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1 Empfehlungen zur Vorbereitung einer Videokonferenz Oktober 2014 Kompetenzzentrum für Videokonferenzdienste Kompetenzzentrum für Videokonferenzdienste Technische Universität Dresden

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3 Inhaltsverzeichnis 1 Die Besonderheiten von Videokonferenzen Szenario für Videokonferenzen Komponenten Beispielszenario für eine Mehrpunktvideokonferenz Videokonferenzen über unterschiedliche Netzanbindungen Videokonferenzen über IP Der Standard H Das Protokoll SIP Videokonferenzen über ISDN entsprechend H Gateway H.320 / H.323 im Dienst DFNVideoconference Äußere Anforderungen Raumgestaltung Allgemeine Raumgestaltung Akustik Farben Beleuchtung Verkabelung Sonstiges Zubehör Mischpult Projektionswände Technische Anforderungen und Fehlersuche Netzanforderungen Netzcheck Systemcheck Audio/Video Fehlersuche VC-System startet nicht Rufe funktionieren nicht Firewall Sicherheit Multipoint Control Unit (MCU) Allgemein Cisco TelePresence MCU 4500 Serie Cisco Recorder IP VCR

4 7 Gatekeeper Allgemeines Global Dial Scheme H.323 Name E.164-Alias Dial Plan Structure Praktische Umsetzung Empfehlung Gatekeeper Konfiguration Gatekeeper Videokonferenz-Geräte Allgemeines Klassifizierung Endgeräte Desktop- bzw. Einzelplatzsysteme Office-Systeme Kompaktsysteme Raumsysteme Aktuelle Gruppen- und Raumsysteme, Office- und Einzelplatzsysteme Konfiguration der Endgeräte PC-Einstellungen Bildschirmschoner, Energiesparfunktion Systemmonitor Windows SoundMixer Datenanwendungen H.239 Medien-Kanal und Präsentationen in Videokonferenzen Virtual Network Computing (VNC) VNC mit CISCO-MCU Datenanwendung über Adobe Connect Vorbereitungen für eine Videokonferenz Vorbereitung mit neuen Partnern Technische und organisatorische Vorbereitungen Der Moderator in einer Mehrpunktkonferenz Gestaltung von visuellen Hilfsmitteln 9-3 3

5 10 Durchführung einer Videokonferenz Einwahlmöglichkeiten Punkt-zu-Punkt-Verbindung Mehrpunktkonferenzen Verhalten in der Videokonferenz 10-3 Anhang A: Die wichtigsten Standards der Audiokodierung A-1 Anhang B: Videonormen B-1 Anhang C: Übersicht über Videoformate C-1 Anhang D: Einfluss von Paketverlusten auf die Videoqualität D-1 Anhang E: Questionnaire zur Vorbereitung einer Videokonferenz E-1 Anhang F: 10 Regeln für ein gelungenes Online-Meeting F-1 Glossar G-1 4

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7 Vorwort Das vorliegende Handbuch entstand im Rahmen des Projektes Kompetenzzentrum für Videokonferenzdienste, ein vom DFN-Verein gefördertes Projekt. Es ist an der Technischen Universität Dresden etabliert. Das Handbuch wird in regelmäßigen Abständen aktualisiert. Es soll allen Anwendern von Videokonferenzen und insbesondere allen Nutzern des Dienstes DFNVideoConference die dafür notwendigen Informationen und Hinweise geben. Jedes Kapitel hat eine eigene Versionsnummer, um einen separaten Austausch zu ermöglichen. Die im Handbuch aufgeführten Firmennamen und Produktbezeichnungen sind eingetragene Warenzeichen. Wir möchten alle Leserinnen und Leser des vorliegenden Textes bitten, uns bei Fehlern, Unkorrektheiten oder gar fehlenden Themen eine Rückmeldung auf einem der unten aufgezeigten Wege zu geben. Technische Universität Dresden Zentrum für Informationsdienste und Hochleistungsrechnen Kompetenzzentrum für Videokonferenzdienste (VCC) Dresden Tel.: +49 (0)351 / Fax: +49 (0)351 / Video: (H.323 IP): (H.323 GDS): (H.320 ISDN): +49 (0)351 / bis 384 kbps WWW: 6

