Vertragsloser Zustand bei MRT und CT Falsche politische Weichenstellungen auf Kosten der Patienten

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1 Montag, Vertragsloser Zustand bei MRT und CT Falsche politische Weichenstellungen auf Kosten der Patienten Am vergangenen Wochenende sind die Verhandlungen zwischen den 110 Instituten für Bildgebende Diagnostik (vertreten durch den Fachverband der Gesundheitsbetriebe in der Wirtschaftskammer Österreich) und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger gescheitert. Das bedeutet, dass es nicht gelungen ist, einen neuen Gesamtvertrag für Untersuchungen mit Magnetresonanztomografie (MRT) und Computertomografie (CT) abzuschließen. Da der bestehende Vertrag mit Jahresende ausläuft, besteht ab 1. Jänner 2014 ein vertragsloser Zustand. Ärzte zeigen sich enttäuscht über mangelnde Problemsicht der Kassen Die Vertreter der Bildgebenden Diagnostik zeigen sich enttäuscht über das Scheitern der Verhandlungen. Wir haben seit insgesamt 7 Wochen unzählige Gespräche geführt, berichtet der Verhandlungsführer, der Radiologe Univ. Doz. Dr. Manfred Baldt, wir haben uns dabei sehr flexibel gezeigt und immer wieder neue Vorschläge auf den Tisch gelegt leider ohne Erfolg. Forderungen des Fachverbandes Im Wesentlichen haben die Radiologen drei Forderungen erhoben: 1. Die derzeit unzumutbar langen Wartezeiten für die Patienten sollen auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Dazu ist es notwendig, dass die Kassen von der bestehenden rigorosen Kontingentierung der Untersuchungen abgehen und eine höhere Frequenz zulassen. Konkret fordern die Ärzte, dass von 2014 bis 2020 die jährliche Zahl der Untersuchungen um 5% zunimmt. Baldt: Das entspricht dem beobachteten Mehrbedarf. Nur so können die Wartezeiten auf Dauer reduziert werden. 2. Die Tarife für die Untersuchungen sollen ab 2014 jährlich im Ausmaß der Inflationsrate valorisiert werden. Wir haben bewusst keine Erhöhung gefordert, betont Baldt, obwohl die Tarife seit 1990 nicht mehr angepasst wurden. Wir sind durchaus bereit, den Kassen beim Sparen zu helfen. Aber ein weiteres reales Absinken können unsere Institute wirtschaftlich nicht mehr verkraften, deshalb soll wenigstens der reale Wert gleich gehalten werden. 3. Neue Leistungen: Der medizinische Fortschritt bewirkt, dass laufend neue Diagnosen dazukommen, für die MRT oder CT nötig sind. Diese Untersuchungen sollen zusätzlich möglich sein. Die Forderungen bewirken in Summe, dass der jährliche Aufwand für MRT und CT im Schnitt um 5 6,5 Mio. Euro steigen wird. Diese im Verhältnis geringen Mehrausgaben stellen eine dringend notwendige Investition in die Qualität der medizinischen Versorgung dar, betont der Sprecher der 1

