Bruttoinlandsprodukt und Bruttowertschöpfung in Stuttgart und in anderen Großstädten mit 500 000 und mehr Einwohnern 1995 bis 2001

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Transkript:

Kurzberichte Statistik und Informationsmanagement, Monatsheft 12/2003 Bruttoinlandsprodukt und Bruttowertschöpfung in Stuttgart und in anderen Großstädten mit 500 000 und mehr Einwohnern 1995 bis 2001 Werner Münzenmaier 1 328 Gegenstand der Untersuchung In den letzten Jahren wurden in dieser Schriftenreihe verschiedene Untersuchungen zur Wirtschaftskraft der baden-württembergischen Landeshauptstadt, gemessen über die Bruttowertschöpfung, durchgeführt und Vergleiche zu anderen Großstädten mit mehr als 500 000 Einwohnern vorgenommen. Besonders hingewiesen sei auf Analysen in den Monatsheften 3, 4 und 6 dieses Jahres, in denen Daten nach dem neuen Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG) 1995 zugrundegelegt wurden. Diese Untersuchungen erstreckten sich auf die Jahre 1992 bis 2000 für die Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen insgesamt und nach den drei Hauptbereichen bzw. 1996 bis 1999 für Wirtschaftsbereiche in tieferer Untergliederung. Im Oktober 2003 wurden vom Arbeitskreis Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder (VGR) Kreisergebnisse für 1992 bis 2001 bzw. - in tieferer sektoraler Gliederung - für 1996 bis 2000 veröffentlicht. Gleichzeitig wurden die bisher vorgelegten Daten für die Jahre ab 1996 überarbeitet und, soweit erforderlich, abgeändert. 2 Die in den früheren Untersuchungen aufgezeigten, längerfristig wirkenden strukturellen Veränderungen der Bruttowertschöpfung bzw. die Positionierung der Landeshauptstadt Stuttgart im Reigen der Großstädte haben sich unter Einbeziehung aktuellerer Daten nicht wesentlich verändert. Gleichwohl ist es interessant, einige Besonderheiten Stuttgarts im Vergleich zu den anderen Großstädten hervorzuheben. Die betrachteten Großstädte Da in den VGR-Kreisdaten die Wirtschaftskraft der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover als Teil der Region Hannover nicht mehr separat dargestellt werden kann, verbleiben als Großstädte mit mehr als 500 000 Einwohnern neben Stuttgart noch zehn weitere Städte, nämlich - geordnet nach ihrer Einwohnerzahl - Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Essen, Dortmund, Düsseldorf, Bremen und Duisburg. Außerdem werden hier erstmals auch Städte mit knapp unter einer halben Million Einwohner einbezogen, nämlich die beiden sächsischen Städte Leipzig und Dresden sowie die fränkische Großstadt Nürnberg mit 2001 rund 493 000, 478 100 bzw. 490 000 Einwohnern. Bruttoinlandsprodukt und andere Eckdaten 1995 bis 2001 Im Jahre 2001 lag Stuttgart unter den Städten Deutschlands hinsichtlich der Bevölkerungsgröße mit 585 000 Einwohnern an achter Stelle, knapp hinter Essen (594 000 Einwohner) und Dortmund (589 000 Einwohner), aber noch vor Düsseldorf (570 000 Einwohner), bezüglich des Bruttoinlandsprodukts zu Marktpreisen 3 mit 30,5 Mrd. i jedoch an siebter Stelle, und zwar hinter Düsseldorf (36,2 Mrd. i), aber deutlich vor Essen (18,7 Mrd. i) und Dortmund (14,9 Mrd. i); vgl. hierzu Abbildung 1 und Tabelle 1. Das Bruttoinlandsprodukt Stuttgarts war also im Jahre 2001 mehr als doppelt so hoch wie dasjenige der bevölkerungsmäßig sogar