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1 Liebe Leserin, lieber Leser, zu den beliebtesten Artikeln des Zertifikate-Newsletters imblick zählt die Rubrik imübrigen, in der wir regelmäßig kuriose, unterhaltsame und wissenswerte Themen aus dem Finanzbereich vorstellen. So wurden in den vergangenen Jahren neben diversen Börsenweisheiten auch bekannte Anlagestrategien beleuchtet sowie Menschen vorgestellt, die mit ihren Anlageideen die Börsen- und Finanzwelt entscheidend geprägt haben. Eine Zusammenstellung der bereits veröffentlichten Artikel können Sie diesem Kompendium entnehmen. Viel Spaß bei der Lektüre wünscht Ihr Team der WGZ BANK imübrigen. Newsletter imblick. Verpassen Sie keine Ausgabe. Jetzt kostenlos abonnieren! Zur Anmeldung Börsenweisheiten, Kurioses und Skurriles aus dem Finanzbereich Seite 1 März Dezember 2014

2 Inhaltsverzeichnis Anlagestrategien Buy-and-Hold-Strategie Contrarian-Strategie Portfoliostrategie Value-Strategie Börsengurus (bekannte Investoren) Warren Buffet Benjamin Graham Hetty Green Bill Gross John Maynard Keynes André Kostolany Charles E. Merill John D. Rockefeller Jim Rogers George Soros Börsenweisheiten Kurz oder lang? Was die Rocklänge über die Börse verrät Lege niemals alle Eier in einen Korb Politische Börsen haben kurze Beine Sell in May and go away Von Gewinnmitnahmen ist noch niemand arm geworden Kurioses Der Milliardenweg Fiktion wird zur Realität - Künstler baut die Brücken der Euroscheine nach Wieso Deutschland Fußball-Weltmeister werden muss Wissenswertes Bitcoins - digitale Währung in der Diskussion Das magische Dreieck der Geldanlage Demokraten oder Republikaner - Was würde die Wall Street wählen? Die Hexen sind los Eine Erfolgsgeschichte wird 25 - der DAX feiert Geburtstag Spekulationsblasen - was Tulpen, Internet und Immobilien gemeinsam haben Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser 25 Jahre Schwarzer Montag - der große Börsencrash Seite 2

3 Anlagestrategien Buy-and-Hold-Strategie Contrarian-Strategie Portfoliostrategie Value-Strategie Seite 3

4 Anlagestrategien Einfache Regeln zur Geldanlage Buy-and-Hold-Strategie Kaufen Sie Aktien, und nehmen Sie ein paar Schlaftabletten so beschrieb Börsenaltmeister André Kostolany einst die berühmte Anlagestrategie Buy-and-Hold sehr passend. Doch aufgrund zweier Crashs seit der Jahrtausendwende und anscheinend immer volatiler werdenden Börsen wird die Strategie des Kaufen und Halten immer häufiger in Frage gestellt zu Recht? Kaufen und Liegenlassen Die Idee hinter der Buy-and-Hold-Strategie ist, dass risikoreiche Anlagen wie beispielsweise Aktien über einen längeren Zeitraum gehalten werden müssen, um möglicherweise auftretende Verlustphasen auszugleichen und eine attraktive Rendite zu erzielen. Historisch gesehen gab es immer wieder längere Durststrecken, teilweise können sich solche Schwächeperioden über viele Jahre hinziehen. Doch Anleger, die Geduld haben und ihren Investments Luft zum Atmen ließen, wurden in der Vergangenheit meist belohnt. Denn langfristig steigt der Aktienmarkt und holt zwischenzeitlich entstehende Verluste wieder rein so die Theorie. Ferner darf nicht vergessen werden, dass durch die längere Haltezeit eine geringe Anzahl von Käufen und Verkäufen nötig ist und somit die Transaktionskosten sinken, was sich ebenfalls positiv auf die Anlageergebnisse auswirken kann. Buy-and-Hold-Strategie richtig angewendet Obwohl bekannte Investoren wie Kostolany und Buffett mit der Buy-and-Hold-Strategie erfolgreich waren und große Reichtümer anhäuften, ist sie nicht ohne Schwächen und Risiken. Neben dem schon erwähnten langen Zeitraum stellt auch häufig das richtige Timing des Ein- und Ausstiegs ein Problem dar. Kauft man nahe einem Hoch eines Börsenzyklus, können die folgenden Verluste einen Großteil des Einsatzes aufzehren. Ob und wann die Einstiegskurse wieder erreicht werden, ist in solch einem Fall oft fraglich Anleger die Anfang 2000 ihr Erspartes in Aktien investiert haben, können sich noch lebhaft daran erinnern. Ebenfalls ist es riskant, sein Vermögen in nur eine einzelne Anlageklasse oder gar eine Aktie zu investieren. Daher empfiehlt es sich auch bei der Buy-and- Hold-Strategie, das Kapital möglichst Buy-and-Hold-Strategie imcheck breit zu streuen. Denn nur so können Anlagen kaufen und lange halten, um Idee die Verluste eines Investments durch mögliche Schwächephasen zu kompensieren die Gewinne eines anderen aufgefangen Einsatzmöglichkeiten private Vorsorge/Geldanlage werden. Anlagehorizont langfristig (mehrere Jahre) In den letzten Jahren wurde die Buyand-Hold-Strategie Mittel (Auswahl und Gewichtung der häufig für überholt Erstellungsaufwand einzelnen Anlagen, Abstimmung auf die jeweiligen Anlagebedürfnisse) erklärt, doch richtig angewendet und gering (Vermögensstruktur sollte Pflegeaufwand allerdings regelmäßig überprüft unter Berücksichtigung der veränderten und ggf. angepasst werden) Rahmenbedingungen an den Finanzmärkten hat sie nach wie vor ihre Daseinsberechtigung. Internet-Links Haben Kostolanys Weisheiten ausgedient? Seite 4 Ausgabe 09 vom