2 NÖ-Institutsbetreiber, Univ. Doz. Dr. Franz Frühwald: Die Bedeutung der Bildgebenden Diagnostik für die Medizin nimmt laufend zu. International wird massiv in diesen Bereich investiert, denn die modernen Diagnosemöglichkeiten verbessern und beschleunigen die Erkennung vieler Krankheiten und verbessern damit die Heilungschancen. Nur in Österreich wurde dieser Bereich seit Jahren unterdotiert das ist Sparen am falschen Platz. Medizinisches Risiko durch lange Wartezeiten Nach dem noch bis Jahresende gültigen Vertrag sind die jährlichen Gesamtausgaben der Kassen für MRT und CT gedeckelt. Das heißt in der Praxis, dass auch die Anzahl der Untersuchungen limitiert ist was darüber liegt, zahlen die Kassen nicht mehr. Durch diese rein willkürliche Limitierung ist bei buchstäblich allen 110 Instituten für bildgebende Diagnostik in Österreich ein enormer Rückstau entstanden, der überlange Wartezeiten zur Folge hat. Noch 2009 lag die maximale Wartezeit auf einen Termin bei 2 Wochen. Ende 2012 waren es je nach Bundesland 6-9 Wochen. Derzeit muss mit 12 Wochen Wartezeit gerechnet werden: Ein Patient, der im November 2013 mit einer vom Chefarzt der Kasse genehmigten Zuweisung in ein MRT-Institut kam, erhielt einen Untersuchungstermin frühestens Ende Jänner. So lange müssen Patienten und behandelnde Fachärzte warten, bis sie wissen, welche Diagnose vorliegt. Die lange Wartezeit ist vor allem für die Patienten eine große Belastung: > Sie leben monatelang in Unsicherheit oder in Angst, weil sie nicht wissen, ob ein Tumor oder eine innere Verletzung vorliegt oder nicht. > In vielen Fällen verschlechtert die lange Wartezeit die Heilungschancen. Zwar werden akute Fälle natürlich bei der Untersuchung vorgereiht aber sehr oft stellt sich erst bei der Untersuchung heraus, dass es sich um eine akute Erkrankung handelt. > Nicht zuletzt verursachen die Wartezeiten auch Mehrkosten, weil sie Krankenstände unnötig verlängern oder die Patienten die ja unter unklaren Schmerzen oder sonstigen Beschwerden leiden Medikamente gegen ihre Symptome erhalten. Steigende Fallzahlen, höherer Aufwand Wenn weiter nichts geschieht, würde sich das Problem der langen Wartezeiten mit allen negativen Folgen für die medizinische Versorgung in der nächsten Zukunft rapide verschärfen. Denn die Bedeutung der Bildgebenden Diagnostik hat in den letzten Jahren enorm zugenommen und wird weiter zunehmen. In immer mehr Fällen gehören CT und MR zum Standard jeder diagnostischen Abklärung. Die Fallzahlen werden daher auch in den nächsten Jahren ansteigen. Dieser Anstieg ist durch den medizinischen Fortschritt bedingt. Es ist daher notwendig, in diesem Bereich Zukunftsinvestitionen zu tätigen, um weiterhin State-of-the-art-Behandlungsqualität anbieten zu können. Andernfalls würde den Patienten die bestmögliche medizinische Versorgung vorenthalten oder aber die Patienten würden durch lange Wartezeiten einem hohen Risiko ausgesetzt. Wirtschaftliche Lage der Institute Institute für Bildgebende Diagnostik brauchen für ihre Leistungen teure Geräte, haben also sehr hohen Investitionsbedarf. Diese Geräte müssen in regelmäßigen Abständen erneuert werden, weil der technische Fortschritt in diesem Bereich die Anlagen rasch veralten lässt. Bei den CT-Geräten, die mit Röntgenstrahlen arbeiten, ist auch die verwendete Dosis und damit die Strahlenbelastung ein wichtiges Thema: Die Geräte der jüngsten Generation schaffen präzise Bilder mit einem Bruchteil der zuvor eingesetzten Strahlendosis. 2

