Gründungsquoten von über 70% fanden wir bei Dienstleistern (70%), freien Berufen (72%), Handwerk (72 %) und Handelsvertretern (77%).

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Transkript:

Seite 15 8.2 Unterschiede zwischen den Branchen Gründungsquoten von über 70% fanden wir bei Dienstleistern (70%), freien Berufen (72%), Handwerk (72 %) und Handelsvertretern (77%). Im Vergleich zu unserer Umfrage in 2003 hat das Handwerk enorm von 50% aus 72% zugelegt. Hier macht sich wahrscheinlich die Lockerung der Handwerksordnung bemerkbar. Gering sind die Gründungsquoten im Gastgewerbe (22%) und im Reisebürogewerbe (25%). Die hier gefundenen Unterschiede sind mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von weniger als 1% signifikant.

Seite 14 ne Korrelation von Phi=0,33 statistisch signifikant. Zunächst liegt es natürlich auf der Hand, dass Personen, die arbeitslos sind, unter einem höheren Handlungsdruck stehen als abhängig Beschäftigte. Auf der anderen Seite könnte man hingegen vermuten, dass abhängig Beschäftigte bessere Chancen haben, ein Unternehmen zu gründen, da sie unter anderem eine höhere Kreditwürdigkeit bei Banken und eine bessere Möglichkeit zur Eigenkapitalbildung besitzen.

Seite 13 8. Gründungsfaktoren Im Folgenden wird untersucht, welche Faktoren Existenzgründungen beeinflussen. Für Leser, die mit den hier angewandten statistischen Berechnungen nicht vertraut sind, folgt zunächst eine Kurzeinführung in die Grundlagen der Statistik. Korrelationen: Korrelationen sind ein Maß dafür, inwieweit die Ausprägung einer Variablen (z.b. Unternehmen gegründet/nicht gegründet/gründung geplant) mit der Ausprägung anderer Variablen korrespondiert. Eine Übersicht über die verschiedenen Berechnungsverfahren findet man bei Bortz, Statistik, Berlin 1979, Seite 269 ff.. Dabei bedeutet eine Korrelation von 0, dass kein Zusammenhang besteht. Eine Korrelation mit einem Wert >0 und <=1 bedeutet, dass ein positiver Zusammenhang zwischen zwei Variablen besteht (z.b. wenn die Gründungsquote mit der Höhe des Schulabschlusses steigen würde). Eine Korrelation mit einem Wert <0 und <= -1 bedeutet, dass der Zusammenhang zwischen zwei Variablen negativ ist (z.b. wenn die Gründungsquote mit der Höhe des Schulabschlusses sinken würde). Signifikanztests geben Auskunft darüber, ob gefundene Korrelationen zufällig zustande gekommen sind oder nicht. Allgemein geht man davon aus, dass eine Korrelation signifikant ist, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass sie zufallsmäßig zustande gekommen ist, kleiner gleich 5% beträgt. Problematisch ist stets die Interpretation von Korrelationen, da der statistische Zusammenhang zwischen zwei Variablen entweder bedeuten kann, dass Variable A Variable B beeinflusst, oder dass Variable B Variable A beeinflusst, oder dass es eine unbekannte dritte Variable C gibt, die sowohl A als auch B beeinflusst. Autopoietische Theorien gehen hingegen davon aus, dass sich A und B wechselseitig beeinflussen, also keine linearen, sondern zyklische Kausalitäten bestehen. Testen von Unterschieden: Hier wird untersucht, inwieweit Unterschiede, die man zwischen zwei Gruppen gefunden hat (z.b. Unternehmensgründer/keine Unternehmensgründer) zufällig zustande gekommen sind oder nicht. Wie bei Korrelationen wird auch hier ein Signifikanztest durchgeführt. Der interessierte Leser findet diese Techniken ebenfalls bei Bortz, Seite 155-206, näher erläutert. 8.1 Demographische Faktoren Die in dieser Untersuchung erhobenen demographischen Daten Geschlecht, Schulabschluss und Beruf zeigen weder signifikante Korrelationen noch signifikante Unterschiede zwischen Personen, die ein Unternehmen gegründet haben und solchen, die ihre Gründungsabsicht verworfen haben oder bei denen die Gründung noch geplant ist. Es deutet sich jedoch an, dass Personen mit Gesellenbrief, Meisterabschluss oder Studium eine leicht erhöhte Gründungsquote zeigen. Dieser Unterschied ist aber nur auf einem 10%-Niveau signifikant. Ganz anders sieht es jedoch mit dem sozialen Status aus: Während wir unter arbeitslosen Seminarbesuchern eine Gründungsquote in Höhe von 67% fanden, sind Personen, die einen Arbeitsplatz besitzen, bedeutend zurückhaltender: Hier beträgt die Gründungsquote lediglich 50%. Dieser Unterschied ist ebenso wie ei-

