III. ENTSCHÄDIGUNG Wie werden Dienstleistungen des Versicherungsbrokers entschädigt? Offenlegung der Entschädigung...

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1 Aufgaben und Entschädigung der ungebundenen Versicherungsvermittler (nachfolgend Versicherungsbroker) im Zusammenhang mit der Platzierung und Betreuung einer Vorsorgeeinrichtung der beruflichen Vorsorge (nachfolgend Vorsorgeeinrichtung) INHALTSVERZEICHNIS SUMMARY... 1 I. AUSGANGSLAGE... 2 II. AUFGABEN DES VERSICHERUNGSBROKERS Aufgaben des Versicherungsbrokers bis zur Operativsetzung bzw. Gründung einer Vorsorgeeinrichtung Aufgaben des Versicherungsbrokers nach Operativsetzung bzw. Gründung einer Vorsorgeeinrichtung... 4 III. ENTSCHÄDIGUNG Wie werden Dienstleistungen des Versicherungsbrokers entschädigt? Offenlegung der Entschädigung... 7 SUMMARY 1 Die Tätigkeit des Versicherungsbrokers ist sehr anspruchsvoll. Dieser muss im Gegensatz zum gebundenen Agenten den ganzen Markt kennen und ist zu best advice verpflichtet. 2 Nur speziell ausgebildete und erfahrene Versicherungsbroker sind in der Lage, Vorsorgeeinrichtungen, Arbeitgeber und Arbeitnehmende im Zusammenhang mit der beruflichen Vorsorge zu beraten. Die Materie ist sehr komplex. Vor und nach Operativsetzung einer Vorsorgeeinrichtung obliegen dem Versicherungsbroker zahlreiche Pflichten und Aufgaben, die ein grosses Fachwissen, Engagement und Können voraussetzen (vgl. zu den Aufgaben Rz 10 ff. und Rz 21 ff.). 3 Die Entschädigungen in Form von während der Dauer des Brokermandates wiederkehrenden Courtagen des Anbieters (Rückversicherer oder Sammel- bzw. Gemeinschaftsstiftung) sind angemessen und tragen der grossen Verantwortung Rechnung. Heute werden in der Regel keine Vermittlungsprovisionen mehr ausbezahlt. Die Beratung von kleinen und mittleren Betrieben ist viel aufwändiger als von Grosskunden, weil bei ersteren das erforderliche Fachwissen und Verständnis SIBA Swiss Insurance Brokers Association / Verband Schweizerischer Versicherungsbroker / Association Suisse des courtiers en assurances Kreuzstrasse 42 / CH-8008 Zürich / Tel / Fax

2 - 2 - meistens fehlt. Deshalb sind die bezahlten Courtagen für die Beratung und Betreuung von KMU's oftmals nicht kostendeckend. 4 Der Versicherungsbroker schafft somit Transparenz und Wettbewerb, sorgt für einen besseren Preis, optimalere Konditionen und damit letztlich auch für mehr Wettbewerb. Unabhängige Sammelstiftungen arbeiten erfahrungsgemäss nicht günstiger als Sammelstiftungen von Lebensversicherern. 5 Die Transparenz betr. Entschädigungen von Personen und Institutionen, die mit der Vermittlung und Betreuung von Vorsorgegeschäften beauftragt sind, ist seit zwei Jahren mit Art. 48k Abs. 2 BVV2 sichergestellt. 1 Von "Anreizen" kann im Zusammenhang mit marktüblichen Courtagen, die offengelegt werden, keine Rede sein. 6 Die Versicherungsbroker unterstützen Arbeitgeber und Arbeitnehmende fachlich und administrativ in der äusserst komplexen Materie der beruflichen Vorsorge und der Sozialversicherungen. Sie koordinieren und übernehmen ausserdem Arbeiten, die ansonsten beim Lebensversicherer bzw. bei der Sammel- oder Gemeinschaftsstiftung anfallen. I. AUSGANGSLAGE 7 Dieses Memo zeigt auf, welche Dienstleistungen der Versicherungsbroker im Zusammenhang mit der Gründung und anschliessenden Betreuung einer Vorsorgeeinrichtung und von deren Versicherten erbringt. Ihm obliegen gewichtige Pflichten, die hohe Anforderungen stellen. 8 Die Entschädigung des Versicherungsbrokers ist ausgewiesen, wenn er den Arbeitgeber bzw. dessen Vorsorgeeinrichtung über die Art und Weise der Entschädigung sowie deren Herkunft informiert hat 2 (1) und seine Dienstleistungen und Pflichten eine angemessene Gegenleistung darstellen (2). 3 1 Rz Rz Rz