3 Die Institute für Bildgebende Diagnostik können also nur dann zukünftig hochwertige Diagnosen bieten, wenn die Tarife und die Patientenfrequenz ausreichen, um die hohen Kosten zu decken. Die Erträge sind nachweislich seit Jahren real gesunken. Die Tarife für MRT und CT wurden seit 1990 nicht valorisiert. Inflationsbereinigt liegt der Tarif heute bei einem Drittel von Allein seit 2009, als der geltende Tarifvertrag mit den Kassen geschlossen wurde, ist der Kostenindex der Elektroindustrie, welche für die Radiologen ein wichtiger Faktor ist, um 15% gestiegen. Mit dem Geschäftsjahr 2012 haben viele Institute die wirtschaftliche Talsohle erreicht und wurden von ihren Wirtschaftstreuhändern gewarnt, dass sie sich auf dem Weg ins Defizit befinden. Manche von ihnen, wo die Anlagen bereits die Abschreibungsdauer überschritten haben, müssen bereits jetzt ein negatives Eigenkapital ausweisen. Ohne massives Gegensteuern ist absehbar, dass eine beachtliche Anzahl von Instituten in Zukunft nicht mehr in der Lage sein wird, Befundungen am letzten Stand des medizinischen Fortschritts anzubieten. Unsere Institute müssen in moderne Technologie und neue Geräte investieren können um den PatientInnen jeweils letzten Stand der medizinischen Versorgung sichern zu können, fordert Hadschieff. Gemäßigte Forderungen der Institute für Bildgebende Diagnostik Für die Verhandler ist die harte Haltung der Sozialversicherung besonders unverständlich, da es sich im Vergleich zum übrigen Gesundheitssystem um geringe Summen und einen besonders sparsam wirtschaftenden Bereich handelt. Franz Frühwald setzt die erwarteten Mehrkosten in Relation: Bei den Kassen sind allein die Verwaltungskosten von 2011 auf 2012 um 21 Millionen Euro gestiegen. Die Krankenkassen erwirtschaften in ihren eigenen Einrichtungen, also Ambulatorien und Krankenhäusern, einen jährlichen Verlust von 795 Millionen Euro. Wenn sie dort nur um ein halbes Prozent wirtschaftlicher agieren, sind die nötigen Investitionen in die Bildgebende Diagnostik gegenfinanziert. Bessere Diagnose erspart Behandlungskosten Durch die radikale Deckelung der Ausgaben für MRT und CT wurde die Bildgebende Diagnostik in Österreich buchstäblich ausgehungert. Dabei wird jedoch am falschen Ort gespart. Gute Diagnostik verbessert nicht nur die Qualität der medizinischen Behandlung, sie macht sie auch kostengünstiger. Durch die Präzision und Verlässlichkeit der modernen Untersuchungsmethoden können Diagnosen viel genauer gestellt werden, aufwändige nachfolgende Untersuchungen sind oft nicht mehr nötig. Zudem hilft eine treffsichere Diagnose den behandelnden Fachärzten, schneller die richtigen therapeutischen Maßnahmen zu setzen und sie kann damit die Behandlungsdauer verkürzen. Zahlen, Daten & Fakten CT-Untersuchungen pro Jahr MRT-Untersuchungen pro Jahr (Dazu kommen intramurale Untersuchungen in den Krankenhäusern CT: , MRT: ) Gesamtausgaben der Kassen für CT und MRT 2012: 102 Millionen Euro. Jährlicher erwarteter Zuwachs durch die gestiegene Bedeutung der Bildgebenden Diagnostik ca. 5%. 3

4 Rückfragen bitte an: Univ. Doz. Dr. Manfred Baldt

5 Montag, Ihre Gesprächspartner KommR Mag. Julian Hadschieff Obmann des Fachverbandes der Gesundheitsbetriebe (WKÖ) Univ. Doz. Dr. Manfred Baldt Verhandlungsführer Vorsitzender Fachausschuss Bildgebende Diagnostik im Fachverband Gesundheitsbetriebe (WKÖ) Univ. Doz. Dr. Franz Frühwald Stellv. Verhandlungsführer Sprecher der NÖ-Institutsbetreiber der Fachgruppe Gesundheitsbetriebe (WKNÖ)

6

7 Entwicklung ausgewählter Kennzahlen seit wurde der geltende Tarifvertrag für Bildgebende Diagnostik abgeschlossen, der jährliche Anstieg mit 0,5% gedeckelt.

8 Vergleich der Tarife für Magnetresonanztomografie MRT Land SV-Tarif für einfache MRT Untersuchung in Euro* Israel 400 Dänemark 386,60 Italien (Lombardei) 330 (Knie), 490 (Angiographie) England 249 Frankreich Slowenien Türkei 200 Österreich 150 Schweiz Griechenland 237 Österreich - Veterinärmedizin Hunde bis 10 kg 351 Tiere ab 50 kg (reines Befundhonorar, hier kommen noch Gerätekosten dazu) Ca *Durchschnittstarif ohne Kontrastmittel; umgerechnet in Euro

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