Holger Zecha, Christoph Brune, Axel von Reeken, Werner Rüppel, Peter Stark, Franz Ludwig Völker. SAP auf Linux. Bonn Boston

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1 Holger Zecha, Christoph Brune, Axel von Reeken, Werner Rüppel, Peter Stark, Franz Ludwig Völker SAP auf Linux Bonn Boston

2 Auf einen Blick Einleitung SAP-Software und Linux ein Überblick Vorüberlegungen Vorbereiten der Linux-Infrastruktur Automatisierte Linux-Installation Tuning der Linux-Installation Erweiterte Konfigurationsoptionen und Fehleranalyse Migration von SAP-Systemen Hardwareszenarien Tools und Lösungen für den Systembetrieb Linux-Desktop für SAP A Konfigurationsdateien B Glossar C Die Autoren Index

3 Inhalt Einleitung SAP-Software und Linux ein Überblick Die SAP-Anwendungssoftware für Unternehmen SAP NetWeaver die Basisarchitektur für SAP auf Linux SAP NetWeaver-Anwendungsszenarien SAP NetWeaver-Technologie Die Softwarebausteine von SAP NetWeaver Datenbanken für SAP auf Linux SAP NetWeaver: Technische Infrastruktur Die Anwenderschnittstelle von SAP Die Arten von SAP NetWeaver-Servern Die SAP NetWeaver-Systemtopologie SAP NetWeaver-Optionen zur Skalierung Flexible Anpassung der IT-Infrastruktur an die SAP-Anwendungen durch SAP Adaptive Computing Ausblick Vorüberlegungen Beginn der Entwicklung bei SAP Bit versus 64 Bit: Technische Unterschiede SAP-Kernel-Zertifizierung und Kernel-Binary- Problematik Lizenz und Supportbedingungen Mass Storage Zentrale oder dezentrale Datenhaltung? Flexible Volumes (Aggregate) Storage Cluster Administration in einer NAS- oder SAN- Umgebung Server-Layout Linux-Server remote booten NAS-Boot SAN-Boot Treiber SAP-Hinweise

4 Inhalt 3 Vorbereiten der Linux-Infrastruktur Auswahl der Hardwarekomponenten Auswahl von Peripheriekomponenten Wahl der Linux-Distribution Planung der Linux-Installation Dateisystem-Layout Der Device Mapper Der Logical Volume Manager (LVM) LVM-Dateisysteme Dateisystem-Layout für SAP-spezifische Verzeichnisse Softwarepakete Software vs. Security Wahl des (SAP-zertifizierten) Linux-Kernels und der glibc Druckersubsystem SAP-spezifische Linux-Pakete (saplocales.rpm und sapinit.rpm) Fazit der Installationsvorbereitungen und SAP-Hinweise Automatisierte Linux-Installation Die Qual der Wahl: Imaging-Software, Backup/ Recovery oder automatisierte Installation? Die Installation mit Autoyast Autoyast-Einstellungen Beschreibung des Startverhaltens in den Runlevel-Directories Konfiguration des xinetd-verhaltens Sicherheitsrelevante Einstellungen Setzen des Root-Passworts und Einrichten eines nicht-privilegierten Benutzers Konfiguration der Netzwerkeinstellungen Der Bootloader grub für x64- und ia32-systeme Konfiguration der Partitionen und der Dateisysteme mittels LVM Sonstige Anpassungen Auswahl der Softwarepakete und des zu installierenden Linux-Kernels

5 Inhalt 4.4 Starten der automatisierten Installation Fazit automatisierter Linux-Installationen und SAP-Hinweise Tuning der Linux-Installation Konfiguration von Systemdiensten und Systemparametern Konfiguration des nscd-dienstes Überprüfen der Bootoptionen und Parameter Konfiguration des FTP- und SSH-Dienstes Optimierung des LPRng-Dienstes Installation der CSSC-Programme Konfiguration von NFS- und SAMBA-Diensten Kompatibilität von Red Hat/SuSE bei den Runlevel-Verzeichnissen Konfiguration von pam.d Zeitsynchronisation Sicherheitsrelevante Einstellungen Automatisiertes Patchen mit SuSE online_update Linux-Kernelkonfiguration Einbinden von Hardwaretreibern Linux-Speicherverwaltung SAP-Linux-Memory-Management ZAMM Fazit der Nachbearbeitungen und SAP-Hinweise Erweiterte Konfigurationsoptionen und Fehleranalyse Besonderheiten bei x64-systemen Besonderheiten bei ia64-systemen Netzwerk-Bonding Fehleranalyse Fazit der erweiterten Linux-Konfigurationsmöglichkeiten und SAP-Hinweise

