Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben wie man sie vermeidet und worauf es wirklich ankommt

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1 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben wie man sie vermeidet und worauf es wirklich ankommt Die richtige Einstellung Vorbereitung ist alles Selbstmarketing Individuelle Botschaft und "roter Faden" Smalltalk und Körpersprache

2 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Inhaltsverzeichnis 1. Fehlendes Bewusstsein 3 2. Orientierungslosigkeit 5 3. Unzureichende Vorbereitung 6 4. Keine Botschaft 8 5. Kein Selbstmarketing 9 6. Unvorteilhafte Präsenz im Netz Fehler in den Bewerbungsunterlagen Missachtung des Sympathieträgers Bewerbungsfoto Kein roter Faden in den Bewerbungsunterlagen Unzureichende Vorbereitung auf Einstellungstests 19 und Assessment Center 11. Mangelnde Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch Keine ordentliche Anreiseplanung Falsche Kleidung beim Vorstellungsgespräch Missachtung der Körpersprachesignale Kein Gespür für Smalltalk Unkenntnis der Regeln der Gesprächsführung Unvorbereitet im Umgang mit schwierigen Fragen Den eigenen Marktwert bei der Gehaltsverhandlung 34 nicht kennen 19. Nach dem Vorstellungsgespräch wertvolle Chancen 36 vertun 20. Nicht genug Ausdauer 38 Bildnachweis: Fotolia: S. 24; S. 34; S. 36; istockphoto: S. 6; Photo Alto: S. 22; S. 25; S. 27; S. 29; PhotoCase: S. 3; S. 8; S. 9; S. 12; S. 13; SXC.HU: S. 5; S. 16; S. 17; S. 23; S. 38; Shutterstock: S. 23; Stockxpert: S.19 Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte und Bilder auch auszugsweise ist ohne schriftliche Genehmigung nicht gestattet. Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader 2012, Oranienburger Str. 4-5, Berlin, Tel 030/ , Fax 030/ ,

3 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 1 Eine erfolgreiche Bewerbung fällt nicht einfach vom Himmel, sondern will hart erarbeitet werden. Hierbei sind viele kleine und große Details zu beachten, verschiedene Phasen zu meistern, um den Bewerbungsprozess mit der siegreichen Arbeitsplatzeroberung abschließen zu können. Als Bewerber hat man vielfach die Chance, sich bestmöglich zu präsentieren. Wer jedoch die Auswähler für sich gewinnen will, darf (möglichst) keine Fehler machen. Wir haben Ihnen die am häufigsten gemachten Fehler aufgelistet und sagen, worauf zu achten ist. Fehlendes Bewusstsein... darüber, dass die Bewerbungssituation eine Herausforderung ist. bis waghalsig ins Spielgeschehen. Um dann, wenn wir am Zug sind, uns und der Umwelt eingestehen zu müssen, doch nicht genau zu wissen, worauf es jetzt im Moment wirklich ankommt. Und genau darum geht es, darauf kommt es an: Die (Bewerbungs-)Spielregeln genau zu studieren und ihre Handhabung möglichst vor dem für uns wichtigen und entscheidenden Einsatz einzuüben, zu erproben. Etwas leichtfertig glauben wir zu wissen, was unter dem Begriff Bewusstsein zu verstehen ist. Ein Blick in das Wörterbuch der Philosophie verdeutlicht, dass die Sache dann doch etwas komplizierter ist. Für unsere Situation, die Auseinandersetzung mit einem Bewerbungsvorhaben, reicht es aus, sich zu verdeutlichen, dass das Bewusstsein zunächst als rationale Erkenntnis zu verstehen ist. Es ist also das Bewusstsein, das uns dazu befähigt, sich ein Wissen über Gegenstände und über das eigene Wesen sowie unser Handeln zu bilden. Bezogen auf das Bewerbungsvorhaben ist also das Wissen über die essenziellen, weichenstellenden Bedingungen, die über Sieg oder Niederlage im Bewerbungsprozess entscheiden, von wesentlicher Bedeutung. Oftmals und allzu gerne tun wir so, als verstünden wir etwas vom Spiel, wüssten oder beherrschten die Spielregeln und stürzen uns mutig Wichtigste Voraussetzung: Ein Bewusstsein für diese Regeln und eine positive innere Einstellung. Dazu nun die wichtigsten Fragen, die besten Antworten Worauf kommt es inhaltlich wirklich an? Viele Antworten sind auf diese Frage vorstellbar. Nach unserer Einschätzung ist das Wichtigste: die Einstellung des Bewerbers. Und dies im doppelten Wortsinne. Also die mentale Auseinandersetzung und Einstimmung auf Ihr Vorhaben, einen Arbeitsplatz zu erobern ( Ich will einen neuen Job und ich werde auch einen finden! ). Dabei spielt die gründliche Vorbereitung die alles entscheidende Rolle, was übrigens regelmäßig unterschätzt wird. Die richtige Vorbereitung aber ist der Grundstein für den Erfolg, 3

4 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 1 so wie ein solides Fundament die sicherste Basis für einen Hausbau ist. Was sind die wichtigsten Weichensteller, die Essentials bei einem Bewerbungsvorhaben? Die Essentials einer jeden Bewerbungssituation sind Kompetenz, Leistungsmotivation und Persönlichkeit. Wenn Sie sich notieren, was für Sie im Leben wichtig ist, welche Werte und Ziele Sie haben, für welche Dinge Sie kämpfen würden, worin Sie den speziellen Sinn Ihres (Berufs-)Lebens sehen, entwickeln Sie ein neues Bewusstsein für Ihr Bewerbungsvorhaben. Unsere über zwanzigjährige Forschungs-, Beratungs- und Publikationstätigkeit zur speziellen Thematik Prüfungssituation Bewerbung hat als Quintessenz diese drei entscheidenden Faktoren ergeben, auf die es aus Arbeitgebersicht bei einem Bewerber ankommt. Das bedeutet: 1. Verfügt der Bewerber über die erforderlichen fachlichen Qualifikationen? 2. Warum hat er sich bei uns beworben? Was reizt ihn an diesem Job/diesem Unternehmen? Ist er motiviert, Außerordentliches zur Verwirklichung von Unternehmens- bzw. Institutionszielen zu leisten? 3. Mobilisiert der Bewerber Sympathiegefühle, kann man sich mit ihm wohlfühlen und passt er zum Team, zum Unternehmen (bzw. zur Institution)? Stimmt die Chemie? Warum werden dennoch im Bewerbungsverfahren immer wieder so viele Fehler gemacht? Weil die Bewerber sich nicht intensiv genug vorbereiten, also nicht wissen, was auf sie zukommt und worum es wirklich geht. Das hat damit etwas zu tun, dass eine Bewerbungssituation mit dem Thema Angenommenwerden oder Abgewiesenwerden verbunden ist. Die Angst vor Abweisung, davor, nicht gut (genug) zu sein, ist zutiefst menschlich und spielt sich meist auf unbewusster Ebene ab. Das steckt auch hinter jeder Prüfungsangst. 4

5 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 2 Orientierungslosigkeit... nicht zu wissen, woher man kommt, wo man sich befindet und wohin es gehen soll. Was will ich? Was ist für mich möglich? Zur eigenen Standortbestimmung eignen sich auch die folgenden Fragen: Auf hoher See ohne Orientierung zu sein ist der Albtraum eines jeden Seefahrers. Notfalls bietet für den Kundigen das Firmament Orientierung. Der Ahnungslose dagegen bewegt sich im Kreis und wird wahrscheinlich nie ankommen. Zur See zu fahren setzt bestimmte Kenntnisse voraus: ein Ziel, die Handhabung der Navigation und das Wissen um die Gefahren. Ganz ähnlich verhält es sich beim Bewerbungsvorhaben. Ohne ein klares Ziel vor Augen und eine Vorstellung, wie man es erreichen könnte, ist es nicht nur mühsam, sondern ziemlich abenteuerlich bis leichtsinnig, sich (blind-)suchend auf den Arbeitsmarkt zu begeben. Dazu gehört auch das Hintergrundwissen, woher man kommt, wo man seine Wurzeln hat, worauf man aufbauen kann und will. Das Wissen um diese Dinge ist der Schlüssel für einen erfolgreichen Einstieg in die wichtige Vorbereitungsphase. Gibt es so etwas wie eine Leitidee oder einen roten Faden für die Orientierungsphase? Ja! Die berühmten vier Fragen: Was für ein Mensch bin ich? Was kann ich? Was liegt ausbildungstechnisch, beruflich etc. alles schon hinter mir? Wie schätze ich mich und meine Fähigkeiten ein? Wie sieht meine aktuelle Situation aus, mit der ich mich auseinandersetzen muss? Geht es um einen Neueinstieg, Wechsel, Auf- oder Wiedereinstieg? Was muss beim Bewerbungsvorhaben aus Bewerbersicht das Hauptziel sein? Es geht darum, die drei Essentials der Bewerbungssituation (Kompetenz, Leistungsmotivation und Persönlichkeit) während des gesamten Bewerbungsverfahrens als Signale so prägnant auszusenden, dass sie beim potenziellen Arbeitgeber in aller Deutlichkeit ankommen. Das gilt für die Erstellung der Bewerbungsunterlagen ebenso wie für das persönliche Auftreten im Vorstellungsgespräch. Es geht also um die von Ihnen vorzubereitenden Schlüsselwörter zu den Themen: Was für ein Mensch sind Sie und wie präsentieren Sie sich? Wie bringen Sie Ihre Leistungsmotivation deutlich zum Ausdruck? Wie vermitteln Sie überzeugend Ihre Kompetenz? Ohne Orientierung keine Perspektive, ohne Ziel kann jeder Weg richtig sein. 5

