Versiegelung der Landschaft durch den zunehmenden Verbau mit Einfamilienhäusern insbesondere am Stadtrand und im Stadtumland. Diese Entwicklungen sind das Ergebnis von veränderten Wohnstilen dem Anstieg der PKW-Verfügbarkeit, steigendem Wohlstand, Abnahme der Haushaltsgrößen und damit Zunahme von (oft motorisierten) Einzelhaushalten und immer höheren Ansprüchen an Wohnen in größeren Wohnungen mit dazugehörigen Gärten. 73 In Zuzugsregionen sind unterschiedliche Sied- 68 vgl. Statistik Austria 2012: 69 vgl. Fassmann 2010, vgl. Tötzer / Loibl / Steinnocher 2009, vgl. Verkehrsclub Österreich (VCÖ) vgl. Verkehrsclub Österreich (VCÖ) vgl. Tötzer / Loibl / Steinnocher 2009, 10 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

22 lungsformen vorzufinden: Einfamilienhauszonen, kleine ländliche Siedlungen, flächige Reihenhaussiedlungen und Siedlungsringe bis hin zu gemischten Bebauungsformen. 74 In den letzten Jahrzehnten sind die Siedlungsflächen laufend angestiegen. Laut Umweltbundesamt betrug der Anstieg des täglichen Verbrauchs für Siedlungs- und Verkehrstätigkeit zwischen 2002 und ,9 Hektar pro Tag, was den erwünschten Zielwert von 2,5 Hektar pro Tag weit übersteigt. 75 Das Einfamilienhaus ist nach wie vor die vorherrschende Wohnform: Der großflächige Einfamilienhausbau führt dazu, dass sich die Pro-Kopf-Wohnfläche erhöht und damit die Dichte pro Wohneinheit abnimmt. 76 Die nachfolgende Tabelle verdeutlicht die Zunahme der Siedlungsfläche anhand von Gebäudezählungen zwischen 1971 und Bemerkenswert ist, dass sich die Wohnfläche pro Kopf seit 1971 nahezu verdoppelt hat. Gründe dafür sind, dass immer mehr Menschen aufgrund ihrer Aus- oder Weiterbildung, ihrer Erwerbsarbeit oder aus Freizeitgründen einen Zweitwohnsitz benötigen. Überdurchschnittlich war die Versiegelung der Landschaft mit Bau- und Verkehrsflächen in Niederösterreich und der Steiermark. 77 Tabelle 2: Gebäude, Wohnungen, Haushalte und Wohnfläche Gebäude Wohnungen Hauptwohnsitze Haushalte Wohnfläche pro Kopf Quelle: Häuser- und Wohnungszählung 1971, 1981, 1991; Häuser- und Wohnungszählung 2001; Häuser- und Wohnungszählung 2001 angepasst an Probezählung von 2006 (Darstellung nach Fassmann 2010, 14) Der Bau von Einfamilienhäusern trägt besonders stark zum zunehmenden Flächenverbrauch bei, was durch eine entsprechende Baulandwidmungspraxis und durch Wohnbauförderungen in den Bundesländern noch verstärkt wird. 78 Mit dem Wunsch nach einem Wohnen im Einfamilienhaus im Grünen geht auch wie weiter oben bereits aufgeführt eine Trennung von Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Konsum und Bildung einher. Die räumlichen Distanzen unterschiedlicher Lebensbereiche bringen Mobilitätszwänge mit sich, die zu einem rasanten Anstieg des motorisierten Individualverkehrs führen. Darin wird erkennbar, dass Siedlungsstrukturen und Verkehrsinfrastruktur einen starken Einfluss aufeinander ausüben. 79 Zusätzlich zum Einfamilienhaustrend gibt es auch einen Trend in Richtung Ein-Personen- Haushalten, die ebenfalls für den hohen Flächenverbrauch mitverantwortlich sind. Für die Veränderung der Wohn- und Haushaltsstruktur sind sozioökonomische Gründe verantwortlich: Klassische Fa- 74 vgl. Österreichisches Institut für Erwachsenenbildung 2004, 3f. 75 vgl. Fassmann 2010, Tötzer / Loibl / Steinnocher 2009, vgl. Fassmann 2010, vgl. Pinter 2005, vgl. Tötzer / Loibl / Steinnocher 2009, LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

23 Fact-Box WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN milienstrukturen lösen sich in ein Puzzle aus Patchworkfamilien, allein lebenden Singles, Alleinerziehenden, kinderlosen Familien und dergleichen auf. ( ) Bevölkerungs- und Siedlungsentwicklung entkoppeln sich. Trotz stagnierender oder gar schrumpfender Bevölkerungszahl expandiert die Siedlungsfläche, da ein Mehr an kleineren Haushalten und höhere Wohnansprüche die Nachfrage wachsen lassen. 80 Durch den demografischen Wandel wird sich diese Entwicklung verstärken, da die Anzahl älterer Menschen gegenüber jüngeren steigen wird und die Tendenz zu erkennen ist, dass ältere Menschen eher in ihren (großen) Haushalten bleiben möchten; für jüngere Menschen wiederum müssen neue Haushalte geschaffen werden, was zu vermehrtem Siedlungswachstum führt. 81 In den Zuzugsgemeinden haben sich die Wohn- und Siedlungsstrukturen von platzsparenden Straßendörfern, wo die Häuser dicht aneinandergereiht entlang der Hauptstraße angeordnet waren, zunehmend zu Siedlungen mit freistehenden Einfamilienhäusern am Ortsrand entwickelt. Die Renovierung und Revitalisierung älterer leerstehender Gebäude stünde zwar im Mittelpunkt des Interesses, dennoch ist der Trend zu freistehenden Einfamilienhäusern (insbesondere von Fertigteilbauten) und der Bau neuer Reihenhaussiedlungen ungebrochen. 82 Aus einer Befragung mit 131 Gemeinden im Wiener Umland zur Problematik der Wohnbauentwicklung und Wohnqualität geht allerdings hervor, dass die BürgermeisterInnen, denen gewissermaßen die Rolle der [e]rste[n] Bauinstanz 83 zukommt, nicht mehr den individuellen (Einfamilienhäuser), sondern den kollektiven Wohnbau (großvolumigere Wohnhausanlagen, verdichteter Flachbau) bevorzugen und diese demnach eher flächensparende Wohnformen anstreben. 84 Das Bevölkerungswachstum verläuft zwar von Region zu Region unterschiedlich, am meisten Zuzugsgewinne verzeichnen aber die Gemeinden in den Umlandbezirken rund um die Landeshauptstädte. Wanderungsbewegungen passieren meist lebensabschnittsspezifisch: jene, die höhere Bildung absolvieren möchten, siedeln sich in der Stadt an, jene, die ihren Wohnraum vergrößern möchten, siedeln sich im Stadtumland an. Problematisch an den Suburbanisierungstendenzen ist das erhöhte Verkehrsaufkommen. Der motorisierte Individualverkehr dominiert sowohl die Arbeits- als auch die Freizeitpendelbewegungen, da immer mehr Wohngebiete aufgrund zunehmender Verbauung nicht mehr in der Nähe öffentlicher Verkehrslinien liegen. Problematisch ist auch der steigende Flächenverbrauch und die Versiegelung der Landschaft durch zunehmenden Verbau mit Einfamilienhäusern. Wichtig in der Stadt-Umland-Entwicklung ist eine koordinierte Strategie, um den Herausforderungen (höheres Verkehrsaufkommen, zunehmender Flächenverbrauch etc.) besser begegnen zu können. 80 Tötzer / Loibl / Steinnocher 2009, 12f. 81 vgl. a.a.o., vgl. Dastel 2005, 67ff.; vgl. Mayer 2004, 76ff., Mayer 2004, 6. Behandelt wurden in der Befragung Themen wie Charakteristik der Gemeinden, die Orts-, Bau- und Wohnbauentwicklung, die Wohnbautätigkeit, die Infrastruktur, Verkehr und Mobilität, die Flächennutzung, die Beziehung zur historischen Bausubstanz, Fragen der Ortsbildgestaltung sowie die zukünftige Orts- und Wohnbauentwicklung und Vorschläge bezüglich neuer Steuerungsmechanismen und Instrumentarien für den Wohnbau. 84 vgl. a.a.o., 76 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

24 Charakteristik der Zugezogenen Der steigende Zuzug in städtische Umlandgemeinden bringt auch die Frage mit sich, wie die Zugezogenen bzw. ZuzüglerInnen bestmöglich in ihre(r) neuen Wohngemeinde integriert werden können. Um sich dieser Frage zu widmen, ist es zunächst notwendig, Näheres über die Gruppe der Zugezogenen zu erfahren und herauszufiltern, was ihre Motive und Erwartungen an den neuen Wohnstandort sind, wie sie im Allgemeinen charakterisiert werden können (Typologie der ZuzüglerInnen) und welche Unterschiede es zwischen den sogenannten Alteingesessenen und den Zugezogenen gibt. Motive und Erwartungen an den neuen Wohnstandort Warum Menschen sich für einen bestimmten Wohnstandort entscheiden, kann verschiedene Gründe haben, die zum einen auf einer individuellen, persönlichen Ebene (Mikroebene) und zum anderen auf einer übergeordneten, gesamtgesellschaftlichen Ebene (Makroebene) angesiedelt sind. Innerhalb dieser Bereiche können insbesondere für die Wohnsuburbanisierung folgende allgemeine Push- und Pullfaktoren unterschieden werden, wie aus folgender Tabelle hervorgeht: Tabelle 3: Push- und Pullfaktoren für die Wohnsuburbanisierung Push-Faktoren (Defizite der Stadt) hohe Grundstücks-, Wohnungspreise wenig verfügbare Fläche zwar gute Verkehrsanbindung, v.a. ÖPNV, aber häufig Parkplatzprobleme schlechter Zugang zu Natur und Grünzonen höhere Umweltbelastung durch Abgase, Lärm, höhere Kriminalität bzw. höheres Unsicherheitsgefühl Quelle: Pinter 2005, 41 in Anlehnung an Marik 2001, 8 Pull-Faktoren (Vorteile des Umlands) niedrige Grundstücks-, Wohnungspreise genügend verfügbare Fläche gute Verkehrsanbindung (Straße, Schiene), selten Parkplatzprobleme guter Zugang zur Natur (Wiesen, Wälder, ) geringe Umweltbelastung, mehr Ruhe geringe Kriminalität bzw. geringes Unsicherheitsgefühl Weitere Unterscheidungskategorien sind persönliche bzw. individuelle (z.b. Eheschließung, Scheidung), immaterielle (z.b. Wohn- und Freizeitmöglichkeiten, landschaftliche Vorzüge, kulturelle Angebote) und materielle Motive (z.b. Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten). 85 Die Motivlagen für den Zuzug sind vielfältig. Bauer-Wolf u.a. haben ExpertInnen aus den Bereichen Wohnbau, Politik, Verwaltung und Forschung befragt und zentrale Motive auch mittels Auswertung von theoretischer und empirischer Fachliteratur aufbereitet. Im Folgenden werden die Motive und Erwartungen an den Zuzug aufgelistet und mit empirischen Ergebnissen aus Befragungen von Zugezogenen untermauert: 86 Eigentumsbildung und Status Das freistehende Einfamilienhaus ist nach wie vor die vorherrschende Wohnform in städtischen Umlandgemeinden, wenngleich sich zunehmend ein Trend zu verdichteteren Wohnformen (mehrgeschos- 85 vgl. Pinter 2005, vgl. Bauer-Wolf u.a. 2003; Gürtler u.a. 2001/02; Österreichisches Institut für Erwachsenenbildung 2004; Österreichisches Institut für Erwachenenbildung 2012a, Befragung Grabern zum Thema Zuzug ; Pinter 2005; Zacharia LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

25 sige Bauten, Eigentumswohnungen) erkennen lässt. Ein wichtiges Motiv für den Umzug in das städtische Umland ist es also, sich den Wunsch nach einem Eigenheim zu erfüllen. Das freistehende Einfamilienhaus stellt auch nach wie vor ein Statussymbol für breite Bevölkerungsgruppen dar, das sich aufgrund hoher Grundstückspreise am besten im städtischen Umland oder im ländlichen Raum umsetzen lässt. 87 Der Wunsch nach einem Eigenheim geht auch aus diversen empirischen Untersuchungen hervor: In Klagenfurt bspw. steigerte sich der Anteil an Eigentum durch den Umzug von 29 auf 64%. 88 In einer Untersuchung im Grazer Umland wurden die Motive eigener Garten (der zwangsläufig bei einem freistehenden Einfamilienhaus oder Reihenhaus mit enthalten ist), Nähe zur Natur und gute / schöne Lage am häufigsten genannt. Darüber hinaus wurden auch früher zu wenig Platz und Eigentum genannt, die mit den anderen Motiven in Verbindung stehen. 89 Auch in einer Studie des Österreichischen Instituts für Erwachsenenbildung zu Motiven, Bedürfnissen und Zufriedenheit von ZuzüglerInnen aus mehreren Gemeinden im Wiener Umland wurden die Motive wollte ein eigenes Haus besitzen (40%) und wollte einen eigenen Garten (32,5%) als wichtigste Gründe dafür genannt, warum die Stadt in Richtung Stadtumland verlassen wurde. 90 Dennoch zeichnet sich in ExpertInnenmeinungen ab, dass Eigentum auch zunehmend als Last empfunden wird. Grund dafür sind die notwendige Instandhaltung, die langen finanziellen Verpflichtungen und die Problematik, wie im Falle von Scheidung, Arbeitsplatzwechsel oder anderen Einschnitten in der persönlichen Biografie, die räumliche Änderungen notwendig machen (können), mit dem Eigentum vorgegangen wird. 91 Soziales Umfeld und Identifikationsmöglichkeit Dem städtischen Bereich haftet oft ein negatives Bild an (dichte Verbauung, schlechtere Luft, höhere Kriminalitätsrate etc.), außerdem führen fehlende soziale Kontakte zu Nachbarn und ein als anonym bezeichnetes Wohnumfeld dazu, dass [ein] Leben in der Stadt oft als sozial nicht erstrebenswert empfunden wird und nach häufig idealisierten Alternativen außerhalb der Stadt gesucht wird. 92 Insbesondere für junge Familien ist das Motiv des sozialen Umfelds wichtig. In einer Studie im Grazer Umland konnte festgestellt werden, dass das soziale Netzwerk ein entscheidendes Motiv bei der Wohnstandortwahl war. Unter den Zugezogenen der Grazer Gemeinden Kainbach und Hart gab es jedenfalls einen hohen Anteil an Verwandten in der jeweiligen Zuzugsgemeinde oder in der näheren Umgebung. 93 Das soziale Umfeld und ein gut funktionierendes Gemeinwesen bedeutet auch ein höheres Maß an Identifikation mit dem Zuzugsort. Identifikation ist aber nicht nur durch das soziale, sondern auch durch das bauliche Umfeld gegeben. Auch wenn es in größeren Städten aufgrund von markanten Bauwerken und charakteristischen Straßen Möglichkeiten der Identifikation gibt, bieten die vielfach noch überschaubaren Klein- und Mittelstädte der Umlandgemeinden mit ihrem Image eines gewachsenen Ortes (Kirche, Rathaus, Stadtplätze, etc.) ein hohes Identifikationspotential 94 Je nach Bildungsniveau können andere Motive in den Vordergrund treten, wie die Studie des Österreichischen Instituts für Erwachsenenbildung über ZuzüglerInnen ins Wiener Umland zeigt. Bei ZuzüglerInnen mit niedrigerem formalem Bildungsgabschluss spielen verwandtschaftliche Beziehungen und Umweltqualität in der Gemeinde eine größere Rolle, während Verkehrsanbindung und die Nähe zu Wien für ZuzüglerInnen mit höheren Bildungsabschlüssen wichtiger scheint vgl. Bauer-Wolf u.a. 2003, 24f., vgl. Klammer 1999, 25 zit. nach Bauer-Wolf u.a. 2003, vgl. Gürtler 2001/02, vgl. Zacharia 2004, vgl. Bauer-Wolf u.a. 2003, 25, vgl. a.a.o., vgl. Gürtler 2001/02, 64ff. 94 Bauer-Wolf u.a. 2003, vgl. Österreichisches Institut für Erwachsenenbildung 2004, 10 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

26 Freiräume und ein gesundes Leben Das Vorhandensein von Freiräumen in Form von Terrassen, Gärten oder Balkonen im privaten Bereich und von Parks und Grünflächen im öffentlichen Bereich ist ebenfalls ein wesentliches Motiv für den Zuzug in eine städtische Umlandgemeinde. Bei öffentlich nutzbaren Freiflächen ist nicht nur das Vorhandensein, sondern auch die Art der Nutzung ein wichtiges Kriterium. Wesentlich ist, dass Freiflächen vielfältig und für viele Bevölkerungsgruppen benutzbar sind, was bei städtischen Freiflächen oft nicht gewährleistet werden kann. Vorhandene Freiräume sind als Motiv oft stark verbunden mit dem Motiv des gesunden Lebens in Naturnähe. 96 Zu diesem Motivbündel gehören der Wunsch nach weniger dichtem Wohnen und besserer Belichtung, sowie nach besserer Luft und weniger Lärm. 97 In der Studie des Österreichischen Instituts für Erwachsenenbildung über ZuzüglerInnen aus dem Wiener Umland wurden auf die Frage nach Motiven für den Zuzug ruhige Lage (51%) und bessere Luftqualität (37%) genannt, die dieser Motivkategorie zugeordnet werden können. 98 Die Zugezogenen der Weinviertler Gemeinde Grabern, die im Rahmen des vorliegenden Projekts befragt wurden, gaben als häufigste Motive für ihren Zuzug mehr Natur (37,3%), eigenen Garten (36,4%) und weniger Lärm (32,3%) an. Sie erklärten auch in einer weiteren Frage, dass sich diese drei Motive auch sehr durch den Zuzug in Grabern erfüllt haben. 99 Arbeitsplatz Ein oft genanntes Motiv für einen Umzug ist auch die Nähe zum Arbeitsplatz, vor allem bei einem Arbeitsplatzwechsel oder bei einer Verlagerung des Arbeitsplatzes in das Stadtumland, wie es im Zuge der Gewerbe- und Dienstleistungssuburbanisierung vermehrt der Fall war. Es zeigte sich aber, dass dieses Motiv eher mit der Art des Wohnens als mit der Dauer des Berufspendelns in Zusammenhang steht: MieterInnen tendieren demnach dazu, einen Wohnstandort zu suchen, der ihnen kurze Reisezeiten zum Arbeitsplatz ermöglicht, Wohnungseigentümer[Innen] neigen dagegen zu längeren Arbeitspendeldauern, wenn ihnen ihr Wohnstandort dafür andere, subjektiv wichtigere Vorteile bietet. 100 Diese Tendenz zeigte sich auch in der Fragebogenerhebung unter ZuzüglerInnen der Weinviertler Gemeinde Grabern: Zugezogene legen durchschnittlich 68 Kilometer für das Erreichen ihres (Schul- oder) Arbeitsortes hin und retour zurück. Dass diese Distanz eher in Kauf genommen wird, zeigt sich bei den Motiven, denn den ZuzüglerInnen in der Gemeinde Grabern sind mehr Natur (37,3%), ein eigener Garten (36,4%) und weniger Lärm (32,3%) wichtiger als eine gute Verkehrsanbindung (9,8%) und eine bessere Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes (8,8%). 101 Auch in einer weiteren Studie über ZuzüglerInnen im Wiener Umland konkret in den Gemeinden Perchtoldsdorf, Kottingbrunn und Felixdorf wurden leicht verlängerte Fahrtzeiten zum Arbeitsplatz zu Gunsten der guten Luft, den guten Einkaufsmöglichkeiten, der geringen Verkehrsbelastung und der vielfältigen Freizeitangebote in Kauf genommen. 102 Kinder Ein letztes wichtiges Motiv für den Umzug ins Stadtumland sind Kinder, denen man ein hohes Maß an Freiräumen, Umweltqualität, Naturnähe, Infrastruktur und Wohnraum bieten möchte. Zu den klassischen ZuzüglerInnen im suburbanen Raum zählen nämlich wie auch aus dem nachfolgenden Kapitel hervorgeht junge (Klein-)Familien. Besonders jene, die im Laufe ihres Lebens in die Stadt zugewan- 96 vgl. Bauer-Wolf u.a. 2003, 27f. 97 a.a.o, vgl. Österreichisches Institut für Erwachsenenbildung 2004, vgl. Österreichisches Institut für Erwachenenbildung 2012a, Befragung Grabern zum Thema Zuzug 100 Bauer-Wolf u.a. 2003, vgl. Österreichisches Institut für Erwachenenbildung 2012a, Befragung Grabern zum Thema Zuzug 102 vgl. Pinter 2005, LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

27 dert sind, sind daher für eine Abwanderung aus der Stadt anfällig, wenn sie selbst Kinder haben oder planen. 103 In einer Studie über ZuzüglerInnen im Wiener Umland (Perchtoldsdorf, Kottingbrunn und Felixdorf) waren in der Gruppe der Befragten viele Familien mit Kindern vertreten. Sie nannten als wesentliche Vorteile die Nähe und Erreichbarkeit von Kindergärten und Schulen, größere Freiräume ( mehr Auslauf, Tür auf und raus ohne Sorgen ), die Nähe zur Natur und das Vorhandensein von Gärten, ein gutes soziales Umfeld, ein gesünderes Leben, weniger Lärm- und Umweltbelastungen und generell eine ruhige Atmosphäre. 104 Motive im Überblick Bauer-Wolf u.a. fassen die Motive für einen Umzug von der Stadt in das städtische Umland oder in ländlichere Gebiete und die Wohnstandortqualitäten in einer Grafik zusammen. Dabei unterscheiden sie zwischen harten Standortfaktoren, wie Kosten, Erreichbarkeit und Wohnfläche und weichen Standortfaktoren, wie Besitz / Eigentum, soziale Aspekte, Identifikationsmöglichkeiten, Freiräume und Naturnähe. Typologie der Zugezogenen Zuzug passiert meist lebensabschnittsspezifisch, d.h. Änderungen im Lebensverlauf (z.b. in der Familiensituation) sind dafür verantwortlich, dass andere Wohnorte aufgesucht werden. Das sogenannte Lebenszyklusmodell eignet sich daher besonders als Erklärung dafür, welche Typen von ZuzüglerInnen sich in städtischen Umlandgemeinden oder in weiter entlegeneren ländlichen Gemeinden ansiedeln. Faktoren wie höhere Bildung, bessere ökonomische Ressourcen (Einkommen), regionale bzw. lokale Bindung und bevorzugter Lebensstil (Freizeitgestaltung, Wohn- und Umweltqualität) bestimmen 103 vgl. Bauer-Wolf u.a. 2003, vgl. Pinter 2005, 106ff. LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

28 die Bereitschaft zur Mobilität. 105 Bauer-Wolf u.a. fassen folgende Umbrüche im Lebensverlauf zusammen, an denen Zuzug bzw. Wanderbewegungen besonders wahrscheinlich sind: Familiengründung, Haushaltsgründung (Stichwort: Zusammenzug) Kinder (Stichworte: Wohnungsgröße und Freiraum / Grünraum) Arbeitsplatzwechsel: Jobangebote außerhalb des Pendler[Innen]bereichs Verbesserung der Wohnqualität um die Lebensmitte Anpassung der Wohnsituation an den veränderten sozialen Status Auszug der Kinder ( empty nest ) Scheidung Übergang vom Berufsleben in die Pension ( Altersruhesitz ) 106 Wohnortänderungen werden demnach in biografischen Umbruchphasen vollzogen, die eine Veränderung der Wohnverhältnisse bzw. des Lebensstils nahe liegend machen (Vergrößerung / Verkleinerung der Familie, mehr Freizeit, ). 107 Demnach wird dem ländlichen Raum mehr Familien- und Freizeitqualität zugeschrieben als dem urbanen Raum, der eher mit Arbeits- und Entertainmentqualitäten assoziiert wird. Die Lebenszyklustheorie konnte anhand einer Studie im Großraum Graz, bei der Personen, die in den letzten Jahren in die Gemeinden Kainbach und Hart zugezogen sind, bestätigt werden: Familiensituation, Alter und Wohnfläche der Befragten zeigten, dass ein Großteil der Zugezogenen in den beiden Gemeinden verheiratet war und Kinder hatte, nur 16% der Befragten gaben an, keine Kinder zu haben. 60% der Zugezogenen waren bei ihrem Wohnortwechsel maximal 35 Jahre alt, ein weiteres Drittel war zwischen 36 und 55. Unter den zugezogenen Familien dominierten Familien mit ein oder zwei Kindern, nach dem Umzug ins Stadtumland kam meist noch ein weiteres Kind dazu. Die Wohnflächen vergrößerten sich bei etwa 60% der Befragten durch den Zuzug von etwa 80 auf 130 bis 150 Quadratmeter. 108 Junge (Klein-)Familien Die Gruppe der ZuzüglerInnen ist zwar vielschichtig, dennoch lassen sich darunter wie auch schon Foto: 77SG - Fotolia.com aus den Ausführungen zur Grazer Studie bereits hervorgeht einige zentrale Typen zusammenfassen, die am ehesten zu einem Wohnortwechsel in das Stadtumland tendieren: Meist sind es junge Kleinfamilien im Alter zwischen 30 und 40 Jahren, die mit ihren Kindern von der Stadt in das Stadtumland ziehen. Das geht auch aus einer Studie des Österreichischen Instituts für Erwachsenenbildung im Wiener Umland hervor: In den befragten Haushalten leben mehrheitlich 2 bis 4 Personen (84%), davon viele Jungfamilien, nur 7% sind Single-Haushalte. Dabei stellt das 105 vgl. Pinter 2005, 46f. 106 Bauer-Wolf u.a. 2003, Österreichisches Institut für Erwachsenenbildung 2004, vgl. Gürtler u.a. 2001/02, 55ff. 28 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

