Antikes Echo. Bild C. S. Fuchs/NLD

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Transkript:

regjo südniedersachsen römerschlacht 79 Antikes Echo Dass lange nach der Varusschlacht (9 n. Chr.) noch römisches Militär tief im freien Germanien operierte, schien unwahrscheinlich. Das Schlachtfeld am Harzhorn erzählt eine andere Geschichte. Sandalen- beziehungsweise Schuhnägel die mit Abstand häufigsten Funde auf dem Harzhorn. Obwohl mit etwa 1,5 cm Länge sehr unscheinbar, ermöglichen sie doch die genaue Rekonstruktion von Truppenbewegungen. Bild C. S. Fuchs/NLD

80 römerschlacht regjo südniedersachsen regjo südniedersachsen römerschlacht 81 Bilder Julia Peetz (4) Text: Sven Grünewald Spätsommer 235 nach Christus, vielleicht auch Herbst. Ein größerer Verband des römischen Militärs, mehrere tausend Soldaten, marschiert auf einer alten Fernstraße aus der norddeutschen Tiefebene kommend Richtung Süden, westlich des Harzes entlang. Hilfstruppen, Kavallerie, Tross sowie Infanterie mit den obligatorischen Maultieren einer jeden Zeltgemeinschaft von Legionären dazwischen. Nicht nur die Lasttiere haben viel zu schleppen, Waffen, Rüstung und Marschgepäck der Soldaten selbst bringen um die 30 Kilogramm auf die Waage. Ziel der Kohorten ist die Civitas Taunensium, heute die hessische Wetterau bis hin nach Frankfurt/Main die römische Kornkammer hinter dem Limes, wo das Imperium weit nach Norden ausgriff und wie ein Dorn ins freie Germanien, ins Barbaricum, hineinragte. Hinter der Wetterau lag das Legionslager in der Hauptstadt der Provinz Germania Superior, Mogontiacum (Mainz) gleichzeitig auch das römische Aufmarschgebiet für den Feldzug von 235. Post haec transiit in Germaniam cum omni exercitu [ ] ad bellum. (Historia Augusta XI, 7) Der Höhenrücken des Harzhorns ist archäologisches Sperrgebiet. Etwa 20 Studenten arbeiten unter der Grabungsleitung der FU Berlin an zwei verschiedenen Stellen. Die Altstraße zog sich durch das hügelige Harzvorland und das Leinetal, führte bei Hedemünden durch das Nadelöhr einer weit überregional bekannten Furt über die Werra und dann die Kasseler Berge hinauf, um gen Südosten über die Höhen Richtung römisches Gebiet zu schwenken. Nordöstlich der Gemeinde Kalefeld passierte der unbefestigte Weg einen nur wenige hundert Meter breiten, natürlichen Engpass, den sich heute B 248 und A7 fast in Steinwurfweite teilen; die Bundesstraße folgt dabei relativ genau der antiken Route. Die verlief oberhalb der damals morastigen Talniederung am Fuße des westlichen Höhenzugs, dem Harzhorn. Tiefer Fichtenwald, steile nordwärtige Hänge, unübersichtliches Terrain so zeigt sich das Harzhorn heute. Seine besondere Topografie verhinderte bis in die Gegenwart, dass der Höhenzug

82 römerschlacht regjo südniedersachsen regjo südniedersachsen römer 83 Bild Anders Seefeldt Das Harzhorn bei Kalefeld von Süden aus gesehen. Von Norden marschierte das römische Heer heran. ackerbaulich genutzt wurde. Für die Archäologie, wie sich zeigen sollte, ideale Zustände was dort hinfiel, blieb genauso liegen und wurde im alkalischen und nicht sehr mächtigen Boden vorzüglich konserviert. Ingressus igitur Germaniam Transrenanam per trecenta vel quadringenta milia [ ] (Historia Augusta XII, 1) Der Waldboden ließ denn auch die Metallsuchgeräte regelmäßig piepen, als Winfried Schütte und Rolf-Peter Dix mit ihnen illegalerweise über das Harzhorn wanderten. Die Suche der beiden heimatgeschichtlich Interessierten galt eigentlich der Burg der Grafen vom Harzhorn. Wir