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9 1 Die Besonderheiten von Videokonferenzen Eine Videokonferenz fordert im Gegensatz zum Telefon mehrere Sinne gleichzeitig, weil das Gespräch mit Bild, Ton, Bewegung und Interaktion (Application Sharing) ablaufen kann. Videokonferenzen verbreiten im Gegensatz zu und den meisten anderen Internet - Diensten das Gefühl, dass man direkten Kontakt mit den Gesprächspartnern hat. Die Gesichter sind zu sehen, die Bewegungen und das Mienenspiel können verfolgt werden. Einfach ausgedrückt, die Körpersprache ist auch im High - Tech - Zeitalter von entscheidender Bedeutung für die Interaktion und Kommunikation zwischen Menschen. Bisher ist die Videokonferenz die einzige Technik im Internet, die diese Möglichkeit bietet. Im Gegensatz zu einem persönlichen Gespräch oder einer Tagung sind allerdings während einer Videokonferenz die Eindrücke, die man vom Partner erhält, eingeschränkt. Typischerweise sind nur das Gesicht und ein kleiner Teil des Hintergrundes zu sehen. Das Verhalten in Videokonferenzen bedarf einer gewissen Übung und sollte auf jeden Fall vorher ausprobiert werden. Beim ersten Mal wirkt das Gespräch per Videokonferenz zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, da die Videokonferenz eine neue und ungewohnte Form der Kommunikation darstellt. Die Natürlichkeit in der Kommunikation stellt sich erst nach mehreren Konferenzen ein. Wenn ein lokales Bild auf dem Bildschirm angezeigt wird, beobachten sich die Teilnehmer der Konferenz selbst. Jeder versucht sich dann ganz normal zu benehmen, wodurch aber das Gegenteil bewirkt wird. Außerdem lenkt das lokale Video oft die Gesprächsteilnehmer vom eigentlichen Gesprächsinhalt ab. Die Interaktion ist einer der wichtigsten Aspekte in einer Videokonferenz. Allerdings setzt die Technik hier einige Grenzen und Anforderungen. Bei der Übertragung von Audio und Video kommt es zu Verzögerungen. Darum sollten zusätzliche kleine Pausen eingeschoben werden, bevor man mit dem Sprechen beginnt. Es empfiehlt sich als Richtwert, die normale Reaktionszeit auf den Partner zu verdoppeln. Version

10 2 Szenario für Videokonferenzen 2.1 Komponenten Anhand der Grafik in Abbildung 1 wird ersichtlich, welche Komponenten zur Realisierung von Mehrpunktvideokonferenzen eine Rolle spielen können. Nachfolgend werden die einzelnen Komponenten definiert. Abbildung 1: Videokonferenzen mit kommerziellen Systemen H.323 H.323 ist eine sogenannte Regenschirmnorm der International Telecommunication Union ITU und beschreibt alle Protokolle und Standards für die Sprach-, Daten und Videokommunikation über paketorientierte Netze. Die spezifischen Fähigkeiten von Endgeräten im IP-Umfeld werden ebenso festlegt. Der Standard ist abgeleitet aus dem H.320 Multimedia-Standard für ISDN. Er hat definierte Netzübergänge zu ISDN und soll die Interoperabilität der Herstellerprodukte untereinander garantieren, wobei vier Hauptgruppen definiert sind: Terminals, Gateways, Gatekeeper und Multipoint Control Units. Der H.323-Standard definiert die Multimedia-Kommunikation über LANs, die keine garantierte Dienstgüte zur Verfügung stellen. H.320 H.320 ist der internationale ITU-Standard für Videokonferenzen über ISDN. Festgelegt sind mehrere Normen für die Video- und die Audioübertragung. Bei ISDN beträgt die minimal benötigte Übertragungsrate 64 kbit/s, die maximale kbit/s. (Quelle: Version