6 Inhalt 7 Migration von SAP-Systemen Migrationsprojekt Migrationsmethoden Nachbereitung Fazit Hardwareszenarien Hewlett-Packard HP-Linux-Server und Massenspeichersysteme Hochverfügbarkeit Fujitsu Siemens Computers PRIMERGY Bladeserver PRIMERGY Rackserver PRIMEQUEST Open-Enterprise-Itanium- Server FlexFrame for mysap Business Suite Konfiguration anhand eines Kundenprojekts (TPG N.V.) Sun Microsystems Übersicht der Sun-Systeme Mögliche Systemlayouts für SAP-Projekte Zusammenfassung IBM Intel- bzw. AMD-basierende IBM-System-x-Server Horizontale SAP-Skalierung mit IBM BladeCenter SAP auf Linux on Power mit IBM-POWER-5-Systemen SAP für Linux auf den IBM-System-z-Mainframes IBM-Speichersysteme für SAP auf Linux Tools und Lösungen für den Systembetrieb Linux-Tools zur Systemverwaltung Besonderheiten von Linux-/GNU-Tools Befehle, Shells und Editoren Virtuelle Terminals Fehleranalyse

7 Inhalt Performance Netzwerk Kernelschnittstellen High-Availability- und Desaster-Recovery-Lösungen Clusterlösung Lifekeeper von Steeleye High Availability: HP MC/ServiceGuard Tivoli System Automation VERITAS Storage Foundation Desaster Recovery: PRIMECLUSTER für mysap Business Suite Desaster Recovery: OBDR Desaster Recovery Überwachung von SAP-Systemen Monitoringlösungen im SAP-Umfeld Arbeitsweise von System-Monitoren am Beispiel von HP OpenView Operations Application Management Center myamc IBM Director Fazit Datensicherungslösungen NetWorker HP OpenView DataProtector IBM Tivoli Data Protection for mysap Outputmanagement Linux-Desktop für SAP SAP GUI SAP-Portal Export der SAP-Daten Importfunktion von StarOffice und OpenOffice Tabellenexport Zusammenfassung und SAP-Hinweise Anhang A Konfigurationsdateien B Glossar C Die Autoren Index

8 Nach mehr als 15 Jahren auf dem Markt ist Linux als SAP- Betriebssystem im Vergleich zu den klassischen Unix-Derivaten und Windows-Plattformen definitiv eine Alternative. Welche Implikationen hat eine Entscheidung pro Linux für den Systembetrieb? Welche Kernelkonfigurationen sind für den SAP-Betrieb relevant? Wie können entsprechende Hardwareszenarien aussehen? Welche zusätzlichen Tools stehen zur Verfügung? Diese und andere Fragen werden in diesem Buch behandelt. Einleitung Seit SAP 1999 die erste Portierung eines R/3-Systems auf Linux durchgeführt hat, ist Linux zu einer etablierten 64-Bit-Plattform für SAP NetWeaver und andere SAP-Anwendungen geworden. Die SAP- Implementierung auf Linux unterscheidet sich in keiner Funktion von einer Unix-Plattform. Linux-SAP-Server sind sogar die Referenzplattform für alle Unix- und Mainframe-SAP-Entwicklungen und -Portierungen. Hunderte von SAP-Kunden setzten heute Linux als zentrales Betriebssystem für SAP ein, viele nutzen es darüber hinaus auch als Betriebssystem für Applikationsserver, die mit einem Unixoder Mainframe-Datenbankserver kombiniert wurden. SAP auf Linux ist eine nachhaltige Investition in die Zukunft mit SAP. SAP auf Linux sieht für den Endanwender bezüglich Bedienung und Darstellung ebenso aus wie auf anderen Plattformen. Der SAP- Endanwender kann weiterhin seinen bekannten Client benutzen, ob die SAP-Server auf Linux laufen, bekommt er gar nicht mit. Es gibt aber ernsthafte Alternativen zur Windows-Anwenderoberfläche, wie z.b. die Integration von StarOffice bzw. OpenOffice mit dem SAP- User-Interface. Dieses Buch führt IT-Manager und Administratoren durch alle Themenbereiche und Fragestellungen, die im Zusammenhang mit dem Umstieg auf Linux bedacht und behandelt werden müssen: Aufbau dieses Buchs 13

