Palliative Geriatrie: Ein Ansatz für eine bewohnerindividuelle Pflege und Betreuung in der Altenhilfe? Altenpflegekongress 2013

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1 Palliative Geriatrie: Ein Ansatz für eine bewohnerindividuelle Pflege und Betreuung in der Altenhilfe? Altenpflegekongress 2013

2 Gliederung Was bedeutet Palliative Geriatrie? Was unterscheidet Palliative Geriatrie von der normalen Altenpflege? Welche Grundlagen zur Umsetzung sind notwendig? Umsetzung Praktischer Ausblick 2

3 Was bedeutet Palliative Geriatrie? Palliative Geriatrie Bedeutet die umfassende interprofessionelle Fürsorge für multimorbide Hochbetagte in fortgeschrittenen Krankheitsstadien 3

4 Welche Bewohner sind Palliativpatienten? Jeder multimorbide Hochbetagte ist ein Palliativpatient, sobald seine Erkrankungen nicht kurativ behandelbare Schmerzen und/oder andere quälende Beschwerden verursachen. Kojer, M. (2007): Symptomkontrolle in der Geriatrie in: Aulbert, Nauck, Radbruch (Hrsg.): Lehrbuch der Palliativmedizin, Schattauer, 2.Auflage, S.845 4

5 Was bedeutet Palliative Geriatrie? Palliative Geriatrie ist Lebensbegleitung bis zuletzt. Es ist die Übernahme von Palliativ und Hospizkultur in die Altenpflege. Palliative Geriatrie hat grundsätzlich die gleichen Ansätze und Wurzeln wie Palliative Care. Ausgehend von der Definition der WHO (2002) Definition Palliative Care WHO 2002 Palliative Care ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und deren Angehörigen, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung konfrontiert sind. Dies geschieht durch Vorbeugung und Linderung des Leidens mittels frühzeitiger Erkennung und korrekter Beurteilung sowie der Behandlung von Schmerzen und anderer Beschwerden körperlicher, psychologischer und spiritueller Art. 5

6 Was bedeutet Palliative Geriatrie?..bauen die Gedanken und Lösungsansätze der Palliativen Geriatrie auf einer Haltungauf, dass auch chronisch kranke, schwer demente und sterbende alte Menschenpalliativ betreut werden müssen. Dabei liegt die Intention dieses Konzeptes nichtdarin begründet, aus den Alten-und Pflegeheimen Hospize zu machen, sondern den Hospizgedanken in die Organisationskultur der Institutionen zu integrieren. Dabei spielt die absolute Umstellung auf eine Pflege und Betreuung nach Bewohnerorientierung eine Hauptrolle. 6

7 Was unterscheidet Palliative Geriatrie von der normalen Altenpflege? Sinn und Zweck der Palliativen Geriatrie ist es unheilbares körperliches und seelisches Leid zu lindern. Die Zunahme folgender Faktoren in der Altenhilfe machen ein Umdenken notwendig: Hochbetagte, multimorbide Bewohner schon bei Aufnahme Die Mehrzahl der Bewohner sind an Demenz erkrankt und kommen in unterschiedlichen Stadien der Krankheit in die Einrichtung Bürokratische Hürden nehmen zu Notwendigkeit der besonderen geriatrischen Symptomkontrolle Mitarbeiter müssen vermehrt in das Thema integriert werden, nur die Ausbildung reicht nicht mehr aus. Das Thema Ethik in der Pflege muss besonderen Zusammenhang mit dem Thema Demenz finden. 7

8 Was unterscheidet Palliative Geriatrie von der normalen Altenpflege? Die Hauptbestandteile der Palliativen Geriatrie in einem Alten und Pflegeheim sind: Geriatrische Symptomkontrolle Menschenbild und Haltung Ethik Angehörige Diese Anforderungen bedeuten die Arbeit in einem multiprofessionellen Team. 8

9 Was unterscheidet Palliative Geriatrie von der normalen Altenpflege? Altenpflege o Pflege nach State ofthe Art o Sicheres Wohnen o Aktivierung, Beschäftigung o Leben in Gemeinschaft o Beachtung der Individualität o Selbstbestimmungsrecht der Bewohner Palliative Geriatrie Lebenswertes Leben bis zuletzt Sicherheit und Geborgenheit Leiden lindern Den Tod weder verlangsamen noch beschleunigen 9

10 Welche Grundlagen zur Umsetzung sind notwendig? Palliative Care ist in Alten und Pflegeheimen nicht neu. Vieles von dem was es schon in der Einrichtung gibt ist gut, anderes muss verbessert werden. Es erfordert eine Auseinandersetzung mit den handlungsleitenden Zielsetzungen. Eine Organisationsanalyse unter folgenden Fragestellungen ist sinnvoll: o Was brauchen multimorbide Menschen und Menschen mit Demenz am Lebensende? o Wie gehen wir in unserer Einrichtung mit Ihnen um? o Was gelingt schon gut? o Was müssen wir verbessern? o Was wollen wir neu erarbeiten und integrieren? Diese Fragen gilt aus den verschiedenen Perspektiven zu betrachten: Bewohner Angehörige Mitarbeiter Leitung und Multiplikatoren 10

11 Welche Grundlagen zur Umsetzung sind notwendig? Für eine Organisationsanalyse ist ein komplexes Projektmanagement notwendig. Es braucht einen Auftrag der Leitung Zusage von Ressourcen (Raum, Zeit, externe Moderation/ Beratung ) Einen Projektauftrag der die wichtigsten Rahmenbedingungen (Ziele, Erfolgskriterien, Meilensteine, Zeitplan, Projektbeteiligte und Kosten, klar definierten Arbeitsplan) festlegt. Hierarchiefreie Räume (Hierarchie wird im Rahmen des Projektes außer Kraft gesetzt, um das gesamte Wissen aller Beteiligten nutzen zu können) Regelmäßige Evaluation 11

