Paradigmenwechsel Geobasisdaten: Die Umstellung auf ALKIS aus Sicht der Nachnutzer

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1 Paradigmenwechsel Geobasisdaten: Die Umstellung auf ALKIS aus Sicht der Nachnutzer Das Thema Amtliche Liegenschaftskatasterinformationssystem, kurz ALKIS genannt, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Auch wenn keine einheitliche Roadmap vorliegt und so eine gleichzeitige und deutschlandweite, flächendeckende und v. a. gleichzeitige Einführung nicht zu erwarten ist, wird ALKIS langfristig bundesweit eingeführt werden. Dabei beschränkt sich die Sichtweise auf das Thema ALKIS meist ausschließlich auf Geschäftsprozesse der Landesvermessung, wie z. B. auf die Erhebung, Pflege und Fortführung der Daten. Dabei ist das Gros der eigentlich Betroffenen bei den Nachnutzern zu finden, z. B. bei den klassischen GIS-Nutzern aus dem Umfeld der Energieversorgungsunternehmen oder Transportnetzbetreibern. D ie Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland (AdV) hat in den letzten Jahren einen neuen Standard zur Zusammenführung zum Austausch von Kataster- und Eigentümerinformationen entwickelt: ALKIS. Grundlagen des neuen Standards sind u. a. die aktuellen Verfahrenslösungen ALK und ALB, die Verfahrenskonzeption ALB II sowie die Neukonzeption des ALB-Verfahrens der Bundesländer Bayern, Sachsen, Thüringen, Hamburg und Hessen. Damit erfolgt auch die Umstellung des amtlichen Koordinatensystems GK auf UTM ETRS89. In Niedersachsen z. B. ist die Einführung ab 2009 geplant, die Umstellung in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen erfolgt zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Dies bedeutet für Nutzer von Geoinformationssystemen mit länderüberschreitenden Geodatenbeständen, dass zumindest für eine Übergangszeit sowohl die neuen, als auch die alten Schnittstellen sowie das GK-Koordinatensystem unterstützt werden müssen. Konzentrierte sich die Diskussion um AL- KIS bisher vornehmlich auf die Sicht der Landesvermessung, die im Rahmen ihrer hoheitlichen Aufgaben u. a. für die Erhebung, Fortführung und Bereitstellung der Daten verantwortlich ist, nehmen aktuell die Diskussionen und Gespräche aus Sicht der Nachnutzer stark zu und der Informationsbedarf steigt enorm. Denn ALKIS ist keine Option auf freiwilliger Basis, alle bisherigen Nutzer der Automatisierten Liegenschaftskarte (ALK) und des Automatisierten Liegenschaftsbuches (ALB) werden zukünftig ALKIS nutzen müssen. status quo Abb. 1: Status quo ALK, ALB sowie relevante Schnittstellen Status quo und Motivation für ALKIS ALK und ALB enthalten die Daten des Liegenschaftskatasters. Die ALK ist dabei der vermessungs- und kartentechnische Teil des Liegenschaftskatasters, im ALB Schnittstellen EDBS WLDG EDBS WMS Client Verfahren GIS Client GIS/WebGIS Arbeitsplatz ALK-Punktdatei ALK-Grundrisse ALB AKTIS Geodatenapplikationen Mobile GIS Clients Mobiles GIS Arbeitsplatz Geodatenbank mit ALK- und ALB-Daten GPS Support Drittsysteme Webclient Phat Client Wegerechtsarbeitsplatz Wegerechtsdatenbank mit ALB-Daten Abb. 2: Beispiel für redundante ALB-Datenhaltung am Bsp. Geodatenapplikationen und Drittsystemen (hier: Wegerechtsapplikation) 2

