Das Museum von Babel Wissen und Wissensvermittlung in der digitalen Gesellschaft

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1 Fachkonferenz, November 2014, Frankfurt am Main Das Museum von Babel Wissen und Wissensvermittlung in der digitalen Gesellschaft

2 Fachkonferenz, November 2014, Frankfurt am Main Das Museum von Babel Wissen und Wissensvermittlung in der digitalen Gesellschaft Sind Museen digitalisierbar? Wie verändert die digitale Revolution die Museen ihre Forschung, ihre wissenschaftlichen Sammlungen, ihr Ausstellungswesen, ihre Vermittlungsaufgabe und -tätigkeit? Um nach Antworten zu suchen und Chancen wie Herausforderungen zu benennen, läd das Wissenschaftsjahr 2014 Die digitale Gesellschaft zusammen mit der Leibniz-Gemeinschaft Interessierte zu einer Fachkonferenz nach Frankfurt ein. Die Idee der phantastischen Bibliothek von Babel stellte der argentinische Schriftsteller Jorge Luis Borges Ende der 1930er Jahre vor: Diese Universalbibliothek beschreibt er als den utopischen Ort, an dem alle überhaupt möglichen Texte, d. h. alle Kombinationen eines begrenzten Zeichensatzes, in Form einzelner Bücher versammelt sind. So seien dort also alle großen Epen, Dramen und Dichtungen einer jeden Sprache archiviert, die jemals geschrieben werden können. Vorhanden wären diese Werke in allen kleineren und größeren Textvarianten, von Ausgaben mit einzelnen Druckfehlern bis zu alternativen Handlungsverläufen. Doch diese wertvollen Schriftstücke verlören sich freilich in den zwar endlichen, aber unvorstellbaren Weiten der Bibliothek: Die überwiegende Mehrheit ihrer Bücher enthielte Zeichenfolgen, die sich in überhaupt keiner Sprache sinnvoll deuten ließen. Für die zwischen Bücherregalen lebenden Bewohner dieser fiktiven Welt ist es daher schon ein großes Glück, auf ein Buch mit nur einem einzigen für sie verständlichen Satz zu stoßen: Borges hält fest, dass in der Bibliothek von Babel der Unsinn an der Tagesordnung ist und daß das Vernunftgemäße (ja selbst das schlicht und recht Zusammenhängende) eine fast wundersame Ausnahme bildet. Der Brückenschlag von Borges Nicht-Ort zu unserer gegenwärtigen digitalen Gesellschaft, mit ihrer praktisch unendlichen Datenflut, dürfte jedem leicht gelingen, der schon einmal versucht hat, das allwissende Netz zu Rate zu ziehen, um sich eine beliebige Alltagsfrage zu beantworten und in einschlägigen Foren zu jeglicher Behauptung auch ihre Gegenrede fand. Die Digitalisierung unserer Lebenswelt ermöglicht in ihren vielfältigen Erscheinungsformen große Schritte auf dem Weg zu einem Museum von Babel: Dieses hypothetische Über-Museum besitzt ein praktisch allumfassendes Archiv und alle Möglichkeiten der Forschung, ist kommunikativ total vernetzt und es stehen ihm alle Darstellungsmittel zur Verfügung. In der Folge wären Ausstellungen zu jedem erdenklichen Thema realisierbar. Entscheidend ist aber, nicht zu viele Schritte in Richtung Babel zu gehen, denn das Voranschreiten gefährdet die Signifikanz der Inhalte: Man riskiert beispielsweise Sammlungen, in denen der Forscher alles finden kann und nichts mehr findet (sogenannte Ansammlungen ), Ausstellungen, die sich in ihren Darstellungsmodalitäten verlieren, oder einen Informationsüberfluss, der jedem alles bietet aber niemanden anspricht. Die Konferenz setzt inhaltlich an genau diesem Punkt an: In Vorträgen und Workshops werden die Möglichkeiten digitaler Methoden, Hilfsmittel und Medien vorgestellt und ihr Werkzeugcharakter kritisch hinterfragt. Nach einem Festvortrag am Mittwochabend und einer inhaltlichen Eröffnung am morgen können sich die Konferenzteilnehmer aus jeweils drei parallel stattfindenden Themenschienen zu Sammlungen & Museumsforschung, Ausstellung & Vermittlung sowie Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit in mehreren Zeitblöcken ein individuelles Programm zusammenstellen. Am abend wird ihnen außerdem eine Podiumsdiskussion und ein Konferenzdinner im Senckenberg Naturmuseum geboten. Weitere Informationen sowie die Anmeldung auf Konferenzprogramm Mittwoch, 12. November 17:00 Uhr Akkreditierung im Konferenzhotel 19:00 Uhr Sektempfang und Begrüßung 19:15 Uhr Festvortrag: Das Museum von Babel oder ein Museum ohne Hierarchien? Prof. Dr. Martin Roth, Victoria and Albert Museum Das Verhältnis von Museen und neuen Technologien war stets ein angstbeladenes: Museen fürchteten um ihre Existenzberechtigung, anstatt die Chancen und Potentiale zu erkennen. Panorama, Film und TV, Video und das Digitale, all dies und viel mehr bedeutete das vermeintliche Ende für die Museumswelt. In Wirklichkeit eröffneten neue Technologien stets neue Perspektiven, egal ob für die kommerzielle Dimension der Kultur, die Wissensspeicherung, das Marketing, das Wissen über die Besucher Visitor Experience oder die Verwaltung und Nutzung der Depots. E20 ist das Kürzel für ein neues Vorhaben des V&A. An diesem Beispiel würde ich Ihnen gerne darlegen, wie ich mir die postdigitale Zukunft der Museumswelt vorstelle und welche Chancen und Risiken sich für die Museen damit verbinden. 20:00 Uhr Get together, 13. November 08:30 Uhr Akkreditierung im Konferenzhotel 09:00 Uhr Begrüßung und inhaltliche Eröffnung 09:30 Uhr Eröffnungsvortrag: Sammlungen & Museumsforschung Prof. Dr. Wiebke Ahrndt, Übersee-Museum Bremen 10:00 Uhr Eröffnungsvortrag: Ausstellung & Vermittlung Dr. Peter-René Becker, Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg 10:30 Uhr Eröffnungsvortrag: Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit Prof. Dr. Holger Simon, Universität zu Köln; Pausanio GmbH & Co.KG 11:00 Uhr Kaffeepause 11:20 Uhr Beginn der drei parallelen Panel-Schienen

