Europäische Forschungsförderung

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1 Europäische Forschungsförderung unternehmensnah gestalten DIHK-Analyse zur KMU-Beteiligung am 6. EU-Rahmenprogramm Innovation Umwelt Deutscher Industrie- und Handelskammertag

2 DIHK-Analyse zur Beteiligung von kleinen und mittleren Unternehmen am 6. Forschungsrahmenprogamm der EU Herausgeber und Copyright DIHK Deutscher Industrie- und Handelskammertag Postanschrift: Berlin Besucheranschrift: Breite Straße 29 Berlin Tel. (030) Fax (030) Internet Redaktion Dr. Gabriele Rose DIHK Simone Zeil DIHK Stand Mai 2005 Alle Rechte liegen beim Herausgeber. Ein Nachdruck auch auszugsweise ist nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung des Herausgebers gestattet.

3 Europäische Forschungsförderung unternehmensnah gestalten Unternehmen sind Motor für Innovationen in Europa Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2010 in Forschung und Entwicklung 3 Prozent des BIP zu investieren. Deutschland investiert derzeit 2,55 Prozent in diesen Zukunftsbereich. Gut 70 Prozent aller Investitionen kommen dabei von den Unternehmen. Dadurch wird deutlich, dass Förderprogramme nur ein subsidiäres Instrument zur Förderung von mehr Innovationen darstellen können. Die Schaffung eines innovationsfreundlichen Unternehmensumfelds auf nationaler und europäischer Ebene muss im Mittelpunkt der Forschungsförderung stehen. Effizienz und die Vermeidung bürokratischer Strukturen müssen sich als Ziele in der Ausgestaltung des Forschungsrahmenprogramms (FRP) niederschlagen. Bürokratie verhindert wirkungsvolle Forschungsförderung Das Forschungsrahmenprogramm (FRP) ist das wichtigste Instrument der EU zur Forschungsfinanzierung. Es soll zur Steigerung der Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der EU durch Unterstützung von Unternehmen, einschließlich KMU, sowie Forschungszentren und Hochschulen beitragen. Insgesamt beträgt das Budget des 6. FRP für die Jahre 2004 bis ,5 Milliarden EUR, für das 7. FRP sind 73 Milliarden EUR geplant. Mit den im 6. FRP eingeführten neuen Instrumenten werden hauptsächlich Großprojekte gefördert. Dies bedeutet einen erheblichen Mehraufwand im Projektmanagement und übersteigt die Kapazitäten bei vielen kleinen und mittleren Unternehmen und führt so bei ihnen zu Zurückhaltung bei der Beteiligung. Zeitlicher und personeller Aufwand bei der Antragstellung, Koordinierungserfordernisse während der Projektdurchführung und zu lange Zeitspannen zwischen Antragstellung und Erhalt der Förderung schrecken viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) von einer Teilnahme ab. Das Ziel der Kommission, mindestens 15 Prozent der Mittel in den thematischen Prioritäten für KMU zu verwenden, konnte bislang nicht erreicht werden. 3

4 Erfolgsquote der Anträge bei KMU besonders gering Im europäischen Vergleich sind durchschnittlich 23,5 Prozent der Anträge von Großunternehmen erfolgreich. Die Erfolgsquote bei kleinen und mittleren Untenehmen liegt dagegen nur bei 16,2 Prozent. Die Erfolgsquote ist das Verhältnis zwischen erfolgreichen und eingereichten Vorschlägen oder Beteiligungen. Bei den KMU ist jedoch nach wie vor die stärkste Beteiligung in den spezifischen KMU- Maßnahmen zu verzeichnen. Auch hier ist die Erfolgsquote wegen des geringen Budgets besonders stark gesunken: waren im 5. FRP noch 35 bis 40 Prozent der Anträge erfolgreich, sank die Erfolgsquote im 6. FRP auf ca. 10 Prozent. Hürden für Unternehmen bei Europäischer Forschungsförderung Aus der Erhebung des im Januar 2005 veröffentlichten Innobarometers 1 geht hervor: etwa 31 Prozent der innovativen Unternehmen innerhalb der EU nehmen mindestens eine Form der öffentlichen Unterstützung für Innovationstätigkeiten (z.b. Beratung, Marktrecherchen) in Anspruch; nur 12 Prozent nutzen jedoch die Förderprogramme für die eigentliche Forschungsund Entwicklungstätigkeit. Hürden bei der Forschungsförderung liegen für KMU insbesondere in: komplizierten administrativen Verfahren und sehr aufwendigen Dokumentationen bei der Einreichung von Vorschlägen und der Projektdurchführung. Dies erfordert ein Mehr an Personal und Zeit und bedeutet für alle Unternehmen - aber besonders für KMU - eine erhebliche zusätzliche Belastung. langen Vorlauf- und Bewertungszeiten durch die Kommission: hohe zeitliche und finanzielle Flexibilitätsanforderungen, die gerade Unternehmen in innovativen und schnellen Märkten oft nicht leisten können. Dies trifft wiederum gerade KMU, bei denen häufig die geringe Eigenkapitaldecke für diesen erforderlichen langen Atem nicht ausreicht. hohen Anforderungen bei der Konsortienbildung: bei vielen neuen Instrumenten des 6. FRPs ist die Bildung eines Konsortiums aus mehreren Partnern verschiedener Sektoren (u. a. Universitäten, Forschungseinrichtungen, Unternehmen) mit einer ausgewogenen europäischen Verteilung (Nord-Süd, Ost-West, kleine und große Länder) gefordert, was zu Kommunikationsschwierigkeiten (Sprache) und langen Abstimmungsprozessen (verschiedene Organisationsformen) führt. Auch hier gelangen die KMU nicht selten aufgrund ihrer Größe an ihre Grenzen. 1 Mit dem jährlich erscheinenden Innobarometer möchte die EU-Kommission Gesamtbild des prozentualen Anteils innovativer Unternehmen abbilden, die verschiedene Innovationsförderprogramme nutzen. Das Innobarometer findet sich als download unter 4