5 Anlagestrategien Einfache Regeln zur Geldanlage Contrarian-Strategie oder antizyklisch investieren Geopolitische Unruhen und wirtschaftliche Krisen schicken die Finanzmärkte immer wieder auf Talfahrt. Bei vielen Investoren trübt sich die Stimmung ein und sie verkaufen ihre Beteiligungen. Im schlimmsten Fall tritt sogar Panik ein. In solchen Situationen schlägt die Stunde der sogenannten Contrarians Anleger, die antizyklisch handeln und dann zuschlagen, wenn das Gros der Marktteilnehmer nichts von den Börsen wissen will. Gegen den Strom schwimmen Die Idee hinter der durchaus spekulativen Idee des antizyklischen Investierens: Der Contrarian kauft Aktien, wenn sie niemand haben möchte und sie günstig bewertet sind, und er verkauft seine Positionen, wenn alle Welt von Aktien redet und sich Euphorie an der Börse breitmacht. So können beispielsweise panikartige Verkäufe an den Finanzmärkten den Preis einer Aktie unter den inneren Wert eines Unternehmens treiben und sich günstige Kaufgelegenheiten bieten. Die Aufgabe eines antizyklischen Anlegers ist es, solche Aktien ausfindig zu machen und mittel- bis langfristig auf eine Erholung zu spekulieren. Auf der anderen Seite kann die bereits erwähnte Euphorie zu Überbewertungen führen, die aus fundamentaler Sicht nicht mehr begründet werden können. Dies ist meist ein Zeichen, die Aktien zu verkaufen, bevor die Stimmung kippt und die nächste Baisse eingeläutet wird. Somit basiert die Contrarian-Strategie auf der Annahme, dass die Mehrheit der Anleger nicht rational handelt und die Börsenkurse sich zyklisch bewegen. Leichter gesagt als getan Was sich in der Theorie einfach anhört, ist in der Praxis jedoch deutlich schwieriger. Denn gegen den Strom zu schwimmen ist nicht gerade menschlich der durchschnittliche Anleger folgt gerne der Masse und investiert daher bevorzugt in bestehende Trends. Herausfordernd ist auch, das richtige Timing für den Marktein- bzw. Marktausstieg zu finden. Zudem müssen Anhänger der antizyklischen Anlagestrategie auch gute Value-Investoren sein und die Fähigkeit besitzen, den Wert eines Unternehmens möglichst richtig einzuschätzen. Denn nicht selten kommt es vor, dass vermeintlich günstige Aktien zu Recht keine Käufer finden hier gilt es, die Spreu vom Weizen zu trennen. Und zu guter Letzt braucht ein Contrarian viel Geduld. Teilweise kann es mehrere Monate dauern, bis andere Investoren auf dieselben Unternehmen aufmerksam werden, das Herdenverhalten einsetzt und die Kurse steigen. Bekannte Anhänger des antizyklischen Investierens sind beispielsweise Jim Rogers, der bevorzugt fern ausgetrampelter Pfade investiert, André Kostolany, der planmäßig anders anlegte als Contrarian-Strategie imcheck die Masse, und Warren Buffett, der Idee gegen den Trend handeln sehr früh das Potenzial eines Unternehmens erkennt. Für Privatanleger ist institutionellen Anlegern angewendet wird überwiegend von Einsatzmöglichkeiten die Umsetzung dieser Strategie relativ Anlagehorizont mittel- bis langfristig schwierig und durchaus spekulativ. hoch (genaue Analyse der jeweiligen Marktstimmung sowie der fundamentalen Daten) Erstellungsaufwand Dennoch sollte das eigene Depot von mittel (Überwachung der einzelnen Pflegeaufwand Zeit zu Zeit überprüft werden sowie das Investments, gegebenenfalls Rebalancing) Verhalten anderer Anleger nicht blind Internet-Links Der Contrarian-Ansatz imitiert werden. Seite 5 Ausgabe 10 vom

6 Anlagestrategien Einfache Regeln zur Geldanlage Portfoliostrategie Wie im täglichen Leben gilt auch für Finanzanlagen: Einfache Regeln machen das (Anleger-) Leben leichter. Sie können zwar keine Erfolge garantieren, aber die Ergebnisse bekannter Investoren, die wir in den vergangenen Ausgaben vorgestellt haben, lassen sich häufig auf die konsequente Einhaltung einer bestimmten Anlagestrategie zurückführen. Ein Grund für uns, einige der bekanntesten Anlagestrategien etwas näher zu betrachten. Doch nicht jede Strategie ist für jeden Anleger geeignet. Je nach Anlagementalität, persönlicher Risikoneigung, finanziellen Möglichkeiten und Anlagehorizont gilt es, die richtige Anlagestrategie für sich zu finden. Grundregel: Niemals alle Eier in einen Korb legen Auf diesen Grundgedanken lässt sich stark vereinfacht die Portfoliostrategie verkürzen, die den Auftakt zur neuen Serie bildet, da auf dieser Leitidee der Vermögensaufteilung viele weitere Anlagestrategien beruhen. Der Grundgedanke der nobelpreisgekrönten Überlegungen des amerikanischen Ökonomen Harry M. Markowitz ist, dass Anleger nicht ihr gesamtes Vermögen in eine einzelne Anlageklasse wie beispielsweise Aktien oder Anleihen investieren sollten. Markowitz empfiehlt vielmehr, das Vermögen möglichst breit zu streuen und dadurch Risiken zu reduzieren. Da sich verschiedene Anlageklassen häufig auch unterschiedlich entwickeln steigen Aktien, fallen Anleihen oder umgekehrt.können die Verluste eines Investments durch die Gewinne eines anderen abgefedert oder gar aufgehoben werden. Je unabhängiger sich die Anlageklassen voneinander entwickeln, umso besser lassen sich Chancen und Risiken in einem Wertpapierportfolio kombinieren. Durch die richtige Zusammenstellung haben Anleger die Chance, dass das Risiko eines Portfolios kleiner ausfällt als die Summe der Risiken der einzelnen Bestandteile. Verluste gehören dazu In der Praxis hat die Strategie allerdings zur Folge, dass einzelne Verlustpositionen oder schlechter laufende Anlagen die Rendite der positiven Anlagen schmälern. Dazu kommt, dass in extremen Situationen, wie beispielsweise der Finanzkrise vor einigen Jahren, auch die breiteste Streuung an ihre Grenzen stoßen kann Portfoliostrategie imcheck und sämtliche Anlageklassen gleichzeitig an Wert verlieren. Daher sollten Idee Anleger, die ihr Depot auf Basis einer Einsatzmöglichkeiten Portfoliostrategie ausrichten möchten, grundsätzlich einen langfristigen Anlagehorizont Anlagehorizont besitzen. Zudem muss Erstellungsaufwand gerade bei der erstmaligen Zusammenstellung des Portfolios viel Sorgfalt auf Pflegeaufwand die Auswahl und die Gewichtung der Internet-Links einzelnen Anlageklassen (Aktien, Renten, Rohstoffe etc.) gelegt werden. Breite Streuung über verschiedene Anlageklassen, um Chancen und Risiken in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen Grundlage jeder ausgewogenen Vermögensanlage Langfristig (mehrere Jahre) Hoch (Auswahl und Gewichtung der einzelnen Anlagen, Abstimmung auf die jeweiligen Anlagebedürfnisse) Gering (Vermögensstruktur sollte allerdings regelmäßig überprüft und ggf. angepasst werden) YouTube-Video für Einsteiger Portfoliostrategie in Krisenzeiten Seite 6 Ausgabe 08 vom