9 Einleitung Kapitel 1, SAP-Software und Linux ein Überblick, stellt Ihnen SAP NetWeaver als Technologieplattform von SAP vor. Es beschreibt Skalierungs- und Virtualisierungsproblematiken und gibt Ihnen einen Überblick über die Verfügbarkeit der verschiedenen NetWeaver- Komponenten für Linux. Kapitel 2, Vorüberlegungen, beschäftigt sich mit den Fragen, die sich vor einer Entscheidung für Linux als Betriebssystem aufdrängen: 32 vs. 64 Bit, Kernelzertifizierungen, Lizenz, Speichersysteme sowie ein adäquates Server-Layout. Die Kapitel 3 bis 6 wenden sich an den Administrator: Nacheinander werden Sie durch die Vorbereitung der Linux-Infrastruktur, eine automatisierte Linux-Installation, das Tuning der Installation sowie erweiterte Konfigurationsoptionen und die Fehleranalyse geführt. Kapitel 7 behandelt die Frage der Migration des SAP-Systems auf eine Linux-Plattform. Kapitel 8, Hardwareszenarien, beschreibt die Angebote der wichtigsten SAP-Partner für Serverhardware im Linux-Umfeld. Sie erhalten einen Überblick über die aktuellen Produktlinien und jeder Hersteller präsentiert Ihnen ein typisches Szenario auf der Basis seiner Produkte. Das Kapitel 9, Tools und Lösungen für den Systembetrieb, stellt Ihnen zunächst die wichtigsten Hilfsmittel vor, die Linux für die tägliche Administrationsarbeit mitbringt. Anschließend lernen Sie die wichtigsten für Linux zertifizierten Lösungen für Hochverfügbarkeitsszenarien, Desaster Recovery, Monitoring, Datensicherung und Outputmanagement kennen. Kapitel 10, Linux-Desktop für SAP, beschäftigt sich abschließend mit der Frage, welche Optionen es für das Frontend gibt. Hier gehen wir auf SAP-GUI-Lösungen und das SAP NetWeaver Portal ein und erläutern die OpenOffice-/StarOffice-Integration von SAP-Daten. 14

10 In diesem Kapitel wird die automatisierte und zweckmäßige Linux-Installation am Beispiel von SuSE Linux Enterprise Server 9 beschrieben. Es werden auch die Vor- und Nachteile von Autoyast-Installationen, Deployment-Werkzeugen, wie z.b. Altiris, und die Backup-/Recovery-Methode erläutert. 4 Automatisierte Linux-Installation Nachdem im vorherigen Kapitel die wichtigsten Vorbereitungen für die Installation eines Linux-Systems für SAP abgehandelt wurden, können wir nun mit der Beschreibung der automatisierten Linux- Installation beginnen. Dies geschieht anhand des Programms Autoyast, das Bestandteil der SuSE-Distributionen ist. Neben Autoyast gibt es weitere Möglichkeiten, Linux automatisiert zu installieren, wie z.b. die Backup-/Recovery-Methode, das Spiegeln der Festplatten einer Linux-Installation und Image-Technologien. Dieses Kapitel grenzt die prinzipiellen Eigenschaften dieser Technologien gegeneinander ab. 4.1 Die Qual der Wahl: Imaging-Software, Backup/Recovery oder automatisierte Installation? Die Unterschiede zwischen einer Autoyast-Installation, dem Einsatz einer Image-Technologie, der Backup-/Recovery-Methode und sonstigen Möglichkeiten, die ein installiertes Linux-System mehr oder weniger klonen, können gravierend sein. Um z.b. ein Image Ihrer Installation erstellen zu können, muss das Mastersystem erst einmal installiert sein. Wenn Sie dagegen das System mit Autoyast installieren und bereits eine funktionierende Autoyast-Konfiguration entwickelt haben, können Sie die Installation jederzeit identisch wiederholen. Dennoch kann sich die Frage stellen, ob nicht doch der Einsatz einer Imaging-Software sinnvoller ist. 109

