K ONKRET. Vom Kreditzum. Kapitalmarkt. Herausforderungen für Klein- und Mittelbetriebe von der Gründung bis zum Börsengang.

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1 Kapitalmarkt Jänner 2004 K ONKRET Vom Kreditzum Kapitalmarkt Herausforderungen für Klein- und Mittelbetriebe von der Gründung bis zum Börsengang Ein Mitglied der HVB Group

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3 1. Auflage Jänner 2004 Impressum: Medieninhaber, Herausgeber und Verleger: Bank Austria Creditanstalt, Am Hof 2, 1010 Wien; Schottengasse 6 8, 1010 Wien; Vordere Zollamtsstraße 13, 1030 Wien Redaktion, Koordination und Produktion: Bank Austria Creditanstalt Group Public Relations Bank Austria Creditanstalt Group Marketing Redaktionelle Überarbeitung: Christoph Hartmann Druck: Die Drucker Agens und Ketterl GesmbH Layout: Horvath Grafik Design Haftungsausschluss: Trotz sorgfältiger Recherche und der Verwendung verlässlicher Quellen kann keine Verantwortung für die Vollständigkeit oder Richtigkeit übernommen werden. Publikationenbestellung: Bank Austria Creditanstalt Publikationenservice, Tel.: oder Diese Publikation basiert auf dem Stand von Dezember 2003

4 Inhalt Vorwort...04 Einleitung Kapitalmarkt im Wandel Keine Angst vor dem Kapitalmarkt Integrated Corporate Finance die Antwort auf neue Marktbedürfnisse Unternehmensgründung Guter Start für gute Geschäfte Rat und (erste) Hilfe Startvorteil dank Förderungen Kapital + Know-how = Business Angel Risikokapital Venture Capital und Private Equity Risikokapital ohne echte Anteilsabgabe (Gewinnwertpapier) Mezzaninkapital Risikokapital Anlaufstellen in Österreich Staatliche Unterstützung für Unternehmenswachstum Strukturen werden bereinigt AWS sorgt für Unternehmensdynamik und der ERP-Fonds für eine Wachstumsoffensive Auch die Bundesländer fördern Wachstum Kreditfinanzierungen im weiteren Sinn Bonität ist kein Schicksal Klassischer Kredit manchmal im neuen Kleid Projektfinanzierung Syndizierter Kredit Handels- und Exportfinanzierung Unternehmensanleihen Corporate Bonds (öffentliche Anleihen) Private Placements Unternehmensanleihen light Asset Backed Securitization Vom Kredit- zum Kapitalmarkt

5 Inhalt 7. Mergers und Acquisitions Finanzierungen bei Mergers und Acquisitions MBO und MBI: Unternehmensnachfolge durch interne oder externe Manager Börsengang Reif für die Börse? Der Fahrplan zur Börseneinführung Emissionspreis: Wie der Ausgabekurs zustande kommt Die Qual der Börsenwahl Being Public Nach dem Börsengang Management von Risiken Blindflug ist vermeidbar Risiken, die nicht zum Kerngeschäft gehören Chancen nützen Glossar Vom Kredit- zum Kapitalmarkt 03

6 Vorwort Karl Samstag Sehr geehrte Unternehmerin, sehr geehrter Unternehmer, die Bank Austria Creditanstalt hat in den letzten Jahren ihre Position als klare Nummer Eins in Österreich gefestigt und gehört zu den führenden Banken im Zukunftsmarkt Zentral- und Osteuropa. Wir sehen unsere Aufgabe darin, Sie in diesen Märkten mit den optimalen Bankprodukten und Finanzdienstleistungen zu unterstützen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, haben wir zum Wohle beider Seiten die Beziehung Kunde Bank unter einem neuen, umfassenden Gesichtspunkt definiert. Wir verstehen uns als Partner der Wirtschaft, der ein Unternehmen in allen Lebenszyklen unterstützt und serviciert: Von der Unternehmensidee zur Firmengründung bis zum Börsengang und der Frage der Unternehmensnachfolge. 04 Vom Kredit- zum Kapitalmarkt