29 Einfamilienhaus mit 54% die häufigste Wohnform dar. 109 Jungfamilien wünschen sich neben einer hohen sozialen Qualität der Wohnumgebung (Schulen, Sicherheit, Kontakt mit anderen Familien, etc.) auch starke Identifikationsmöglichkeiten (z.b. Überschaubarkeit), vielfältige Freiräume und hohe Umweltqualität bzw. Naturräume in der Regel alles zum Wohle des Kindes. All das muss selbstverständlich korrelieren mit der Vereinbarkeit zwischen ökonomischen Ressourcen der Familie, der Erreichbarkeit (z.b. des Arbeitsplatzes) und einer entsprechenden Wohnfläche, die oft schon auf die endgültig angepeilte Anzahl von Kindern ausgelegt wird. 110 Aber auch Großfamilien können sich unter den ZuzüglerInnen befinden, da auch für diese Kriterien wie Wohnfläche, Lebensqualität und ökonomische Situiertheit von Relevanz sind. AlleinerzieherInnen und Patchworkfamilien zählen ebenfalls dazu, wenngleich diese weniger Einfamilienhäuser als Geschosswohnungsbauten in Umlandgemeinden beziehen. 111 Ältere Menschen Auch ältere Menschen stellen einen weiteren Typ innerhalb der Gruppe der ZuzüglerInnen dar. Hier ist es aber eher die Gruppe der PensionistInnen, die nach dem Wegfall ihrer beruflichen Tätigkeit nicht mehr an ihren ursprünglichen Wohnort in der Stadt gebunden ist und daher in das Umland übersiedelt. Meist handelt es sich in dieser Gruppe um Personen, die ursprünglich aus beruflichen Gründen vom ländlichen Raum in die Stadt gezogen sind, nach Pensionsantritt wieder aus der Stadt abwandern. Häufig steht dann bereits ein gut und lange vorbereiteter Zweitwohnsitz dafür bereit. 112 Die Gruppe der sogenannten Empty Nesters, also jene jungen Alten zwischen 50 und 60 bzw. 65 Jahren, deren Kinder bereits die Wohnung oder das Haus verlassen haben, die aber noch einer beruflichen Tätigkeit nachgehen, können zwar auch zu den ZuzüglerInnen im Stadtumland gezählt werden, sie haben aber eine geringer ausgeprägte Mobilitätswahrscheinlichkeit als PensionistInnen. Bei beiden Gruppen ist eine höhere Lebensqualität (aufgrund des Freizeitzuwachses) ausschlaggebend für den Umzug von der Stadt in das Umland. 113 Ebenfalls entscheidend dafür, ob ältere Menschen sich im Stadtumland oder im ländlichen Raum ansiedeln, ist das Vorhandensein von Gütern des täglichen Bedarfs vor Ort. 114 Verschiedene Lebensstiltypen Darüber hinaus gibt es noch einige gemäß ihres Lebensstils weiter ausdifferenzierte Gruppen, die aufgrund unterschiedlicher Faktoren zu erhöhter Mobilität und damit zu einem Umzug in das Stadtumland tendieren: (Patchwork-)Familien, die Wohnprojekte im Stadtumland nutzen (Wohnprojekteklientel), Personen, die ihrem Wunsch nach Freiraum und Naturnähe nachkommen möchten (ökologisch Orientierte), Personen, denen Naturnähe und aktive Freizeitgestaltung wichtig ist (Erlebnisorientierte), kinderlose Personen mit hohem Einkommen, für die Status in Form von Eigentum und Naturnähe relevant ist (DINKS double income no kids) oder Personen, die durch eine Erbschaft nun ihren Traum von Einfamilienhaus im Grünen erfüllen können vgl. Österreichisches Institut für Erwachsenenbildung 2004, Bauer-Wolf u.a. 2003, vgl. a.a.o., a.a.o., vgl. a.a.o., 34f. 114 vgl. Schipfer 2005, vgl. Bauer-Wolf, 35ff. LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

30 Unterschiede zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen Wie bereits erwähnt, zählen großteils junge (Klein-)Familien zu den typischen ZuzüglerInnen, die sich auf der Suche nach mehr Lebensqualität, Naturnähe und Freiräumen in städtischen Umlandgemeinden oder in entlegeneren Gemeinden des ländlichen Raums niederlassen. Aber auch ältere Menschen, die nach dem Pensionseintritt nicht mehr in der Stadt bleiben wollen, tendieren zu einem Umzug in das Stadtumland. In welchen Merkmalen unterscheiden sich aber ZuzüglerInnen von der alteingesessenen Bevölkerung in den Gemeinden? Diese Frage zu beantworten ist ebenfalls wesentlich, wenn es darum geht, sich mit der Integration von Zugezogenen in städtischen Umlandgemeinden auseinanderzusetzen. Im Rahmen einer Fragebogenerhebung zum Thema Integration von ZuzüglerInnen, die im Rahmen dieses Projekts in der Weinviertler Gemeinde Grabern durchgeführt wurde, wurden sowohl die in den letzten Jahren Zugezogenen als auch die sogenannten Alteingesessenen befragt und miteinander verglichen. 116 Diese decken sich auch weitgehend mit einer anderen Befragung, die im Grazer Umland in den Gemeinden Kainbach und Hart durchgeführt und wo ebenfalls ein Vergleich zwischen Zugezogenen und Alteingesessenen vorgenommen wurde. 117 Im Folgenden werden Daten aus diesen beiden Befragungen als empirischer Beleg herangezogen. Altersstruktur Was die Altersstruktur anbelangt, lässt sich feststellen, dass Zugezogene in der Weinviertler Gemeinde Grabern tendenziell jünger sind, denn der Anteil der 21- bis 40-Jährigen lag in der Gruppe der Zugezogenen bei 43,8% gegenüber 21,4% bei den Alteingesessenen. 118 Auch in der Befragung in den zwei Grazer Umlandgemeinden Kainbach und Hart zeigt sich, dass jene, die schon länger in den Gemeinden wohnen, älter sind als diejenigen, die erst in den letzten zwanzig Jahren hergezogen sind. Das lässt sich anhand der oben genannten Lebenszyklustheorie erklären, denn das Auftreten einer hohen Migrationswahrscheinlichkeit im Alter unter 35 Jahren [wird] damit begründet, dass zu dieser Zeit häufig geheiratet wird, die Berufsbildung beendet wird oder der Eintritt ins Erwerbsleben erfolgt. 119 Bildungsniveau ZuzüglerInnen verfügen gegenüber Alteingesessenen über ein höheres Ausbildungsniveau. In Grabern haben 52% der befragten ZuzüglerInnen als höchsten Bildungsabschluss eine AHS- oder BHS- Matura oder sogar einen Universitätsabschluss. Demgegenüber beträgt bei den Alteingesessenen der Prozentsatz der AHS- bzw. BHS- und UniversitätsabsolventInnen 28,2%. Der Anteil jener, die nur eine Pflichtschule absolviert haben, liegt bei den Alteingesessenen (23,5%) etwas höher als bei den Zugezogenen (11,5%). 116 vgl. Österreichisches Institut für Erwachenenbildung 2012a, Befragung Grabern zum Thema Zuzug 117 vgl. Gürtler u.a. 2001/02, 66ff., 77ff. 118 vgl. Österreichisches Institut für Erwachenenbildung 2012a, Befragung Grabern zum Thema Zuzug 119 Gürtler u.a. 2001/02, LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

31 Bei der Nutzung von Bildungs- und Kulturangeboten sind die Zugezogenen in der Weinviertler Gemeinde Grabern stärker in Richtung Wien orientiert, während Alteingesessene tendenziell mehr Angebote in ihrer Wohngemeinde oder in den näheren Städten (z.b. Hollabrunn) in Anspruch nehmen. Erwachsenenbildungsangebote vor Ort werden allerdings von den Alteingesessenen stärker genutzt als von den Zugezogenen. 120 Auch bei der Befragung im Grazer Umland konnte festgestellt werden, dass die zugezogenen HarterInnen und KainbacherInnen einen höheren Bildungsstand gegenüber den alteingesessenen aufweisen, was auch in Zusammenhang mit der Altersstruktur und den Veränderungen im Bildungssystem (in Richtung höherer Bildung) in Zusammenhang gebracht werden kann. Etwa zwei Drittel der Zugezogenen in den beiden Grazer Umlandgemeinden haben einen höheren Bildungsabschluss (AHS- / BHS-, Universitätsabschluss). 121 Berufsstatus und Einkommen In der Grabener Erhebung ist der Prozentsatz derer, die berufstätig oder in Ausbildung sind, bei den Zugezogenen und den Alteingesessenen in etwa gleich groß. Unter den Alteingesessenen ist allerdings der Anteil an PensionistInnen leicht höher, während bei den ZuzüglerInnen mit 10,3% (gegenüber 2,4%) mehr Personen in Karenz oder beschäftigungslos sind. Der Berufsstatus korrespondiert also ebenso wie das Bildungsniveau mit der Altersstruktur. 122 In der Erhebung, die in zwei Grazer Umlandgemeinden durchgeführt wurde, wurde nicht nach dem Beruf, sondern nach der Einkommenssituation gefragt. Das monatliche Haushaltsnettoeinkommen ist bei den Zugezogenen etwas höher als bei den Alteingesessenen, in der Gemeinde Hart ist die Differenz im Haushaltseinkommen sogar deutlicher als in der Gemeinde Kainbach. Zurückgeführt werden kann diese Differenz darauf, dass die Alteingesessenen tendenziell älter sind und über niedrigere Bildungsabschüsse verfügen. Die Grazer Studie kommt demnach zum Schluss: Neuzugezogene Bürger[Innen] sind jünger, haben eine höhere Ausbildung und verdienen mehr als alteingesessene Bürger[Innen]. 123 Zudem konnte festgestellt werden, 120 vgl. Österreichisches Institut für Erwachenenbildung 2012a, Befragung Grabern zum Thema Zuzug 121 vgl. Gürtler u.a. 2001/02, vgl. Österreichisches Institut für Erwachenenbildung 2012a, Befragung Grabern zum Thema Zuzug 123 Gürtler u.a. 2001/02, 79 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

32 dass es unter den Zugezogenen einen höheren Anteil an berufstätigen Frauen als unter den Alteingesessenen gibt. Mobilität Wie bereits erwähnt, ist die Gemeinde keine abgeschlossene Welt, sondern Wohnen, Arbeiten, Freizeitgestaltung, Nahversorgung etc. finden an unterschiedlichen Orten statt. Arbeiten in der Kernstadt, wohnen am Stadtrand oder auch umgekehrt kennzeichnet die Realität von heute. 124 Personen, die bspw. aus der Stadt in das Stadtumland zuziehen, sind tendenziell eher mit ihrer Ursprungsstadt verbunden (etwa durch ihren Arbeitsplatz, ihre Ursprungsfamilie oder über soziale Kontakte) und sind mobiler als die alteingesessene Bevölkerung. Die Fragebogenerhebung in der Weinviertler Gemeinde Grabern hat gezeigt, dass Zugezogene durchschnittlich 68 Kilometer hin und retour zurücklegen, während Alteingesessene nur 29 Kilometer im Durchschnitt fahren, um an ihren Schul- oder Arbeitsplatz zu kommen. 125 Die Studie über die beiden Grazer Umlandgemeinden kommt zum Schluss, dass höheres Einkommen auch die räumliche Mobilität erleichtert: Personen mit höherer Bildung haben ein höheres Einkommen, sie haben ihren Arbeitsplatz eher in Graz und können sich durch ihr Einkommen leisten, auf dem Land zu wohnen und täglich zu ihrer Arbeit in die Stadt zu pendeln. 126 Lebensstil ZuzüglerInnen pflegen gegenüber Alteingesessenen einen individualisierteren Lebensstil, sie leben eher in geringerem Umfang in traditionellen Netzwerken. Wie die Studie in den Grazer Umlandgemeinden zeigt, haben Alteingesessene einen Großteil ihrer FreundInnen in der Gemeinde. In ihrer Gemeinde selbst kennen die Zugezogenen zwar weniger Leute, dafür haben sie zu ihren Nachbarn regelmäßigen Kontakt. 127 Durchschnittlich zwei Drittel der Zugezogenen borgen sich gelegentlich etwas von ihren NachbarInnen aus und haben demnach mehr nachbarschaftlichen Kontakt als alteingesessene BürgerInnen. Mit steigendem Ausbildungsgrad steigt auch die Tendenz des Ausborgens, das möglicherweise als Mittel der Kontaktaufnahme und -pflege mit den NachbarInnen genutzt wird. Alteingesessene haben demnach eher räumlich engere soziale Netzwerke vor Ort, während Zugezogene eher ausgedehntere soziale Netzwerke haben, die zum einen durch nachbarschaftlichen Kontakt und zum anderen durch Freundschaften charakterisiert sind, die sich in Richtung Stadt ausdehnen (Graz bzw. Graz Umgebung). 128 Dass Alteingesessene mehr regelmäßige Kontakte mit den EinwohnerInnen der Gemeinde haben, lässt sich auch in der Grabener Befragung bestätigen. 50% der alteingesessenen BürgerInnen geben an, mit mehr als 20 EinwohnerInnen regelmäßige Kontakte zu pflegen, während dies nur 12% der Zugezogenen angaben. Alteingesessene nehmen auch mehr als Zugezogene an Veranstaltungen der örtlichen Vereine und Gruppen teil bzw. sind sogar vermehrt aktive Mitglieder in einzelnen Vereinen oder Gruppen. 129 Was die Unterschiede in den Freizeitaktivitäten anbelangt, bevorzugen Zugezogene eher gemeinschaftliche Aktivitäten, die sie in ihren Kindern durchführen können. Alteingesessene präferieren eher Entspannungsaktivitäten (Entspannung, Weiterbildung, kreative Betätigung). Ihren Urlaub verbringen 124 Fassmann 2010, vgl. Österreichisches Institut für Erwachenenbildung 2012a, Befragung Grabern zum Thema Zuzug 126 Gürtler u.a. 2001/02, a.a.o., vgl. a.a.o., 68ff. 129 vgl. Österreichisches Institut für Erwachenenbildung 2012a, Befragung Grabern zum Thema Zuzug 32 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

33 Fact-Box WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN Zugezogene eher mit Städtereisen, Camping- und Badeurlauben, während Alteingesessene Wellnessoder Kultururlaube bzw. Wanderurlaube bevorzugen. 130 Die Motive und Erwartungen an den Umzug in städtische Umlandgemeinden sind zwar vielfältig, es lassen sich aber materielle und immaterielle Motivlagen zusammenfassen: Wichtige Motive sind der Wunsch nach einem Eigenheim, das Vorhandensein von Freiräumen in Form eines eigenen Gartens oder von Grünflächen, die gute Erreichbarkeit von Arbeitsplatz und Freizeitmöglichkeiten und ein gesunder Lebensraum für Kinder. Unter den Zugezogenen finden sich oft (junge) Familien im Alter zwischen 30 und 40 Jahren und ältere Menschen, die nach dem Pensionsantritt aus der Stadt in das Umland übersiedeln. Alteingesessene und Zugezogene unterscheiden sich hinsichtlich Altersstruktur, Bildungsniveau, Berufsstatus, Mobilität und Lebensstil: Zugezogene sind meist jünger, haben ein höheres Bildungsniveau, sind eher in Karenz, sind stärker mit ihrer Ursprungsstadt verbunden und pflegen einen individualisierteren Lebensstil, bei dem sich die vorhandenen sozialen Netzwerke stärker über die Gemeindegrenzen bis hin zur nächstgelegenen Großstadt (meist der Ursprungsstadt) ausdehnen. Bewertung des Zuzugs aus Gemeindesicht Aus den oben genannten Motivlagen der ZuzüglerInnen lässt sich bereits eine Charakterisierung der Zuzugsgemeinden ableiten: Zuzugsgemeinden liegen in guter Verkehrslage zur Kernstadt oder zu nächstgrößeren Städten, sie bieten (günstiges) Bauland, um den Traum vom Eigenheim zu erfüllen, und sie bieten gute Luft, Ruhe, Natur und Freiräume zur Erholung in unmittelbarer Nähe. Zuzugsgemeinden zeichnen sich aber oft durch die Vermischung verschiedenster Funktionen sowie des Traditionellen und des Innovativen aus. ( ) Für die Bau- und Wohnformen ist typisch, dass sich hier städtische und ländliche Varianten vermischen. 131 Einer Studie im Wiener Umland zufolge, in der 131 BügermeisterInnen aus den Umlandgemeinden befragt wurden, sind die Nähe zur Bundeshauptstadt und deren gute Erreichbarkeit (sowohl durch öffentlichen Verkehr als auch durch motorisierten Individualverkehr) die wesentlichsten Charakteristika für eine Zuzugsgemeinde. 132 Wie sehen und bewerten Gemeinden, die als Zuzugsgemeinden gelten, ihr verstärktes Wachstum? Welche Vorteile und Nachteile bringt der Zuzug mit sich? Im Folgenden werden einige wesentliche Punkte herausgegriffen, die in empirischen Studien, in denen GemeindevertreterInnen zu diesem Thema befragt wurden, erhoben wurden. Dabei wird im Wesentlichen auf drei Studien zurückgegriffen: Im Jahr 2004 wurden von Österreichischen Institut für Erwachsenenbildung Wiener Umlandgemeinden zum Thema Zuzug und Integration von ZuzüglerInnen befragt (Rücklauf: 117 Fragebögen von insgesamt 176). 133 Ebenfalls im Jahr 2004 wurden BürgermeisterInnen von Wiener Umlandgemeinden zur Wohnbauentwicklung und Wohnqualität befragt (Rücklauf: 131 Fragebögen von insgesamt 182). 134 Im Jahr 2012 wurden im Zuge des vorliegenden Projekts Gemeinden mit mehr als 5% Zuzug zu ähnlichen Themen befragt (Rücklauf: 249 Fragebögen von insgesamt 681) vgl. Gürtler u.a. 2001/02, 73ff. 131 vgl. Mayer vgl. a.a.o., vgl. Österreichisches Institut für Erwachsenenbildung 2004, vgl. Zacharia Mayer 2004, vgl. Österreichisches Institut für Erwachenenbildung 2012b, Befragung österreichischer Gemeinden zum Thema Zuzug LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

34 Generell mehr Zuzug erwünscht Von 117 befragten Wiener Umlandgemeinden gaben 64% an, weiteres Interesse an einem Anstieg von ZuzüglerInnen aus Wien und anderen Städten und Gemeinden zu haben. Am höchsten ist das Interesse an weiterem Zuzug bei Gemeinden bis zu EinwohnerInnen (73%), mit steigender EinwohnerInnengröße nimmt das Interesse kontinuierlich ab (ca. 45% bei Gemeinden mit über EinwohnerInnen). 60% der befragten Gemeinden im Bezirk Mödling lehnen weiteren Zuzug ab, (mehr als) 80% der Gemeinden in St. Pölten und Tulln sprechen sich für vermehrten Zuzug aus. Wenig überraschend zeigen Gemeinden mit mehr als 10% ZuzüglerInnen-Anteil weniger Interesse an weiterem Zuzug als Gemeinden mit geringerem Zuzug. 136 Auch in der österreichweiten Befragung von Gemeinden mit mehr als 5% Zuzug gaben 86% von 249 befragten Gemeinden an, weiteren Zuzug zu wünschen. In ergänzenden Kommentaren zur Frage nach weiterem Zuzug wird allerdings betont, dass ein Zuzug in sanfter, ausgewogener Form wünschenswert wäre. Für 85% der befragten Gemeinden ist zwar die vorhandene Infrastruktur bis zu einem bestimmten Maß für weiteren Zuzug ausreichend, dann Foto: lassedesignen - Fotolia.com würde es aber problematisch. Es wird aber auch hervorgehoben, dass Zuzug auch wichtig ist, um vorhandene Infrastruktur (wie bspw. Schulen) zu erhalten. 137 Dass die Infrastruktur momentan ausreichend ist, wurde auch in der Studie im Wiener Umland von 83,5% der befragten Gemeinden angegeben. Als notwendige Investitionen werden von den übrigen Gemeinden u.a. angeführt: Abwasserkanal, Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz, Geschäfte im Ortskern / Nahversorgung, Kinderbetreuung, Kindergarten / Schulen, Freizeiteinrichtungen oder Straßenbau. Etwa die Hälfte der Gemeinden sieht zwar keinen Bedarf an zusätzliche Einrichtungen, um bestimmte Bevölkerungsgruppen anzusprechen; die andere Hälfte nennt Freizeiteinrichtungen für Jugendliche und Nahversorgung für SeniorInnen als in etwa gleichbedeutet, was zusätzliche Einrichtungen anbelangt. 138 Jungfamilien als bevorzugte Personengruppe Für 76,4% der befragten Gemeinden in einer österreichweiten Erhebung sind Jungfamilien eine bevorzugte Bevölkerungsgruppe für den Zuzug. Das deckt sich auch mit der oben genannten Mobilitätswahrscheinlichkeit, die bei jungen Familien größer scheint als bei anderen Personengruppen. 139 In der Befragung der Wiener Umlandgemeinden hat sich keine Personengruppe als bevorzugt herausgestellt. Differenziert nach Gemeindegrößen zeigt sich aber, dass insbesondere die Gemeinden bis zu EinwohnerInnen, die besonders großes Interesse an weiterem Zuzug haben, junge Familien unter den ZuzüglerInnen präferieren. Grund dafür ist, dass speziell junge Menschen sich für einen 136 vgl. Zacharia 2004, 40f. 137 vgl. Österreichisches Institut für Erwachenenbildung 2012b, Befragung österreichischer Gemeinden zum Thema Zuzug 138 vgl. Zacharia 2004, 47ff. 139 vgl. Österreichisches Institut für Erwachenenbildung 2012b, Befragung österreichischer Gemeinden zum Thema Zuzug 34 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

35 längeren Zeitraum in der Gemeinde niederlassen und entsprechende Kaufkraft mitbringen. 140 Auch in einer weiteren Befragung von 131 BürgermeisterInnen im Wiener Umland konnte eine Präferenz von Jungfamilien festgestellt werden: Es ist nämlich für die Mehrheit der befragten Bürgermeister[Innen] (70%) ein explizit verbalisiertes besonderes Anliegen, durch die Neubautätigkeit vor allem Jungfamilien bzw. junge allgemein Menschen anzusprechen. 141 Es ist auch ein besonderes Ziel, Jugendliche in den Umlandgebieten zu halten. Daher gibt es von Seiten der Gemeinden Bemühungen, entsprechende Fördermaßnahmen im Bereich des Wohnens (günstige Grundstücke, Wohnbauförderung, Zuschüsse zu Aufschließungskosten und diverse andere Förderungen) zu setzen. 142 Aktive Strategien zur Steigerung der Gemeindeattraktivität Sowohl in der Erhebung in den Wiener Umlandgemeinden als auch in der österreichweiten Erhebung wurde in einer offenen Frage danach gefragt, was die Gemeinden attraktiv für den Zuzug macht: Jeweils 118 Nennungen gab es, die sich zur Kategorie Lage (Nähe zur Stadt, gute Verkehrsanbindung) und zur Kategorie Lebensqualität (z.b. Ruhe, Natur, schöne Landschaft) zusammenfassen lassen. 86 Nennungen betreffen die Kategorie Infrastruktur (z.b. Bildungseinrichtungen, Nahversorgung), 68 das Gemeindeleben (z.b. Vereinsleben, Gemeinschaft / Geselligkeit, Sport / Freizeit), 49 das Gemeindeservice (z.b. Kinderbetreuung) und 37 Nennungen Wirtschaftliches (z.b. Arbeitsplätze / Firmen, günstiges Bauland / günstiges Wohnen). 143 Ähnliche Nennungen gab es auch in der Studie der Wiener Umlandgemeinden. Als attraktivster Grund für den Zuzug wurde auch hier die Lage (Nähe zu Wien bzw. zu anderen Städten) genannt. 144 Manche Gemeinden entwickeln aktiv Strategien, um ihre Attraktivität zu steigern: Die Befragung der Wiener Umlandgemeinden ergab, dass ein Fünftel konkrete Maßnahmen setzt, um die Gemeinde für ZuzüglerInnen attraktiver zu gestalten. Die Maßnahmen umfassen das Schaffen von Baugründen und Wohnungen zu leistbaren Preisen, neue Arbeitsplätze, Verbesserung der Freizeitmöglichkeiten und Nahversorgung, den Neubau von Genossenschaftswohnungen und Reihenhäusern und die Schaffung und Erhaltung von Kindergärten und Volksschulen. Vereinzelte Strategien sind aber auch die Einbindung in das örtliche Vereinsleben und die Unterstützung bei Versorgung und Bauen. 145 Auch die österreichweit befragten Gemeinden gaben an, Schritte zur Steigerung der Attraktivität für ZuzüglerInnen zu setzen: 63,9% haben den Kindergarten- oder Schulausbau forciert, 56,8% haben Maßnahmen im Bereich der Flächenwidmung gesetzt, 35,8% haben andere Infrastruktur ausgebaut, 28,7% haben soziale und kulturelle Angebote intensiviert und 11,5% haben Wohnbau-Zuschüsse verteilt. Bei weiteren Maßnahmen wurden die Schaffung von Bauland, neue Wohnbauten, neue Mietwohnungen und sozialer Wohnbau am häufigsten genannt. Haben sich neue BewohnerInnen in der Gemeinde niedergelassen, bieten viele Gemeinden auch Willkommensangebote an, um ZuzüglerInnen dabei zu unterstützen, sich leichter in der neuen Wohngemeinde zurechtzufinden vgl. Zacharia 2004, Mayer 2004, vgl. a.a.o., 65f. 143 vgl. Österreichisches Institut für Erwachenenbildung 2012b, Befragung österreichischer Gemeinden zum Thema Zuzug 144 vgl. Zacharia 2004, vgl. a.a.o., vgl. Österreichisches Institut für Erwachenenbildung 2012b, Befragung österreichischer Gemeinden zum Thema Zuzug LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

