Montanarchäologische Forschungen in Ramsbeck: Zwischen Metall und Markt. Kommunikationswege und Ressourcenerschließung im Hochsauerland.

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Transkript:

Montanarchäologische Forschungen in Ramsbeck: Zwischen Metall und Markt. Kommunikationswege und Ressourcenerschließung im Hochsauerland. Seit Frühjahr 2015 erforschen die Universitäten Hamburg und Mainz (Dr. habil. P. Haupt) gemeinsam mit Dr. Martin Straßburger, der Arbeitsstelle des Amtes für Archäologie für Westfalen Olpe (Dr. M. Zeiler) sowie dem Sauerländer Besucherbergwerk (Dr. Sven-Hinrich Siemers) in einem interdisziplinären Projekt die ältesten Bergbauspuren im Hochsauerland. Die bislang ältesten Nachweise für Bleiabbau im Hochsauerland gehören in die römische Kaiserzeit und können auf der Briloner Hochfläche lokalisiert werden. Dort wurde nach aktuellem Stand der Forschung oberflächennah im Tagebau Blei abgebaut, verhüttet und ins Imperium Romanum verhandelt. Eine altbekannte Fundstelle, von der mehrere Dutzend sog. Bleibarren stammen, ist Brilon-Altenbüren. Das Team hat diese Fundstelle geophysikalisch untersucht. Den Messergebnissen und der Fundzusammensetzung ist zu entnehmen, dass es sich bei der Fläche in der Nähe einer Quelle offenbar um eine Siedlungsstelle handelt und die Verhüttung des Erzes andernorts stattgefunden haben muss. Ganz in der Nähe ist beim Ort Bleiwäsche am Nordrand des Briloner Massenkalkes eine solche kaiserzeitliche Bleiverhüttung nachgewiesen worden (Abb. 1; 2; 3). Abb. 1 Funde von Bleibarren bei Brilon (Karte: M. Straßburger) Abb. 2 Geomagnetische Untersuchungen in Brilon-Altenbüren

Abb. 3 Ergebnisse der geomagnetischen Messungen In Ramsbeck wiederum waren die ertragreichen Erzgänge obertägig nicht gut erreichbar; und doch gehört Ramsbeck nach dem aktuellen Stand der Forschung zu den ältesten Montanorten des Sauerlandes. Keramik und ein C14 Datum aus der Umgebung des sog. Venetianerstollens legen den Beginn der Abbautätigkeit am Bastenberg und Dörnberg bereits im Hochmittelalter nahe. Erst für das ausgehende Mittelalter gibt es wenige Schriftquellen zum Bergbau vor Ort. Im 16. Jh. häufen sich die Nachrichten über meist nicht mehr lokalisierbare Gruben in Ramsbeck und Umgebung. Hier wurden im großen Stil Blei und Kupfer abgebaut, was sich urkundlich immer wieder in territorialen Streitigkeiten niederschlägt. Im 18. Jh. sind hier vor allem Privatunternehmer fassbar, während die Region ihre bis dahin landeszentrale Bedeutung für Westfalen wohl verloren hatte. International bedeutend wurde das Erzrevier Ramsbeck in den 1850er Jahren. Zu der Zeit wurden auf einen Schlag ein großes Industriegebiet mit mehreren Hütten, Aufbereitungsanlagen sowie hunderten Wohnungen für überregional angeworbene Bergarbeiter errichtet. Im Dritten Reich sowie den Nachkriegsjahrzehnten wurde die Zinkproduktion in Ramsbeck weiter ausgebaut, bevor niedrige Metallpreise aus Übersee 1974 dem Bergbau vor Ort ein vorläufiges Ende setzten.