etwas größeren Stadt Dortmund. Im Vergleich zu diesen vier Städten waren auch im Jahre 2001 Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main bevölkerungs- und wirtschaftsstärker. Sowohl mittel- als auch kurzfristig hat sich Stuttgart bei Bevölkerung und Wirtschaftskraft als Großstadt relativ günstig entwickelt: Die Zahl der Einwohner hat 2001 gegenüber dem Vorjahr 2000 um 0,5 Prozent zu- und gegenüber 1995 um 0,3 Prozent abgenommen 4, das Bruttoinlandsprodukt stieg 2001 gegenüber dem Vorjahr um 3,6 Prozent und gegenüber 1995 um 17,3 Prozent jeweils stärker an als in Deutschland insgesamt mit + 2,0 bzw. + 15,0 Prozent bzw. bei der Summe aller Großstädte mit + 2,7 bzw. + 12,4 Prozent. Bei allen vier genannten Entwicklungskennziffern kam Stuttgart auf den 4. oder 5. Platz unter den hier untersuchten 14 Großstädten, wobei nur Hamburg und München durchgehend eine jeweils bessere Entwicklung aufweisen konnten. Nicht ganz so günstig schnitt Stuttgart bei der Entwicklung der Erwerbstätigen ab; mit + 0,4 Prozent gegenüber 2000 bzw. + 5,1 Prozent gegenüber 1995 war die Zuwachsrate im Jahre 2001 zwar gleich hoch bzw. leicht höher als in Deutschland insgesamt (+ 0,4 bzw. + 4,1 ), jedoch standen neun Großstädte in kurzfristiger und fünf Großstädte in mittelfristiger Sicht besser da als Stuttgart. Eine überdurchschnittliche Steigerung des Bruttoinlandsprodukts, verbunden mit einer gerade durchschnittlichen Entwicklung bei den Erwerbstätigen bedingt auf der anderen Seite eine besonders starke Zunahme der Arbeitsproduktivität:

Abbildung 1: Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen insgesamt und Bruttowertschöpfung im Produzierenden Gewerbe in den 14 größten Städten Deutschlands 2001 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 76,19 73,57 Berlin 65,67 46,76 Duisburg Bruttoinlandsprodukt Produzierendes Gewerbe 39,12 36,16 Köln 30,54 20,10 18,65 19,40 Hamburg München Frankfurt Düsseldorf Stuttgart Nürnberg 14,94 11,51 10,55 12,16 Essen Bremen Dortmund Dresden Leipzig Beim Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen (vgl. Tabelle 1 und Abbildung 2) konnte Stuttgart im Jahre 2001 im Vergleich zum Vorjahr mit + 3,2 Prozent den höchsten Zuwachs unter allen Großstädten und gleichzeitig eine doppelt so starke Entwicklung wie in Deutschland insgesamt (+ 1,6 ) verzeichnen, im Vergleich zu 1995 lag die Zunahme mit + 11,7 Prozent nahezu auf gleicher Höhe mit Hamburg und München, aber relativ deutlich hinter Dresden (+ 18,7 ), Bremen (+ 15,6 ) und Nürnberg (+ 13,0 ). Dresden, Bremen und Nürnberg zeichnen sich übrigens - ähnlich wie Stuttgart - durch einen für Großstädte beachtlich hohen Anteil des Produzierenden Gewerbes bzw. des Verarbeitenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung aus, was durchaus als eine Erklärung für die hohe Produktivitätsausweitung dieser vier Städte dient. Tabelle 1: Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen insgesamt und je Erwerbstätigen der 14 größten Städte Deutschlands 2001 329 Gebietseinheit Bruttoinlandsprodukt Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen (ET) Tsd. 2000 1995 je ET 2000 1995 Berlin 76,19 + 0,6-1,6 48,960 + 1,0 + 2,0 Hamburg 73,57 + 2,3 + 15,9 69,891 + 1,7 + 11,9 München 65,67 + 4,7 + 20,1 69,833 + 1,5 + 11,8 Köln 39,12 + 0,0 + 11,3 62,476-0,9-0,1 