Fahrtenbücher finanzamtssicher führen. Nr. 73 (Stand )

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1 Fahrtenbücher finanzamtssicher führen BdSt-Ratgeber-Reihe Bund der Steuerzahler Deutschland e.v. Französische Straße 9-12, Berlin Tel Fax: Nr. 73 (Stand ) Fahrtenbücher dienen grundsätzlich dazu, die Höhe des geldwerten Vorteils, der sich aufgrund privater Fahrten mit dem Dienstwagen und Fahrten zur Arbeitsstätte ergibt, zu bestimmen. Oftmals soll aber auch dokumentiert werden, dass kein geldwerter Vorteil erlangt wird, weil das Fahrzeug ausschließlich beruflich genutzt wird. Wird das Fahrtenbuch von der Finanzverwaltung nicht anerkannt, unterstellt die Finanzverwaltung oftmals eine private Mitbenutzung und der geldwerte Vorteil wird pauschal nach der 1-Prozent-Methode erfasst. Dies ist unnötig teuer und kann mit einem ordnungsgemäß geführten Fahrtenbuch umgangen werden. Da in keinem Gesetz zu finden ist, wie ein Fahrtenbuch ordnungsgemäß zu führen ist, fassen wir die relevante Rechtsprechung für Sie zusammen. Tipp: Die Fahrtenbuchmethode ist immer dann vorteilhaft, wenn der Anteil an Privatfahrten oder die Gesamtfahrleistung gering ist. Ebenso dann, wenn der Pkw bereits abgeschrieben ist oder es sich um einen Gebrauchtwagen handelt. 1. Strenge Anforderungen Fahrtenbücher werden von der Finanzverwaltung sehr genau unter die Lupe genommen, da sie eine gewisse Missbrauchsanfälligkeit aufweisen. Auch die Rechtsprechung bestätigt immer wieder die strengen Anforderungen der Finanzverwaltungen an Fahrtenbücher. Fahrtenbücher müssen dem Finanzamt außerdem immer im Original vorgelegt werden. Am häufigsten wird bemängelt, dass die Angaben in den Fahrtenbüchern nicht schlüssig sind oder die Änderung der Daten im Nachhinein nicht ausgeschlossen werden kann. Unzulässig sind auch gerundete Kilometerangaben mit der Konsequenz, dass das Fahrtenbuch nicht anerkannt wird. Praxistipp: Steuerzahler, die ein Fahrtenbuch führen (müssen), sollten dies möglichst genau nach den Vorgaben der Finanzverwaltung tun. So können später Auseinandersetzungen mit der Finanzverwaltung um die Anerkennung des Fahrtenbuches vermieden werden. 2. Notwendige Angaben Alle erforderlichen Angaben müssen sich aus dem Fahrtenbuch entnehmen lassen. Ein Verweis auf weitere Unterlagen ist nur zulässig, wenn der geschlossene Charakter der Fahrtenbuchaufzeichnungen dadurch nicht beeinträchtigt wird. Diesbezüglich hat es jedoch jüngst steuerzahlerfreundliche Rechtsprechung gegeben: Danach sind auch computergestützte Fahrtenbücher zulässig, soweit sichergestellt ist, dass die Aufzeichnungen nicht änderbar sind. Einen Mischfall zwischen handschriftlichem und computergestütztem Fahrtenbuch hat der BFH entschieden. Im Fall hatte ein Steuerzahler ein handschriftliches Fahrtenbuch geführt, dort aber nur Stichpunkte zu den Fahrten notiert. Ausführliche Angaben zu den Fahrten befanden sich in einer mit Computer erstellten Liste. In diesem Fall liegt kein steuerlich anzuerkennendes Fahrtenbuch vor, entschied der BFH (Az.: VI R 33/10). Die Ausgangs- und Endpunkte der jeweiligen Fahrten und die jeweils aufgesuchten Kunden und Geschäftspartner gehören zu den unverzichtbaren Angaben und sind im Fahrtenbuch selbst zu machen, bestätigte der BFH mit Urteil vom 13. November 2012 Az.: VI R 3/12 erneut. Die erforderlichen Mindestangaben können nicht durch anderweitige nicht im Fahrtenbuch selbst enthaltene Auflistungen ersetzt werden.