11 H.323-Endgerät Ein H.323-Endgerät, im Sprachgebrauch des Standards als H.323-Terminal bezeichnet, wird als Oberbegriff für alle kommerziellen Videokonferenz-Endgeräte wie Desktop-, Kompakt- und Raumsysteme benutzt. H.320-Endgerät Mit H.320-Endgerät sind in der Grafik kommerzielle Videokonferenz-Endgeräte wie Desktop-, Kompakt- und Raumsysteme gemeint, die über ISDN an einer Videokonferenz teilnehmen. MCU MCUs sind Sternverteiler für Gruppenkonferenzen. Eine MCU ist eine zentrale Steuereinheit, die eine oder mehrere Multipoint- Videokonferenzen realisiert. Eine MCU arbeitet immer mit einem Gatekeeper zusammen. GK Ein Gatekeeper ist eine zentrale Steuereinheit für das Routen der Rufsignalisierung, die Auflösung der Telefonnummern und der IP-Adressen beziehungsweise deren Umwandlung nach E.164. Er ist somit für die Zugangsberechtigung und die Sicherheit verantwortlich. (Quelle: GW Ein Gateway stellt bei Videokonferenzen den Übergang bzw. die Verbindung vom IP- Netz zum Telefonnetz her. Die Komponenten MCU, Gatekeeper, H.323-Terminals und ein IP-Netz sind notwendig. Bei Konferenzen zwischen verschiedenen Netzwerken wird ein Gateway benötigt. 2.2 Beispielszenario für eine Mehrpunktvideokonferenz Vier örtlich voneinander getrennte Teilnehmer führen zusammen eine Videokonferenz durch (Abbildung 2). Teilnehmer A nutzt ein Kompaktsystem über ISDN. Teilnehmer B nutzt ein Desktopsystem per IP. Teilnehmer C nutzt ein Raumsystem über ISDN. Teilnehmer D nutzt ein Kompaktsystem per IP. Version

12 Abbildung 2: Beispielszenario einer DFNVC Mehrpunktvideokonferenz Alle Teilnehmer befinden sich in einer Videokonferenz. In diesem Szenario müssen alle Geräte am Gatekeeper der MCU angemeldet sein. Teilnehmer A nutzt ein Kompaktsystem. Das ist meist modular aufgebaut und besteht aus einem Codec mit einer separaten Kamera und einem Mikrofon. Für die Video- und Audiowiedergabe kann z. B. ein Monitor benutzt werden. Das Gerät wählt sich über ISDN in die Konferenz ein. Teilnehmer B nutzt auf einem PC ein Desktopsystem. Dieser Softwareclient kann mit einer USB-Kamera und einem Headset über einen LAN-Anschluss (IP) genutzt werden. Teilnehmer C verwendet für die Videokonferenz ein Office-System über ISDN. Videocodec und Kamera sind meist in einem Gehäuse fest integriert. Über einen Bildschirm mit Lautsprecher erfolgt die Video- und Audiowiedergabe. Dem Teilnehmer D steht ein Kompaktsystem zur Verfügung, dass über einen LAN-Anschluß (IP) mit dem Internet verbunden ist. Die Datenströme der beiden ISDN-Systeme werden über einen Gateway weitergeleitet, da eine Protokollumsetzung von ISDN auf IP erfolgen muss. Die Video- und Audiodatenströme aller VC-Systeme werden in der MCU verarbeitet. Aus den vier eingehenden Videodatenströmen wird ein neuer Videodatenstrom generiert und an alle Teilnehmer zurückgesendet. Die Videokonferenzdarstellung erfolgt in unserem Beispiel im Continuous Presence Modus. Hierbei sehen sich alle Konferenzteilnehmer gleichzeitig und können alle anderen hören. Die Version

13 vier eingehenden Audioströme werden zu vier neuen Audioströmen verarbeitet, wobei jeder aus den Audioströmen der drei anderen Teilnehmer gemischt wird. Version

14 3 Videokonferenzen über unterschiedliche Netzanbindungen Für den reibungslosen Ablauf von Videokonferenzen müssen die verschiedenen Videokonferenzsysteme in verschiedenen Netzwerken in der Lage sein, problemlos miteinander zusammenzuarbeiten. Hierfür wurden verschiedene Videokonferenzstandards entwickelt. Davon werden nachfolgend die Standards H.320 und H.323 erläutert sowie der Standard H.239, mit dem sich Daten als zweiter Videostrom übertragen lassen. 3.1 Videokonferenzen über IP Der Standard H.323 Der im Juni 1996 von der International Telecommunications Union (ITU) verabschiedete H.323-Standard bildet die Grundlage für die Videokommunikation im LAN. Er enthält die vier Hauptkomponenten H.323-Endgerät (H.323-Terminal) H.323-Multipoint Control cyunit H.323-Gateway H.323-Gatekeeper Die H.323-Spezifikationen beschreiben Terminals, Geräte und Services, die Echtzeit- Multimedia-Verbindungen (Audio, Video, Daten) in TCP/IP-Netzwerken (Intranet / Internet) ermöglichen. Obwohl viele Hersteller ihre Produkte als H.323-konform bezeichnen, ist die Kompatibilität der Produkte unterschiedlicher Hersteller nicht immer gesichert. Um im praktischen Einsatz sicherzustellen, dass die für die Videokonferenzen geplanten Endsysteme auch zufriedenstellend miteinander zusammenarbeiten, sollten diese im Vorfeld, soweit möglich, ausreichend getestet werden. Das VCC hat unter die Testergebnisse der Kompatibilitätstests verschiedenster VC-Systeme bereitgestellt (Abbildung 3). Während man bei einer ISDN-Verbindung von einer festen Übertragungsrate ausgehen kann, sind bei LAN-Verbindungen im Allgemeinen hohe Übertragungsraten nicht sicher zu garantieren. Sowohl die Anzahl der zwischen den Konferenzpartnern befindlichen Router als auch das Datenvolumen im Netz oder die Art der Anbindung an das Netz bestimmen die in der Videokonferenz erzielbare Datenrate wesentlich. Version