7 Anlagestrategien Einfache Regeln zur Geldanlage Value-Strategie Kaufe einen Dollar für 50 Cent. Diese Aussage von Benjamin Graham umschreibt sehr anschaulich die Idee hinter dem wertorientierten Anlegen (Value-Strategie). Ziel dieser Strategie ist es, Aktien günstiger zu kaufen, als sie letztendlich wert sind und somit überdurchschnittliche Renditen zu erzielen. Preis und Wert Value-Investoren unterscheiden zwischen dem Preis oder Aktienkurs und dem sogenannten inneren oder fairen Wert des Unternehmens. Während der Aktienkurs von Angebot und Nachfrage bestimmt wird, spiegelt der innere Wert den tatsächlichen Gegenwert, basierend auf der Substanz und den Erträgen des Unternehmens, wider. Da die Preisbildung auf Märkten nicht immer effizient ist, können Preis und Wert eines Unternehmens teilweise deutlich voneinander abweichen. Anhänger der Value-Strategie kaufen Aktien, wenn sie stark unterbewertet sind, d.h. aus ihrer Sicht günstig sind und einen erheblichen Abschlag zum fairen Wert aufweisen. Diese Differenz wird auch Sicherheitsmarge oder Margin of Safety genannt. Die Kunst ist es nun, den inneren Wert festzustellen. Dazu gibt es verschiedene Ansätze. Neben einem ausführlichen Studium der Finanzzahlen spielt auch die Marktstellung des Unternehmens, das Management und der Vergleich mit der Konkurrenz eine wichtige Rolle. Des Weiteren müssen Value-Investoren in der Lage sein, den zukünftigen Geschäftsverlauf und die Wachstumschancen möglichst genau zu prognostizieren. Langer Atem nötig Was sich in der Theorie relativ leicht anhört, ist in der Praxis sehr schwer umzusetzen. Neben harter Arbeit erfordert die Value-Strategie vor allem Geduld und strenge Disziplin. Teilweise kann es Jahre dauern, bis andere Marktteilnehmer die Unterbewertung eines Unternehmens erkennen und der Kurs zu steigen beginnt. Ferner dürfen sich Value-Investoren nicht zu leicht von kurzfristigen Entwicklungen verunsichern lassen, müssen aber trotzdem ihre Positionen regelmäßig hinterfragen und überprüfen, ob ihre ursprüngliche Einschätzung noch gerechtfertigt ist. Ein wahrer Meister dieser Strategie war der bereits erwähnte Benjamin Graham. Mit seinem im Jahr 1934 erschienenen Buch Security Analysis legte er den Grundstein für nachfolgende Generationen von Value-Investoren. Einer der Schüler Grahams ist der bekannte und erfolgreiche Investor Warren Buffett. Kaum ein anderer beherrscht diese Form des Anlegens so gut wie der heute 84-jährige Multimilliardär. Dank einer konsequenten, langfristigen und wertorientierten Ausrichtung konnte die Value-Strategie in der Vergangenheit in unterschiedlichen Börsenphasen bestehen. In Haussephasen gehörten die Anlageergebnisse nicht immer zur Spitzengruppe, aber dafür erzielte der Ansatz in Schwächephasen meist eine stabilere Wertentwicklung als der Gesamtmarkt. Value-Strategie imcheck Idee Einsatzmöglichkeiten Anlagehorizont Erstellungsaufwand Pflegeaufwand Internet-Links unterbewertete Aktien kaufen wird überwiegend von institutionellen Anlegern angewendet langfristig hoch (genaue Unternehmensanalyse erforderlich) gering (Überwachung der einzelnen Investments, gegebenenfalls Rebalancing) Der Value-Ansatz Quelle: faz.net Seite 7 Ausgabe 11 vom

8 Börsengurus (bekannte Investoren) Warren Buffet Benjamin Graham Hetty Green Bill Gross John Maynard Keynes André Kostolany Charles E. Merill John D. Rockefeller Jim Rogers George Soros Seite 8

9 Warren Buffett die Investoren-Legende Genie, Orakel von Omaha oder Mozart der Finanzwelt sind nur drei Bezeichnungen für den erfolgreichsten Investor aller Zeiten Warren Buffet. Das US-Magazin Forbes schätzt sein Vermögen auf 58,5 Mrd. US-Dollar, was ihn zum derzeit viertreichsten Menschen der Welt macht. Früh übt sich Schon im zarten Alter von sechs Jahren verdiente Buffett sein erstes Geld der kleine Warren verkaufte Kaugummipäckchen. An jedem ganzen Päckchen verdiente er zwei Cents. Lukrativer war kurze Zeit später der Verkauf von Coca-Cola Flaschen. Hierfür erwarb er Sechserpacks für 25 Cents und verkaufte die Flaschen einzeln weiter für jeweils fünf Cents. Wann immer es möglich war, hielt sich Warren im Büro seines Vaters in der Omaha National Bank auf und las dort Wirtschaftszeitungen und Börsenliteratur. An umsatzschwachen Samstagvormittagen durfte er sogar bei der im selben Gebäude ansässigen Brokerfirma die Aktienkurse mit Kreide an die Tafel schreiben. Am meisten über Aktien und das richtige Investieren lernte er als junger Mann allerdings während seines Studiums an der Columbia-Universität in New York. Niemand anderes als der legendäre Investor Benjamin Graham (siehe imblick Ausgabe 08/2013) war sein Lehrmeister. Graham gilt als der Erfinder der Fundamentalanalyse und Buffett war sein bester Schüler. Investor und Philanthrop Nachdem Buffett erfolgreich einige Jahre das Geld von Bekannten und Verwandten verwaltete, kaufte er 1965 die Textilfirma Berkshire Hathaway und wandelte das Unternehmen in eine Holdinggesellschaft um. Als Anhänger des Value Investing sucht Buffet stets nach Aktien, deren sogenannter innerer Wert deutlich höher ist als ihre aktuelle Börsenbewertung. Zu seinen bekanntesten Investitionen gehören Coca-Cola, American Express oder auch Münchener Rück. Heute liegt der Schwerpunkt von Berkshire Hathaway im Erst- und Rückversicherungsgeschäft. Anleger, die 1969 Anteile von Berkshire für 43 US-Dollar erwarben, können sich heute glücklich schätzen. Warren Buffett ist der erfolgreichste Schüler Aus einem Einsatz von US-Dollar wäre bis zum heutigen Benjamin Grahams. Quelle: Wikimedia Commons Zeitpunkt ein Vermögen von über 4 Mio. US-Dollar geworden aktuell notiert die Aktie bei rund US-Dollar. Buffett selbst macht sich nicht viel aus seinem Vermögen. Der heute 83-jährige gab einen Großteil seines Vermögens an Stiftungen, unter anderem an die Bill & Melinda Gates Foundation. Nach seinem Tod will er sogar 99 % seines Vermögens für wohltätige Zwecke hinterlassen. Warren Buffett wurde nicht über Nacht zum erfolgreichsten Investor der Welt. Geduld, Ausdauer und Disziplin machten seinen Erfolg erst möglich. Tugenden, die auch noch in der heutigen Zeit eine große Rolle an den Börsen spielen. Seite 9 Ausgabe 11 vom