36 Bevorzugte Wohnformen In unterschiedlichen Gemeinden des Wiener Umlandes sind die verschiedensten Bauformen vorherrschend: Einfamilienhäuser, mehrgeschossige Wohnbauten, Reihenhäuser oder verdichteter Flachbau. Sowohl in der Erhebung in den Wiener Umlandgemeinden als auch in der österreichweiten Erhebung wird das Einfamilienhaus (Neubau) in neuen Siedlungen von den ZuzüglerInnen besonders stark nachgefragt. 147 Eine offene Bebauung am Ortsrand wird nach einer weiteren Befragung von Gemeinden des Wiener Umlands auch von einer Mehrheit der BürgermeisterInnen (94%) bevorzugt, dennoch gibt es auch Maßnahmen zur Ortskernförderung für jedes neue Objekt, das anstelle eines nicht mehr sanierbaren Gebäudes im Ortskern errichtet wird. 148 Problematisch ist daran aber, dass man sich bei der sogenannten geschlossenen Bebauung 149 an die vorhandenen Gegebenheiten anpassen muss und der Ortskern aufgrund seines Straßendorfcharakters oft von starkem Durchzugsverkehr betroffen ist, wodurch zunehmend Ortsumfahrungen notwendig werden. Dass das Wohnen im Ortskern und das Wohnen in bestehender, älterer Bausubstanz nicht zu einer beliebten Wohnform zählen, zeigen auch die Studien im Wiener Umland und die österreichweite Studie. 150 Heute sind die Randgebiete nicht mehr nur durch das Einfamilienhaus geprägt, es werden immer mehr Siedlungsanlagen mit Mehrfamilienhäusern errichtet, die städtischen Bau- und Wohnformen breiten sich am Rand der Umlandsiedlungen aus. In den stark verdichteten Regionen prägen heute verstärkt auch 2- bis 4- geschossige Mehrfamilienhäuser das neue Ortsbild des Wiener Umlandes. 151 Ein wesentliches Charakteristikum in Zuzugsgemeinden sind Zweitwohnsitze. Abgesehen von den finanziellen Nachteilen, die sich für die Gemeinden mit einem hohen Anteil an Zweitwohnsitzen durch zu geringe Ertragsteile, die Nichtberücksichtigung der Zweitwohnsitzbevölkerung bei der Zuteilung der Fördermittel und die höheren Investitionserfordernisse für die Gemeinde-Infrastruktur ergeben, spielen vielerorts auch Probleme im Bereich der Siedlungsentwicklung wie Zersiedelung, hoher Baulandverbrauch und die Verteuerung des Baulandes eine große Rolle. Hinzu kommen auch oft soziale Probleme durch die Zweitwohnsitzbesitzer[Innen] durch die Überfremdung der Gemeinde und mangelnde Integration. 152 Allgemeine Vor- und Nachteile für die Gemeinde In der österreichweiten Erhebung unter 249 Gemeinden mit über 5% Zuzug wurden folgende allgemeine Vor- und Nachteile des Zuzugs genannt (vgl. Abbildung 7): Bei den Vorteilen wurden von 59,9% höhere Einnahmen genannt, für 49,2% beleben Zugezogene die Gemeinde sozial und kulturell. Dem gegenüber stehen allerdings 32,2%, die als Nachteil nannten, dass sich Zugezogene nicht in die Gemeinschaft einbringen. Als Hauptnachteil wurde genannt, dass sich das Verkehrsaufgebot durch den Zuzug erhöht (40,7%). In einer anschließenden Frage gaben 71% der befragten Gemeinden allerdings an, dass die Vorteile überwiegen. Für 3% überwiegen die Nachteile und für 26% überwiegen weder Vor- noch Nachteile. 147 vgl. Zacharia 2004, 44; vgl. Österreichisches Institut für Erwachenenbildung 2012b, Befragung österreichischer Gemeinden zum Thema Zuzug 148 vgl. Mayer 2004, 92f. 149 a.a.o., vgl. Zacharia 2004, 44; vgl. Österreichisches Institut für Erwachenenbildung 2012b, Befragung österreichischer Gemeinden zum Thema Zuzug 151 a.a.o., Dastel 2005, LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

37 Schlussfolgerungen für Gemeinden Vor- und Nachteile des Zuzugs in den Gemeinden werden auch von aktuellen demografischen und sozioökonomischen Entwicklungen beeinflusst: Die älter werdende Gesellschaft macht bspw. die Bereitstellung von Nahversorgungsmöglichkeiten in den Gemeinden erforderlich; die Haupt-Zuzugsgruppe der jungen Familien benötigt Kindergärten, Schulen und andere Kinderbetreuungseinrichtungen als infrastrukturelle Maßnahmen. 153 Um steigenden Zuzug aus gemeindepolitischer Sicht zu bewältigen, sind mehrere Strategien zu berücksichtigen, die im Österreichischen Raumentwicklungskonzept (ÖREK 2011) zusammengefasst werden. 154 Gesellschaftspolitische Maßnahmen Im Bildungsbereich ist es auf Gemeindeebene wichtig und notwendig, Infrastruktur im Pflichtschulbereich langfristig sicherzustellen, da es gerade für Kinder bis zum zehnten Lebensjahr nur schwer möglich ist, lange Pendeldistanzen zurückzulegen. Für die Einrichtung und den Erhalt von weiterführenden Schulen, tertiären und postsekundären Ausbildungseinrichtungen sowie Angeboten der Erwachsenenbildung ist eine regionale Abstimmung (teilweise auch in Kontakt mit Arbeitsmarkt und Wirtschaft) sinnvoll. Das lokale Bildungsangebot ist verstärkt mit regionalen Strukturen in Einklang zu bringen; die Bedürfnisse der unterschiedlichen Zielgruppen sind soweit als möglich zu berücksichtigen. 155 Für das Errichten und Betreiben von familienergänzenden Betreuungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche (Kinderbetreuung, Nachmittagsbetreuung, Jugendzentren) sind die Länder und die Gemeinden zuständig. Um hier ein gutes Netz an Infrastruktur mit bedarfsgerechten Öffnungszeiten zur Verfügung zu stellen, sind insbesondere bei kleineren Gemeinden Kooperationen und Syner- 153 vgl. Schipfer 2005, vgl. Fassmann 2011, 23ff. Die im Artikel beschriebenen Maßnahmen betreffen im Allgemeinen strategische Maßnahmenbereiche im ländlichen Raum, der mancherorts von Zuzug und mancherorts von Schrumpfung betroffen ist. Grund dafür sind demografische und gesellschaftliche Veränderungen (Alterung der Gesellschaft, Geburtenrückgang, Abwanderung etc.), die im Besonderen den ländlichen Raum vor neue Herausforderungen stellen. Im Folgenden werden jene Maßnahmenbereiche hervorgehoben, die für Zuzugsgemeinden von Relevanz sind. 155 a.a.o., 25 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

38 gien zwischen Gemeinden durchaus sinnvoll. 156 Da junge Familien zur Hauptgruppe der ZuzüglerInnen zählen, lässt sich grundsätzlich schlussfolgern, dass Gemeinden und Regionen, denen es gelingt, ein familienfreundliches Klima zu schaffen, auf lange Sicht auch wirtschaftlich bessere Perspektiven [haben], 157 da Jugend und junge Erwachsene Dynamik und Innovation in die Gemeinde und in die Region bringen. Nicht nur im Bildungs- und im Kinder- und Jugendbetreuungsbereich ergeben sich was die Ausstattung an Angeboten und Infrastruktur anbelangt Herausforderungen für Gemeinden, sondern auch bei SeniorInnen. Diese betreffen zum einen die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs über örtliche Nachversorgungseinrichtungen und zum anderen das Vorhandensein von Pflege und Betreuung, bei denen auch auf gemeindeübergreifende und mobile Formen zurückgegriffen werden kann bzw. sollte, um den Bedarf gut abzudecken. 158 Raumordnungsspezifische Maßnahmen Neben gesellschaftspolitischen sind auch raumplanerische Maßnahmen für Gemeinden wesentlich. Auch dabei ist eine gemeinsame Ausrichtung sinnvoll: Es kommt in vielen Fällen nicht auf die Einzelmaßnahme an, sondern auf die Gesamtwirkung aller Maßnahmen in der Region. Der regionale Blick macht eben Sinn und sollte verstärkt angewendet werden. 159 Gerade das Stadtumland wächst sehr unkoordiniert und entkoppelt von einem gemeindeübergreifenden Planungskonzept, viele Gemeinden stehen dabei oft in Konkurrenz um neue ZuzüglerInnen. Dadurch verteilen sich Kosten und Nutzen für die Gemeinden oft sehr ungleich und gerade Stadtumland-Gemeinden wachsen meist nicht ökologisch nachhaltig. Diese Entwicklung macht ein verbessertes kooperatives Vorgehen erforderlich, denn Planung, Koordination und Kooperation [ist] in größeren regionalen und kommunalen Zusammenhängen unabdingbar. 160 Wie bereits erwähnt, ist in Zuzugsgemeinden das freistehende Einfamilienhaus am Ortsrand nach wie vor die beliebteste Wohnform. Die Flächennutzung pro Kopf steigt seit Jahren kontinuierlich an, was zunehmend Überlegungen einer sparsamen und ökologisch verantwortungsbewussten Raumordnung unter dem Motto Wachstum ohne Flächenverbrauch 161 auf den Plan ruft. Es werden daher Empfehlungen ausgesprochen, wonach die Wohnbauförderung stärker mit räumlichen Kriterien verknüpft werden soll, so bspw. mit dem Kriterium der Lage, des Flächensparens und der Art der Nutzung des Bestands. 162 Insbesondere bezogen auf die Nutzung leerstehender Wohnräume im Ortskern wird die Entwicklung neuer Nutzungsmöglichkeiten vorgeschlagen, bspw. als Ferien- und Freizeitwohnsitz, um diese Bestände zu erhalten und zu sichern vgl. Fassmann 2011, 25f. 157 Schipfer 2005, vgl. Fassmann 2011, 27f. 159 a.a.o Schipfer 2005, Fassmann 2011, vgl. a.a.o., vgl. Schipfer 2005, LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

39 Fact-Box WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN Für viele (kleinere) Gemeinden mit geringeren Zuzugsraten wäre vermehrter Zuzug aus anderen Gemeinden oder Städten durchaus wünschenswert. Empirische Befragungen zeigen, dass viele Gemeinden Jungfamilien bzw. generell junge Menschen unter den ZuzüglerInnen präferieren. Lage, Lebensqualität und Infrastruktur sind jene Kriterien, die die Attraktivität von Gemeinden am meisten ausmachen. Gemeinden bemühen sich zunehmend darum, ihre Attraktivität durch entsprechende Maßnahmen (leistbares Wohnen, Ausbau von Kindergärten und Schulen, Verbesserung der Nahversorgung etc.) zu steigern. Gemeinden bevorzugen bei den Wohnformen eine offene Bebauung am Ortsrand, wenngleich zunehmend auch die Revitalisierung von bestehender Bausubstanz im Ortskern gefördert wird. Sowohl bei gesellschaftspolitischen Maßnahmen (Sicherstellung und Weiterentwicklung von Infrastruktur) als auch bei den raumordnungsspezifischen Maßnahmen (Wohnbau) sind gemeinsame gemeindeübergreifende Strategien sowie Kooperationen und Synergien wichtig. Integration neuer GemeindebürgerInnen in ihre(r) Zuzugsgemeinde In der Literatur, in den Medien und in der Politik wird der Begriff Integration oft mit Menschen mit Migrationshintergrund oder Menschen mit Behinderung in Verbindung gebracht. Das Thema Integration in Gemeinden betrifft aber alle Bevölkerungsgruppen: Kinder und Jugendliche, junge Familien, ältere Menschen, Frauen und Männer, Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit Behinderung, und demnach generell Menschen, die aus einer anderen Stadt, einer anderen Gemeinde oder einem anderen Land zuziehen und fremd bzw. neutraler formuliert neu in der Gemeinde sind. Im nachfolgenden zweiten großen Teil dieses Handbuchs werden daher Good-Practice-Beispiele zum Themenbereich Integration von ZuzüglerInnen, die im Zuge des Projekts recherchiert wurden, nach verschiedenen Maßnahmenschritten und Zielgruppen zusammengefasst. Zuvor wird allerdings noch näher auf das allgemeine Verständnis von Integration und auf empirische Ergebnisse zum Verhältnis zwischen den sogenannten Alteingesessenen und den Zugezogenen eingegangen, Gemeindeaktivitäten zur Integration von Zugezogenen beschrieben und erste Hinweise auf Gelingensfaktoren und Hindernisse bei der Integration Zugezogener gegeben, die aus einer Kurzfragebogenerhebung unter Projektverantwortlichen abgeleitet wurden. Definition von Integration Um sich näher mit der Integration von Zugezogenen in Suburbanisierungsgemeinden zu beschäftigen, ist es zunächst notwendig, sich einem Verständnis des Begriffs Integration anzunähern. Wie bereits eingangs erwähnt, wird Integration in der Literatur meist mit der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in Zusammenhang gebracht; Literatur, die sich dem Phänomen allgemein widmet, ist kaum zu finden. Zudem wird im Kontext von Integration die räumliche Perspektive (Stadt Land) oft vernachlässigt. Im Folgenden werden die Ausführungen des im Jahr 2013 erschienenen Handbuchs Integration im ländlichen Raum herangezogen. 164 Dieses beschäftigt sich zwar auch weitgehend mit der 164 vgl. Gruber 2013 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

40 Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, doch sind die Handlungsempfehlungen so allgemein gehalten, dass sie wie oben beschrieben für alle Bevölkerungsgruppen, die potenziell in eine Gemeinde zuziehen, gelten können. Das Handbuch eignet sich zudem als gutes Nachschlagewerk und weiterführende Literatur, da es im Gegensatz zu anderen Publikationen zu diesem Thema die Realität österreichischer Gemeinden, die meist eher klein strukturiert sind, berücksichtigt. 165 Dimensionen von Integration Integration wird allgemein als zweiseitiger, fortlaufender Prozess 166 verstanden, der sowohl die Integrationsbereitschaft der Zugezogenen als auch die Integrationsbereitschaft der Aufnahmebevölkerung umfasst. Konkret beinhaltet Integration die gleichberechtigten Teilhabemöglichkeiten Zugezogener an verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen (Wohnen, Arbeit, Freizeit, Kultur, ). Gleichberechtigte Teilhabe meint dabei allerdings nicht die vollständige Anpassung Zugezogener an die Rahmenbedingungen ihrer Zuzugsgemeinde; vielmehr sollen Differenzen jeglicher Art (Bildung, Sprache, Kultur, ) als Ressource anerkannt und gefördert werden. Der Prozess der Integration wird meist als mehrstufiger Prozess beschrieben und dabei mehrere Dimensionen von Integration unterschieden. Eine Form der inhaltlichen Konkretisierung ist die Einteilung des Integrationsprozesses in die strukturelle Integration, die soziale Integration, die kulturelle Integration und die identifikative Integration, die sich am besten in einer Pyramidenform darstellen lässt: 167 Die strukturelle Integration bildet die Basis der Integrationsbemühungen und die anderen Stufen bauen darauf auf. Grundsätzlich ist zu berücksichtigen, dass jene, die in eine Gemeinde neu zuziehen, auch verschiedenen Ziel- und Anspruchsgruppen zuzuordnen sind: Sie sind Kinder, Jugendliche, junge Eltern, ArbeitnehmerInnen, SeniorInnen etc. und haben daher individuelle Bedürfnisse und unterschiedliche Vorstellungen von Integration. Die Gemeinden sind dabei die politische Ebene, die den 165 vgl. Gruber 2013, a.a.o., vgl. Amt der Oberösterreichischen Landesregierung 2008, 6 40 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

41 Menschen am nächsten ist, 168 daher besteht auch auf dieser Ebene am besten die Möglichkeit, das Zusammenleben von Alteingesessenen und Zugezogenen zu fördern. Was die Integration von Zugezogenen anbelangt, ist es wichtig, Maßnahmen einer lokalen Integrationspolitik zu entwickeln. Diese umfasst unter anderem wohnungspolitische Maßnahmen (Unterstützung und Anreize für ZuzüglerInnen), das Entwickeln von Projekten, die das Zusammenleben unterschiedlicher Gruppen fördern oder das Schaffen von zentralen Orten der Begegnung, mit denen alle Bevölkerungsgruppen der Gemeinde angesprochen werden können. 169 Eine wesentliche Integrationsmaßnahme liegt im Bereich der BürgerInnenbeteiligung, mit der versucht werden kann, alle Personengruppen einer Gemeinde oder eines Stadtteils anzusprechen und soziale Integration über die Identifikation der Bevölkerung mit ihrem unmittelbaren Lebensraum zu fördern. 170 Der soziale Mix der Bevölkerung sollte als besondere Qualität erkannt und erhalten werden. 171 Folgende Aufgaben können Gemeinden im Integrationsprozess übernehmen: Aktivitäten im Bereich des Wohnens (Vergabe von Förderungen, Erteilung von Baugenehmigungen, Vergabe von gemeindeeigenen Wohnungen etc.) Integration von Zugezogenen in das örtliche Vereinswesen (z.b. Sportvereine) Förderung der Zugänglichkeit zu allen Infrastrukturen und Dienstleistungen der Gemeinde (z.b. Kinderbetreuung, Nachmittagsbetreuung, gesundheitsbezogene oder soziale Dienstleistungen) Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation (ZuzüglerInnen im Ort bekannt machen ) Förderung der Mitbestimmung in Vereinsstrukturen, politischen Parteien, zivilgesellschaftlichen Bewegungen, bürgerschaftlichen Initiativen Angebote speziell für Zugezogene Förderung von Begegnungen zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen im Alltag (z.b. im örtlichen Gasthaus oder Kaffeehaus, auf dem Spielplatz) 172 Vier Stufen von Integration Geht es um die bestmögliche Integration von Personen bzw. Gruppen, die neu in die Gemeinde gezogen sind, stellt sich zunächst die Frage: Welche Schritte sind der Reihe nach zu tun? Auf der Suche nach einer handhabbaren Gestaltungsmöglichkeit von Integration wurden folgende vier auf einander aufbauende und ineinander greifende Stufen definiert: 1. Informieren: Umfassendes Informieren ist die erste Stufe einer guten Integration von Zugezogenen in Gemeinden. Es geht darum, neue BürgerInnen über Angebote der Gemeinde und Ansprechpersonen in Kenntnis zu setzen. Erstinformationen in Willkommensmappen oder Ähnlichem und ein Willkommen heißen schafft den Grundstock für gelingende Integration. 168 Gruber 2013, vgl. Fassmann 2011, 29f. 170 vgl. Schipfer 2005, Fassmann 2011, vgl. Gruber 2013, 23f. LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

42 2. Kennenlernen: Gegenseitiges Kennenlernen und Austausch zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen steht auf der zweiten Stufe im Mittelpunkt. Durch Nachbarschaftsfeste, Willkommenstreffs und ähnliche Veranstaltungen in der Gemeinde können Orte der Begegnung geschaffen und Begegnungsmöglichkeiten gefördert werden. Wichtig ist, dass Orte der Begegnung, wie bspw. Cafés, Gasthäuser, Spielplätze generell vorhanden sind, um auch zufällige, informelle Begegnungen zwischen Zugezogenen und Alteingesessenen auf neutralem Boden zu ermöglichen. Kommunikation stellt dabei eine wichtige Komponente für das gute Zusammenleben in der Gemeinde dar und nimmt eine Schlüsselrolle bei der Integration von Zugezogenen ein. 3. Gemeinsam gestalten: Als dritte Stufe der Integration von Zugezogenen wird das gemeinsame Gestalten definiert. Gemeint sind damit kleinere und größere temporäre Projekte, die von langjährigen und neu zugezogenen GemeindebürgerInnen und in Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen, Gruppen und Institutionen gemeinsam entwickelt und umgesetzt werden können. Aktivitäten, die das gemeinsame Gestalten in den Mittelpunkt stellen, stärken den Gemeinschaftssinn und die Beziehungen zwischen den GemeindebürgerInnen und sie unterstützen den Austausch von Menschen durch das Arbeiten an einer gemeinsamen Sache. 4. Miteinander leben: Die vorangegangenen Stufen münden schließlich als letzte Stufe in das Miteinander leben, denn ein gutes Zusammenleben in der Gemeinde sollte das Ziel jeglicher Integrationsbemühungen sein. Hier geht es nicht nur um temporäre, sondern um regelmäßig stattfindende und ganzheitlich gestaltete Veranstaltungen und Begegnungsmöglichkeiten, die einen möglichst großen Teil der GemeindebewohnerInnen und hier insbesondere Zugezogene ansprechen. Bewertung der Integration von Zugezogenen in Gemeinden Um verschiedene Meinungen und Sichtweisen darüber einzuholen, wie Integration in Gemeinden konkret abläuft und bewertet wird, wird im Folgenden erneut auf drei wesentliche Erhebungen zurückgegriffen: auf die im Jahr 2004 vom Österreichischen Institut für Erwachsenenbildung durchgeführte Studie in mehreren Wiener Umlandgemeinden zum Thema Zuzug und Integration von ZuzüglerInnen 173 sowie auf die im Jahr 2012 vom Österreichischen Institut für Erwachsenenbildung im Zuge des vorliegenden Projekts durchgeführte österreichweite Erhebung in 249 Gemeinden mit mehr als 5% 173 vgl. Österreichisches Institut für Erwachsenenbildung 2004, vgl. Zacharia LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

43 Zuzug 174 und auf die Erhebung in der Weinviertler Gemeinde Grabern, wo sowohl die Alteingesessenen als auch die Zugezogenen zum Thema Integration befragt wurden. 175 Sichtweisen der Alteingesessenen und der Zugezogenen auf Integration In der Weinviertler Gemeinde Grabern, die hier exemplarisch für eine Gegenüberstellung der Bewertungen des Zuzugs durch Alteingesessenen und Zugezogenen herangezogen wird, zeigen sich folgende interessante Ergebnisse: 47% der ZuzüglerInnen fühlen sich sehr gut und 46% fühlen sich gut von den alteingesessenen GemeindebewohnerInnen aufgenommen, nur 7% fühlen sich weniger gut bis schlecht aufgenommen. Auch von den VertreterInnen der Gemeinde (Gemeindeamt) fühlt sich ein Großteil der Befragten sehr gut (59%) und gut (35%) aufgenommen. Von den Alteingesessenen der Gemeinde Grabern geben 82% an, eher gute Erfahrungen mit Zugezogenen gemacht zu haben, 9% haben sehr gute und 9% haben weniger gute und schlechte Erfahrungen gemacht. Für die Alteingesessenen sind die Zugezogenen gut (17%) und eher gut (62%) integriert. 22% sind der Ansicht, dass Zugezogene eher nicht (19%) bzw. nicht (3%) integriert sind. Über 90% der Alteingesessenen bewerten den Zuzug in ihrer Gemeinde positiv, knapp über 80% sprechen sich auch dafür aus, den Zuzug in der Gemeinde aktiv zu fördern. Bei der Frage nach der aktiven Förderung des Zuzugs konnten die befragten Alteingesessenen zusätzlich eine Begründung zu ihrer Angabe anführen. Viele Alteingesessene wünschen sich junge Menschen bzw. Jungfamilien als ZuzüglerInnen, auch vor dem Hintergrund, dass durch den Zuzug bestehende Infrastruktur (Kindergarten, Schule) erhalten bleiben kann. Einige Befragten führten als positives Moment des Zuzugs an, dass die Gemeinde mehr Abgaben bekommt. Von jenem Anteil der Befragten, der sich gegen eine aktive Förderung des Zuzugs (knapp 20%) ausgesprochen hat, wurden der Verlust des ländlichen Charakters, die Verbauung von Grünland und weniger Ruhe als Gegenargumente genannt. Grundsätzlich zeigt sich aber, dass sowohl ZuzüglerInnen als auch Alteingesessene zu einem hohen Prozentanteil sehr gerne und gerne in Grabern leben; die Zufriedenheitswerte liegen bei den Alteingesessenen sogar noch höher als bei den Zugezogenen. 176 Sichtweisen der Gemeinden auf Integration In der österreichweiten Erhebung unter Gemeinden mit mehr als 5% Zuzug hat sich ebenfalls gezeigt, dass die Zugezogenen aus Sicht der Gemeinden zu einem Großteil gut (57%) und sehr gut (10%) integriert sind. Ein Drittel der Gemeinden gibt an, dass die Zugezogenen weniger gut in ihre Gemeinden integriert sind. Aus den Kommentaren lässt sich allerdings herauslesen, dass sich diese Frage nicht so leicht verallgemeinern lässt: Manche sind sehr offen und andere ziehen sich zurück und sind für das Gemeindeleben kaum bis gar nicht zu gewinnen. Auch werden Angaben darüber gemacht, dass oft auch Alteingesessene Vorurteile gegenüber Zugezogenen hätten und dass ZuzüglerInnen einfach etwas Zeit bräuchten, um sich zu integrieren. 177 Auch in der Erhebung in den Wiener Umlandgemeinden fühlen sich 86% der ZuzüglerInnen-Haushalte gut in ihre Gemeinde integriert. Ein großer Teil der ZuzüglerInnen (58%) hat gegenüber der neuen Wohngemeinde ein neutrales Verhältnis und etwa ein Drittel hat ein Naheverhältnis. Das Naheverhältnis zur Gemeinde steigt zudem mit längerer Wohndauer in der Gemeinde sowie mit steigendem Alter der Befragten vgl. Österreichisches Institut für Erwachenenbildung 2012b, Befragung österreichischer Gemeinden zum Thema Zuzug 175 vgl. Österreichisches Institut für Erwachenenbildung 2012a, Befragung Grabern zum Thema Zuzug 176 vgl. a.a.o. 177 vgl. Österreichisches Institut für Erwachenenbildung 2012b, Befragung österreichischer Gemeinden zum Thema Zuzug 178 vgl. Österreichisches Institut für Erwachsenenbildung 2004, 11f. LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

44 Einrichtungen der Gemeinde können neben anderen engagierten AkteurInnen aus den Reihen der Alteingesessenen und der Zugezogenen den Integrationsprozess unterstützen. Folgende Einrichtungen spielen aus der Sicht österreichischer Gemeinden eine wichtige Rolle bei der Integration von Zugezogenen: Schulen und Kindergärten sowie Vereinen wird die größte Rolle bei der Integration von Zugezogenen zugeschrieben. Eine wichtige Rolle spielt aber auch die Gemeinde. Integration ist aber nicht nur eine Aufgabe von Institutionen der Gemeinden: Die Gestaltung des Integrationsprozesses und damit letztlich auch des Zusammenlebens erfordert die Mitwirkung weiterer Akteur[Innen] wie Vereine, Bildungs- und Kultureinrichtungen, Wirtschaftsbetriebe, der Medien und der Zivilgesellschaft. Jede/r einzelne Gemeindebewohner/in ist Teil des Integrationsprozesses. Integration wird damit zur gesamtgesellschaftlichen Querschnittsmaterie. 179 Gemeindeaktivitäten zur Integration von Zugezogenen Viele österreichische Gemeinden haben sich bereits mit dem Thema Integration auseinandergesetzt und haben auch dementsprechende Maßnahmen eingeführt, um Integrationsprozesse in ihrer Gemeinde anzustoßen. Die österreichweite Erhebung unter Gemeinden mit mehr als 5% Zuzug hat gezeigt, dass etwa die Hälfte der Gemeinden (48,1%) ein Service- oder Informationsheft als spezielle Willkommens- und Unterstützungsangebote anbietet, wo sich ZuzüglerInnen erste Information und Orientierung in ihrer neuen Wohngemeinde holen können. 37,4% versuchen ZuzüglerInnen aktiv in bestehende Aktivitäten von Gruppen und Vereinen einzugliedern, so bspw. in Turn-, Tennis- oder Fußballvereine, in die Feuerwehr oder in Musik- oder Kulturvereine. Auf die offene Frage nach weiteren Willkommensangeboten wurden eine gemeinsame Wanderung, ein Fotowettbewerb und gemeinsames Kochen als häufigste gemeinschaftsbildende und integrative Aktivitäten genannt. Laut 62% der Ge- 179 Gruber 2013, LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

