Archäologische Grabungen auf der Gurina

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Transkript:

http://gurina.dellach.at Landesmuseum Kärnten 9020 Klagenfurt Archäologische Grabungen auf der Gurina Ergebnisse der Grabungskampagnen 2004 bis 2008 Die Gurina ist seit dem 19. Jh. als archäologischer Fundpunkt bekannt. Die ersten Grabungen von 1884 bis 1887 liefern heute einen wesentlichen Beitrag für die archäologische Erforschung. Mitte der 90er Jahre des 20. Jhs. wurden im Auftrag des Landesmuseums für Kärnten kleinere Grabungen unter der Leitung von Univ.-Doz. Dr. Paul Gleirscher unternommen. Von 2004 bis 2008 fanden wiederum unter der wissenschaftlichen Leitung von Paul Gleirscher groß angelegte Grabungen statt. Die Grabungsleitung hatte Dr. Peter Gamper inne. Die archäologischen Grabungen waren ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde Dellach unter Bgm. Christoph Zerza mit dem AMS Kärnten und dem Landesmuseum für Kärnten. Sie werden derzeit aufgearbeitet. Die Hallstattzeit In der Hallstattzeit (9.-4. Jh. v. Chr.) bestand auf der Kuppe am Nordende der Gurina ein großer Opferplatz. Von der Deponie der Opferungen ließen sich bei der Grabungskampagne 2004 noch 355 kg klein zerbrochene Keramik auffinden. Bei den Mögliche Rekonstruktionen zur Größe der Deponie Venusstatuette aus dem Bereich der hallstattzeitlichen Opferdeponie Opferhandlungen wurden Getreide und Früchte aber wohl auch Blumen und Getränke dargebracht, wobei die Tongefäße, welche die Opfergaben enthielten, rituell zerschlagen und zu einem Hügel aufgeworfen wurden. Die Deponie der zerschlagenen Keramik hatte nach den Hochrechnungen zur gefundenen

Keramik ein Volumen von bis zu 86 m³ gehabt. In der letzen Phase dieser Opferungen wurden die verehrten Gottheiten erstmals auch figürlich dargestellt. Herausragender Fund aus der Opferdeponie ist eine kleine Statuette, die eine weibliche Gottheit darstellt und sich an etruskische Vorbilder aus dem norditalischen Raum laut Vergleichen anlehnt. Die Siedlung der Hallstattzeit ist auf dem fast ebenen Plateau der Gurina zu lokalisieren, das Gräberfeld lag südlich davon im Wald des Schmeisser Bodens und wurde bereits 1993 untersucht. Es Hallstattzeitliches Gräberfeld handelt sich um kleine Hügelgräber, die durchschnittlich einen Durchmesser von 5 m haben. Somit ist es auf der Gurina für die Hallstattzeit gelungen, sowohl den Opferplatz, wie auch die Siedlung und das dazu gehörende Gräberfeld zu erforschen. Keltenzeit Ab dem 3. Jh. v. Chr. setzten sich in Kärnten keltische Stämme fest und verdrängen die ursprüngliche, hallstattzeitliche Bevölkerung. Mehrere keltische Stämme schlossen sich zum norischen Königreich zusammen, das den zentralen Raum des heutigen Österreich einnahm. Im Gailtal wird von der archäologischen Forschung der von den Römern überlieferte Stamm der Ambilini lokalisiert. Diese hatten auf der Gurina wohl einen ihrer Hauptorte und befestigten den Platz im 1. Jh. v. Chr. Die Befestigungsmauer bestand aus zwei trocken gemauerten Schalen, die mit Balken verankert und mit Stein- und Schuttmaterial hinterfüllt waren. Die Fläche der Siedlung kann mit 4-5 ha angegeben werden. Durch die Befestigungsanlage erhält die späteisenzeitliche Siedlung natürlich einen erhöhten Bronzenes Votivblech Status und kann als oppidum, als befestigter Sitz des keltischen Fürsten der Ambilini, angesprochen werden. Von den Wohnund Kultgebäuden haben sich keine gesicherten Spuren mehr gefunden, da sie durch die spätere, römische Überbauung vollkommen zerstört wurden. Die wirtschaftliche Grundlage der Siedlung dürfte neben der Landwirtschaft und dem Transitverkehr Keltische Münzen