3 Panel 1 Sammlungen & Museumsforschung Leitung: Dr. Eberhard Schindler 11:20 Uhr Drum prüfe, wer sich ewig bindet Digitale Langfristsicherung von Forschungsdaten in den Sozialwissenschaften Oliver Watteler, GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften Digitalisierung bietet viele Chancen, ist jedoch mit eigenen Kosten und Herausforderungen verbunden. Die digitale Langzeitarchivierung ist einer der wesentlichen Kostenfaktoren. Am Beispiel der empirischen Sozialforschung geht der Vortrag auf Erfahrungen ein, die sich aus technischen Umbrüchen in den vergangenen 50 Jahren für diese Langzeitarchivierung ergeben. 11:40 Uhr Nur hübsche Bildchen in 3D Wie mangelnde Dokumentation des Scanvorgangs 3D-Digitalisate wissenschaftlich wertlos macht Dr. Heinrich Mallison, Museum für Naturkunde 3D-Digitalisate werden in Ausstellungen und in der Forschung immer wichtiger. Angesichts hoher Kosten darf eine ausstellungsorientierte Digitalisierung diese Doppelnutzung nicht ignorieren. Oft wird aber unzureichend dokumentiert, mit welchen Parametern, resultierender Genauigkeit und lokaler Unschärfe digitalisiert wurde. Werden diese Digitalisate für Forschungszwecke genutzt, fehlt es an der Nachvollziehbarkeit, ein Verstoß gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis. Abhilfe könnten einfach zu verwendende internationale Standards für die Dokumentation von Digitalisierungsvorgängen schaffen, die aus hübschen 3D-Bildern langfristig nachnutzbare Forschungsdaten machen. Panel 2 Ausstellung & Vermittlung Workshop 11:20 Uhr Museen in der digitalen Transformation Dr. Carsten Hentrich, PwC Dr. Gregor Hagedorn, Museum für Naturkunde Zu Beginn beschreiben wir die Situation von Forschungsmuseen, die zunehmend mit bedeutenden und umfangreichen Sammlungen in einer Zwickmühle stehen, am Beispiel des Museums für Naturkunde Berlin: Sie müssen die physischen Sammlungen erhalten, sie mit sehr hohem Aufwand digitalisieren, für die Besucher in den Räumen pädagogisch aufbereiten, für Wissenschaftler im Haus und mit den nötigen Einschränkungen online für internationale Zusammenarbeit nutzbar machen, insgesamt neu digital kommunizieren und dies alles ohne zusätzliche Stellen und Mittel. Anschließend möchten wir PwC s Sicht auf die Digitale Transformation beschreiben. Insbesondere beschreiben wir hierbei digitale Trends und die Auswirkung auf Gesellschaft, Unternehmen und Organisationen. Im Rahmen dieser Darstellung beschreiben wir anhand des PwC 4-Wellen-Modells die digitale Reifeentwicklung von ausgewählten Museen. Dabei klären wir, in welcher Digitalisierungswelle sich diese Museen momentan befinden. Anhand dieses Museen-Benchmarks und hieraus abgeleiteter Handlungsempfehlungen im Bereich der Digitalisierung erstellen wir eine exemplarische digitale Roadmap für Museen. 12:00 Uhr Vom Sinn und Unsinn der Digitalisierung entomologischer Sammlungen Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf die Forschung? Alexander Kroupa, Museum für Naturkunde Die Digitalisierung entomologischer Sammlungen stellt für Museen und Universitäten, mit ihrer Vielzahl genadelter Objekte, eine gewaltige Herausforderung dar. Es erfordert großen finanziellen und personellen Aufwand, hochauflösende Bilder der Objekte und Transkriptionen der Etiketten zu erstellen. Verschiedene Digitalisierungsansätze haben zudem jeweils spezifische methodologische wie sammlungspraktische Vor- und Nachteile, zudem lassen sie sich nicht immer auf alle taxonomischen Gruppen bzw. Sammlungsteile gleichermaßen anwenden. Inwiefern ist die ihnen entgegengebrachte Skepsis angebracht; inwieweit verändert die Digitalisierung die (entomologische) Forschung? 12:20 Uhr Der Weg ist das Ziel Erfahrungen aus der Digitalisierungspraxis Dr. Eckhard Groll, Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut (SDEI) Bibliothek und Archiv des Senckenberg DEI beinhalten bedeutende Informationsquellen für Entomologen und so manchen verborgenen Schatz. Bis zu deren vollständigen Digitalisierung und Bereitstellung für die Öffentlichkeit ist ein steiniger und langwieriger Weg zurückzulegen. Anhand von abgeschlossenen und laufenden Projekten werden Absicht, zu bewältigende Probleme und Lösungsansätze dargestellt. 12:40 Uhr Diskussion 13:00 Uhr Mittagspause 13:00 Uhr Mittagspause

4 Panel 3 Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit Panel 1 Sammlungen & Museumsforschung Leitung: Dr. Sören Dürr Leitung: Sebastian Lotzkat 11:20 Uhr Von virtuellem Glanz und realer Mühsal Dr. Frank P. Bär, Germanisches Nationalmuseum Schnell, viel, überall, leicht konsumierbar, schick, interaktiv, bürgernah so soll Kulturgut präsentiert werden, um Museen zu füllen, am liebsten mit jungen Menschen. Doch: Kann das eigentlich gelingen? Woher stammt eigentlich das überalterte Museumspublikum? Wie nachhaltig ist die Welt 2.0? Was geschieht mit all dem Datenmüll, der den Weg ideenreicher Präsentationskonzepte säumt? Und wohin mit den Originalobjekten? Fragen über Fragen eines Museumsmanns der Generation D wie Digitalisierung und einige Einblicke in die Niederungen des analog-digitalen Museumsgeschäfts. 11:40 Uhr Kollaboratives Arbeiten und Wissenschaftskommunikation im Forschungsmuseum Der Wiki-Ansatz im wissenschaftlichen Umfeld Eva Patzschke, Museum für Naturkunde In der Wissenschaft werden oft Wiki-Plattformen eingesetzt, mit denen Inhalte kollaborativ erarbeitet werden können. Die Möglichkeiten werden jedoch in Museen und anderen wissenschaftlichen Instituten häufig nicht ausgenutzt. Der Technikeinsatz scheitert oft an der mangelnden Akzeptanz. Welche Voraussetzungen sind wichtig, um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Erstellung von Inhalten zu beteiligen, bei denen das Wissen der Vielen zusammengetragen und nutzbar gemacht wird? 12:00 Uhr Kommunikation mittels digitaler Medien in Museen Zwischen best practice und worst case Dr. Hans von Seggern, tonwelt GmbH Digitale Medien sind Alleskönner. Und immer mehr Museumsbesucher verfügen über Smartphones, die nur darauf warten, mit intelligenten Applikationen gefüttert zu werden. Wie können Museen den Trend zur zunehmenden Mobilität des digitalen Lernens am besten für sich nutzen und ihr Vermittlungskonzept darauf abstimmen? Wie nachhaltig werden Bildungsinhalte über mobile Applikationen wirklich transportiert? Wie viel WiFi, Web 2.0, AR, RFID, NFC, Bluetooth & Co braucht das Museum heute? Und was bedeutet eigentlich die Meldung: Fehler 918? 12:20 Uhr Der vernetzte Besucher Wie wird das Smartphone im Museum eine Bereicherung? Tanja Neumann Die Mehrheit der Deutschen ist in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter angemeldet und hat ihr Smartphone immer dabei. Museumsbesucher, die auf diesen Plattformen aktiv sind, teilen ihre Eindrücke häufig direkt mit dem eigenen Netzwerk. Gerne versuchen sie auch, auf diesem Weg mit dem Museum in Kontakt zu treten. Für die Institutionen entstehen daraus neue Herausforderungen, aber auch Chancen. Wie tritt man an den vernetzten Besucher heran, welche Formate sprechen ihn an? Wie vermeidet man negative Meldungen und gewinnt ihn als Fürsprecher und Multiplikator? 12:40 Uhr Diskussion 14:00 Uhr Digital all over? Von der Entwicklung einer digitalen Strategie Dr. Antje Schmidt, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg Die Digitalisierung musealer Objekte wird auch heute noch häufig getrennt von der späteren Nutzung der Daten und Wissensvermittlung an verschiedene Interessensgruppen. Dabei kann die digitale Erschließung von Museumsobjekten in einer Datenbank als zentral angesehen werden für die Erfassung und Erforschung einerseits, aber auch für die digitale Vermittlung der Museen andererseits. Die Entwicklung einer digitalen Gesamtstrategie bietet dabei die Möglichkeit, neue Zugänge (z.b. über Online-Präsentationen) zu heterogenen Sammlungen wie im Museum für Kunst und Gewerbe zu schaffen und neues Wissen zu generieren. 14:20 Uhr Digital Asset Managment Schnittstelle zum Sammlungsmanagement Jun.-Prof. Dr. Ruth Schilling / Dipl.-Ing. Birgit Schindler, Deutsches Schiffahrtsmuseum Digital Asset Management wird zurzeit am Deutschen Schiffahrtsmuseum im Rahmen des Pilotprojekts Vergnügungsreisen und Kreuzschiffahrt praktiziert. Darüber hinaus sollen zukünftig Terminals in den Ausstellungen Objekte, die nicht gezeigt werden können, sichtbar machen sowie auch vertiefende Informationen bereitstellen. Drittens ist eine Anwendung des Digital Asset Management bei der Aufnahme und Auswertung von einzelnen Quellenkonvoluten geplant. Birgit Schindler wird über diese aktuellen und zukünftigen Entwicklungen aus der Sicht des IT-Managements referieren. Ruth Schilling wird diese Maßnahmen aus museums- und sammlungstheoretischer Perspektive kommentieren. 14:40 Uhr Museum öffne Dich Vernetztes Kuratieren und Open-Contentstrategien für die digitale Gesellschaft Dr. Helge David, Open Data, Open Access, OpenGLAM die Digitalisierung erschließt Bestände und Schätze von Sammlungen, Archiven, Bibliotheken, Museen. Allein das europäische Vorzeigeprojekt, die EUROPEANA, hat innerhalb von nur fünf Jahren 30 Millionen Digitalisate online gestellt: Fakten, Fotos, Filme, Audio. Wie lassen sich diese wachsenden Mengen an Daten als sinnvolle Informationen und bereichernde Eindrücke im Museum einsetzen? Vernetzte Kuratierung nutzt gezielt den Einsatz digitaler Inhalte im Museum, um Exponate zu bereichern und Partizipation zu ermöglichen. Zudem gibt es Ansätze, wie Daten durch offene Schnittstellen und kreatives coden sinnvoll gefiltert und neu erschlossen werden können. 15:00 Uhr DNA-Barcoding Von Meinung zu digitalen taxonomischen Daten Prof. Dr. Markus Pfenninger, Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) DNA-Barcoding, die Referenzierung von biologischen Individuen zu evolutionären Einheiten aufgrund von genetischen Markern, bietet die Chance, museale Belegexemplare mit objektiven digitalen Daten zu versehen und somit ihre taxonomische Klassifizierung nachvollziehbar zu machen. Der Vortrag lotet die Möglichkeiten und Begrenzungen dieses Ansatzes für die museale Archivierung biologischer Sammlungsobjekte aus. 15:20 Uhr Diskussion 13:00 Uhr Mittagspause 15:40 Uhr Kaffeepause