11 4 Automatisierte Linux-Installation Leider unterstützen diverse Imaging-Softwareprodukte, wie z.b. Altiris, nicht jede Linux-Konfiguration. Dies bedeutet, dass Sie Ihr Linux-System nicht frei konfigurieren können, sondern die eingesetzte Imaging-Software gibt letztlich die Systemkonfiguration vor. Wenn die Imaging-Software z.b. kein LVM unterstützt, können Sie kein LVM verwenden, obwohl die Vorteile von LVM insbesondere beim Serverbetrieb nicht von der Hand zu weisen sind. Auch die einsetzbaren Dateisysteme sind von der Imaging-Software abhängig. So führt z.b. ein nicht unterstütztes Dateisystem dazu, dass eine bestimmte Imaging-Software nicht eingesetzt werden kann. Dasselbe gilt, wenn Sie Software benutzen, die die Imaging-Software aus dem Tritt bringt. Imaging-Programme erstellen z.b. die Systemkopien in der Regel offline. Das führt aber zwangsläufig zu einer Systemunterbrechung, die für hochverfügbare Produktionssysteme nicht zu rechtfertigen ist. Ein großer Vorteil der Imaging-Software besteht jedoch darin, dass neue Systeme ohne Änderung des Hostnamens, der IP-Adresse oder anderer systemspezifischer Einstellungen aufgesetzt werden können eben weil ein identisches Abbild der ursprünglichen Installation aufgespielt wird. Backup/Recovery ist flexibler als Altiris Auch bei der Verwendung von Backup-/Recovery-Software zum Klonen von Systemen muss zuerst ein initiales System manuell installiert werden. Im Gegensatz zu einer Imaging-Software haben Backup-/Recovery-Lösungen jedoch weniger Einschränkungen hinsichtlich der Unterstützung von LVM und der einzusetzenden Dateisysteme. Backup-/Recovery-Lösungen benötigen im Gegensatz zu einer Imaging-Lösung keine Systemunterbrechung, um ein konsistentes Backup zu erstellen. Auch die Festlegung, welche Dateisysteme gesichert werden sollen und welche nicht, ist möglich. Der Nachteil dieser Programme besteht darin, dass beim Klonen des Systems auf dem neu einzurichtenden Server manuell nachgearbeitet werden muss. Zu diesen Nacharbeiten zählt z.b. das Ändern der IP- Adresse, des Hostnamens und weitere systemspezifische Konfigurationen. Ein detailliertes Beispiel, wie ein System mithilfe einer Backup-/Recovery-Lösung wiederhergestellt bzw. dupliziert werden kann, finden Sie in Abschnitt Der Vorteil einer skriptbasierten Linux-Installation mit Autoyast besteht darin, dass Autoyast eine identische Installation auf unterschiedlichen Plattformen ermöglicht und der komplette Funktionsumfang des Installationsprogramms zur Verfügung steht. Es sind 110

12 Die Installation mit Autoyast 4.2 somit keine Grenzen bei der Konfiguration des Linux-Systems gesetzt, wie das z.b. bei der Altiris-Imaging-Software der Fall ist. Nachfolgend wollen wir die wichtigsten Punkte kurz zusammenfassen: 1. Ein geklontes System muss angepasst werden. Der Umfang der Anpassungen ist abhängig von der verwendeten Applikation zum Klonen. Zu den Anpassungen gehört das Ändern der IP-Adresse, des Hostnamens und sonstiger systemabhängiger Konfigurationsdateien. Beim Einsatz einer guten Imaging-Software sind diese Änderungen gering, da viele Änderungen von der Imaging-Software automatisch durchgeführt werden. Bei der Verwendung der Backup-/Recovery-Methode sind die manuellen Anpassungen verhältnismäßig groß. Bei der Installation mit Autoyast werden die Einstellungen automatisch vorgenommen. Installation vs. Image-Technologien 2. Ein mit Autoyast installiertes System muss anschließend gepatcht werden. Beim Einsatz einer Image-Technologie oder des Backup-/Recovery-Verfahrens enthält der Klon denselben Patchlevel wie der Master. Der Zeitaufwand beim Installieren eines Systems ist nach unserer Erfahrung bei allen oben aufgeführten Methoden nahezu identisch. Bei allen Installationsarten sind Nacharbeiten nötig, die von einem Administrator manuell durchgeführt werden müssen. Weiterhin erfordert die Verwendung einer Image-Technologie, der Backup- /Recovery-Methode und der Einsatz von Autoyast eine intensive Vorbereitung. 4.2 Die Installation mit Autoyast Autoyast ist ein praktisches Hilfsmittel, denn es unterstützt die Standardisierung der Installationen. Denken Sie nur an folgende Situationen: Sie sind ausschließlich für die Installation der Linux-basierten SAP-Systeme zuständig. Ihr Kollege dagegen installiert und wartet die Linux-basierten Webserver. Supportet werden die Systeme jedoch im 1st und 2nd Level Support von einem gemeinsamen Team, das bisher ausschließlich auf den Linux-basierten Webser- 111