6 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 3 Unzureichende Vorbereitung... und daraus resultierende erfolglose Ad-hoc-Bewerbungen, die letztendlich nur Zeit, Geld und Selbstvertrauen kosten. Mit welchem Zeitaufwand muss man bei den Vorbereitungen für sein Bewerbungsvorhaben ungefähr rechnen? Die intensive und richtige Vorbereitung jeder Phase des Bewerbungsprozesses ist der Grundstein für den Erfolg. Oft wird dies jedoch stark vernachlässigt. Generell neigen die meisten Bewerber eher dazu, den Zeitaufwand für die emotionale und mentale Einstimmung vollkommen zu unterschätzen. Auch für die wichtige Kontaktanbahnung oder -pflege, die Erstellung der Bewerbungsunterlagen oder die Vorbereitung auf ein Bewerbungstelefonat oder auf ein Vorstellungsgespräch wird von den meisten zu wenig Zeit einkalkuliert. Wenn jetzt noch die Formulierung eines Stellengesuches oder die Vorbereitung auf ein Assessment-Center anstehen, gerät der Zeitplan häufig vollkommen aus den Fugen. Die Folge ist: Ohne zu wissen, als was und für wen sie arbeiten möchten, bewerben viele sich einfach wild drauf los, bekommen Mengen an Absagen und stürzen sich noch verzweifelter und unvorbereiteter in den Versand von Massen-Standard-Bewerbungen, die wiederum alle als Absagen zurückkommen. Ein unheilvoller Kreislauf, der sich da anbahnt. Stunden, Tage, Wochen, Monate: Im Grunde läuft die Vorbereitungszeit seit Ihrer Entscheidung für Ihr Bewerbungsvorhaben. Das wollten Sie so aber sicherlich nicht hören. Und dennoch: Eine halbwegs gute Vorbereitungszeit ist sicherlich mit Stunden nicht zu hoch angesetzt. Ob Sie das in einer Woche oder in vier Wochen durchziehen, hängt sicherlich nicht nur von Ihrer Kondition, sondern auch von dem Zeitbudget ab, das Ihnen aktuell zur Verfügung steht. Ab wann, also zu welchem Zeitpunkt, sollte man mit dem Einstieg in das Bewerbungsvorhaben beginnen? Spätestens mit Ihrer Entscheidung, einen Berufseinstieg oder einen Arbeitsplatzwechsel aktiv anzugehen. Das bedeutet, Sie fangen wirklich mit einer intensiven Vorbereitung an und das bedingt immer die Auseinandersetzung mit der eigenen Person und Ihren Fähigkeiten (Wer bin ich? Was kann und was will ich?). Diese Selbsterforschung sollte unbedingt auch einhergehen mit einer gründlichen Arbeitsmarktanalyse unter der Fragestellung: Wer braucht was? Am Schluss steht der Abgleich zwischen der Antwort auf diese Frage und dem, was Sie anzubieten haben. Mit welcher Unterstützung kann man bei der Vorbereitung rechnen? Rechnen Sie besser mit wenig bis keiner. Schön, wenn Lebenspartner, Familie, Freunde Sie ermutigen und Gesprächs- oder vor allem aber Zuhörpartner sind. Was professionelle Unterstützung anbe- 6

7 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 3 trifft, also Karriere- und Bewerbungsberater, ist es so, dass es viele schwarze Schafe gibt, die Zeit- und vor allem Geldverschwendung bedeuten können. Wirkliche Profis auf diesem Gebiet kosten deutlich Geld und dieses sitzt in der Regel natürlich nicht so locker. Dennoch können Sie bei professionellen Bewerbungsberatern umfassende Hilfe und Unterstützung in Anspruch nehmen und gelangen so sicherlich schneller ans Ziel. spezifischen Vorbehalte, mit denen sie sich auf der Auswählerseite auseinandersetzen müssen. Hier sind zwei Dinge unbedingt notwendig: wissen, wie und was die andere Seite denkt und warum. sich selbst von derlei Vorurteilen freizumachen, bei gleichzeitig guter Vorbereitung auf die eigene Antwortstrategie. Gibt es Bewerbergruppen, die sich mit ganz besonderen Vorbereitungsproblemen auseinandersetzen müssen? Selbstverständlich, denn jede Bewerbergruppe hat ihre eigenen Besonderheiten und damit leider auch ganz spezifischen Probleme, so z. B. Arbeitslose, insbesondere Langzeitarbeitslose, die nach vielen Erklärungen gefragt werden, aber auch gestandene Arbeitnehmer über 48. Ganz besonders müssen sich Frauen mit speziellen Vorurteilen auseinandersetzen, vor allem, wenn es um gehobene Positionen geht. Und selbst Azubis haben mit dem Schritt ins Berufsleben so ihre ganz besonderen Schwierigkeiten, ebenso wie Hochschulabsolventen. Beide Gruppen bedürfen deshalb einer besonders sorgfältigen Vorbereitung auf die Bewerbungssituation. Je besser Sie sich vorbereiten, desto höher stehen Ihre Chancen, den Bewerbungsmarathon in möglichst kurzer Zeit erfolgreich zu durchlaufen. Oder wie einer der Marx Brothers, Groucho Marx, fragen würde: Was haben ein Banküberfall und ein Bewerbungsvorhaben gemeinsam? Antwort: Die generalstabsmäßige, minutiöse Vorbereitung. Worin liegen denn die besonderen Herausforderungen spezieller Kandidatengruppen? Bei längerer Arbeitslosigkeit und einem Alter, das auf die 50 zugeht oder darüber liegt, ist es besonders ein mentales Problem, das den Bewerbern zu schaffen macht. Dafür sind sie aber zweifelsohne nicht allein verantwortlich. Hier herrscht ein gesamtgesellschaftlicher Vorurteilsdruck, der an diesen Gruppen selbstverständlich nicht spurlos vorbeigeht. Was ist diesen Bewerbergruppen besonders zu empfehlen? Eine gezielte Vorbereitung auf ihr Bewerbungsvorhaben, ganz besonders unter Berücksichtigung der 7

8 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 4 Keine Botschaft... was bedeutet, nicht aus der Masse der Bewerbungen herauszutreten. ben und beim Auswähler Interesse und Neugier zu wecken, wird stark durch Gefühle beeinflusst und ist keinesfalls lediglich rational begründet. Vertrauen ist daher das entscheidende Stichwort. Je persönlicher und transparenter Sie sich machen, desto eher gewinnen Sie das Vertrauen Ihres Gegenübers. Wie wird eine persönliche Botschaft überzeugend formuliert? Den meisten Bewerbern fällt spontan ein: Ich will diesen oder jenen Job! Ich bin der Größte, die Klügste... Dieses Kommunikationsziel, diese Botschaft haben aber auch alle anderen Mitbewerber. Als persönliche Botschaft ist das somit unbrauchbar! Und allein die Tatsache, dass Sie einen (neuen) Job haben wollen, ist für die am Auswahlprozess Beteiligten kein zwingender Grund, sich für Ihre Person zu entscheiden. Leider! Nun neigen viele Bewerber dazu, zu argumentieren, sie seien mit ihren Erfahrungen der/die Beste und für die jeweiligen Aufgaben am ehesten geeignet. Schön und gut, aber was glauben Sie, wie argumentieren Ihre Mitbewerber? Genau deswegen weil die meisten so argumentieren ist diese Botschaft für sich allein ziemlich schwach oder sogar eigentlich ohne wirklich Aussage. Als Fazit bleibt da die Frage: Wie kann man es besser machen? Nach welchen Kriterien werden die zahlreich eingehenden Bewerbungsunterlagen sortiert? Ist derjenige sympathisch? Scheint er kompetent? Passt er ins Team? Macht er einen vertrauenswürdigen Eindruck? Haben seine Unterlagen Wiedererkennungswert? Sich positiv von der Masse abzuhe- Zunächst bedeutet dies, ein Kommunikationsziel zu entwickeln. Hier geht es wieder um die drei Elemente Kompetenz, Leistungsmotivation und Persönlichkeit. An erster Stelle steht also wieder die Auseinandersetzung mit den Fragen: Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich? Im zweiten Schritt entwickeln Sie aus Ihren Zielvorstellungen klare und schnell zu verstehende Botschaften. Nun fehlt nur noch der dritte Schritt: die guten Argumente. Wieso? Nun, nur Behauptungen aufzustellen, ist natürlich zu wenig. Sie müssen es auch an etwas Konkretem festmachen, dass Sie z. B. über umfassende Kenntnisse in der IT-Branche verfügen. Welche Situationen in Ihrem (Berufs-)Leben verdeutlichen das? Mit guten Argumenten, die auch beweisen, dass es so ist, wie Sie sagen, erhöhen Sie die Glaubwürdigkeit Ihrer Botschaft und damit das Vertrauen in Ihre Person. Kommunikationsziel, Botschaft und Argumentation bzw. Beweisführung ergeben in einem idealen Dreiklang die Grundlage, auf der sich ein Arbeitsplatzanbieter für Sie als den richtigen Kandidaten entscheiden kann. Erleichtern Sie ihm die Entscheidung und sehen Sie sich in der Bringschuld, die in Ihrem eigenen Interesse Ihr berufliches Vorhaben positiv befördert. Es ist ziemlich doof, haben Ihre Unterlagen keine persönliche Botschaft für deren Empfänger! 8