5 Panel 2 Ausstellung & Vermittlung Panel 3 Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit Leitung: Dr. Angela Jannelli Leitung: David Ziegler 14:00 Uhr Die szenografische Darstellung des Immateriellen Prof. Dr. Gerhard Kilger Durch die Nutzung neuer Medien wird zukünftiges Publikum zunehmend an ikonografische Kommunikation gewohnt sein. Insofern werden Vermittlung und Rezeption von Darstellungsinhalten wesentlich durch visuelle Gestaltungsmethoden bestimmt. Viele Ausstellungen sind darüber hinaus auf die semantische Darstellung von Themen angewiesen. An Beispielen werden szenografische Methoden zur Darstellung des Immateriellen gezeigt. 14:20 Uhr Das digital erweiterte Exponat im Museum der Zukunft Prof. Dr. Daniel Gilgen, Hochschule Trier Museen sind Orte des gemeinsamen Erlebens und Begreifens von Wissen. Traditionell geschieht dies anhand realer Ausstellungsstücke. Ihre Präsenz und Authentizität ist entscheidend. Ein digital erweitertes Exponat nutzt diese Qualitäten und kann vom Erzeugen einer ersten Aufmerksamkeit über die Wissensvermittlung bis hin zum Aufbau einer dauerhaften Verbindung mit dem Besucher Kommunikationsprozesse verbessern. Der Vortrag zeigt schrittweise den Erlebnisprozess Museumsbesuch auf und macht dabei anhand von zukunftsweisenden Entwicklungen das ideale Verschmelzen von physischen Exponaten mit digitalen Medien deutlich. 14:40 Uhr Push the Button! Medieneinsatz in Ausstellungen Corinna Endlich, Kulturhistorisches Zentrum Westmünsterland Audioguides, Medientische, Pepper s Ghost-Installationen mediale Rundgänge durch und Medienstationen in den Ausstellungen bieten vertiefende Inhalte und ermöglichen der Forschung, ihr Wissen an die Besucher/innen zu transportieren. Gleichzeitig erzeugen sie Emotionalität und können schlichtweg auch nur ein Unterhaltungsmoment sein. Ausgerichtet auf die Bedürfnisse der Nutzer ist der Einsatz von Medien in Museen dann erfolgreich, wenn die Konzeption von Beginn an in die Ausstellungsplanung mit berücksichtigt wird. Beispielhaft sollen Wege und Möglichkeiten innerhalb des Projektmanagements Ausstellung aufgezeigt werden. 15:00 Uhr Learning by Gaming Neue Wege der Wissensvermittlung Ulrike Sturm, Museum für Naturkunde Wissensvermittlung für Heranwachsenden sollte, gerade im außerschulischen Bereich, über von der Zielgruppe akzeptierte und präferierte Methoden erfolgen. Im Gegensatz zu den oft negativen Assoziationen zum Lernen, werden Computerspiele mit Aspekten wie Vergnügen oder Unterhaltung in Verbindung gebracht. Für die Wissensvermittlung bietet der Einsatz des Mediums Computerspiel den Museen neue Möglichkeiten, problematische Zielgruppen anzusprechen und für naturkundliche Themen zu interessieren. Im EU-finanzierten Projekt Europeana Creative entsteht in einer Kooperation von Projektpartnern aus der Kreativindustrie und zwei renommierten Naturkundemuseen ein Adventure Game für ipads. 15:20 Uhr Diskussion 14:00 Uhr Bürger schaffen Wissen Stand und Perspektiven von Citizen Science in Deutschland Dr. Katrin Vohland, Museum für Naturkunde Berlin Zum einen haben Bürgerwissenschaften über Fachgesellschaften und naturwissenschaftliche Vereine eine lange Tradition in Deutschland; zum anderen gibt es aktuell ein großes, auch mediales, Interesse an Citizen Science. Die einzelnen Initiativen bilden nationale und internationale Netzwerke, arbeiten an Qualitätsstandards, und werden in gesellschaftlichen und politischen Prozessen immer sichtbarer. Dieser Trend wird vorgestellt und diskutiert. 14:20 Uhr Neue Netzwerke Die Rolle digitaler Technologien beim Aufschwung der Citizen Science Dr. Sascha Dickel, Technische Universität München Mit seiner Entwicklung hin zum Web 2.0 wurde das Internet zunehmend als Katalysator einer Emanzipation der Bürger betrachtet: weg von ihrem Status als bloßem Publikum und hin zu aktiven Gestaltern und Co-Produzenten. Mit digitaler Citizen Science hat diese Entwicklung nun auch die Wissenschaft erreicht ein Funktionsbereich der modernen Gesellschaft, der wie kein anderer durch einen Ausschluss der Laien und Amateure und einen zertifizierten Expertenstatus charakterisiert ist. In der digitalen Citizen Science beginnen sich nun neue Netzwerke zwischen Experten und Laien, Technik und Sozialem zu etablieren eine Entwicklung, welche die Wissenschaft selbst verändert? 14:40 Uhr Das Gläserne Forscherlabor Vom Museum ins World Wide Web Magdalena Brunner / Dr. Frank Trixler, Deutsches Museum Das Gläserne Forscherlabor im Deutschen Museum verfolgt das Ziel, naturwissenschaftliches Denken sowie Kompetenzen zur Forschungsmethodik der interessierten Öffentlichkeit zu vermitteln. Im Zentrum eines neuen Projektes zur Wissenschaftskommunikation des Labors steht die Entwicklung von Formaten für das World Wide Web, bei denen die Anwender als Forscher agieren und dabei spielerisch systematische naturwissenschaftliche Problemlösungsstrategien kennen lernen. 15:00 Uhr Real-life Crowd Bürger-Technik-Wissenschaften im FabLab Christoph Schneider / Julia Hahn, Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) Bürger-Technik-Wissenschaften: Irgendwie getrennt, irgendwie entgrenzt. Sollte man es nicht wagen, neue Möglichkeiten des Aufeinandertreffens und der Koproduktion von Wissen auszuloten das Internet macht es doch vor? Wir finden man sollte und berichten über ein Realexperiment in dem in mehreren Veranstaltungen Technikfolgenabschätzung, Technik-Aktivisten des FabLab Karlsruhe e.v. und andere Bürger/-innen gemeinsam Wissen produzierten. Diese real-life crowd setzte sich in kreativer, multidimensionaler Weise öffentlichkeitswirksam mit der Digitalisierung des Wissens auseinander. 15:20 Uhr Diskussion 15:40 Uhr Kaffeepause 15:40 Uhr Kaffeepause