waren so um das Jahr 2000 da oben, erinnert sich Winfried Schütte. Reste einer Burg haben wir natürlich nicht gefunden, aber auf dem Rückweg zum Auto stießen wir mit dem Detektor auf Metallgegenstände, die nur zehn Zentimeter tief im lockeren Boden steckten. Die Funde wanderten anschließend jedoch in eine Kiste und blieben jahrelang liegen. Zwischenzeitlich kam die Vermutung auf, dass es sich um römisches Fundgut handeln könnte, aber erst 2008 wandte sich Winfried Schütte an die Northeimer Landkreisarchäologin Petra Lönne und brachte die verrosteten Stücke mit. Als mir Herr Schütte dann die Hipposandale gezeigt hat, wusste ich sofort: Das ist römisch, beschreibt sie ihren ersten Eindruck. Nur habe ich in dem Moment gedacht, dass Herr Schütte sich wichtig machen will und die Funde gar nicht aus dem Landkreis Northeim hat. Schließlich war Niedersachsen nicht gerade als Römerland bekannt. Bei der Ortsbegehung zusammen mit Winfried Schütte, dem Göttinger Landkreisarchäologen und Römerexperten Klaus Grote und einem Metalldetektor zeigte sich jedoch sehr schnell das Gegenteil. Schon nach wenigen Minuten piepte es mehrfach und ich muss ganz ehrlich sagen, da war ich einfach erschlagen, gibt Petra Lönne zu. Vor allem, dass es kein Lager ist, sondern sich um ein Schlachtfeld handelt, das war für mich eine Sensation. Dieser Fundcharakter wurde allerdings erst später deutlich. Die Kreisarchäologie in Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege organisierte noch 2008 eine streng geheime und groß angelegte Sondenbegehung auf dem Höhenzug, um das Fundareal in seiner Ausdehnung einzugrenzen. Zahllose bunte Tennisbälle waren die Folge, die im Wald die Einzelfunde markierten. Nur Winfried Schütte hatte Pech; ein Riss der Achillessehne fesselte ihn ans Bett, obwohl er nichts mehr wollte, als an der Suche teilzunehmen. Inzwischen jedoch ist er zertifizierter Harzhornführer und lizenzierter Sondengänger und geht ganz offiziell mit auf die archäologische Pirsch. Bilder C. S. Fuchs/NLD (5) Einer der seltenen germanischen Waffenfunde, eine Lanzenspitze mit Kupfereinlagen; daneben Geschossspitzen und eine Hipposandale. Beschlag einer Dolchscheide; Eisenschlüssel und wohl ein Jochaufsatz zur Zügelführung; mit den seitlichen Schwanenhälsen stellt das Stück ein Unikat dar.

84 römerschlacht regjo südniedersachsen regjo südniedersachsen römerschlacht 85 Bilder Steffen Junghans/LOOKS Medienproduktionen GmbH (3), Anders Seefeldt Filmszenen der Dokumentation Die Schlacht am Harzhorn, die im Herbst 2009 am Thüster Berg bei Salzhemmendorf gedreht wurden.beteiligt waren daran insgesamt über 40 Darsteller, fünf Pferde, eine Kutsche sowie ein Stab von 20 Mitarbeitern in Kamera, Licht, Ausstattung, Maske etc. Bei den Darstellern handelt es sich um Reenactment-Gruppen der Römer und Germanen, welche auf die Zeit des 3. Jahrhunderts spezialisiert sind. Wo diesen noch Ausrüstung fehlte, wurde sie, wie etwa die Schilder der Germanen, zusätzlich angefertigt. Zur konkreten Auswahl der Ausrüstung wurde außerdem Fachberater hinzugezogen. Am Harzhorn selbst konnte während der gleichzeitig stattfindenden Ausgrabungen der FU Berlin (großes Bild) und aus Gründen der Fundbewahrung nicht gedreht werden. [ ] et nisi Germani a campis ad paludes et silvas confugissent, omnem Germaniam in Romanam ditionem redegisset. (Historia Augusta XII, 1) Dank regelmäßiger Flächen- und Punktgrabungen in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Berlin sind mittlerweile über 1.800 Objekte ans Tageslicht gekommen. Was so alles? Petra Lönne lacht. In der Hauptsache Schuhnägel. Daneben Speer- und Pfeilspitzen sowie Katapultbolzen, zu denen sich teils spektakuläre Einzelfunde gesellen. Und das Schöne an der oft sehr langwierigen Archäologenarbeit es gibt täglich Neufunde. Den an sich eher unspektakulären Nägeln kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. In ihrer Funktion ähnelten sie Spikes, die dem Legionär mehr Grip im Gelände geben sollten. 