7 Vorwort Die optimale Finanzierung ist zu jedem Zeitpunkt eine der zentralen Fragen. Und hier gewinnt der Kapitalmarkt zunehmend an Bedeutung. Das vorliegende Buch soll Ihnen daher die vielfältigen Finanzierungsmöglichkeiten, die der Kapitalmarkt im Laufe des Lebenszyklus eines Unternehmens bietet, aufzeigen. Ihr Betreuer und die Experten der Bank Austria Creditanstalt informieren Sie in einem persönlichen Gespräch gerne näher. Eine gewinnbringende Lektüre wünscht Ihnen Karl Samstag Vorstandsvorsitzender der Bank Austria Creditanstalt Vom Kredit- zum Kapitalmarkt 05

8 Einleitung Mittelstand und Kapitalmarkt Mittelstand und Kapitalmarkt gelten heute oft noch als Gegensätze. Klein- und Mittelbetriebe werden als Akteure am lokalen Markt betrachtet, wo Finanzierungen durch die Lieferanten und Hausbanken aufgebracht werden sollen. Der Kapitalmarkt bleibt, in dieser Sicht, den Aktien- und Anleiheemissionen der Großunternehmen vorbehalten. Das Umfeld und die Anforderungen haben sich aber geändert. Für viele der kleinen und mittelgroßen Unternehmen in Österreich ist die Eurozone zum Heimmarkt geworden. Und sie stehen im Wettbewerb mit ebenfalls international tätigen Konkurrenten. Auch die Anforderungen an die Finanzierung haben sich damit gewandelt. Wer seinen Zugang zum Finanzierungsmarkt verbreitern kann, und damit rascher und bedarfsgerechter Kapital beschafft, kann einen Wettbewerbsvorteil vorweisen. Wie können Klein- und Mittelbetriebe die Vorteile des Kapitalmarktes nutzen? Neue Aufgaben stehen vor den Unternehmen und ihren Finanzierungspartnern. Neue Aufgaben, die insbesondere mit Information, Informationsaufbereitung und Informationsvermittlung zu tun haben. Die Banken sind in einer neuen Rolle gefordert: In der des Vermittlers und Entwicklers. Unternehmen müssen auf die Chancen und Möglichkeiten hingewiesen werden, die sich aus kapitalmarktorientierten Finanzierungen ergeben. Für anlagewilliges Kapital müssen Investitionswege geschaffen werden, die eine klare und rasche Einschätzung der Investitionschancen ermöglichen. Neue Produkte müssen entwickelt werden, die den Transformationsprozess realisieren helfen. Die Einschätzung der Bonität der Unternehmen, das Rating, wird dabei eine tragende Rolle spielen. 06 Vom Kredit- zum Kapitalmarkt

9 Einleitung Der Kunden-Bank-Beziehung kommt ein entscheidender Stellenwert zu. Als Bank kennen wir unsere Kunden oft über einen langen Zeitraum. Dieses Wissen ermöglicht eine optimale Begleitung unserer Kunden bei der verstärkten Nutzung von Produkten des Kapitalmarktes. Die Bank Austria Creditanstalt hat dafür auch die RatingBeratung geschaffen, die den Wandel im wechselseitigen Informationsfluss erleichtern soll. Wir, als Ihr Bankpartner, haben es uns zum Ziel gesetzt, für Unternehmen jeder Größe Klein-, Mittel-, und Großunternehmen individuell maßgeschneiderte Wege auf den Kapitalmarkt aufzubereiten. Dabei soll Ihnen in möglichst vielen Facetten unser umfassendes Kapitalmarkt-Know-how zur Verfügung gestellt werden. Mit diesem Buch versuchen wir, dem Ziel ein Stück näher zu kommen: Aus dem Gegensatz zwischen Mittelstand und Kapitalmarkt soll ein Miteinander werden. Regina Prehofer Mitglied des Vorstandes der Bank Austria Creditanstalt Martin Frank Ressortleiter Unternehmensfinanzierung und Öffentlicher Sektor Vom Kredit- zum Kapitalmarkt 07