45 meinden werden die genannten Willkommens- und Unterstützungsangebote gut und laut 22% der Gemeinden sehr gut angenommen. 180 Gelingensfaktoren und Hindernisse bei der Integration Zugezogener Gelingensfaktoren und Hindernisse bei der sozialen Integration Zugezogener lassen sich am besten aus der gelebten Praxis ableiten. Um mehr über Projekte und Aktivitäten, die ein gutes Beispiel für die Integration von Zugezogenen darstellen, zu erfahren, wurden Kurzfragebögen mit offenen Fragen an einige ausgewählte Praxisbeispiele ausgesandt. Dabei wurde auf eine möglichst breite Vielfalt (Projekte von GemeindevertreterInnen, Vereinen, Erwachsenenbildungseinrichtungen etc.) geachtet. In offenen Fragekästchen wurde darum gebeten, das Projekt oder die Maßnahme(n) der Gemeinde näher zu beschreiben und die Erfahrungen damit zu dokumentieren. Von elf ausgesandten Fragebögen wurden sechs zurückgesandt. Die Erfahrungen aus den Projekten werden im nachfolgenden Good-Practice- Teil näher beschrieben. Zunächst werden aber Gelingensfaktoren und Hindernisse, die die Projektverantwortlichen in den Fragebögen vermerkt haben, zusammengefasst und dabei schon kurz auf einige konkrete Beispiele eingegangen. 181 Die Gemeinde Ziersdorf (NÖ) führte im Rahmen eines gemeinde21 -Prozesses ein sogenanntes Welcome Meeting bzw. einen Tag der Vereine durch, um Zugezogene in der Gemeinde Willkommen zu heißen und dabei auch Vereine, Einrichtungen und Veranstaltungen im Ort zu präsentieren. Diejenigen, die in den letzten Jahren in die Gemeinde zugezogen sind, wurden persönlich eingeladen. Laut Franz Klepp, einem Gemeindebediensteten in Ziersdorf und Mitorganisator des Welcome Meetings, waren die Rückmeldungen von den anwesenden Personen auf das Welcome Meeting sehr positiv. Als wichtigen Faktor für die Integration von Zugezogenen in Gemeinden erachtet er persönliche Gespräche mit Zugezogenen: persönliche Gespräche in der Gemeinde, persönliche Gespräche dann vor Ort durch die Ortsvorsteher / Gemeinderäte und dabei ausloten, welche Interessen die Leute haben, darauf aufbauend dann eben z.b. Funktionäre von FF und RK (Anm. Freiwillige Feuerwehr und Rotes Kreuz), Sportvereine, Pfarren wieder zu persönlichen Gesprächen hinschicken. 182 Auch Franz Klepp selbst führt als Zuständiger für das Meldewesen in der Gemeinde ausführliche Gespräche mit jenen, die neu in die Gemeinde gezogen sind, übergibt die Info- und Wanderkarte der Gemeinde und bringt weiteres Informationsmaterial von / über die Gemeinde (AnsprechpartnerInnen, Öffnungszeiten, Veranstaltungskalender, ). Sabine Wurzenberger, in der SPES Zukunftsakademie zuständig für den Themenbereich Gemeinde und Regionen, hat als damals selbst neu zugezogene Gemeindebürgerin in Neuhofen an der Krems (OÖ) das Projekt Zuagroast und Ånkumma ins Leben gerufen. Eine besondere Herausforderung ist ihrer Ansicht nach die Bewahrung der eigenen Identität bei gleichzeitiger Auseinandersetzung mit neuen Einflüssen. 183 Es ging im Projekt darum, die Bevölkerung und die Gemeindeverantwortlichen auf das Thema Zuzug aufmerksam zu machen und das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass die 180 vgl. Österreichisches Institut für Erwachenenbildung 2012b, Befragung österreichischer Gemeinden zum Thema Zuzug 181 Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit Erfolgsfaktoren für eine gelingende Integration von Zugezogenen: Die BertelsmannStiftung hat einen Leitfaden mit Erfolgsfaktoren für kommunale Integrationspolitik erarbeitet, der die Aufgaben der Gemeinde / der Stadt für gelingende Integration von Zugezogenen gut zusammenfasst. Wenngleich die Faktoren insbesondere auf Integration von Menschen mit Migrationshintergrund fokussieren, eignen sie sich auch für die Integration von Zugezogenen im Allgemeinen, die aus unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen (Jugendliche, junge Familien, ältere Menschen usw.) stammen und neu in einen Gemeinde kommen; vgl. BertelsmannStiftung o.j. 182 Kurzfragebogen zum Welcome Meeting / Tag der Vereine (Franz Klepp) 183 Kurzfragebogen zum Projekt Zuagroast und Ånkumma (Sabine Wurzenberger) LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

46 Integration Zugezogener alle Bevölkerungsgruppen betrifft, die sich in einer neuen Gemeinde niederlassen. Auf Grundlage einer Fragebogenerhebung unter Zugezogenen wurde eine Festveranstaltung mit dem Titel Fest für alteing sessene und zuagroaste NeuhofnerInnen durchgeführt. Die Wahl des Titels erfolgte, so Sabine Wurzenberger, ganz bewusst, um die Polarität der beiden Gruppen spielerisch aufzugreifen. Wichtig bei der Festveranstaltung war die Orientierung am gegenseitigen Kennenlernen, an der Durchmischung der Gruppen und an der Ausrichtung des Festes auf Beteiligung, Ausprobieren und Erleben: Wir haben kein Willkommensfest für [die] Neuzugezogen veranstaltet, da es aus meiner Sicht um die Durchmischung und das Kennenlernen zwischen Zugezogenen und Alteingesessenen geht. 184 Einer der Gelingensfaktoren für die Integration Zugezogener ist für Sabine Wurzenberger zunächst einmal die persönliche Betroffenheit (als Zugezogene /-r), da den alteingesessenen und langjährigen GemeindebürgerInnen das Thema oft gar nicht bewusst ist. Wie im Projekt Zuagroast und Ånkumma auch verwirklicht, ist ein überparteiliches Projektteam wichtig, in denen VertreterInnen aller relevanten Gruppen (im Fall des Projektes in Neuhofen an der Krems: Zugezogene, Alteingesessene, VertreterInnen aus allen Fraktionen, der Pfarre, Wirtschaftstreibende sowie VertreterInnen der ortsansässigen Gruppen und Vereine). Ein wesentlicher Faktor sei auch die Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung und das bunt, kreativ, lustig, immer und immer wieder 185 : Im Projekt wurden alte Koffer mit der Aufschrift Zuagroast und Ånkumma? im Ort an unterschiedlichen öffentlichen Plätzen deponiert, um die Bevölkerung auf das Thema zu sensibilisieren. Ein möglicher Stolperstein bei der Integration von Zugezogenen könnte gerade in Wahljahren sein, dass das Projekt politisch missbraucht wird. Wichtig sei zudem, Projekte für Alteingesessene und Zugezogene nicht als einmalige Aktivität zu betrachten, sondern auch weiterhin an diesem Thema dranzubleiben. Sabine Wurzenberger formuliert daher folgendes Rezept für eine gelingende Integration von Zugezogenen: Es braucht Offenheit und Bereitschaft der Alteingesessenen auf Zugezogene zuzugehen. Das Denken, dass sich diese von selbst einbringen sollen bzw. von den Zugezogenen der erste Schritt kommen muss, halte ich für schwierig und auch hinderlich. Auch passiert die Integration der Neuen in einer Gemeinde ab einer bestimmten Größenordnung nicht mehr automatisch. 186 Es sei daher notwendig, in der Gemeinde regelmäßige Maßnahmen für die Integration zu setzen: Sabine Wurzenberger betont, dass Zugezogene regelmäßig über Möglichkeiten des Aktivwerdens in der Gemeinde (in Vereinen und Gruppen, im Bereich Sport, bei Familienangeboten, bei Veranstaltungen etc.) und auch über mögliche AnsprechpartnerInnen informiert werden sollten. Zudem sollten Zugezogene gezielt und persönlich zu bestehenden Gemeindefesten eingeladen werden. Wichtig ist dabei aber, dass es bei den Gemeindefestlichkeiten vor Ort auch Ansprechpersonen für die Zugezogenen gibt, die sich aktiv um das gegenseitige Vorstellen und Miteinbeziehen bemühen. Darüber hinaus sei empfohlen, in der Gemeinde regelmäßige Veranstaltungen zu machen, die sowohl familientauglich, als auch für Singles und berufstätige Menschen geeignet sind. Dabei sei wichtig, diese nicht nur für zugezogene, sondern auch für alteingesessene BürgerInnen zu organisieren und in den Veranstaltungen auch den Austausch und das Kennenlernen in den Vordergrund zu rücken Kurzfragebogen zum Projekt Zuagroast und Ånkumma (Sabine Wurzenberger) 185 a.a.o. 186 a.a.o. 187 vgl. a.a.o. 46 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

47 Foto: Stadtteilentwicklungsverein Parsch Im Salzburger Stadtteil Parsch kümmert sich der Stadtteilentwicklungsverein Parsch seit dem Jahr 2004 um die Anliegen der BewohnerInnen und fördert durch zahlreiche, regelmäßig stattfindende und thematisch breit gefächerte Maßnahmen das Miteinander. Frauenrunden, Wandergruppen, Literaturkreise, mobile Märchenecken und grenzenloses Kochen sind nur einige Beispiele dafür. Magdalena Rücker vom Stadtteilentwicklungsverein Parsch betont als Faktoren für das gute Gelingen in der Stadtteilarbeit die Vernetzung zwischen den Gruppen, Institutionen und Generationen, die gut funktionierende Kommunikation ( Dorftratsch ) und die aktive Beteiligung von Ehrenamtlichen. 188 Ähnlich wie Sabine Wurzenberger vom Projekt Zuagroast und Ånkumma ist auch dem Stadtteilentwicklungsverein Parsch wichtig, Zugezogenen Informationen bereitzustellen, um damit das Eingewöhnen in der neuen Umgebung 189 zu erleichtern. So gibt es bspw. das Stadtteilhandbuch, den Vereinsfolder mit Ansprechpersonen und Angeboten, das Stadtteilbüro als erste Anlaufstelle, Willkommensbriefe für Zugezogene und die Teilnahme an den vielfältigen Veranstaltungen des Vereins. Wichtig seien darüber hinaus niederschwellige Begegnungsmöglichkeiten (Parks, Sport- und Spielplätze, Cafés, Veranstaltungsräume) und Räume. Zugezogene sollten auch aktiv zu Veranstaltungen eingeladen werden und wegen Mitarbeit an bestimmten Projekten angesprochen werden. Ähnlich wie Sabine Wurzenberger betont auch Magdalena Rücker Interesse und Offenheit von Eingesessenen und Zugezogenen und den Abbau von Vorurteilen als wichtige Eckpfeiler einer gelingenden Integration von Zugezogenen. 190 Alexander Glas, zuständig für die Gemeindeentwicklung Salzburg im Salzburger Bildungswerk, wurde im Zuge der Good-Practice-Recherchen ebenfalls kontaktiert. Bezogen auf örtliche Gruppen und Vereine hebt er die Beobachtung hervor, dass Gemeindeentwicklungsprozesse in parteiunabhängigen Arbeitsgruppen sowie neue Formen des Bürgerengagements von Zugezogenen überproportional besser angenommen werden, als traditionelle Vereine und Organisationen, die langjährige Mitgliedschaft in hierarchischen Strukturen erfordern. Oft sprechen Vereine Zugezogene daher persönlich für die Mitarbeit an einer bestimmten, zeitlich begrenzten Aufgabe an, aus der meist auch ein weiteres Engagement oder gar eine Mitgliedschaft entsteht. In Tulln (NÖ) wurde im Jahr 2011 mit Netzwerk Nachbar eine Initiative gestartet, um dem Verschwinden sozialer Netzwerke entgegenzuwirken. Laut Julia Schwanzer vom projektverantwortlichen Stadtamt Tulln setzt sich die Initiative durch zahlreiche Veranstaltungen und Aktivitäten zum Ziel, die nachbarschaftliche Gemeinschaft zu fördern. Es werden Nachbarschafts- und Grätzelfeste, Themenstammtische, Eltern-Kind-Gruppen und Feste mit sozialen Anliegen veranstaltet. Wichtig sei, so Julia Schwanzer, sowohl eine orts-, als auch eine themenspezifische Integration von Zugezogenen, 188 vgl. Kurzfragebogen zu den Aktivitäten des Stadtteilentwicklungsvereins Parsch (Magdalena Rücker) 189 Kurzfragebogen zu den Aktivitäten des Stadtteilentwicklungsvereins Parsch (Magdalena Rücker) 190 vgl. a.a.o. LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

48 Fact-Box WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN also demnach auch Veranstaltungen, bei denen Zugezogene nicht ortsspezifisch (d.h. zugehörig zu einem bestimmten Grätzel ), sondern themenspezifisch nach ihren Interessen / Bedürfnissen integriert werden können. 191 Bezogen auf wichtige Faktoren, damit die Integration von Zugezogenen in Städten Foto: Peter Reinisch und Gemeinden gelingt, betont Julia Schwanzer, dass die Integration zugezogener Personen nicht verordnet werden 192 könne. Wirkungsvoll sei ihren Erfahrungen nach das Konzept Projekte von BürgerInnen für BürgerInnen der Initiative Netzwerk Nachbar, die vom Stadtamt Tulln auch durch die Bereitstellung von Infrastruktur sowie durch finanzielle und organisatorische Hilfe unterstützt werde. Dadurch werden die BürgerInnen erfolgreich dazu motiviert, selbst in ihren Nachbarschaften Projekte für ein gutes Miteinander umzusetzen. Integration in Gemeinden betrifft alle Bevölkerungsgruppen, die neu in die Gemeinde zuziehen: Kinder und Jugendliche, junge Familien, ältere Menschen, Frauen und Männer, Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit Behinderung etc. Integration kann als wechselseitiger, mehrstufiger Prozess verstanden werden, der auf der einen Seite Integrationsbereitschaft von Alteingesessenen und Zugezogenen und auf der anderen Seite Integrationsbemühungen durch die Gemeinde und örtliche Gruppen und Vereine erforderlich macht. In empirischen Erhebungen hat sich gezeigt, dass sowohl Alteingesessene und Zugezogene als auch die Gemeinden die Integration von ZuzüglerInnen positiv bewerten. Gemeindeeigene Einrichtungen (Kindergärten, Schulen, Vereine etc.) spielen im Integrationsprozess eine wichtige Rolle. Die persönliche Ansprache und Information von Zugezogenen, Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung zum Thema Integration, regelmäßige Veranstaltungen (und nicht einmalige Aktivitäten) und niederschwellige Orte der Begegnung zum gegenseitigen Kennenlernen und zur Kommunikation sind einige der wesentlichen Faktoren für eine gelingende Integration, die aus Praxisbeispielen abgeleitet werden können. 191 Kurzfragebogen zur Tullner Initiative Netzwerk Nachbar (Julia Schwanzer) 192 a.a.o. 48 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

49 Good-Practice-Beispiele für die Integration von Zugezogenen Um eine bestmögliche Vielfalt an Projektbeispielen zu finden und um zu zeigen, dass sich Maßnahmen der Integration auch in Projekten finden lassen, die nicht mit dem Label Integration versehen wurden, war die Recherche eher breit und offen angelegt. So wurde zum einen nach ausgewiesenen Beispielen dafür gesucht, wie Zugezogene in einer Gemeinde willkommen geheißen werden und zum anderen nach Beispielen gesucht, in denen es generell um das Miteinander in der Gemeinde geht mit einer spezifischen thematischen Ausrichtung. Insbesondere letztere Projektbeispiele bieten die Möglichkeit, Zugezogene über bestimmte Themen anzusprechen und in das Gemeindegeschehen einzubinden. Interessant ist auch die Fülle an Projektbeispielen für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, die ebenfalls als spezielle zielgruppenspezifische Angebote als Rechercheergebnisse mit aufgenommen wurden. Es zeigt sich, dass Integration nicht beim reinen Informieren über Angebote und Ansprechpersonen in der Gemeinde enden kann, sondern dass Integration ein mehrstufiger, dynamischer und wechselseitiger Prozess ist, an dessen offenem Ende schließlich das Miteinander leben steht. Praxisbeispiele zur Integration von Zugezogenen nach vier Stufen Grundsätzlich ist eine Fülle an Good-Practice-Beispielen zu finden, die auf Gemeinde- oder Stadtteilebene umgesetzt wurden. Zu betonen ist allerdings, dass es sich bei den vorgestellten Good-Practice- Beispielen selbstverständlich nicht um eine vollständige Darstellung handelt. Zudem besteht keine Wertung zu zahlreichen anderen Projekten, die ebenfalls als beispielgebend hier angeführt werden könnten. Um die Praxisbeispiele in eine praktikable Ordnung zu bringen, wurden diese wie im vorigen Kapitel beschrieben nach vier auf einander aufbauenden und ineinander greifenden Stufen geordnet: 1. informieren 2. kennenlernen 3. gemeinsam gestalten 4. miteinander leben Informieren Umfassendes Informieren ist die erste Stufe einer guten Integration von Zugezogenen in Gemeinden. Es geht darum, neue BürgerInnen über Angebote der Gemeinde und Ansprechpersonen zu in Kenntnis zu setzen: Welche Angebote an Infrastruktur (z.b. Kindergarten, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Gemeindeservice, Gemeindeärztin / -arzt) gibt es in der Gemeinde? Welche Veranstaltungsangebote im Bereich Bildung, Kultur und Freizeit sind vorhanden? Welche Vereine und Gruppen gibt es im Ort (z.b. Feuerwehr, Dorferneuerung, Pfarre, Sportvereine)? An wen kann ich mich bei speziellen Fragen wenden? In vielen Gemeinden gibt es zur Beantwortung dieser Fragen bereits Dorfbroschüren oder Willkommensmappen, die grafisch unterschiedlich aufbereitet sind und die neue BürgerInnen dabei unterstützen, sich in ihrer neuen Gemeinde rasch zu Recht zu finden. Oft werden diese Informa- LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

50 tion auch persönlich von der / vom BürgermeisterIn oder GemeindemitarbeiterInnen überreicht und die Zugezogenen willkommen geheißen. Eine persönliche Übergabe ermöglicht bereits eine erste Kontaktaufnahme und einen ersten Austausch zwischen Gemeindeverantwortlichen und neuen GemeindebürgerInnen. Dorfbroschüren oder Willkommensmappen enthalten meist folgende Informationen: Grußworte der Bürgermeisterin / des Bürgermeisters Allgemeine Informationen zur Gemeinde: EinwohnerInnenzahl / Haushalte, Fläche, Lage, MitarbeiterInnen der Gemeinde und ihre Aufgabengebiete Politische Ausschüsse zu unterschiedlichen Themenbereichen Einrichtungen der Gemeinde: Kindergarten, Schule, Einrichtungen der Erwachsenenbildung, Post / Post.Partner, Wasserversorgung, Müllentsorgung, Gemeindebücherei, Tourismus, Gemeindeärztin / -arzt,... Vereine und Gruppen der Gemeinde stellen sich vor Einkaufsmöglichkeiten und Nahversorgung: Lebensmittel, Banken, Gastronomiebetriebe, Gewerbebetriebe und Dienstleistungen, regionale Landwirtschaftsbetriebe / Direktvermarktung, Angebote im Bereich Bildung, Kultur, Gesundheit, Sport, Erholung,... Angebote für bestimmte Zielgruppen: Kinder- / Jugendgruppen, Elterngruppen, SeniorInnentreffs, Frauentreffs,... Besonderheiten der Gemeinde: regionale Produkte, Sehenswürdigkeiten,... Wenn in einer Gemeinde bereits Dorfbroschüren / Willkommensmappen für Zugezogene vorhanden sind, eröffnen sich auch einige Erweiterungsmöglichkeiten: Je nachdem, welche Personen welcher Nationalitäten in die Gemeinden zuziehen, können die Dorfbroschüren in mehreren Sprachen aufgelegt oder Übersetzungshilfen angeboten werden. Möglich sind auch zielgruppenspezifische Schwerpunkthefte, in denen spezielle Angebote z.b. für Jugendliche, SeniorInnen, Familien, MigrantInnen aufgelistet und beschrieben werden. In Ortschaften mit geringerer EinwohnerInnenzahl bzw. mit geringerer Anzahl an Haushalten besteht auch die Möglichkeit, jenen Personen, die das Gemeindegeschehen besonders aktiv mitgestalten, in der Dorfbroschüre einen eigenen Platz zu widmen, wo diese sich und ihr Angebot den Zugezogenen näher vorstellen können. BürgermeisterInnen oder GemeindemitarbeiterInnen steht ebenso offen, sich und ihre / seine Interessen in Broschüren mittels Steckbrief vorzustellen und damit den Informationen mehr Persönlichkeit zu geben. Wichtig ist darüber hinaus, sämtliche Informationen auch auf der Gemeindehomepage online zu stellen. Viele ZuzüglerInnen informieren sich womöglich schon vor ihrem eigentlichen Zuzug und nicht erst vor Ort. Auf der Gemeindehomepage könnten über eine eigene Rubrik Neu in der Gemeinde alle nötigen Informationen über Ansprechpersonen, Gemeindeeinrichtungen und -angebote, Vereine und Gruppen bekannt gemacht werden. 50 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

51 Beispiele WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN Dorfbroschüren / Willkommensmappen Informationsmappe für neue GemeindebürgerInnen in Schlierbach (OÖ) Die Infomappe für neue GemeindebürgerInnen wurde in Schlierbach im Rahmen eines Projektes der Agenda 21 von engagierten GemeindebürgerInnen erarbeitet. Sie enthält Informationen zur Gemeinde, den Dienststellen und Institutionen, zu Bildungs- und Sozialeinrichtungen, Gesundheitseinrichtungen, Vereinen, Einrichtungen der Nahversorgung, Gastronomiebetrieben, Nächtigungsangeboten, Pfarren sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen. 193 Weitere Beispiele aus anderen österreichischen Gemeinden Grabern (NÖ) Henndorf am Wallersee (S) Bruck a.d. Großglocknerstraße (S) Beispiel für eine mehrsprachige Broschüre Die Gemeinde Berg (NÖ) hat im Rahmen eines Agenda 21 -Projektes die Broschüre Berg aktiv gestaltet, eine Freizeitbroschüre, die in drei verschiedenen Sprachen Deutsch, Englisch und Slowakisch von der Gemeindehomepage heruntergeladen werden kann. 194 Foto: Gemeinde Berg, Petra Schwartz 193 vgl vgl LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

52 Beispiele WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN Es geht aber nicht nur darum, Zugezogene über Angebote und Ansprechpersonen in der Gemeinde zu informieren, sondern wesentlich ist, dass auch die langjährigen GemeindebewohnerInnen über Zugezogene informiert werden. Wechselseitige Information ist allgemein formuliert die erste Stufe für eine wechselseitige Integration. Möglichkeiten, sich vorzustellen gibt es bspw. in Gemeindezeitungen, die es nahezu in allen Gemeinden bereits gibt und flächendeckend an alle Haushalte versandt werden. In einer Rubrik Neu in der Gemeinde könnten sich Zugezogene schriftlich und mit Foto in einem kurzen Steckbrief vorstellen: Wie heiße ich? Welchen Beruf übe ich aus? Was sind meine Interessen und Hobbies? Was ist mein Lebensmotto? Warum bin ich in die Gemeinde gezogen? Was schätze ich an der Gemeinde besonders? Das sind einige Fragen, die Zugezogenen gestellt werden können und die bereits Aufschluss darüber geben, wer die neuen GemeindebürgerInnen sind und was sie interessiert. Das eröffnet auch zusätzliche Möglichkeiten der Ansprache und Einbindung über Vereine und Gruppen, die Angebote zu den Interessen Zugezogener bereitstellen. Eine persönlichere und geselligere Variante sich vorzustellen sind kurze Interviews im Rahmen eines Festes, zu dem Zugezogene gezielt eingeladen werden können (vgl. Kapitel Kennenlernen). Auf diese Weise werden die Talente und Kompetenzen Zugezogener sichtbar, über die sie über verschiedene Formen der Beteiligung eingebunden bzw. angesprochen werden können. Für junge Familien könnte bspw. ein Elterntreff und für an Bewegung und Sport Interessierte könnte eine Walkinggruppe interessant sein und die Möglichkeit eröffnen, sich vorhandenen Angeboten anzuschließen und sich mit anderen in der Gemeinde, die ähnliche Interessen haben, zu vernetzen. Steckbrief in der Gemeindezeitung Steckbrief des Bürgermeisters in der Gemeindezeitung Zeillern (NÖ) Die Gemeinde Zeillern stellt in ihrer Gemeindezeitung die GemeindevertreterInnen mittels persönlichem Steckbrief vor, um der Bevölkerung die Gemeindemandatare näherzubringen und auch neu zugezogenen Bürgern eine transparente Gemeinde Quelle: Gemeindezeitung Zeillern (Screenshot) sowie bei Problemen die richtigen Ansprechpartner zu bieten. 195 Ähnlich wie die Steckbriefe der GemeindevertreterInnen könnten auch neu zugezogene Personen bzw. neu zugezogene Familien in der Gemeindezeitung oder über einen Aushang im Gemeindeamt mit Foto und Text vorgestellt werden LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