60 bis 80 Stück steckten pro Sandale in der Ledersohle und wie die römischen Militärhistoriker anmerkten, führte der gemeine Legionär auch immer einen Beutel Ersatznägel mit sich. Der Verlust war quasi an der Tagesordnung. Dadurch lassen sich Bewegungen von Soldaten nachvollziehen, ebenso wie die Lage der Geschosse und Pfeilspitzen erheblich zur Rekonstruktion des Schlachtgeschehens beiträgt. Bis heute allerdings sind die Grenzen des Schlachtfeldes noch nicht gefunden, obwohl die Sondenbegehung kontinuierlich weitergeht. Mittlerweile lässt sich das Kampfgeschehen zwar auf einer Fläche von zwei Kilometern in Ost-Westund 500 Metern in Nord-Süd-Richtung nachweisen aber bisher nur auf dem Höhenzug. So entsteht möglicherweise auch ein falsches Bild, relativiert Petra Lönne die Situation. Hier haben wir noch eine Chance der Funderhaltung. In den landwirtschaftlich genutzten Bereichen drumherum wurden, wenn es Funde gab, diese über die Jahrhunderte zerstört. Dennoch ist die Plastizität des Geschehens, das sich vor 1.800 Jahren auf dem Harzhorn abgespielt hat, enorm. Hier lässt sich die militärische Konfrontation zwischen Rom und den Germanen in Speerwurf und Katapultgeschoss fassen. Ein Umstand, der innerhalb kürzester Zeit ein riesiges, auch internationales Publikum begeisterte: Zahlreiche Artikel erschienen, CNN war vor Ort und kürzlich wurde für den NDR eine Dokumentation des Geschehens mit großem Aufwand inszeniert und mit Schauspielern nachge-

86 römerschlacht regjo südniedersachsen regjo südniedersachsen römerschlacht 87 Bilder Petra Lönne (3), Rolf-Peter Dix Bilder Anders Seefeldt Linke Seite: ein rekonstruiertes römisches Torsionsgeschütz. Daraus abgefeuerte Bolzen fanden sich in großer Zahl. Oben rechts: 2008 markieren Tennisbälle die Fundstellen. Unten rechts: Winfried Schütte (links) führte die Kreisarchäologen Dr. Klaus Grote und Dr. Petra Lönne 2008 zum Fundplatz, wo sich der römische Fundcharakter bestätigte. Kreisarchäologin Dr. Petra Lönne mit dem jüngsten Münzfund, einem Silberdenar aus der Zeit von Kaiser Severus Alexander. stellt; die angebotenen Führungen sind permanent ausgebucht. Es war die Rede vom Jahrhundertfund, der ein Weltbild zum Einsturz brachte. Gegenüber der Gigantomanie der Presse bleibt Petra Lönne in der Bewertung aber auf dem Waldboden der Tatsachen. Ich denke zwar, dass man sich die antiken Schriftquellen noch einmal genau anschauen muss, aber ich sehe nicht, dass sich das Geschichtsbild komplett geändert hätte. Ipse praeterea manu sua multa faciebat,cum etiam paludem ingressus [ ] (Historia Augusta XII, I1) Neben dem Römerschlachtfeld am Kalkrieser Berg, dem wahrscheinlichen Ort der Varussschlacht, befindet sich damit auch die insgesamt erst zweite gefundene Römerschlacht im niedersächsischem Boden, wenn auch zwischen dort und dem Harzhorn etwa 200 Jahre Geschichte liegen. Denn die Datierung des Schlachtfeldes lässt sich mittlerweile sehr gut eingrenzen. Die C14-Analyse von Holzresten aus den Waffen ergab eine zeitliche Einordnung