10 Benjamin Graham der Vater der Fundamentalanalyse In den nächsten Ausgaben von imblick stellen wir Ihnen in dieser Rubrik große Investoren, bekannte Anleger oder Menschen vor, die mit ihren Ideen, Visionen und ihrem Wirken die Börsen- und Finanzwelt entscheidend geprägt haben. Den Anfang macht ein in Deutschland eher unbekannter Investor. Unter Experten ist der im Jahr 1894 in London geborene Benjamin Graham allerdings legendär und gilt als Vater der Fundamentalanalyse. Grahams Weg an die Wall Street Nachdem Graham im Alter von einem Jahr mit seiner Familie nach New York gezogen war, machte er schon bald die ersten, leider negativen Erfahrungen mit der Börse. Nach dem Tod seines Vaters verlor die alleinerziehende Mutter ihr ganzes Hab und Gut durch den Aktienhandel mit geliehenem Geld. Doch dies schreckte Graham nicht ab. Nach seinem Studium an der Columbia University in den Fächern Philosophie, Mathematik, Englisch und Griechisch entschied er sich für einen Job bei einer Maklerfirma an der Wall Street, um im Anschluss 1926 unter dem Namen Graham- Newman Partnership eine eigene Vermögensverwaltung aufzubauen. Nebenbei begann Graham 1928 an der Columbia University zu unterrichten. Meister der Wertpapieranalyse Wie viele Investoren verlor auch Graham in der Wirtschaftskrise zwischen 1929 und 1932 einen Großteil seines Vermögens. Erneut steckte Graham diese Erfahrung weg, lernte aus der Krise und machte die Verluste innerhalb weniger Jahre wett veröffentlichte Graham zusammen mit David Dodd seine Erkenntnisse in dem Buch Security Analysis, das den Grundstein für die heute bekannte Fundamentalanalyse legte. Die beiden Autoren waren die Ersten, die auf Basis von Unternehmensbilanzen Wertpapiere analysierten. Benjamin Graham; gebürtig Benjamin Grossbaum, war ein einflussreicher US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und legendärer Investor. Er gilt als Vater der fundamentalen Wertpapieranalyse, und hat damit die Basis für das Value Investing gelegt. Ziel ihrer Methode ist es, einen inneren Wert einer Aktie zu bestimmen. Ausschlaggebend sind rationale Kriterien, wie beispielsweise ein unterdurchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), eine hohe Dividendenrendite und eine über Jahre hohe Gewinndynamik. Ebenfalls charakteristisch für den Investmentansatz von Graham ist die sogenannte Margin of Safety der Abstand zwischen dem ermittelten inneren Wert und dem aktuellen Marktpreis einer Aktie. Damit soll gewährleistet sein, dass Anleger nur in unterbewertete Titel investieren. Dass Grahams Methoden noch heute funktionieren können, zeigt der Erfolg seines damals besten und gelehrigsten Schülers an der Columbia University: Warren Buffett. Man muss allerdings nicht der viertreichste Mensch der Welt sein, um von den beinahe 80 Jahre alten Erkenntnissen zu profitieren auch für Privatanleger kann sich ein Blick in das Regelwerk durchaus lohnen. Eine Garantie für erfolgreiches Investieren ist aber auch dies nicht. Seite 10 Ausgabe 08 vom

11 Hetty Green die Hexe der Wall Street Hetty Green war zu ihrer Zeit die reichste Frau der Welt. Mit klugen Investments machte die erste große Geschäftsfrau der Wall Street mehrere Millionen US-Dollar. Nach heutigem Maßstab wäre sie Milliardärin. Hetty Green liebte es, Geld zu verdienen, und sie hasste es, Geld auszugeben. Ihre Sparsamkeit nahm geradezu skurrile Züge an und verhalf ihr zu dem Spitznamen Witch of Wall Street die Hexe der Wall Street. Als Frau in einer Männerwelt Sehr früh zeigte sich die Geschäftstüchtigkeit der am 21. November 1834 in Massachusetts geborenen Henrietta Howland Robinson. Die Tochter einer reichen Reederei-Familie begann mit sechs Jahren Börsenberichte zu lesen und eröffnete ihr eigenes Bankkonto. Im Alter von 13 Jahren übernahm sie die Buchführung für das Familienunternehmen. Als ihr Vater starb, vertraute er zu Hettys Enttäuschung ihr Erbe Treuhändern an. Damals war dies nicht ungewöhnlich, da man Frauen den Umgang mit Geld nicht zutraute. Hetty heiratete und flüchtete nach London. Hier zeigte sich zum ersten Mal ihr Talent, Geld zu vermehren. Die Mutter zweier Kinder kaufte US- Staatsanleihen, als niemand an die Zukunft der USA glaubte. Selbst als die Papiere immer tiefer fielen, kaufte sie unerschrocken weiter und ließ sich von der Panik nicht anstecken. Hetty Green lag mit ihrer Spekulation richtig innerhalb eines Jahres verdiente sie über eine Million US-Dollar. Die clevere Geschäftsfrau investierte weiter in Immobilien, Eisenbahngesellschaften, Ölquellen, Goldminen und Farmland. Binnen weniger Jahre vervielfachte sie ihr Vermögen. Neben ihren erfolgreichen Investitionen bleibt vor allem ihr Geiz in Erinnerung. Während andere berühmte Zeitgenossen wie John D. Rockefeller und J.P. Morgan mit ihrem Reichtum prahlten und in palastähnlichen Häusern lebten, wohnte Hetty Green in einem kleinen Appartement zur Miete. Ihre extreme Sparsamkeit äußerte sich auch darin, dass sie ausschließlich in den preisgünstigsten Restaurants verkehrte und jahrelang das gleiche schwarze Kleid und Witwenschleier trug. Diese düstere Bekleidung dürfte ebenfalls zu ihrem Spitznamen beigetragen haben. Hetty Green, die 1916 vermutlich an den Folgen eines Schlaganfalls starb, hinterließ ihren Kindern rund 100 Millionen US-Dollar. Hetty Green ( ) war bekannt für ihre erfolgreichen Investitionen und ihre Sparsamkeit. Billig kaufen, teuer verkaufen Ihr Erfolgsrezept fasste Hetty Green in wenigen Sätzen zusammen: Ich kaufe, wenn Papiere billig sind und niemand sie will. Ich behalte sie, bis ihr Wert steigt und alle sie kaufen wollen. Was sich so simpel anhört, ist in der Realität alles andere als leicht. Jeder, der sich mit der Börse beschäftigt, weiß, wie schwer es ist, antizyklisch zu handeln und dies auch gegen Trends dauerhaft erfolgreich durchzuhalten. Seite 11 Ausgabe 10 vom