2 a) Zwingende Angaben bei beruflichen oder betrieblichen Fahrten Im Fahrtenbuch müssen unbedingt die folgenden Angaben enthalten sein: Datum der Fahrt Kilometerstand zu Beginn und am Ende jeder einzelnen Fahrt Reiseziel und Reisezweck (genaue Zieladresse mit Straße und Hausnummer erforderlich) aufgesuchte Geschäftspartner in zeitlicher Reihenfolge (vollständiger Name des aufgesuchten Geschäftspartners erforderlich) fehlt eine konkrete Person, ist die aufgesuchte Behörde, Filiale oder Baustelle genau zu bezeichnen auch Umwege müssen aufgezeichnet werden Praxistipp: Umwege aufzeichnen Gerade bei Strecken, die sehr oft gefahren werden, schleicht sich auch beim Führen des Fahrtenbuches eine gewisse Routine ein. In solchen Fällen entstehen schnell Fehler im Fahrtenbuch, wenn Abweichungen vorkommen beispielsweise eine Tankstelle aufgesucht wird. Mitunter muss sogar ein kurzer Umweg in Kauf genommen werden, um eine Tankstelle zu erreichen. Dann weicht die Kilometerangabe von den anderen Angaben zum gleichen Reiseziel ab. Der Halt an der Tankstelle und der Umweg muss dann gewissenhaft dokumentiert werden. Ansonsten riskiert der Steuerzahler den Vorwurf, sein Fahrtenbuch nicht ordnungsgemäß geführt zu haben. Da ein Tankbeleg in der Buchhaltung vorhanden ist, fallen solche Fehler besonders schnell auf. Mehrere Teilabschnitte einer einheitlichen beruflichen Reise können miteinander zu einer zusammenfassenden Eintragung verbunden werden. Es genügt dann die Aufzeichnung des am Ende der gesamten Reise erreichten Kfz-Gesamtkilometerstands. Dennoch müssen die einzelnen Kunden oder Geschäftspartner in der zeitlichen Besuchsreihenfolge im Fahrtenbuch aufgeführt werden, in der sie aufgesucht wurden. Wird der berufliche Einsatz des Fahrzeugs zugunsten eines privaten Zwecks unterbrochen, so stellt dies eine Nutzungsänderung dar, die im Fahrtenbuch durch Angabe des bei Abschluss der beruflichen Fahrt erreichten Kilometerstands zu dokumentieren ist. Es kann auf einzelne Angaben verzichtet werden, wenn die berufliche Veranlassung der Fahrt ohnehin plausibel erscheint, wie beispielsweise bei Kundendienstmonteuren, Handelsvertretern, Kurierdienstfahrern, Automatenlieferanten und vergleichbaren Berufen mit weiten Wegstrecken. Dann reicht es zum Beispiel aus, wenn angegeben wird, welche Kunden an welchem Ort aufgesucht wurden. Angaben zwischen den Stationen einer Auswärtstätigkeit sind nur erforderlich, wenn zwischen direkter Entfernung und tatsächlicher Fahrtstrecke eine größere Differenz liegt. Für Taxifahrer reicht es aus, wenn für die Fahrten im Pflichtgebiet der Kilometerstand zu Beginn und am Ende des Tages angegeben wird. Für Fahrten außerhalb des Pflichtgebietes muss das Reiseziel wiederum mit allen Pflichtangaben genau angegeben werden. Fahrlehrer können als Reisezweck beispielsweise Lehrfahrten oder Fahrschulfahrten angeben. Bei einem gleichbleibenden Kundenkreis reicht auch die Aufzeichnung der Kundennummer des aufgesuchten Geschäftspartners. Dann muss das Kundenverzeichnis allerdings dem Fahrtenbuch beigefügt werden. Ebenfalls verwendet werden dürfen Abkürzungen für bestimmte, häufiger aufgesuchte Fahrtziele und Kunden oder für einzelne regelmäßig wiederkehrende