wohl in der Ausbeutung der nahe gelegenen Erzvorkommen gelegen haben, wobei vor allem dem norischen Eisen, dem von den Römern begehrten ferrum noricum, große Bedeutung zukam. Aus dem 1. Jh. v. Chr. kennen wir auch die erste keltische Münzprägung in Österreich, wobei ausschließlich Silbermünzen geprägt wurden. Ebenfalls aus der keltischen Zeit stammen Bronzebleche mit figürlichen Darstellungen und Inschriften im venetisch/etruskischen Alphabet, für die die Gurina seit den ersten archäologischen Forschungen bekannt geworden ist; es handelt sich hierbei nämlich um die ältesten Schriftzeugnisse auf österreichischem Boden. Neben den Blechen zeigen auch Fibeln und Keramikformen deutlich die Beziehungen der Kelten auf der Gurina zu den südlichen Nachbarn, den Venetern und später den Römern. Die Römerzeit 16 und 15 v. Chr. eroberten die Stiefsöhne des Kaisers Augustus Tiberius und Drusus den gesamten Alpenbogen. Somit wurden innerhalb kürzester Zeit auch der Kärntner Raum und das Gailtal Teil des römischen Reiches. Das Interesse der Römer an der Gurina lag in erster Linie wohl in der Sicherung des für ihre Armee so wichtigen Eisens. Nach ersten, unbedeutenden Baumaßnahmen, wurde der Hügel von den Römern in der Zeit um Christi Geburt vermessen und anschließend eine neue Stadt geplant und im Gelände umgesetzt. Diesen Baumaßnahmen fiel auch die keltische Bebauung zum Opfer. Zu den bedeutendsten Baumaßnahmen der Römer gehören die Befestigungsmauer, der gallorömische Umgangstempel und das so genannte Verwaltungsgebäude. Gurina römische Befunde

Die Befestigungsmauer Das Plateau der Gurina wurde mit einer Befestigungsmauer umgeben, welche das Siedlungsareal vor allem im südlichen Teil erweiterte. Viele Funde belegen, dass die Planung und Ausführung vor allem in den Händen des Militärs gelegen haben. Der Zugang zur Siedlung in Nordosten wurde durch einen großen, in die Befestigungsmauer integrierten Turm gesichert, im Südosten befand sich ein Eingangstor. Die Mauer zeigt in ihrem Aufbau deutliche Parallelen zur Gipfelbefestigung des Magdalensberges, dem zweiten wichtigen Fundpunkt der frührömischen Zeit in Kärnten. Auch dort ist in der frühen römischen Geschützturm, welcher in der Befestigungsmauer integriert ist. Phase vor allem mit Militär zu rechnen. Auf der Gurina hat sich besonders die Toranlage sehr gut erhalten. Der Torturm hatte die Ausmaße 7,4 x 11,5 m, folglich eine Fläche von 85 m². Im Südwest-Eck und im Nordost-Eck schließt die Befestigungsmauer an. In der Ost- und der Westmauer befand sich der 2,9 m breite Durchgang, an den westlich und östlich die Straße anschließt, die sich auch heute noch deutlich im Gelände abzeichnet. Die Mauern waren an der Außenseite bis zu 0,7 m dick errichtet worden und haben sich an der Nordseite des Torturmes noch bis zu 3 m hoch erhalten. An der Nordseite fanden sich quadratische Löcher für waagrecht eingelassene Balken, die für einen Aufgang im Innern dienten. Befestigungsmauer nördlich des gallorömischen Umgangstempels

Das Verwaltungsgebäude Die große Terrasse südöstlich der Tempelkuppe wurde bereits 1886 von M. Hoernes untersucht, der einen skizzenhaften Plan anfertigte. Nach Hoernes Beschreibung wurden eisenzeitliche Siedlungsobjekte gefunden, über denen ein etwa 40 x 30 m großes, römisches Gebäude, wohl mit mehreren Bauphasen, lag. Eine genaue Datierung innerhalb der römischen Zeit war nicht möglich. Die Untersuchungen 2005 bis 2008 konnten die Ausgrabungen von 1886 teilweise bestätigen und vielfach korrigieren. Das Gebäude hatte die Ausmaße 40,2 x 25 m, folglich 1005 m² und bestand in diesem Kern lediglich aus einer Bauphase. Das Gebäude ist sehr symmetrisch aufgebaut: um einen T-förmigen Lichthof im Zentrum gruppieren sich größere und kleinere Räume, den Südabschluss bildet ein 36 m langer und 4 m breiter Gang, der wohl ein mit Säulen gestütztes Dach hatte (eine sogenannte porticus). Ungewöhnlich ist ein Raum nördlich des Lichthofes (12,6 x 8,7 m), der in sechs gleichmäßig breite Gänge unterteilt ist und vermutlich ein Archiv oder einen Lagerraum darstellt. In einigen Räumen waren noch Teile der originalen Böden erhalten, Plan des großen Verwaltungsgebäudes mit zahlreichen Räumen und Lagerhallen die sich alle auf ungefähr dem gleichen Niveau befanden. Um dieses ebene Benutzungsniveau zu bekommen, mussten die südlichen Fundamentmauern bei der leichten Hangneigung höher aufgezogen werden. Diese Mauern sind heute im Befund noch bis zu 1,3 m hoch. Das große Gebäude lässt sich am ehesten als Verwaltungsgebäude deuten, das wohl in Zusammenhang mit dem Handel von Roheisen (ferrum noricum) gestanden hat. Von diesem Roheisen haben sich auch einige Brocken bei den Grabungen gefunden, des Weiteren wurden an Metallresten vor allem Bleirelikte geborgen. Da sich vom Aufgehenden des Gebäudes kaum mehr etwas erhalten hatte, konzentrierten sich die Grabungen auf die tieferen Einfüllschichten im Fundamentbereich, mit denen das römische Bodenniveau erlangt worden war; diese Schichten lassen sich folglich mit der