2 sind die beschreibenden Daten von Flurstücken, wie z. B. Gemarkung, Eigentümer, etc. hinterlegt. Zusammen mit der ALK bildet das ALB den Kern des Liegenschaftskatasters. Es besteht aus Flurstücksdatei, Bestandsdatei auf der Basis des Grundbuchs, Gebäudedatei, Gemarkungs- und Gemeindedatei, Eigentümerdatei und weiteren Datenbeständen. ALK und ALB dienen ihrerseits wiederum als Grundlage für viele andere Datensammlungen, wie z. B. Baulasten-, Altlasten-, Landschafts- und Naturschutz-Datenbanken (Abb. 1). Doch warum braucht es überhaupt ein neues System? ALK und ALB haben sich bis heute bewährt, warum ändert man diese Verfahren? Und welche Auswirkungen hat dies vor allem auf die vielen Nachnutzer von Geobasisdaten? Hauptsächlicher Treiber für die Neukonzeption des Liegenschaftskatasters ist die technologische Entwicklung der letzten Jahre. Die bisher genutzten Systeme ALK und ALB basieren auf Konzeptionen der 70er- und 80er-Jahre des vergangen Jahrhunderts und entsprechen damit nicht mehr den technologischen Anforderungen. Mit anderen Worten: Es stehen heute mehr und vor allem bessere Möglichkeiten zum Geodatenmanagement zur Verfügung. Ein weiterer wichtiger Grund ist darin zu suchen, dass Geobasisdatenbestände typischerweise historisch gewachsen sind und in unterschiedlichen Bezugssystemen vorliegen. Vielfach sind Eigenentwicklungen der Vermessungsverwaltungen mit getrennten und z. T. redundanten Dateninhalten sowie unterschiedlichen Datenmodellen, -formaten und Schnittstellen im Einsatz, was einen hohen Aufwand zur Sicherung der Konsistenz nach sich zieht (Abb. 2). In einer Zeit der zunehmend vernetzen und damit zusammenwachsenden Welt sowie dem Aufbau von nationalen wie internationalen Geodateninfrastrukturen (GDI, Stichwort INSPIRE ), scheint es hier nur konsequent zu sein, den status quo kritisch zu hinterfragen und eine vollständige, internationalen Standards entsprechende Neukonzeption zu forcieren. ALK + ALB = ALKIS Die beiden Informationssysteme ALK und ALB werden zukünftig integriert im Amtlichen Liegenschaftskatasterinformationssystem (ALKIS) geführt, welches von der AdV unter Berücksichtigung internationaler Normen und Standards, wie z. B. OGC und ISO/TC 211 entwickelt wurde. Darüber hinaus wurde eine Harmonisierung mit dem Amtlich Topographisch-Kartographischem Informationssystem (ATKIS) vorgenommen, welches die Oberfläche der Erde mit digitalen Landschafts- und Geländemodellen beschreibt. ALKIS ist damit zentraler Bestandteil des AAA-Referenzmodells (3A). 3A steht für AFIS (Amtliches Festpunkt-Informationssystem), ALKIS (Amtliches Liegenschaftskataster-Informationssystem) und ATKIS (Amtliches Topographisch-Kartographisches Informationssystem) (Abb. 3). Dieses Referenzmodell der AdV hat die bundesweit einheitliche Darstellung und Beschreibung der Informationen der Geotopographie und des Liegenschaftskatasters zum Ziel. Damit erhalten Geobasisdaten zukünftig vor allem eine einheitliche Struktur, welche auf internationalen Standards und Normen basiert und damit eine zumindest theoretische Interoperabilität mit sich bringt. Des Weiteren werden Geobasisdaten zukünftig nicht nur einheitlich modelliert, sondern auch harmonisiert. Mit anderen Worten: Gleiche Objekte in unterschiedlichen GI-Systemen stimmen in ALKIS zukünftig inhaltlich und semantisch überein. Die GeoInfoDok Nachzulesen ist die vollständige Konzeption in der Dokumentation zur