12 Bill Gross vom Gewinner zum Verlierer und zurück? Selbst die besten Investoren machen mal Fehler. Eine Erfahrung, die der König der Anleihenmärkte, Bill Gross, im vergangenen Jahr am eigenen Leib machen musste. Zum ersten Mal seit 1999 erwirtschaftete der Fondsmanager einen Verlust. Doch Bill Gross wäre heute nicht einer der renommiertesten Anleihemanager der Welt, wenn er sich von solchen Rückschlägen nicht erholen könnte. Kalifornien und Wall Street William (Bill) Hunt Gross gehört zu den einflussreichsten Männern der Wall Street, obwohl er weit von dem Börsentrubel in New York entfernt lebt und arbeitet gründete Gross in Newport Beach, Kalifornien, die Investmentgesellschaft Pacific Investment Management Company LLC kurz Pimco welche seit dem Jahr 1999 zu Allianz Global Investors gehört. Mit Fleiß und harter Arbeit baute Gross Pimco zu einem globalen Anbieter von Investmentlösungen aus. Mit einem verwalteten Vermögen von rund Mrd. US-Dollar (Stand: ) gehört Pimco zu den größten Asset-Managern weltweit. Der richtige Riecher macht den Unterschied Den Erfolg verdankt Gross größtenteils seinem Instinkt für die Märkte. Wie kaum ein anderer kann der 69-Jährige makroökonomische Entwicklungen einschätzen und sein Portfolio danach ausrichten. Jeden Morgen um 5:30 Uhr betritt Gross den Handelssaal bei Pimco, setzt sich zwischen seine meist jungen Händler und gibt die nächsten Stunden Kaufund Verkaufsaufträge auf. Gross Expertise wird nicht nur von Anlegern geschätzt, auch ranghohe Politiker bitten ihn um Rat. Als der damalige US-Finanzminister Timothy Geithner in der Finanzkrise keinen Ausweg mehr sah, rief er bei dem Pimco- Gründer in Newport Beach an. Allerdings ist selbst der Anleihen-Guru nicht vor Rückschlägen gefeit verkaufte Gross sämtliche US-Staatspapiere, da Bill Gross trägt die Bezeichnung König der er mit steigenden Zinsen rechnete. Ein Fehler, wie sich später Anleihemärkte. Quelle: PIMCO Deutschland GmbH herausstellte, den er schnell korrigierte. Im vergangenen Jahr machte ihm erneut die US-Notenbank einen Strich durch die Rechnung. Die Ankündigung des Fed-Vorsitzenden Ben Bernanke, das sogenannte Quantitative Easing zurückzufahren, ließ die Kurse von Anleihen abrutschen, während Gross auf steigende Kurse und fallende Zinsen setzte. Wertverluste und Mittelabflüsse waren die Folge. Es bleibt spannend abzuwarten, ob sich Bill Gross von diesem Rückschlag wieder erholen kann, Management- und Strategiewechsel ließen bei einigen Investoren zuletzt Zweifel aufkommen. Fazit: Auch erfolgreiche Investoren sind vor Verlustphasen nicht geschützt. Seite 12 Ausgabe 02 vom

13 John Maynard Keynes vom Ökonomen zum Spekulanten und zum Investor John Maynard Keynes gilt als einer der bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts. Mit seinen unter dem Namen Keynesianismus bekannt gewordenen wirtschaftlichen und politischen Theorien prägt er bis in die heutige Zeit weltweit die Geld- und Fiskalpolitik von Notenbanken und Regierungen. Weniger bekannt, dafür aber ebenfalls sehr erfolgreich, ist sein Leben als Spekulant und Investor. Sein Anlagestil beeinflusste bekannte Investoren wie Warren Buffett, George Soros oder David Swensen. Aus Verlusten lernen Der am 5. Juni 1883 in Cambridge geborene Sohn eines Professors studierte in seiner Geburtsstadt Mathematik, Philosophie, Geschichte und Wirtschaftswissenschaft Fächer, die später Einfluss auf seine Tätigkeit als Ökonom und Kapitalanleger hatten. Seine Begeisterung für die Börse entdeckte Keynes als junger Mann kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Keynes machte verschiedene Stadien der Kapitalanlage durch. Zu Beginn seiner Karriere handelte er größtenteils mit Währungen auf der Basis von gesamtwirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Analysen. Nach einem erfolgreichen Start verlor er allerdings 1920 wieder alles und musste sogar einen Verlust verkraften. Doch Keynes steckte den ersten Rückschlag schnell weg und begann wieder von vorne. Typisch für ihn war auch das Spekulieren auf Kredit etwas, wovon Privatanleger die Finger lassen sollten. In den folgenden Jahren setzte Keynes vermehrt auf Aktien und managte sogar den Stiftungsfonds des King s College in Cambridge. Seine Ergebnisse waren allerdings durchwachsen es gelang ihm nicht, den britischen Aktienmarkt zu schlagen. Des Weiteren traf ihn der Aktienmarkt-Crash im Jahr 1929 völlig unvorbereitet und bescherte ihm heftige Verluste. Der Erfolg als Stockpicker Erst als Keynes Anfang der 30er Jahre seinen Investmentstil änderte, wurde aus dem Ökonomen ein langfristig erfolgreicher Anleger. Statt wie in den Jahren davor mit Hilfe seiner wissenschaftlichen Kenntnisse kurzfristige Trends zu verfolgen, verlagerte er seinen Schwerpunkt nun auf die Suche und Analyse Quelle: Wikimedia Commons von fundamental attraktiven Unternehmen. Er gehörte damit, ähnlich wie Benjamin Graham, zu den Pionieren des Value- Ansatzes finde unterbewertete Unternehmen und halte sie so lange, bis sie ihren fairen Wert erreicht haben. Keynes Anlagestrategie ist auch heute nicht veraltet. Für zahlreiche Hedgefonds und Investoren ist der 1946 verstorbene Brite nach wie vor ein Vorbild. Keynes gelang es an den Finanzmärkten, aus quasi nichts ein Vermögen zu machen. Zu verdanken hatte er dies seinem eisernen Willen und der Eigenschaft, aus Fehlern zu lernen. Tugenden, die an den Börsen nie außer Mode geraten. John Maynard Keynes, britischer Ökonom, Politiker und Mathematiker, 5. Juni April 1946 Seite 13 Ausgabe 04 vom