10 Kapitalmarkt im Wandel 1. Kapitalmarkt im Wandel Die Unternehmensfinanzierung durchlebt einen rasanten Wandel: Die traditionelle Kreditkultur wird heute im weltweiten Wettbewerb von der Kapitalmarktkultur herausgefordert. Einer Kultur, die als wichtigste Quelle für Kapital nicht die Bank, sondern den Kapitalmarkt mit seinen vielfältigen Kapitalquellen sieht. Diese Veränderung betrifft alle Unternehmen, auch Klein- und Mittelbetriebe. Sie beschränkt sich nicht darauf, dass künftig einige große Unternehmen den Weg an die Börse einschlagen werden. Vielmehr ändern sich zentrale Spielregeln der Unternehmensfinanzierung: Kapital wird nicht mehr im Gießkannenprinzip, sondern auf Basis von Wettbewerbsfähigkeit verteilt und sucht sich die am Risiko gemessen höchstmögliche Verzinsung. Alternative Finanzierungsformen werden daher als Liquiditätsquellen an Bedeutung gewinnen, die traditionelle Kreditfinanzierung aber keineswegs verdrängen, sondern ergänzen. Die Spielregeln des Kapitalmarkts werden aber verstärkt auch auf die Kreditfinanzierung angewendet. Insbesondere gilt dies hinsichtlich Transparenz und Differenzierung der Kreditmargen nach Bonität der Kreditnehmer. Die traditionelle Kreditgewährung wird zu einem transparenten Kreditmarkt, der Kreditmarkt eine Spielform des Kapitalmarktes. Banken entwickeln sich weg von ihrer traditionellen Rolle als Hausbank, die Kredite gewährt, hin zu einem neuen Verständnis als Vermittler zwischen Unternehmen und Kapitalmarkt. Mit dem umfassenden Anspruch, Finanzierungen möglich zu machen. Die Verfügbarkeit von Kapital und dessen Preis werden für Unternehmen künftig auch am Kreditmarkt verstärkt nach individuellen Bonitätskriterien bestimmt wie es am Kapitalmarkt selbstverständlich ist. Ermittelt wird die Bonität durch ein objektives Rating (Bewertung), wobei nicht nur die klassischen Hard facts (wie Bilanzdaten, Gewinn- und Verlustrechnung, usw.), sondern zunehmend auch Soft facts (beispielsweise Unternehmensstrategien, Managementqualität und Unternehmensnachfolgelösungen) u.a. berücksichtigt werden. Die Finanzierungskultur zeichnet sich durch ein hohes Maß an Transparenz aus. Unternehmensdaten, Finanzierungsprofile und Ausleihungsvolumina sowie Risiko- 08 Vom Kredit- zum Kapitalmarkt

11 Kapitalmarkt im Wandel partner werden öffentlich bekannt gegeben. Finanzierungspartner, unabhängig davon ob sie Kapital über Direktinvestitionen oder über Geld- und Kapitalmärkte zur Verfügung gestellt haben, fordern neben einer risikoadäquaten Verzinsung auch einen Anteil am Wertzuwachs eines Unternehmens. Im selben Ausmaß werden die mit der Finanzierung verbundenen Risiken zumindest teilweise auf den Kapitalgeber übertragen. Begünstigt durch die Markttransparenz wandert Kapital zunehmend dort hin, wo es die besten Erträge erzielt. Bereiche mit geringen Ertragschancen wie der traditionelle Kreditmarkt werden für Investoren unattraktiver, Liquiditätsüberschüsse gehören hier der Vergangenheit an. Künftig werden daher auch kleinere und mittlere Unternehmen vermehrt alternative Finanzierungswege beschreiten müssen. Fremdkapitalerfordernisse, die aufgrund ihres Risikogehaltes bzw. Volumens nicht mehr durch Banken alleine dargestellt werden können, werden durch alternative Finanzierungsformen (Corporate Bonds, Commercial Papers, Private Equity bzw. Venture Capital) abgedeckt. Diese sind im anglo-amerikanischen Raum selbstverständlicher Bestandteil der Unternehmensfinanzierung; Europa ist gerade dabei, nachzuziehen. Für die Unternehmen bedeutet dies eine Veränderung in einer bis dato als stabil geltenden Beziehungsebene zur Bank. Großunternehmen haben vielfach bereits frühzeitig die Herausforderungen der neuen Rahmenbedingungen erkannt und darauf reagiert. Im Bereich der wachstumsorientierten mittelständischen Unternehmen besteht allerdings noch ein erheblicher Anpassungsbedarf, der nicht zuletzt im psychologischen Bereich liegt: Die neue Forderung nach Transparenz bei Bereitstellung von Unternehmenskapital kollidiert bisweilen mit der traditionellen Abgeschlossenheit gegenüber Einsichtnahme von außen, die oft als Mittel zur Erhaltung der Unternehmensautonomie verstanden wurde und auch noch wird. Europa versus USA Trotz aller Veränderungen in den letzten Jahren hat die Kreditfinanzierung im Euro-Raum (und noch verstärkt in Österreich) einen massiv höheren Stellenwert als in den USA. In den kommenden Jahren wird eine Annäherung der europäischen an die amerikanische Finanzierungsstruktur erwartet, bei allerdings in Europa dauerhaft höherem Anteil der Kreditfinanzierung. Das bedeutet freilich nicht, dass ein Teil des Finanzierungsumfeldes von den Änderungen unberührt bleibt. Vom Kredit- zum Kapitalmarkt 09