Das Besondere am Ramsbecker Erzabbaurevier ist, dass sich hier große Teile dieser Baumaßnahmen und Veränderungen, die über Jahrhunderte ausschließlich dem Impuls des Bergbaus folgten, erhalten haben. Ziel des Projektes ist es, also die Kulturlandschaftsgenese des Erzabbaugebietes Ramsbeck und seiner Umgebung durch die Jahrhunderte und mit Hilfe interdisziplinärer Methoden nachzuvollziehen, bzw. zu rekonstruieren. Im Fokus sollen die Abbaurelikte und Transportwege sowie die Befunde im Zusammenhang mit der Weiterverarbeitung des Erzes stehen. Wie, wann und in welchem Maße gestaltete der Mensch die Naturlandschaft durch den Bergbau in eine Kulturlandschaft um? Welche alten Spuren sind davon noch obertägig sichtbar oder als archäologisches Bodendenkmal im Gelände erhalten? Darüber hinaus sollen die Studierenden vom Austausch verschiedener Lehrund Forschungsmethoden der beiden Universitäten profitieren und den Umgang mit Vermessungs- und Prospektionsgerät lernen. Hauptanliegen ist, zunächst zu ermitteln, was an archäologischen Bergbaurelikten noch vorhanden ist. Lassen sich weitere Belege zum mittelalterlichen Bergbau neben dem Venetianerstollen finden und wo genau lassen sich die ältesten Abbauspuren lokalisieren? Ist der frühneuzeitliche Bergbau im Gelände noch sichtbar? Haben sich die Transportwege geändert bzw. wo verliefen diese vor dem Ausbau des Eisenbahnnetzes? In einer ersten Kampagne 2015 wurden daher zunächst die Airborne Laserscanning- Daten der Region auf entsprechende Anomalien (Pingen, Halden etc.) hin ausgewertet und diese dann vor Ort untersucht. Erste Begehungen erbrachten mittelalterliche Keramik an der Halde des Venetianerstollens und eine neuzeitliche Bergschmiede etwas weiter östlich. Dutzende Fragmente von Loren, Schienen und Gezähe wurden exakt eingemessen. Darüber hinaus wurden Überreste des Artillerieangriffs vom 7. April 1945 am Ostrand des Bastenberges dokumentiert (Abb. 4). Abb. 4 Kartierung der Einzelfunde entsprechend deren Datierung

Diesen ersten Begehungen zufolge sieht es so aus, als hätten die ältesten Spuren von Bergbau rund um den Venetianerstollen die Jahrhunderte am besten überstanden. Ein weiteres Grubenfeld befindet sich an der Westseite des Bastenberges. Auch dort sind obertägig Pingen und Halden zu erkennen deren Datierung ist bislang aber gänzlich unbekannt (Abb. 5). Ein Pochstein deutet allerdings auf mittelalterlichen bis frühneuzeitlichen Bergbau hin (Abb. 6). Die Studierenden dokumentierten sämtliche Funde am Ende der Kampagne in den Räumlichkeiten des Sauerländer Besucherbergwerkes (Abb. 7). Abb. 5 Pingenfeld am westlichen Bastenberg Abb. 6 Pochstein Abb. 7 Fundbearbeitung im Museum Während der zweiten Kampagne im Frühjahr 2016 konzentrierten sich die Arbeiten auf Probenentnahme für die Datierung der Bergbautätigkeiten, die im Jahr zuvor prospektiert wurden. So konnten aus zwei Halden im Bereich östlich des Bastenberges Holzkohlefragmente gewonnen werden. In der Nähe des Venetianerstollens wurden zwei weitere Halden beprobt. Der Stollen selbst wurde tachymetrisch vermessen, womit nun ein Abgleich des untertägigen Verlaufes mit den im Gelände noch sichtbaren obertägigen Spuren möglich ist. Hier bot sich den Teilnehmern der Kampagne die seltene Möglichkeit, im Rahmen ihres Studiums eine Vermessung Untertage mit allen damit verbundenen Herausforderungen durchzuführen (Abb. 8). Abb. 8 Vermessung mit Tachymeter im Venetianerstollen (Foto: P. Haupt)

Darüber hinaus wurden die noch sichtbar erhaltenen Reste der Bleihütte aus den 1850er Jahren im Ort selbst mit einem 3-D-Laserscanner dokumentiert. Das Denkmal ist schwer beschädigt und gehört vermutlich zum letzten noch erhaltenen Bleiofen aus dieser Zeit. Hier führen weitere Forschungen zunächst in historische Archive (Abb. 9). Abb. 9 Laserscanning an der Bleihütte in Ramsbeck Ergebnisse zu den Datierungen der einzelnen Halden in den zwei Abbaugebieten werden für Ende 2016 erwartet. Auf deren Basis sollen weitere Geländearbeiten stattfinden, die uns damit den ältesten Abbauspuren in und um Ramsbeck näher bringen. Die Forschungen der beiden Universitäten sollen zunächst in einer Sonderausstellung im Herbst 2016 im Sauerländer Besucherbergwerk münden. Nicht zuletzt dienen diese Prospektionen dem Zwecke der Ausbildung von Studenten, da die Feldforschung nach wie vor die einzige Möglichkeit ist, archäologische Geländearbeit, sowie den Umgang mit Geräten und Vermessung zu vermitteln. Die Archäologischen Forschungen zum alten Bergbau in Ramsbeck trafen auf ein breites Interesse der lokalen Bevölkerung und wurden vielseitig unterstützt. Wir bedanken uns in diesem Sinne bei dem Freizeitpark Fort Fun, dem Förderverein Sauerländer Besucherbergwerk Bestwig-Ramsbeck e.v., der Sachtleben Bergbau Verwaltungs-GmbH, bei Herrn Dieter Werder aus Ramsbeck sowie der Abteilung Forschung und Wissenschaftsförderung der Universität Hamburg, die die bisherigen montanarchäologischen Forschungen möglich gemacht haben.