Reisezwecke. Allerdings müssen die verwendeten Kürzel aus sich heraus verständlich sein oder auf einem beigefügten Blatt näher aufgeschlüsselt werden. Bei Angehörigen freier Berufe, die einer Schweigepflicht unterliegen, wie beispielsweise Ärzte, Rechtsanwälte oder Steuerberater, reicht es aus, wenn im Fahrtenbuch die Angabe Patienten- oder Mandantenbesuch als Reisezweck festgehalten wird. Die Namen und Adressen müssen dann jedoch in einem getrennten Verzeichnis festgehalten werden. b) Angaben bei Privatfahrten Für private Fahrten sind lediglich die gefahrenen Kilometer zu vermerken. c) Angaben bei Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte bzw. Heimfahrten Für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte bzw. Heimfahrten reicht ein kurzer Hinweis im Fahrtenbuch mit Kilometerstandsangabe aus

3 Praxistipp: Kilometerangabe für Wege zwischen der Wohnung und der Arbeitsstätte In der Regel beträgt die Entfernung zwischen der Wohnung und der Arbeitsstätte nicht genau eine bestimmte volle Kilometerzahl, sondern X ganze Kilometer und X hundert Meter. Da im Fahrtenbuch aber immer nur volle Kilometer vermerkt werden, kann es zu deutlichen Rundungsdifferenzen kommen, wenn über einen längeren Zeitraum immer die gleiche Strecke gefahren und die Kilometerangabe jeweils einfach aufaddiert wird. Steuerzahler können diese Rundungsdifferenzen vermeiden, indem sie immer genau den Kilometerstand zwischen Fahrtenbuch und im Fahrzeug zu Beginn und am Ende der Fahrt abgleichen. Das Gleiche gilt auch, wenn ein Kunde oder eine andere Betriebsstätte regelmäßig aufgesucht wird, ohne dass andere Fahrten dazwischen liegen. d) Angaben bei teils privaten und teils dienstlichen Fahrten In diesem Fall muss der Kilometerstand vor und nach der privaten Unterbrechung aufgezeichnet werden. 3. Verwendung von Abkürzungen Abkürzungen oder Zeichen, die aus sich heraus verständlich sind oder sich aus einer beigefügten Aufstellung, die nicht weiter ergänzungsbedürftig ist, ergeben, dürfen verwendet werden. Wichtig ist nur, dass sich die erforderlichen Angaben dem Fahrtenbuch selbst entnehmen lassen. Ein Verweis auf ergänzende Unterlagen ist nur zulässig, wenn der geschlossene Charakter des Fahrtenbuchs dadurch nicht beeinträchtigt wird und diese Unterlagen selbst nicht weiter ergänzungsbedürftig sind. So dürfen Abkürzungen insbesondere für häufiger aufgesuchte Fahrtziele, Kunden oder regelmäßig wiederkehrende Reisezwecke verwendet werden. Werden regelmäßig dieselben Kunden aufgesucht, sind zusammengefasst für Reiseziel, Reisezweck und aufgesuchten Geschäftspartner vereinfacht jeweils zu Beginn und Ende der Fahrt Datum und Kilometerstand sowie die Nummer der aufgesuchten Geschäftspartner aufzuzeichnen. Das Kundenverzeichnis ist dem Fahrtenbuch beizufügen, BMF-Schreiben vom Form des Fahrtenbuches Für die steuerliche Anerkennung muss ein Fahrtenbuch zeitnah, in geschlossener Form, also in Form eines gebundenen Buches (keine lose Blattsammlung) und in einem fortlaufenden Zusammenhang für das gesamte Jahr geführt worden sein. Eine Sammlung loser oder zusammengehefteter Blätter genügt nicht. Ein kürzerer Zeitraum als das gesamte Jahr wird nur bei einem Fahrzeugwechsel