Seite 12 7. Warum Existenzgründungen scheitern Wir wollten ebenfalls in Erfahrung bringen, warum Existenzgründungsabsichten nicht in die Tat umgesetzt wurden. In rund 73% der Fälle, in denen die Gründungsabsicht aufgegeben wurde, gaben die Befragten an, sie hätten einen Arbeitsplatz gefunden. In weiteren 18% der Fälle, in denen nicht gegründet wurde oder die Gründung verschoben wurde, gaben die Befragten an, sie hätten von der Hausbank nicht die notwendigen Kredite erhalten. Gegenüber unserer letzten Befragung hat sich dieser Wert deutlich erhöht. Und auch behördliche Hindernisse spielen eine Rolle: 5% der Gründer, die ihr Vorhaben nicht realisierten, gaben fehlende behördliche Genehmigungen als Grund für die Aufgabe an.

Seite 11 6. Fördermittel Die wichtigste Förderstelle für Existenzgründer ist derzeit die Agentur für Arbeit. Überbrückungsgeld 68% Ich-AG 21% ESF 9% Kfw-Darlehen 14% Rund 90% der Seminarteilnehmer, die sich selbständig machten, nahmen entweder das Überbrückungsgeld oder die Ich-AG in Anspruch. Beihilfen aus dem Europäischen Sozialfond (ESF) und Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) spielen nur eine untergeordnete, wenn auch im Einzelfall sehr wichtige Rolle. Sofern KfW-Darlehen benutzt wurden, handelt es sich hierbei in 70% der Fälle um Darlehen mit Haftungsfreistellungen für die Hausbank. Kfw-Darlehen ESF Ich-AG Überbrückungsgeld Leider ist die Zahl der Gründer, die mit Mitteln der Agentur für Arbeit gefördert werden, insgesamt seit 2004 stark rückläufig von 2004 bis 2006 um voraussichtlich 40%. Dies liegt vor allem daran, dass der Kreis der förderfähigen Personen immer mehr eingeengt wird. So konnten bis Mitte 2005 Arbeitnehmer bei Eigenkündigung ebenfalls Überbrückungsgeld beantragen, wenn unmittelbar nach der Kündigung das Gewerbe eröffnet wurde. Die früheren Empfänger von Arbeitslosenhilfe, heute Hartz IV, sind seit Beginn der Jahres 2005 von der Förderung mit Überbrückungsgeld und Ich-AG ausgeschlossen. Das Hartz IV Empfängern zur Verfügung stehende Einstiegsgeld, auf das es keinen Rechtsanspruch gibt, wurde im April 2006 gerade einmal 1343 mal genutzt eine verschwindend geringe Zahl angesichts mehrerer Millionen Langzeitarbeitsloser.

Seite 10 5. Beurteilung des Existenzgründerseminars durch die Unternehmer Von großem Interesse ist auch die Frage, wie die frisch gebackenen Unternehmer im Nachhinein die Bedeutung des Seminars für Ihre Gründung beurteilen. Standardmäßig wird hierzu am Ende eines jeden Seminars ohnehin eine Teilnehmerbefragung durchgeführt, bei der die Seminare des IEU in der Regel eine sehr positive Bewertung durch die angehenden Gründer erfahren. Diese positive Bewertung verändert sich mit den bei der Gründung gemachten Erfahrungen nicht. Auf die Frage, wie wertvoll das Seminar für die Gründung gewesen sei, erhielten wir die folgenden Antworten: sehr wertvoll 28% wertvoll 43% teilweise wertvoll 23% ohne Wert 6% teilweise wertvoll ohne Wert sehr wertvoll wertvoll