Frankfurt am Main 46,76 + 4,6 + 18,2 77,891 + 2,2 + 7,5 Essen 18,65 + 3,5 + 9,2 60,744 + 2,3 + 2,1 Dortmund 14,94 + 1,7 + 9,0 53,930 + 1,0 + 6,0 Stuttgart 30,54 + 3,6 + 17,3 66,580 + 3,2 + 11,7 Düsseldorf 36,16 + 3,1 + 19,3 78,979 + 1,9 + 12,2 Bremen 19,40 + 2,7 + 16,6 59,020 + 1,9 + 15,6 Duisburg 12,16 + 0,9 + 6,8 55,781 + 1,5 + 1,7 Leipzig 10,55 + 2,5 + 6,4 39,294 + 2,2 + 4,4 Nürnberg 20,10 + 1,5 + 13,2 57,919 + 1,3 + 13,0 Dresden 11,51 + 4,3 + 21,3 40,625 + 2,9 + 18,7 Alle Großstädte 475,32 + 2,7 + 12,4 61,555 + 1,7 + 9,0 Deutschland 2 071,20 + 2,0 + 15,0 53,221 + 1,6 + 10,4

330 Abbildung 2: Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen je Erwerbstätigen in den 14 größten Städten Deutschlands 2001 Tsd. 80 70 60 50 40 30 20 10 0 78,979 77,891 69,891 69,833 66,580 62,476 60,744 59,020 57,919 55,781 53,930 48,960 Düsseldorf Frankfurt Hamburg München Stuttgart Köln Essen Bremen Nürnberg Duisburg Dortmund 40,625 39,294 Berlin Dresden Leipzig Produzierendes Gewerbe Die Bedeutung des Produzierenden Gewerbes für Stuttgart ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert: Erstens: Mit einem Anteil an der gesamten Bruttowertschöpfung von 33,2 Prozent, also etwa einem Drittel, wurde für das Produzierende Gewerbe Stuttgarts 2001 nicht nur der höchste Wertschöpfungsanteil unter allen Großstädten gemessen, zusätzlich wurde auch die entsprechende Quote für Deutschland insgesamt (29,1 ) recht deutlich übertroffen; lediglich Duisburg (31,1 ) und Bremen (29,7 ) waren 2001 ebenfalls überdurchschnittlich stark auf das Produzierende Gewerbe ausgerichtet (vgl. Tabelle 2). Für die Summe aller Großstädte wurde ein entsprechender Anteilswert in Höhe von 20,8 Prozent ermittelt; er wurde außer den bereits genannten Städten noch von Nürnberg (26,9 ), Dresden (25,1 ), München (23,2 ) und Essen (22,9 ) übertroffen. Tabelle 2: Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen im Produzierenden Gewerbe der 14 größten Städte Deutschlands 2001 Gebietseinheit Bruttowertschöpfung (BWS) im Produzierenden Gewerbe Anteil an BWS insgesamt 2000 1995 1995 2001 Berlin 13,36-2,6-19,9 23,0 18,8 Hamburg 12,81 + 5,9 + 9,9 19,6 18,7 München 14,16 + 3,1 + 8,7 25,4 23,2 Köln 6,02 + 2,5-7,1 19,7 16,5 Frankfurt am Main 7,07 + 2,8 + 0,5 18,9 16,2 Essen 3,97 + 0,6-19,9 30,9 22,9 Dortmund 2,56-0,8-24,2 26,3 18,4 Stuttgart 9,45 + 4,6 + 22,3 31,6 33,2 Düsseldorf 4,16 + 0,0-12,7 16,7 12,3 Bremen 5,37 + 3,1 + 15,1 29,9 29,7 Duisburg 3,53 + 0,0-19,5 41,0 31,1 Leipzig 1,80 + 1,5-23,0 25,1 18,3 Nürnberg 5,03-1,3-1,6 30,7 26,9 Dresden 2,69 + 8,7 + 27,9 23,9 25,1 Alle Großstädte 92,00 + 2,1-2,5 23,8 20,8 Deutschland 561,71 + 1,3 + 3,6 32,1 29,1

Zweitens: Im mittelfristigen Vergleich 1995 bis 2001 konnte Stuttgart die Bruttowertschöpfung des Produzierenden Gewerbes mit + 22,3 Prozent nach Dresden (+ 27,9 ) unter allen Großstädten am kräftigsten ausbauen, in Deutschland insgesamt waren es nur + 3,6 Prozent. Abgesehen von Dresden und Stuttgart hat dieser Wirtschaftsbereich unter den Großstädten nur noch in Bremen (+ 15,1 ), in Hamburg (+ 9,9 ), in München (+ 8,7 ) und in Frankfurt am Main (+ 0,5 ) zugenommen. Für die Summe aller Großstädte ergab sich ein Rückgang des Produzierenden Gewerbes um 2,5 Prozent. Er war innerhalb dieser sechs Jahre besonders ausgeprägt in Dortmund (- 24,2 ), in Leipzig (- 23,0 ), in Berlin und in Essen (jeweils - 19,9 ) sowie in Duisburg (- 19,5 ) - in Städten also, wo in relativ kurzer Zeit und aus teilweise unterschiedlichen Gründen erhebliche strukturelle Veränderungen stattgefunden haben. Auch kurzfristig, also gegenüber dem Jahr 2000, ist das Produzierende Gewerbe in Stuttgart im Jahre 2001 mit + 4,6 Prozent deutlich stärker als in Deutschland insgesamt (+ 1,3 ) angestiegen; nur in Dresden mit + 8,7 Prozent und in Hamburg mit + 5,9 Prozent war der Zuwachs noch stärker ausgeprägt als in Stuttgart. Die Wirtschaftskraft des Produzierenden Gewerbes wird überwiegend durch das Verarbeitende Gewerbe bestimmt. Bei einer näheren Betrachtung dieses Wirtschaftszweigs bis zum Jahre 2000 kommt die Besonderheit Stuttgarts noch deutlicher zum Ausdruck: Als einzige Großstadt konnte die Landeshauptstadt Baden- Württembergs im Jahre 2000 beim Verarbeitenden Gewerbe mit 26,5 Prozent einen Wertschöpfungsanteil von über einem Viertel aufweisen. Über dem nationalen Durchschnitt von 22,2 Prozent im Jahre 2000 lag diese Quote außerdem noch in Duisburg (24,8 ), in Bremen (24,1 ) und in Nürnberg (22,4 ); bereits weniger als ein Viertel umfasste der Wertschöpfungsbeitrag des Verarbeitenden Gewerbes in München mit 19,4 Prozent. Fast noch bemerkenswerter ist, dass das Verarbeitende Gewerbe in Stuttgart seinen Anteil an der gesamten Wertschöpfung zwischen 1996 und 2000 um einen Prozentpunkt, nämlich von 25,5 auf 26,5 Prozent, ausbauen konnte. Unter den hier betrachteten Großstädten fand eine Anteilsausweitung außerdem nur in Bremen (Erhöhung von 21,6 auf 24,1 ) und vor allem in Dresden (von 8,0 auf 14,0 ) statt; für Hamburg wurde praktisch eine Stagnation gemessen (1996: 14,0 ; 2000: 13,9 ), ebenso für Deutschland insgesamt mit 1996 und 2000 jeweils 22,2 Prozent. Während die Bruttowertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes innerhalb dieses Zeitraums in Deutschland um 9,4 Prozent zugenommen hat, waren es in Stuttgart + 14,1 Prozent. Dienstleistungsbereiche Wegen des in Großstädten nur marginalen Anteils des Bereichs Landund Forstwirtschaft, Fischerei an der gesamten Bruttowertschöpfung (im Jahre 2001 wurde in keiner dieser Städte ein Anteil von mehr als 0,2 gemessen), ergibt sich die Bedeutung des dritten großen Wirtschaftsbereichs, also der Dienstleistungsbereiche, spiegelbildlich zu derjenigen des Produzierenden Gewerbes. Wie Tabelle 3 zeigt, weist Stuttgart bei den Dienstleistungsbereichen den geringsten Wertschöpfungsanteil unter den Großstädten auf - mit 66,7 Prozent, also genau zwei Dritteln, lag er im Jahre 2001 nicht nur unter der entsprechenden Quote für Deutschland (69,7 ), er war außerdem um fast ein Viertel niedriger als in Düsseldorf, wo für 2001 mit 87,6 Prozent der höchste Dienstleistungsanteil aller Kreise in Deutschland gemessen wurde. Für die Großstädte zusammengenommen wurde eine Quote in Höhe von 79,1 Prozent ermittelt. Wie bereits früher ausgeführt, erklärt sich die relativ schwache Stellung und Entwicklung der Dienstleistungsbereiche in Stuttgart hauptsächlich aus dem Teilbereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr sowie eingeschränkt den öffentlichen und privaten Dienstleistern, wogegen der Teilbereich Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister auch in