anerkannt. Die Anforderung einer zeitnahen Führung des Fahrtenbuches schließt beispielsweise die steuerliche Anerkennung eines Fahrtenbuchs, das im Nachhinein anhand von Notizzetteln erstellt wurde, aus. Nach Vorstellung der BFH-Richter sollen die notwendigen Angaben direkt nach Fahrtende am besten noch hinterm Steuer vorgenommen werden. Zu beachten ist dabei insbesondere, dass die handschriftlichen Aufzeichnungen im Fahrtenbuch allgemein lesbar sein müssen. Es genügt nicht, wenn nur der Steuerpflichtige seine Aufzeichnungen lesen kann. 5. Dokumentation von Änderungen Nachträgliche Korrekturen müssen kenntlich gemacht und erläutert werden oder ausgeschlossen sein. Insofern werden auch Fahrtenbücher, die mittels im Büroalltag üblicher Software, wie zum Beispiel Excel, erstellt werden, nicht anerkannt. Hier lassen sich im Nachhinein Änderungen vornehmen, die nicht erkenntlich sind. Fahrtenbuchsoftware, bei der im Nachhinein keine Änderungen vorgenommen werden können, wird jedoch steuerlich anerkannt. Die verwendete Software muss revisionssicher ausgestaltet sein, das heißt, Korrekturmöglichkeiten müssen entweder ausgeschlossen oder hinreichend in der Software dokumentiert werden. Für jedes Fahrzeug muss zudem ein separates Fahrtenbuch geführt werden. Änderungen eines Fahrtenbuchs in Papierform müssen so vorgenommen werden, dass jede Änderung von bestimmten Zeilen und Daten sofort nachvollzogen werden kann. Um Verschreiber oder Fehler beim Eintrag in das Fahrtenbuch zu korrigieren, ist es somit ratsam, die Zeile mit nur einem Strich (leserlich) durchzustreichen. Die Verwendung von Tipp-Ex oder das Übermalen falscher Einträge kann vom Finanzamt als nachträgliche Änderung angesehen werden. In der Folge könnte diese Fahrt nicht anerkannt werden. Mehrere Mängel können auch dazu führen, dass das Fahrtenbuch insgesamt als nicht ordnungsgemäß angesehen wird. 6. Überprüfung der Fahrtenbücher Die Plausibilität des Fahrtenbuches kann mit einer mathematisch empirischen Methode, dem Chi- Quadrat-Test, überprüft werden. So wird festgestellt, ob die Zahlenfolgen einen Sinn ergeben oder ob das Fahrtenbuch manipuliert wurde. Des Weiteren werden die Angaben des Fahrtenbuchs mit den Bele

4 gen in der Buchhaltung abgeglichen, z. B. Bewirtungsbelegen, Tankquittungen, Parkscheine und Werkstattrechnungen. Hinweis: Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz (v , Az.: 2 K 1277/10) entschied im Falle der Überprüfung einer Buchführung mit dem Chi-Quadrat-Test, dass Auffälligkeiten bei diesem Test allein kein Grund zur Beanstandung der Buchführung wären. Steuerzahler, bei denen das Fahrtenbuch vom Finanzamt aufgrund dieses Tests verworfen wird, sollten sich bei ihrer Argumentation auf das Urteil des FG Rheinland-Pfalz stützen. Praxistipp: Werkstattrechnungen In der Regel ist auf den Werkstattrechnungen oder Prüfberichten der TÜV- oder Abgasuntersuchungen der Kilometerstand angegeben. Da diese Belege zur Überprüfung des Fahrtenbuches herangezogen werden, sollten Steuerzahler beim Abholen des Wagens aus der Werkstatt überprüfen, ob die Kilometerstandsangabe auf der Rechnung etc. auch korrekt ist. Mitunter wird seitens des Werkstattpersonals eine Rundung vorgenommen. Zudem besteht die Möglichkeit eines Zahlendrehers. 