12 Kapitalmarkt im Wandel Finanzierungen im Vergleich % 10% 11% 2% 49% 68% % Österreich 6% 43% Euro-Raum 12% 20% USA Bankkredit Anleihen Aktien Sonstiges Quelle: OeNB 2001 Im anglo-amerikanischen Raum hat das Kapitalmarktdenken bereits eine lange Tradition. Im Gegensatz dazu spielen Börsen und Direktinvestoren als Bereitsteller von Kapital in Deutschland, Österreich oder anderen europäischen Staaten bis heute eine eher untergeordnete Rolle. Eine Ursache dafür liegt insbesondere in der für Kontinentaleuropa typischen Unternehmensform: Mittelbetrieb in Familienbesitz. In diesen Unternehmen besteht oft großes Misstrauen gegenüber der Hereinnahme externer Kapitalgeber. 1.1 Keine Angst vor dem Kapitalmarkt Die neuen Umfeldbedingungen für die Unternehmensfinanzierung sind, genau genommen, gar nicht so neu. Tatsächlich treten nur grundlegende, betriebswirtschaftlich fundierte Finanzierungsgrundsätze verstärkt in den Vordergrund. Für Unternehmen liegt darin eine große Chance: Am (Finanzierungs-)Markt wird gefordert und gefördert, was auch wirtschaftlich Sinn macht. Die Märkte differenzieren verstärkt unter Risikogesichtspunkten. Damit müssen Banken wie Unternehmen in Mitteleuropa erst umzugehen lernen, denn vielfach wurde der Begriff Risiko in der Vergangenheit negativ gesehen. Insofern muss aus dem angelsächsischen Raum gelernt werden, dass Risiko Teil des unternehmerischen 10 Vom Kredit- zum Kapitalmarkt

13 Kapitalmarkt im Wandel Lebens ist. Ein Unternehmer ist nicht erfolgreich, wenn er Risiken negiert, sondern wenn er Risiken und deren Folgen rechtzeitig erkennt und darauf reagiert. Und dadurch oftmals ein Risiko zur Chance werden lässt. Die für die Finanzierung relevanten Faktoren wie Bonität und Ausfallsrisiko, die Preisbildung und die Kapitalmarktfähigkeit des Unternehmens werden in Zukunft Finanzierungsentscheidungen vielfältiger ausfallen lassen. Durch verstärktes Ausloten aller Finanzierungsmöglichkeiten wird der klassische Bankkredit entlastet : Im Rahmen der Gesamtfinanzierung gewinnen Leasing, Factoring und der gesamte Bereich der strukturierten Finanzierungen an Gewicht. Neu zu durchdenken und gegebenenfalls zu optimieren ist der Mix aus lang- und kurzfristigen Finanzierungsformen, wobei langfristige Bankkredite als Ersatz für fehlende Eigenmittel eine zunehmend teure Form der Unternehmensfinanzierung darstellen. Alternative Finanzierungsformen führen bei vielen Unternehmen zur Sorge vor höherer Komplexität der Finanzierung. Eine Sorge, die unbegründet ist: Wenn die Beratung durch den Finanzierungspartner professionell ist, dann kommt auf Unternehmen nicht eine erhöhte Komplexität, sondern eine deutlich verbesserte Abstimmung der Finanzierung auf die individuellen Bedürfnisse zu. Dass diese Bedürfnisse für Großunternehmen anders aussehen als für Klein- und Mittelbetriebe liegt auf der Hand. Und dass sie in der Frühphase eines Unternehmens anders aussehen als bei etablierten Unternehmen ebenso. Vom Kredit- zum Kapitalmarkt 11