9 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 5 Kein Selbstmarketing... und damit die Chance vertun, sich selbst und seine Fähigkeiten erfolgreich zu vermarkten. Was ist eigentlich Marketing in eigener Sache im Kontext einer Bewerbungssituation? Marketing, ein Begriff aus der Betriebswirtschaftslehre, bedeutet Planung, Organisation und Kontrolle aller Unternehmensaktivitäten, die auf Beschaffungs- und Absatzmärkte ausgerichtet sind. Dabei ist das Ziel des Marketing: Kunden zu erreichen, sie zum Kauf und zum Gebrauch eines ganz bestimmten Produktes zu veranlassen und sie an die Marke, das Produkt oder das Unternehmen zu binden. Marketing in eigener Sache heißt, das eigene Können, das Leistungsangebot (man nennt es auch Profil) ins rechte Licht zu rücken. Das wird von den meisten Bewerbern aber gar nicht oder in nur sehr geringem Maße vorgenommen. Hierfür fehlt oft das notwendige Bewusstsein. Eine Initiativbewerbung, also von sich aus aktiv an ein Unternehmen heranzutreten, nach einem Arbeitsplatz zu fragen und Unterlagen zu verschicken, stellt für viele Bewerber schon die eigentliche Marketing-Leistung im Bewerbungsprozess dar. Außerdem ist immer noch hier und da die Meinung anzutreffen, dass es zu unbescheiden wirkt, auf die eigenen Stärken hinzuweisen. Der Personalentscheider könne es zudem aus den Unterlagen ersehen, wenn er sich nur genug Mühe gibt. Hand aufs Herz: Wer von uns kauft ein teures Produkt, das eher einfach bis unattraktiv verpackt ist und dessen wahren Nutzen wir erst nach mehrmaligem Lesen der umständlich formulierten Produktbeschreibung oder Bedienungsanleitung erkennen können? Die vier klassischen Marketinginstrumente sind: Das Produkt Die Werbung Der Vertrieb Die Preispolitik Bezogen auf Ihre Arbeitswelt bedeutet das? Sie sind ein Unternehmer. Sie müssen unternehmerisch denken, denn Sie befinden sich auf einem Markt, dem Arbeitsmarkt. Ihr Produkt ist Ihr Knowhow, Ihr Wissen, Ihre Erfahrung, Ihre Dienstleistung, die Sie dem Kunden (sprich: Arbeitsplatzanbieter) anbieten und ihn damit zum Kauf veranlassen möchten. Und wer sind ihre Kunden? In der Regel spricht man immer noch vom Arbeitgeber. Eigentlich aber sind Sie der Arbeitgeber, besser gesagt der Arbeitskraftgeber, ein moderner Dienstleister. Sie bieten Ihre Dienstleistung an und müssen Ihre Kunden, also potenzielle Arbeitgeber, dafür finden und zufriedenstellen. 9

10 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 5 Übertragen auf das Individuum, lauten die vier Marketing-Instrumente folgendermaßen: 1. Produkt = Profil 2. Werbung = Be-Werbung 3. Vertrieb = Art der Kontaktaufnahme, z. B. Telefon oder 4. Preis = Gehalt Wieso ist Marketing für mich als Bewerber so wichtig? Die wirkliche Grundlage für eine erfolgreiche Be- Werbung ist die Reflexion der eigenen Fähigkeiten, die von besonderem Nutzen für den Arbeitsplatzanbieter sind. Und diese gilt es, wie bei allen kaufmännischen Unternehmungen, gezielt vorher zu recherchieren. Sie sind auf dem heutigen Arbeitsmarkt nach einem modernen Verständnis nicht mehr klassischer Arbeitnehmer auf der Suche nach einem klassischen Arbeitgeber, sondern Unternehmer ein modernes Ein-Personen-Dienstleistungsunternehmen. Lernen Sie also, unternehmerisch zu denken und zu handeln. Wenn Sie den richtigen Schlüssel für ein Problem Ihrer Zielgruppe haben, wird je besser Ihr Schlüssel passt und je brennender das Problem Ihrer Zielgruppe ist Ihr beruflicher Marktwert steigen. Nur, Sie müssen dies alles auch kommunizieren! Also nicht vergessen: Werbung in eigener Sache machen! Und noch etwas: Nicht der Job, der Ihnen das meiste Geld bringt, ist der richtige, sondern der, der Ihren Nutzen für den Arbeitsmarkt und damit auch für andere Arbeitplatzanbieter steigert. 10

11 VORWEG-GEHER-GESUCHT.DE WERDEN SIE TOP-CONSULTANT IM SPANNENDEN ZUKUNFTSMARKT ENERGIE. Verstärken Sie die Inhouse-Beratung der RWE. Überzeugen Sie in einem international agierenden Konzern mit strategischem Weitblick, Mut zur Innovation und präzisen Analysen auch über den Projektabschluss hinaus. Welche Aufgaben auf Sie warten und wie wir gemeinsam die Energie der Zukunft sichern, erfahren Sie online. 11

12 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 6 Unvorteilhafte Präsenz im Internet... und damit Gefahr laufen, im Netz kein positives Bild von sich zu vermitteln. sachlich geschrieben und ohne, dass sich jemand davon angegriffen fühlen könnte? Verwenden Sie in allen Netzwerken das gleiche Foto und ähnliche Angaben? Mit wem vernetzen Sie sich? Was ist bei Nachrichten/Mails, Postings und Fotos zu beachten? Zum Selbstmarketing gehört auch, genau darauf zu achten, welche Informationen von Ihnen im Internet kursieren und welches Bild Sie dort von sich vermitteln. Immer mehr Arbeitgeber googeln die Bewerber und bilden sich ein Urteil über diese auf Grundlage der Informationen, die sie dort finden. Bei allem, was Sie tun bloggen, diskutieren, ein Profil auf Facebook erstellen, Informationen posten, neue Kontakte ansprechen hinterlassen Sie Spuren. Daher ist es wichtig, dass Sie auf Ihr Verhalten und die Art Ihrer Kommunikation im Netz achtgeben und ein positives Bild von sich vermitteln. Was kann ich tun, um zu erfahren, was über mich im Internet zu lesen/zu sehen ist und worauf sollte ich hier achten? Googeln Sie sich doch einmal selber, um zu schauen, was über Sie bereits im Internet zu lesen ist und welche Fotos es gibt. Dadurch bekommen Sie auch ein Gefühl dafür, was Arbeitgeber sehen, falls diese Sie googeln. Ist Ihr Name zu finden? Wenn ja, welchen Eindruck vermittelt das, was von Ihnen im Internet steht? Wie treten Sie auf Fotos in Erscheinung? Seriös oder mit einer Bierflasche in der Hand? Sind Ihre Beiträge in Foren oder Blogs fehlerfrei und Beantworten Sie alle Nachrichten und Mails immer freundlich, mit Anrede und Grußformel, und achten Sie wie im normalen Briefverkehr auf einen angemessenen Tonfall. Alle Beiträge, die Sie veröffentlichen, sollten fehlerfrei (Rechtschreibung/Grammatik und Beachtung der Groß- und Kleinschreibung), inhaltlich von öffentlichem Interesse und kurz sein. Auch sollten Sie keine Plattform dazu nutzen, um über ehemalige Arbeitgeber oder Kollegen zu schimpfen oder sogar ausfallend zu werden. Achten Sie darauf, dass alle Fotos, die im Netz von Ihnen kursieren, professionell sind und im besten Falle Bewerberfotoqualität haben. Vermeiden Sie es, Urlaubs- oder Partyfotos für die Öffentlichkeit im Netz zugänglich zu machen. Doch nicht nur Risiken, sondern auch viele berufliche Chancen warten im Internet. Sie bekleiden ein Ehrenamt? Ihr Vortrag auf einer Fachkonferenz wurde vielfach gelobt? Ihr Expertise fand bereits Erwähnung in der Lokalpresse? Solche Referenzen sind aktiv im Internet zu veröffentlichen, um Ihr berufliches Profil durch diese Belege viel authentischer wirken zu lassen. Und wenn dann ein Personaler eine Internetsuche zu Ihrem Namen startet, so erhält er einen Eindruck, den Sie selbst gestaltet haben. Achten Sie stets auf die Art Ihrer Kommunikation im Netz, damit es Ihrem beruflichen Weg nicht schadet. Was im Netz über Sie zu finden ist, können Sie kaum oder nur mit großem Aufwand wieder rückgängig machen. 12

13 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 7 Fehler in den Unterlagen... und sich damit selbst die Chance auf den ersten guten Eindruck zu verderben. mit dem Wunsch, Sie persönlich kennenlernen zu wollen. Erstaunlich jedoch ist, mit wie wenig Engagement und kaum kreativen Einfällen sich heutzutage die allermeisten Kandidaten mit ihren Unterlagen präsentieren. Was gibt es bei der Form der schriftlichen Unterlagen zu beachten? Das ist schlechthin der Kardinalfehler, den viele bei ihren Bewerbungsunterlagen machen: Sie schreiben mal eben eine Bewerbung. Hauptsache ist ihnen, dass der Brief oder die losgeschickt wird. Die Folge: diffus formulierte bis keine Werbebotschaft, wenig überzeugende Argumente in den entscheidenden Punkten Kompetenz, Leistungsmotivation und Persönlichkeit. Hinzu kommen leider immer noch jede Menge dummer Formfehler. Also kein Wunder, wenn Personalentscheider beklagen, dass sie etwa 80 % der Bewerbungsunterlagen sofort zur Seite auf den Stapel Z(urück zum Absender) legen. Worauf kommt es bei den Bewerbungsunterlagen grundsätzlich an? Kurz geantwortet: dass Sie Ihre persönliche Botschaft überzeugend vermitteln. Und das wissen Sie: Ohne wirklich ganz hervorragende, beeindruckende Bewerbungsunterlagen haben Sie kaum eine Chance auf ein Vorstellungsgespräch. Denn: In der Regel entscheiden Ihre eingereichten Unterlagen, ob sich auf Arbeitgeber- und Auswählerseite Interesse an Ihrer Bewerbung entwickelt und man dadurch neugierig auf Ihre Person wird. In der Konsequenz verbindet sich das dann Auf die Form ihrer Bewerbung legen viele Kandidaten oft zu wenig Wert. Das fängt schon mit der Seitengestaltung (Layout) des Anschreibens und des Lebenslaufs an. Eine zu kleine, nicht gut lesbare Schriftart dann noch ohne genügend Rand und im Blocksatz bringt jeden Personalchef zur Verzweiflung. Eine schrille Bewerbungsmappe in grün-rosa mit gelben Blümchen mag zwar für einen Aha-Effekt sorgen, vermittelt aber nicht gerade einen seriösen Eindruck von Ihnen. Achtlos eingescannte Zeugnisse mit schiefem Rand, kaum lesbarer Schrift oder Kaffeeflecken werden Ihnen keine Vorteile bringen. Eselsohren, Flecken, abgegriffene Unterlagen oder das andere Extrem jede Kopie in einer extra Plastikhülle fallen extrem negativ auf und machen es den Verantwortlichen leichter, Sie auszusortieren! Wen wundert s dann, wenn den Unterlagen von vornherein, gar keine Beachtung geschenkt wird. Schmälern Sie nicht Ihre Chancen nur wegen Formfehlern! Das ist vollkommen unnötig. Nur durch kleine Achtlosigkeiten können Sie sich den gesamten Weg verbauen. Seien Sie also anspruchsvoll an sich selbst und schauen Sie auf die Details! Diese haben mehr Wirkung, als Sie vielleicht glauben. Und noch etwas: Auch Rechtschreib- und Grammatikfehler können Ausschlusskriterien sein! 13