7. Sonstige Voraussetzungen für die Anwendung der Fahrtenbuchmethode Um die Besteuerung des geldwerten Vorteils nach der Fahrtenbuchmethode vorzunehmen, muss nicht nur ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch vorliegen. Zusätzlich müssen sämtliche Kosten für das betroffene Fahrzeug in der Buchhaltung separat aufgezeichnet und durch Belege nachgewiesen werden. Es empfiehlt sich, für jeden Betriebs-Pkw ein Einzelsachkonto anzulegen und zu führen, da es die Belegnachweispflicht erleichtert. So können die Gesamtkosten je Betriebs-Pkw zutreffend ermittelt werden. Pflicht für die Anwendung der Fahrtenbuchmethode ist dieses Einzelsachkonto jedoch nicht. Hinweis: Werden mehrere betriebliche Fahrzeuge vom Unternehmer oder von zu seiner Privatsphäre gehörenden Personen zu Privatfahrten, zu Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte oder zu Familienheimfahrten genutzt, ist diese Nutzung für jedes der Fahrzeuge entweder pauschal im Wege der Listenpreisregelung oder aber konkret anhand der Fahrtenbuchmethode zu ermitteln. Gehören gleichzeitig mehrere Kraftfahrzeuge zum Betriebsvermögen und wird nicht für jedes dieser Kraftfahrzeuge ein Fahrtenbuch geführt, muss für diejenigen Fahrzeuge, für die kein Fahrtenbuch geführt wird, und die für Privatfahrten, für Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte oder für Familienheimfahrten genutzt werden, die 1-Prozent-Regelung angewendet werden. 8. Kleinere Mängel im Fahrtenbuch Die Aufzeichnungen im Fahrtenbuch müssen eine hinreichende Gewähr für ihre Vollständigkeit und Richtigkeit bieten und mit vertretbarem Aufwand, zum Beispiel mittels weiterer Belege, überprüfbar sein. Einzelne kleinere Mängel führen nicht zur Versagung der steuerlichen Anerkennung und damit zur Anwendung der 1-Prozent-Regelung. Insgesamt müssen die Angaben jedoch plausibel sein. Ein Fahrtenbuch ist erst dann nicht ordnungsgemäß, wenn es mehrere ins Gewicht fallende Mängel aufweist. Beispiele: a) Wird nur einmal der aufgesuchte Geschäftspartner im Fahrtenbuch nicht ausreichend genau bezeichnet, so ist das Fahrtenbuch dennoch ordnungsgemäß. Ggf. ist zu akzeptieren, dass diese Fahrt dann vom Finanzamt als Privatfahrt gewertet wird. b) Kann das Finanzamt nur bezüglich einer Fahrt aufgrund eines Tankbelegs nachweisen, dass diese nicht aufgezeichnet wurde, wäre eine Verwerfung des Fahrtenbuchs allein wegen dieses Mangels unverhältnismäßig. c) Besteht zwischen den Kilometerangaben lt. Fahrtenbuch und den Angaben in der Werkstattrechnung keine genaue Übereinstimmung, ist das Fahrtenbuch dennoch anzuerkennen, weil Werkstattrechnungen insoweit erfahrungsgemäß häufig ungenau sind. d) Werden im Fahrtenbuch die Fahrten durchgängig nur mit unzureichenden Abkürzungen wiedergegeben, liegt kein unschädlicher kleiner Mangel vor. Dies gilt selbst dann, wenn nachträglich die ungenauen Aufzeichnungen erläutert werden. Zu beachten ist dabei aber, dass kleinere Mängel wirklich wörtlich zu nehmen ist und klein dabei sowohl qualitativ als auch quantitativ zu verstehen ist. Qualitativ darf sich ein Fehler nur unwesentlich auf das Gesamtergebnis des Fahrtenbuchs auswirken. In quantitativer Hinsicht dürfen wohl nur ein bis zwei - 4 -