13 4 Automatisierte Linux-Installation vern Ihres Kollegen gearbeitet hat. Auf den von Ihnen installierten Linux-basierten SAP-Systemen kommt das Team nicht zurecht, obwohl es sich bei beiden Systemen um dieselbe Linux-Distribution handelt. Oder: Sie bekommen einen neuen Kollegen, der die Linux-Systeme von nun an installieren soll. Wie einfach wäre es, wenn sie diesem Kollegen ein»kochbuch«in die Hand drücken und dadurch sicherstellen könnten, dass seine installierten Linux-Systeme den Ihren entsprechen. Oder: Sie müssen eine große Anzahl von Systemen installieren. Dann dient Autoyast auch Ihrer eigenen Entlastung. Die Linux-Installation, die im Folgenden entwickelt wird, ist in ihren Grundkomponenten für jeden Linux-basierten Server geeignet. autoinst.xml Die automatisierte Linux-Installation mit Autoyast bedient sich eines XML-Dokuments (Extensible Markup Language), das alle Fragen beantwortet, die während einer Linux-Installation gestellt werden. Die XML-Datei, die dafür verwendet wird, hat standardmäßig den Namen autoinst.xml. Auf finden Sie eine solche Datei komplett zum Download. In den folgenden Kapiteln werden die einzelnen Abschnitte dieser XML-basierten Antwortdatei exemplarisch erläutert und die wichtigsten Konfigurationen vorgestellt. Am schnellsten schaffen Sie den Einstieg, indem Sie ein Linux-System mit Ihren Vorgaben manuell installieren und anschließend über YAST die Systemkonfiguration dieses Systems in eine XML-Datei sichern. Laden Sie sich die Autoyast-Dokumentation von herunter und passen Sie dann die XML-Datei mit Hilfe dieses Buchs und der Autoyast- Dokumentation an Ihre Anforderungen an. Ob die initiale Installation auf einem Server, einem PC oder um ein VMware-Image stattfindet, ist dabei von untergeordneter Bedeutung. Sie können die XML-Datei problemlos auf jedes zu installierende System portieren. Die erste XML-Datei, die für Autoyast-basierte Installationen genutzt wurde, haben wir auf einem VMware-Image entwickelt. Die Autoyast-Dokumentation finden Sie auf installierten SuSE-Systemen im Verzeichnis /usr/share/doc/packages/autoyast2, wenn Sie die Pakete autoyast2 und autoyast2-installation mit installiert haben. 112