14 Kapitalmarkt im Wandel Integrated Corporate Finance-Produkte im Lebenszyklus ABS/Asset Backed Securities M&A-Advisory Rating Advisory IPO Strukturierte Finanzierung Projekt- u. Akquisitionsfinanzierung Syndizierung Unternehmensanleihe BusinessPlanner Zins- & Währungsrisiko-Management Leasing RatingBeratung Factoring Mezzaninkapital Gewinnwertpapier Gründerfonds Private Equity Gründung Expansion Kapitalmarkt Fremdkapital Beratungsprodukte Eigenkapital Quelle: BA-CA, Abteilung Unternehmensfinanzierung und öffentlicher Sektor Österreich, Finanzplanung Für Unternehmen jeder Größe oder Branche ist die verbreiterte Produktpalette im Finanzierungsbereich eine Chance, eine auf die Unternehmenssituation bestmöglich abgestimmte Finanzierung zu erhalten. So ergeben sich Chancen und Perspektiven für die Unternehmensentwicklung, die in der traditionellen Kreditkultur nicht in gleichem Maße gegeben waren. Von diesen Chancen profitieren in besonderem Maße innovative und wachstumsorientierte Unternehmen und auch jene, die Konkurrenzvorteile aus dem Finanzgeschäft nützen wollen. Je mehr ein Unternehmen seinen Investoren und Kunden die vorhandenen Stärken offen demonstriert, desto stabiler wird das Unternehmen in Zukunft auf Basis des dadurch erworbenen Vertrauens und der Akzeptanz im Markt agieren können. Dabei spielt die Un- 12 Vom Kredit- zum Kapitalmarkt

15 Kapitalmarkt im Wandel ternehmensgröße keine Rolle: Egal, ob man als spezialisiertes oder breit agierendes Unternehmen, regional oder global tätig, groß oder klein ist: Geldgeber werden jene Geldnehmer suchen, die ein hohes Maß an Information und Glaubwürdigkeit gewährleisten. Neben vermehrter Transparenz müssen sich Unternehmen insbesondere um ein Thema Gedanken machen: Der Stärkung der Eigenmittelausstattung. Der dafür gegebene Spielraum ist, aufgrund der Konkurrenzsituation, oftmals gering. Je besser ein Unternehmen mit Eigenkapital ausgestattet und je stärker daher die Selbstfinanzierungs- und Ertragskraft des Unternehmens ist, desto größer ist die Bereitschaft, diesem Unternehmen Eigen- oder Fremdkapital zur Verfügung zu stellen. Die extrem geringen Eigenmittelquoten vieler Unternehmen sind nicht nur Folge einer schwierigen Marktsituation, sondern auch einer bewussten Form der Bilanzgestaltung, die insbesondere unter dem Blickpunkt der steuerlichen Optimierung erfolgt. In Zukunft wird jenes Unternehmen erfolgreich sein, das steuerliche Gesichtspunkte in der Bilanzgestaltung gleichgewichtig behandelt mit dem Ziel einer optimierten Finanzierungsstruktur. 1.2 Integrated Corporate Finance die Antwort auf neue Marktbedürfnisse Um Unternehmen bestmöglich auf die Veränderungen vorzubereiten und ihnen zu ermöglichen, die neuen, stärker am Kapitalmarkt orientierten Finanzierungsformen zu ihrem Vorteil zu nützen, hat die Bank Austria Creditanstalt den Firmenkunden-Beratungsansatz Integrated Corporate Finance (ICF) entwickelt. ICF versteht sich als Kombination von bonitätsorientierter Ratingberatung und individuellen Finanzierungslösungen, sowohl für große als auch für wachstumsorientierte kleine und mittlere Unternehmen. ICF berücksichtigt insbesondere alternative Finanzierungsformen, die über die traditionelle Kreditfinanzierung hinausgehen. Und zwar abgestimmt auf die Bedürfnisse von Großunternehmen ebenso wie für Klein- und Mittelbetriebe. Die Suche nach individuellen Finanzierungslösungen wird dabei kombiniert mit einer bonitätsorientierten Ratingberatung. Ein Rating bewertet in einem standardisierten Verfahren die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens. Das Unternehmen wird dabei auf die Fähigkeit hin überprüft, ob es finanzielle Verpflichtungen jederzeit erfüllen kann. Grundlage eines Bonitätsurteils bzw. Ratings sind firmeninterne Daten (Bilanz, Strukturdaten, sonstige Informationen über das Unternehmen) sowie externe Wirtschaftsinformationen (Branchenkennzahlen, Marktanteilsdaten u.a.). Diese Informationen werden geprüft, beurteilt und zu einer Bewertung zusammengefasst, die das Risiko eines Zahlungsausfalls angibt. Vom Kredit- zum Kapitalmarkt 13