Modellierung der Geoinformationen des amtlichen Vermessungswesens (GeoInfoDok). Die aktuell vorliegende Version 6.0 mit Stand vom 11. April 2008 ist die amtliche Dokumentation zur Modellierung von Geoinformation auf der Basis von AFIS-ALKIS- ATKIS. Das Dokument enthält in neun Haupt- und zahlreichen Unterkapiteln auf insgesamt mehr als 160 Seiten sämtliche Beschreibungen, also Modelle, Schemata, Kataloge. Um es gleich vorweg zu nehmen: Niemand unter den Nachnutzern muss dieses Dokument zwingend vollständig lesen und verstehen, aus Sicht der Nachnutzer sei allerdings auf Kapitel 3 Das konzeptionelle Modell, Kapitel 7.1 ALKIS-Objektartenkatalog sowie Kapitel 7.3 ALKIS-Signaturenkatalog hingewiesen. Alle anderen Kapitel richten sich primär an die Landesvermessung sowie an die IT- und GIS-Dienstleister, welche z. B. in Kapitel 4 und 5 ausführliche Informationen zum Thema NAS enthalten. Das konzeptionelle ALKIS-Modell Zur Beschreibung des Anwendungsschemas und der Objektartenkataloge wurde die Unified Modelling Language (UML) verwendet, welche auch von ISO/TC 211 zur Normung von Geoinformationen eingesetzt wird. Hintergrund ist der Wunsch nach einer vollständigen und vor allem unzweifelhaft interpretierbaren, formalen Beschreibung von Inhalt und Struktur von (Geo)Datenbeständen. Durch diese konsequent objektorientierte Modellierung haben wir es mit einer sehr strengen Objektsicht zu tun (Abb. 4). Der Aufbau ist immer gleich: Jedes Objekt ist durch einen Objektklassennamen gekennzeichnet, wie z. B. das Objekt Flurstück. Das Objekt Flurstück besitzt spezifische Attribute, wie z. B. die Fläche oder die Flurstücksnummer. Die Fläche des Flurstücks wird durch die Geometrie charakterisiert, eindeutiger Objektidentifikator ist die ID. Relationen bestehen z. B. zur Buchungsstelle, welche wiederum durch spezifische Attribute, Relationen sowie einen eindeutigen Identifikator gekennzeichnet ist. Die Bildung eigenständiger Objekte ergibt sich aus der fachlichen Objektsicht. Objekte mit geometrischer Ausprägung können punkt-, linien-, flächen- und volumenförmige Beschreibungen führen oder aber vom Typ Punktgeometrie sein. Objekte ohne Raumbezug, wie z. B. Personen, tragen keine Geometrie und lassen sich damit nicht auf einen bestimmten Ort festlegen, aber mit anderen raum- und nichtraumbezogenen Objekten in Zusammenhang bringen, wie z. B. mit Flurstücken, Gebäuden oder Adressen. 1/8 Anzeige 3

3 Die Grundsätze zur Repräsentation von Raumbezug und Geometrie leiten sich aus der ISO-Norm (Spatial schema) ab, zur Verringerung der Komplexität werden allerdings nur die in Tabelle 1 genannten Raumbezugsgrundformen verwendet. Abschließend soll darauf hingewiesen werden, dass jedes raumbezogene AL- KIS-Fachobjekt (AA_REO) auf maximal eine Geometrie verweist. Besteht die Notwendigkeit, zu einem Realwelt-Objekt mehrere Geometrien vorzuhalten (z. B. Generalisierung, unterschiedliche Koordinatenreferenzsysteme, Punkt- und Flächengeometrie), so ist jeweils ein eigenständiges Fachobjekt (gegebenenfalls als Kartengeometrieobjekt) zu bilden [vgl. GeoInfoDok, S. 25ff]. Klassische Komponenten zum Handling von ALKIS-Daten bestehen aus einer Erhebungs- und Fortführungs-, einer Datenhaltungs- sowie einer Präsentationskomponente. Aus Sicht der Nachnutzer sind lediglich die beiden