15 Abbildung 3: Kompatibilitätsmatrix (Auszug) Mit der Inbetriebnahme des X-WiN wurden die technischen Voraussetzungen für die Nutzung von Videoübertragungen zwischen den einzelnen Einrichtungen wesentlich verbessert. Die im X-WiN zur Verfügung stehende Bandbreite ist für Videokonferenzen in hoher Qualität mehr als ausreichend. Besondere Beachtung sollte bei der Planung von Videokonferenzen daher auf den Datenverkehr im lokalen Netz gelegt werden. Erfahrungen, insbesondere bei Mehrpunktkonferenzen, haben gezeigt, dass Konferenzpartner, die sich in Netzsegmenten mit hohem Datenverkehr befinden, die Gesamtkonferenz erheblich stören können. Problematisch ist dabei in der Regel nicht die benötigte Bandbreite (im Allgemeinen zwischen 384 kbps und 6 Mbps), sondern die Tatsache, dass mit zunehmendem Datenaufkommen im Netz auch die Wahrscheinlichkeit von Datenverlusten steigt. Fallen im "normalen" Datenverkehr Verlustraten von fünf Prozent kaum ins Gewicht, so wirken sich bei Videokonferenzen bereits Datenverluste von einem Prozent störend auf die Qualität der Audio- und Videodarstellung aus. Im Anhang D: Einfluss von Paketverlusten auf die Videoqualität finden Sie dazu Bildbeispiele Das Protokoll SIP SIP steht für Session Initiation Protocol und ist ein Netzprotokoll, das Aufbau, Steuerung und Abbau einer Kommunikation zwischen zwei oder mehr Teilnehmern beschreibt. SIP ist im Bereich der IP-Telefonie ein häufig genutztes Protokoll wurde es durch RFC 3261 von der IETF (Internet Engineering Task Force) spezifiziert. Jeder Client meldet sich an einem Server an, dem sogenannten Registrar. Vorteil von SIP ist unter anderem das flexible Adressierungsschema im URI-Format, wobei die SIP-Adresse einer -Adresse ähnelt: Die Domäne ergibt sich dabei durch den Registrar. Nachteile sind unter anderem die unzureichende Implementierung von Daten- und Version