Seite 9 4. Arbeitsplätze Existenzgründer schaffen nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere Arbeitsplätze. Als wir im Dezember 2003 die Seminarteilnehmer aus 2003 befragten, gaben 22% der Selbständigen an, einen oder mehrere Arbeitsplätze geschaffen zu haben. Erfreulich ist, dass diese Zahl bis September 2005 auf 26% gestiegen ist. Anzahl 2003 2004 Mitarbeiter in 2004 in 2005 1 12% 15% 13% 2 2% 8% 3% 3 2% 2% 2% 4 3% 0% 0,5% 5 0,5% 1% 0% 6 1% 0% 0% 7 0% 0% 0,6% 8 0% 0% 0% 9 0,5% 0% 0% 10 1% 0% 0% Summe 22% 26% 19% Die Arbeitsplatzquote der selbständig tätigen Seminarbesucher aus 2004, die zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen haben, entspricht in etwa dem Wert, den wir bei unserer Befragung in 2004 bei den Seminarbesuchern aus 2003 fanden. Hochgerechnet bedeuten diese Werte, bezogen auf die Seminarbesucher aus 2003, folgendes: Von 100 Seminarbesuchern sind ca. zwei Jahre später durchschnittlich 75 selbstständig tätig. Diese 75 Unternehmer schaffen dann im Durchschnitt 31 neue Arbeitsplätze, so dass 100 Seminarbesucher im Durchschnitt 106 neue Arbeitsplätze (inkl. des Arbeitsplatzes des Gründers) ergeben.

Seite 8 Interessant ist in diesem Zusammenhang, wie sich die Gründungsquote bei den Teilnehmern der Seminare aus 2003 entwickelt hat. Diese waren bereits im Dezember 2003 erstmalig befragt worden (siehe: Wilfried Tönnis: Existenzgründerbefragung 2003). Gründungsquote 2003 2003 2005 Selbstständig 58% 75% Gründung geplant 31% 11% Keine Gründungsabsicht 10% 9% Betriebsaufgabe 1% 5% Erfreulich ist, dass die Gründungsquote der Seminarteilnehmer aus 2003, die im Dezember 2003 bei 58% lag, bis zum September 2005 noch einmal erheblich um 17%-Punkte auf 75% anstieg. Lediglich 5% der Seminarteilnehmer aus 2003 mussten ihren Betrieb wieder aufgeben das sind 6,25% derjenigen Seminarteilnehmer, die sich selbständig machten. 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% Selbstständig Gründung geplant Keine Gründungsabsicht Betriebsaufgabe R2 R1

Seite 7 Seminar IEU 98% Anderer Anbieter 1% Kein Seminarbesuch 1% Von den Teilnehmern, die in 2004 ein Seminar des IEU besuchten, sind derzeit 64% selbstständig tätig. Gründungsquote 2004 Selbstständig 64% Gründung geplant 21% Keine Gründungsabsicht 11% Betriebsaufgabe 4% Keine Gründungsabsicht Betriebsaufgabe Gründung geplant Selbstständig

Seite 6 Status 2004 2003 1997 Arbeitslos 57% 65% 49% Abhängig beschäftigt 18% 18% 27% Selbstständig 15% 9% 15% Sonstige 10% 9% 9% 3. Branchen und Gründungsquoten Eine deutliche Verschiebung im Vergleich zu 1997 konnten wir ebenfalls bei den Branchen feststellen, in denen gegründet wurde bzw. werden soll. Gegenüber den Ergebnissen der Umfrage 2003 gab es hingegen nur ausgesprochen geringfügige Verschiebungen: 2004 2003 1997 Dienstleistungen 38% 38% 32% Freie Berufe 27% 29% 18% Einzelhandel 10% 9% 15% Handwerk 9% 8% 16% Handelsvertreter 5% 7% keine Daten Industrie 2% 4% keine Daten Gastgewerbe 4% 3% 8% Verkehrsgewerbe 1% 1% 2% Groß- u. Außenhandel 1% 1% keine Daten Reisebürogewerbe 1% 1% keine Daten Während im Vergleich zu 1997 - die Gründungen im Bereich Dienstleistungen und freie Berufe deutlich zunehmen, gibt es in den Sparten Einzelhandel, Handwerk und Gastgewerbe Rückgänge von 50% und mehr, was auf die derzeitigen Probleme in diesen Branchen zurückgeführt werden kann. 98% der Befragten besuchten ein Existenzgründerseminar des IEU, 1% besuchten das Seminar eines anderen Anbieters bzw. kein Gründerseminar.

