Interdiziplinäre Fortschritte der Gesundheitsforschung

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3 Interdiziplinäre Fortschritte der Gesundheitsforschung Herausgegeben von PD Dr. Anja Hilbert & PD Dr. Tanja Krones Band 1 Diskriminierung von übergewichtigen Menschen Eine Studie zu Zusammenhängen mit selbstwertrelevanten kognitiven Prozessen von Viola Singer Tectum Verlag

4 Viola Singer Diskriminierung von übergewichtigen Menschen. Eine Studie zu Zusammenhängen mit selbstwertrelevanten kognitiven Prozessen Interdiziplinäre Fortschritte der Gesundheitsforschung; Band 1 Umschlagabbildung: www. photocase.de // ak74 ISBN: Tectum Verlag Marburg, 2008 Besuchen Sie uns im Internet Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über abrufbar.

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6 Vorwort Stigmatisierende Einstellungen gegenüber adipösen (d. h. fettleibigen) Menschen sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Diese Einstellungen beinhalten beispielsweise Zuschreibungen negativer Eigenschaften an adipöse Menschen, etwa faul oder willensschwach zu sein. Angesichts des allseits präsenten Adipositasstigmas ist es nicht verwunderlich, dass sich adipöse Menschen auch häufig und in vielen wichtigen Lebensbereichen wie dem Arbeitsplatz, dem Gesundheitswesen, Schule sowie persönlichen Beziehungen gewichtsbezogener Diskriminierung ausgesetzt sehen. Stigmatisierungs- und Diskriminierungserfahrungen reichen dabei von stereotypen negativen Annahmen anderer über abwertende Blicke, kritische gewichtsbezogene Kommentare, Hänseleien oder auch unaufgeforderte Empfehlungen zur Gewichtskontrolle bis hin zu handfesten Benachteiligungen adipöser Menschen in Beruf, Partnerschaft oder Gesundheit. Diskriminierungserfahrungen können, wie einige Forschungsbefunde zeigen, psychopathologisch relevant sein: So haben sich beispielsweise gewichtsbezogene Hänseleien und Kritik von Peers und Familie als Risikofaktoren im Kindes- und Jugendalter für die Entstehung von Essstörungen wie der Binge-Eating - oder Essanfallsstörung erwiesen. Die Binge-Eating -Störung geht mit Übergewicht und Adipositas einher. Hauptmerkmal dieser Essstörung sind wiederkehrende Essanfälle, während derer die Betroffenen typischerweise große Nahrungsmengen verzehren und dabei das Gefühl haben, die Kontrolle über ihr Essverhalten zu verlieren. Die Betroffenen setzen jedoch nicht regelmäßig unangemessene gewichtskontrollierende Verhaltensweisen ein (z. B. selbstinduziertes Erbrechen oder Fasten). Gerade weil zunehmend evidenter wird, dass gewichtsbezogene Stigmatisierungs- und Diskriminierungserfahrungen auf den Zusammenhang zwischen Adipositas und Psychopathologie und auch weiteren gesundheitlichen Parametern einwirken können, bedarf es einer eingehenden Untersuchung von Auswirkungen und Korrelaten des Adipositasstigmas. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich dabei auf Zusammenhänge mit impliziten, d. h. nicht willentlich gesteuerten, kognitiven Prozessen bei adipösen Erwachsenen mit und ohne die Diagnose einer Binge-Eating -Störung. In den Ergebnissen zeigt Viola Singer, dass gewichtsbezogene Stigmatisierungserfahrungen adipöser Menschen mit impliziten negativen gewichtsbezogenen Einstellungen

7 sich selbst gegenüber assoziiert sind und somit selbstwertschädigende Erfahrungen darstellen, die mit einer erhöhten Psychopathologie, darunter der Binge-Eating -Störung, einhergehen. Die Ergebnisse der Arbeit liefern auch eine somit eine Begründung dafür, warum es angesichts steigender Prävalenzraten von Adipositas eine der zentralen Aufgaben von Gesellschaft wie Forschung ist, auf eine Reduktion des Adipositasstigmas hinzuwirken. Marburg, im Januar 2008 Anja Hilbert

8 Inhalt 1 Zusammenfassung Einleitung Forschungsstand Adipositas Definition und Klassifikation Epidemiologie Symptomatologie und Komorbiditäten Ätiologie Aufrechterhaltende Faktoren Binge-Eating -Störung (BED) Definition und Klassifikation Epidemiologie Komorbiditäten Beginn und Verlauf Ätiologie Aufrechterhaltende Faktoren Subklinische Ausprägung der BED Stigmatisierung und Diskriminierung Begriffsbestimmung Stigmatisierung und Diskriminierung adipöser Personen Mögliche Auswirkungen von Stigmatisierung und Diskriminierung bei Personen mit Adipositas Hänseln als Sonderform von Diskriminierung Besonderheiten in kognitiven Prozessen Implizite Messverfahren Der Implizite Assoziations-Test (IAT)... 52

9 3.4.3 Bisherige Forschung zum antifat bias anhand des IAT Ableitung der Fragestellung und Hypothesen Zusammenfassung der Ergebnisse bisheriger Forschung Fragestellung Ableitung der Hypothesen Methodisches Vorgehen Zuordnung zu den Gruppen Ein- und Ausschlusskriterien Matchingmerkmale Telefonscreening Essstörungsdiagnostik: EDE-Q und BED-Modul des EDE Abhängige Variablen und zugehörige Messinstrumente Implizite kognitive Prozesse: Impliziter Assoziations-Test Stigmatisierung und Diskriminierung: Stigmatizing Situations Inventory Hänseleien: Perception of Teasing Scale Kontrollvariablen und zughörige Messinstrumente Depressivität: Beck-Depressions-Inventar Verbale Intelligenz: Unterskalen des Leistungsprüfsystems (LPS) Beschreibende Variablen und zugehörige Messinstrumente Selbstwertgefühl: Rosenberg-Skala...77

10 5.4.2 Allgemeine psychische Belastung: Brief Symptom Inventory (BSI) Stichprobe Rekrutierung Beschreibung der Stichprobe Güte des Matchings Untersuchungsablauf Auswertung Auswertung des IAT Zusammenführung der Gruppen sbed und BED Statistische Auswertung Ergebnisse Aufbereitung der mittels IAT erhobenen Daten Deskriptive Darstellung der Erfahrungen von Stigmatisierung, Diskriminierung und Hänseleien Stigmatizing Situations Inventory Perception of Teasing Scale Hypothesenüberprüfung Hypothese Hypothese Hypothese Hypothese Hypothese Diskussion Einschränkungen und Stärken der Studie Stichprobe...111

11 7.1.2 Methodisches Vorgehen Diskussion und Interpretation der Ergebnisse Implizite kognitive Prozesse Zusammenhänge von Stigmatisierungs-, Diskriminierungs- und Hänselerlebnissen mit impliziten kognitiven Prozessen Unterschiede zwischen adipösen Personen mit und ohne BED Ausblick auf weiterführende Forschung Schlussfolgerungen und Implikationen für die Praxis Literaturverzeichnis Anhang

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