zuletzt genannten Komponenten relevant. status quo Schnittstellen Verfahren ETRS89/UTM Gleichzeit mit ALKIS wird auch das European Terrestrial Reference System 1989 (ETRS89/UTM) eingeführt. Um vorhandene Geometrieidentitäten von aus ATKIS abgeleiteten Geofachdaten zu erhalten, hat die AdV mit dem Ansatz Bundeseinheitliche Transformation für ATKIS (Be- TA2007), welcher auf dem international bewährten Open Source Ansatz National Transformation Version 2 basiert, eine einheitliche Vorgehensweise erarbeitet. An dieser Stelle sei allerdings erwähnt, dass z. B. in Nordrhein-Westfalen DHDN/GK und ETRS89/UTM parallel angeboten werden sollen. Die Transformation von DHDN/GK-Koordinaten in ETRS89/UTM-Koordinaten erfolgt über Stützpunkte, also identische Punkte, deren Koordinaten in beiden Systemen bekannt sind. Von der Landesvermessung kostenlos zur Verfügung gestellte Transformationsprogramme sollen hier den Prozess unterstützen. Alternativ können gängige Transformationswerkzeuge, wie z. B. die FME Suite, Open EDBS WLDG EDBS ALK-Punktdatei ALK-Grundrisse ALB AKTIS Source Tools sowie Oracle basierte Coordinate System Transformation Functions genutzt werden. NAS und NBA Eine weitere, wichtige Neuerung ist die Einführung der so genannten Normbasierten Austauschschnittstelle (NAS), welche die in die Jahre gekommenen Schnittstellen EDBS und WLDGGB ablösen wird. Dabei ist die NAS mehr als eine Schnittstelle, unter dem Begriff NAS lässt sich ferner ein Datenformat (XML) sowie ein Autorisierungssystem für den Zugriff auf Geobasisdaten subsumieren. Aus der Sicht der Nachnutzer und Gründen der Verständlichkeit sollte sich die Betrachtung auf NAS allerdings auf die Funktion der Schnittstelle beschränken, welche auf internationalen Standards und Normen basiert. An die Stelle des bisherigen Bezieher- Sekundärnachweises (BZSN) für die ALK sowie die Änderungsdatensätze WLDGE für die beschreibenden Liegenschaftsdaten tritt die so genannte Nutzerbezogene Bestandsdatenaktualisierung (NBA). Hierbei ist entscheidend, dass nach der Umstellung einer Katasterbehörde auf ALKIS-Produktionsbetrieb keine BZSN- bzw. WLDGE-Daten mehr zur Verfügung stehen werden. Damit müssen sich die Nachnutzer von ALKIS- Daten vor allem auf die neuen Schnittstellen NAS und NBA einstellen. AAA Zielsystem Verfahren Schnittstellen Abb. 3: ALKIS als zentraler Baustein der 3A-Gesamtkonzeption Buchungsstelle Attribute Relationen Identifikator Objektklassenname: Flurstück Buchfläche Flurstücksnummer Vermessungsunterlage Buchungsstelle Fläche Abb. 4: Beispiel für die Sicht auf ein ALKIS-Objekt AFIS ALKIS AKTIS ID NAS Vermessungsunterlage Attribute Relationen Identifikator ALKIS-Geschäftsprozesse Zunächst einmal sei erwähnt, dass AL- KIS-Geschäftsprozesse je nach Nutzerkreis sehr unterschiedlich sein können. Nachfolgend werden die beiden Nutzergruppen Landesvermessung sowie AL- KIS-Nachnutzer unterschieden und auf die spezifischen Bedürfnisse und Anforderungen dieser Nutzergruppen eingegangen. Die Erhebung, Pflege, Fortführung und (entgeltliche) Abgabe der Daten ist Aufgabe der Landesvermessung. Konkret bedeutet dies, das die Landesvermessung im Rahmen von Zerlegungen, Verschmelzungen, Umlegungen, Flurbereinigungen und Berichtigungen das Liegenschaftskataster fortlaufend pflegt, erneuert und den Nachnutzern zur Verfügung stellt. Wird also beispielsweise ein Flurstück zerlegt, erfolgt die Übernahme der Teilungsvermessung mit der gegebenenfalls notwendigen Verlegung der Gemarkungs- und Flurgrenze der von der Zerlegung betroffenen Flurstücke. 4