16 Multimediaanwendungen und die problematische Einbindung in Firewall- oder NAT- Umgebungen. SIP-Clients gibt es z.b. in Form von VoIP-Telefonen oder Videokonferenzendgeräten mit SIP-Unterstützung, aber auch als Softclients zur Installation auf dem Rechner. Um per SIP einer Mehrpunktvideokonferenz des DFNVC-Dienstes beizutreten, kann für SIPkonforme Endgeräte eine Einwahl mit folgender Syntax geschehen: Bei SIP-Einwahl ist kein zweiter Videokanal nach H.239 möglich. Es ist jedoch möglich, einen zweiten Videokanal zu übertragen, wenn das SIP-Endgerät das BFC-Protokoll unterstützt (Binary Floor Control), so dass darüber eine Datenpräsentation übertragen werden kann. 3.2 Videokonferenzen über ISDN entsprechend H.320 Als digitales Netzwerk kann ISDN (Integrated Services Digital Network) Daten mit spezifizierten festen Bandbreiten übertragen. Ein digitaler Telefon-Anschluss wird üblicherweise mit zwei 64 kbps (kbps) Sprachkanälen betrieben. Systemintern werden unterschiedliche Kommunikations-Kanäle wie B, D, E oder H unterschieden. In der klassischen Kommunikation wurden das analoge öffentliches Fernsprech-Wählnetz (PSTN, Public Switched Telephone Network) für Sprach-Kommunikation, ISDN für Videokonferenzen mit Bild und Ton und das Internet Protokoll (IP) für Daten-Kommunikation genutzt. Seit 1990 gibt es von der ITU (International Telecommunication Union) eine Rahmenspezifikation (Umbrella recommendation) H.320 für schmalbandige Videotelephonie-Endgeräte (ISDN) Narrow-band visual telephone systems and terminal equipment. H.320 umfasst entsprechende spezielle Spezifikationen für die Kommunikation von Audio, Video, Daten und Signalisierung sowie Steuerung. Es ist ein verbindungsorientiertes Protokoll (circuitswitched), im Gegensatz zu verbindungslosen paketierten Protokollen (packet-switched) wie TCP/IP im Internet. Seit Einführung von H.320 gibt es zahlreiche Aktualisierungen und Ergänzungen in der derzeit letzten gültigen Fassung von (Revised version, approved, in force). Die Audio/Sprach-Signale und die Video/Bild-Signale der Konferenzteilnehmer werden zum Senden digitalisiert und auf die verfügbare Bandbreite (n*64 kbps) durch sogenannte Codecs (Kompressor/Dekompressor und Kodierer/Dekodierer) verlustbehaftet komprimiert. H.320 definiert für die Übertragung von Audio die Protokolle G.711, G.722 sowie G.728 und für die Übertragung von Video die Protokolle H.261, H.263 und H.264. Datenübertragung erfolgt über die Standards T.120 und H.239. Die beiden ISDN-Kanäle lassen sich heute getrennt für 2 verschiedene Übertragungen zum Beispiel Telefon-Verbindung mit 64 kbps und gleichzeitig Internet-Verbindung mit 64 kbits/s nutzen. Bündelt man die Kanäle für eine integrierte Anwendung sind theoretisch 2 * 64 kbps und damit insgesamt maximal 128 kbps möglich. Bündelt man bis zu 30 ISDN Kanäle mit 30 * 64 kbps ergibt sich eine Bandbreite von maximal 1920 kbps. Damit können ISDN Verbindungen zu S-DSL (Synchronous Digital Sybscriber Line, bis zu 2 Mbps) und Breitband LAN (Local Area Network) aufschließen. Auch A-DSL (Asynchronous Digitial Subscriber Line) Version