53 Beispiele WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN Kennenlernen Die nächste Stufe nach dem wechselseitigen Informieren ist das gegenseitige Kennenlernen und der Austausch zwischen langjährigen GemeindebürgerInnen und Zugezogenen. Diese Stufe kann und sollte aber auch Elemente der ersten Stufe beinhalten, denn wie in einem mehrstufigen Prozess überlappen bzw. bedingen sich die jeweiligen Stufen. Es gibt zwar je nach Gemeindegröße Möglichkeiten des informellen Zusammentreffens im Ort, doch es empfiehlt sich, bei Veranstaltungen in der Gemeinde Settings des Kennenlernens gezielt herzustellen. Möglichkeiten des Kennenlernens und des Austauschs gibt es sowohl bei größeren Veranstaltungen (z.b. Willkommensfeste oder Willkommensbälle / -empfänge), als auch in einem kleineren Rahmen (z.b. Willkommenstreffs). Dabei kann auch an bereits bestehende Veranstaltungen angeknüpft werden, zu denen Zugezogene gezielt eingeladen werden. Treffen langjährige GemeindebürgerInnen und Zugezogene in einem festlichen und ungezwungenen Umfeld aufeinander, lassen sich mögliche Barrieren und Vorbehalte leichter abbauen. Das Sprichwort Durch s Reden kommen die Leut z samm könnte gleichsam das Motto dieser Stufe sein. Denn es bringt zum Ausdruck, dass Kommunikation eine wichtige Komponente für das gute Zusammenleben in der Gemeinde ist und dass es eine Schlüsselrolle bei der Integration Zugezogener einnimmt. Willkommenstreff / Welcome Meeting / Tag der Vereine Willkommenstreff für Zugezogene in Lochau (Vlbg) In Lochau werden seit Jänner 2012 von den Gemeindeverantwortlichen Willkommenstreffs für Zugezogene im Sprachencafé, einem öffentlichen Treffpunkt im Ortszentrum, veranstaltet. Zugezogene erhalten dort die Informationsbroschüre Lochau und einen Gutschein für einen Strandbadbesuch und haben die Möglichkeit, sich in gemütlicher Atmosphäre auszutauschen. Laut Ingrid Hörburger, Integrationsbeauftragte in Lochau, werden die Willkommenstreffs bisher gut angenommen. 196 Welcome Meeting / Tag der Vereine in Ziersdorf (NÖ) Die Gemeinde Ziersdorf hatte im Jahr 2011 im Zuge eines gemeinde21 -Prozesses die Idee, Zugezogene in der Gemeinde Willkommen zu heißen und zugleich auch Vereine, Einrichtungen und Veranstaltungen im Ort zu präsentieren. Eingeladen und persönlich angeschrieben wurden insbesondere jene, die in den letzten Jahren einen neuen Wohnsitz in der Gemeinde angemeldet oder eine Änderung ihrer Meldesituation vorgenommen haben. Programmpunkte des Welcome Meetings / Tag der Vereine Aufführung eines Films über Ziersdorf, der anlässlich des 900-Jahr-Jubiläums 2010 gedreht wurde Vereine und Institutionen gestalteten Pinnwände und Infotische und gaben Auskunft über ihre Aktivitäten die Broschüren Sozialratgeber und Wirtschaftsführer wurden aufgelegt Kennenlernen und Diskutieren mit GemeinderätInnen und OrtsvorsteherInnen 196 vgl. Kurzfragebogen zum Willkommenstreff für Zugezogene in Lochau (Ingrid Hörburger) LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

54 Beispiele WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN Foto: Franz Klepp Foto: Margit Fiby Die Rückmeldungen von den anwesenden Personen auf das Welcome Meeting waren sehr positiv, so Franz Klepp, Gemeindebediensteter in Ziersdorf und Mitorganisator des Welcome Meetings. Als wichtigen Faktor für die Integration von Zugezogenen in Gemeinden erachtet er persönliche Gespräche mit Zugezogenen auf verschiedenen Ebenen: durch OrtsvorsteherInnen und GemeinderätInnen und in weiterer Folge durch FunktionärInnen der örtlichen Vereine und Gruppen. Auch Franz Klepp selbst führt als Zuständiger für das Meldewesen in der Gemeinde ausführliche Gespräche mit jenen, die neu in die Gemeinde gezogen sind, übergibt die Info- und Wanderkarte der Gemeinde und bringt weiteres Informationsmaterial von / über die Gemeinde (AnsprechpartnerInnen, Öffnungszeiten, Veranstaltungskalender, ). 197 Große Festveranstaltung für Alteingesessene und Zugezogene Projekt Zuagroast und Ånkumma Ein Integrationsprojekt für NeubürgerInnen in Neuhofen an der Krems (OÖ) 198 Fotos: Zuagroast und Ånkumma Das Projekt Zuagroast und Ånkumma wurde von Sabine Wurzenberger, Mitarbeiterin der SPES Zukunftsakademie, aus persönlicher Betroffenheit heraus 199 sie war zum Zeitpunkt der Projektdurchführung selbst erst seit einiger Zeit neu in Neuhofen an der Krems gemeinsam mit einer zweiten zugezogenen Bürgerin initiiert. 197 vgl. Kurzfragebogen zum Welcome Meeting / Tag der Vereine (Franz Klepp) 198 vgl. Wurzenberger 2004, Kurzfragebogen zum Projekt Zuagroast und Ånkumma (Sabine Wurzenberger) 54 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

55 Ziel des Projekts war die Annäherung von Alteingesessenen und Zugezogenen in der Gemeinde, die aufgrund ihrer Lage im Städtedreieck Linz-Wels-Steyr eine beliebte Zuzugsgemeinde ist. Es formierte sich eine überparteiliche Projektgruppe (bestehend aus politischen VertreterInnen, Vereinsmitgliedern, Wirtschaftstreibenden, Pfarrmitgliedern und ZuzüglerInnen), die sich mit folgenden Projektschritten beschäftigte: Entwicklung und Durchführung einer Fragebogenerhebung unter 157 Personen, die in den letzten drei Jahren zugezogen sind breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung der Bevölkerung und der Gemeindeverantwortlichen für das Thema Zuzug Festveranstaltung unter dem Titel Fest für alteing sessene und zuagroaste NeuhofnerInnen Breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit Parallel zu den oben genannten Projektschritten wurden auch verschiedene Maßnahmen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit gesetzt. Ziel war es, die Bevölkerung und die Gemeindeverantwortlichen zu sensibilisieren und darauf aufmerksam zu machen, dass das Thema Integration nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund oder Menschen mit Behinderung betrifft, sondern Foto: Zuagroast und Ånkumma auch Menschen, die sich in einer neuen Gemeinde niederlassen im Allgemeinen. Symbolhaft umgesetzt wurde diese Botschaft durch alte Koffer mit der Aufschrift Zuagroast und Ånkumma?, die an verschiedenen öffentlichen Plätzen in der Gemeinde Neuhofen an der Krems aufgestellt oder aufgehängt wurden. Fest für altein gsessene und zuagroaste NeuhofnerInnen Bei der Kontaktaufnahme des Projektteams mit Zugezogenen und bei der Fragebogenerhebung zeigte sich großes Interesse an der Gemeinde und am gegenseitigen Kennenlernen. Daher wurde vom Projektteam eine Festveranstaltung in der Gemeinde organisiert bewusst betitelt mit Fest für alteing sessene und zuagroaste NeuhofnerInnen und genau mit dieser Polarität wurde auch gespielt. 200 Wichtig war die Durchmischung und das gegenseitige Kennenlernen von Zugezogenen und Alteingesessenen und die Ausrichtung des Festes auf Beteiligung, Ausprobieren und Erleben. Daher stand auch die Organisation vieler Mitmach-Stationen durch örtliche Vereine und Gruppen im Mittelpunkt, wie z.b. die sogenannte Neuhofner Rallye. Es gab aber auch erfahrungsorientierte Aktivitäten, die zur Bewusstseinsbildung anregten, wie bspw. Sketches zum Thema Fremd sein. 200 Kurzfragebogen zum Projekt Zuagroast und Ånkumma (Sabine Wurzenberger) LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

56 Beispiele WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN Wanderungen / Dorfrundgänge mit Zugezogenen Foto: Gemeinde Fels am Wagram ZuzüglerInnen-Wanderung in Fels (NÖ) In der Gemeinde Fels am Wagram fand auf Einladung des Bürgermeisters im Jahr 2012 erstmals eine ZuzüglerInnen-Wanderung mit neu zugezogenen GemeindebürgerInnen statt. Geführt wurden die Wanderbegeisterten von Gemeindeverantwortlichen, die über Gemeinde- und Regionswissen verfügten (geprüfter Kellergassenführer, Regionsführer). 201 Themen-Wandertag für Alt, Jung und Zugezogene in Untersiebenbrunn (NÖ) In der Gemeinde Untersiebenbrunn (NÖ) wurde im Rahmen der Initiative Stolz auf unser Dorf ein spezieller Themen-Wandertag organisiert, zu dem auch u.a. Zugezogene gezielt eingeladen wurden. Für den Themen-Wandertag wurden in der Gemeinde acht Informationstafeln über bedeutsame Plätze und Persönlichkeiten aufgestellt. Ein Themen- Wandertag ermöglicht nicht nur den Austausch und das Kennenlernen untereinander, sondern auch das Kennenlernen der Gemeindegeschichte und -identität. 202 Erste Dorfrundwanderung in Ordning (NÖ) Fotos: NÖ Dorf- und Stadterneuerung Im Rahmen der Initiative Stolz auf unser Dorf veranstaltete die Gemeinde Ordning (NÖ) eine Dorfrundwanderung nach dem Motto Lerne dein Dorf kennen, zu der BewohnerInnen, Zugezogene und NachbargemeindebürgerInnen eingeladen waren. Nicht nur die TeilnehmerInnen untereinander konnten sich kennenlernen, sondern es konnten auch die örtlichen Angebote und Betriebe besichtigt werden (z.b. das Schotterwerk oder Schaubienenkästen). Die insgesamt neun Stationen im Dorf wurden von örtlichen Gruppen und Vereinen sowie vom Dorferneuerungsverein organisiert. Lebendig gestaltet wurde das Programm auch durch z.b. Bogenschießen und eine Geräteschau der Freiwilligen Feuerwehr vgl vgl vgl. 56 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

57 Methoden Beispiele WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN Dorffrühstück Dorffrühstück in Wolfsthal (NÖ) Beim Dorffrühstück in Wolfsthal (NÖ), das von VertreterInnen der Gemeinde 21 organisiert wurde, konnten sich die TeilnehmerInnen über Ideen und Projekte unterhalten. 204 Im Rahmen eines Dorffrühstücks können sich die eingeladenen Gäste in ungezwungener Atmosphäre austauschen. Es eignet sich daher auch für das Kennenlernen zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen, wenn Zugezogene gezielt dorthin eingeladen werden. Foto: Gemeinde Wolfsthal Wie sich zeigt, gibt es in verschiedenen Gemeinden Praxisbeispiele, die sich im engeren und weiteren Sinne der Rubrik Kennenlernen zuordnen lassen: Willkommenstreffs im Gemeindeamt oder einem anderen öffentlichen Ort in der Gemeinde, Feste für Alteingesessene und Zugezogene, Dorfrundgänge und Zugezogenen-Wanderungen und Dorffrühstücksveranstaltungen sind einige Maßnahmen, die in Gemeinden konkret umgesetzt wurden oder werden. Sie bieten einerseits die Möglichkeit des Dialogs und des ungezwungenen Austauschs über Bedürfnisse, Interessen und Lebenseinstellungen der neuen GemeindebürgerInnen (und wechselseitig der langjährigen GemeindebürgerInnen) und andererseits die Möglichkeit der Information über Gemeindeangebote und -identität (Infrastruktur, Vereine und Gruppen, örtliche Besonderheiten etc.). Darüber hinaus gibt es auch weitere Beispiele in Gemeinden, die sich gut dafür eignen, dass sich Alteingesessene und Zugezogene kennenlernen oder dass Zugezogene besser in das Gemeindegeschehen einbezogen werden, z.b. bei Grätzelfesten, Straßenfesten, Festen zu verschiedenen Themen (Kräuterfeste, Kürbisfeste, Spielefeste, Generationenfeste etc.) oder Bällen. Diese haben von sich aus noch keine konkrete Ausrichtung auf die Integration Zugezogener, es können aber Zugezogene gezielt eingeladen und gezielt methodische Elemente des Kennenlernens eingebaut werden. Im nachfolgenden Methodenkästchen sind einige Beispiele dazu zu finden: Methoden des Kennenlernens Interviews (Journalistische) Interviews mit neu zugezogenen GemeindebürgerInnen sind ein zusätzliches Element, das in jedes größere Fest in der Gemeinde besonders aber in ein Fest für Alteingesessene und Zugezogene als eigener Programmpunkt integriert werden kann. Sie ermöglichen, dass Zugezogene etwas von sich und ihren Interessen erzählen können und dass langjährige BürgerInnen dadurch auch leichter auf Zugezogene zugehen können. Mögliche Interviewfragen gestellt durch die / den BürgermeisterIn und eine / einen andere /-n Gemeindeverantwortliche /-n könnten sein: 204 vgl. LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

58 o Was machen Sie beruflich? o Seit wann wohnen Sie in unserer Gemeinde? o Leben Sie mit Ihrer Familie in der Gemeinde? o Was gefällt Ihnen in der Gemeinde besonders gut? o Was sind Ihre Hobbies und Interessen? o Wo verbringen Sie gerne Ihre Urlaube? etc. Speed Dating / Kooperationsbörsen Speed Datings bzw. Kooperationsbörsen sind kurze Gespräche mit immer neuen GesprächspartnerInnen. Benötigt werden hierfür lediglich Tische und Sessel (ähnlich wie in einem Café), an denen jeweils eine Person Platz nimmt, während die anderen Personen in regelmäßigen Abständen die GesprächspartnerInnen wechseln. Die Dauer der Gespräche kann zwischen zwei Minuten und einer halben Stunde betragen und wird vorher fix festgelegt. Ein Wechsel der / des GesprächspartnerIn wird durch ein akustisches Signal (z.b. Glocke) angedeutet. Speed Datings bzw. Kooperationsbörsen dienen dazu, sich mit dem noch unbekannten Gegenüber über diverse Fragen auszutauschen und sich kennenzulernen. Im Hinblick auf das Kennenlernen zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen sollten sich die Gesprächspaare jeweils gut durchmischen und sich Menschen gegenüber sitzen, die sich noch kaum kennen. In der vorgegebenen Zeit können sich die GesprächspartnerInnen über Fragen, die von einer Moderatorin / einem Moderator vorgegeben werden, unterhalten. Dabei können ähnliche Fragen gestellt werden, wie bei der Methode Interview. Die GesprächspartnerInnen können aber auch selbst Fragen formulieren, wenn sie etwas besonders an ihrem Gegenüber interessiert. Wenngleich es sich hierbei um künstlich hergestellte Gesprächssettings handelt, können die entstandenen Gespräche erste Anknüpfungspunkte bieten, die dann später beim zusammen Feiern in einem festlichen und ungezwungenen Umfeld oder auch bei alltäglichen Begegnungen ausgebaut werden können. 205 Arrangement Die Methode des Arrangements ist ein aktivierendes Spiel, das der ersten Kontaktaufnahme und dem ersten Kennenlernen dient, indem sich die Gruppenmitglieder nach bestimmten Charakteristika in einer Reihe sortieren müssen. Die Anzahl der TeilnehmerInnen sollte allerdings nicht allzu groß sein (max. 40 Personen). Eine Moderatorin / ein Moderator nennt verschiedene Merkmale des Sortierens, wie z.b. nach o Anfangsbuchstabe des Vornamens o Alter o Anzahl der Berufsjahre o Anzahl der Beine im Haushalt (Menschen und Haustiere) etc vgl vgl. Rachow 2012, LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

59 Bezogen auf eine durchmischte Gruppe von Alteingesessenen und Zugezogenen z.b. bei einem Grätzelfeste könnten noch folgende Merkmale ergänzt werden: o seit wann in der Gemeinde wohnhaft o in welchem Teil der Gemeinde (von Osten nach Westen) wohnhaft etc. Diese Arrangements sind eine gute Warming-up-Methode, bei der die TeilnehmerInnen sich bereits über die genannten Merkmale austauschen (müssen) und dadurch auf spielerische Art miteinander Kontakt aufnehmen. Erzählcafé Erzählcafés sind eigentlich eine Methode der Arbeit mit ZeitzeugInnen, sie sind aber auch für ein besseres Kennenlernen zwischen langjährigen und neuen GemeindebürgerInnen geeignet. In einem Erzählcafé erzählen die TeilnehmerInnen aus ihrem Leben / ihrer Biografie. Sie erzählen bspw. von ihrer Kindheit, ihrer Berufswahl oder bezogen auf Zugezogene über die Beweggründe und Motive des Umzugs in eine neue Gemeinde. Es werden Lebenserfahrungen ausgetauscht und Tipps gegeben. Wichtig bei Erzählcafés ist es, für einen guten Rahmen (Moderation) und eine angenehme Atmosphäre zu sorgen, damit sich die ErzählerInnen wohlfühlen können. Zusätzlich zu den Erzählungen können auch Erinnerungsstücke mitgebracht werden. 207 Durch die Bank Diese Methode lässt sich bei größeren Veranstaltungen zum Beispiel bei Festen für Alteingesessene und Zugezogene, wo die TeilnehmerInnen in einem Saal in Kinobestuhlung oder Bestuhlung an im Raum verteilten Tischen sitzen sehr gut als erste Sequenz einer gegenseitigen Begrüßung einsetzen. Eine Moderatorin / ein Moderator gibt verschiedene Anleitungen: z.b. Begrüßen Sie Ihre Nachbarin / Ihren Nachbarn durch Kopfnicken. Sagen Sie Ihrer Nachbarin / Ihrem Nachbarn etwas Nettes. Man kann die Vorstellrunde auch persönlicher gestalten durch die sogenannte Vorstellung mit Schlüsselbund : Die TeilnehmerInnen erzählen von sich anhand der Schlüssel auf ihrem Schlüsselbund: z.b. Haustorschlüssel: Ich wohne in, Schlüssel zum Büro: Ich arbeite in, Motorradschlüssel: Motorradfahren ist mein Hobby, Fahrradschlüssel: In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad. Oder aber auch: Mit welchem Schlüssel verbinde ich wohl das schönste Erlebnis / ein Schlüsselerlebnis? 208 Auf diese Weise lernt man bereits einiges von seinem Gegenüber kennen. Erweitert werden kann das Begrüßungsspiel auch, indem auf den Sesseln Themenkärtchen mit Fragen platziert werden. Hier könnten ähnliche Fragen gestellt werden, wie oben bei den Methoden Interview oder Speed Dating. Hat die Festveranstaltung ein bestimmtes Motto / Thema, könnten sich die TeilnehmerInnen anhand einer konkreten Frage auch darüber unterhalten vgl Rachow 2012, vgl. a.a.o., 19, 45 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

60 Eine weitere Variante wäre nicht durch die Bank, sondern ein Kennenlernen im Gehen, angeleitet von einer Moderatorin / einem Moderator: o durch den Raum gehen, ohne mit anderen Blickkontakt aufzunehmen (1-2 Min.) o durch den Raum gehen, Blickkontakt aufnehmen, aber nicht sprechen (1-2 Min.) o durch den Raum gehen, Blickkontakt aufnehmen und Komplimente machen (ein paar Minuten) o jemanden im Raum suchen, die / den man noch NICHT kennt und sich gegenseitig vorstellen (5-10 Min.) Aufstehen Setzen Die Methode des Aufstehens und Setzens macht ebenfalls bei großen Veranstaltungen rasch Interessen, Einstellungen und Persönlichkeitszüge auf unkonventionelle Weise sichtbar. Eine Moderatorin / ein Moderator stellt verschiedene geschlossene Fragen (mit Ja oder Nein beantwortbar), die lustig oder ernst sein können. Trifft die Frage auf Personen im Publikum zu, stehen diese auf (Ja), wenn nicht, bleiben diese sitzen (Nein). Folgende Fragen können bspw. gestellt werden: o Wer ist aus dem Süden angereist? o Wer arbeitet schon länger als fünf Jahre in seinem Beruf? o Wer singt gerne unter der Dusche? o Wer verbringt seinen Urlaub in den Bergen? o Wer war schon einmal in einer sehr peinlichen Lage? o Wer versucht, immer pünktlich zu sein? o Wer kann mit den Ohren wackeln? o Wer hat heute Geburtstag? Diese Fragen können auch noch stärker auf das Thema der Gemeinde bzw. auf das Thema Zugezogene zugeschnitten werden, sollten aber mit folgender Frage schließen: Wer weiß jetzt ein bisschen mehr über einige von uns? 210 Ähnlich wie dieses Spiel, aber stärker in den Raum verlagert, ist die Zuordnung der TeilnehmerInnen zu vier verschiedenen Kategorien, wobei jede Raumecke eine Kategorie darstellt. Die Kategorien werden von einer Moderatorin / einem Moderator vorgelesen und die TeilnehmerInnen ordnen sich zu. Diese Variante hätte den Vorteil, dass sich Personen mit ähnlichen Interessen und Einstellungen in der gleichen Ecke im Raum treffen und sich austauschen können. 211 Außerdem zeigt diese Variante der Methode ebenso wie die Methode Arrangement unterschiedliche Meinungsspektren und Gruppenzugehörigkeiten auf. Mögliche Kategorien können sein: 210 Rachow 2012, vgl. a.a.o., LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

61 o Wo verbringen Sie gerne Ihren Sommerurlaub? Rucksacktour Strandurlaub Wanderung in den Bergen Zuhause o Wo verbringen Sie einen perfekten Sonntagnachmittag? mit Familie & Freunden bei Kaffee & Kuchen mit einem guten Buch an der frischen Luft im Kino o Was ist Ihre Lieblingsschokoladensorte? Zartbitter Milchschokolade Schokolade mit Fruchtfüllung Schokolade mit Nüssen Landkarte Wenn die neuen BürgerInnen einer Gemeinde aus anderen Gemeinden, Städten oder Ländern zugezogen sind, ist es auch interessant, diese Vielfalt an Herkunftsorten in einer Landkarte zu visualisieren. Je nachdem, wie weit der Radius der Herkunftsorte reicht, kann dafür eine Österreich-, Europa- oder Weltkarte verwendet werden. Die Landkarte wird an einer Wand im Raum (bei einem Willkommensfest im Festsaal, bei einem Willkommenstreff im Gemeindeamt) montiert und Herkunftsorte der Personen werden mit großen Stecknadeln darauf gepinnt. Zusätzlich können an den Stecknadeln auch noch Namenskärtchen und kleine Fotos angehängt werden. 212 Vernissage / Museum Die Methode der Vernissage kann als zusätzliches Element bei einem Willkommenstreff in kleinerem Rahmen oder bei einem Willkommensfest in größerem Rahmen eingesetzt werden. Zugezogene werden gebeten, Fotos von sich mitzubringen, die einen kleinen Einblick in ihr Leben vermitteln. Die Fotos werden an der Wand oder an einer Pinnwand befestigt und können zusätzlich mit einem Steckbrief versehen von den Anwesenden besichtigt werden. In Interviews, die zusätzlich im Rahmen eines Programmpunktes bei einem Fest mit Zugezogenen geführt werden können, kann auch etwas mehr darüber erzählt werden. Ergänzt werden könnte die Vernissage auch durch Gegenstände aus dem Leben (z.b. ein Buch, wenn man gerne liest, Wolle und Stricknadel, wenn man gerne strickt oder ein Holzscheit, wenn man gerne mit Holz arbeitet etc.). Damit die Vernissage auch auf Gegenseitigkeit beruht, sollten auch Gemeindeverantwortliche oder andere aktive und interessierte BürgerInnen daran mitwirken vgl. Rachow 2012, vgl. Rachow 2010, 65 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

62 Methoden WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN Literatur für weitere Methodentipps Kollmann, Gerhard (u.a.) (Hg.): Partizipation. Ein Reiseführer für Grenzüberschreitungen in Wissenschaft und Planung, 2003 Plattform Partizipation & nachhaltige Entwicklung in Europa: Rachow, Alex (Hg.): Spielbar II. 66 Trainer präsentieren 88 Top-Spiele aus ihrer Seminarpraxis, 2010 Rachow, Alex: Ludus & Co. Didaktische Spiele für alle, die in und mit Gruppen arbeiten, 2012 Gemeinsam gestalten Als nächste Stufe der Integration von Zugezogenen wird das gemeinsame Gestalten definiert. Gemeint sind damit kleinere und größere temporäre Projekte, die von langjährigen und neu zugezogenen GemeindebürgerInnen und in Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen, Gruppen und Institutionen gemeinsam entwickelt und umgesetzt werden. Der inhaltlichen Schwerpunktsetzung ist dabei keine Grenze gesetzt, denn der Inhalt (und auch die Methode bzw. das Medium) orientiert sich an den Interessen und Neigungen der aktiven BürgerInnen. Partizipation ist dabei ein wichtiges Stichwort, denn es geht darum, dass BürgerInnen Entscheidungen, die ihre eigene Lebenswelt betreffen, selbst mitgestalten und dass sie ihre Ideen in die Gemeindeentwicklung einbringen können. 214 Gemeinsame Projektumsetzungen stärken den Gemeinschaftssinn und die Beziehungen, ermöglichen einen Austausch zwischen Menschen mit ähnlichen Interessen und unterstützen das Voneinander lernen in der Gemeinde. Es wird die Möglichkeit eröffnet, dass Menschen ihre eigenen Talente und Stärken einbringen und wiederum von Fähigkeiten anderer lernen können. Auf ähnliche Maßnahmen und Aktivitäten zielen auch die Dorf- und Stadterneuerung und die Agenda 21 ab, die sich mit der Verbesserung der Lebensqualität in ländlichen Gemeinden bzw. Regionen beschäftigen. Die niederösterreichische Initiative gemeinde21 bringt die Ziele folgendermaßen auf den Punkt: Es geht in Gemeinden um Bewusstseinsbildung und Motivation aller Entwicklungsbeteiligten Förderung der Fähigkeiten und Talente einer aktiven Bevölkerung das Miteinander im Beteiligungsprozess der Gemeinde21 konstruktive Auseinandersetzung mit der eigenen Umgebung Steigerung der individuellen Lebensqualität in der Gemeinde 215 Möglichkeiten, etwas auf Gemeindeebene gemeinsam zu gestalten, gibt es viele. Sucht man nach Praxisbeispielen, wird man bei der Dorf- und Stadterneuerung und Agenda 21 in verschiedenen Bundesländern fündig, aber auch in Einrichtungen der Erwachsenenbildung, die Bildung vor Ort anbieten und bei gemeinnützigen Vereinen mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunktsetzungen. Die nachfolgenden Beispiele zeigen einige Möglichkeiten der gemeinsamen Gestaltung in der Gemeinde. Inhalte und Methoden können von Gemeinde zu Gemeinde verschieden sein und hängen auch von den jeweiligen Interessen der GemeindebürgerInnen ab. Gemeinsam ist den Beispielen aber, dass sie sich 214 vgl. Stelzer / Garczyk / Streissler 2012, 51ff LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

