Ihnen allen gemeinsam ist die Trauer, die sie erfüllt hat und jetzt noch in Ihnen ist. Niemand nimmt gerne Abschied von einem lieben Menschen.

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Transkript:

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen Liebe Gemeinde viele von Ihnen sind heute Morgen hier in diesen Gottesdienst gekommen, weil sie einen lieben Menschen verloren haben, einen Menschen, mit dem sie verwandt und eng verbunden waren. Den Ehepartner, die Mutter, den Vater, die Oma oder den Opa, einen Bruder oder eine Schwester, einen lieben Nachbarn, der das Leben im Dorf mitgeprägt hat, oder, was am schlimmsten ist, weil sie als Eltern ihr eigenes Kind zu Grabe tragen mussten. Ihnen allen gemeinsam ist die Trauer, die sie erfüllt hat und jetzt noch in Ihnen ist. Niemand nimmt gerne Abschied von einem lieben Menschen. Keiner wünscht sich das. Und doch, eines Tages werden wir alle damit konfrontiert und müssen uns der Tatsache des Sterbens und des Todes stellen. Niemand fragt uns, ob wir das wollen oder nicht. Manche konnten von den Verstorbenen noch Abschied nehmen. Eine lange und schwere Krankheit hat es immer wahrscheinlicher werden lassen, dass es bald zu Ende gehen würde. Es gab noch die Möglichkeit, miteinander zu sprechen im Angesicht des Todes und allen war das bewusst. Manches konnte noch gesagt werden, Zwistigkeiten, die es auch gab, konnten vielleicht noch ausgeräumt werden und der Schwerkranke konnte in Frieden sterben. Andere wurden vom plötzlichen Tod ihrer Angehörigen völlig überrascht. Ich habe gesehen wie mein Nachbar, der gerade erst im Haus gegenüber eingezogen war, in einer Nacht von den Bestattern aus dem Haus gegenüber getragen wurde. Er war erst 32 Jahre alt. Die Eltern mussten ihren Sohn zu Grabe tragen.

Ein anderer Nachbar, der schon seit über siebzig Jahren im Haus um die Ecke gewohnt hat, und mit dem ich am Tag zuvor in unserer Straße noch gesprochen hatte, starb noch in derselben Nacht. Jetzt war es die Totenglocke, die für ihn gesprochen hat. Niemand war darauf vorbereitet, keiner konnte mit ihm sprechen vor seinem Abschied. Auf einmal war er einfach nicht mehr da. Wir haben im zurückliegenden Kirchenjahr Menschen verabschieden müssen, die vor der Zeit gehen mussten und Kinder zurückgelassen haben, die noch gar nicht oder kaum erwachsen waren. Wir haben unserer Trauer Ausdruck geben können, mit Blumen am Grab, einem letzten stillen Gebet. Wir haben gemeinsam getrauert. Viele Menschen haben Anteil genommen an der Trauer der engsten Angehörigen. Trauern ist nicht einfach. Immer wieder kommt mir der 12. Vers aus dem 90 Psalm in den Sinn: Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden. Was ist da gemeint? Sterben und Klug werden? Mir fällt ein Verstorbener ein, der lange Jahre im Haus neben unserem Garten gelebt hat, der alten Mühle in Bruchenbrücken. Er war ein Professor der Theologie und hieß Yorik Spiegel. Manchmal hat er auch in der Kirche von Bruchenbrücken gepredigt. Er hat ein ganz wichtiges Buch geschrieben, das ich mit großem Respekt gelesen habe: Der Prozess des Trauerns. Ich habe eben von dem Tod gesprochen der überraschend kommt, wie ein Dieb in der Nacht. Wenn wir auf diese Weise mit dem Tod konfrontiert werden, sind wir zunächst wie gelähmt. Die Nachricht vom Tod eines geliebten Menschen führt zunächst zu einem Gefühl der Betäubung und des Schocks. Der Trauernde will den Tod nicht akzeptieren und ist zu keiner Gefühlsregung fähig.

Wenn ich mit den Angehörigen das Gespräch führe, um die Beerdigung vorzubereiten, befinden sich die Trauernden meistens nicht mehr in diesem Schockzustand. Die mit der Vorbereitung der Beerdigung verbundenen Aufgaben nehmen die Angehörigen stark in Anspruch. Das ist durchaus willkommen, denn es lenkt von den eigenen Gefühlen ab, die mit allen Mitteln zurückgehalten werden, um keinen Zusammenbruch zu erleiden. Es ist so, als wären sie unbeteiligte Zuschauer in einem Film, der an ihnen vorüberzieht. Nach der Beerdigung und der Abreise der Angehörigen ist der Trauernde weitgehend sich selbst überlassen. Das Interesse am äußeren Leben ist gering, wichtig ist jetzt die Verarbeitung des Erlebten. Dabei macht sich der Hinterbliebene oft ein Idealbild des Verstorbenen und blendet den Streit und die Verletzungen, die es auch gab, aus. Auch auf dem Friedhof will niemand etwas Negatives über seine Angehörigen hören. Dadurch werden aber die Trauer und die Verlusterfahrung noch weiter vergrößert. Nach und nach gelingt es aber, auch die weniger schönen Anteile in der Erinnerung wieder zuzulassen. Zumeist erst nach mehreren Monaten ist es wieder möglich, sich seiner Umwelt vermehrt zuzuwenden. Trotz Rückfällen in Traurigkeit und Angst, ist der Trauernde Ehepartner wieder in der Lage, neue Beziehungen einzugehen, die über eine Ersetzung des erlittenen Verlustes hinausgehen. Früher sagte man, dieser Weg der Trauer braucht ein Jahr. Erst dann können wir wieder so etwas wie Normalität erleben. Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden, Das Sterben und das Abschied nehmen und das Trauern ist ein langer Prozess. Es ist ein weiter Weg.

Ein Weg auf dem wir Trost brauchen, einen der unseren Weg begleitet, Angehörige, die uns beistehen. Wir leben in einer Gesellschaft, die nicht mehr an das Leben nach dem Tod glaubt. Und weil es angeblich kein Leben nach dem Tod gibt, bleibt uns nur dieses eine Leben hier auf der Erde. Deshalb will auch keiner mehr in unserer Gesellschaft über den Tod sprechen. Nach dieser Philosophie ist mit den Tod alles, wirklich alles aus. Wenn auf der Aida, dem Kreuzfahrtschiff, ein alter Mensch stirbt, was nicht selten vorkommt, wird er in eine eigens dafür vorgesehene Kühlkammer gebracht. Niemand darf über den Verstorbenen reden. Es könnte den noch lebenden Passagieren die gute Laune verderben. Nicht mal der Pfarrer darf im Schiffsgottesdienst für den Verstorbenen beten. Nein, wir wollen das nicht wissen, dass wir sterben müssen! Nein, Nein Nein! Wir wollen nicht klug werden, wir wollen dumm bleiben und weiter leben nach dem Tod wollen wir auch nicht. Zu unserem Glück haben wir eine andere Botschaft, keine moderne sondern eine sehr alte und eine sehr kluge Botschaft, das Evangelium. Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden. Es gibt mehr als das manchmal armselige Leben, das wir auf der Erde führen müssen, mehr als dieser Wimpernschlag in der Erdgeschichte. Wir haben nicht nur diese Heimat, sondern noch eine andere Heimat. Eine Heimat bei unserem Vater im Himmel. Wir haben vorhin in der Schriftlesung vom himmlischen Jerusalem gehört, wie es in der Offenbarung des Johannesevangeliums beschrieben wird: 1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; 3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen

wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; 4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; 6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Amen