16 Kapitalmarkt im Wandel Ratings egal ob interne Ratings der Banken oder externe Ratings der Ratingagenturen wie Moody s tragen zur effizienteren Nutzung der Marktmöglichkeiten bei, indem die Bonität des Unternehmens bestmöglich abgeschätzt und allen Marktteilnehmern dieselbe Informationsbasis zur Verfügung gestellt wird. Bonität muss nicht als Schicksal hingenommen werden Bonität kann aktiv, in Zusammenarbeit mit dem Finanzpartner sowie sonstigen Beratern verbessert werden. Die Bonität der Unternehmen wird in der Regel zwar durch die Bank und in Ausnahmefällen durch externe Ratingagenturen beurteilt. Die Steuerung der Bonität ist aber ureigenstes Element unternehmerischer Tätigkeit. Das Management der Bonität wird zu einer neuen Dimension in der Unternehmenssteuerung und führt zu einer Förderung der Eigeninitiative des Unternehmens. Der Unternehmer bestimmt durch seine Aktivitäten die Qualität des Unternehmens und letztlich die Bewertung durch seine Bank. Die Bank Austria Creditanstalt hat als erste Universalbank Österreichs im Rahmen der RatingBeratung ihr Ratingverfahren offengelegt und begründete damit eine neue Kultur von Transparenz für Unternehmen und Banken im Interesse der Wettbewerbsfähigkeit ihrer Kunden. RatingBeratung, als erster Schritt zum Bonitätsmanagement, leistet einen Beitrag zur Strukturverbesserung des Unternehmens. Durch die verstärkte Einbeziehung von Soft facts (wie Unternehmensstrategien, Marktauftritt, usw.) in die Beurteilung werden auch Möglichkeiten zur Weiterentwicklung in diesen Bereichen aufgezeigt. Die erfahrenen Kundenbetreuer der Bank Austria Creditanstalt zeigen Ihnen Wahlmöglichkeiten für verschiedene Finanzierungskonzepte auf und ermöglichen Ihnen damit, die richtigen Entscheidungen für die Finanzierung Ihres Unternehmens zu treffen. Der Kundenbetreuer wird so zum Partner für bedarfsgerechte Lösungen und hilft, ungenützte Möglichkeiten im Interesse Ihres Unternehmens voll wahrzunehmen. Im Rahmen des ICF können konkrete Finanzierungsszenarien durchgespielt und verschiedene Lösungen verglichen werden. Mit ICF bleiben Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig, da Unternehmen im Rahmen ihres Bonitätsmanagements ihre Strukturen permanent prüfen und gegebenenfalls weiterentwickeln müssen. 14 Vom Kredit- zum Kapitalmarkt

17 Kapitalmarkt im Wandel Von der RatingBeratung und dem laufenden Bonitätsmanagement profitieren Klein- und Mittelbetriebe gleichermaßen wie Großunternehmen. Denn auch kleinere Unternehmen haben den Gestaltungsspielraum, durch eine offene Informationspolitik, die rechtzeitige Erstellung von Bilanzen, klare Unternehmensstrukturen, die präzise Steuerung des Unternehmens und ein ausgebautes Controlling die eigene Bonität zu verbessern. Und gleichzeitig betriebswirtschaftlich sinnvolle Schritte zu setzen. Im Bereich der Finanzierungslösungen treffen insbesondere Factoring, Leasing, Mezzaninkapital, Eigenkapitallösungen wie Venture Capital, Private Equity oder Gewinnwertpapiere sowie Strategien zum Zins- und Währungsmanagement die Bedürfnisse von wachstumsorientierten Klein- und Mittelbetrieben. Für Großbetriebe sind zusätzliche Möglichkeiten vorhanden, etwa der Gang an die Börse oder die Emission von Unternehmensanleihen. Mit dem Beratungsansatz ICF nützt die Bank Austria Creditanstalt die Chance, die Betreuung ihrer Firmenkunden qualitativ auf eine neue Basis zu stellen. Firmenkundenbanking ist mehr als nur ein Kredit oder ein anderes Finanzierungsprodukt: Es ist ein Weg, der gemeinsam vom Unternehmen und seinem Finanzierungspartner beschritten werden kann. So entstehen in Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen und dem Bankberater individuelle, maßgeschneiderte Lösungen, in denen sehr viel Einfühlungsvermögen steckt, und in die wir unser reiches Know-how einbringen. Das Vertrauen zwischen Kunde und Bank ist jedoch keine Sache der Kompetenz allein. Gute Zusammenarbeit beruht auch auf Nähe und Zeit. Die Bank Austria Creditanstalt Gruppe ist in den Wirtschaftsregionen Österreichs zu Hause und in der globalen Finanzwelt präsent. Mit unserem flächendeckenden Filialnetz in Österreich und dem größten internationalen Bankennetz in Zentral- und Osteuropa sind wir nah an unseren Kunden und zwar im Heimatmarkt genauso wie im Zielmarkt. Vom Kredit- zum Kapitalmarkt 15