12 Umsetzung Wenn alle Voraussetzungen für die Umsetzung geschaffen sind, dann ist der wichtigste Punkt: INFORMATION Information über das Projekt ist notwendig bei: Mitarbeiter Angehörige Gremien (Heimbeirat, Angehörigenvertretung ) Multiplikatoren (Ärzte, Apotheken, Nachbarschaftshilfen, Gemeinde, ambulante Dienste, Sozialdienste) Informieren Sie gut und nachhaltig, um der Floskel : Jetzt wird das hier ein Hospiz?! zu entgehen und zeigen zu können worin die Motivation und das Ziel zu diesem Schritt liegen. 12

13 Umsetzung Basis für die Umsetzung sind die Grundwerte: Respekt, Wertschätzung und Achtsamkeit Für die Abläufe und Umsetzung bestimmter Schritte sind QM taugliche Arbeitsschritte unerlässlich. Es ist notwendig bestimmte Verfahrensanweisungen, Standards und Richtlinien zu erstellen und im Rahmen des hausinternen QM zu integrieren. Konzept Verfahrensanweisungen Standards Nachweise, sind ebenso wichtig wie Raum und Zeit für Anpassung und Veränderungen. Schaffen Sie sichernde Instrumente, z.b. eine Verfahrensanweisung zur Durchführung einer ethischen Fallbesprechung 13

14 Umsetzung Teilen Sie die zu schaffenden Instrumente nach Gruppen ein, um die Übersicht zu behalten und das Konzept nicht zu ersticken. Menschenbild und Haltung (Einbindung Seelsorge, Hospizgruppe, Umgang verstorbene Bewohner ) Geriatrische Symptomkontrolle (siehe praktischer Ausblick) Ethik(Verfahrensanweisung zu ethischer Fallbesprechung, Angehörigengespräche.) Angehörige(Verfahrensanweisungen zur Durchführung von Angehörigengruppen, Trauergespräche.) Fort und Weiterbildung (Erstellung ein auf das Thema und den bedarf ausgerichteten Fort und Weiterbildungsplan für einen Zeitraum von ca. 2 Jahren) Alle Instrumente die in ihrem QM System schon gut integriert sind, funktionieren und das Konzept ergänzen belassen Sie diese und stellen nur die Integration ins neue Konzept sicher! 14

15 Praktischer Ausblick Neben allen Theorien ist doch die Unterscheidung wann die palliative Pflege und Betreuung im pflegefachlichen Teil beginnt immer eine individuelle Entscheidung bei der die Mitarbeiter zu Beginn die Unterstützung und Führung der Leitungen benötigen. Geben Sie ihren Mitarbeitern Sicherheit im Thema Geriatrische Symptomkontrolle: Kommunikation, Menschen mit Demenz verstehen und verständlich mit ihnen umgehen Demenz und Schmerz Ernährung Letzte Lebensphase 15

16 Geriatrische Symptomkontrolle Kommunikation Kommunikation = eine Kernkompetenz in der palliativen Geriatrie Nicht da ist man daheim wo man seinen Wohnsitz hat, sondern da wo man verstanden wird (Christian Morgenstern) Gelingende Kommunikation bedeutet: Sprache (Stimme und Tonfall) Fähigkeit zu hören Mimik Körpersprache (Augenkontakt, Berührungen) Gefühle und Stimmungen wahrnehmen zu können 16

17 Geriatrische Symptomkontrolle Demenz und Schmerz Schmerz hat viele Gesichter! Der Begriff Total Pain nimmt in der palliativen Geriatrie eine besondere Bedeutung ein. Nicht nur der körperliche, sondern auch die seelischen, sozialen und spirituellen Schmerzen müssen wahrgenommen werden! Der Schmerz: sich nicht ausdrücken zu können nicht wahrgenommen zu werden sich nicht zurechtzufinden hilflos zu sein respektlos behandelt zu werden 17

18 Der körperliche Schmerz Zum erkennen und beurteilen von Schmerzen hochbetagter, kognitiv eingeschränkter Bewohner ist es notwendig: Das für die Einrichtung passende Instrument zur Schmerzerkennung zu bestimmen Fort und Weiterbildung für die Mitarbeiter Begleitung der Mitarbeiter bei den ersten Schritten in der Schmerzerkennung 18

19 Geriatrische Symptomkontrolle Ernährung Bei diesem Thema erarbeiten Sie Vorgehensweisen zu den Punkten: Ablehnendes Essverhalten Nahrungsverweigerung Ernährungsassessments Essen soll Genuss sein 19

20 Geriatrische Symptomkontrolle letzte Lebensphase Wann beginnt die letzte Lebensphase? Mit dem Zeitpunkt der Bettlägerigkeit, der verringerten Nahrungsaufnahme, Gewichtsverlust???? Oder umfasst die letzte Lebensphase eher den gesamten Zeitraum der besonderen Pflege Bedürftigkeit im hohen Alter? Nach der Aufnahme in ein Pflegeheim beginnen für die Bewohner meist 4 individuell unterschiedliche Phasen o Zeit der Unruhe, Irritation, dem Gelingen oder Misslingen von Anpassung und Eingewöhnung o Phase der Gleichmäßigkeit, Balance, teilweise sogar mit Verbesserung des Zustandes o Phase der Verschlechterung des Allgemeinzustandes o Zeit des Sterbens 20

21 Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 21

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