3 - 3 - II. AUFGABEN DES VERSICHERUNGSBROKERS 9 Es werden zwei Phasen unterschieden. Die erste Phase betrifft die Aufgaben des Versicherungsbrokers bis zu dem Zeitpunkt, in dem eine Vorsorgeeinrichtung errichtet ist. In der ersten Phase wirkt der Versicherungsbroker beratend und unterstützend mit (Rz 10 ff.). In der zweiten Phase, wenn die Vorsorgeeinrichtung operativ ist, obliegen dem Versicherungsbroker zahlreiche Betreuungsaufgaben (Rz 21 ff.). 1. Aufgaben des Versicherungsbrokers bis zur Operativsetzung bzw. Gründung einer Vorsorgeeinrichtung 10 - Konzeption und Benchmarking des Leistungskonzepts inkl. Koordination mit den weiteren betrieblichen Personalversicherungen (UVG, UVG-Zusatz, Krankentaggeld) Definition der Risiken, welche der Arbeitgeber on-balance bzw. off-balance von der Firmenbilanz tragen will (u.a. Kapitalanlagen, Finanzierung, die versicherungstechnischen Risiken Alter, Invalidität, Tod und Organhaftung sowie Verwaltung) Wahl und Konzeption einer bedürfnisgerechten Vorsorgelösung bzw. Evaluation der geeigneten Organisationsform für die Vorsorgeeinrichtung wie folgt: Gründung einer eigenen Stiftung und Bestimmung ihres Autonomiegrades (1); Gründung eines Vorsorgewerkes mit Anschluss an die Sammelstiftung eines Lebensversicherers (2); Anschluss des Vorsorgewerkes an eine unabhängige Sammelstiftung (3); Anschluss des Vorsorgewerkes an die Gemeinschaftsstiftung seines Berufsverbandes (4) Unterstützung bei der Wahl des gesetzlich vorgeschriebenen Pensionskassen- Experten, des Geschäftsführers sowie der technischen und kaufmännischen Verwaltung (nur sofern gemäss (1) eine eigene Stiftung gegründet werden soll) Festlegung der Finanzierung (Leistungs- oder Beitragsprimat, Aufteilung Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Beiträge, Bildung diverser Reserven) Orientierung und Ausbildung des paritätisch zusammengesetzten Organs der Vorsorgeeinrichtung.