zwischen 130 und 250 nach Christus. Noch genauer wurde es dank der Münzfunde. Sechs Silberdenare aus den Regierungszeiten der Kaiser Caracalla (211-217), Elagabal (218-222) und Severus Alexander (222-235) legen eine Datierung ans Ende des ersten Drittels des 3. Jahrhunderts nahe. Eine besondere Rolle fällt schließlich den historischen Quellen zu. Der allerletzte große Feldzug ins Barbaricum hinein wird für das Jahr 235 für den frisch zum Kaiser ernannten Maximinus Thrax dokumentiert. Als einzige Quelle nennen dabei die Historia Augusta eine Entfernung von 300 bis 400 römischen Meilen (entsprechend etwa 450 bis 600 Kilometer), die das Heer in rechtsrheinisches Gebiet vorgedrungen sein soll damit wären die Römer leicht bis an die Elbe gelangt, was historisch kein Novum darstellte: Schon Drusus war zweieinhalb Jahrhunderte zuvor so weit vorgestoßen, man kannte die Gegend. Da sich in Fachkreisen aber bis 2008 niemand vorstellen konnte, dass die Römer so historisch spät so geografisch tief nach Germanien eingedrungen waren, wurden die Zahlenangaben kurzerhand zum Abschreibfehler degradiert und auf 30 bis 40 Meilen nach unten korrigiert. Ein offensichtlicher Irrtum. Vorausgegangen war diesem Feldzug jedoch ein veritables Drama. 232/233 nach Christus bekämpfte der eher glücklose Kaiser Severus Alexander in einer groß angelegten Kampagne mehr oder minder erfolgreich das erstarkte Perserreich, dazu wurden auch Truppen vom germanischen Limes abgezogen. Die schwach besetzte Grenze nutzten wiederum Germanen aus und zogen plündernd durch die benachbarten Römerprovinzen. 235 sammelte daher der Kaiser erneut zahlreiche Truppen, diesmal in Mainz. Zum Krieg wollte er es dann allerdings doch nicht kommen lassen. Stattdessen versuchte er sich den Frieden zu erkaufen. Daraufhin meuterten die enttäuschten Legionen, ermordeten kurzerhand Kaiser samt Mutter und riefen den ersten Soldatenkaiser aus, ihren Feldherrn Maximinus. Dieser ließ noch einige vermeintliche Verschwörer meucheln, machte anschließend Nägel mit Köpfen und marschierte in der Germania Magna ein sehr farbenfroh geschildert bei Herodian, einem zeitgenössischen Historiker. Siedlungen wurden geplündert und eingeäschert, das fast reife Getreide verbrannt. Maximinus selbst soll sich während der zahlreichen Kämpfe, die aufgrund der guerillamäßigen Absetzbewegungen der Germanen oftmals in Wäldern und Mooren stattfanden, durch seinen persönlichen Einsatz ausgezeichnet haben und führte sein Heer schließlich spät im Jahr siegreich und ungeschlagen heim; Lohn war der Ehrentitel Germanicus Maximus. Pervenissemus ad silvas, nisi altitudo paludium nos transire non permisisset. [ ] (Historia Augusta XII, 6) Der Kalefelder Fund fügt sich in seiner Datierung und Rekonstruktion nahtlos in diesen Kontext ein. Späher des römischen Heeres, die sich dem Harzhorn von Norden kommend näherten, fanden den Engpass blockiert und von germanischen Kriegern gesichert an strategisch günstiger Stelle, da galt eine eventuelle zah- Petra Lönne Die gebürtige Auricherin studierte in Göttingen Ur- und Frühgeschichte und war an zahlreichen archäologischen Projekten hauptsächlich in Niedersachsen beteiligt. Seit 2003 ist sie im Landkreis Northeim als Archäologin tätig. Wie sieht die Finanzsituation für die Archäologie in Niedersachsen aus? Natürlich wird auch in diesem Bereich gekürzt, die Mittel sind sehr knapp. Ich als Kreisarchäologin führe wenn dann Not- oder Rettungsgrabungen durch. Reine Forschungsgrabungen, wie jetzt auf dem