18 Unternehmensgründung 2. Unternehmensgründung Seit Jahren steigen in Österreich die Gründerzahlen kontinuierlich: Im Jahr 2002 wurden im Bereich der Wirtschaftskammern über Unternehmen neu registriert, beinahe doppelt so viele wie Mitte der 90er-Jahre soll die Zahl der Neugründungen bei über Unternehmen liegen. Die größte Gruppe der Unternehmensgründer sind 30 bis 40 Jahre alt, gefolgt von den 20 bis 30-jährigen. Rund zwei Drittel aller Gründungen erfolgen durch Personen aus diesen Altersgruppen. Und bereits 35 % der Neugründungen werden von Frauen vorgenommen. Die Gründung und Leitung eines Unternehmens wird von immer mehr Österreicherinnen und Österreichern als Chance gesehen, eigene Ideen zu verwirklichen, unabhängig zu sein und Geld zu verdienen. Der Schritt in die Selbständigkeit wird zu einer Option der beruflichen Entwicklung. Mut und Einsatzbereitschaft jener, die den Weg in die Selbstständigkeit gehen, sind wertvolle Fundamente des zukünftigen Wohlstandes Österreichs. Neu gegründete Betriebe verbessern die Struktur unserer Wirtschaft und sichern so die Wettbewerbsfähigkeit. Abgesehen davon sind neue Unternehmen das beste Mittel zur langfristigen Sicherung von Arbeitsplätzen und zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes: Nach vorsichtigen Schätzungen werden durch Neugründungen jährlich Arbeitsplätze geschaffen. Eine Unternehmensgründung ist ein Wagnis, ein Risiko. Dass diese Risiken von den Gründern in Österreich insgesamt gut bedacht werden zeigen Vergleichszahlen der OECD: Unternehmen weisen hier zu Lande die höchsten Chancen auf, die schwierige Startphase zu überstehen. Mehr als 80 % der Unternehmen bestehen drei Jahre nach ihrer Gründung noch immer, mehr als 70 % nach fünf Jahren. Diese Werte sind um rund zehn Prozentpunkte besser als in Deutschland, dem Land mit der OECD-weit zweithöchsten Bestandsquote von Firmengründungen. 16 Vom Kredit- zum Kapitalmarkt

19 Unternehmensgründung Unternehmensgründungen Quelle: Wirtschaftskammer Österreich 2.1 Guter Start für gute Geschäfte Eine gute Idee ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Schritt in die Selbständigkeit. Nicht immer muss eine gute Idee aber gleichzeitig auch eine revolutionäre technische Neuerung sein, oder ein völlig neues Organisations- oder Vertriebskonzept. Die meisten Unternehmensgründungen erfolgen innerhalb traditioneller Industrien und bieten bereits eingeführte Produkte an. Im Handel, im Gewerbe und Handwerk, im Tourismus, im Bereich der freien Berufe. Vom Kredit- zum Kapitalmarkt 17

20 Unternehmensgründung Stufen der Geschäftsentwicklung Produkt / Dienstleistung Innovation Bestehend Neues Produkt Bestehende Industrie Neue Industrie Neue Geschäftszeiten Bestehend Geschäftssystem Innovation Quelle: Institut für Unternehmensgründung und Unternehmensentwicklung, Johannes Kepler Universität Linz Der Erfolg einer Unternehmensgründung hängt maßgeblich davon ab, wie eine gute Idee und auch der Wille, besser als die Konkurrenten zu sein in der Praxis umgesetzt wird. Für angehende Unternehmer ist es daher wichtig, sich mit zahlreichen Fragen zu befassen: Wem bringt mein Produkt / meine Dienstleistung einen (zusätzlichen) Nutzen? Wo und wie groß ist mein Markt, und wer sind meine Konkurrenten? Wie kann ich meinen Markt bearbeiten? Wie schaffe ich mir ein Stammklientel? Welche Lieferanten und Vertriebswege benötige ich? Welche Rechtsform wähle ich für mein Unternehmen? Besitze ich alle rechtlichen Voraussetzungen für die Unternehmensgründung und -führung? Welche Voraussetzungen und Ressourcen sind zum Betrieb meines Unternehmens unentbehrlich? Was ist bei der Standortwahl zu berücksichtigen? Welche finanzielle Basis kann ich in das Unternehmen einbringen? Wie hoch ist der Kapitalbedarf? Wer sind meine Finanzierungspartner? Welche Förderungsmöglichkeiten bestehen? 18 Vom Kredit- zum Kapitalmarkt