5 solcher kleinen Fehler pro Jahr vorliegen. Drei bis fünf Fehler waren dem BFH jedenfalls zu viel, Urteil vom , VI R 38/ Wechsel der Methode zur Ermittlung des geldwerten Vorteils Soll von der 1-Prozent-Regelung auf die Fahrtenbuchmethode übergegangen werden, muss bereits ab dem 1. Januar ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch geführt werden. Eine rückwirkende Korrektur ist nicht zulässig! Zu beachten ist aber, dass zwar die Berechnungsmethode immer für das gesamte Jahr gleichbleiben muss und unterjährig ohne Fahrzeugwechsel nicht gewechselt werden darf, dennoch muss man sich nicht festlegen, welche Berechnungsmethode man in der Einkommensteuererklärung zu Grunde legt. Also spricht abgesehen vom Aufwand nichts dagegen, das gesamte Jahr über ein Fahrtenbuch zu führen. Stellt man am Ende des Jahres fest, dass die 1-Prozent-Regelung günstiger ist, kann trotz des geführten Fahrtenbuchs die 1-Prozent-Regelung in der Einkommensteuererklärung zur Anwendung kommen. Hinweis: Ob auch der unterjährige Wechsel zur Fahrtenbuchmethode zulässig ist oder nicht, muss derzeit der BFH entscheiden, da unter dem Aktenzeichen VI R 35/12 eine entsprechende Revision anhängig ist. Steuerzahler, die erst im laufenden Jahr mit der Führung eines Fahrtenbuchs begonnen haben, das Fahrzeug aber bereits seit mindestens Jahresbeginn privat nutzen, sollten das Verfahren im Blick behalten und im Rahmen der Einkommensteuererklärung ggf. Einspruch gegen den Steuerscheid einlegen und das Ruhen des Verfahrens mit Verweis auf dieses Aktenzeichen beantragen. Dies macht jedoch nur Sinn, wenn in der Einkommensteuererklärung beantragt wurde, den geldwerten Vorteil entsprechend auch der Fahrtenbuchmethode zu bewerten. 10. Elektronische und GPS-gestützte Fahrtenbücher Hinsichtlich der Anerkennung elektronisch geführter Fahrtenbücher bestand lange Zeit Unsicherheit. Die Anforderungen an elektronische Fahrtenbücher wurden nun von der Finanzverwaltung konkretisiert (Verfügung der OFD-Rheinland vom 18. Februar 2013 Kurzinfo LSt-Außendienst 2/2013). Zunächst stellt die Finanzverwaltung voran, dass sie weder elektronische Fahrtenbücher noch elektronische Fahrtenbuchprogramme zertifiziert oder eine Art Zulassung vergibt, sondern immer eine Einzelfallprüfung vorgenommen werden muss. Außerdem muss beachtet werden, dass selbst wenn die technischen Voraussetzungen für ein grundsätzlich anzuerkennendes elektronisches Fahrtenbuch vorliegen, es auch auf die ordnungsgemäße Bedienung der Technik ankommt. Im Ergebnis müssen sich aus dem elektronischen Fahrtenbuch die gleichen Erkenntnisse gewinnen lassen wie aus einem manuell geführten Fahrtenbuch. Das heißt, es müssen das Datum der Fahrt, die Fahrtziele, die aufgesuchten Kunden und Geschäftspartner oder verrichteten Tätigkeiten und die Kilometerstände aufgezeichnet werden. Die Privatfahrten müssen zwar nicht spezifiziert werden, ergeben sich aber zwangsläufig aus der notwendigen fortlaufenden Führung des Fahrtenbuchs. Das bedeutet, dass das GPS-Modul auch bei Privatfahrten eingeschaltet sein muss. Besonders wichtig bei elektronischen Fahrtenbüchern: nachträgliche Einfügungen