Harzhorn, sind heute kaum noch möglich. Und auch beim Landesamt selbst gibt es, so weit ich weiß, keine großen Forschungsprojekte mehr. Gibt es viele aus Geldmangel liegen gelassene Projekte? Allein im Landkreis Northeim gibt es etwa die mittelalterliche Töpferei-Wüstung Bengerode bei Fredelsloh, die durch wiederholte Raubgrabungen massiv gefährdet ist. Dabei handelt es sich um eine fast vollständig erhaltene, das heißt nicht überbaute Wüstung mit Ofenresten und Abwurfhalden der Töpfereiproduktion. Auch aus der Steinzeit gibt es diverse Fundstellen, die sehr vielversprechend sind. Sind Raubgräber generell ein Problem? Ja, ein sehr großes, gerade in Südniedersachsen. In der Wüstung haben Raubgräber gerade in den letzten Monaten wieder zugeschlagen; oder es werden Grabhügel geplündert. Aber wir können die Fundstellen nicht schützen, wir können nur die Bevölkerung sensibilisieren. Aber es ist zweischneidiges Schwert. Wenn es Leute wie Herrn Schütte nicht gäbe, die uns ihre Zufallsfunde mitteilen, hätten wir beispielsweise das Schlachtfeld am Harzhorn gar nicht gefunden.

regjo südniedersachsen römerschlacht 89 Bilder S. Streichardt/NLD (2) Römische Geschossspitzen und eine Schaufelhacke. Die Reste des römischen Katapulteinsatzes finden sich zuhauf. lenmäßige Überlegenheit der Römer nicht viel. Ein Durchbrechen war jedoch unvermeidlich, schließlich ließen sich die Trosswagen kaum querfeldein durch Wald und über Berg befördern. Die Legionäre kämpften sich daher an den wenigen Aufgängen die steile Nordflanke des Harzhorns hinauf, um die Wegblockade zu umgehen und deren Besatzung in den Rücken zu fallen. Aber auch auf dem Höhenzug trafen sie im damals lichten Buchen-Mischwald auf starken Widerstand. Orientalische Bogenschützen wurden ebenso wie kleinere Torsionsgeschütze, sogenannte Karrenballisten, herangeführt und nahmen eine zentrale Anhöhe unter konzentriertes Feuer, bis die Legionäre schließlich zum Sturmangriff ansetzten und sich im Nahkampf den Weg über das Harzhorn freikämpften. So legt es die Fundverteilung nahe. Unbeantwortet bleibt allerdings die Frage, warum derart viele Waffen zurückblieben. Pfeile, Speere, Katapultbolzen müssen noch Jahre nach dem Geschehen gut sichtbar aus dem Boden geragt haben. Eine Vermutung ist, dass die Germanen den Ort ihrer Niederlage möglicherweise mit einem Tabu belegten, während die Römer nach dem Sieg so schnell wie möglich weiter nach Süden marschierten, um Guerillaangriffen und Abnutzungsgefechten aus dem Weg zu gehen wer konnte wissen, wie viele feindliche Truppen noch in der Nähe waren? Vielleicht stellte das Geschehen auf dem Harzhorn auch nur einen kleinen Teil der Kampfhandlungen in dieser Gegend dar, die Schlacht könnte ihren Schwerpunkt in der südlich gelegenen Niederung gehabt haben. Es bleibt Spekulation. Ebenso, wie viele Römer nun überhaupt hier durchzogen ob nur eine kleinere Einheit mit 1.000 oder 1.500 Soldaten, ein größerer Teil der Armee von Maximinus oder gar die ganze. Für den Weg zurück ins Römerland, heute Bayern, Baden- Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen sowie westlich des Rheins, kamen jedenfalls nur wenige Routen in Frage, insbesondere, wenn der Feldzug bis weit in die Norddeutsche Tiefebene hinein verlief. Auch an getrennte Rückmarschrouten und Heeresabteilungen kann man denken, meint der Göttinger Landkreisarchäologe Klaus Grote, der bei Hedemünden das augusteische Lager ausgräbt. Wir wissen von anderen Feldzügen, dass die Armee sich getrennt hat, unter