6 Panel 1 Sammlungen & Museumsforschung KURZVORTRÄGE 16:00 Uhr Methoden der 3D-Digitalisierung wissenschaftlicher Sammlungen an den Senckenberg Forschungsinstituten Wissenschaftler/innen der senckenbergischen 3D-Arbeitsgruppen Die technischen Neuerungen bei der Erzeugung von 3D-Datensätzen sind enorm seien es optische oder computertomografische (Mikro- und Nano-CT) Verfahren, aber auch der vereinfachte Zugang zur hochauflösenden CT mit Synchrotron-Strahlung (µ-sr-ct). Die Detailschärfe, mit der heute die Objekte in den wissenschaftlichen Sammlungen untersucht werden können, war noch vor kurzem unvorstellbar. Kurzbeiträge aus den seit mehreren Jahren bei Senckenberg etablierten 3D-Arbeitsgruppen geben anhand von Beispielen aus Evertebraten-, Vertebraten- und Botanik-Sammlungen einen Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten. Sie gehen dabei auch ein auf die (an sich schon erhebliche) Sammlungsergänzung durch digitale 3D-Daten sowie auf die Fragen, wann und wie ein digitaler Datensatz zum Sammlungsobjekt wird, und insbesondere, ob wir heute schon einen digitalen 3D- Holotyp definieren können. Panel 2 Ausstellung & Vermittlung Leitung: Katja Weber 16:00 Uhr Medien in Museen ein Kostentreiber? Dipl.-Ing. Reinhard Munzel, ArchimediX GbR Eine technische Innovationswelle überrollt die digitale Gesellschaft und macht auch vor den Museen nicht halt. Doch wie viel Technik verträgt ein Museum? Wie entwickelt sich ein technisches Medium über langfristige Nutzungshorizonte? Und müssen innovative Lösungen immer teuer sein? Um dauerhaft Attraktivität zu gewährleisten, sollte nicht die technische Lösung im Vordergrund stehen sondern der Inhalt. 16:20 Uhr Original und Illusion Zur Bedeutung der Inszenierung in einem Naturkundemuseum Sabine Heine, Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere Ist das echt? ist sicherlich eine der meistgestellten Fragen insbesondere in Naturkundemuseen. Die Frage zeigt, dass die Besucherinnen und Besucher aus der Motivation heraus kommen, Originale zu erleben. Diese steht bei der Präsentation in einem Verhältnis zu den Bildungszielen: Die Erläuterung der Forschungsaufgaben und der Zusammenhänge in (unberührter) Natur und Landschaft kann etwa in großen, inszenierten Landschaften gelingen. Inwieweit kann hier die moderne Technik unterstützen? 16:40 Uhr Die Wirklichkeit der virtuellen Interaktion Möglichkeiten und Grenzen der Digitalisierung in einem Museum für Philosophie Michael Siegel / Tobias Weilandt, DenkWelten e.v. Bisherige Philosophie-Ausstellungen präsentieren zumeist persönliche Gegenstände und Lebensdaten berühmter Denker. Interaktive Exponate scheinen dagegen insbesondere dann geboten, wenn wissenschaftliches Arbeiten mit- und nachvollziehbar gemacht werden soll. Dies gilt umso dringlicher für Fächer wie Philosophie, wo der eigentliche Kern der Sache nicht in der Präsentation von (materiell realisierten) Ergebnissen, sondern im aneignenden Vollzug liegt. Digitale Exponate bieten sich hier als realisierbarer und attraktiver Weg an, um Perspektivenwechsel zu simulieren oder verschiedene Handlungsoptionen durchzuspielen. 17:00 Uhr Wird Vermittlung überflüssig oder nur anders? Museumspädagogik, Wissensvermittlung, Pädagogische Kommunikation Fabian Hofmann Ist das Museum noch Lernort, Ort der ständigen Konferenz, Raum für Forschendes Lernen und Hands on oder gibt es bereits das Museum 2.0? Ist Vermittlung dafür noch zeitgemäß? Oder muss sie ganz anders gedacht werden? Eine Möglichkeit dafür wäre ein funktionales Strukturmodell der Museumspädagogik als Pädagogische Kommunikation. Dieses empirisch erarbeitete Modell zeigt Museumspädagogik als Zusammenspiel von Vermittlungsaktivitäten des Museums und Aneignungsprozessen der Besucher wobei Aneignung nicht nur Lernen, sondern auch Geselligkeit, Kommunikation oder ästhetische Erfahrung umfasst. 17:20 Uhr Diskussion 17:40 Uhr Abendpause 17:40 Uhr Abendpause

7 Panel 3 Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit Abendprogramm Workshop 16:00 Uhr Citizen Science zum Ausprobieren: Apps & Ideen Beteiligte verschiedener Institutionen Im Workshop werden verschiedene Apps und sonstige Anwendungen, die für Citizen Science genutzt werden (sollen), jeweils kurz präsentiert und können selbst ausprobiert werden. Die Workshopteilnehmer haben die Gelegenheit, eigene Ideen, Erfahrungen und Anwendungen in kleinen Runden zu diskutieren. Interessenten, die in diesem Rahmen ein eigenes Projekt vorstellen möchten, melden sich bitte bei Dr. Katrin Vohland oder Dr. Sascha Dickel Podiumsdiskussion 17:00 Uhr Eröffnen digitale Medien eine neue Dimension der Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an der Forschung? Dr. Dominik Mahr, Universität zu Lübeck Dr. Sascha Dickel, Technische Universität München David Ziegler, Museum für Naturkunde Die Verbreitung digitaler Medien ist mitverantwortlich für den Boom der Bürgerwissenschaften. Alltagsbeobachtungen z.b. von Zugvögeln können per Smartphone komfortabel in Online-Karten eingegeben werden, die mühsame Verschlagwortung von digitalen Kunstdatenbanken wird über ein Computerspiel elegant gelöst. Durch diese innovativen Methoden profitieren Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen: die Forschung öffnet sich gesellschaftlichen Anliegen und der Wissensbürger wird zum Mitgestalter so zumindest die Theorie. Doch eröffnen die digitalen Medien wirklich eine neue Dimension der Beteiligung? Im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Abschluss des Programmteils Virtuelle Bürgerwissenschaft Digitale Ansätze in Citizen Science-Projekten wird erörtert, ob der Citizen Scientist über seine Funktion als digitaler Datensammler hinaus ein Partner auf Augenhöhe, beispielsweise auch in Bezug auf die Formulierung von Forschungsfragen oder die Vergabe von Fördermitteln, sein kann. 18:30 Uhr Selbständiger Transfer ins Senckenberg Naturmuseum Infos auf: 19:00 Uhr Grußworte Angefragt: Bundesministerium für Bildung und Forschung Christiane Neumann, Generalsekretärin der Leibniz-Gemeinschaft Podiumsdiskussion 19:15 Uhr Museum to go Alles viel zu schnell? Online, digital, virtuell Gregor Isenbort, Leiter der DASA Arbeitswelt Ausstellung Prof. Dr. Eckart Köhne, Direktor des Badischen Landesmuseums Karlsruhe; Präsident des Deutschen Museumsbundes Dr. Elisabeth Niggemann, Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek Moderation: Tine Nowak In Hinblick auf die Entwicklung von Zukunftsperspektiven stellen die Digitalisierung des Alltags und der Online-Trend Museen, Archive und Bibliotheken vor große Herausforderungen. Einerseits sind Räumlichkeiten, Personal und Handlungsfelder meist auf den Umgang mit analogen, (an)fassbaren Dingen ausgelegt. Andererseits bieten sich für die Kultursicherung und -vermittlung immer neue Formate an: Digitalisierte Online-Sammlungen eröffnen Zugänge zu Wissensreservaten, Online- Ausstellungen und ausstellungsbegleitende Apps ermöglichen neue Bildungsgelegenheiten, Lernportale erschließen neue Zielgruppen. Können die Kulturinstitutionen dem digitalen Wandel folgen? Wohin geht die Reise? Was bleibt auf der Strecke? 20:00 Uhr Konferenz-Dinner, 14. November 08:30 Uhr Akkreditierung im Konferenzhotel 09:00 Uhr Beginn der drei parallelen Panel-Schienen 17:40 Uhr Abendpause