14 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 7 Wie kann ich mich in der Gestaltung der Unterlagen deutlich positiv von anderen Bewerbern abheben? Indem Sie auf eine perfekte und ästhetisch ansprechende Form Ihrer Unterlagen achten: saubere, fehlerfreie, tadellose und vollständige Unterlagen (verwenden Sie für jede Bewerbung eine neue Mappe man sieht es ihr in der Regel an, dass sie bereits unterwegs war und achten Sie darauf, dass keine wichtigen Unterlagen fehlen), qualitativ hochwertige Kopien, ein ansprechendes, lesefreundliches Layout, gutes Papier und grammatikalische und orthografische Korrektheit. Und auch die Verpackung muss stimmen. Das Anschreiben liegt oben lose auf Ihrer Mappe. Es wird nicht eingeheftet! Verwenden Sie lieber keine mehrfach geklappte Mappe nur eine zweiteilige. Eine dreiteilige Mappe wirkt übertrieben und ist umständlich. Besser als wabbelige Plastik-Schnellhefter sind dezente Pappmappen mit Klemmvorrichtung. Hände weg von zu grellen, außergewöhnlichen Farben! Empfehlenswert sind schwarz, weiß, grau oder dunkelblau. Auch das Schreibpapier muss nicht zwingend weiß sein. Sie können, wenn es passt und wenn Sie glauben, dass es auf der Auswählerseite gut ankommt, eine dezente Farbe wählen. Das gleiche gilt für die Schriftfarbe. Auch da muss es nicht zwingend schwarz sein. Generell gilt: Weniger ist mehr. Ästhetik und Form sind nicht die eigentliche Botschaft, sondern sollen diese nur transportieren. Farben und Formen müssen also zu den Inhalten passen. Wichtig: Versenden Sie Ihre Unterlagen als normale Briefpost, also nicht per Express und auf keinen Fall per Einschreiben. Worauf kommt es bei einer -Bewerbung an? Auch eine -Bewerbung erfordert absolute Sorgfalt und muss ebenso wie die schriftliche Bewerbung allen formalen Anforderungen genügen. Grundsätzliche gilt: Richten Sie sich eine professionelle -Adresse ein, am besten: (z. B. kommt gar nicht gut an). -Bewerbungen müssen außerdem so wie schriftliche Bewerbungen inhaltlich immer auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten sein. Versenden Sie also auf keinen Fall Serienmails, die an viele Empfänger gleichzeitig gehen und lediglich die Anrede Sehr geehrte Damen und Herren haben. Anschreiben und Lebenslauf sollten die wesentlichen Bestandteile Ihrer -Bewerbung sein. Fügen Sie einen kurzen Text in das Textfeld der ein, also Anrede, kurzer inhaltlicher Bezug und Ihre Kontaktdaten. So etwas wie Anbei meine Bewerbung reicht nicht aus. Vermeiden Sie auch gewagte Formatierungen. Achten Sie stattdessen auf Lesbarkeit durch Absätze und kurze Sätze. Zum Dateiformat Ihrer Anhänge: Worddateien sind nicht empfehlenswert, da hier Layout und Formatierung bei der Übertragung häufig nicht erhalten bleiben. Am besten sind PDF-Dateien, da diese wesentlich sicherer sind. Auch Ihre eingescannten Zeugnisse sollten Sie als eine PDF-Datei (beschränken Sie sich hierbei auf die wichtigsten) versenden. Entweder Sie verschicken Ihre kompletten Bewerbungsunterlagen als eine PDF-Datei oder Sie teilen die Unterlagen in zwei einzelne Dateien (Anschreiben/Lebenslauf und Zeugnisse) auf. Insgesamt sollten die Anhänge die Größe von zwei bis drei MB nicht überschreiten. Das Foto gehört in den Lebenslauf oder auf das Deckblatt verschicken Sie es nicht als eigene Datei. Insgesamt sollten es also nicht mehr als drei einzelne Dateien im Anhang sein. Die Dateinamen sollten unmissverständlich sein und auf Ihre Person verweisen, zum Beispiel Bewerbung_Sabine Schröder. Wichtig: Auch in einer -Bewerbung müssen Anschreiben und Lebenslauf unterschrieben sein. Wir empfehlen Ihnen, Ihre Unterschrift einzuscannen und einzufügen das wirkt persönlicher und professioneller. 14

15 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 7 Mit welchem Zeitaufwand ist bei der Erstellung der Unterlagen zu rechnen? Wenn Sie eine gute Vorbereitung betrieben haben, sind es, immer noch vorsichtig geschätzt, zwischen 20 und 80 Stunden Arbeit am PC für einen ersten Verkaufsprospekt. Nennen Sie es ruhig weiter Lebenslauf wir nennen es Verkaufsprospekt! Da es um eine Werbeaktion in eigener Sache geht, ist es nicht nur gerechtfertigt, sondern auch hilfreich, sich zu verdeutlichen, dass Sie mit all Ihren Bewerbungsunterlagen tatsächlich eine Art Verkaufsprospekt präsentieren. Wie viel Zeit nimmt sich eigentlich ein Personalentscheider für Ihre Unterlagen? Manche Personalentscheider behaupten, in weniger als einer Minute herausfinden zu können, ob der/die Kandidat/in sie interessiert. Andere investieren zwei, drei bis (selten) fünf Minuten. Also Ihre Unterlagen haben verdammt wenig Zeit, um zu überzeugen, vor allem, wenn man berücksichtigt, dass heutzutage auf eine Stellenanzeige zwischen 250 und 500 Bewerbungsunterlagen kommen können. Je mehr Wertschätzung Sie Ihrem potenziellen Arbeitgeber durch eine gründlich vorbereitete Bewerbung entgegenbringen, desto höher stehen Ihre Chancen, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. 15

16 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 8 Missachtung des Sympathieträgers Bewerbungsfoto... was gleichzusetzen ist mit einem nicht geschenkten Lächeln in einer entscheidenden Situation. darf angeschnitten sein. Auch Arme, Hände oder Oberkörper dürfen mit aufs Bild. Das Farbfoto verträgt am besten dezente Farben bei Kleidung und Make-up. Verkleiden müssen Sie sich zum Fototermin natürlich nicht, aber überlegen Sie sich auch hier, welchen Eindruck Sie machen wollen und was die angemessene Kleidung in der Bewerbungssituation für Ihre Branche ist. Übrigens: Wir empfehlen Schwarz-Weiß-Fotos, weil sie klassisch, elegant und zeitlos wirken. Auch wenn es seit 2006 mit der Einführung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) nicht mehr zwingend notwendig ist, den Bewerbungsunterlagen ein Foto beizufügen, empfehlen wir es dennoch. Denn auch Personaler sind nur Menschen und lassen sich von einem ansprechenden Äußeren beeinflussen. Ein gut gemachtes Foto kann also das Zünglein an der Waage sein, denn es ist der klassische Sympathieträger, mit dem Sie die Auswahlkommission auf Ihre Seite ziehen können. Nutzen Sie die Chance, die darin liegt! Urlaubsbilder oder Erinnerungsfotos gehören natürlich nicht in eine Bewerbung auch keine kreativ ausgeschnittenen Privatfotos oder Ganzkörperfotos und auch keine Passfotos. Was Sie brauchen sind: Bewerbungsfotos von hoher Qualität! Worauf muss ich beim Foto achten? In ein ansprechendes, professionelles Foto zu investieren, lohnt sich. Recherchieren Sie nach Fotostudios und vereinbaren Sie dort einen Termin. Als Format empfiehlt sich die klassische Größe im Hochformat, etwa 5,5 x 4 cm oder etwas größer. Auch ein anderes Format z. B. quadratisch oder Querformat ist denkbar. Der Kopf oder das Gesicht Worauf wird bei der Analyse des Fotos geachtet? Auf vier Kriterien, nämlich: Aussehen/Mimik, die Kleidung bzw. das, was man von ihr sieht, die fotografische Qualität und das Format. Grundsätzlich gilt: Achten Sie auf eine gepflegte sowie zu Ihnen und zum potenziellen Arbeitgeber passende Erscheinung (ordentliche Frisur, die Herren rasiert). Lächeln Sie und zeigen Sie sich gut gelaunt. Präsentieren Sie sich auf Ihrem Be-Werbungsfoto also von Ihrer Schokoladenseite. Tipp: Lassen Sie sich gleich mehrere Male fotografieren und legen Sie die Bilder Ihrem Lebenspartner, Freunden und Bekannten vor und diskutieren Sie das wohlgefälligste, sympathischste und zugleich passendste Foto. Nach unseren Erfahrungen sind viele Bewerbungskandidaten oftmals nicht in der Lage, ein ansprechendes Foto von sich selbst auszuwählen. Überlassen Sie dies daher besser der Mehrheitsentscheidung von Personen aus Ihrem Umfeld, denen Sie vertrauen. Unterschätzen Sie nie die Macht des Bildes! 16