14 Autoyast-Einstellungen 4.3 Eine autoinst.xml-datei, die auf einem ia32-basierten System erstellt wurde, kann ohne größere Modifikationen auch für ia64- und x64- basierte Systeme genutzt werden. Die dafür notwendigen Anpassungen werden später erläutert. Autoyast ist plattformunabhängig 4.3 Autoyast-Einstellungen Die XML-Datei kann mit jedem beliebigen Texteditor editiert werden. Den genauen Aufbau der XML-Datei entnehmen Sie der Autoyast-Dokumentation, die Sie auf der SuSE-Website finden. Alle Autoyast-Einstellungen werden in XML-Tags abgelegt. Über den folgenden Tag wird z.b. festgelegt, ob Dialogboxen benutzt werden sollen oder nicht: <confirm config:type="boolean">false</confirm> Im Beispiel wird festgelegt, dass keine Bestätigungsdialogboxen benutzt werden sollen (eine typische Dialogbox ist z.b.:»drücken Sie O. K., um mit der Installation zu beginnen«, wobei nur ein O. K.- Knopf zur Verfügung steht). Die Installation wird stattdessen automatisch fortgeführt. Um den Aufbau der autoinst.xml-datei besser zeigen zu können, werden wir in den nächsten Kapiteln auf folgende Linux-Systemkomponenten einschließlich ihrer Konfiguration innerhalb der autoinst.xml- Datei näher eingehen: Behandelte Systemkomponenten Festlegung des Default-Runlevels sowie der Dienste, die damit gestartet werden Bestimmung der vom xinetd-dienst zu unterstützenden Funktionen sicherheitsrelevante Einstellungen Festlegung des Superuser-(Root-)Passworts und Einrichten eines nicht-privilegierten Benutzers Konfiguration der Netzwerkeinstellungen Konfiguration des Bootloaders grub für x64- und ia32-systeme Konfiguration der Partitionen und der Dateisysteme mittels LVM 113

15 4 Automatisierte Linux-Installation sonstige Anpassungen, wie z.b. das Setzen der Zeitzone Auswahl der Softwarepakete und des zu installierenden Linux- Kernels Beschreibung des Startverhaltens in den Runlevel- Directories Runlevels Ein Runlevel ist der Betriebszustand eines Linux-Systems. Die verschiedenen Runlevel kann man wie folgt beschreiben: Runlevel 0 Shutdown: Das System wird angehalten, ein Umount auf alle Dateisysteme durchgeführt, die Dienste beendet und alle Puffer geschrieben. Runlevel 1 Einzelnutzerbetrieb: Dieser Runlevel ist in der Regel identisch mit dem Single User Mode. Runlevel 2 Multi User Mode: Mehrnutzerbetrieb ohne Netzwerkunterstützung. Runlevel 3 Multi User Mode: Mehrnutzerbetrieb mit Netzwerkunterstützung, jedoch ohne grafisches Login. Der so genannte Konsolenmodus. Runlevel 4 Ein Runlevel, der nicht fest vorgegeben ist und den jeder Administrator selbst konfigurieren kann. Runlevel 5 Multi User Mode: Mehrnutzerbetrieb mit Netzwerkunterstützung und mit grafischem Login. Runlevel 6 Wie Runlevel 0, nur dass damit das System nicht angehalten, sondern ein Neustart durchgeführt wird. Für jeden Runlevel gibt es ein Unterverzeichnis in /etc/init.d (rc1.d, rc2.d,, rc6.d). Dort werden Softlinks auf die Skripte in /etc/init.d angelegt. Die Links beginnen mit einem S für»start«oder K für»kill«gefolgt von zwei Ziffern, die die Priorität angeben. Eine kleinere Nummer bedeutet, dass dieses Skript die höhere Priorität hat. Da 114

16 Autoyast-Einstellungen 4.3 z.b. das Netzwerk vor dem Webserver gestartet werden muss, hat das Startskript des Netzwerks eine niedrigere Nummer als das des Webservers. Das Gleiche gilt für die Links auf die Skripte zum Stoppen des Systems. SuSE bietet zum Anlegen und richtigen Priorisieren dieser Links die Programme insserv und chkconfig an. 1 Mit diesen Programmen können Links in den Runlevel-Directories für Dienste angelegt werden, deren Start-/Stopskripte in /etc/init.d vorhanden sind. Voraussetzung dafür ist, dass die Shellskripte zum Starten der Dienste auch wirklich die notwendigen Informationen über den Runlevel und die Startreihenfolge enthalten. insserv und chkconfig Das folgende Beispiel zeigt als Auszug die Start-/Stopinformationen aus dem Skript autofs: ### BEGIN INIT INFO # Provides: autofs # Required-Start: $network $syslog $remote_fs # Required-Stop: # Default-Start: 3 5 # Default-Stop: # Description: Start the autofs daemon for automatic # mounting of filesystems. ### END INIT INFO Die Variablen $network, $syslog und $remote_fs werden in der Datei /etc/insserv.conf definiert. Diese Variablen legen fest, welche Dienste vor dem Skript gestartet werden müssen. Bei Required-Stop gibt es keine Abhängigkeiten. Die Optionen Default-Start und Default-Stop legen den Runlevel fest, in den der Dienst gestartet bzw. gestoppt werden soll. Das ist eine sehr elegante Möglichkeit, Ihre eigenen Skripte in den Systemstart bzw. Systemstopp mit einzubinden. Mit insserv /etc/init.d/autofs legen Sie die Links in den Runlevel-Directories an, mit dem Kommando insserv r /etc/init.d/autofs löschen Sie die angelegten Links wieder. 1 Detaillierte Informationen zu diesen Befehlen finden Sie in den Manpages mit Hilfe der Befehle man insserv oder man chkconfig. 115