8 Panel 1 Sammlungen & Museumsforschung Panel 2 Ausstellung & Vermittlung Leitung: Dr. Ulrich Jansen Leitung: Katja Weber 09:00 Uhr Objektdigitalisierung und Datenmanagement an den SNSB Innovative Arbeitsprozesse und Datenflüsse Dr. Dagmar Triebel, Botanische Staatssammlung München; IT Center der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns Die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns beherbergen u. a. zoologische, botanische, mykologische und paläontologische Sammlungen. In allen Bereichen werden innovative Ansätze der Objektdigitalisierung und des Datenmanagements getestet und bis zum routinemäßigen Einsatz verfolgt. Es werden neue Verfahren zur Digitalisierung von Standard-Insektenkästen, der Aufnahme von Einzelobjekten verschiedener Größe und Form, der Datenerfassung über mobile Stationen und Arbeitsprozesse bei der Digitalisierung von Makrofossilien vorgestellt. Die Multimedia-Daten und Metadaten werden über Diversity Workbench-Datenbanken verwaltet und über nationale und internationale Netzwerke bereitgestellt. 09:15 Uhr Biodiversität im Blick AQUiLA biodiversity data Lothar Menner, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt Wie lassen sich Dokumentation, Monitoring, Abbildung von Workflows und Navigation in mehreren Datenquellen vereinen? AQUiLA biodiversity data verbindet all diese Bereiche und schafft damit einen umfassenden Überblick. Entwickelt wurde AQUiLA im Zusammenhang mit der Durchführung von Biodiversitätsprojekten. Mit AQUiLA databases können Datenbanken erstellt und verwaltet werden, die den jeweiligen Anforderungen der Forschungsprojekte individuell angepasst sind. Die Kombination aus Freitextsuche und facettierter Suche fördert intuitive Suchstrategien. 09:30 Uhr Erschließung und Digitalisierung geowissenschaftlicher Sammlungen Dr. Nadine Janetschke, Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden Drei historisch bedeutende, in ihrer Organisation sehr heterogene Teilsammlungen der Geowissenschaftlichen Sammlungen der TU Bergakademie Freiberg werden derzeit erschlossen, digitalisiert und online zur Verfügung gestellt. Besondere Herausforderungen stellen dabei die Definition einer die Diversität der verschiedenen Teilsammlungen berücksichtigende Datenbankstruktur dar, ferner die Erarbeitung von Thesauri zur Gliederung der Objekte entsprechend der Standardklassifikationssysteme, schließlich die Rekonstruktion fehlender geographischer Koordinaten und ungenauer oder unsicherer Lokalitätsangaben durch retrospektive Georeferenzierung. 09:45 Uhr Diskussion 09:00 Uhr Digitale Rekonstruktionen und Virtual Reality als Mittel der Wissensvermittlung im archäologischen Forschungsmuseum Mag. Dominik Kimmel, Römisch-Germanisches Zentralmuseum Prof. Dr. Michael Orthwein, Fachhochschule Mainz Digitale Visualisierungen ermöglichen eine Vielzahl von Anwendungen in der musealen Vermittlung. Diese reichen vom dreidimensionalen Abbild über die virtuelle Rekonstruktion vergangener Befunde bis zur Darstellung ganzer Szenen und Ereignisse. Seit 2011 erprobt das RGZM in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Zeitbasierte Medien der Fachhochschule Mainz den Einsatz von 360 -Stereo-Surround-Medien im Museum sowie verschiedene Zugänge zur virtuellen Realität. Was sind hier die Erfahrungen in Hinblick auf Möglichkeiten und Grenzen digitaler Rekonstruktionen? 09:15 Uhr Bilder zum Anfassen Historische Wandgemälde aus der Albrechtsburg Meissen in 3D Tina Richter, Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gemeinnützige GmbH Das Projekt erschließt sechs historische Wandgemälde der Albrechtsburg Meissen durch den Einsatz von 3D-Druck auf völlig neue Weise auch für erblindete und sehbeeinträchtigte Menschen. Der Einsatz innovativer Digitaltechnik ermöglicht es erstmals, historische Bilder in ihrer Tiefenwirkung und Dynamik und damit in ihrer inhaltlichen und künstlerischen Komplexität an die beeinträchtigte Zielgruppe zu vermitteln und ihnen dadurch kulturelle Teilhabe zu ermöglichen. Ein speziell abgestimmter Audioguide, der besonders auf die Bedürfnisse von sehbeinträchtigen Personen eingeht, rundet das neuartige Angebot ab. 09:30 Uhr Zurück in die Zukunft Vom Mikro-CT zur Vitrine Kai Matsuyama, Senckenberg am Meer Dipl.-Ing. Markus Appel, Hochschule Darmstadt Virtuelle dreidimensionale Modelle hoch-detaillierter Objekte können heutzutage nicht nur am PC dargestellt, sondern auch plastisch reproduziert werden, sogar unter Berücksichtigung teils hochkomplexer interner Strukturen. Solche 3D-Darstellungen nutzen nicht nur museumspädagogischen Zwecken in Ausstellungen oder der Unterweisung und Begeisterung des Nachwuchses an (Hoch-) Schulen, sondern auch der Forschung selbst. Die enorme Vielfalt der verborgenen, mikroskopisch kleinen Kunstformen der Natur werden vortragsbegleitend mit 3D-Mustern ausgewählter meereszoologischer Objekte demonstriert. 09:45 Uhr Diskussion

9 Panel 3 Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit Panel 1 Sammlungen & Museumsforschung Leitung: Judith Jördens Leitung: Dr. Ulrich Jansen 09:00 Uhr Produktionsstätte: OPEN LAB Stephanie Endter, Weltkulturen Museum Das OPEN LAB ist eine interaktive Online-Plattform des Weltkulturen Museums Frankfurt, die Forschungsprozesse sichtbar macht. Sie schafft einer internationalen Öffentlichkeit Zugang zu der ethnologischen Sammlung und dem dazugehörigen Wissen, dient darüber hinaus als virtuelle Werkstatt und Produktionsstätte für jeden der sie nutzen möchte. Dieser offene Zugang ermöglicht die globale und dezentralisierte Entwicklung von neuen Werken und den Wissensaustausch aus der Ferne ohne Rücksicht auf fachliche oder nationale Grenzen. 09:15 Uhr Tausende Insektenarten Artbestimmung neu begreifen und ermöglichen Dr. Matthias Nuß, Senckenberg Museum für Tierkunde Wie ordne ich ein Tier einer von Insektenarten zu ohne mich dafür durch umfangreiche Bibliotheken arbeiten zu müssen? Wie erfasse ich eine so reichhaltige Fauna und trage Informationen dazu zusammen? Eine mögliche Antwort: Ich gehe ins Internet und finde möglichst viele, die mitmachen. Auf können Laien wie Spezialisten ganz nach Interessen und Fähigkeiten an der Erforschung der sächsischen Insekten und dem Aufbau einer Informationsplattform zu ihnen mitwirken. Zu klären gilt es derzeit z.b. noch, wann in Hinblick auf Datenqualität und effizientes Arbeiten Belegexemplare, Fotobelege oder Beobachtungsdaten erforderlich bzw. ausreichend sind. 09:30 Uhr Was ist Lockstockmonitoring? Das Datenportal Wildkatzensprung Annika Tiesmeyer, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Wildtiermonitoring-Projekte dienen dem Natur- bzw. Artenschutz durch Erfassung komplexer Biodiversitätsdaten von (insbesondere gefährdeten) Arten und ihrer Verbreitung. Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) ist erst seit Kurzem wieder in Deutschland heimisch. Das bundesländerübergreifende Datenportal Wildkatzensprung sammelt und verwaltet die zu ihren Populationen verfügbaren Informationen: Aufgeführt sind die verschiedenen Monitoringprojekte und deren Ergebnisse mit unter anderem Verbreitungsgebieten, Lockstöcken, Kontrollen und Proben. Außerdem beinhaltet es die erste deutschlandweite Gendatenbank für Wildkatzen. 09:45 Uhr Diskussion 10:00 Uhr Mit dem mittelalterlichen Schiff ins 21. Jahrhundert Amandine Colson, Deutsches Schiffahrtsmuseum Neue Technologien ermöglichen in verstärktem Umfang nichtinvasive und daher objektschonende Analysen. Das EU-Projekt Colour and Space in Cultural Heritage (COSCH) bringt Experten optischer Messtechniken, Archäologen und Restauratoren zusammen, um eine unabhängige Wissensplattform für Schutz und Vermittlung des europäischen Kulturerbes zu schaffen. Als Fallstudie zur Diskussion und Weiterentwicklung von 3D-Modellen stellt das Deutsche Schiffahrtsmuseum sein digitalisiertes Hauptexponat zur Verfügung, die Hansekogge aus dem Jahr Projektergebnisse in Hinblick auf Vermittlungsformate sollen bei der Museumsmodernisierung direkt umgesetzt werden. 10:15 Uhr Was dürfen wir mit unseren Daten machen? Verwertung digitaler Daten in einem Forschungsmuseum Dr. Ursula Warnke, Deutsches Schiffahrtsmuseum Die Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft bewegen sich mit ihren digitalisierten Inhalten in einem Spannungsfeld zwischen Open-Access-Bestrebungen, Lizensierungsfragen, Verwertungs- und Vermarktungsmöglichkeiten für digitale Inhalte, Auslegungen von EU-Richtlinien zu Open Data und schließlich den an sie als Träger und Bewahrer des kulturellen Erbes gerichteten gesellschaftlichen Ansprüchen. Wie können diese Daten wissenschaftlich sinnvoll verwertet und der Gesellschaft zur Verfügung gestellt werden ohne dass dadurch den Instituten zusätzliche finanzielle Belastungen entstehen? Lassen sich durch Lizenzen vielleicht sogar Gewinne erwirtschaften? 10:30 Uhr Das Projekt MAM MUT Museologische Aufarbeitung der Museumsbestände am MUT Prof. Dr. Ernst Seidl, Museum der Universität Tübingen MUT Mit dem Projekt MAM MUT am Museum der Universität Tübingen MUT soll die babylonische Situation, in der sich die vernachlässigten Sammlungen an Universitäten befinden, zum Besseren gewendet werden: Die Erschließung von universitären Sammlungen, die Installation praxisorientierter museumskundlicher Lehrprojekte sowie die Wiederentdeckung versteckter Sammlungen bilden die drei zentralen langfristigen Ziele. Dadurch soll den Verpflichtungen dem wissenschaftlichen Erbe gegenüber wie auch den Erfordernissen von Forschung, Lehre und Bildung entsprochen sowie unbekannte Sammlungen der Universität gerettet werden. 10:45 Uhr Diskussion 11:00 Uhr Kaffeepause