63 Beispiele WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN (auch) besonders für die Integration Zugezogener eignen. Menschen, die in eine Gemeinde zuziehen, bringen schließlich ihre eigenen Interessen, Fähigkeiten und Talente mit, diese Ressourcen können über gemeinsame Projekte auch produktiv genutzt werden. Außerdem finden Menschen über gemeinsame Interessen leichter einen Weg, zueinander eine Beziehung aufzubauen. Gemeinsam gestalten ein Buch über den Ort und seine BewohnerInnen Fotobuch Brunnenthal im Sucher (OÖ) 22 BewohnerInnen der Gemeinde Brunnenthal beteiligten sich an der Gestaltung des Fotobuchs Brunnenthal im Sucher. Fotografische Streifzüge. Sie fotografierten ihre Gemeinde aus verschiedenen Perspektiven. Dieses Buch ist eine Dokumentation des Alltagslebens und eine Sammlung von Bilddokumenten, die Augenblicke festhalten, die Ernstes und Heiteres zum Besten geben, Bemerkenswer- Foto: Brunnenthal im Sucher (Screenshot) tes oder Skurriles widerspiegeln. 216 Projekte dieser Art ermöglichen die Aktivierung und Beteiligung der GemeindebewohnerInnen und bringen mit sich, dass diese auch einmal einen anderen Blick auf ihren Wohnort werfen und diesen anders kennenlernen. Zudem schärfen sie das Bewusstsein für die Gemeindebesonderheiten und die Identität der Gemeinde. Spannend und interessant ist es, bei einem Fotoprojekt dieser Art Zugezogene gezielt zu beteiligen, da diese wenn sie noch sehr neu in der Gemeinde sind einen Blick von außen mitbringen und möglicherweise an der Gemeinde andere Besonderheiten erkennen als langjährige GemeindebürgerInnen. Möglich ist auch, in Paaren (jeweils eine neu zugezogene Person und eine Person, die bereits länger in der Gemeinde wohnt) einen Dorfrundgang zu machen und gemeinsam auf Entdeckungsreise nach interessanten Fotomotiven zu gehen. In diesen Tandems oder Patenschaften können sich Alteingesessene und Zugezogene auch besser kennenlernen. Buch Leben gewinnen der Region Pyhrn-Eisenwurzen (OÖ) Im Buch Leben gewinnen erzählen Menschen aus der Region in kurzen Texten über die Werte, die ihnen in ihrem Leben wichtig sind (z.b. Wie riecht der Wald im Sommer?, Schlaglichter einer Beziehung oder So stell ich mir mein Leben vor ). Auch auf Gemeindeebene ließe sich ein Buchprojekt dieser Art umsetzen, indem GemeindebürgerInnen dazu motiviert werden, aus ihrem Leben zu erzählen: etwa über frühere Bräuche oder die eigene Einstellung zum Leben als Bildgeschichte, Prosa oder in Form eines Interviews erzählt LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

64 Beispiele WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN Foto: Leben gewinnen (Screenshot) Das Buch Leben gewinnen, das vom Verein Ökomenische Initiative 98+ gestaltet wurde, soll zum Nachdenken und zum Diskutieren anregen und Beziehungen und neue Erkenntnisse fördern: Dabei geht es nicht um die Personen, sondern um Erfahrungen und Werte. Sie finden hier keine heile Welt, sondern Einblicke in das Leben wie es ist. Vielleicht werden Sie entdecken, daß ihre eigene Lebenslage hier beschriebenen Erlebnissen in manchem ähnlich ist. 217 Gemeinsam gestalten ein Kochbuch der Vielfalt Kochbuch der Vielfalt aus Orth an der Donau (NÖ) Foto: Über den Topfrand geschaut (Screenshot) In der Gemeinde Orth an der Donau wurden im Jahr 2006 vier Kochabende mit Zuagrasten und Alteingesessenen veranstaltet, bei denen die TeilnehmerInnen unterschiedlicher Herkunft und Religionszugehörigkeit auch ihre eigenen Speisen kochen konnten. Über das gemeinsame Kochen, Essen und miteinander Reden können Kontakte geknüpft, Beziehungen aufgebaut und Barrieren abgebaut werden. Im Zuge der gemeinsamen Kochabende entstand schließlich ein gemeinsames, grenzüberschreitendes Kochbuch. 218 Grenzenlos kochen in St. Andrä-Wördern (NÖ) Mehrere Kochbücher der Vielfalt entstanden bereits in St. Andrä-Wördern (NÖ), wo der Verein Grenzenlos St. Andrä-Wördern seit einigen Jahren offene Kochabende veranstaltet, zu denen mit Menschen aus unterschiedlichen Nationen eingeladen sind (vgl. Kapitel Praxisbeispiele für die Integration von Zugezogenen nach verschiedenen Zielgruppen, Menschen mit Migrationshintergrund). Das aktuelle Kochbuch trägt den Titel Grenzenlos Kochen. Ein Ort schaut über den Tellerrand Ökumenische Initiative , vgl vgl. 64 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

65 Beispiele WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN Gemeinsam gestalten einen Gemeinschaftsgarten Gemeinschaftsgärten in Maria Anzbach (NÖ) Logo der Gemeinschaftsgärten Maria Anzbach In Maria Anzbach widmet sich der Verein Gemeinschaftsgärten Maria Anzbach eine Initiative der Dorfgemeinschaft Burgstall / Oed dem gemeinsamen Gärtnern. Dabei geht es aber nicht nur darum zu bepflanzen und zu ernten, sondern: Gemeinsames Gärtnern ist der Keim für ein engagiertes und glückliches Miteinander über Generationen und soziale Schichten hinweg. Es macht Freude und entspannt. Am lustigsten ist es in einer Gruppe, Menschen finden gemeinsame Themen, können voneinander lernen und haben ein gemeinsames Ziel: eine prächtige Ernte! 220 Das gemeinsame Gärtnern bringt mit sich, dass auch Wissen und Erfahrungen mit Interessierten ausgetauscht werden können, daher gibt es auch Veranstaltungen zum Erfahrungsaustausch und zur Wissensvermittlung. 221 Gemeinschaftsgärten werden mittlerweile in ganz Österreich gestaltet als interkulturelle Gärten, als biologisch geführte Gärten (gemeinsam mit Natur im Garten ) oder als urbane Gärten in (Groß-)Städten (Stichwort: Urban Gardening). Eine Übersicht über Gemeinschaftsgärten bietet der Verein Gartenpolylog (vgl. Kapitel Praxisbeispiele für die Integration von Zugezogenen nach verschiedenen Zielgruppen, Menschen mit Migrationshintergrund). 222 Gemeinsam ist allen Gärten aber, dass sie auch Orte der Begegnung sind, weil sie Menschen zusammenbringen, die am Garteln interessiert sind. Insofern eignen sich Gemeinschaftsgärten auch für die Integration Zugezogener in Gemeinden, da diese damit themenspezifisch über ihre Interessen angesprochen werden können. Gemeinsam gestalten ein Themenfest Internationales Spielefest in Vorchdorf (OÖ) Foto: Grenzenlos Vorchdorf Nach dem Motto Spielen verbindet wurde von der Agenda 21 -Gruppe Grenzenlos Vorchdorf (OÖ) in der Gemeinde das erste internationale Spielefest veranstaltet. Kinder und Erwachsene hatten dort die Möglichkeit, Spiele aus aller Welt kennenzulernen und durch die Spiele Gemeinschaft mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religionen und Kulturen zu erleben vgl vgl vgl. LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

66 Beispiele WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN Generationensport- und -spielfest in Elixhausen (S) Foto: Gemeinde Elixhausen Elixhausen ist eines von mehreren Generationendörfern in Salzburg, die generationenübergreifende Projekte und Veranstaltungen umsetzen. Eines dieser Projekte ist das Generationensport- und -spielfest, das bereits einige Male in der Gemeinde stattgefunden hat. Im Zentrum steht das Miteinander der Generationen und somit das Miteinander von Menschen aller Altersgruppen. 224 Sport und Spiel sind dabei wichtige Impulsgeber, über die das Miteinander gut gelingen kann. Daher eignen sich Sport- und Spielefeste auch sehr gut für die Integration Zugezogener, da Menschen aller Altersgruppen und Herkünfte über Spiel und Sport gut aktiviert und eingebunden werden können. 225 Gemeinsam gestalten Plätze der Begegnung im Dorf Pavillon als Treffpunkt der Generationen in Unternalb (NÖ) Foto: NÖ Dorf- und Stadterneuerung In der Gemeinde Unternalb (NÖ) wurde nach Schließung des Gemischtwarenhändlers ein neuer Ort für Kommunikation, Begegnung und Austausch gesucht. Auf dem zentral gelegenen Spielplatz wurde daher durch den örtlichen Dorferneuerungsverein ein Pavillon errichtet. Der Pavillon wird von den GemeindebewohnerInnen bereits rege genutzt. Insbesondere Familien, die in den letzten Jahren nach Unternalb gezogen sind, nützen den Pavillon, um Kontakte zu knüpfen und zu kommunizieren. Der Pavillon soll sich zu einem Treffpunkt weiterentwickeln, der zu den verschiedensten Tageszeiten besucht werden kann und an dem man / frau sich willkommen fühlt vgl. bzw vgl. auch 226 vgl. 66 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

67 Gemeinsam betriebenes Dorfwirtshaus in Grünseck (B) Foto: Regionalmanagement Burgenland GmbH / Xandi Bäck In Grünseck, einem von fünf Ortsteilen in der Gemeinde Unterkohlstätten (B) schloss im Jahr 2005 die Volksschule und im Jahr 2006 das örtliche Gasthaus. Dadurch war im Ortsteil kein Platz mehr vorhanden, wo BewohnerInnen zusammenkommen oder Vereine sich versammeln konnten. Daher wurde im Jahr 2006 das Projekt D Schul gestartet. Eine 1871 errichtete Turmschule wurde auf Initiative vieler Freiwilliger aus der Ortsbevölkerung zu einem Dorfwirtshaus inklusive Veranstaltungssaal um- und ausgebaut. Nicht nur der Um- und Ausbau erfolgte gemeinschaftlich, auch die Bewirtschaftung wird von einer Gruppe Freiwilliger mithilfe eines Arbeitsplans bewältigt. 227 Sowohl der Pavillon am Spielplatz in Unternalb, als auch das gemeinsam betriebene Dorfwirtshaus in Grünseck sind gute Beispiele dafür, wie Orte der Begegnung zunächst gemeinsam geschaffen werden und schließlich für Kommunikation, Austausch und das Knüpfen von Kontakten genutzt werden können. Wand der Vielfalt in Bärnkopf (NÖ) In Bärnkopf (NÖ) wurden die BewohnerInnen auf Initiative des Tourismus- und Dorferneuerungsvereins im Rahmen eines Dorffestes dazu eingeladen, Tonkacheln individuell zu gestalten, die schließlich an der neu errichteten Mauer des örtlichen Holzhackermuseums angebracht wurden. Ein gemeinschaftliches Werk wurde mit viel Spaß, mit vielen Begegnungen geschaffen mit dem sich alle BewohnerInnen Foto: NÖ Dorf- und Stadterneuerung von Bärnkopf gerne identifizieren. 228 Ähnlich wie bei einem Fotobuch der Gemeinde, ermöglichen Projekte dieser Art die Aktivierung und Beteiligung der Bevölkerung, sich kreativ in die Gemeindeentwicklung und -gestaltung einzubringen. Die Wand der Vielfalt in Bärnkopf schafft zum einen im gemeinsamen Tun Möglichkeiten des Austauschs, der Kommunikation und des Zusammengehörigkeitsgefühls (auch und insbesondere für Zugezogene); zum anderen symbolisiert die fertiggestellte Mauer mit den individuell gestalteten Kacheln ein Gefühl von Gemeinschaft in der Gemeinde. 227 vgl. bzw. vgl. Klein 2012, vgl. LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

68 Beispiele WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN Miteinander leben Die Stufen Informieren, Kennenlernen und Gemeinsam gestalten sollen schließlich in die letzte Stufe, das Miteinander leben, münden, denn ein gutes Zusammenleben in der Gemeinde sollte das Ziel jeglicher Integrationsbemühungen sein. In der Rubrik Miteinander leben sind bzw. sollten auch Elemente der vorangegangenen Stufen enthalten sein. In Abgrenzung zum Gemeinsam gestalten geht es bei Praxisbeispielen in dieser Rubrik nicht (nur) um temporäre Projekte, sondern um eine Regelmäßigkeit und (bestmögliche) Ganzheitlichkeit der Aktivitäten, die einen möglichst großen Teil der GemeindebewohnerInnen und hier insbesondere Zugezogene ansprechen bzw. aktivieren. Unter dem Stichwort Soziale Dorferneuerung ist treffend zusammengefasst, welche Ziele Praxisbeispiele der Stufe Miteinander leben verfolgen: Im Ort oder Dorf miteinander reden, gemeinsame Ziele verfolgen, gemeinsame Vorhaben entwickeln, dann gemeinsam umsetzen und das Erreichte feiern. Unter dem Slogan vom Familienverband zum Dorfverband soll die vorhandene soziale Kompetenz und die Kommunikation im Ort, im Dorf und in der Gemeinde wieder verstärkt in den Vordergrund gestellt werden. 229 Im Dorfverband geht es um das bestmögliche Zusammenleben zwischen verschiedenen Bevölkerungs- und Altersgruppen und zwischen Alteingessenen und Zugezogenen und darum, ein Gleichgewicht im Miteinander herzustellen, für das Zusammenleben fördernde Ideen zu bündeln und bedarfsgerechte Aktivitäten zu entwickeln und gemeinsam umzusetzen. Gemeindeentwicklung / Stadtteilentwicklung Aktivitäten des Stadtteilentwicklungsvereins Parsch (S) Im Salzburger Stadtteil Parsch setzt sich der Stadtteilentwicklungsverein Parsch seit dem Jahr 2004 mit den Anregungen und Anliegen der BewohnerInnen auseinander und setzt sich zum Ziel, das Miteinander im Stadtteil zu fördern. Der Parscher Stadtteilentwicklungsverein hat sich zudem im Jahr 2006 dem Generationenprojekt der Gemeindeentwicklung Salzburg 230 angeschlossen und versucht anhand konkreter kleinerer und größerer Projekte, die Menschen in ihren unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten, die Generationen, Kulturen und Institutionen im Stadtteil zu vernetzen und zwischen ihnen Brücken zu bauen. 231 Eine wichtige Grundlage der Stadtentwicklungsentwicklungsarbeit ist die Ehrenamtlichkeit der Mitwirkenden. Konkrete Teilprojekte im Stadtteil Parsch Im Stadtteil Parsch werden eine Reihe von regelmäßigen und punktuellen Veranstaltungen umgesetzt, die eine große Vielfalt zeigen: Frauenrunde Wandergruppe Literaturkreis Kunsthandwerksrunde Stadtteilchor Kulturcafés: das sind kulturelle Veranstaltungen, die meist von den kreativen Potenzialen der ParscherInnen selbst ausgehen 229 Fedrizzi o.j., Medieninformationen zu Projekten: 231 Kurzfragebogen zu den Aktivitäten des Stadtteilentwicklungsvereins Parsch (Magdalena Rücker) 68 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

69 Stadtteilradio Radiofabrik: berichtet über Institutionen, Vereine, Gruppen, Persönlichkeiten und Veranstaltungen im Stadtteil Stadtteilbüro: Kommunikationsort, Treffpunkt von Interessengruppen und Ehrenamtlichen etc. Foto: Österreichisches Institut für Erwachsenenbildung (oieb) Publikationen über den Salzburger Stadtteil Parsch: Chronik, Parscher Journale, Stadtteilhandbuch ParschERleben und der Folder des Stadtteilentwicklungsvereins Parsch aktiv (s. Bild). Magdalena Rücker vom Stadtteilentwicklungsverein Parsch über das Stadtteilhandbuch ParschERleben. Aus allen Blickwinkeln, das im Zuge des Projekts Barrierefreies Parsch im Jahr 2010 herausgegeben wurde: Das Buch zeigt alle Ressourcen im Stadtteil auf: neben einem Branchenverzeichnis enthält es Informationen zu Vereinen, Gruppen, einen umfangreichen Teil mit Servicenummern, Verzeichnis über Einrichtungen des täglichen Lebens, die alle auf Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer überprüft und gekennzeichnet wurden, ein Kapitel gut miteinander umgehen, eine Stadtteilkarte, Wandervorschläge für unseren Hausberg, Vorschläge für barrierefreie Spaziergänge, Notfallkarte, Obusplan. Die Leser werden aufgefordert, ungewohnte Blickwinkel aufzunehmen, etwa auf Menschen mit Behinderungen, auf Menschen anderer Generationen, Länder und Kulturen. 232 Armutsprojekt Parscher für Parscher : Umverteilungsprojekt im Stadtteil Palschuki: Vernetzung von Parscher Altersheimen, Schulen und Kindergärten Mobile Märchenecke: bringt Menschen aller Generationen über Märchenlesen und -erzählen zusammen Grenzenlos kochen: verschiedene Generationen und Kulturen kochen und essen gemeinsam 233 Fotos: Stadtteilentwicklungsverein Parsch 232 Kurzfragebogen zu den Aktivitäten des Stadtteilentwicklungsvereins Parsch (Magdalena Rücker) 233 vgl. auch LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

70 Wirkungen der Aktivitäten des Stadtteilentwicklungsvereins Parsch auf das Zusammenleben Magdalena Rücker vom Stadtteilentwicklungsverein Parsch betont die gute Vernetzung zwischen den Gruppen, Institutionen und Generationen im Stadtteil, die gut funktionierende Kommunikation ( Dorftratsch ) und die Förderung der Stadtteilidentität und des Ehrenamtlichen-Potenzials, die die Aktivitäten des Vereins mit sich gebracht haben. 234 Alle der o.g. Angebote stehen auch jenen offen, die neu in den Stadtteil zuziehen. Besonders interessant für Zugezogene sind aber das Stadtteilhandbuch, der Vereinsfolder mit Ansprechpersonen und Angeboten, das Stadtteilbüro als erste Anlaufstelle, Willkommensbriefe für Zugezogene und die Teilnahme an den vielfältigen Veranstaltungen des Vereins, wie bspw. an Grenzenlos kochen. All diese Angebote erleichtern das Eingewöhnen in der neuen Umgebung. 235 Nachbarschaftshilfe / BürgerInnenbeteiligung Netzwerk Nachbar in Tulln (NÖ) Tulln zählt zu jenen Städten, die aufgrund ihrer geografischen Lage, ihrer Infrastruktur und ihrer wirtschaftlichen Situation stark angewachsen sind. Um einem Zerfallen sozialer Netzwerke entgegenzuwirken, wurde im Jahr 2011 die Initiative Netzwerk Nachbar gestartet. Laut Julia Schwanzer vom projektverantwortlichen Stadtamt Tulln will die Initiative das nachbarschaftliche Miteinander in der Stadtgemeinde Tulln vor das Nebeneinander stellen und damit der Anonymität und Isolation entgegenwirken [und] die Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl fördern. 236 BürgerInnen entwickeln gemeinsam mit ExpertInnen Ideen und setzen diese in der Stadtgemeinde um. Fokussiert wird dabei verstärkt auf kleinräumige Projekte (Grätzel, Wohnhausanlagen, Blocks, Straßenzüge), daher sind Aktivitäten der Tullner Initiative ähnlich wie beim Beispiel des Stadtteilentwicklungsvereins Parsch auch für Gemeinden gut umsetzbar. Bis Herbst 2012 nahmen bereits Menschen an Projekten der Initiative Netzwerk Nachbar teil. 237 Foto: Helga Urbanitsch Foto: Jürgen Burchhart 234 vgl. Kurzfragebogen zu den Aktivitäten des Stadtteilentwicklungsvereins Parsch (Magdalena Rücker) 235 vgl. Kurzfragebogen zu den Aktivitäten des Stadtteilentwicklungsvereins Parsch (Magdalena Rücker) 236 Kurzfragebogen zur Tullner Initiative Netzwerk Nachbar (Julia Schwanzer) 237 Weitere Informationen zur Initiative auch unter 70 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

71 Beispiele für die Vielfalt an Veranstaltungen und Teilprojekten Nachbarschaftsfeste Straßen- oder Grätzelfeste Themen-Stammtische Veranstaltungen mit sozialen Anliegen Eltern-Kind-Gruppen Kaffee- und Spielenachmittage für ältere Menschen Reihe Grenzenlos kochen 238 Wirkungen der Tullner Initiative Netzwerk Nachbar auf das Zusammenleben Laut Julia Schwanzer vom Stadtamt Tulln sind die Rückmeldungen der ProjektorganisatorInnen von Netzwerk Nachbar sehr positiv: "In der Hektik unserer Zeit ermöglicht ein gemeinsames Fest das bessere Kennenlernen der Nachbarn in der ganzen Straße. Neue Freundschaften können sich entwickeln, Nachbarschaftshilfe wird zur Selbstverständlichkeit und Small- Talk wird durch ehrliches Interesse ersetzt. Es war ein gelungenes Fest bei dem nicht nur neue Kontakte geknüpft, sondern auch neue Stärken und Liebenswürdigkeiten an den Nachbarn entdeckt werden durften. (Organisatorin des Grätzelfestes in der Sonnenfeldgasse, Neuaigen). Dank Netzwerk Nachbar erfreuten sich ca. 50 Anrainer an einem geselligen Beisammensein, welches sie unisono als gelungenes Fest bezeichneten: Das ungezwungene Kennenlernen und der nachbarschaftliche Austausch beim gemeinsamen Essen und Trinken fördern unsere Gemeinschaft und den Zusammenhalt in unserer Gasse. Wir bedanken uns noch mal sehr herzlich für die Unterstützung seitens Netzwerk Nachbar und der Stadtgemeinde Tulln. (Organisatorin des Grätzelfestes in der Föhrengasse, Tulln). "Grätzelfeste bringen die Nachbarschaft näher zusammen. Mit engagierten Helfern und der Unterstützung der Initiative Netzwerk Nachbar konnten wir unser Fest bereits zum wiederholten Mal toll umsetzen." (Organisator des Grätzelfestes in der Gartenfeldstraße, Tulln). 239 Besondere Wirkungen in Bezug auf Zugezogene Die Maßnahmen der Initiative Netzwerk Nachbar ermöglichen sowohl eine orts-, als auch eine themenspezifische Integration von Zugezogenen: Grätzel- und Straßenfeste binden Zugezogene eher örtlich (geografisch) ein und ermöglichen das Pflegen bestehender Kontakte und das Knüpfen neuer Freundschaften. Sehr gutes Feedback gab es bspw. auf das Siedlungsderby Komponistenviertel, einem Erwachsenen- und Kinder- Fußballturnier in einem noch jungen Tullner Stadtviertel, wo insbesondere neu zugezogene junge Familien eingeladen wurden. Eltern-Kind-Gruppen, Kaffee- und Spielenachmittage für SeniorInnen und das Projekt Grenzenlos kochen dienen eher dazu, Zugezogene themenspezifisch also über das Ansprechen ihrer Interessen und Bedürfnisse zu integrieren Weitere Beispiele und Anregungen für Nachbarschaftsprojekte sind in folgender Übersicht zu finden: 239 Kurzfragebogen zur Tullner Initiative Netzwerk Nachbar (Julia Schwanzer) LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

72 Projekt Zämma leaba z Götzis (V) Die Initiative Zämma leaba z Götzis (Zusammen leben in Götzis) wurde im Herbst 2006 gestartet, um Menschen zum freiwilligen Engagement zu motivieren, damit den Zusammenhalt in der Marktgemeinde Götzis zu stärken, Gemeinschaft zu leben und Menschen zusammen zu bringen. Das Motto lautet daher: selber tun begeistern unterstützen vorsorgen. 241 Es wird versucht, viele Menschen dafür zu begeistern, in den verschiedenen nachfolgenden Aktionen und Initiativen aktiv zu werden und etwas zum lebendigen Miteinander beizutragen. Fotos: Initiative Zämma leaba z Götzis Beispiele für die Vielfalt an Veranstaltungen und Teilprojekten Projekte mit Schulen und Kindergärten Feste für Zugezogene Nachbarschaftshilfe Frauenfrühstück: in regelmäßigen Abständen können Frauen verschiedenen Alters an den Frauenfrühstückstreffen teilnehmen und sich austauschen Strickgruppe Woll-Lust Ausflüge mit BewohnerInnen vom Haus der Generationen Einsatz-Koordination von ehrenamtlichen MitbürgerInnen Fahrdienste für SeniorInnen 242 An dieser Auflistung wird bereits erkennbar, dass viele der Aktionen und Initiativen von Zämma leaba auf das freiwillige Engagement der GemeindebürgerInnen bei der Unterstützung älterer MitbürgerInnen in der Gemeinde abzielen und hier insbesondere auf die Unterstützung von BewohnerInnen des Hauses der Generationen und auf ältere alleinstehende Personen. Zämma ist Ausdruck einer neuen Kultur des Miteinanders. Es geht um Kooperation und die Stärkung von Sozialkapital im Nahraum als Grundlage für Lebensqualität und einer lebendigen Gemeinschaft. Als Ausgleich zur Globalisierung und Urbanisierung geht es bei Zämma um die Stärkung lokaler und regionaler Gegebenheiten, d.h. ressourcenorientiert statt defizitorientiert, um so die vorhandenen Stärken sichtbar zu machen und auszubauen vgl. Kurzfragebogen zur Tullner Initiative Netzwerk Nachbar (Julia Schwanzer) 241 Kurzfragebogen zum Projekt Zämma leaba z Götzis (Daniel Lins) 242 vgl. a.a.o. und 243 Büchel-Kapeller 2011, 8 72 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