14 André Kostolany der Meister der Börsenpsychologie Er galt als der Gentleman unter den Spekulanten. Während für viele der Titel eines Spekulanten negativ belegt ist, trug André Kostolany ihn wie eine Auszeichnung. Der am 14. September 1999 in Paris, im Alter von 93 Jahren, verstorbene Kostolany gehört zweifellos zu den schillerndsten und interessantesten Personen, die je ein Börsenparkett betreten haben. Wie gewonnen, so zerronnen Geboren wurde André Bartholomew Kostolany am 09. Februar 1906 in Budapest in Ungarn. Als viertes Kind einer wohlhabenden jüdischen Industriellen-Familie war er früh den schönen Künsten zugeneigt und studierte Philosophie und Kunstgeschichte mit der Absicht, Kunstkritiker zu werden. Sein Vater hatte allerdings andere Pläne und verschaffte ihm Mitte der 20er Jahre eine Lehre bei einem Börsenmakler in Paris. In Paris erlebte der junge Börsianer die ersten Hochs und Tiefs. Im Jahr 1929 setzte er auf fallende Kurse und sollte recht bekommen schlagartig war Kostolany reich. Ebenso schnell war der neu gewonnene Reichtum aufgrund einer falschen Spekulation allerdings auch wieder verloren. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg lag er erneut richtig und verdiente aus heutiger Sicht Millionen. Geld, das ihm bei seiner Flucht vor den Nazis nach Amerika sehr hilfreich war. Einige Jahre nach dem Krieg zog es ihn wieder nach Europa zurück. Zusammen mit seiner Frau lebte Kostolany als Spekulant, Schriftsteller und Finanzexperte bis zu seinem Tod hauptsächlich in Paris, mit Nebenwohnsitzen in München und an der Côte d Azur. Kostolanys Philosophie Für Wirtschaftswissenschaften wie Volks- und Betriebswirtschaft hatte der Ungar stets wenig übrig, er hielt sie sogar für hinderlich. Die größte Bedeutung maß Kostolany der Börsenpsychologie zu, um das Handeln der anderen Akteure zu verstehen und seine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen. Der weltgewandte Mann verließ sich allerdings nicht nur auf sein Bauchgefühl, ebenso wichtig war es seiner Meinung nach, sich sehr intensiv mit dem jeweiligen Investment auseinanderzusetzen und es zu verstehen. Langfristig war für ihn die wirtschaftliche Entwicklung und die Gewinnsituation der Unternehmen ausschlaggebend für die Aktienkurse und mittelfristig die Geldversorgung. André Kostolany ( ) war auch für seine Börsenweisheiten bekannt. Quelle: picture allicane dpa Neben seinen erfolgreichen Investitionen wurde Kostolany vor allem dank seiner zahlreichen Bonmots zur Börse berühmt. So ist beispielsweise sein Ratschlag, Aktien zu kaufen, Schlaftabletten zu nehmen und die Papiere einige Jahre liegen zu lassen, für Langfristanleger eine leicht nachvollziehbare Richtschnur, um auch turbulente Börsenzeiten gut zu überstehen. Seite 14 Ausgabe 09 vom

15 Charles E. Merrill von der Wall Street zur Main Street Der Zufall brachte ihn mehr oder weniger an die Wall Street, doch seine Spuren sind noch heute allgegenwärtig. Kaum jemand hatte solch eine Bedeutung für die Entstehung der modernen Aktienkultur wie Charles E. Merrill. Er war nicht nur ein begnadeter Geschäftsmann und erfolgreicher Investor, dank seines Einsatzes wurde die Aktie als Anlageform auch bei amerikanischen Privatanlegern populär. Aus der Provinz in die Finanzmetropole Merrill wurde 1885 als Sohn eines Arztes und Apothekenbesitzers in Grenn Cove Springs, Florida geboren. Nach einigen Schul- und Ausbildungsjahren an College und Universität trat er eine Stelle bei einer Textilfirma in New York an. Das geschäftige Treiben in der Finanzmetropole faszinierte ihn und als die Beziehung zur Tochter seines Chefs zerbrach, ergriff er die Chance und wechselte zu einem Broker an die Wall Street. Im Januar 1914 entschied sich Merrill, seine eigene Investmentfirma zu gründen: Charles E. Merrill & Co. Sechs Monate später schloss sich dem jungen Unternehmer Edmund Lynch als Partner an und es entstand Merrill Lynch & Co. Merrill erkannte früh das Potenzial des Einzelhandels und organisierte zahlreiche Börsengänge. Da er als Teil seiner Entlohnung meist Aktienanteile erhielt und diese später mit Gewinn verkaufte, wurde er schnell vermögend. Wirklich bekannt wurde Merrill, als er in den Zeiten des Börsenbooms, Ende der Zwanzigerjahre, vor einem Crash an den Aktienmärkten warnte war er der Auffassung, dass die Märkte überbewertet seien, und riet seinen Kunden, Gewinne zu realisieren. Als dann im Oktober 1929 die Börsen zusammenbrachen, konnten sich diejenigen glücklich schätzen, die seinen Rat befolgt hatten geschätzte 6 Mio. US-Dollar an Kundengeldern wurden dank seiner Voraussicht gerettet. Da Merrill einen längeren Abwärtstrend erwartete, zog er sich von den Finanzmärkten zurück und übertrug das Firmenkapital an einen anderen Broker. Er stieg in die Geschäftsführung einer Einzelhandelskette ein und widmete sich seinem wachsenden Portfolio an Unternehmensbeteiligungen. Quelle: NNDB Charles E. Merrill, Gründer der Investmentbank Merrill Lynch. Privatanleger halten Einzug an den Börsen Im Jahr 1940 kehrte Merrill an die Wall Street zurück, fusionierte mit E. A. Pierce & Co und gründete den damals größten Broker der Welt mit Büros in 93 Städten. Hauptsächlich beschäftigte sich Merrill aber damit, kleineren Investoren den Zugang zu den Finanzmärkten zu ebnen. Unter dem Slogan Bring Wall Street to Main Street startete er eine Kampagne und klärte Privatanleger über die Geldanlage auf. Des Weiteren stieß er weitreichende Änderungen in den Strukturen der Finanzbranche an. Als Charles E. Merrill 1956 starb, war die Börsenwelt eine andere. Nicht nur institutionelle Investoren bestimmten in Zukunft das Marktgeschehen immer größer wurde der Einfluss der Privatanleger. Seite 15 Ausgabe 07 vom