17 4 Automatisierte Linux-Installation Start in Runlevel 3 Nun soll das System in Runlevel 3 (im Konsolenmodus) starten, da ein laufender X-Server dem System Performance entzieht und ggf. die Systemsicherheit negativ beeinflusst. Außerdem wird er für den Serverbetrieb nicht benötigt. Weiterhin legen wir fest, welche Systemdienste in diesen Runlevel gestartet werden sollen. Die wichtigsten Systemdienste werden sowohl in den Runlevel 3 als auch in den Runlevel 5 (5 ist ein System mit gestartetem X-Server und grafischem Loginscreen) gestartet, so dass wir diese nicht extra konfigurieren müssen. Als Beispiel konfigurieren wir den xntpd-service (Zeitsynchronisation) und den portmap-service (Remote-Procedure-Call-Zugriff) für den Start in Runlevel 3. Dadurch werden die entsprechenden Links in den Runlevel-Directories angelegt, die den Service beim Starten des Systems in Runlevel 3 starten und beim Stoppen des Systems anhalten. Würde das System in Runlevel 5 gestartet werden, so würden diese Services nicht mit gestartet werden, da deren Start nur für Runlevel 3 festgelegt ist: <runlevel> <default>3</default> <services config:type="list"> <service> <service_name>xntpd</service_name> <service_start>3</service_start> </service> <service> <service_name>portmap</service_name> <service_start>3</service_start> </service> </services> </runlevel> Der Tag <service_name> identifiziert das Shellskript in /etc/init.d, das den Service startet. Der Tag <service_start> benennt den Runlevel, in dem der Service gestartet werden soll Konfiguration des xinetd-verhaltens Nun konfigurieren wir, welcher inetd-dienst benutzt werden soll (inetd ist ein Unix-Dienst zur Verwaltung von Systemkommunikationsdiensten, wie z.b. telnet oder ftp). Zur Verfügung stehen inetd 116

18 Autoyast-Einstellungen 4.3 und xinetd. Aus Sicherheitsgründen wählen wir xinetd, da dieser sicherer ist als inetd und erweiterte Konfigurationsoptionen bietet. Beispielhaft konfigurieren wir den ftp- und den telnet-server, so dass diese Dienste in der xinetd-konfiguration beinhaltet sind: <inetd> <netd_conf config:type="list"> <conf> <script>telnet</script> <service>telnet</service> <enabled config:type="boolean">true</enabled> </conf> <conf> <script>vsftp</script> <service>ftp</service> <enabled config:type="boolean">true</enabled> </conf> </netd_conf> <netd_service config:type="symbol">xinetd</netd_service> <netd_status config:type="integer">1</netd_status> </inetd> Der Tag <script> identifiziert den Namen der Konfigurationsdatei, die unter /etc/xinetd.d zu finden ist. Der Tag <service> benennt den Namen des Services in der Konfigurationsdatei. So heißt die Konfigurationsdatei für den vsftp-dienst /etc/xinetd.d/vsftp, während der Service ftp heißt und den Servicenamen aus der Datei /etc/services widerspiegelt Sicherheitsrelevante Einstellungen Auch sicherheitsrelevante Einstellungen können in der autoinst.xml- Datei vorgenommen werden. Zu diesen Einstellungen gehört z.b., dass Ihr System nicht herunterfährt, wenn jemand an der Konsole Strg + Alt + Entf drückt. Außerdem sollte das aktuelle Arbeitsverzeichnis nicht im Suchpfad des Root-Benutzers sein. Des Weiteren kann festgelegt werden, wie die Passwörter verschlüsselt werden, wie lange die Benutzerpasswörter gültig sein sollen und wie viele Zeichen ein Benutzerpasswort enthalten soll. Auch das Stoppen des Systems vom grafischen KDE-Login-Bildschirm (kdm) sollte deaktiviert sein. 117