10 Panel 2 Ausstellung & Vermittlung Panel 3 Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit Leitung: Katja Weber Leitung: Judith Jördens 10:00 Uhr Tomografie knöcherner Mikrostrukturen für stark vergrößerte 3-D-Ausdrucke Dr. Renate Rabenstein / Dr. Jörg Habersetzer, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenbergs Wirbeltierradiologie erarbeitet systematisch seit 2002 die technischen und inhaltlichen Voraussetzungen, um hochaufgelöste MikroCT-Datensätze durch die Erstellung von 3D-Ausdrucken museumspädagogisch sinnvoll zu nutzen. So veranschaulichen z.b. stark vergrößerte Schädel, Schultergelenke und Gehörschnecken die Morphologie fossiler Fledermäuse aus dem UNESCO Welterbe Grube Messel. Diese Modelle sind Teil einer Dauerausstellung im 2010 eröffneten Besucherzentrum Messel. Dieses Ausstellungskonzept wird laufend um 3D-Materialien für Sonderveranstaltungen und Spezialführungen erweitert. 10:15 Uhr Die App Schlosspark Nymphenburg Storytelling zum Gesamtkunstwerk Dr. des. Tanja Praske, Bayerische Verwaltung der staatl. Schlösser, Gärten und Seen Eine App der Bayerischen Schlösserverwaltung lädt zum Lustwandeln im Schlosspark ein. Der Nutzer kann zwischen drei GPS-geführten Touren wählen oder den Schlosspark selbständig erkunden. Gelangt er an festgelegten Stationen an, wird er über ein akustisches Signal über abrufbare Inhalte informiert. Hörtexte erzählen Geschichten zur Station. Unsichtbares wird in der Bildergalerie sichtbar gemacht. Zusammen mit spielerischen sowie interaktiven Elementen bringt die App dem Nutzer den Schlosspark als Gesamtkunstwerk näher. Das Wie wird im Vortrag vorgestellt. 10:30 Uhr Mehrnutzerfähige Multitouch-Tische für/in Ausstellungen Kalja Kanellopoulos, Technische Universität Chemnitz Mehrnutzerfähige interaktive Systeme wie Multitouch-Tische/Tabletops haben in den letzten Jahren verstärkt Einzug in Ausstellungen gehalten. Ihnen wird großes Potenzial für die alternative Vermittlung von Inhalten zugeschrieben. Gleichzeitig ist die Entwicklung derartiger interaktiver Systeme für alle Beteiligten Designer wie Museen herausfordernd. Der Vortrag wird erste Befunde einer qualitativrekonstruktiven Analyse empirischen Datenmaterials vorstellen. Dabei wurde ein Designprojekt (auto)ethnografisch begleitet und in dessen Rahmen wiederholt mehrwöchige fokussierte Studien in Ausstellungen durchgeführt. 10:45 Uhr Diskussion 10:00 Uhr Die Stadt Frankfurt am Main und ihre Pflanzenwelt digital Dr. Indra Starke-Ottich / Prof. Dr. Georg Zizka, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt Senckenberg führt in Frankfurt eine dauerhafte Biotoptypenkartierung durch. Durch sukzessive Revisionskartierungen werden Veränderungen mess- und darstellbar. Die digitalisierten Daten stehen Ämtern und Behörden als Grundlage zur Stadtplanung zur Verfügung. Ein ergänzendes Projekt ist die Webseite zur Flora von Frankfurt: Informationen aus drei Jahrhunderten werden in moderner Form präsentiert. Durch die Dokumentation von Geschichte und Häufigkeit der Arten liefert die online-flora wichtige Informationen zur Stadtentwicklung. Ein Fundmeldeformular eröffnet interessierten Bürgern die Möglichkeit, sich einzubringen. 10:15 Uhr Die digitale Erweiterung des Städel Museums Dr. Chantal Eschenfelder, Städel Museum Mit der Entwicklung einer digitalen Exponate-Plattform wird das Städel Museum seinen Bildungsauftrag ab 2015 auch über seine physischen Grenzen hinaus erfüllen. Die Plattform ermöglicht sowohl ein digitales Schlendern durch die Sammlung als auch eine gezielte Suche in den Beständen. Eine umfassende Verschlagwortung garantiert nicht nur einen kunstwissenschaftlichen, sondern auch einen intuitiv-assoziativen und emotionalen Zugang zu den Exponaten interaktiv und multimedial. Die Erschließung eines jeweils individuellen Zugangs zu den Sammlungsinhalten entspricht dabei den unterschiedlichen Interessen der verschiedenen Nutzer. 10:30 Uhr Look + Klick = Cloud Aspekte musealer Bildungsangebote am Beispiel des Tweetups Dr. Anette Rein Als traditionelle Bildungsorte müssen sich die Museen fragen, ob die herkömmlichen Bildungskonzepte noch zeitgemäß sind bzw. ob sie sich selbst neu erfinden müssen. Mit der Nutzung digitaler Dienste und Anwendungen scheinen sich die Grenzen eines Museums aufzulösen und Innen und Außen können im Hier und Jetzt miteinander kommunizieren, Fragen stellen und kommentieren. Ein besonderer Hit unter den Angeboten von Museen ist das Tweetup: Eine Veranstaltung, zu der geladen wird und die zeitgleich mehrere Ausstellungsbesucher/-innen in verschiedenen Museen, das Gesehene und Gehörte kommentierend, miteinander digital vernetzt. 10:45 Uhr Diskussion 11:00 Uhr Kaffeepause 11:00 Uhr Kaffeepause