Unterführern marschierte und sich punktgenau wieder vereinigte. Zudem wusste man über Germanien gut Bescheid, kannte Geografie und Ortsnamen. Aber auch die Wetterverhältnisse spielten eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wenn man bei unserem durchwachsenen, oft regnerischen Wetter über unbefestigte Wege marschiert, ist nach 300 Mann der Weg in einem desolaten Zustand, man rutscht eigentlich nur noch. Zudem ließen die Wege es nicht zu, fünf Mann breit zu marschieren, sondern man musste sich im Gänsemarsch fortbewegen. [ ] atque animo concipiens usque ad oceanum septentrionales partes in Romanam ditionem redigere [ ] (Historia Augusta XIII, I1I) Maximinus selbst war jedenfalls, wie seine Soldaten auch, mit dem Feldzug zufrieden, ließ bildliche Siegestafeln anfertigen und in Rom ausstellen. Für das Folgejahr plante der Kaiser die Fortsetzung der Kampagne und die endgültige Unterwerfung Germaniens bis ans Meer. Machtkämpfe im Inneren zwangen ihn aber auf andere Schlachtfelder, auf denen er nur drei Jahre später von seinen eigenen Truppen ermordet wurde. Damit hatte dann auch das Imperium Romanum seinen Zenit überschritten.

regjo südniedersachsen römerschlacht 91 Der jüngste Münzfund (sogenannte Schlussmünze ), ein Silberdenar aus der Zeit von Kaiser Severus Alexander. Dadurch lässt sich das Schlachtgeschehen bisher am präzisesten datieren. Kaiser und Gegenkaiser lösten sich in schneller Folge ab, das Reich nutzte seine Stärke in internen Machtkämpfen ab, gleichzeitig stieg der Druck der Germanen auf die Grenzen, es kam vermehrt zu Übergriffen, die Grenzen mussten zurückgenommen werden, bis schließlich im 4. Jahrhundert mit der Völkerwanderung auch das Ende der römischen Welt eingeläutet wurde und andere die Geschichte weiterschrieben. Das kleine Südniedersachsen ist beredter Zeuge dieser Entwicklung. Die nur 60 Kilometer voneinander entfernten Fundstellen der Schlacht am Harzhorn und des Römerlagers bei Hedemünden spiegeln diese Epochen wieder. Hedemünden entstand in der euphorischen Expansionszeit des Imperiums, vermutlich um 9 vor Christus, wurde aber wohl nach der Varus-Niederlage aufgegeben. Dem steht das Harzhorn gegenüber, zweieinhalb Jahrhunderte später. Hier erleben wir ein letztes Aufbäumen der römischen Militärmacht, die noch einmal versucht, die Dinge in den Griff zu bekommen, beschreibt es Klaus Grote. Und dazwischen gab es von allem reichlich Kommerz, Kontakte, Konflikte. Die Beziehung zweier Kulturen, ein Atemzug der Geschichte, dessen stille Erinnerung sich langsam aus dem Untergrund schält. Informationstipps: Die Schlacht am Harzhorn Roms letzter Feldzug nach Germanien, DVD 2010. Einstündige Dokumentation von Fund, Schlachtrekonstruktion und historischem Kontext. M. Geschwinde und P. Lönne, Die Spur der Sandalennägel. Hintergründe zur Entdeckung eines römischen Schlachtfeldes. Archäologie in Deutschland 2/2009, 38-39. M. Geschwinde, H. Hassmann, P. Lönne, M. Meyer und G. Moosbauer, Roms vergessener Feldzug. Das neu entdeckte römische Schlachtfeld am Harzhorn in Niedersachsen. In: Ausstellungskatalog Varusschlacht. Imperium Konflikt Mythos, Band 2: Konflikt. Stuttgart 2009, 500-504. M. Geschwinde und P. Lönne, Konfrontation am Harzhorn. Die Entdeckung eines römischen Schlachtfeldes bei Kalefeld. Archäologie in Niedersachsen, Band 12/2009, 121-124. K.-P. Johne, Die Römer an der Elbe. Das Stromgebiet der Elbe im geographischen Weltbild und im politischen Bewusstsein der griechisch-römischen Antike. Berlin 2006.