4 Ausschreibung der Risikorückversicherungsverträge zwischen dem Lebensversicherer und der eigenen Stiftung bzw. der Anschlussverträge an eine Sammelbzw. Gemeinschaftsstiftung. Orientierung der Vorsorgeeinrichtung über die Ausschreibungsergebnisse. Beratung der Vorsorgeeinrichtung bei der Auswahl des Lebensversicherers bzw. des Partners Verhandlungen zwecks Erreichung von Sonderkonditionen (u.a. Tarifgarantien, erleichterte Gesundheitsprüfung für die Versicherten etc.) 18 - Erstellung und Prüfung der notwendigen Dokumente (Personalvorsorgereglement, Risikorückversicherungsvertrag bzw. Anschlussvertrag). Abstimmung der beiden Vertragswerke und Überprüfung auf Deckungsgleichheit, insbesondere auch mit Bezug auf das Stiftungsreglement, etc.) Erstellung von für die Versicherten leicht verständlichen Übersichten betreffend die Leistungen der betrieblichen Personalvorsorge im Falle von Alter, Tod oder Invalidität. Personalorientierung an der Betriebsstätte des Arbeitgebers Erarbeitung spezieller Lösungen für international tätige bzw. mobile Mitarbeitende. 2. Aufgaben des Versicherungsbrokers nach Operativsetzung bzw. Gründung einer Vorsorgeeinrichtung 21 - Regelmässige Überprüfung der Vorsorgelösung (Organisationsform, Leistungsund Finanzierungs-Reglement etc.) Beratung der Vorsorgeeinrichtung im Zusammenhang mit einer allfälligen Änderung des Vorsorgeplanes (z.b. Umstellung vom Leistungs- auf das Beitragsprimat, Verbesserung der Vorsorgeleistungen für Teilzeitangestellte, Lösungen für eine vorzeitige Pensionierung etc.) Laufende Überwachung von Qualität und Bonität der Anbieter (Lebensversicherer und deren Sammelstiftungen sowie die unabhängigen Sammel- bzw. Gemeinschaftsstiftungen) auf dem Markt Überwachung und Beurteilung der Konkurrenzfähigkeit des bestehenden Angebotes (marktfähige Konditionen), der ablaufenden Risikorückversicherungsverträge bzw. Anschlussverträge, insbesondere auch im Zusammenhang mit einer allfälligen Verlängerung (Prolongation) dieser Verträge.

5 Nach Vertragsänderungen oder -anpassungen Ersetzung der alten Dokumente. Bestimmung der neuen Vertragsdauer Verbesserung der Vertragsbedingungen (Prämien, Leistungen, Vertragskonditionen etc.) inkl. Abwägung der Chancen und Risiken einer Ausschreibung Ausschreibung des Risikorückversicherungsvertrages bzw. des Anschlussvertrages. Orientierung über die Ausschreibungsergebnisse. Abgabe einer Empfehlung mit Bezug auf die Wahl des Partners, eventuell verbunden mit einem Wechsel des Risikoträgers (bei einer eigenen Stiftung) bzw. Vorsorgeträgers (bei Anschluss an eine Sammel- oder Gemeinschaftsstiftung) Analyse der im Zusammenhang mit einem Wechsel des Risiko- bzw. Vorsorgeträgers zu lösenden Probleme (z.b. Schicksal der laufenden Altersrenten, Mehrbzw. Minderkosten im Zusammenhang mit einem Rentnertransfer). Verhalten bei unterschiedlichen Deckungsgraden des alten und des neuen Vorsorgewerkes. Regelung des Übernahmetransfers auf ein neues Vorsorgewerk; Deckungsübernahme bzw. Gesundheitsprüfung der bisherigen Versicherten Begleitung und Sicherstellung des Vertragsübergangs. Kontrolle der transferierten Versichertendaten und Abrechnungen. Kontrolle der Verträge und vereinbarten Sonderkonditionen Bei Vorsorgewerken mit eigener Kapitalanlagestrategie: Analyse und Erklärung der Jahresrechnung, der Anlageperformance des Vorsorgewerkes und der Verzinsung der Altersguthaben etc. gegenüber der Personalvorsorgekommission und den Versicherten Ausarbeitung von Vorschlägen bezüglich des Einsatzes von freien Mitteln, gebundenen Reserven und Arbeitgeberbeitragsreserven Regelmässige Durchführung von Kundenbesuchen und Personalorientierungen Teilnahme an Stiftungsrats- bzw. Personalvorsorgekommissions-Sitzungen inkl. Schulung des paritätischen Organs und der Entscheidungsgremien Regelmässige Information der Vorsorgeeinrichtung und der Versicherten betreffend produktspezifische und administrative Änderungen sowie insbesondere auch wichtige Gesetzesänderungen Erstellung von Informationsbroschüren, Merkblättern für Mitarbeitende und Versicherte etc.