Seite 5 Beruf Prozent keinen 2,46 Gesellenbrief 21,48 Techniker 7,92 Meister 5,63 Studium 42,25 Sonstiges 19,01 Berufsabschluss Sonstiges keinen Gesellenbrief Studium Techniker Meister Wie deutlich wird, verfügt ein überproportional hoher Anteil der Befragten über eine höherwertige Schul- bzw. Berufsausbildung. Damit werden die Ergebnisse, die wir bei Befragungen in den vergangenen Jahren fanden, bestätigt (siehe: Wilfried Tönnis: Existenzgründerseminare als Mittel der Wirtschaftsförderung empirische Studie -, Roetgen 1997 und Wilfried Tönnis: Existenzgründerbefragung 2003). Zum Zeitpunkt des Seminarbesuchs waren in 2004 rund 57% der Teilnehmer arbeitslos, nur eine Minderheit von 18% gründet aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis heraus. 15% waren bereits selbstständig tätig. Damit ist seit 1997 die Zahl der Arbeitslosen unter den Seminarbesuchern von damals 49% deutlich gestiegen, während die Anzahl der Berufstätigen deutlich von 27% auf 20% sank. Gegenüber unserer Umfrage im Jahr 2003 ergeben sich nur geringfügige Verschiebungen.

Seite 4 2. Demographische Daten 37% der Personen, die antworteten, sind Frauen, 62% Männer. Dies entspricht exakt der Verteilung Frauen/Männer in der Grundgesamtheit, so dass eine hohe Repräsentativität der Befragung gegeben ist. Das Durchschnittsalter beträgt 40 Jahre bei einer Standardabweichung von 9,8. Dies bedeutet, dass 2/3 der Befragten zwischen 30 und 50 Jahre alt sind. Die Schul- und Berufsabschlüsse der Befragten zeigen die folgenden Tabellen: Existenzgründer Schulabschluss Keinen 0% 9. Klasse 6% 10. Klasse 36% Abitur 46% Sonstigen 11% Schulabschluss Sonstigen 9. Klasse 10. Klasse Abitur

Seite 3 1. Gegenstand der Untersuchung, Datenerhebung Das Institut für Existenzgründungen und Unternehmensführung führt in den Bundesländern NRW, Thüringen, Sachsen und Rheinland-Pfalz vier- bzw. dreitägige Seminare für Existenzgründer durch, die aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit und der EU bezuschusst werden. Die Förderung wird nach Durchführung des jeweiligen Seminars beantragt. Im September 2005 wurden von uns alle Seminarteilnehmer befragt, die im Zeitraum vom 1.1.2001 bis 31.7.2005 an einem Existenzgründerseminar teilgenommen hatten und über eine Email-Adresse verfügen. Befragt wurden ebenfalls E- xistenzgründer, die sich zu einem Seminar angemeldet, dann aber nicht teilgenommen hatten. Voraussetzung war ebenfalls, dass eine Email-Adresse zur Verfügung stand. Hierbei handelt es sich um 4166 Personen, dass sind ca. 48% der Personen, die sich zwischen dem 1.1.2001 und dem 31.7.2005 zu einem Seminar angemeldet hatten. Die Befragten erhielten zu nächst per Email einen Brief, indem sie gebeten wurden, an einer Umfrage teilzunehmen. In diesen Brief eingebunden war ein Link, der über eine gesicherte Datenverbindung auf einen Fragebogen im Internet verwies. Die Daten des ausgefüllten Fragebogens wurden dann per Mausklick in eine Datenbank geschrieben. Bis zum 1.12.2005 lagen 568 Rückantworten vor das ist eine Quote von 13,6 %. Alle im Folgenden genannten Auswertungen beziehen sich auf diese Rückantworten, sofern kein anderer Hinweis erfolgt.

Seite 2 Inhaltsangabe 1. Gegenstand der Untersuchung, Datenerhebung 2. Demographische Daten 3. Branchen und Gründungsquoten 4. Arbeitsplätze 5. Beurteilung des Existenzgründerseminars durch die Unternehmer 6. Fördermittel 7. Warum Existenzgründer scheitern 8. Gründungsfaktoren 8.1 Demographische Faktoren 8.2 Unterschiede zwischen den Branchen

Institut für Existenzgründungen und Unternehmensführung Wilfried Tönnis, M.A. Wilhelmstr. 58 52159 Roetgen www.ieu-online.de Existenzgründerbefragung 2005 von Wilfried Tönnis, M.A. Roetgen, Mai 2006