5 KMU-Beteiligung am 6. FRP: Halbzeitbilanz negativ Für das 6. FRP hatte sich die Kommission zum Ziel gesetzt, mindestens 15 Prozent der Mittel für die thematischen Prioritäten, d.h. 15 Prozent von 11,285 2 Milliarden EUR, an KMU zu vergeben. Dieses Ziel wurde bislang nicht erreicht. Es gibt zwar Ausnahmen im Förderbereich Technologien für die Informationsgesellschaft ; dort liegt die KMU-Beteiligung zwischen 15 und 16 Prozent. Der Vergleich mit dem 5. FRP - dort waren es noch 22 Prozent - zeigt jedoch, dass auch hier die Beteiligung von KMU abnimmt. Das 6. Forschungsrahmenprogramm läuft noch bis Ob das 15 Prozent - Ziel noch erreicht werden kann, ist zweifelhaft. 2 Berechnung des BMBF, weitere Informationen unter 5

6 Beteiligung von Unternehmen am 5. und 6. FRP im Vergleich Unternehmensbeteiligung in allen Bereichen der Rahmenprogramme 25% 21% 20% 16% Prozent 15% 10% 11% 14% 5. FP 6. FP 5% 0% Großunternehmen KMU DIHK, Grafik 1 Quellen: PROVISO Österreich; EU Kommission, eigene Berechnungen Unternehmensbeteiligung an den thematischen Programmen des 5. FRP und den thematischen Prioritäten des 6. FRP 25% 20% 20% 5. FP 6. FP Prozent 15% 10% 13% 15% 12,50% 5% 0% Großunternehmen DIHK, Grafik 2 Quellen: PROVISO Österreich; EU Kommission, eigene Berechnungen Thematische Prioritäten = Biowissenschaften, Technologien für die Informationsgesellschaft, Nanotechnologien, Materialien, neue Produktionsverfahren, Luft- und Raumfahrt, Lebensmittelqualität und sicherheit, Nachhaltige Entwicklung und globale Veränderungen, Bürger und Staat in der Wissensgesellschaft KMU 6

7 Aus Fehlern lernen: Forschungsrahmenprogramm unternehmensnah gestalten Das Ziel der EU-Kommission, eine KMU-Beteiligung von mindestens 15 Prozent im 6. FRP zu erreichen, rückt in weite Ferne. Die Halbzeitbilanz und deren Analyse zeigen, wo dringende Handlungserfordernisse bestehen. Die EU plant, das Budget des kommenden Rahmenprogramms, das dann 7 Jahre laufen soll, auf rund 73 Milliarden EUR zu erhöhen. Angesichts der Bedeutung der Unternehmen für die Wettbewerbsfähigkeit Europas ist es um so wichtiger, frühzeitig die Weichen zu stellen, damit Unternehmen in angemessenem Maße an dem zukünftigen Rahmenprogramm partizipieren können. Der DIHK fordert deshalb für das 7. Forschungsrahmenprogramm: Eine Erhöhung des Forschungsbudgets allein führt noch nicht zu mehr Innovationen in Europa. Erforderlich ist vielmehr eine effiziente Ausgestaltung des Rahmenprogramms, das die Vermeidung bürokratischer Verfahren als erkennbares Ziel haben muss. Die Budgetsteigerung muss sich auch in den KMU-spezifischen Maßnahmen (CRAFT und Collective Research) niederschlagen, um die Erfolgsquote zu steigern. Die KMU-spezifischen Maßnahmen bieten eine gute Einstiegsmöglichkeit für KMU in größere europäische Forschungsnetzwerke. Es muss eine klare Verbindung zwischen dem geplanten Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation der GD Unternehmen und dem 7. FRP der GD Forschung bestehen. Parallelstrukturen verhindern bereits jetzt die Transparenz in der Förderlandschaft. Das 7. FRP und die Strukturfonds sollten komplementär gestaltet werden. Die Strukturfonds könnten dort ansetzen, wo Regionen in der Forschung zurückbleiben, um die Forschungsinfrastrukturen zu stärken. Der Europäische Forschungsrat, der wissenschaftliche Exzellenz in Europa voranbringen soll, muss alle an der Forschung Beteiligte umfassen, damit auch Vertreter der Wirtschaft. Der bürokratische Aufwand, der mit der Antragsstellung, aber auch mit dem Projektmanagement verbunden ist, muss erheblich reduziert werden. Dies könnte z.b. mit einer besseren Integration von IT - Anwendungen, digitalen Signaturen und Archivierungen erreicht werden. Bottom-up statt top-down: Instrumente der Forschungsförderung müssen offener gestaltet werden. Inhaltliche Vorgaben, wo Unternehmen forschen sollen, behindern Innovationen, mehr themenoffene Programme würden diese begünstigen. 7

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