11 Panel 1 Sammlungen & Museumsforschung Leitung: Georg Hohmann 11:20 Uhr Sammeln im Verbund Eine nationale Herausforderung Dr. Wilhelm Füßl, Deutsches Museum Dr. Bettina Reimers, Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung Der 2005 gegründete Arbeitskreis Archive der Leibniz-Gemeinschaft vereinigt 17 national bedeutende Archiveinrichtungen mit großen und kulturgeschichtlich wertvollen Quellenbeständen. Aus seinem Kreis stammt die Initiative Sammeln im Verbund, d. h. die Entwicklung eines nationalstaatlich abgestimmten Konzepts für archivisches Sammlungsgut. Denn im Gegensatz zum Schriftgut von Behörden, Kirchen und Firmen gibt es dafür keine festgelegten Zuständigkeiten, was zu zahlreichen Verlusten führt. Die Initiative zielt darauf ab, solch national bedeutsames Kulturgut künftig aktiv und kooperativ zu sammeln, zu erschließen und der Forschung zur Verfügung zu stellen. 11:40 Uhr Zwischen Exponat und Buch Wie digitale Bibliotheksangebote den Ausstellungsbesuch bereichern können Christian Knoop, Deutsches Museum Viele Museen verfügen auch über einen großen Buchbestand. Liegt dessen Nutzen für die Forschung und kuratorische Arbeit auf der Hand, so erschließt er sich für die Besucherinnen und Besucher der Ausstellungen nur schwer. Der Vortrag will die Möglichkeiten ausloten, die sich durch die digitale Vernetzung von Museums- und Bibliotheksmaterial für den Ausstellungsbesuch ergeben können. Wie können digitale Bibliotheksangebote den Museumsbesuch bereichern? Und wie müssen Buchund Exponatbestand für ein interessantes Angebot erschlossen werden? Panel 2 Ausstellung & Vermittlung Workshop 11:20 Uhr Vom Novelty Effect zum Operating System Neue Herausforderungen für Digitale Museumsexponate in der digitalen Gesellschaft Sebastian Oschatz, MESO Digital Interiors GmbH Bislang sind digitale Exponate in Museen oft nur der Versuch, Anschlussfähigkeit an ein vermeintliches jugendliches Publikum zu demonstrieren. Nimmt man derartige Schaustücke jedoch als Kernstück einer Ausstellung ernst, müssen sie integraler gedacht werden. Die Möglichkeiten und Komplikationen eines solchen Projekts sind enorm: Anstatt bloß auf einen Novelty Effect zu setzen, kann oder muss ein zeitloses, nachhaltiges Operating System geplant werden, in dem Kuratoren, Szenographen, Pädagogen, Forscher, Konservatoren, Publizisten, Besucher und Sponsoren nach neu zu gestaltenden Regeln agieren können. Die damit verbundene Möglichkeit, ganz neue Formate zu definieren, wird aufgrund leistungsfähigerer Rechnersysteme und Netzwerke immer weniger durch bloß technische Schwierigkeiten verstellt, sondern ist inzwischen vor allem eine strategische und organisatorische Frage. Im Workshop soll aus einer Sammlung von innovativen Formaten und aus den Erfahrungen der Teilnehmer einen Katalog der organisatorischen und praktischen Probleme bei diesem Vorhaben zusammengestellt werden, um damit eine Typologie von wünschenswerten digitalen Infrastrukturen zu entwickeln. 12:00 Uhr Bergbau-Archiv, Museum und Bibliothek Ergebnisse, Potenziale und Perspektiven der spartenübergreifenden Dokumentation montanhistorischer Unterlagen Dr. Michael Farrenkopf / Dr. Stefan Przigoda, Deutsches Bergbau-Museum Bochum Das Montanhistorische Dokumentationszentrum (montan.dok) beim Deutschen Bergbau-Museum Bochum bewahrt einen einzigartigen Fundus an schriftlichen, bildlichen und dinglichen Quellen zum Montanwesen, die spartenübergreifend vernetzt erschlossen und der Forschung zugänglich gemacht werden. Im Kontext des organisatorischen Zuschnitts des montan.dok als einer mittelgroßen Einrichtung fragt der Beitrag nach den praktischen Konsequenzen dieses Ansatzes für die Erschließung und Digitalisierung der Bestände und die Integration in übergreifende Portale wie der Deutschen Digitalen Bibliothek. 12:20 Uhr Netzwerk Museum Das Deutsche Museum Digital Georg Hohmann, Deutsches Museum Aus dem Einklang von Museum, Bibliothek und Archiv unter dem Dach des Deutschen Museums ergeben sich erhebliche Erkenntnispotentiale, die mit digitalen Techniken noch tiefer ausgeschöpft werden können. Einheitliche inhaltliche Richtlinien und Methoden sind hier die Voraussetzung für eine interne, digitale Wissensvernetzung, die auch die Teilnahme an internationalen Netzwerken und einen multiiateralen Informationsfluss über Institutionsgrenzen hinaus ermöglicht. Zusammengeführt im Deutschen Museum Digital entsteht so ein umfangreiches Wissensnetz zur Geschichte der Naturwissenschaft und Technik. 12:40 Uhr Diskussion 13:00 Uhr Mittagspause 13:00 Uhr Mittagspause

12 Panel 3 Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit Leitung: Dr. Anette Rein 11:20 Uhr Soziale Medien, Museumsmarketing und die unterschiedlichen Zielgruppen Eine Fallstudie Prof. Dr. Willi Xylander, Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz Das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz hat in Kooperation mit dem Studiengang Kultur und Management der Hochschule Zittau/Görlitz seit 2013 Untersuchungen zur Besucherstruktur, zum Erfolg des Museumsmarketings und der gezielten Ansprache von Besuchergruppen über verschiedene Formate durchgeführt. Zwischenergebnisse dieser Studie werden vorgestellt und bewertet. Dabei sind klassische Medien in der Besucheransprache aktuell erfolgreicher als digitale. Die Hintergründe dieser Ergebnisse werden angesichts der Besucherstruktur und Demografie diskutiert. 11:40 Uhr Besucher-Forschungs-Fragen Wie sich die Besucherforschung im Museum von Babel einrichtet Dr. Stéphanie Wintzerith Wenn Museen neue (digitale) Wege gehen, wollen und sollten sie wissen, ob bzw. wie ihre Besucher sich darauf einlassen. Die Besucherforschung ist ein Sprachrohr der Besucher und ermittelt deren Rückmeldung: Wie gehen sie mit den (neuen) digitalen Angeboten um, wie prägen diese das Museumserlebnis? Dabei betritt die Besucherforschung selbst Neuland und steht vor großen Herausforderungen. Es ergeben sich neue, spannende Untersuchungsgegenstände. Es entstehen neue, bisher ungeahnte Ermittlungsmöglichkeiten. Bahnbrechende Methoden und Instrumente werden entwickelt. Unglaublich viele Daten werden produziert. Wie können wir sie alle auswerten? Panel 1 Sammlungen & Museumsforschung Workshop 14:00 Uhr Museum & Digital Humanities AG Museum des Digital Humanities im deutschsprachigen Raum e.v. Georg Hohmann, Deutsches Museum Prof. Dr. Malte Rehbein, Universität Passau Dr. Regina Doppelbauer, Albertina Dr. Ralph Knickmeier, Österreichische Galerie Belvedere Der Gedächtnisinstitution Museum als Hüter des kulturellen Erbes und als dessen Vermittler kommt eine stetig wachsende Bedeutung für die Digital Humanities zu. Ihre digitalen Daten werden über Portale und als Linked Open Data zur Verfügung gestellt und bilden inzwischen eine unverzichtbare Ressource für die Entwicklung neuer Methoden und Techniken. Doch nicht nur als Bereitsteller von Daten, sondern auch als Akteure in der Forschungslandschaft sind Museen aktiv. Einschlägige internationale Fachkonferenzen können inzwischen auf eine lange Tradition zurückblicken und geben wichtige Impulse. Zentrale Methoden und Standards zur Bewahrung und Vermittlung des kulturellen Erbes entstammen genuin der musealen Forschung und finden inzwischen auch in anderen Kontexten Anwendung. Der Workshop hat das Ziel, die unterschiedlichen Rollen der Institution Museen in den Digital Humanities auszuloten und ihre Bedeutung und Potentiale herauszuarbeiten. 12:00 Uhr Vermittlung Dialog Partizipation Mag. Dominik Kimmel, Römisch-Germanisches Zentralmuseum Vermittlung im Museum muss nicht nur in eine Richtung gehen. Es gibt viele Möglichkeiten, auf die BesucherInnen auch die bloß potentiellen einzugehen und den Dialog mit ihnen zu pflegen. Dies kann von der Besucherforschung bis hin zur aktiven Mitgestaltung gehen und so nicht nur helfen, die eigenen Ausstellungen relevanter zu gestalten, sondern sogar die Forschung beeinflussen. Neue partizipative Ansätzen bilden den Ausgangspunkt für eine Diskussion über Chancen und Grenzen des Dialogs im Museum. 12:20 Uhr Diskussion DISKUSSIONSRUNDE 12:40 Uhr Digitale Naturführer Dr. Gregor Hagedorn, Museum für Naturkunde Naturkundemuseen wirken traditionell in Ausstellungsräumen, doch gerade beim Thema Natur bietet sich eine Verbindung von Museum und Naturerfahrung draußen an. Mit Smartphone-Apps können z.b. redaktionelle Informationen, Artportraits, oder Bestimmungshilfen bereitgestellt werden. An dem Thema interessierte Personen treffen sich zu einem kurzen Austausch und gegenseitiger Information über Ihre Aktivitäten. Der Schwerpunkt soll sein, Möglichkeiten zur Zusammenarbeit auszuloten. 13:00 Uhr Mittagspause 15:40 Uhr Ende der Veranstaltung