73 Methoden WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN Besondere Aktivitäten in Bezug auf Zugezogene Laut Daniel Lins von den Sozialdiensten Götzis, u.a. Projektverantwortlicher für Zämma leaba z Götzis, gibt es im Projekt auch spezielle Initiativen für Zugezogene: Bei einem Willkommensempfang in der Kulturbühne Ambach werden Zugezogene mit Hoi z Götzis begrüßt. Gemeindeverantwortliche Foto: Initiative Zämma leaba z Götzis berichten über die Geschichte der Gemeinde, das aktuelle Gemeindegeschehen und über Angebote, Vereine, Einrichtungen und Freizeitmöglichkeiten der Gemeinde. Die Zugezogenen können sich in lockerer, fröhlicher Atmosphäre und mit interessanten Gesprächen 244 kennenlernen. Projekte und Maßnahmen der Stufen Gemeinsam gestalten und Miteinander leben orientieren sich ganz besonders an den Bedarfen in den jeweiligen Gemeinden und an den Interessen, Kompetenzen und Bedürfnissen der (langjährigen und neu zugezogenen) BürgerInnen. Die beschriebenen Projektbeispiele verstehen sich daher lediglich als Anregungen und Impulse für mögliche Maßnahmen. In manchen Gemeinden sind einige der Beispiele womöglich schon umgesetzt oder ließen sich angeregt aus den Praxisbeispielen erweitern. In manchen Gemeinden sind einige der Beispiele womöglich schwer umsetzbar, weil bestimmte Voraussetzungen oder Strukturen fehlen oder ein bestimmter Bedarf nicht gegeben ist. Um Ideen für mögliche temporäre Projekte oder regelmäßige Veranstaltungen in der Gemeinde zu lukrieren oder um generell herauszufinden, wo die Bedarfe in der Gemeinde liegen, eignen sich einige der nachfolgenden Methoden. Wenn eine Gemeinde Interesse daran hat, Projekte zum Thema Integration von Zugezogenen zu starten oder im Allgemeinen Projekte zu entwickeln, die den Gemeinschaftssinn und die Zusammengehörigkeit in der Gemeinde stärken, sollten zunächst einmal Erhebungen in der Gemeindebevölkerung zu folgenden leitenden Fragen durchgeführt werden: Wo liegen die Bedarfe und Interessen? Welche Vorstellungen und Ideen haben die GemeindebürgerInnen? Welche Kompetenzen (Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten) bringen die BürgerInnen mit? Besteht Interesse, diese Ressourcen in die Gemeindeentwicklung aktiv einzubringen? etc. So können gerade temporäre und umfassendere Projekte treffsicherer geplant und die Bevölkerung zudem aktiviert werden, sich an Prozessen, die ihre Lebenswelt betreffen, zu beteiligen. Erhebungsmethoden und Methoden zur Ideenfindung Fragebogenerhebung / BürgerInnenbefragung Fragebogenerhebungen eignen sich besonders dazu, eine größere Anzahl an Menschen zu befragen (z.b. jeden Haushalt in der Gemeinde). Erhoben werden können Einstellungen, Werte und Meinungen zu bestimmten Gemeindethemen, die man bspw. über Fragen mit vorgegeben Antwortmöglichkeiten abfragen kann. Um die Ergebnisse offener zu halten und vor allem um Ideen einzuholen, eignen sich aber offene Fragen, die keine Antwortmöglichkeiten vorgeben, besonders: 244 Kurzfragebogen zum Projekt Zämma leaba z Götzis (Daniel Lins) LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

74 Beispiel einer geschlossenen Frage: o Welche Angebote in der Gemeinde nutzen Sie? (mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten: Angebot 1, Angebot 2, Angebote 3 usw.) Beispiel einer offenen Frage: o Die Freifläche XY soll neu gestaltet werden. Welche Vorschläge der Nutzung haben Sie dafür? (selbst wählbare Antwort in einem freien Textfeld) Durch Befragungen können von der Gemeindebevölkerung Ideen und Inputs zur Gemeindegestaltung oder aber die Zufriedenheit mit bestehenden Gemeindeangeboten eingeholt werden (Ist-Stand, Stimmungsbild, Evaluierung). Zunächst sollte man sich über das Ziel und die Zielgruppe der Befragung klar werden und Themen sammeln, die abgefragt werden sollen. Erst dann wird versucht, die Themen zu konkreten und eindeutig verständlichen Fragen auszuformulieren. Da die Formulierung der Fragen sowie die statistische oder inhaltsanalytische Auswertung der Ergebnisse sozialwissenschaftliches Wissen und Erfahrung erforderlich macht, sollten bei Befragungen entsprechende ExpertInnen konsultiert werden. Der Vorteil einer Fragebogenerhebung ist, dass alle Personen dieselben Fragen gestellt bekommen, was die Ergebnisse vergleichbarer macht. Bei offenen Fragen ist die Vergleichbarkeit etwas schwieriger, doch geben die Antworten darauf schon erste Hinweise auf Ideen und Interessen innerhalb der Gemeindebevölkerung, die dann mit weiteren, bspw. den nachfolgenden Methoden, vertieft werden können. Wichtig ist allerdings, bei der Stichprobenziehung aus der Gemeindebevölkerung auf Repräsentativität zu achten, um bei der Auswertung auf die Grundgesamtheit schließen zu können. 245 Interview Zusätzlich zu Fragebogenerhebungen können auch (sozialwissenschaftliche) Interviews mit einigen ausgewählten GemeindebürgerInnen geführt werden. Vorteil eines Interviews ist, dass offen gestellte Fragen längere Erzählphasen anregen, man ein bestimmtes Thema dadurch breiter ausleuchten und daher Dinge herausfinden kann, die mittels Fragebogen nur schwer herauszufinden sind. Interviews orientieren sich besonders an den jeweiligen Lebenswelten der Interviewten und erfragen ihre subjektiven Einstellungen, Sichtweisen, Erfahrungen und Bewertungen zu einem bestimmten Themenbereich auch aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe (z.b. Jugendliche, Frauen, ältere Menschen). Darum ist es bei der Auswahl an Interviewpersonen zu einem bestimmten Thema auch darauf zu achten, dass diese die Vielfalt an sozialen Gruppen in der Gesamtpopulation repräsentieren. Es gibt verschiedene Interviewformen (problemzentriertes Interview, ExpertInneninterview, ethnografisches Interview), denen aber jeweils gemeinsam ist, dass sie hauptsächlich offene und erzählungsgenerierende Fragen beinhalten. In einem Interviewleitfaden werden die Fragen gesammelt. Der Leitfaden ist als Orientierungsrahmen zu verstehen und kann angepasst und modifiziert werden, wenn es die jeweilige Interviewsituation erfordert. Interviews dauern in der Regel zwischen 20 und 90 Minuten. 245 vgl. Kollmann u.a. 2003, 90; Näheres zur Fragebogenerhebung: vgl. Fischer u.a. 2009, LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

75 Damit sie später ausgewertet werden können, werden Interviews mit einem digitalen Aufnahmegerät aufgezeichnet und transkribiert. Auch hier gilt, dass die Formulierung eines Interviewleitfadens und die Durchführung von Interviews sozialwissenschaftliche Expertise erforderlich macht. 246 Eine Sonderform des Interviews ist die Aktivierende Befragung. Diese wird im Bereich der BürgerInnenbeteiligung sehr gerne angewendet. Hier geht es wie beim Interview einerseits darum, Einstellungen und Erfahrungen der Interviewpersonen zu erheben; andererseits geht es aber auch darum, die GesprächspartnerInnen zur aktiven Beteiligung zu motivieren. Es empfiehlt sich daher, die Methode in erster Linie bei GemeindebürgerInnen anzuwenden, von denen das Interesse an einer aktiven Mitarbeit in der Gemeinde bereits bekannt ist. 247 Workshops Im Gegensatz zu Interviews und Aktivierenden Befragungen wird in Workshops mit Gruppen gearbeitet. Workshops können auf Gemeindeebene dazu dienen, GemeindevertreterInnen, VertreterInnen örtlicher Vereine, Gruppen und Institutionen, aber auch interessierte GemeindebürgerInnen in einen moderierten Workshop zusammenzubringen und gemeinsam an bestimmten Themen, Fragestellungen und Ideen zu arbeiten. Ein Beispiel: Welche Willkommensangebote wollen wir für unsere neu zugezogenen GemeindebürgerInnen entwickeln? oder Welche Aktionen setzen wir auf unserem Willkommensfest für Alteingesessene und Zugezogene? Wichtig ist, dass am Beginn des Workshops das genaue Ziel definiert wird, das auch bei der Durchführungen von Diskussionen im Workshop immer im Auge behalten bleiben sollte. Im Workshop bleibt es der Moderatorin / dem Moderator vorbehalten, mit unterschiedlichen Methoden der Ideenfindung, - bewertung und -dokumentation 248 zu arbeiten (Diskussionsrunden, Kartenabfragen mit Moderationskärtchen, Mind-Mapping, Zuruflisten auf Flipchart, Punkten als Bewertungsmethode usw.). Vorteile von Workshops sind, dass sehr fokussiert an einem Thema gearbeitet werden kann, dass sich diese in unterschiedlichen Phasen eines Projektentwicklungsprozesses einsetzen lassen und dass diese prozess- und ergebnisorientiert gestaltet werden können. 249 Eine Methode, die innerhalb von Workshops (oder auch bei anderen Veranstaltungsformaten, bei denen große Gruppen zusammenkommen können) angewandt werden kann, sind moderierte Gruppendiskussionen: Wichtig ist dabei, dass das Thema (bzw. die Themen) und das Ziel der Diskussion klar abgesteckt sind, dass die Diskussion strukturiert abläuft (immer wieder Paraphrasen und Zusammenfassungen der Moderatorin / des Moderators), dass wichtige Punkte nicht nur verbal, sondern auch optisch festgehalten werden und dass zum Schluss auch Ergebnisse sichtbar sind vgl. Kollmann u.a. 2003, 92; Näheres zu verschiedenen Interviewformen: vgl. Diekmann 1998, Lamnek 2005, Mayring vgl. Kollmann u.a. 2003, Näheres zu Workshop-Methoden: vgl. Lipp / Will vgl. Fischer u.a. 2009, 64; vgl. Kollmann u.a. 2003, vgl. Lipp / Will 2008, 56 ff. LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

76 Die Gruppendiskussionen können sich auch zu regelmäßigen Stammtischen in der Gemeinde etablieren, in denen sich jeweils kleinere Gruppen zu vier bis fünf Personen zusammenfinden und zu bestimmten Themen diskutieren. Die Gruppen dokumentieren ihre Ergebnisse und stellen sich diese dann gegenseitig vor. Dabei kann man auch verschiedene Varianten der Diskussion ausprobieren und bspw. Pro- und Contra-Gruppen bilden. Wichtig ist aber, dass die Diskussionen moderiert, strukturiert und unter Berücksichtigung vorab festgelegter Spielregeln ablaufen. 251 World Café Das World Café ist eine gute Methode, um größere Gruppen zu verschiedenen Themen, Fragestellungen oder Fragenkomplexen an kleineren (kaffeehausähnlichen) Tischen zu je vier bis fünf Personen miteinander für eine gewisse Zeit (ca. 15 bis 30 Minuten) diskutieren zu lassen. Meist wird auf ein großes Flipchartpapier den Tisch gelegt, auf dem die Fragestellung steht und die TeilnehmerInnen ihre Gedanken und Ideen verschriftlichen können. Eine Person bleibt als GastgeberIn am Tisch zurück, alle anderen wechseln quer durch den Raum an andere Tische, wo sich die Diskussionsgruppe wieder völlig neu zusammensetzt. Die / der GastgeberIn, die / der am Tisch zurückbleibt, kann die neu formierte Gruppe über den Stand der bisherigen Diskussion, deren Ergebnisse auf dem Flipchartpapier vermerkt sind, informieren und die Gruppe kann ihre Diskussion daran anknüpfen. Am Ende werden die Ergebnisse von den GastgeberInnen im Plenum kurz referiert. Ziel des World Cafés ist es, mit vielen verschiedenen Menschen über viele verschiedene Fragen zu diskutieren. Im Unterschied zu einem Workshop, zu dem eher eine kleinere, ausgewählte Gruppe eingeladen werden kann, können in einem World Café viele Menschen miteinbezogen werden. In Gemeinden können World Cafés bspw. dazu eingesetzt werden, um bestimmte Themen die Gemeinde betreffend mit einer größeren Anzahl an GemeindebürgerInnen zu bearbeiten. In den Diskussionen können viele verschiedene Perspektiven zu vorgegebenen Fragen eingebracht werden. Der Wechsel zu jeweils anderen Tischen und anderen Fragen ermöglicht einen frischen Blick auf ein Thema und kann, wenn die Diskussion bereits eine Weile gedauert hat, noch neue Perspektiven, Sichtweisen und Erkenntnisse hervorbringen. 252 Leo Baumfeld und Petra Plicka fassen die Café Etikette in ihrer Publikation Großgruppeninterventionen folgendermaßen zusammen: o Focus auf das, was wichtig ist. o Eigene Ansichten und Sichtweisen beitragen. o Sprechen und Hören mit Herz und Verstand. o Hinhören und wirklich verstehen. o Ideen verlinken und verbinden. o Aufmerksamkeit auf die Entdeckung neuer Erkenntnisse und tiefergehenden Fragen. o Spielen, kritzeln, malen auf die Tischdecke schreiben ist erwünscht!!! vgl vgl. Baumfeld / Picka 2005, 31 ff., vgl vgl. Baumfeld / Picka 2005, LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

77 Methoden WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN Marktplatz / Ideenbazar / Markt der Chancen Ein Marktplatz (oft auch Ideenbazar oder Markt der Chancen genannt) dient ähnlich wie ein Markt, auf dem Lebensmittel und Produkte angeboten werden dazu, Ideen zu präsentieren. In einem Raum (oder im Freien) werden Tische, Flipcharts und Pinnwände aufgestellt, auf denen Gruppen, Vereine oder Institutionen sich und ihre Ideen auf visuell ansprechende Weise präsentieren können (vgl. auch Kapitel Kennenlernen: Tag der Vereine). Interessierte Personen können von Marktstand zu Marktstand gehen, sich informieren, diskutieren, Ideen holen und Interesse an einer Mitwirkung bekunden. 254 Möglich wäre auch eine Variante des Marktplatzes, bei denen insbesondere Einzelpersonen ihr Know-How und ihre Talente präsentieren können: etwa im Rahmen einer Know-how-Börse oder eines Talentetauschkreises. Auf diese Art und Weise werden Ressourcen sichtbar, die (neu zugezogene oder aber auch langjährige) GemeindebürgerInnen besitzen (z.b. nähen, Musik machen, Malen und Zeichnen, verschiedene Sprachen sprechen, mit Holz arbeiten, Autos reparieren, mit Pflanzen umgehen usw.) und die diese mit anderen Menschen teilen oder tauschen können. So könnte bspw. ein zugezogenes englischsprachiges Paar in der Gemeinde Englisch-Plauderstunden anbieten oder eine Malerin Mal- und Zeichenworkshops. Literatur für weitere Methodentipps Baumfeld, Leo / Plicka Petra: Großgruppeninterventionen. Das Praxisbuch, 2005 Diekmann, Andreas: Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen, Fischer, Michael (u.a.); Regionale Bildungsbedarfserhebungen. Theorien, Prozesse und Methoden für eine partizipative Umsetzung, Kollmann, Gerhard (u.a.) (Hg.): Partizipation. Ein Reiseführer für Grenzüberschreitungen in Wissenschaft und Planung, Lamnek, Siegfried: Qualitative Sozialforschung. Lehrbuch, Lipp, Ulrich / Will, Hermann: Das große Workshop-Buch. Konzeption, Inszenierung und Moderation von Klausuren, Besprechungen und Seminaren, 2008 Mayring, Philipp: Einführung in die Qualitative Sozialforschung, Plattform Partizipation & nachhaltige Entwicklung in Europa: 254 vgl. vgl. Kollmann u.a. 2003, 135 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

78 Beispiele WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN Praxisbeispiele für die Integration von Zugezogenen nach unterschiedlichen Zielgruppen Menschen, die in eine Gemeinde zuziehen, haben verschiedene Bildungs- und Berufshintergründe und sie bringen auch ihre eigenen Interessen und Bedürfnisse mit, an denen sich die Gestaltung ihrer Lebenswelt orientiert. Junge Familien, die von der Stadt in eine Gemeinde im ländlichen Raum ziehen, haben naturgemäß andere Interessen und eine andere Vorstellung von Lebensqualität als SeniorInnen, die ihren Alterswohnsitz aus der Stadt in eine ländliche Gemeinde verlegen. Familien haben womöglich das Bedürfnis, sich mit anderen Eltern zu vernetzen und Angebote in der Gemeinde in Anspruch zu nehmen, bei denen auch Kinder die Möglichkeit haben, sich zu verwirklichen. Älteren GemeindebürgerInnen ist möglicherweise das gesellige Beisammensein mit anderen wichtig oder sie suchen nach einer sinnstiftenden Beteiligung am Gemeindegeschehen, wo sie ihre Kompetenzen und ihre zeitlichen Ressourcen einbringen können. Die nachfolgenden Beispiele aus der Praxis fokussieren nicht vordergründig auf die Integration von Zugezogenen. Dennoch bieten sie Anknüpfungspunkte, weil Zugezogene über eine inhaltliche und zielgruppenspezifische Ausrichtung gezielt angesprochen und stärker am Gemeindegeschehen beteiligt werden können. Die zielgruppenspezifischen Angebote verstehen sich als querliegend zu den oben genannten vier Stufen einer Integration von Zugezogenen. Das heißt, zielgruppenspezifische Angebote können dem Informieren, Kennenlernen, Gemeinsam gestalten und Miteinander leben dienen. Zugleich können die oben genannten Beispiele auch auf bestimmte Zielgruppen hin zugeschnitten werden (z.b. Informieren: Dorfmappe in verschiedenen Sprachen für zugezogene Menschen mit Migrationshintergrund; Kennenlernen: Veranstalten einer Familienwanderung; Gemeinsam gestalten: Jugendtreff gemeinsam mit Jugendlichen errichten; Zusammen leben: Regelmäßige Veranstaltungen in einem Club der Generationen). (Junge) Familien Eltern-Kind-Forum in Tschurndorf (B) Im Jahr 2009 begann in der Gemeinde Weppersdorf (Ortsteile Tschurndorf und Kalkgruppen) die Dorferneuerung neu mit unterschiedlichen Arbeitskreisen, unter anderem mit der Projektgruppe Gut wohnen miteinander leben unter der Leitung von Doris Exel. Bei einer Fragebogenerhebung in der Gemeinde wurde festgestellt, dass besonderer Bedarf an gemeinsamen und generationenübergreifenden Foto: Doris Exel Angeboten für Kinder und Jugendlichen besteht und dass vor allem zugezogenen Familien die Möglichkeit gegeben werden sollte, in der Gemeinde soziale Kontakte zu knüpfen. Daher wurde das Eltern-Kind-Forum Tschurndorf gegründet, ein kostenloser Verein, der folgende Angebote für junge Familien bereitstellt: 78 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

79 Baby-Treffs für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern bis 2 ½ Jahren Kinder-Nachmittage für Kinder von 3 bis 8 Jahren (z.b. Kindervolkstanz- Workshop, Faschingsfest) Familienfeste Jugend-Club für Jugendliche von 8 bis 14 Jahren (z.b. Showdance-Workshop, Sketches einstudieren) Jugend-Radtouren Veranstaltungen der Elternbildung (Erste-Hilfe-Kurse, Vorträge) Schwarzes Brett (Internetplattform) zum Tausch / Verkauf von Baby- und Kinderartikeln Die o.g. Angebote dienen dazu, dass sich Eltern untereinander vernetzen und ihre Erfahrungen austauschen können. Laut Vereinsobfrau Doris Exel werden die Angebote in der Gemeinde gut angenommen, auch solche, die sonst nirgends zu treffen sind, haben in diesen einzelnen Gruppen anscheinend gefunden, was sie sonst nicht finden. Wirklich generations-, partei- und konfessionsübergreifend geht man hier aufeinander zu und lebt gemeinsam miteinander und nicht nebeneinander her. 255 Aktivitäten des Vereins Kleine Welt in Bad Fischau-Brunn (NÖ) Der Verein Kleine Welt in Bad Fischau-Brunn geht ursprünglich aus einer Elterninitiative hervor. Er besteht bereits seit dem Jahr 2005 und setzt sich zum Ziel, Kindern schon frühzeitig eine Umgebung bereitzustellen, die ihnen ermöglicht ihr volles Potenzial kennenzulernen, einzusetzen, auszuleben, weiterzuentwickeln und daraus für ihr Leben und die Anforderungen darin spielerisch zu lernen. 256 Das Angebot des Vereins ist vielfältig: Basteltreffs, Bewegung und Tanz, Kasperltheater, Filzen, Eltern-Kinder-Treffs, Spielgruppe, Musikgarten, Montessori-Werkstatt, Holzwerkstatt, Väternachmittag, Mal-Ateliers, Kinder-Kochkurse etc. Der Verein Kleine Welt dient Eltern dazu, sich in Erziehungsfragen auszutauschen und Unterstützung zu bekommen, die Eltern-Kind-Beziehung zu fördern und die Persönlichkeit der Kinder zu stärken. Gerade neu zugezogene Familien können hier die Möglichkeit erhalten, über und mit ihren Kindern Kontakte zu anderen Eltern in der Gemeinde zu knüpfen. Kinderspielplatz und Kommunikationszentrum in St. Georgen am Ybbsfelde (NÖ) Spielplätze eignen sich immer besonders als Orte der Begegnung für Eltern bzw. im Falle eines Generationenspielplatzes, der auch Übungsgeräte für Erwachsene und ältere Menschen bereit stellt auch als generationenübergreifender Treffpunkt in der Gemeinde. In St. Georgen am Ybbsfelde (NÖ) hat der örtliche Dorferneuerungsverein einen Spielplatz mit Kommunikationszentrum erbaut: Es entstand ein Platz der Kommunikation, der Integration von SiedlungsbewohnerInnen, der Möglichkeit für Feste und Unterhaltung und ein Platz, wo im Vorfeld so manches Problem bereits besprochen und geklärt wird vgl. bzw. vgl. Klein 2012, vgl Fedrizzi o.j., 12 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

80 Beispiele WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN Kinder und Jugendliche Jugendtankstelle Mühlviertler Alm (OÖ) In der Region Mühlviertler Alm wurde Rahmen eines Agenda 21 -Prozesses die sogenannte Jugendtankstelle errichtet. Diese versteht sich als Vernetzungspunkt für außerschulische Jugendarbeit und hier insbesondere für Jugendliche unterschiedlichen Alters, die in ihren Gemeinden aktiv etwas umsetzen wollen (z.b. Gestalten von Jugendgruppenstunden oder Umsetzung eines größeren Projektes). Die Foto: Theresa Schachinger Jugendtankstelle unterstützt Jugendliche dabei und widmet sich auch bestimmten Themen wie bspw. Suchtprävention, Religion, Arbeit und Zukunftschancen für Jugendliche. Im Rahmen der Arbeitsgruppe SoSoKo (Soziales SonderKommando) wurden verschiedene Veranstaltungen umgesetzt, u.a. ein Generationenwochenende mit dem Titel Vom Fensterln bis zum SMS, als Möglichkeit des Austauschs zwischen den Generationen. 258 Die Jugendtankstelle bietet zwar Projektumsetzungsmöglichkeiten für eine ganze Region, Anregungen daraus können aber auch auf Gemeindeebene umgesetzt werden. So bspw. eine Jugendgruppe, in der sich die Jugendlichen der Gemeinde treffen und austauschen können. Neu zugezogene Jugendliche könnte es über gezielte Einladungen zu Jugendgruppen oder Jugendtreffs, mit zusätzlicher Unterstützung durch jugendliche Buddies oder PatInnen leichter gelingen, in der neuen Gemeinde soziale Anknüpfungsmöglichkeiten zu finden. Jugendtreff Zwettl (NÖ) In Zwettl wurde in Containern ein eigener Jugendtreff eingerichtet, in dem sich Jugendliche unter Aufsicht zweier JugendbetreuerInnen zu freizeitpädagogischen Aktivitäten treffen können. Bereits in der Planungs- und Umsetzungsphase wurden Jugendliche aktiv miteinbezogen, um ihnen auch Verantwortung und demokratische Prinzipien, die in einem Projekt wichtig sind, zu vermitteln. Die Angebote für die Jugendlichen im Jugendtreff der Stadt erstrecken sich von Spiel- und Sportveranstaltungen bis hin zu Workshops und Bildungsveranstaltungen. 259 Die Angebote eignen sich laut Jugendtreff-Info auf der Gemeindehomepage auch für neu zugezogene Jugendliche, um Freundschaften zu schließen, denn da sind bestimmt Leute dabei, die dieselben Interessen haben wie du vgl. bzw vgl. Fedrizzi o.j., 13 bzw LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

81 Beispiele WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN Offenes Klassenzimmer in Wulkaprodersdorf (B) Foto: Projektteam Offenes Klassenzimmer Neben der Volksschule wurde in der Gemeinde Wulkaprodersdorf (B) im Zuge eines Dorferneuerungsprozesses ein Offenes Klassenzimmer gestaltet. Dabei handelt es sich um eine Grünfläche, die verschönert und mit einer großen Steintafel, einer Flachwasserzone und Schattenplätzen ausgestattet wurde. Zudem gibt es Hochbeete, eine Gerätehütte, einen Laufwall, ein Astsofa und eine Holzplattform für den Unterricht oder andere Veranstaltungen (wie z.b. ein Sommertheater) an der frischen Luft. Das grüne Areal soll für die Kinder Lernerfahrungs-, Spiel-, Erholungs- und Bewegungsraum zugleich sein. Kinder haben die Möglichkeit, Wandlungsprozesse der Natur zu beobachten und sich ausreichend zu bewegen. Das Offene Klassenzimmer wird aber nicht nur von den Kindern der örtlichen Volksschule und des Hortes genutzt, sondern es bietet der Gemeinde vielerlei Nutzungmöglichkeiten als Raum der Begegnung in der Natur. 261 SeniorInnen / Generationen Club der Generationen in Neudörfl (B) Foto: Andrea Lagler Der Club der Generationen in Neudörfl wurde von der Arbeitsgruppe Soziales, Kinder & SeniorInnen im Zuge eines Dorferneuerungsprozesses in der Gemeinde ins Leben gerufen. Ziel ist es, Menschen unterschiedlicher Altersgruppen Kinder, Eltern und Großeltern zu verbinden und dient dazu, dass die Generationen sich begegnen und miteinander, nicht nebeneinander leben. 262 Im Club der Generationen wird geplaudert, gespielt, gebastelt, gemalt und miteinander gelebt. Auf Gemeindeebene können zwischen Angehörigen der älteren und der jüngeren Generationen oft Konflikte entstehen. Regelmäßige übergenerationelle Treffpunkte in der Gemeinde, die dem gegenseitigen Kennenlernen und miteinander Gestalten gewidmet sind, können ähnlich wie im Club der Generationen Konflikten vorbeugen und das Miteinander fördern. 261 vgl. bzw. vgl. Klein 2012, vgl. bzw. vgl. Klein 2012, 11 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