17 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 9 Kein roter Faden in den Bewerbungsunterlagen... und dadurch kein überzeugendes, in sich stimmiges Bild von sich selbst vermitteln. die Anlagen (also Zeugnisse und Zertifikate) und das Anschreiben. Hinzu kommen noch meistens ein Foto und weitere Unterlagen, wie Deckblatt, Anlagenverzeichnis und gegebenenfalls die sogenannte Dritte Seite (eine Seite zu Ihrer Motivation). In ganz seltenen Fällen werden noch Referenzen bzw. Empfehlungen, ein polizeiliches Führungszeugnis und Arbeitsproben erwartet. Ein Beispiel: Eine optisch perfekte Bewerbungsmappe, aber ein standardisiertes Anschreiben und ein nichts aussagender Lebenslauf. Oder: Ein durch und durch überzeugendes Anschreiben sowie ein aussagefähiger Lebenslauf nur leider eine Bewerbungsmappe, deren Personalabteilungen-Rundreise auf dem ersten Blick erkennbar ist. Oder: Tolle Bewerbungsunterlagen, aber eine unfreundliche Ansprache in der und die Fotos im Internet zeigen Sie in Freizeitkluft am Strand von Mallorca. Leider geraten immer wieder hoffnungsvolle Bewerbungen auf den Z(urück)-Stapel, weil das Gesamtbild nicht stimmig ist. Uneinheitlichkeit oder sogar widersprüchliche Botschaften machen es Ihrem Gegenüber schwer, Ihnen zu vertrauen und stören darüber hinaus dessen ästhetisches Empfinden. Bei der Menge an Bewerbungen bedeutet das ein schnelles Aus! Was sind die wichtigsten Bausteine für die Bewerbungsunterlagen? Neben der sorgfältigen Vorbereitung und der Festlegung Ihrer Kommunikationsziele, sind die Komponenten Ihrer Bewerbungsunterlagen der Lebenslauf, Was ist denn nun am wichtigsten: Anschreiben, Lebenslauf oder die Zeugnisse? Ihr Werbeprospekt in eigener Sache (Lebenslauf) und das Anschreiben kommen an erster Stelle. Dann erst folgen die Empfehlungsschreiben (Zeugnisse). Wenn auch alle drei Dokumente in ihrer Gesamtbedeutung nicht zu unterschätzen sind, in der Gewichtung gibt es schon deutliche Unterschiede. Auch wenn Arbeitszeugnisse hier an zweiter Stelle kommen, sind sie von nicht geringer Bedeutung. Und Sie sollten in jedem Fall wissen, wie gut und aussagekräftig Ihre Zeugnisse wirklich sind. Ein Anlagenverzeichnis lohnt sich ab etwa fünf Anlagen. Es gibt dem Leser eine Orientierung und erleichtert ihm somit das Lesen. Damit zeigen Sie auch, dass Sie Ihren Unterlagen eine Struktur geben können. Bei der Zusammenstellung von zu vielen Anlagen (Zeugnisse, die zwanzig Jahre und älter sind, Fotokopien von Führerscheinen und anderen für die Bewerbung eher belanglosen Dokumenten) laufen Sie jedoch Gefahr, dass dies im Sinne eines Ausschlusskriteriums gegen Sie verwendet wird. Ein Mehr an Anlagen bedeutet also keinesfalls immer ein Vorteil. 17

18 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 9 Warum sollte man auch etwas über Hobbys, Interessen und sein Engagement in der Freizeit mitteilen? Sage mir deine Hobbys und ich sage dir, wer du bist. Eine Art Visitenkarte Ihrer Persönlichkeit wird auf diese Weise kommuniziert und um Ihre Persönlichkeit geht es ja primär beim Entscheidungsprozess für oder gegen Sie. Das gilt ebenso für spezielle Interessen oder besonderes ehrenamtliches Engagement. Bei der Personalauswahl werden nicht nur Fachkompetenzen gesucht, sondern auch Persönlichkeiten. Wer passt ins Team? Wer könnte vielleicht schwierig werden? Personaler möchten auch den Menschen hinter der Bewerbung kennenlernen, weshalb in den Unterlagen (beruflich) interessante Freizeitinteressen genannt werden sollten. Natürlich sollten Sie hier gut abwägen, was zur Bewerbung passen könnte. Bierdeckel-Sammeln oder Bungee-Jumping? Bei den Hobbys liegen Chancen und Risiken eng beieinander. Was für den einen Personaler lächerlich klingen mag, ist für den anderen vielleicht sympathisch, weil er zufällig das gleiche Hobby hat. Generell könnte man daher sagen: Wenn aus dem Hobby Eigenschaften oder Verhaltensmerkmale abzuleiten sind, die für das Berufsleben wichtig sein könnten, sollten Sie nicht zögern, dies in Ihren Unterlagen zu vermitteln. Was ist die sogenannte Dritte Seite und worauf kommt es dabei an? dem Foto des Bewerbers, seinen Interessen, Hobbys oder sonstigen Kenntnissen und den formalen Ausbildungs- und Arbeitsdaten. Erst wenn dies geschehen ist und der Leser ein positives Zwischenresultat im Kopf hat, schaut er sich die weiteren Anlagen an, meist Arbeits- und Ausbildungszeugnisse. Um an dieser Stelle Ihre Motivation deutlich zu machen denn um die geht es ja zu großen Teilen können Sie hier eine Dritte Seite einfügen. Inhaltlich darf die von Ihnen gewählte Botschaft im Zusammenhang mit Aussagen im Anschreiben und Lebenslauf stehen und darüber hinaus noch etwas persönlicher formuliert sein. Der Kreativität sind dabei fast keine Grenzen gesetzt. Bloße Aufzählungen überzeugen jedoch wenig und bewirken eher das Gegenteil. Nicht die pure Aneinanderreihung bringt es, sondern die für den Leser nachvollziehbare (logische) Argumentation. Wenn es Ihnen also an dieser Stelle gelingt, in wenigen kurzen Sätzen zum Ausdruck zu bringen, warum Sie sich bewerben, können Sie die Chance auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhöhen. Für das Bild, das sich andere von Ihnen aufgrund Ihrer Bewerbungsunterlagen machen, sind Sie selbst verantwortlich. Sorgen Sie dafür, dass es rund ist.. Diese zusätzliche, sich an den Lebenslauf anschließende Seite, ist kein Muss für Ihre Unterlagen, kann Ihnen aber Pluspunkte einbringen. Die Informationen und Verkaufsargumente Ihrer Bewerbung werden in der Regel vom Personalauswähler wegen der Vielzahl der Bewerbungsunterlagen und des Zeitdrucks viel zu wenig beachtet. Häufig wird lediglich das Anschreiben flüchtig überflogen (30 bis maximal 90 Sekunden!), um sich dann den anderen Unterlagen zuzuwenden insbesondere 18

19 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 10 Unzureichende Vorbereitung auf Einstellungstests und Assessment Center... was dazu führt, sein Wissen nicht adäquat einsetzen zu können. reiten wie auf andere Prüfungen auch. Eingesetzt werden neben Persönlichkeitstests auch Intelligenz-, Leistungs- und Konzentrationstests. Was wird mit Persönlichkeitstests geprüft? Machen wir einen Gedankensprung zurück in die Schulzeit. Hand aufs Herz: Wer ist nicht einmal unvorbereitet in eine Klausur gegangen mit dem Gedanken: Ach, den Stoff kann ich, das kriege ich schon so hin. Immerhin haben Sie jede Stunde aufgepasst, die Hausaufgaben gemacht und wissen, worum es geht. Leider werden da zwei, drei Fragen gestellt, die Sie aus der Ruhe bringen. Bei einer wissen Sie genau, dass sie im Unterricht behandelt wurde. Aber, wie war noch mal die Lösung dazu? Bei der anderen haben Sie gerade mal noch eine Ahnung. Wenn das Klausurergebnis eine Vier ist, sind Sie fast noch zufrieden. Ein Einstellungstest ist im Grunde nichts anderes, nur mit dem fatalen Unterschied: Mit einer Vier sind Sie draußen! Kann man sich überhaupt auf solche Prüfungen vorbereiten und ist dies wirklich sinnvoll? Selbstverständlich, ja! Denn auf Bewerbungen, Tests und Vorstellungsgespräche kann man sich vorbe- Hier geht es um Ihre Persönlichkeitsmerkmale, also Ihre Charaktereigenschaften und Wesenszüge. Der Arbeitgeber will wissen: Mit was für einem Menschen habe ich es zu tun? Wie verhält er sich in bestimmten Situationen, ist er konfliktfähig und stressresistent? Mittlerweile gibt es unzählige, verschiedene Persönlichkeitstests. Gemessen werden z. B. folgende Faktoren: Kontaktfähigkeit, emotionale Stabilität, soziale Anpassung, Flexibilität und Pflichtbewusstsein, Selbstsicherheit, Sensibilität, Offenheit, Selbstvertrauen, Sicherheitsdenken versus Veränderungsbereitschaft, Teamfähigkeit, Selbstkontrolle sowie Stresstoleranz. Ein Bewerber gilt z. B. als emotional stabil, wenn er... nicht grundlos Stimmungsschwankungen unterliegt,... nicht von diffusen Ängsten und Sorgen gequält wird,... nicht dauernd das Gefühl hat, alles falsch zu machen, und als kontaktfähig, wenn er... von der Grundstimmung her Optimist ist,... sich zusammen mit vielen Menschen wohlfühlt,... sich gern mit Freunden trifft. 19