13 Panel 2 Ausstellung & Vermittlung PODIUMSDISKUSSION 14:00 Uhr Digitale Dinge? Betrachtung des Spannungsfeldes Digital-Analog in Hinblick auf die museale Vermittlung Dirk von Manteuffel, Studio von Manteuffel Dr. Thorolf Hardt, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Ein Diskurs zwischen einem Ausstellungsmacher, einem Ausstellungsgestalter und dem Publikum über den aktuellen Status und die digitale Entwicklung im musealen Umfeld. Was sind die Erwartungen und die Möglichkeiten der neuen technologischen Entwicklung. Ist ein digitales Exponat besser als ein analoges? Können digitale Exponate nachhaltig sein? Wie wird eine Museumsaustellung in 50 Jahren aussehen? Und wie viel digital brauchen wir (noch)? WORKSHOP 14:40 Uhr Kaleidoskop Dir Deine Stadt! Ein künstlerisches Stadtmodell als Plattform für Erfahrungswissen Franziska Mucha / Sonja Thiel / Dr. Angela Jannelli, Historisches Museum Frankfurt Ein 70qm großes künstlerisches Stadtmodell ist Teil der Neukonzeption des historischen museums frankfurt. Es soll als ästhetisches Objekt wirken und gleichzeitig als Plattform für das Sammeln und Zeigen von stadtspezifischem Wissen dienen: Dieses aus der Alltagserfahrung gewonnene Wissen soll digital verfasst und in einer virtuellen Kartenebene verankert sein. Die bewusst subjektiven Audio- oder Videobeiträge überlagern so das gebaute Modell. Der content des Modells entsteht partizipativ, d.h. die Alltagexperten selbst tragen zum Anwachsen der Sammlung bei. Wir reagieren damit auf sich verändernde Praktiken der Selbstinszenierung, wie sie z.b. in sozialen Netzwerken sichtbar werden. Im Workshop möchten wir über die Form, Vermittlung und Ästhetik des stadtspezifischen Wissens diskutieren und anhand von beispielhaftem Stadtmodell-content erörtern, wie sich ein um die Alltagserfahrung erweiterter Wissensbegriff auf die Vorstellung vom Museumsobjekt, die Sammlungspraxis sowie auf das Selbstverständnis der Institution Museum und ihrer Mitarbeiter auswirkt. Panel 3 Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit Leitung: Dr. Sören Dürr 14:00 Uhr Neue Medien im Einsatz für Museen und Ausstellungen Frank Duerr, Museum der Universität Tübingen MUT Trotz der schwer messbaren Erfolge von sozialen Medien zweifelt niemand mehr ernsthaft an deren Relevanz bei der Außendarstellung. Gerade für Kultureinrichtungen scheinen diese Werbeformen ideal, denn hier ist nicht mehr das Budget das Nadelöhr zur erwünschten Wirkung, sondern Aktualisierung und Kreativität. Videopodcasts, Imagefilme, beindruckende Fotos und spannende Geschichten sind zum neuen Standard der Informationsvermittlung avanciert. Der Vortrag versucht anhand prägnanter Beispiele Alltagsprobleme und Erfolge neuer Medien für Ausstellungsbewerbungen zu vermitteln. 14:20 Uhr Das Forschungsmuseum auf der digitalen Landkarte Dr. Gregor Hagedorn / Dr. Karl Frommolt, Museum für Naturkunde Ähnlich wie Bibliotheken müssen sich Museen in einer Welt, in der Bildung und Forschungsgegenstände zunehmend nicht mehr digitalisiert sondern nativ digital sind, neu orientieren und ein neues Verständnis Ihrer Bildungs- und Forschungsaufgaben entwickeln. Dabei bleibt der physische Ort wesentlich, wird aber mit Aktivitäten verbunden, die auch außerhalb dieser zeitlichen und räumlichen Begrenzung stattfinden. Anhand des Tierstimmenarchivs, einer künftig nativ digitalen Forschungssammlung, und anhand digitaler Museums- und Naturführer werden konkrete Beispiele aus der Arbeit des Museums für Naturkunde erörtert werden. 14:40 Uhr Wenn sich Naturkundemuseen öffnen OpenUp!, Europeana und die Biodiversity Library Exhibition Mareike Hirschfeld, Museum für Naturkunde Naturkundemuseen beherbergen hunderte Millionen Sammlungsobjekte, die der Wissenschaft, nicht aber den Laien zur Verfügung stehen. Im Projekt OpenUp! konnten 2 Mio. naturkundliche Multimediaobjekte (Bilder, Tierstimmen etc.) mobilisiert und auf der Plattform Europeana zur Verfügung gestellt werden. Die Möglichkeiten zur Wiederverwendung dieser Inhalte sind vielfältig: von der Biodiversity Library Exhibition, einer digitalen kuratierten Ausstellung, bis hin zum Projekt Europeana Creative, das beispielhaft die Chancen aufzeigt, die durch die Zusammenarbeit von Museen und Kreativindustrie entstehen. 15:00 Uhr Crowdfunding für Museen Alter Wein in neuen Schläuchen? Andreas Malliaris, Consilium Berlin Museen in den USA, Frankreich und Großbritannien haben erfolgreich Ausstellungen über Crowdfundingkampagnen finanzieren können. Aber wie sieht es hierzulande aus, gibt es vergleichbare Beispiele? Es darf die Frage gestellt werden, ob ein derartiges Modell auf Deutschland und seine Museen übertragbar ist. Gibt es diesen Bedarf dank öffentlicher Kulturförderung und funktionierender Museumsvereine und Bürgergesellschaften (noch) nicht? Oder stellen die mittlerweile zahlreichen Internetportale, über den Finanzierungsaspekt hinaus, eine neue Möglichkeit der Besucherbindung im digitalen Zeitalter dar? Zuletzt werden einzelne Beispiele gelungener Crowdfundingfinanzierungen vorgestellt. 15:20 Uhr Diskussion 15:40 Uhr Ende der Veranstaltung 15:40 Uhr Ende der Veranstaltung

14 Wissenschaftsjahr 2014 Die digitale Gesellschaft Veranstaltungsort Die Konferenz findet statt im Die digitale Gesellschaft ist eine Gesellschaft im Umbruch. Digitale Technologien durchdringen unseren Alltag und bieten eine Vielzahl neuer Möglichkeiten. Das Wissenschaftsjahr 2014 Die digitale Gesellschaft zeigt auf, wie Wissenschaft und Forschung diese Entwicklung mit neuen Lösungen vorantreiben und widmet sich den Auswirkungen der digitalen Revolution. Fleming s Conference Hotel Elbinger Straße Frankfurt am Main Zahlreiche Formate laden im Wissenschaftsjahr 2014 zum Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit ein. Bundesweit finden Ausstellungen, Dialogveranstaltungen, Wettbewerbe oder auch Science Slams statt, die sich mit den Folgen der Digitalisierung auseinandersetzen. Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD). Seit dem Jahr 2000 fördern die Wissenschaftsjahre den Austausch zwischen Öffentlichkeit und Forschung. Podiumsdiskussion und Dinner am finden statt im Senckenberg Naturmuseum Senckenberganlage Frankfurt am Main Hinweise zur Anreise und zum Transfer vom Hotel zum Museum finden Sie auf Weitere Informationen unter Unterkunft Für Kongressteilnehmer bietet das Fleming s Conference Hotel Zimmer zum Preis von an. Wenn Sie dieses Angebot nutzen möchten, buchen Sie Ihre Übernachtung bitte selbsttätig, und zwar telefonisch (069/ ) unter Angabe des Stichworts Senckenberg.

15 Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung Senckenberganlage Frankfurt am Main Weitere Informationen sowie die Anmeldung auf Titelbild: Pieter Brueghel the Elder (1526/ ) [Public domain], via Wikimedia Commons

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