82 Mobile Märchenecke Lesen macht mobil im Salzburger Stadtteil Parsch (S) Im Rahmen der Stadtteilentwicklung im Salzburger Stadtteil Parsch (vgl. Kapitel Miteinander leben) werden junge und alte Menschen zur Märchenecke eingeladen, wo Menschen allen Alters und jeder Kultur Märchen und Geschichten aus aller Welt vorlesen können. Die Märchenecke ist zudem mobil und findet an unterschiedlichen Orten im Stadtteil Parsch statt. Kinder und SeniorInnen erhalten in der Märchenecke auch die Möglichkeit, nachzufragen, Foto: Stadtteilentwicklungsverein Parsch Märchen nachzuspielen oder sie mit ihrem eigenen Alltag zu verknüpfen. Im Projekt Mobile Märchenecke werden im Speziellen Kindergärten, Volksschulen und SeniorInnenheime miteinbezogen. 263 Über das Thema Märchen oder Geschichten erzählen können auf Gemeindeebene jüngere und ältere Generationen, aber auch Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander in Kontakt kommen. Ältere Menschen bspw., die in einer Gemeinde neu zuziehen, haben hier soziale Anknüpfungsmöglichkeiten und die Chance, sich aktiv in die Gemeindegestaltung und hier im speziellen in die Kinderbetreuung einzubringen. Generationenspielplätze Generationenparks oder -spielplätze sind in den letzten Jahren zunehmend häufiger in Gemeinden zu finden. Die Idee dahinter ist, dass sich Spielplätze nicht nur für Kinder eignen, sondern dass diese moderne Begegnungszonen für Personen jeden Alters 264 sein können. Daher sind Generationenspielplätze oft nicht nur mit Spielgeräten für Kinder, sondern auch mit speziellen Trainingsgeräten für Erwachsene und SeniorInnen ausgestattet, an denen unter schriftlicher Anleitung Übungen für mehr Beweglichkeit und Fitness durchgeführt werden können. Darüber hinaus gibt es auf Generationenspielplätzen oft auch Erholungsplätze und Plätze der Begegnung und Kommunikation (z.b. in Pavillons), einen Trinkbrunnen, Bewegungsparcours, Sinnespfade, Balancierbalken, Crosstrainer, Weidentipis, Boccia-Bahnen oder Plätze mit Freiluftspielbrettern. In einer Publikation mit Statements und Projektbeispielen der Sozialen Dorferneuerung in Niederösterreich werden die Vorzüge des Spiels und der Generationenspielplätze sehr treffend hervorgehoben. Daraus leitet sich auch der Nutzen ab, den Generationenspielplätze für die Integration Zugezogener haben können: Der pädagogische Zweck des Spielens: es fördert Fantasie, Kreativität, Geschicklichkeit, Einfühlungsvermögen, Toleranzfähigkeit, geistige Beweglichkeit und Fähigkeit zu vernetztem Denken. Das Spielen erfüllt aber auch psychologisch-soziale Zwecke: die Sorgen und Belastungen des Alltags werden für kurze Zeit vergessen, Langeweile vergeht, Aggressionen werden spielerisch verarbeitet und abgebaut. Geselligkeit und Kommunikation beugt Krankheiten vor. Spielen ist ein gutes Rezept gegen Einsamkeit, Rückzug und düstere Stimmung vgl vgl. Fedrizzi o.j., Fedrizzi o.j., LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

83 Beispiele WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN Menschen mit Migrationshintergrund Grenzenlos Vorchdorf (OÖ) Foto: In der oberösterreichischen Gemeinde Vorchdorf werden seit einigen Jahren Maßnahmen im Bereich der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund umgesetzt. Diese sollen das Zusammenleben zwischen Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund fördern. 266 In Gemeinden, in denen viele Menschen mit Migrationshintergrund zuziehen, sind die nachfolgenden Aktivitäten in der Gemeinde Vorchdorf eine gute Möglichkeit der Integration. Wichtig ist allerdings, dass nicht nur Zugezogene, sondern auch Alteingesessene an den Aktivitäten teilnehmen, um der Wechselseitigkeit des Integrationsprozesses Rechnung zu tragen. Maßnahmen: Grenzenlos kochen (s. auch Beispiel Grenzenlos kochen in St. Andrä-Wördern): regelmäßiges Kochen und Essen von Gerichten aus allen Herkunftsländern Vorträge über das Christentum und den Islam Gemeinsames Feiern von religiösen Festen: z.b. Weihnachten und Ramadan Grenzenlos Singen: Lieder aus aller Welt Grenzenlos Fußballspielen: Fußball als verbindendes Element jenseits von religiösem oder kulturellem Hintergrund Sprachenbrunch: Deutschkenntnisse insbesondere von zugezogenen Frauen sollen verbessert werden Projekt X-Change: Prominente mit Migrationshintergrund vermitteln Jugendlichen ihre Erfahrungen 267 Interkultureller Gemeinschaftsgarten Innsbruck (T) Neben dem Gemeinschaftsgarten in Maria Anzbach (vgl. Kapitel Gemeinsam gestalten) gibt es auch interkulturell geführte Gärten, die als Orte der Begegnung zwischen Menschen unterschiedlicher kultureller, sozialer und religiöser Hintergründe dienen. Der Verein Gartenpolylog fasst die Vielzahl an Gemeinschaftsgärten, die mittlerweile in ganz Österreich aus dem Boden Foto: sprießen auf einer Plattform zusammen, berät bei der Umsetzung eines eigenen Gemeinschaftsgartens in der Gemeinde oder Stadt und setzt eigene Projekte um vgl. bzw vgl vgl. LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

84 Der interkulturelle Gemeinschaftsgarten in Innsbruck-Wilten versteht sich als Ort der Vielfalt und der Begegnung, [als] Ort des Miteinanders. 269 Menschen mit und ohne Migrationshintergrund können dort gemeinsam den Garten bewirtschaften; darüber hinaus lernen einander Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern kennen und können voneinander lernen (einerseits Deutsch sprechen / üben, andererseits Gartenwissen austauschen). Zudem tragen Gemeinschaftsgärten auch zu einem nachhaltigen und bewussten Lebensstil bei, indem Gemüse und Obst im Jahreskreislauf für den Eigengebrauch selbst gesät, geerntet und gegessen wird. 270 Grenzenlos Kochen in St. Andrä-Wördern (NÖ) Wie bereits im Kapitel Gemeinsam gestalten beschrieben, veranstaltet der Verein Grenzenlos St. Andrä-Wördern seit einigen Jahren Kochabende für Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern nach dem Motto: Multikulti auf den Kochplatten. Tiroler Knödel ziehen neben einem kurdischen Keska, Erbsen in Curry dünsten in Nachbarschaft einer tschechischen Krautsuppe. Es wird eng auf dem Herd, wenn grenzenlos gekocht wird. 271 Die Idee hinter den Kochabenden ist es, Menschen aus der Gemeinde zusammenzubringen, die einander zwar schon begegnet, aber nicht miteinander in Kontakt getreten sind. Neben Grenzenlos Kochen setzt der Verein Grenzenlos St. Andrä- Wördern folgende Maßnahmen in der Gemeinde um, die auch für andere Gemeinden im Hinblick auf die Integration Zugezogener mit Migrationshintergrund interessant sein könnten: Grenzenlos Spielen: verbindet Menschen über sprachliche, kulturelle und soziale Grenzen hinweg Sommerfest Integrationsmaßnahmen wie Deutschkurse, Tanz, Theater u.a. in Zusammenarbeit mit BewohnerInnen des Asylheims Greifenstein Literaturfrühshoppen: Bücher mitbringen, davon erzählen und daraus lesen Grenzenlos Fußball Grenzenlos Singen Märchen-Erzähl-Kreis für Erwachsene Puppentheater Werkstatt: gemeinsam kreativ sein (Quilts, Kleidung, Schmuck, Lampen, Textildruck und -veredelung) 272 Gemeinsam kochen, Fußball spielen, Literatur lesen, singen und kreativ sein sind Bereiche, die Menschen unabhängig von Herkunft, Alter, sozialem Hintergrund oder Geschlecht über ihre Interessen und Talente ansprechen. Die Teilnahme an Aktivitäten dieser Art ermöglicht es, mit Gleichgesinnten und -interessierten in der Gemeinde in Kontakt zu kommen, sich auszutauschen und voneinander zu lernen. 269 vgl vgl. bzw vgl. 84 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

85 Beispiele WIE ZUZUG GELINGT HINTERGRÜNDE, METHODEN Frauen / Männer Café Frauenzimmer in Kronstorf (OÖ) Das Café Frauenzimmer setzt sich zum Ziel, Frauen im Ort dabei zu unterstützen, miteinander in Kontakt zu kommen, sich gegenseitig kennenzulernen und sich auszutauschen. Das Café Frauenzimmer findet jeden ersten Samstag im Monat statt und widmet sich dabei immer einem bestimmten Schwerpunktthema (z.b. bestimmten Anliegen der Frauen oder bestimmten Zukunftsthemen). 273 Das Café Frauenzim- Foto: Marktgemeinde Kronstorf mer ist ein gutes Beispiel für Austausch und Kommunikation in einer geschlechtshomogenen Gruppe, die es speziell zugezogenen Frauen möglich macht, sich mit anderen Frauen im Ort zu vernetzen und über bestimmte Themen auszutauschen. Männertreff in Lichtenberg (OÖ) Auch für Männer gibt es in manchen Gemeinden oder Organisationen geschlechtshomogene Gruppen, wie bspw. Männerrunden oder -stammtische, die sich verstärkt männerspezifischen Fragestellungen und Themen widmen. So z.b. das Männertreff Lichtenberg, bei dem jeder Abend von einem anderen Teilnehmer vorbereitet und moderiert wird. Aktivitäten des Männertreffs sind bspw. Nachtwanderungen, Besuch von Vorträgen, Diskussionen über bestimmte Themen, Einstudieren und Singen von Liedern etc vgl vgl. LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

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87 Zusammenfassung Das vorliegende Handbuch Integration von ZuzüglerInnen in städtischen Umlandgemeinden ist das Ergebnis eines Projekts im Auftrag der LEADER-Region Weinviertel-Manhartsberg, durchgeführt im Rahmen des LEADER-Programms, das von Bund, Land und Europäischer Union kofinanziert wird. Im ersten Teil des Handbuchs wird das Phänomen der (Post-)Suburbanisierung und seine Ausprägungen näher beleuchtet: Wie verändert sich die Bevölkerung, welche Wanderungsbewegungen sind vorherrschend und welche Auswirkungen hat der Zuzug in städtischen Umlandgemeinden auf Verkehrsinfrastruktur und Siedlungsentwicklung? Welche Personengruppen siedeln sich tendenziell eher im städtischen Umland an und welche Motive und Erwartungen haben sie an ihren Zuzugsort? Wie bewerten die Gemeinde den steigenden Zuzug, welche Vor- und Nachteile erwachsen für sie daraus? Was versteht man unter Integration und welche Gelingensfaktoren und Hindernisse gibt es bei der Integration Zugezogener in der Gemeinde? In den letzten Jahrzehnten kam es zunehmend zu einer Ausdehnung der Kernstädte in das städtische Umland (Suburbanisierung). Grund dafür waren günstigere Grundstückspreise und der Wunsch nach Wohnen im Eigenheim, der sich am Stadtrand und in den städtischen Umlandgemeinden eher realisieren ließ. Zunächst hatten die Stadtumlandgemeinden vorwiegend Wohnfunktion, nach und nach siedelten sich aber auch Gewerbe-, Dienstleistungs- und Freizeitbetriebe an. Charakteristisch für städtische Umlandgemeinden sind daher Einfamilienhäuser sowie große Gewerbe- und Freizeitbetriebe mit ausreichend KundInnenparkplätzen und Lagermöglichkeiten. Jüngere Menschen mit überdurchschnittlichen Einkommen und hohem Bildungsniveau zählen zu jener Bevölkerungsgruppe, die eher aus der Kernstadt in das Stadtumland abwandert. Aufgrund der zunehmenden Verbauung des Stadtumlands lässt sich in der letzten Zeit beobachten, dass sich immer mehr Menschen auch in weiter entfernteren ländlichen Gemeinden ansiedeln (Postsuburbanisierung). Neben der starken Zersiedelung des Stadtumlands zählen das erhöhte Verkehrsaufkommen und eine gewisse Form der sozialen Selektion zu den negativen Folgen der (Post-)Suburbanisierung. Das Bevölkerungswachstum verläuft zwar von Region zu Region unterschiedlich, am meisten Zuzugsgewinne verzeichnen aber die Gemeinden in den Umlandbezirken rund um die Landeshauptstädte. Wanderungsbewegungen passieren meist lebensabschnittsspezifisch: jene, die höhere Bildung absolvieren möchten, siedeln sich in der Stadt an, jene, die ihren Wohnraum vergrößern möchten, siedeln sich im Stadtumland an. Problematisch an den Suburbanisierungstendenzen ist das erhöhte Verkehrsaufkommen. Der motorisierte Individualverkehr dominiert sowohl die Arbeits- als auch die Freizeitpendelbewegungen, da immer mehr Wohngebiete aufgrund zunehmender Verbauung nicht mehr in der Nähe öffentlicher Verkehrslinien liegen. Problematisch ist auch der steigende Flächenverbrauch und die Versiegelung der Landschaft durch zunehmenden Verbau mit Einfamilienhäusern. Wichtig in der Stadt-Umland-Entwicklung ist eine koordinierte Strategie, um den Herausforderungen (höheres Verkehrsaufkommen, zunehmender Flächenverbrauch etc.) besser begegnen zu können. Die Motive und Erwartungen an den Umzug in städtische Umlandgemeinden sind zwar vielfältig, es lassen sich aber materielle und immaterielle Motivlagen zusammenfassen: Wichtige Motive sind der Wunsch nach einem Eigenheim, das Vorhandensein von Freiräumen in Form eines eigenen Gartens oder von Grünflächen, die gute Erreichbarkeit von Arbeitsplatz und Freizeitmöglichkeiten und ein gesunder Lebensraum für Kinder. Unter den Zugezogenen finden sich oft (junge) Familien im Alter zwi- LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

88 schen 30 und 40 Jahren und ältere Menschen, die nach dem Pensionsantritt aus der Stadt in das Umland übersiedeln. Alteingesessene und Zugezogene unterscheiden sich hinsichtlich Altersstruktur, Bildungsniveau, Berufsstatus, Mobilität und Lebensstil: Zugezogene sind meist jünger, haben ein höheres Bildungsniveau, sind eher in Karenz, sind stärker mit ihrer Ursprungsstadt verbunden und pflegen einen individualisierteren Lebensstil, bei dem sich die vorhandenen sozialen Netzwerke stärker über die Gemeindegrenzen bis hin zur nächstgelegenen Großstadt (meist der Ursprungsstadt) ausdehnen. Für viele (kleinere) Gemeinden mit geringeren Zuzugsraten wäre vermehrter Zuzug aus anderen Gemeinden oder Städten durchaus wünschenswert. Empirische Befragungen zeigen, dass viele Gemeinden Jungfamilien bzw. generell junge Menschen unter den ZuzüglerInnen präferieren. Lage, Lebensqualität und Infrastruktur sind jene Kriterien, die die Attraktivität von Gemeinden am meisten ausmachen. Gemeinden bemühen sich zunehmend darum, ihre Attraktivität durch entsprechende Maßnahmen (leistbares Wohnen, Ausbau von Kindergärten und Schulen, Verbesserung der Nahversorgung etc.) zu steigern. Gemeinden bevorzugen bei den Wohnformen eine offene Bebauung am Ortsrand, wenngleich zunehmend auch die Revitalisierung von bestehender Bausubstanz im Ortskern gefördert wird. Sowohl bei gesellschaftspolitischen Maßnahmen (Sicherstellung und Weiterentwicklung von Infrastruktur) als auch bei den raumordnungsspezifischen Maßnahmen (Wohnbau) sind gemeinsame gemeindeübergreifende Strategien sowie Kooperationen und Synergien wichtig. Integration in Gemeinden betrifft alle Bevölkerungsgruppen, die neu in die Gemeinde zuziehen: Kinder und Jugendliche, junge Familien, ältere Menschen, Frauen und Männer, Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit Behinderung etc. Integration kann als wechselseitiger, mehrstufiger Prozess verstanden werden, der auf der einen Seite Integrationsbereitschaft von Alteingesessenen und Zugezogenen und auf der anderen Seite Integrationsbemühungen durch die Gemeinde und örtliche Gruppen und Vereine erforderlich macht. In empirischen Erhebungen hat sich gezeigt, dass sowohl Alteingesessene und Zugezogene als auch die Gemeinden die Integration von ZuzüglerInnen positiv bewerten. Gemeindeeigene Einrichtungen (Kindergärten, Schulen, Vereine etc.) spielen im Integrationsprozess eine wichtige Rolle. Die persönliche Ansprache und Information von Zugezogenen, Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung zum Thema Integration, regelmäßige Veranstaltungen (und nicht einmalige Aktivitäten) und niederschwellige Orte der Begegnung zum gegenseitigen Kennenlernen und zur Kommunikation sind einige der wesentlichen Faktoren für eine gelingende Integration, die aus Praxisbeispielen abgeleitet werden können. Der zweite Teil des Handbuchs widmet sich Good-Practice-Beispielen und methodischen Tipps für die Integration von Neu-Zugezogenen. Dafür wurden die Praxisbeispiele zum einen in einen mehrstufigen Prozess eingegliedert und zum anderen nach Zielgruppen sortiert, um einen guten Überblick zu gewährleisten: nach den Stufen Informieren, Kennenlernen, Gemeinsam gestalten und Miteinander leben und nach verschiedenen Zielgruppen wie (Junge) Familien, Kinder und Jugendliche, SeniorInnen / Generationen, Menschen mit Migrationshintergrund, Frauen / Männer. Die recherchierten Good- Practice-Beispiele, die den jeweiligen Schritten und Zielgruppen zugeordnet wurden, stammen aus dem Erwachsenenbildungsbereich, aus dem Regional- und Kommunalentwicklungsbereich und aus dem sozialen Bereich. 88 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

89 Literaturverzeichnis Amt der Oberösterreichischen Landesregierung (2008): Integration vor Ort. Regionale Informationsund Diskussionsveranstaltung zu den Ergebnissen und Umsetzungsmöglichkeiten des Integrationsleitbildes Oberösterreich. Online im WWW unter: xbcr/sid AAA2283/ooe/RegVerII_Bericht_ENDF.pdf Bauer-Wolf, Stefan; Roth, Michael C. M.; Baumfeld, Leo; Riesenfelder, Andreas (2003): Stadt-Umland Migration Wien - Erforschung zielgruppenspezifischer Interventionspotentiale. Endbericht. Baumfeld, Leo; Plicka, Petra (2005): Großgruppeninterventionen. Das Praxisbuch. Herausgeber: ÖAR- Regionalberatung GmbH. Online im WWW unter: BertelsmannStiftung (o.j.): Zehn Handlungsempfehlungen. Erfolgsfaktoren für kommunale Integrationspolitik. Online im WWW unter: Büchel-Kapeller, Kriemhild (2011): Vom Ich zum Wir kompetent engagiert mit Zämma. In: LER- NENDE-REGIONEN.AT. Magazin der Lernenden Regionen in Österreich, März Herausgeber: Österreichisches Institut für Erwachsenenbildung. Online im WWW unter URL: S. 8 Dastel, Beate (2005): Suburbanisierungstendenzen im nördlichen Wiener Umland unter dem Aspekt der Wohnbauentwicklung und der Qualität der Wohnstandorte. Wien: Unveröffentlichte Diplomarbeit. Diekmann, Andreas (1998): Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt. Fassmann, Heinz (2009): Stadtgeographie I. Allgemeine Stadtgeographie. Braunschweig: Westermann. Fassmann, Heinz (2011): ÖREK AGII Gesellschafts- und Bevölkerungsentwicklung. Orientierungspapier 3. Fassung: Jänner Österreichisches Raumentwicklungskonzept ÖREK Download unter: AGs/2._AG_II_Bevoelkerung/AGII_Orientierungspapier_2010_01_12_.pdf Fedrizzi, Marisa (o.j.): Soziale Dorferneuerung in NÖ. Statements, Analyse und Projektbeispiele. Herausgeber: NÖ Dorf- und Stadterneuerung. Verband für Landes-, Regional- und Gemeindeentwicklung. Online im WWW unter URL: Fischer, Michael; Proinger, Eva; Thien, Klaus (2009): Regionale Bildungsbedarfserhebung. Theorien, Prozesse und Methoden für eine partizipative Umsetzung. Herausgeber: Österreichisches Institut für Erwachsenenbildung. Wien: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW). Download unter: LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

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91 Österreichisches Institut für Erwachsenenbildung (oieb) (2012b): Befragung von österreichischen Gemeinden zum Thema Zuzug (unveröffentlichte Fragebogenerhebung). Österreichische Raumordnungskonferenz, ÖROK (2011): Österreichisches Raumentwicklungskonzept ÖREK Online im WWW unter URL: Raum_u._Region/1.OEREK/OEREK_2011/Dokumente_OEREK_2011/OEREK_2011_DE_Downloadve rsion.pdf Pinter, Helena (2005): Wohnsuburbanisierung in der Agglomeration Wien. Eine empirische Analyse der individuellen Motive für die Wahl des Wohnstandortes in den suburbanen Gemeinden Perchtoldsdorf, Kottingbrunn und Felixdorf. Wien: Unveröffentlichte Diplomarbeit. Plattform Partizipation & nachhaltige Entwicklung in Europa: Rachow, Alex (Hg.) (2010): Spielbar II. 66 Trainer präsentieren 88 Top-Spiele aus ihrer Seminarpraxis. Bonn: managerseminare Verlags GmbH. Rachow, Alex (2012): Ludus & Co. Didaktische Spiele für alle, die in und mit Gruppen arbeiten. Bonn: managerseminare Verlags GmbH. Schipfer, Rudolf Karl (2005): Der Wandel der Bevölkerungsstruktur in Österreich. Auswirkungen auf Regionen und Kommunen. Österreichisches Institut für Familienforschung. Download unter: Schmidt, Katharina (2012): Die Stadt muss in den Randgebieten kompakter werden. Thomas Madreiter, Leiter der Wiener Stadtplanung im Interview. In: Wiener Zeitung (4. September 2012), S. 5. Statistik Austria (2004): Volkszählung. Berufspendler. Online im WWW unter URL: endler/publdetail?id=38&listid=38&detail=282 Statistik Austria (2012): Registerbasierte Statistiken. Pendelzielstatistik (RS). Kalenderjahr Abstimmte Erwerbsstatistik 2010, Volkszählung Online im WWW unter URL: endler/publdetail?id=38&listid=38&detail=646 Stelzer, Irmgard; Garczyk, Sophia; Streissler, Anna (2012): bildung.nachhaltig.regional. Aspekte einer Bildung für nachhaltige Entwicklung für RegionalentwicklerInnen und BildungspraktikerInnen. Herausgeber und Verleger: FORUM Umweltbildung. Wien: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW). Online im WWW unter URL: Strahl, Wibke ( 2007): Wienerwald nachhaltige Suburbanisierung? Eine siedlungsgeographische Analyse zur Bewertung der Wirksamkeit von Schutzgebieten im suburbanen Raum am Beispiel des Landschaftsschutzgebietes Wienerwald. Wien: Unveröffentlichte Diplomarbeit. LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

92 Tötzer, Tanja / Loibl, Wolfgang / Steinnocher, Klaus (2009): Flächennutzung in Österreich. Jüngere Vergangenheit und künftige Trends. In: Wissenschaft & Umwelt, Interdisziplinär 12 / 2009, S Verkehrsclub Österreich (VCÖ) (2013): Projekt Intermodale Schnittstellen zwischen hochrangigem Straßennetz und Öffentlichem Verkehr. Zusammenfassung der VCÖ-Umfrage unter Pendelnden. Online im WWW unter URL: Verkehrsclub Österreich (VCÖ) (2012): Parkgebühren verringern Verkehr. Factsheet zum VCÖ- Hintergrundbericht Parkraumbewirtschaftung in Wien. Online im WWW unter URL: Weber, Gerlind; Fischer, Tatjana (2009): Gehen oder Bleiben? Die Motive des Wanderungs- und Bleibeverhaltens junger Frauen im ländlichen Raum in der Steiermark und die daraus resultierenden Handlungsoptionen im Rahmen der Lokalen Agenda 21-Prozesse. Studie im Auftrag der Fachabteilung 19D Abfall- und Stoffflusswirtschaft des Amtes der Steiermärki-schen Landesregierung. Wurzenberger, Sabine (2004): Zuagroast und Ånkumma. Ein Integrationsprojekt für NeubürgerInnen in der Gemeinde Neuhofen an der Krems. Online im WWW unter URL: 5_zuagroast_wurzenberger.pdf Wurzenberger, Sabine (2006): Zuagroast und ankumma? Integration Zugezogener. Online im WWW unter URL: Zacharia, Gabriele (2004): Motivation und Zufriedenheit von Zuzüglern ins Wiener Umland. Österreichisches Institut für Erwachsenenbildung. 92 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

93 Kurzfragebögen Kurzfragebogen zum Welcome Meeting / Tag der Vereine der Gemeinde Ziersdorf: Franz Klepp (Gemeindebediensteter in Ziersdorf, Sachbearbeiter Meldewesen und Vereinswesen sowie Mitorganisator des Welcome Meetings ) Kurzfragebogen zum Projekt Zuagroast und Ankummma. Ein Integrationsprojekt für NeubürgerInnen in der Gemeinde Neuhofen an der Krems : Sabine Wurzenberger (Mitarbeiterin der SPES Zukunftsakademie) Kurzfragebogen zum Projekt Zämma leaba z Götzis : Daniel Lins (Mitarbeiter der Sozialdienste Götzis) Kurzfragebogen zu den Aktivitäten des Stadtteilentwicklungsvereins Parsch: Magdalena Rücker (Mitwirkende des Vereins Stadtteilentwicklung) Kurzfragebogen zur Tullner Initiative Netzwerk Nachbar : Julia Schwanzer (Mitarbeiterin des Stadtamtes Tulln) Kurzfragebogen zum Willkommenstreff für Zugezogene der Gemeinde Lochau: Ingrid Hörburger (Integrationsbeauftragte in Lochau) LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

94 94 LERNENDE REGIONEN Eine Maßnahme im Programm für Ländliche Entwicklung

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Mobilität in der Schweiz. Wichtigste Ergebnisse des Mikrozensus Mobilität und Verkehr 2010. Mobilität und Verkehr 899-1000. 11 Mobilität und Verkehr 899-1000 Mobilität in der Schweiz Wichtigste Ergebnisse des Mikrozensus Mobilität und Verkehr 2010 Bundesamt für Statistik BFS Bundesamt für Raumentwicklung ARE Neuchâtel, 2012

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