Bauzeit des Gebäudes verbinden. Unter den Funden aus diesen Einfüllschichten sind mehrere chronologisch präzise anzusprechen. Wie die Befestigungsmauer datiert der Aufbau des Gebäudes in die Zeit um Christi Geburt. Beispiel für ein Wohnhaus östlich des Gurina-Hofes Östlich des Gurina-Hofes konnte ein kleines Gebäude untersucht werden, dessen Boden und Mauerverputz hervorragend erhalten war. Im Gegensatz zu dem großen Verwaltungsgebäude hat sich hier ein Mauerversturz mit Funden erhalten, die das Ende des Gebäudes noch vor der Mitte des 1. Jh. n. Chr. aufzeigt. Die zahlreichen Amphorenfragmente aus dem Gebäude bezeugen den raschen Einzug von römischen Lebensund Essgewohnheiten im inneralpinen Raum. Römisches Haus östlich des Gurina-Hofes Der gallo-römische Umgangtempel; Original und Rekonstruktion Auf der Kuppe der Gurina wurde der hallstattzeitliche Opferhügel einplaniert und an dieser Stelle ein 11,30 x 11 m großer Tempel errichtet. Es handelt sich hierbei um einen so genannten gallo-römischen Tempel, folglich einen Tempel, der keltischen Ursprungs war, in dem allerdings römischer Architekturstil zu tragen kam. Westlich des Originalbefundes wurde der Tempel in den originalen Ausmaßen rekonstruiert. Da das Gelände des Tempels bereits im 19. Jh. ausgegraben wurde, waren nur wenige Funde zu erwarten. Die wenigen Funde passen zur frühen Ausbauphase der römischen Stadt. Tempel nach der Ausgrabung

Vom Tempelbefund ließen sich für die Rekonstruktion die genauen Ausmaße und der Grundriss, des Weiteren der Terrazzoboden, die gemauerten Säulen und Teile der Bemalung gewinnen. Die meisten Details, wie die Säulen- und Deckengestaltung, der Aufbau der Kultnische, die Dachverzierungen und die Höhe des Tempels wurden von besser erhaltenen Tempeln in Frankreich und der Schweiz, vor allem aber auch von Gebäuden in Pompeji übernommen. Eine Besonderheit ist die Kult-Statue. Von den erhaltenen Statuetten bezeugt die größte Gruppe einen jugendlichen Herkules mit Keule, Löwenfell und Kranz. Die Herkules-Statue Statue wurde nach einer der Statuetten in Vicentiner Muschelkalk nachgebildet und anschließend nach römischer Mode bemalt. Herkules-Tempel Ende der Siedlung auf der Gurina Die römische Siedlung auf der Gurina hat in dieser Form, also der Blütezeit, lediglich kurz bestanden; die Forscher rechnen mit 30 bis max. 50 Jahren. In den 30er Jahren des 1. Jh. n. Chr. zogen bereits große Teile der Bevölkerung ab. Die Provinz Noricum war eingerichtet, in den Ebenen entstanden die ersten großen Städte. Vermutlich war auch der Eisenbergbau zumindest für römische Abbaumethoden nicht mehr weiter ergiebig. Einzelfunde von der Gurina zeigen aber, dass sich bis in das beginnende 6. Jh. n. Chr. Leute hier aufgehalten haben. Danach bricht die Besiedlung bis ins Mittelalter ab. Silberne Pferdchenfibel verfasst von Dr. Peter Gamper, Juli 2009

Archäologiepark Gurina Während der archäologischen Grabungen in den Jahren 2004-2008 entstand die Idee zur Errichtung eines Archäologieparks. Mit der Errichtung des Herkules-Tempels wurde der erste Schritt gesetzt. Der Archäologiepark Gurina ist aufgrund der exponierten Lage nur zu Fuß erreichbar. Bei einer Kreuzung im Wald etwas nördlich des 'Heldenfriedhofs' ist ein Parkplatz für ca. 10 PKW eingerichtet. Von dort erreicht man über eine ca. 15minütige Wanderung durch den Wald (festes Schuhwerk erforderlich) das Gurina-Plateau. Die ersten Minuten sind für den ungeübten Geher etwas anstrengender. Der Tempel ist von Juni bis September geöffnet. Eine Besichtigung von außen ist immer möglich. Im Bedarfsfall ist außerhalb dieser Zeiten auch ein Besuch nach vorheriger Absprache mit Fam. Maria und Sieghard Robatsch, Gurina 1, Tel. +43(0)4718-632 möglich. Aktuelle Infos unter http://gurina.dellach.at bzw. im Gemeindeamt Dellach Dellach 65 9635 Dellach Tel.Nr. +43(0)4718-301 Fax DW 16 dellach.tourist@ktn.gde.at Führungen sind nach Voranmeldung beim Gemeindeamt möglich.