16 John D. Rockefeller durch Wachstum zum Erfolg Er gilt als Inbegriff des amerikanischen Traums. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, gelingt John D. Rockefeller mit seinem einzigartigen Geschäftssinn der Aufstieg zum reichsten Menschen aller Zeiten nach neuesten Berechnungen, unter Berücksichtigung der Inflation, würde sein damaliges Vermögen heutzutage über 300 Mrd. US-Dollar betragen. Der junge Unternehmer John Davidson Rockefeller wurde am 8. Juli 1839 in Richford, New York geboren. Mit insgesamt fünf Geschwistern wächst er in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach der High School beginnt er mit 16 Jahren als Buchhalter zu arbeiten. Hier entdeckt er seine Begeisterung für Geldgeschäfte und Zahlen. Nach der Ausbildung hat Rockefeller aber größere Ziele und macht sich mit rund 19 Jahren selbstständig. Anfangs handelt er mit Farmprodukten, wie Fleisch und Getreide. Doch die neu aufkommenden Petroleum-Lampen bringen ihn auf eine Idee und er entdeckt das lukrative Geschäft mit dem Öl für sich. Rockefeller erwirbt eine kleine Raffinerie und erweitert sein Geschäft stetig. Hierfür scheut er kein Risiko und ist auch bereit, große Kredite aufzunehmen. Nach und nach kauft er andere Öl-Produzenten auf und baut seine Vormachtstellung aus. Aufstieg und Zerfall eines Megakonzerns Ab 1870 firmierten seine Unternehmen unter dem Namen Standard Oil Co. und kontrollierten rund 10 % des in Amerika raffinierten Öls. Nur zehn Jahre später waren schon rund 90 % des US-Ölmarktes in der Hand von Standard Oil Co. Und weitere zehn Jahre später kontrollierte das Unternehmen rund 70 % des Welthandels. Im Lauf der Jahre wurden die Stimmen lauter, die eine Zerschlagung von Standard Oil Co. forderten. 1911, vier Jahrzehnte nach der Gründung, führte ein Gerichtsverfahren dazu, dass das Imperium in viele Teile zerlegt wurde. Unter anderem entstanden Exxon, Chevron und Amoco. Als Folge gab der Aktienkurs deut- John Davison Rockefeller Senior um 1915 Quelle: Wikimedia Commons lich nach. Doch Rockefeller machte auch aus dieser Situation das Beste. Er erkannte das zukünftige Potenzial von Erdöl und deckte sich mit den nun billigen Aktien seiner Unternehmen ein. Der Erste Weltkrieg sowie der Siegeszug des Automobils ließen nicht nur die Nachfrage nach Öl explodieren, sondern auch den Wert seiner Unternehmensanteile in die Höhe schnellen. Anleger können von dem reichsten Menschen der Welt viel lernen. Das gilt sicher nicht für die rabiate, teilweise gegen Wettbewerbsrecht verstoßende Unternehmenspolitik. Aber wie kein anderer erkannte er die großen Trends rechtzeitig und setzte auf das richtige Pferd. Rückschläge steckte er weg, sah sie sogar manchmal als Chance und glaubte langfristig an seine Vision. Trotz seines Reichtums lebte der streng religiöse Rockefeller bescheiden. Er war der Überzeugung, dass Reichtum verpflichtet. Aus diesem Grund spendete er einen Großteil seines Vermögens der Rockefeller-Stiftung und anderen Wohltätigkeitsorganisationen. Seite 16 Ausgabe 06 vom

17 Jim Rogers der Investment-Abenteurer Er ist der Entertainer und Abenteurer unter den Investmentlegenden. Kaum jemand verpackt das Thema Investment so unterhaltsam wie der 71-jährige Jim Rogers. Mit seiner Fähigkeit, komplizierte Dinge einfach darzustellen, und häufig kritischen Äußerungen sowie mit spannenden Anekdoten seiner vielen Reisen gehört er zu den beliebtesten und schillerndsten Personen an den Kapitalmärkten. Rogers und Soros Jim Rogers wurde am 19. Oktober 1942 geboren und wuchs als Sohn eines Managers einer Chemiefabrik im Städtchen Demopolis im US-Bundesstaat Alabama auf. Nachdem er an den Elite-Universitäten Yale und Oxford Geschichte, Philosophie und Wirtschaft studiert hatte, arbeitete er bei verschiedenen Firmen an der Wall Street. Dort lernte er niemanden geringeren als George Soros kennen und gründete mit ihm den berühmten Quantum Funds. Nach zehn sehr erfolgreichen gemeinsamen Jahren beendete er schließlich die Zusammenarbeit und ließ sich auszahlen. Rohstoffe als Investment Um viele Millionen reicher, kehrte Rogers der Wall Street den Rücken zu und begab sich auf Reisen. Zu seinen bekanntesten Trips gehören eine Weltreise auf dem Motorrad sowie eine weitere Umrundung der Erde in einem umgebauten Geländewagen. Neben vielen Abenteuern, die Rogers auf den Reisen erlebte, hielt er vor allem Ausschau nach neuen Investmentideen und er wurde fündig. Das explosive Wachstum der Weltbevölkerung sowie der wirtschaftliche Aufstieg zahlreicher Schwellenländer machten ihn optimistisch für Rohstoffe ein begrenztes Angebot trifft auf eine steigende Nachfrage. Als Folge schuf Rogers den Rogers International Commodity Index. Der Erfolg gab ihm recht, der Index gehört heute zu den meistbeachteten Rohstoffindizes der Welt. Eine weitere These, die Rogers vertritt, ist der unaufhaltsame Aufstieg Chinas. Nicht nur, dass China die USA als größte Volkswirtschaft ablösen wird, der bekannte Investor sieht auch den Yuan in Madrid. Jim Rogers während eines Interviews 2010 Quelle: Wikimedia Commons, FDV als künftige Leitwährung. Rogers entschied sich daher, seinen Wohnsitz zu verlegen, und zog mit seiner Familie von New York nach Singapur. Dort lernen seine beiden Töchter Mandarin und werden auf die zukünftige tragende Rolle Chinas in der Welt vorbereitet. Rogers bezeichnet sich selbst als einen der schlechtesten Markettimer. Trotzdem sollte sein Investmentansatz für viele Privatanleger Vorbildfunktion haben. Rogers versucht immer wieder, die großen Weichen richtig zu stellen, sei es eine mehrjährige Rohstoffhausse oder eine neue Weltordnung. Der erfolgreiche Investor lässt sich somit nicht von kurzfristigen Schwankungen verunsichern und liegt langfristig häufig richtig. Seite 17 Ausgabe 05 vom