oder Änderungen müssen ausgeschlossen oder als solche erkennbar sein. Die eindeutige Kennzeichnung einer geänderten Eingabe sowohl in der Anzeige des elektronischen Fahrtenbuchs am Bildschirm als auch in seinem Ausdruck ist unverzichtbare Voraussetzung für die Anerkennung des elektronischen Fahrtenbuchs. Außerdem müssen die Daten des elektronischen Fahrtenbuchs bis zum Ablauf der Aufbewahrungsfrist unveränderlich aufbewahrt und lesbar gemacht werden können. Bei eventuellen Änderungen muss die Änderungshistorie mit Änderungsdatum und -daten und jeweils ursprünglichen Inhalt ersichtlich sein. Selbstverständlich darf auch die Änderungshistorie nachträglich nicht veränderbar sein. Grundsätzlich ist bei elektronisch gespeicherten steuerlich relevanten Daten zu beachten, dass die Finanzverwaltung ein Zugriffsrecht auf diese digitalen Daten hat. Dieses sowie die maschinelle Auswertbarkeit der Daten muss auch im Hinblick auf elektronische Fahrtenbücher gewährleistet werden. Eine Voraussetzung für die Anerkennung des Fahrtenbuchs ist es, dass dieses zeitnah geführt werden muss: Bei elektronischen bzw. GPS-gestützten Fahrtenbüchern erfolgt die Eintragung des Fahrtzwecks regelmäßig über ein Webportal bzw. zumindest am Computer und somit nachträglich. Dies ist zulässig, wenn der Fahrer den dienstlichen Fahrtanlass innerhalb eines Zeitraums von bis zu sieben Kalendertagen nach Abschluss der jeweiligen Fahrt einträgt und alle übrigen Angaben bereits automatisch aufgezeichnet wurden. Die Person sowie der Zeitpunkt der nachträglichen Eintragung müssen im Webportal dokumentiert sein. Man muss also nicht nach jeder dienstlichen Fahrt sofort zum Computer eilen

6 11. Aufbewahrung von Fahrtenbüchern Ein Fahrtenbuch gehört unzweifelhaft zu den steuerlich relevanten Daten, da damit der Nachweis für den zu versteuernden Privatanteil geführt werden soll. Das Fahrtenbuch stellt einen Eigenbeleg dar, der zehn Jahre aufbewahrungspflichtig ist, BFH v , Az.: VI R 64/04 und 147 (1) Nr. 4 und (3) AO. 12. Wichtige Rechtsprechung BFH v , Az.: VI R 27/05 BFH v , Az.: VI R 64/04 BFH v , Az.: VI R 87/04 BFH v , Az.: VI B 32/06 BFH v , Az.: VI R 62/04 BFH v , Az.: VI R 38/06 BFH v , Az.: VI R 34/07 BFH v , Az.: VIII R 66/06 BFH v , Az.: VI R 33/10 BFH v , Az.: VI R 3/12 FG Schleswig-Holstein v , Az.: 1 K 170/05 FG Hamburg v , Az.: 8 K 74/06 FG München v , Az.: 15 K 2945/07 FG München v , Az.: 7 V 3717/08 FG München v , Az.: 10 K 3738/08 FG Münster v , Az.: 12 K 1073/07 E Hessisches FG v , Az.: 13 K 2874/07 FG Rheinland-Pfalz v , Az.: 5 K 2268/06 FG Münster v , Az.: 5 K 5046/07 E, U Die Broschüre Fahrtenbuch des Bundes der Steuerzahler ist nach den Richtlinien der Finanzverwaltung gestaltet. Sie können es anfordern mit einer Mail an: FG Berlin-Brandenburg v , Az.: 2 K 2155/07 (Revision anhängig BFH Az.: VI R 49/11) Verfügung der OFD-Rheinland vom Kurzinfo LSt-Außendienst 2/2013 Unser Ratgeber erhebt keinen Anspruch auf eine vollständige Darstellung und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Die Angaben erfolgen ohne Haftung und rechtliche Gewähr. Weitere Steuerratgeber unter FAX-Nr und im Mitgliederbereich von

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