17 bietet bei Bandbreiten bis 25Mbit/s in Empfangsrichtung und 3,5Mbit/s in Senderichtung ausreichend Potential zur Durchführung von Videokonferenzen. Allerdings sind bei Mehrkanal ISDN entsprechende Mehrkosten zu berücksichtigen oder spezielle Flatrates mit günstigen Pauschaltarifen einzurichten. Im internationalen Maßstab können auch Rück-Ruf (Call-Back) Lösungen oder die Einwahl vom kostengünstigeren Konferenz-Teilnehmer von Bedeutung sein. International gibt es auch Unterschiede in der Kanal-Bündelung sowie der maximal möglichen Bandbreite, zum Beispiel sind im nordamerikanischen T1 Netz mit 23 Kanälen nur maximal 23 * 64 kbps und damit 1472 kbps möglich. Bei international unterschiedlichen Netzen und/oder unterschiedlich leistungsfähigen ISDN- Endgeräten kann dann nur die kleinste maximale Bandbreite der beteiligten Kommunikations-Partner genutzt werden. Bei ISDN Videokonferenzen wird im einfachsten Fall ein Kanal und damit 64 kbps für die Sprachkommunikation genutzt, während mit dem zweiten Kanal weitere 64 kbps für die Videobild-Kommunikation verbleibt. Eine einfache Video-Kommunikation ist so zwar möglich, erreicht aber nur geringe Qualität. Werden Daten oder Folienpräsentationen in solch einer Verbindung mittels Video-Kamera übertragen, ist die effektive digitale Auflösung ebenfalls auf eine Größe von 352*240 (NTSC) oder 352*288 (PAL) Bildpunkte begrenzt. Die erreichbare Bildauflösung wird je nach System auch mit CIF (Common Intermediate Format 352*288), Quarter-VGA (320*240) oder Quarter-PAL (360*288) bezeichnet. Die Lesbarkeit von Beschriftungen oder Dokumenten-Texten, die Wiedergabe von Abbildungen, Grafiken oder Details ist mit einem Viertel der Fläche eines vollen Video-Bildschirmes begrenzt. Bei Einsatz von H.239 zur Übertragung von Daten werden parallel zum Videobild hochauflösendere Bildformate zur Darstellung der Präsentation eingesetzt. Durch den Einsatz verbesserter Kompressionsverfahren werden darüber hinaus auch Videobilder mit Auflösungen bis hin zu 720p High Definition (1280*720) möglich. Ein Beispiel mit den aktuellen Erweiterungen ist das Cisco ISDN Gateway 3200 Serie für Sprache und Video bis zu 2 Mbps. Wird nicht nur eine einfache Punkt-zu-Punkt Video-Konferenz durchgeführt, sondern mit mehreren Teilnehmern gleichzeitig in einer Mehrpunkt-Kommunikation konferiert, wird die einfache Struktur um eine zentrale Mehrpunkt-Steuereinheit MCU (Multipoint-Controller-Unit) erweitert. Für weitergehende Ausführungen zu Gatekeeper und MCU wird auf die nachfolgenden speziellen Kapitel in diesem Handbuch verwiesen. Es sei noch darauf hingewiesen, dass im Umfeld von Hochschulen und Forschungseinrichtungen nur selten Videokonferenzen über ISDN stattfinden. Allerdings nutzen viele Projektpartner aus Industrie und Wirtschaft nach wie vor ISDN Videokonferenzen. 3.3 Gateway H.320 / H.323 im Dienst DFNVideoconference Mit der Verbreitung des IP-basierten Internet (zur Übertragung von TCP und UDP Daten- Paketen) und seinen hohen Bandbreiten sowie der stärkeren Nutzung digitaler Multimedia- Anwendungen entstand die Herausforderung, das digitale ISDN-Telefonnetz mit dem Internet zu verbinden. Von der ITU-T (International Telecommunication Union - Telecommunication Standardization Sector) wurde 1996 der Standard H.323 zur Übertragung von Audio, Video und Daten über IP-Netzwerke spezifiziert. Die Übergänge zwischen dem Telefonnetz Version

18 und dem Internet werden durch Gateways GW (Protokollumsetzer, Netzübergang) realisiert. Wenn eine Videokonferenz zwischen ISDN-Teilnehmern und Teilnehmern über das LAN oder Internet erfolgen soll, so ist ein H.323 Gateway zur Protokoll-Umsetzung und Medien- Transkodierung (Audio, Video und Daten) erforderlich. Die Ruf-Nummern im ISDN-Bereich erfolgen entsprechend einer ITU-Empfehlung nach E.164 Adressen (E.164 Alias). Diese E.164 Nummern können dann aus Telefon-Netzen in IP-Adressen im Internet umgesetzt werden. Hierfür ist ein so genanntes Gateway (Adressumsetzer) als weitere Komponente in der Verbindungsstruktur zuständig. Er sorgt für die Weiterleitung der Ruf-Signalisierung, die Auflösung der Telefonnummern und IP-Adressen beziehungsweise deren Umwandlung. Der Videokonferenzdienst im Wissenschaftsnetz, DFNVideoConference DFNVC, ermöglicht das Einbinden von ISDN-Teilnehmern in die Konferenz über zwei Cisco ISDN Gateways. Als Voraussetzung zur Teilnahme an Konferenzen benötigt der Teilnehmer ein Endgerät sowie einen oder mehrere ISDN-Anschlüsse. Dabei sind Bitraten bis zu 384 kbps möglich, was 6 ISDN-B-Kanälen mit 64 kbps beziehungsweise 3 Leitungen mit insgesamt je 128 kbps entspricht. Ein DFNVC-Gateway kann fünf Anrufe mit dieser Bandbreite gleichzeitig schalten. Auch mit einem Telefon ist die Teilnahme möglich (audio only calls), es muss jedoch Tonwahl beherrschen. Folgende Wahlmöglichkeiten stehen zur Auswahl: 1. Wahl der E.164 Adresse über IVR (automatische Zwischenansage durch interactive voice response) Diese Methode funktioniert mit jedem Endgerät, das Tonwahl beherrscht. ISDN Videokonferenzgeräte nutzen dies per Default, bei Telefonen bzw. TK-Anlagen muss dies bisweilen erst aktiviert werden. Vorgehen: - Wählen Sie eine der folgenden Gatewaynummern. - Warten Sie, bis eine automatische Ansage sie auffordert, die Konferenznummer anzugeben. - Geben Sie diese ein, gefolgt von einem #. Berlin Stuttgart Konferenznummer # Sie werden zur Konferenz durchgestellt und hören den Willkommensgruss der MCU. Zur Vereinfachung der Eingabe kann der MCU Prefix der Konferenznummer auch weglassen werden. Version