19 4 Automatisierte Linux-Installation Welche Einstellungen Sie vornehmen, hängt in den meisten Fällen von den aktuellen Sicherheitsrichtlinien Ihrer IT-Abteilung ab. Die folgenden XML-Tags zeigen die von uns vorgenommenen Sicherheitseinstellungen für das zu installierende Linux-System: <security> <console_shutdown>ignore</console_shutdown> <cwd_in_root_path>no</cwd_in_root_path> <fail_delay>3</fail_delay> <faillog_enab>yes</faillog_enab> <gid_max>60000</gid_max> <gid_min>101</gid_min> <kdm_shutdown>nobody</kdm_shutdown> <lastlog_enab>yes</lastlog_enab> <encryption>md5</encryption> <obscure_checks_enab>no</obscure_checks_enab> <pass_max_days>99999</pass_max_days> <pass_max_len>8</pass_max_len> <pass_min_days>1</pass_min_days> <pass_min_len>6</pass_min_len> <pass_warn_age>14</pass_warn_age> <passwd_use_cracklib>yes</passwd_use_cracklib> <permission_security>secure</permission_security> <run_updatedb_as>nobody</run_updatedb_as> <uid_max>60000</uid_max> <uid_min>500</uid_min> </security> Benutzer-IDs In den Einstellungen des Beispiels wurde außerdem festgelegt, dass Benutzer-IDs für neu anzulegende Benutzer größer sein müssen als 500. Bei diesen Werten handelt es sich um Grundeinstellungen, die für sich noch kein sicheres System gewährleisten. Diese Einstellungen müssen Teil eines Sicherheitskonzepts sein, in das Ihre Linux- Server integriert sind Setzen des Root-Passworts und Einrichten eines nicht-privilegierten Benutzers Um für den Root-Benutzer (den Linux-Superuser) ein Passwort einzusetzen, suchen Sie sich einen Benutzer, dessen Passwort Sie kennen und kopieren den verschlüsselten Passwort-String aus einer /etc/shadow-datei. Dieses Root-Passwort kann nach der Installation jederzeit geändert werden. 118

20 Autoyast-Einstellungen 4.3 Um einen nicht-privilegierten Benutzer anzulegen, gehen wir ähnlich vor. Da es dem Root-Benutzer nicht erlaubt ist, sich via telnet am System anzumelden, benutzen wir einen vorhandenen nicht-privilegierten Benutzer, um uns via telnet am System anzumelden. Als nicht-priviligierter Benutzer erlangen wir über die telnet-verbindung Root-Rechte mit Hilfe des su-befehls (switch user). Nicht-privilegierten Benutzer anlegen Die XML-Tags im Beispiel zeigen die oben beschriebene Konfiguration des Root-Benutzers und eines nicht-privilegierten Benutzers: <users config:type="list"> <user> <encrypted config:type="boolean">true</encrypted> <user_password>.smrd3tshvwsi</user_password> <username>root</username> </user> <user> <encrypted config:type="boolean">true</encrypted> <fullname>testuser</fullname> <gid>100</gid> <home>/home/testuser</home> <password_settings> <expire></expire> <flag></flag> <inact>-1</inact> <max>99999</max> <min>0</min> <warn>7</warn> </password_settings> <shell>/bin/bash</shell> <uid>500</uid> <user_password>txcjopvm5hvrc</user_password> <username>testuser</username> </user> </users> Benutzer können also sehr flexibel konfiguriert werden, da Sie alle Benutzer und Benutzergruppen (/etc/group) bereits während der Installation anlegen können Konfiguration der Netzwerkeinstellungen Um die Netzwerkeinstellungen festzulegen, werden zuerst die DNS- Einstellungen (Domain Name System) und der Hostname angege- DNS-Einstellungen 119

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