4 Verteil- und Transportnetzunternehmen Energieversorgungsunternehmen stellen klassische ALKIS-Nachnutzer dar: Sie beziehen die Daten bei der Landesvermessung und spielen diese, gegebenenfalls über einen Dienstleister, in ihre IT-Systeme ein. Die nun z. B. in einer unternehmensweit verfügbaren Geodatenbank vorgehaltenen Daten stehen damit unternehmensweit für reine Auskunfts- sowie als Basis für sehr individuelle Geschäftsprozesse zur Verfügung. In vielen Unternehmen kommen Geodaten zum Einsatz, ohne dass die Nutzer hier von Geodaten oder Geoinformationen sprechen. In Branchen abseits der klassischen GIS- Nutzer ist oft auch nur von Grund- oder Basisdaten zu hören, welche die Grundlage oder die Basis für die darüberliegenden Geschäftsprozesse bilden, wie es z. B. bei der Erhebung und Abrechnung der LKW-Maut durch die Toll Collect GmbH geschieht. Wenden wir uns wieder den Unternehmen der Energiebranche zu und versuchen einmal einige wenige, dafür aber klassische Geschäftsprozesse zu identifizieren: Leitungs- & Betriebsmitteldokumentation Netzplanung Stör- und Alarmfallmanagement Anfragen Dritter Entschädigungsmanagement Integrity Management Operatives und strategisches Assetmanagement Generierung von Längsschnitten Management von Wegerechten Berechnung der Kosten von geplanten Hausanschlüssen Optimierung der Neukundenakquise sowie der Betreuung wechselwilliger Bestandskunden Diese nur unvollständige Liste verdeutlicht erneut, dass fast alle Fragestellungen einen räumlichen Bezug haben. Dennoch muss festgehalten werden, dass die Geodaten hier nur Mittel zum Zweck sind. Am Markt verfügbare ALKIS-Lösungen Den zahlreichen mittel- und unmittelbar mit ALKIS zusammenhängenden Geschäftsprozessen steht eine erstaunlicherweise sehr geringe Anzahl an Herstellern von Softwarelösungen gegenüber. Die bereits am Markt verfügbaren Softwarelösungen sind dabei auf die Erhebung, Bearbeitung und Fortführung der Daten im 3A-Modell spezialisiert und damit für die zukünftigen ALKIS-Nachnutzer denkbar ungeeignet, da sie nicht nur vollkommen funktionsüberfrachtet, sondern auch und vor allem nicht an den spezifischen Bedürfnissen von Versorgungsunternehmen orientiert sind. Die zu tätigenden Investitionen in neue Lizenzen stellen ein weiteres Problem dar, welches bei der Diskussion um die Einführung von ALKIS oft vernachlässigt wird. Mit anderen Worten: Die bekannten Softwarelösungen sind überdimensionert, kostenintensiv und gehen an den spezifischen Bedürfnissen der Energieversorgungsunternehmen vorbei. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob nun alle GIS-Abteilungen in neue Fachschalen-Lizenzen und Geodatenbanken investieren müssen. ALKIS wird kommen, früher oder später müssen alle jetzigen ALK und ALB Nutzer in der Lage sein, ALKIS-Daten verarbeiten zu können. Pragmatische Lösungen Dabei könnte grundsätzlich jedes vorhandene GIS zur Visualisierung und Verarbeitung der Daten genutzt werden, wenn es denn über eine Schnittstelle zum Import und Aktualisieren der Daten sowie eine Datenhaltungskomponente verfügt. In diesem