19 2. Direktwahl der E.164 Adresse Unterstützt ihr Endgerät Blockwahl oder Wahlvorbereitung, so können Sie sich hiermit ohne Umweg über den IVR direkt in eine Konferenz einwählen. Dies ist z.b. für Adressbucheinträge praktisch. ISDN Videokonferenzgeräte nutzen diese Technik per Default, bei Telefonen bzw. TK-Anlagen muss diese meist gesondert aktiviert werden. Vorgehen: - Wählen Sie eine der folgenden Gatewaynummern unmittelbar gefolgt von der Konferenznummer. Berlin Stuttgart Konferenznummer Zur Vereinfachung der Eingabe kann der MCU Prefix der Konferenznummer auch weggelassen werden. 3. Wahl der E.164 Adresse über TCS4 Unterstützt ihr Endgerät TCS4 (ISDN Subadressierung), so können sie die Rufnummer und die Konferenznummer ohne eine Wartepause durchwählen. Dies ist z.b. für Adressbucheinträge praktisch. Leider implementieren die Endgerätehersteller das notwendige TCS4- Trennzeichen unterschiedlich. Vorgehen: - Wählen Sie eine der Gatewaynummern. - Geben Sie das/die TCS4-Trennzeichen ihres Endgerätes ein. - Geben Sie die Konferenznummer ein. Polycom ## Berlin Sony ** Tandberg * Konferenznummer VCON ^ Zum Verkürzen der Ziffernfolge kann der MCU Prefix weggelassen werden. Version

20 4 Äußere Anforderungen 4.1 Raumgestaltung Allgemeine Raumgestaltung Bei der Raumgestaltung sind verschiedene Punkte in Einklang zu bringen. Für die Teilnehmer müssen selbstverständlich geeignete Sitzgelegenheiten in ausreichender Zahl vorhanden sein. Es muss gewährleistet werden, dass alle Monitore für alle Beteiligten gut sichtbar sind. Das Arrangement der Sitzordnung ist so zu treffen, dass niemand seinen Nachbarn blockiert. Das theoretische Blickfeld des Gegenübers muss von den benutzten Kameras abgedeckt sein. Der Eindruck nicht einzusehender Stellen sollte vermieden werden. Das Mikrofon ist so zu platzieren, dass alle gehört werden können. Dieses wird am besten erreicht, wenn alle den gleichen Abstand zum Mikrofon haben. Gegebenenfalls müssen mehrere Mikrofone verwendet werden. Bei der Verwendung von einem Mikrofon je Teilnehmer ist zu beachten, dass bei voller Sensitivität aller Mikrofone der übertragene Geräuschpegel zu hoch werden kann. Deshalb ist hier der Einsatz eines automatischen Audio-Mischers zu empfehlen, welcher das jeweilige Mikrofon, das gerade zum Einsatz kommt, in den Vordergrund holt und die anderen in dieser Zeit herunter regelt. Alle diese Forderungen können mit einem parabolischen oder halbkreisförmigen Tisch erfüllt werden, das offene Ende ist dabei in Richtung Kamera zu stellen Akustik Der Raum sollte so liegen, dass äußere Lärmquellen so stark wie möglich abgeschirmt sind. Hierbei ist besonders auf Verkehrsgeräusche, Büromaschinen, Klimaanlagen, Aufzugsschächte und angrenzende Gänge zu achten. Daneben ist eine gewisse akustische Isolation des Raumes nach außen von Vorteil. Diese verhindert, dass außerhalb des Raumes zu hören ist, was innen gesprochen wird. Eine angemessene Anzahl von geräuschabsorbierenden Materialien (wie z.b. Vorhänge, Teppiche oder akustische Deckenmaterialien) verringern das Echo innerhalb des Raumes. Daneben sollten aber auch die Raumhöhe und die Einrichtung des Raumes den Schall dämmen. Oberflächen, die den Schall gut reflektieren (z.b. Fenster, glatte Wände oder gekachelte Böden), verursachen ein starkes Echo. Zur Tonwiedergabe sind professionelle Aktivlautsprecher am besten geeignet. Sie besitzen gegenüber den externen PC-Lautsprechern eine klarere Tonwiedergabe und sind mechanisch robuster. Als externe PC-Lautsprecher sind aktive Lautsprecher zu bevorzugen, weil diese einen eigenen Lautstärkeregler besitzen. Bei fest installierten Beschallungsanlagen empfiehlt sich zur Vermeidung von Brummstörungen eine galvanische Trennung mit einem Trennübertrager (Abbildung 4). Dieses ist ein Transformator, der zwei Stromkreise voneinander trennt. Es besteht dann keine direkte Verbindung über ein leitendes Material mehr. Version