18 George Soros der geläuterte Spekulant Sein Wort hat Gewicht. Wenn er spricht, hängen Anleger, Investoren und auch Politiker an seinen Lippen. Er galt als Meisterspekulant und König der Hedge-Fonds, doch in den letzten Jahren zeigt er dem Kapitalismus immer öfter die kalte Schulter und fiel vermehrt als Philanthrop sowie durch sein politisches Engagement auf die Rede ist von George Soros. jährlich mehr. Allein im letzten Jahr konnte der Quantum Funds mit 5,5 Milliarden US-Dollar den höchsten Jahresgewinn der Branche erzielen. Seit 2011 verwaltete der Fonds keine Kundengelder mehr, sondern nur noch das Vermögen der Familie. Auf die großen Trends setzen Den Grundstein seines Reichtums legte der junge Ungar jüdischer Abstammung, der 1947 vor den Kommunisten nach London floh und 1956 nach New York zog, im Jahr Zusammen mit seinem Kollegen, dem inzwischen ebenfalls als Investorenlegende bekannten Jim Rogers, übernahm er im Steuerparadies Curaçao einen Fonds, der später unter dem Namen Quantum Funds weltberühmt wurde. Durch geschickte Spekulationen auf globale makroökonomische Marktentwicklungen erzielte Soros im Laufe der Zeit enorme Renditen. Große Trends frühzeitig zu erkennen ist das eine, aber den Mut zu haben, große Wetten darauf abzuschließen, das andere. Dies unterscheidet ihn von vielen anderen Investoren. Sein wohl bekanntester Coup gelang ihm am 16. September 1992 dem sogenannten Schwarzen Mittwoch. Soros wettete gegen das britische Pfund, das er für überbewertet hielt. Er lieh sich Pfund und kaufte dafür andere Währungen. Soros trat eine Spekulationswelle los und zwang die Bank of England in die Knie. Innerhalb einer Nacht verdiente er rund eine Milliarde US-Dollar. Laut Forbes Magazine wird Soros Vermögen auf rund 23 Milliarden US-Dollar geschätzt, und es wird Profitieren von fallenden Kursen Obwohl sich Soros in letzter Zeit aus der Finanzbranche nach und nach zurückzieht und sich mehr seinen politischen und wohltätigen Interessen widmet, werden die Anlageentscheidungen seiner Fondsgesellschaft von anderen Marktteilnehmern mit Argusaugen beobachtet. Erst jüngst sorgte eine milliardenschwere Wette auf den Kursverfall des S&P 500 für Aufsehen. Gleichzeitig halten auch die Diskussionen um den sogenannten Chart of Doom an. Dieser vergleicht den Kursverlauf des Dow Jones der Jahre mit dem heutigen Kursverlauf und warnt vor einem extremen Kursverfall. Bei näherer Betrachtung fällt jedoch auf, dass der reine Chartvergleich hinkt und nicht auf einer genauen statistischen Grundlage basiert. George Soros beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Jahre 2010 Copyright by World Economic Forum. swiss-image. ch/photo by Sebastian Derungs. [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons Welche Gründe Soros zu seiner Entscheidung bewogen haben und ob diese Wette aufgeht, bleibt abzuwarten. Seite 18 Ausgabe 03 vom

19 Börsenweisheiten Kurz oder lang? Was die Rocklänge über die Börse verrät Lege niemals alle Eier in einen Korb Politische Börsen haben kurze Beine Sell in May and go away Von Gewinnmitnahmen ist noch niemand arm geworden Seite 19

20 Blau, Orange und Grau WGZ BANK festgelegt Kurz oder lang? Was die Rocklänge über die Börse verrät Was haben Rocklänge, Lippenstifte und Männerunterwäsche mit der Entwicklung der Aktienkurse gemeinsam? Auf den ersten Blick wenig, aber auf den zweiten Blick mehr als man vielleicht denkt. Skurrile Indikatoren Konsumklima, Arbeitslosenzahlen oder Gewinnerwartungen sind bekannte Börsenindikatoren, doch nicht immer liefern sie die besten Ergebnisse. Ab und zu lohnt es sich auch, einen Blick auf etwas skurrile Wirtschaftsindikatoren zu werfen. Der populärste und älteste der ungewöhnlichen Indikatoren ist der sogenannte Rocklängen-Index bzw. Hemline-Index. Schon 1926 beobachtete der US-Ökonom George Tyle einen Zusammenhang zwischen der Rocklänge und der Konjunktur je kürzer der Rock, desto besser geht es der Wirtschaft. Die Begründung für dieses Phänomen ist logisch. Brummt die Wirtschaft, wollen Frauen ihre neuen Schuhe und teuren Seidenstrümpfe zur Schau stellen. Werden die Zeiten hingegen schlechter, werden die alten Schuhe und nackten Beine unter knöchellangen Röcken versteckt. Mittlerweile wurde dieses Phänomen auch schon in Studien belegt, wie beispielsweise vom Econometric Institute der Erasmus School of Economics in Rotterdam. Allerdings reagiert die Mode laut den vorliegenden Untersuchungen erst mit einer Verzögerung von etwa drei Jahren auf wirtschaftliche Krisen. Ein weiterer Indikator, für den Frauen verantwortlich sind, ist der Lippenstift-Index. So machte unter anderem Leonard Lauder vom Kosmetikkonzern Estée Lauder die Entdeckung, dass in Rezessionen deutlich mehr Lippenstifte verkauft werden als in Boomzeiten tatsächlich hat sich der Verkauf von Lippenstiften in den Krisenjahren nach den Anschlägen von 9/11 nahezu verdoppelt. Auch diesmal ist die Erklärung denkbar einfach und logisch: Können Frauen kein Geld für neue Kleider oder teure Schuhe ausgeben, dann doch wenigstens für Lippenstift. Ein Index, der es bis in die Führungsebene der amerikanischen Notenbank geschafft hat, ist der sogenannte Unterhosen-Index. So beobachtete der Fed-Vorsitzende Alan Greenspan den Verkauf von Männerunterwäsche, um sich ein Bild über die konjunkturelle Entwicklung zu machen. Sinkt der Absatz von Boxershorts und Slips, geht es der Wirtschaft schlecht, denn laut Greenspan sparen Männer zuerst an ihrer Wäsche. Angebot und Nachfrage bewegen die Kurse So lustig und schräg sich diese Indikatoren anhören, so steckt hinter den meisten dieser Phänomene nichts anderes als das marktwirtschaftliche Prinzip von Angebot und Nachfrage. Und genau das ist schließlich verantwortlich für den Kursverlauf der Aktienmärkte. Wer allerdings dieses Jahr versucht, die Börsenentwicklung mittels des Rocklängen-Index zu prognostizieren, dürfte sich schwertun. Denn laut Vogue liegt 2013 die angesagte Rocklänge irgendwo zwischen Mini und Maxi. Herodot, ca. 480 bis 424 v. Chr., bekannt als Vater der Geschichtsschreibung und Erzähler zahlloser Geschichten Seite 20 Ausgabe 02 vom

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