Kontext erscheint es ferner sinnvoll, die Datenhaltungs-komponente der ALKIS-Strukturen zwar standardkonform aber an den jeweiligen Anforderungen der Versorgungsunternehmen auszurichten. Dies ist besonders dann sinnvoll und notwendig, wenn z. B. keine amtlichen Daten zur Verfügung stehen und zusätzlich zur fortführungsfähigen ALKIS- Schnittstelle eine Fortführung direkt im GIS erfolgen muss. Die Darstellungskomponente kann gemäß der ALKIS-Richtlinie GeoInfoDok implementiert werden, vielfach wünschen die Nutzer der GIS allerdings eine kartographische Ausgestaltung wie sie es bis heute gewöhnt sind. Damit entfällt eine nicht unbedingt erforderliche Umgewöhnung der Nutzer. Auf den ersten (kartografischen) Blick bleibt damit alles beim Alten, was sich auch positiv auf die Akzeptanz der Nutzer auswirken wird. Der Einstieg in die ALKIS-Welt ist also gar nicht so kompliziert, wie es viele Systemanbieter ihren Kunden glaubhaft machen wollen. Auch der Bezug der ALKIS-Daten über die Landesvermessungen stellt sich als relativ unkompliziert dar, die niedersächsische Landesvermessung (LGN) 1/2 Anzeige 5

5 Quelle: ALKIS-Beispieldaten auf Grundlage der GeoInfoDok des LGN Niedersachsen; bietet beispielsweise allen heutigen Nutzern von Kataster- und ALB-Daten nach der ALKIS-Umstellung eine kostenlose Erstausstattung an (Abb. 5). Import und Datenhaltung Doch wie kommen die Daten überhaupt in ein GIS? Hierzu ist eine NAS-kompatible Schnittstelle erforderlich (Abb. 6), welche ebenfalls im bereits vorhandenen System implementiert werden kann und sollte. Über diese NAS-Schnittstelle lässt sich der initiale, vollständige Erstbezug der ALKIS- Daten genauso importieren, wie auch das Einspielen der zukünftig beziehbaren Differenzupdates. Abb. 5: Auszug aus einer XML-Beispieldatei des LGN Diese Schnittstelle zwischen ALKIS-Daten und der ALKIS-Datenhaltungskomponente sollte idealerweise auch die Möglichkeit bieten, die in der so genannten GeoInfoDok spezifizierten, sehr umfangreichen ALKIS-Datenstrukturen, auf die tatsächlichen Belange eines Energieversorgungsunternehmens, also auf einen so genannten Grunddatenbestand, zu reduzieren. Das ein ALKIS-Datenmodell sowohl Kataster-, als auch alle Eigentümerdaten speichern sowie die Beziehungen zwischen den Objekten darstellen können muss, versteht sich von selbst, dennoch bietet es sich stets an, ein speziell auf die Belange des Nutzers abgestimmtes und leicht zu konfigurierendes Datenmodell anzuwenden. In der Regel werden damit folgende Daten strukturiert vorgehalten (Abb. 7): Verwaltungseinheiten (Bundesland, Regierungsbezirk, Kreis, Gemeinde) Flurstücke Personendaten (Namen, Adressen) Personenbeziehungen zu Flurstücken (Eigentümer, Bewirtschafter, etc.) Postleitzahlenbereiche An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass ALKIS-Daten natürlich auch in Oracle Datenbanken gehalten werden können. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn z. B. personenbezogene Informationen aus dem ALB in weiteren Applikationen des jeweiligen Unternehmens genutzt werden. Visualisierung der Daten Zu den vorgenannten Daten können neben den Sachinformationen auch die dazugehörigen Geometrien (z. B. Flächen von Flurstücken, Hausnummern Positionen, usw.) gespeichert werden. Neben diesen strukturierten Daten besteht die Möglichkeit je nach Anforderung diverse rein grafische Objekte (z. B. Straßen, Gebäude, Topografie, Gewässer) in einfachen Geometrieobjekten zu speichern. Diese Objekte sollten flexibel vom Anwender konfigurierbar sein, um sie einfach an die spezifischen Anforderungen anpassen zu können. Quelle: ALKIS-Modul der GEOMAGIC GmbH Abb. 6: NAS Schnittstelle zum Import von ALKIS-Daten Die Konfiguration der kartografischen Darstellung erfolgt nach GeoInfoDok und/oder entsprechend der vorhandenen Zeichenrichtlinien (Abb. 8). Dies ermöglicht den GIS-Nutzern jederzeit einen Wechsel der grafischen Präsentation ihrer Karten. Inhalte können also nach der neuen ALKIS-Zeichenvorschrift sowie der gewohnten Kartografie dargestellt werden, der Wechsel der Darstellung erfolgt dabei z. B. in Smallworld GIS on the fly über einen Menüeintrag. Systemkonfiguration und Koordinatentransformation Nicht zu vergessen sind gegebenenfalls erforderliche Anpassungen aller vorhanden GIS-Funktionen, die auf die bisherigen ALK- und ALB-Objekte zurückgriffen, wie z. B. eine automatische Risswerks- und Profilerzeugung. Diese müssen gegebenenfalls an das neue ALKIS Datenmodell angepasst werden. 6

6 Tabelle 1: Raumbezugsgrundformen für 2D-Geometrien Geometrische Objekte (GM_Object) Primitive Komplexe GM_Point GM_CompositeCurve GM_Curve GM_CompositeSurface GM_PolyhydralSurface Aggregate GM_MultiPoint GM_MultiCurve GM_MultiSurface Topologische Objekte (TP_Object) Primitive Aggregate TS_PointComponent TP_Complex TS_CurveComponent TS_SurfaceComponent TS_Face, in Anlehnung an GeoInfoDok, S. 25 Ferner sind die bereits im GIS vorhandenen Daten respektive ihre Koordinaten, die nicht durch ALKIS-Daten abgelöst werden, in das neue Referenzkoordinatensystem ETRS89 zu transformieren. Hierbei stellen die Landesvermessungen sowie die AdV Tools zur Verfügung, welche die Realisierung deutlich erleichtern. Zusammenfassung & Ausblick ALKIS als zentraler Teil der 3A-Gesamtkonzeption stellt einen richtigen und zeitgemäßen Ansatz dar, auf dessen Basis standardisierte, interoperable und für die Nutzer gewinnbringende Dienste implementiert werden können. Erst dann erschließen sich die Vorteile von ALKIS für die Nachnutzer. Das die bekannten ALKIS- Systemanbieter bisher ausschließlich den Landesvermessungen im Bereich der Erhebung und Fortführung gerecht werden, ist zugleich Chance und Herausforderung für alle IT- und GIS-Dienstleister. Trotz der bereits erwähnten, föderalistisch bedingten, heterogenen Rahmenbedingungen, bringt die Umstellung auf ALKIS für die Nutzer zahlreiche Vorteile (Abb. 9): Flurstücks- und Eigentümerinformationen werden in einem Datensatz zeitgleich zur Verfügung gestellt. Damit entfallen Widersprüche auf Grund unterschiedlichen Aktualitätsstands beider Datensätze. ALKIS bietet die Aktualisierung über Differenz Updates. Damit können alle Flurstücks- und Eigentümerinformationen vollautomatisch aktuell gehalten werden. ALKIS ist vollständig objektorientiert strukturiert. Damit verbessert sich insbesondere die Qualität der Eigentümerinformationen, da die Datenstruktur keine Interpretationsspielräume von Namensund Adressangaben mehr zulässt. Nach der Umstellung auf ALKIS ist erstmalig der Zugriff auf Wegerechtsinformationen (z. B. Vertragsdaten aus Drittsystemen) über den eindeutigen Flurstücksschlüssel (Flurstücksnummer, Flur, Gemarkung, Bundesland) aus dem GIS möglich. Damit entfällt zukünftig 1/2 Anzeige 7