21 Abbildung 4: Trennübertrager Der Lautsprecher sollte in Richtung der geringsten Empfindlichkeit des Mikrofons aufgestellt werden (meist hinter dem Mikrofon). Der Abstand zwischen Lautsprecher und Mikrofon sollte mindestens das Fünffache des Abstandes vom Sprecher zum Mikrofon betragen. Für Einzelpersonen ist immer ein Headset (Abbildung 5) zu empfehlen. Damit wird ein geringer und konstanter Mikrofonabstand gewährleistet. Rückkopplungen sind so nahezu unmöglich. Abbildung 5: Headset Für Gruppen an einem Standort empfiehlt sich ein nahempfindliches Standmikrofon (dynamisches Mikro), an das der Sprecher herantritt. Richtmikrofone sind in der Regel nicht zu empfehlen, weil diese viele Hintergrundgeräusche aufnehmen. Für Tischmikrofone ist meist eine aktive Echounterdrückung oder beim Einsatz mehrerer Tischmikrofone ein automatischer Mischer notwendig. Version

22 Beim Einsatz von Grenzflächenmikrofonen ist es erforderlich, dass alle Personen direkt am Tisch sitzen und Stöße am Tisch durch Stühle, Füße, Stifte, usw. vermieden werden. Ein Grenzflächenmikrofon ist ein Kondensatormikrofon, das mit seiner Membran bündig in eine Platte eingebaut ist und zusammen mit dieser Platte auf eine möglichst große Fläche, z.b. auf den Tisch, gestellt wird. Das Mikrofon erhält so den maximalen Schalldruck ohne Überlagerungen von Hallanteilen und führt zu einem ausgewogenen Frequenzgang und einem akustisch guten Raumeindruck. An der Bauform des Gehäuses lässt sich die Richtcharakteristik des Mikrofons bestimmen. Die Richtcharakteristik beschreibt die Empfindlichkeiten eines Mikrofons für Schallquellen, die aus verschiedenen Richtungen einer Ebene auf das Mikrofon auftreffen. Das in Abbildung 6 dargestellte Mikrofon besitzt eine sogenannte superkardioide Richtcharakteristik, bei der der Schall vorzugsweise von vorne und weniger von der Seite aufgenommen wird. Schall, der von hinten auf das Mikrofon auftrifft, wird weitgehend ausgeblendet. Abbildung 6: Grenzflächenmikrofon Eine geringe Rückkopplung des Audiosignals vom Lautsprecher zum Mikrofon kann dem Gesprächspartner das Gefühl für die Zeitverzögerung der Übertragung geben: Die eigene Sprache kommt beim Sprecher mit 0,5 bis 3 Sekunden Verzögerung an. Ist diese Rückkopplung zu laut, wird der Sprecher im Redefluss behindert, da er sich selbst ständig ins Wort fällt. Wird sogar die Stabilitätsgrenze überschritten, entsteht lautes rhythmisches Pfeifen. Professionelle Videokonferenzsysteme bieten teilweise keine Möglichkeit der Aussteuerung des eigenen Audiosignals am Gerät. Sie regeln dies intern selbst. Die Wiedergabelautstärke der Gegenseite kann allerdings an allen Geräten eingestellt werden. Am PC kann nur durch eine optimale Aussteuerung eine gute Tonqualität des Audiosignals erreicht werden, da bei der Übertragung mit 8 Bit Auflösung kaum Reserven bestehen. Mit Trennwänden für den Videokonferenzbereich kann in größeren Räumen mit mehreren Arbeitsplätzen die gegenseitige akustische Störung verringert werden. Version

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