20 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 10 Was passiert in einem Assessment Center und worauf kommt es an? Ein Assessment Center (AC) dauert in der Regel mehrere Stunden und bisweilen sogar mehrere Tage. Übliche Bestandteile eines AC sind Gruppendiskussionen, Vortrags- und Präsentationsübungen sowie schriftliche Testverfahren wie Intelligenz-, Leistungs-, Konzentrations- und Persönlichkeitstests. Durch verschiedene Übungen und Rollenspiele in einer Gruppe von Kandidaten erhoffen sich die Beobachter oder Auswähler, einen unmittelbaren Vergleich zwischen den Bewerbern zu bekommen. Für ein AC ist eine gute Vorbereitung unbedingt notwendig. Sie verhalten sich als Bewerber grob fahrlässig, wenn Sie glauben, ein AC oder überhaupt einen schriftlichen Test quasi aus dem Stegreif auf jeden Fall überstehen zu können. Wichtigstes Ziel ist auch hier, Sympathie für sich zu mobilisieren und die Auswähler von Ihrer Kompetenz zu überzeugen. Mit dem AC wartet ein zum Teil recht ausgeklügeltes Auswahlverfahren auf Sie. Entscheidend ist, dass Sie durchschauen, worum es bei diesem Auswahlverfahren wirklich geht. Im Grunde geht es auch hier wieder um die Ihnen bereits bekannten drei Essentials: Sind diese Auswahlverfahren so zuverlässig und so gut, wie man von Arbeitgeberseite häufig suggeriert bekommt? Ganz sicher nein. Der Wunsch in die Zukunft, hier, in Ihre berufliche Entwicklung zu schauen, ist ungefähr so alt wie die Menschheit und leider immer noch unerfüllt. Was kann man gegen die Aufregung, bisweilen sogar richtige Prüfungsangst, bei Test- und Bewerbungssituationen tun? Vorbereiten, üben, wissen, worum es geht, in Erfahrung bringen, worauf es ankommt. In besonders gravierenden Fällen von Prüfungsangst sollte man sich nicht scheuen, auch psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Nicht zu empfehlen sind Experimente mit Beruhigungstabletten im Selbsttherapieverfahren. Auf Tests muss man sich vorbereiten! 1. Kompetenz (bedeutend): Haben Sie berufsrelevante Erfahrungen, Kenntnisse oder Fähigkeiten? 2. Leistungsmotivation (wichtig): Sind Sie engagiert? Haben Sie Biss? Sind Sie wirklich lern-, einsatz-, und arbeitswillig? Können Sie sich mit der Aufgabe/dem Unternehmen identifizieren? 3. Persönlichkeit (absolut entscheidend): Sind Sie sympathisch? Anpassungsfähig? Passen Sie zur Firma? 20

21 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 11 Mangelnde Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch... und sich selbst darum zu bringen, entspannt, locker und spontan auf Fragen zu reagieren. Die am häufigsten gestellten Fragen sind: Ähnlich wie bei einer mangelnden Vorbereitung auf einen Einstellungstest laufen Sie Gefahr, ohne Vorbereitung auf die typischen Fragen kalt erwischt zu werden. Sei es, dass Sie nach Ihrem größten Erfolg, Ihrer schlimmsten Niederlage oder Ihrer schlechtesten Eigenschaft gefragt werden: Plötzlich tritt eine große Leere in Ihrem Gehirn ein und es will Ihnen partout nichts mehr einfallen. Schade, denn bis zu dem Zeitpunkt war das Vorstellungsgespräch zu Ihren Gunsten verlaufen. Doch jetzt sehen sie schon an den Gesichtern Ihrer Gesprächspartner, dass etwas schiefgelaufen ist. Das Gespräch entgleitet Ihnen mehr und mehr und über die spätere Absage wundern Sie sich nicht wirklich. Mit welchen und wie vielen Fragen muss ich rechnen? Das Fragenrepertoire für jede der zehn Phasen des Vorstellungsgespräches ist begrenzt. Für den Gesamtpool von ca. 100 typischen Fragen gilt: Nicht alle können Ihnen auf einmal in einem ersten Gespräch gestellt werden. Rechnen Sie mit einer Auswahl von etwa 15 bis 25. Erzählen Sie uns etwas über sich... Warum haben Sie sich bei uns beworben? Was reizt Sie an dieser Aufgabe/Position? Wie gut kennen Sie unsere Produkte/Dienstleistungen? Was erwarten Sie von uns, was erhoffen Sie sich von der neuen Position? Wie stellen Sie sich Ihre Tätigkeit bei uns vor? Wie verlief Ihr bisheriger Berufsweg? Was sind Ihre Stärken, Ihre Schwächen? Wo haben Sie noch Defizite und was gedenken Sie dagegen zu tun? Was sind Ihre Fragen an uns? Warum sind ausgerechnet Sie der/die Richtige für uns? Was sind die häufigsten Fehler, die Kandidaten immer wieder im Vorstellungsgespräch machen? Sie bedenken nicht, dass es sich beim Vorstellungsgespräch um eine mündliche Test- und Prüfungssituation handelt, auf die man sich gut vorbereiten kann und in der es jetzt insbesondere auch um den Eindruck, den Sie von sich, von Ihrer Wesensart vermitteln, geht und nicht nur um Ihr Wissen. Tipp: Für eine gute Vorbereitung kann es auch hilfreich sein, Vorstellungsgespräche bei Arbeitgebern wahrzunehmen, bei denen man gar nicht unbedingt einen Job haben will. Wissen ist Macht und Übung macht bekanntlich den Meister. Je besser Sie sich auf die Prüfungssituation Vorstellungsgespräch vorbereiten, umso gelassener können Sie auf heikle und schwierige Fragen reagieren. 22

22 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 12 Keine ordentliche Anreiseplanung... und sich damit unnötigen Stressfaktoren aussetzen. Besser also, Sie sind eine viertel Stunde zu früh da, als zehn Minuten zu spät. Natürlich dürfen Sie nicht übertreiben. Insbesondere sollten Sie im Vorzimmer des Geschehens nicht mehr als fünf Minuten vor dem vereinbarten Termin eintreffen. Wer zwanzig Minuten zu früh aufkreuzt, macht einen denkbar schlechten Eindruck. Ein kilometerlanger Stau, Zugverspätung oder ein ausgefallener Flug: Wer auf den allerletzten Drücker losfährt, kommt mitunter in arge Bedrängnis. Vor allem, wenn es sich um einen wichtigen Termin handelt. Wählen Sie daher mit Verstand das Verkehrsmittel aus, das Sie zum Vorstellungsgespräch bzw. Assessment Center bringen soll. Vermeiden Sie es so oft wie möglich, selbst mit Ihrem Wagen zu fahren, denn das birgt in der Regel zu viele unplanbare Risiken. Und im Zug kann man sich nochmals gedanklich in Ruhe vorbereiten. Entscheidend ist, so ausgeruht wie nur irgend möglich zu sein. Sollten Sie sich wider Erwarten an einem so wichtigen Tag krank fühlen aus welchen Gründen auch immer ist es sinnvoller, den Termin abzusagen, als beispielsweise mit allen sichtbaren und unsichtbaren Befindensbeeinträchtigungen einer schweren Erkältung anzutreten und sich nicht optimal präsentieren zu können. Je planvoller Sie die Anreise organisieren, desto entspannter sind Sie im Vorstellungsgespräch bzw. Assessment Center! Was ist bei der organisatorischen Vorbereitung zu beachten? Planen Sie genügend Zeit für Ihre Anreise ein, mit Berücksichtigung eventuell auftretender Verzögerungen (Staus etc.). Sollten Sie zu einem Vormittagstermin in einer anderen Stadt eingeladen sein, sollten Sie in Erwägung ziehen, bereits am Vorabend anzureisen. Auch wenn Sie glauben, den Weg gut zu kennen, können Sie nicht sicher sein, z. B. in einem labyrinthartigen Bürogebäudekomplex, gleich den kürzesten Weg und das richtige Zimmer zu finden. 23

23 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 13 Falsche Kleidung beim Vorstellungsgespräch... was bestenfalls als mangelnde Wertschätzung aufgenommen wird. Generell gilt: Wählen Sie saubere, gepflegte Kleidung, in der Sie sich wohlfühlen und die zu Ihnen passt. Es müssen keine teuren Markenklamotten sein. Wichtiger ist vielmehr, dass die Kleidung nicht zerschlissen oder schmutzig ist, die Schuhe nicht kaputt oder abgelaufen sind und dass Ihr gesamter Kleiderstil zum Unternehmen bzw. zur Branche passt. Unsere Empfehlung: Schauen Sie sich bei Gelegenheit typische Berufsvertreter in der von Ihnen angestrebten Position an und orientieren Sie sich für Ihr Outfit an deren Kleidung. Zu einer gepflegten Erscheinung gehören auch Frisur, Accessoires (Brille, Uhr, Schmuck, Tasche und Tuch) und das Make-up bei Damen. Psychologische Studien haben herausgefunden, dass man Menschen, die gute, gepflegte und teure Kleidung tragen, mehr zutraut, dass man diese ernster nimmt und sie in Verhandlungen besser abschneiden. Unsere Kleidung entscheidet also oftmals über Erfolg oder Misserfolg. Viele Menschen verbinden mit einem gepflegten Äußeren höhere Kompetenz. Mit der Wahl der Kleidung und der Art des Tragens vermitteln wir einen Eindruck, was wir darstellen, welche Position wir innehaben bzw. erreichen wollen. Welche Kleidung ist für das Vorstellungsgespräch zu empfehlen? Verdeutlichen Sie sich, dass Sie nach dem Bewerbungsschreiben mit Ihrem Erscheinungsbild eine weitere Arbeitsprobe und Visitenkarte abgeben. Vermeiden Sie es möglichst, besser gekleidet zu sein als Ihr Gegenüber und verzichten Sie auf jede Extravaganz, also auf eine grelle, poppige, übertriebene Maskerade (auch Schminke) mit vielleicht einer Ausnahme: Sie bewerben sich bei einer Werbeagentur oder im künstlerisch-kreativen Bereich hier gibt es durchaus Spielräume. Nach mehreren Jahren in einem Unternehmen können Sie sich vielleicht die eine oder andere Freiheit herausnehmen, wenn es um Ihren Kleiderstil geht. Aber für ein Vorstellungsgespräch oder AC empfehlen wir Ihnen, sich an das anzupassen, was im Unternehmen bzw. in der Branche üblich ist. Denn genau das ist es, was man dann auch sehen möchte: Wissen Sie, was man von Ihnen erwartet und spielen Sie mit, also können Sie sich anpassen? (zugegeben, schon sehr alt, aber...) Wie Du kommst gegangen, so wirst Du auch empfangen! 24