7 der aufwändige Datenabgleich zwischen Drittsystemen und GIS sowie die anschließende manuelle Ermittlung der Flurstückskoordinaten. ALKIS orientiert sich an nationalen und internationalen Standards, wie z. B. ISO/ TC 211 und OGC, was eine zumindest theoretische Interoperabilität mit sich bringt. Die Anzahl der Datenformate und Schnittstellen wird deutlich reduziert. WMS Client GIS Client GIS/WebGIS Arbeitsplatz Geodatenapplikationen Mobile GIS Clients Mobiles GIS Arbeitsplatz Neben den genannten ALKIS-Vorteilen sind aber auch einige Hürden zu nennen, mit denen sich Versorgungsunternehmen im Rahmen der ALKIS Einführung zwangsläufig auseinandersetzen müssen, sofern sie weiterhin den amtlichen Liegenschaftsnachweis nutzen. Änderungen im Rahmen der ALKIS-Umstellung betreffen formelle, inhaltliche und v. a. verfahrenstechnische Unterschiede. GPS Support ALKIS Geodatenbank mit ALK- und ALB-Daten Abb. 9: Speicherung der ALK- und ALB-Daten in einer zentralen Datenbank Abb. 7: ALKIS Sachdaten im GIS Verknüpfung Flurstück & Eigentümer Abb. 8: Kartografische Umsetzung von ALKIS- Daten im GIS Drittsysteme Webclient Phat Client Wegerechtsarbeitsplatz Quelle: ALKIS-Modul der GEOMAGIC GmbH Quelle: ALKIS-Modul der GEOMAGIC GmbH Ferner resultieren Probleme v. a. aus der Komplexität und den zahlreichen Abhängkeiten innerhalb von ALKIS. Änderungen z. B. erfolgen durch so genannte Änderungsaufträge und sind manuell kaum noch möglich. Des Weiteren kamen Versorgungsunternehmen bisher mit relativ einfach gehaltenen Objektstrukturen aus. In der Regel gibt es nur wenige Objekte, wie z. B. Flurstücke und Personen, die mit allen Beziehungen und Attributen benötigt werden. Aus Sicht der ALKIS-Nachnutzer ist vor allem entscheidend, dass die unterschiedlichen Verfahrenslösungen über genormte Schnittstellen widerspruchsfrei Geobasisdaten austauschen können, um eine stets identische externe Sicht auf die Daten zu gewährleisten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass durch die Einführung von ALKIS die Zahl der Schnittstellen zumindest bis Zeitpunkt einer flächendeckenden ALKIS-Umstellung in den Ländern die Zahl der Schnittstellen und möglichen Bezugssysteme erhöhen und zu Mischsystemen führen wird. Dennoch überwiegen die genannten Vorteile von ALKIS, so dass unter dem Strich eine Verbesserung des status quo erheblicher Mehrwert zu verzeichnen sein wird. Weitere Informationen Im Internet finden sich zahlreiche Webseiten, die sich mit dem Thema ALKIS detailliert beschäftigen. Eine sehr ausführliche FAQ zu den Bereichen ALKIS und ETRS89 hat z. B. das Innenministerium Nordrhein Westfalen bereitgestellt. Sie erreichen diese Inhalte unter Unter finden sich u. a. die genannten Inhalte aus dem Haupt-Dokument GeoInfoDok sowie eine Übersicht zum Sachstand der Migration in den einzelnen Bundesländern. Auf der Seite des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie unter finden sich zahlreiche Informationen zur Koordinatentransformation nebst Testdaten und Gitterdatei. Autor: Dipl. Geogr. Sebastian Pache Technical Consulting GEOMAGIC GmbH Friedrich-Ebert-Str Leipzig Tel.: Fax: Internet: 8

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