Stuttgart zu den wichtigen und eher dynamischen Wirtschaftsbereichen gehört. Dies geht für den Zeitraum 1996 bis 2000 aus dem Vergleich mit Deutschland insgesamt hervor: Danach hat die Bruttowertschöpfung bei den unternehmensnahen Dienstleistungen in Deutschland um 14,7 Prozent und in Stuttgart um 13,2 Prozent zugenommen, bei den öffentlichen und privaten Dienstleistern war der Wachstumsabstand zwischen der Entwicklung in Deutschland (+ 7,7 ) und derjenigen in Stuttgart (+ 6,3 ) ähnlich hoch. Ganz anders hat es sich dagegen bei Handel, Gastgewerbe und Verkehr verhalten; während in Deutschland insgesamt dieser Teilbereich mit einer Wertschöpfungszunahme um 17,3 Prozent der dynamischste Dienstleistungsbereich war, wurde für Stuttgart ein Rückgang der nominalen Bruttowertschöpfung um 1,4 Prozent ermittelt. Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Wirtschaftsstruktur Mit Blick auf die Dominanz des Produzierenden Gewerbes in Stuttgart erscheint es lohnenswert, kurz auf die Zusammenhänge zwischen Produzierendem Gewerbe und gesamtwirtschaftlichem Wachstum einzugehen. Nimmt man die sechs Städte mit dem zwischen 1995 und 2001 höchsten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts, nämlich Dresden (+ 21,3 ), München (+ 20,1 ), Düsseldorf (+ 19,3 ), Frankfurt am Main (+ 18,2 ), Stuttgart (+ 17,3 ) und Bremen (+ 16,6 ), dann fällt auf, dass sich vier dieser genannten Städte durch einen hohen Anteil des Produzierenden Gewerbes bzw. des Verarbeitenden Gewerbes auszeichnen, nämlich Dresden, München, Stuttgart und Bremen. Allerdings gehören zu den be- 331

Tabelle 3: Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen in den Dienstleistungsbereichen der 14 größten Städte Deutschlands 2001 Gebietseinheit Bruttowertschöpfung (BWS) in den Dienstleistungsbereichen Anteil an BWS insgesamt 2000 1995 1995 2001 Berlin 57,51 + 1,5 + 3,1 76,8 81,0 Hamburg 55,58 + 1,5 + 16,4 80,2 81,1 München 46,99 + 5,3 + 22,7 74,6 76,8 Köln 30,41-0,3 + 14,8 80,3 83,4 Frankfurt am Main 36,45 + 5,1 + 21,2 81,0 83,7 Essen 13,39 + 4,4 + 21,0 69,0 77,1 Dortmund 11,35 + 2,3 + 19,8 73,7 81,5 Stuttgart 18,97 + 3,3 + 13,7 68,3 66,7 Düsseldorf 29,51 + 3,6 + 24,7 83,2 87,6 Bremen 12,69 + 2,7 + 16,1 70,0 70,2 Duisburg 7,79 + 1,4 + 23,6 59,0 68,8 Leipzig 8,01 + 2,8 + 15,1 74,7 81,5 Nürnberg 13,68 + 2,7 + 18,5 69,3 73,1 Dresden 8,01 + 3,0 + 18,0 76,2 74,7 Alle Großstädte 350,32 + 2,8 + 16,1 76,1 79,1 Deutschland 1 343,91 + 2,4 + 19,3 66,6 69,7 332 sonders wachstumsstarken Großstädten auch die typischen Dienstleistungsstädte Düsseldorf und Frankfurt am Main, die im Jahre 2001 mit 87,6 bzw. 83,7 Prozent den höchsten Dienstleistungsanteil aufgewiesen haben. Es ist also keineswegs so, dass Wirtschaftswachstum überwiegend durch den Dienstleistungsbereich getragen wird, vielmehr scheint es gerade eine gesunde Mischung zwischen einem leistungsstarken und dynamischen Produzierenden Gewerbe und einem davon teilweise mitgetragenen, unternehmensnahen Dienstleistungsgewerbe zu sein, die eine gute wirtschaftliche Entwicklung gewährleistet. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang ein Vergleich der beiden ostdeutschen Städte Dresden und Leipzig: Wie ausgeführt hat das Bruttoinlandsprodukt zwischen 1995 und 2001 in Dresden mit + 21,3 Prozent am stärksten unter allen Großstädten zugenommen, während Leipzig mit einem Wachstum von + 6,4 Prozent die nach Berlin (- 1,6 ) schlechteste Entwicklung unter den Großstädten zu verzeichnen hatte. Die Ursache hierfür ist eindeutig im Produzierenden Gewerbe zu suchen, wo dem stärksten Wertschöpfungsanstieg in Dresden (+ 27,9 ) der nach Dortmund (- 24,2 ) stärkste Wachstumsverlust in Leipzig (- 23,0 ) gegenüber stand. Beide Städte waren in diesem Zeitraum durch den für Ostdeutschland kennzeichnenden Kapazitätsabbau im Baugewerbe geprägt. Ein entsprechender Wertschöpfungsrückgang konnte jedoch in Dresden durch eine ungefähre Verdoppelung der Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe von 0,74 auf 1,44 Mrd. i (+ 93,5 ) mehr als ausgeglichen werden, während in Leipzig die Wertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes von einem 1996 ähnlich hohen Niveau (0,72 Mrd. i) bis zum Jahre 2000 auf 0,68 Mrd. i (- 5,6 ) abnahm. Die in Dresden früher begonnene Ansiedlung hochproduktiver Industriebetriebe hat sich also schon positiv in der Wertschöpfung niedergeschlagen. Bei den Dienstleistungsbereichen war dagegen die Wertschöpfungszunahme in Dresden zwischen 1995 und 2001 mit + 18,0 Prozent nicht viel höher als in Leipzig mit + 15,1 Prozent; beide Städte haben sich damit im Rahmen der Entwicklung aller Großstädte (+ 16,1 ) bzw. in Deutschland insgesamt (+ 19,3 ) bewegt. Gleiches trifft auf die unternehmensnahen Dienstleistungen zu, wo die Wertschöpfungssteigerung zwischen 1996 und 2000 in Dresden mit + 12,9 Prozent etwas höher lag als in Leipzig mit + 10,6 Prozent und damit nur leicht unter der Entwicklung in Stuttgart (+ 13,2 ) bzw. in Deutschland insgesamt (+ 14,8 ) blieb.

1 Der Autor war Referent im Statistischen Landesamt Baden-Württemberg und dort unter anderem für Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen zuständig. 2 Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder - Kreisergebnisse Reihe 2 Band 1: Bruttoinlandsprodukt, Bruttowertschöpfung in den kreisfreien Städten und Landkreisen Deutschlands 1992 und 1994 bis 2001, herausgegeben vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg im Auftrag des aus den Statistischen Landesämtern der 16 Bundesländer, dem Statistischen Bundesamt und dem Bürgeramt, Statistik und Wahlen, Frankfurt a. M. bestehenden Arbeitskreises Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder, Stuttgart 2003. 3 Erstmals wird in Untersuchungen für diese Schriftenreihe auf das inzwischen auch für Städte und Landkreise berechnete Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen Bezug genommen. Es ergibt sich aus der zuvor zugrunde gelegten Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen durch Abzug der unterstellten Bankgebühr und Addition der Gütersteuern abzüglich Gütersubventionen. Vgl. Münzenmaier, Werner: Die Wirtschaftskraft deutscher Großstädte - Struktur und Entwicklung der Bruttowertschöpfung bis 2000, in: Statistik und Informationsmanagement, 62. Jg. (2002), Monatsheft 3, S. 62. 4 Als Eckjahr für die mittelfristige Entwicklung wurde das Jahr 1995 gewählt, und zwar aus zwei Gründen: Zum einen werden in der in Fußnote 2 zitierten Gemeinschaftsveröffentlichung Messziffern zum Basisjahr 1995 nachgewiesen, zum anderen liegen für die sächsischen Städte keine Wertschöpfungsdaten für das Jahr 1992 vor. 333