24 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 14 Missachtung der Körpersprachesignale... was bedeutet, unbewusste und ungewollte Selbstauskünfte zu geben. Wird der Körpersprache wirklich so viel Bedeutung beigemessen? Zusammengesunken auf dem Rand des Stuhls, die Schultern hochgezogen und nur mit den Schuhspitzen den Boden berührend: Was für einen Eindruck würde solch ein Bewerber auf Sie machen? Einen dynamischen wohl kaum und auch keinen selbstsicheren. Wenn er nun mit dünner, kaum vernehmbarer Stimme von seinen großen Verdiensten für das Unternehmen berichtet, bei dem er zuletzt gearbeitet hat, käme in Ihnen wahrscheinlich der Verdacht hoch, dass er lügt. Wissen Sie um Ihre Körperhaltung, Ihre Mimik und Ihre Körpersprache, insbesondere dann, wenn Sie nervös sind? Wir machen die merkwürdigsten Dinge, ohne dass wir sie bewusst wahrnehmen, z. B. mit den Füßen scharren, ruhelos von einem Bein auf das andere treten oder ein verzweifeltes Dauergrinsen aufsetzen. Alle Menschen haben einen sogenannten blinden Fleck, also das, was man an sich selbst nicht wahrnimmt, andere aber schon. Sie können den blinden Fleck ein wenig aufdecken, wenn Sie sich von Ihren Freunden einmal eine Rückmeldung dazu geben lassen, wie Sie körpersprachlich wahrgenommen werden. Ihre Körpersprache wird immer von Ihrem Gegenüber wahrgenommen, dabei oftmals zu großen Teilen unbewusst. Das hat zur Folge, dass sich Ihre Gesprächspartner in einem Vorstellungsgespräch ein Urteil über Sie bilden, sobald sie Sie sehen, also in den ersten 30 Sekunden. Auch wenn Sie sprechen, beeinflussen Ihre Stimme und die Art, wie Sie reden, weitaus mehr den Eindruck, den sich der andere von Ihnen macht, als das, was Sie sagen. Wie Körpersprache wahrgenommen wird, ist höchst subjektiv. Jedoch gibt es bestimmte Aspekte, die bei den meisten Menschen (im hiesigen Kulturkreis) dazu führen, den anderen als sympathisch und vertrauenswürdig wahrzunehmen. Das sind: Blickkontakt zu Ihrem Gesprächspartner Lächeln, ein freundliches Gesicht Aufrechte und gerade Körperhaltung, die Schultern nach hinten, den Kopf oben und gerade, die Blickrichtung horizontal Zuwendung zu Ihrem Gegenüber, wenn Sie mit ihm reden Eher langsame und ruhige Bewegungen Tipp: Nutzen Sie das so genannte Spiegeln, um Sympathie zu erzeugen und zu Ihrem Gegenüber eine gute Verbindung aufzubauen. Vielleicht kennen Sie das aus Situationen mit Menschen, die Sie mögen: Sie nehmen automatisch die gleiche Körperhaltung ein. Meistens machen wir das unbewusst. Aber Sie können das auch gezielt einsetzen, um eine gute Gesprächsatmosphäre zu erzeugen. 25

25 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 14 Warum ist der bewusste Einsatz von Körpersprache so wichtig? Körpersprache drückt sich vor allem durch Ihre Haltung, Ihren Gesichtsausdruck und Ihre Bewegungsabläufe aus und kann Rückschlüsse auf Ihr Befinden, Ihre Motive, Ihre Energie und auch Ihre Ängste zulassen. Somit ist Körpersprache ein wichtiger Bestandteil Ihres Erfolges und wird von Ihrem potenziellen Arbeitgeber wahrgenommen. Versuchen Sie daher, zumindest nach außen hin souverän aufzutreten. Machen Sie sich die Wirkung Ihrer Körpersprache bewusst. Inhalt und Form Ihres Auftritts sollten harmonisch zusammenpassen. 26

26 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 15 Kein Gespür für Smalltalk... was bedeutet, im Vorstellungsgespräch schon zu Anfang keine Sympathie für sich mobilisieren zu können. Worauf kommt es in der Eröffnungs- und in der Abschlussphase eines Vorstellungsgesprächs besonders an? Bevor das typische Fragen- und Antwort-Spiel anfängt, wird das Vorstellungsgespräch meistens durch Smalltalk eingeleitet. Hier geht es um den berühmten ersten Eindruck, für den Sie keine zweite Chance bekommen. Wir alle wissen, dass der erste Eindruck entscheidend und der letzte Eindruck prägend ist. Und wir alle handeln danach, wenn auch in den meisten Fällen eher unbewusst. Wenn uns jemand mit einem mürrischen Gesicht entgegenkommt und uns unfreundlich anraunzt, sind wir erst einmal sauer. Welch ein unfreundlicher Mensch, denken wir und gehen ihm zukünftig möglichst aus dem Weg. Dabei interessieren uns die Gründe für sein unwirsches Auftreten herzlich wenig. Kommt es doch zu einem Gespräch, sind wir mitunter überrascht, was für ein herzlicher Mensch dieser mürrische Zeitgeist doch ist. Und irgendwann kommt heraus, dass er an dem besagten Tag sein Auto zu Schrott gefahren hatte. Ähnlich verhält es sich mit dem letzten Eindruck. Sie unterhalten sich mit einem anderen Gast auf einer Party bis dessen Partner vorbeikommt. Die beiden haben offensichtlich Streit, es kommt zum hitzigen Wortgefecht und Ihr vorher so charmanter Gesprächspartner rauscht ohne ein Wort des Abschieds an Ihnen vorbei zur Garderobe und dann zur Tür hinaus. Sie bleiben über die Unhöflichkeit verstimmt zurück. Gelingen oder Misslingen eines Vorstellungsgesprächs hängt entscheidend mit davon ab, wie sympathisch Sie auf Anhieb auf den Auswähler wirken. So gesehen sind die ersten Minuten der Begegnung im Vorstellungsgespräch von entscheidender Bedeutung. Das als Bewerber nicht ausreichend zu berücksichtigen, gefährdet den Erfolg Ihrer Mission: zu überzeugen und Vertrauen entstehen zu lassen. Versuchen Sie, gelassen zu bleiben und (einigermaßen) selbstsicher zu erscheinen. Vermeiden Sie es, abgehetzt, angespannt und nervös zu wirken. Lächeln Sie Ihr Gegenüber freundlich an, halten Sie Blickkontakt. Es geht in dieser allerersten Phase um die direkte persönliche Kontaktaufnahme, um Ihr Äußeres, Ihr Auftreten und Ihre Umgangsformen. Kommen Sie pünktlich oder auf die letzte Minute? Wirken Sie gehetzt, ängstlich-nervös oder ruhig, natürlich und gelassen ohne übertriebene Selbstsicherheit oder sogar Arroganz? Sind Sie anpassungsfähig vor allem aber: Machen Sie einen sympathischen (ersten) Eindruck? In der Abschlussphase des Gesprächs geht es um den Versuch eines angenehmen Abgangs, von Arbeitgeberseite natürlich auch unter dem Aspekt der Imagepflege für das Unternehmen. Man wird sich bei Ihnen für den Besuch, die Bewerbung und das gezeigte Interesse bedanken. Das sollten Sie dann ebenfalls tun. Wichtig ist nun eine Klärung, wie es weitergeht, wer voraussichtlich wann zu einer Entscheidung gelangt. Dies muss jedoch Ihrerin Kooperation mit 27

27 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 15 seits ohne Bedrängung, Ungeduld oder gar Selbst- (Ver-)Zweifel(ung) vorgetragen werden. Noch ein Hinweis: Keep smiling. Beim Hinausgehen auch vor der Bürotür auf jeden Fall die Contenance bewahren. Die Tür nicht zuknallen, nicht erleichtert aufatmen (und wenn, nur ganz leise...), keine Flüche, gegen wen auch immer und weiterhin aufrecht gehen. Worauf kommt es aus der Sicht des Personalauswählers beim Vorstellungsgespräch an? Personalentscheider wollen in der direkten Begegnung mit Ihnen wissen, ob Sie zum Unternehmen, in das vorhandene Team passen. Dabei geht es um persönliche und anforderungsbezogene Eignungsmerkmale wie Kompetenz, Leistungsmotivation, insbesondere aber Persönlichkeit. Ebenso achtet man bei Ihnen auf äußere Merkmale wie Aussehen, Auftreten, Manieren sowie auf das sprachliche Ausdrucksvermögen. Zur Mobilisierung von Sympathiegefühlen kommt es immer dann, wenn Ihr Gegenüber den (ersten) Eindruck und die Hoffnung gewinnt, dass Sie einen Beitrag zu seiner Bedürfnisbefriedigung (Erfolg, Macht etc.) leisten können. Vice versa: Das Gefühl der Antipathie basiert auf dem Eindruck, dass der andere zur eigenen Bedürfnisbefriedigung keinen oder nur einen geringen Beitrag leisten kann. Wenn Sie die Sympathie und das Vertrauen Ihres Gegenübers gewinnen, dann werden Ihnen auch Leistungsbereitschaft und Eignung zugetraut. Man mag Sie einfach und vertraut Ihnen. Und das bedeutet dann: Man traut Ihnen den Job auch zu. 28