6 Telefonische und schriftliche Beantwortung von Kundenanfragen, Erteilen von Auskünften gegenüber einzelnen Versicherten (Versicherungsbroker als Ansprechpartner für Kunden und Versicherte) Kontrolle der versicherten Lohnbestandteile (entspricht der vom Vorsorgewerk gemeldete dem versicherten Lohn?). Unterstützung bei Lohn- und Mutationsmeldungen über ein allfällig vorhandenes elektronisches Meldetool Orientierung der Vorsorgeeinrichtung über vorgesehene Umstrukturierungen der Arbeitgeberfirma im Hinblick auf eine mögliche Anpassung der Vertragskonditionen oder einer Teilliquidation Unterstützung der Vorsorgeeinrichtung sowie der einzelnen Arbeitnehmenden und Versicherten im Zusammenhang mit Schadenfällen (Begleitung im Schadenfall), bei der Freigabe von Pensionskassenguthaben zum Erwerb von Wohneigentum etc Unterstützung der Verwaltung der Vorsorgeeinrichtung: Sofern notwendig Beratung und Hilfestellung im Tagesgeschäft sowie insbesondere in komplexen Schadenfällen etc Bei Bedarf Vermittlung von Experten je nach Fachbereich (PK-Experten, Anlagespezialisten, Anwälte etc.). III. ENTSCHÄDIGUNG 1. Wie werden Dienstleistungen des Versicherungsbrokers entschädigt? 42 Früher erhielt der Versicherungsbroker für die Phase 1 eine Vermittlungsprovision (Rz 10 ff) und in der Phase 2 nach der Gründung der Vorsorgeeinrichtung eine jährliche Betreuungsentschädigung bzw. Courtage (Rz 21 ff). 43 Heute werden keine Vermittlungsentschädigungen mehr vergütet. Der Versicherungsbroker erhält erst nach der Gründung der Vorsorgeeinrichtung - solange das Brokermandat in Kraft ist - eine jährlich wiederkehrende Betreuungsentschädigung. 44 Die vom Versicherungsbroker zu erbringenden Leistungen sind daher vor allem für KMU's sehr kostengünstig. Erfahrungsgemäss ist der Aufwand des Versicherungsbrokers für einen Kleinkunden, der in der Regel über wenig Erfahrung und

7 - 7 - kein spezialisiertes Personal verfügt, viel grösser als für einen Grosskunden. Die dem Versicherungsbroker vergütete Betreuungsentschädigung ist deshalb im Zusammenhang mit dem Aufwand für Kleinkunden häufig nicht ausreichend. 45 Der Versicherungsbroker schafft zudem Transparenz und Wettbewerb, wodurch der Kunde günstigere Prämien erhält. 2. Offenlegung der Entschädigung 46 Die Offenlegung der Entschädigung ist seit zwei Jahren im Zusammenhang mit der beruflichen Vorsorge sichergestellt. Art. 48k Abs. 2 BVV2 schreibt vor, dass die Entschädigung zwischen der Vorsorgeeinrichtung und dem Versicherungsvermittler (ob gebunden oder ungebunden) in einer schriftlichen Vereinbarung geregelt werden muss. Mit dieser Vereinbarung, welche auch dem Arbeitgeber offengelegt werden muss, werden die Kunden von der mit der Vermittlung von Vorsorgegeschäften beauftragten Person zwingend über die Herkunft sämtlicher Entschädigungen sowie die Art und Weise der Entschädigung orientiert. Die Rechte der Arbeitnehmenden, welche in den Vorsorgeeinrichtungen paritätisch vertreten sind, werden somit gewahrt. Zürich, 11. April 2014 Prof. Dr. Moritz W. Kuhn Präsident SIBA

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