21 Unternehmensgründung Die Antworten auf diese und viele andere Fragen sollten vom Gründer durchdacht und etwa in einem Unternehmenskonzept ( Business-Plan ) nachvollziehbar zusammengefasst werden. Ein Business-Plan ist eine umfassende und systematische Analyse der Geschäftsidee. Er zwingt die Beteiligten dazu, sich konkret Gedanken über die Umsetzung einer Geschäftsidee zu machen. Wer bei der Erstellung des Business-Plans zu sich selbst ehrlich ist und Chancen und Risken abwägt, wird später weniger unliebsame Überraschungen erleben. Ein Business-Plan hilft, Schwachstellen in der eigenen Geschäftsidee zu entdecken, und rechtzeitig alternative Strategien zu entwickeln. Wer bei der Erstellung eines Geschäftsplanes unrealistische Wunschträume zu Papier bringt, wird von der Marktrealität sehr rasch eingeholt. Und gefährdet schon in der Gründungsphase sein Geschäftsprojekt. Häufige Fehler in der Gründungsphase unrealistische Markteinschätzung mangelnde Analyse der Mitbewerber geringe kaufmännische Kenntnisse Unterschätzung der Startkosten keine gesicherte Finanzierung zu rasches Wachstum Umsatz- statt Ertragsorientierung Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten Abhängigkeit von einzelnen Kunden zu hohe Privatentnahmen Probleme zwischen Gesellschaftern Ein Business-Plan dient aber nicht nur der Selbstreflexion, sondern ist auch ein Ausweis des Gründers gegenüber seinen Partnern. Insbesondere gegenüber Investoren und anderen Finanzierungs- und Förderungspartnern, aber auch gegenüber Lieferanten, Kunden und Mitarbeitern. Ein nachvollziehbarer Business-Plan ist in der Startphase eines Unternehmens der (nahezu) einzige Anhaltspunkt für externe Partner, um die Erfolgsaussichten einer Unternehmensgründung zu beurteilen. Vom Kredit- zum Kapitalmarkt 19

22 Unternehmensgründung Die BA-CA unterstützt Firmengründer mit einer eigenen Checkliste bei der Erstellung des Unternehmenskonzepts. Zudem helfen speziell geschulte Jungunternehmer-Betreuer österreichweit bei wichtigen finanziellen Aspekten des Unternehmenskonzepts. Ein ausgearbeiteter Gründungsplan mit klaren Vorstellungen über Umsatz, Erlös, Zielgruppe, Konkurrenz und Angebotsstruktur dient dabei als optimale Vorbereitung auf das Finanzierungsgespräch. 2.2 Rat und (erste) Hilfe Unternehmensgründer sollten die vielfachen Beratungsangebote nützen, die ihnen von öffentlichen Stellen, von Förderungsinstitutionen und natürlich auch von der Bank Austria Creditanstalt geboten werden. Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit hat eine zentrale Stelle geschaffen, die Unternehmensgründern und Betriebsnachfolgern auf ihrem Weg in die Selbständigkeit zur Seite steht: das Gründerservice. Hier bekommen künftige Unternehmer effizient und unbürokratisch Informationen über den Gründungsvorgang, gewerbeund andere berufsrechtliche Zugangsvoraussetzungen oder Förderungsmöglichkeiten. Gleichzeitig ist es aber auch Drehscheibe zu einer Reihe von externen Einrichtungen wie Wirtschaftskammer, Sozialversicherung, Gewerbebehörde oder Förderungsbank. Die Experten des Wirtschaftsministeriums selbst stehen für Detailfragen hinsichtlich Gewerbeanmeldung und Betriebsanlagenverfahren, in Sachen Exporte, Forschungsförderungen und EU-Binnenmarkt bereit. Gründerservice im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit Tel.: (zum Ortstarif) Fax: (01) Vom Kredit- zum Kapitalmarkt

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