28 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 16 Unkenntnis der Regeln der Gesprächsführung... und sich damit der Chance berauben, das Gespräch mit zu beeinflussen. Wie muss man sich den Ablauf eines Vorstellungsgespräches konkret vorstellen? Am besten in zehn Phasen: Gespräche verlaufen doch ganz von selbst, das miteinander Reden gehört zur Menschheit wie das Gehen. Wofür sich also in Gesprächsführung üben? Diese Einstellung ist genauso richtig wie falsch. Natürlich gehören reden und gehen zu unseren alltäglichen Handlungen wie essen und trinken. Aber während wir unsere Schritte so gut wie immer in eine bestimmte Richtung lenken (zum Büro, ins Bad, an den Kühlschrank), selbst beim Spazierengehen (durch den Park, über die Brücke), plappern wir oft ziellos daher. Manchmal scheint es das einzige Ziel zu sein, die eigene Stimme zu hören oder dem anderen zu signalisieren, dass man da ist. Gerade bei zwei Menschen, die ineinander verliebt sind, es sich aber gegenseitig nicht zugestehen wollen, ist dieses Phänomen zu beobachten. Das Geplänkel ohne wirklichen Inhalt dient ausschließlich dazu, einen Grund zu haben, den anderen anschauen zu können und dessen Aufmerksamkeit zu bekommen. Ein Vorstellungsgespräch hat sicherlich etwas von dem Geplänkel zweier Werbender. Wer sich aber unvorbereitet und blauäugig in ein Vorstellungsgespräch begibt, wird nicht oder nur sehr selten erfolgreich vermitteln können, was für ihn als besten Kandidaten spricht, und verfehlt somit sein (Kommunikations-)Ziel, zu überzeugen. 1. Begrüßung und Einleitung des Gesprächs 2. Motive der Bewerbung und Leistungsmotivation 3. Ausbildung und beruflicher Werdegang 4. Persönlicher, familiärer und sozialer Hintergrund 5. Gesundheitszustand 6. Berufliche Kompetenz und Eignung 7. Informationen für den Bewerber 8. Arbeitskonditionen 9. Fragen des Bewerbers 10. Abschluss des Gesprächs und Verabschiedung Gibt es empfehlenswerte Antworttechniken? Bei einfachen Fragen dürften die Antworten für Sie kein großes Problem darstellen. Für schwierigere Fragen sollten Sie sich Techniken erarbeiten, die Ihnen für das Überlegen der Antwort einen gewissen Zeitgewinn ermöglichen. Warten Sie einige Sekunden, vermitteln Sie den Eindruck, nachzudenken: Mmh, habe ich Sie richtig verstanden? Sie wollen von mir wissen, wie ich mit dem Problem umgehe, Sehr wahrscheinlich wird der Interviewer jetzt wieder das Wort ergreifen und die Frage kürzer oder länger wiederholen. Nicht selten sogar bis hin zu ausführlichen, mit deutlichen Hinweisen versehenen Aspekten, die Ihnen seine Frageintention verdeutlichen. Nun wissen Sie, worum es geht und können gezielter, besser darauf eingehen. Andere Antwortmöglichkeiten wären: Das ist eine interessante Frage, Zugegeben, mit dieser Frage 29

29 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 16 habe ich mich noch nie beschäftigt. Sie könnten aber auch auf eine allgemeinere Ebene ausweichen: In dieser Situation würden wohl viele Menschen so und so reagieren. Was meinen Sie? Würden Sie meine Einschätzung teilen? Wie und was Sie auch immer in dieser Situation antworten: Die Beispiele sollen Ihnen zeigen, wie man sogar mit schwierigen Fragen ganz gut zurechtkommen kann. Warum sollte ich als Bewerber Fragen stellen? An den klugen Fragen erkennt man einen klugen Kopf, also einen motivierten und kompetenten Bewerber. Aber Achtung: Sollten Sie mit Themen auffallen, die Sie eigentlich im Vorfeld hätten in Erfahrung bringen können oder durch aufmerksames Zuhören an einer anderen Stelle des Gesprächs hätten mitbekommen müssen, erzielen Sie einen negativen Effekt. Sie wünschen sich jetzt ein Beispiel? Besser Sie denken sich selbst etwas aus... aber gut, hier ein Beispiel: Was sind Ihre größten Sorgen, was dürfte dem neuen Stelleninhaber unbedingt nicht passieren? Je besser Sie Ihre Ziele kennen (Analyse der vier Fragen: Was für ein Mensch bin ich, was kann, was will ich und was ist möglich?), desto leichter wird es Ihnen fallen, das Gespräch von Ihrer Seite aus positiv zu beeinflussen. 30

30 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 17 Unvorbereitet im Umgang mit schwierigen Fragen... und sich damit unnötigen Stresssituationen aussetzen. Wie kann man Einwänden begegnen? Hier haben sich Standardtechniken der Rhetorik bewährt, wie die bedingte Zustimmung, die Umformulierungsmethode, die Verzögerungstechnik und die Vorteil-Nachteil-Methode. Ein Beispiel: Der Interviewer wendet ein, Sie seien für die verantwortungsvolle Position vielleicht doch noch ein bisschen zu jung. Wie wir Ihnen in dem oberen Abschnitt gerade verdeutlicht haben, können Sie durch eine gute Vorbereitung Ihrer Kommunikationsziele und durch aufmerksames Zuhören im Gesprächsverlauf, diesen ein gutes Stück weit beeinflussen. Und das geht im Grunde schon mit Ihren Bewerbungsunterlagen los. Das heißt, dass ein Teil der Fragen im Vorstellungsgespräch von Ihren Angaben im Bewerbungsanschreiben, Lebenslauf und den Anlagen (z. B. Arbeitszeugnisse) abgeleitet wird. Aber auch wie Sie sich geben und wie Sie Ihren beruflichen Werdegang im Gespräch präsentieren, kann Ihr Gegenüber dazu veranlassen, an bestimmten Stellen vielleicht unangenehm für Sie nachzuhaken. So wird beispielsweise Ihre Angabe im Lebenslauf, dass Sie zweimal das Studienfach gewechselt haben, unweigerlich intensives Nachfragen provozieren. Seien Sie darauf vorbereitet und suchen Sie nach überzeugenden Erklärungen. Die Art und Weise, wie Sie antworten, wie glaubwürdig und nachvollziehbar, hat einen deutlichen Einfluss auf den weiteren Verlauf des Gesprächs. Die bedingte Zustimmung: Darunter versteht man das Herausgreifen eines Teilaspektes des vorgebrachten Einwandes, dem man aus taktischen Erwägungen (bedingt) zustimmt, um daraufhin seinen eigenen Standpunkt umso besser zu präsentieren. Im Anschluss daran relativiert man den vorgebrachten Einwand nun insgesamt und gewinnt. Das ist ein wichtiger Punkt, den Sie da ansprechen. Sie haben Recht. Ich bin 28 Jahre alt. Sollte man aber die Vergabe dieser wichtigen Aufgabe alleine vom Alter des Bewerbers abhängig machen? Nein, das sicherlich nicht., wird die Antwort lauten. Sehen Sie, ich bin ganz Ihrer Meinung. Es gibt da andere, wichtigere Kriterien, die Wir sind uns also darin einig, dass eine viel größere Bedeutung hat. Die Umformulierungsmethode: Hierbei wird der Einwand durch eine (tendenziöse) Umformulierung weitestgehend entschärft. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, kommt es Ihnen auf die Erfahrung und sagen wir mal Reife an, die für die zu besetzende Position mit eine wichtige Rolle spielen sollte Jetzt können Sie wieder mit Ihren Erfahrungen argumentieren, andere Kriterien in den Vordergrund rücken, als wichtig herausstreichen etc. Die Verzögerungstaktik: Sie signalisieren, den Einwand verstanden zu haben und bitten darum, zunächst noch dies und das sagen, erklären, zeigen, fragen zu dürfen, was Sie dann auch sofort tun und was die ganze Sache möglichst voranbringt. 32

31 Die 20 häufigsten Fehler beim Bewerben Kardinalfehler Nr. 17 In jedem Fall kommt das Gespräch zu einem anderen Punkt, der den vorherigen Einwand hoffentlich vergessen oder nicht mehr interessant erscheinen lässt. Eine interessante Frage, kann ich aber zunächst noch einmal darauf hinweisen, dass... Die Vorteil-Nachteil-Methode: Ich habe Sie doch richtig verstanden bitte korrigieren Sie mich, wenn ich da jetzt irgendwie falsch liege Sie meinen also: Das Alter sei für diese Position von wichtiger Bedeutung. Da gebe ich Ihnen natürlich Recht. Der Vorteil eines jüngeren Kandidaten liegt bei, der Nachteil eines älteren bei Aus meiner Sicht ist der Vorteil eines älteren, der Nachteil eines jüngeren aber nicht so gravierend, sodass ich hier den Standpunkt vertreten möchte: Der Vorteil eines jüngeren Kadidaten überwiegt doch ganz deutlich und ist natürlich auch abhängig von andern Faktoren wie Hier wird scheinbar der gebotene Einwand aufgenommen, Vor- und Nachteile werden abgewogen. Da Sie das selbst formulieren, liegt das Ergebnis in Ihrer Hand und ist damit gut steuerbar. Dies hilft, Ihre Position auszubauen, und in dem Beispiel führen Sie nicht völlig uneigennützig gleich weiter zu anderen Argumenten. Wichtig zu wissen: Auf unzulässige Fragen, die keinen Bezug zum Arbeitsplatz haben und in den per Grundgesetz geschützten Privatbereich der Persönlichkeit eindringen (z. B. politische Präferenz, gewerkschaftliches Engagement oder danach, ob Sie schwanger sind) hat der Bewerber laut Bundesarbeitsgericht ein Recht auf Notlüge. Das bedeutet, er darf so antworten, wie es seinem Interesse, den Arbeitsplatz zu erobern, am ehesten entspricht. Tipp: Fragen Sie in solchen Situationen Ihren Gesprächspartner, warum diese Frage für die ausgeschriebene Stelle wichtig ist. Oftmals löst sich dann alles sehr schnell auf. Stellen Sie sich selbst die unangenehmsten, heikelsten, schwierigsten Fragen und bereiten Sie Ihre Antwort darauf vor. Vorher! Diese kann übrigens auch darin bestehen, etwas zuzugeben... Wie verhält man sich bei schwierigen und gemeinen Fragen? Hilfreich ist es in jedem Fall, die verschiedenen Frage- und Antworttechniken zu kennen und zu wissen, wie man auf unangenehme Fragen flexibel reagieren kann. Lassen Sie sich z. B. nicht verführen, Dinge zu erzählen, die besser unerwähnt bleiben und vielleicht auch gar nicht unbedingt etwas mit der Frage zu tun haben. Bleiben Sie cool, sachlich, lassen Sie sich nicht provozieren, nehmen Sie sich Zeit zum überlegen und antworten Sie im Notfall eher schwammig und möglichst kurz oder geben Sie durch Ihre Antwort dem Gespräch einen neuen Verlauf. Zum Beispiel: Was machen Sie, wenn wir in der Probezeit feststellen, uns in Ihnen getäuscht zu haben? Antwort: Ich hoffe nicht, dass es dazu kommt. Ansonsten hoffe ich, dass wir beide frühzeitig Probleme werden ansprechen und klären können. 33

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