Privatwirtschaftliche Form der Alterssicherung: Leibrenten zur Konsumglättung

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1 Soziale Sicherung B.1.1 Privatwirtschaftliche Form der Alterssicherung: Leibrenten zur Konsumglättung Zweck des privaten Vorsorgesparens: Aufrechterhaltung des in der Erwerbsphase erreichten Lebensstandards auch im Alter Risiken: individuell: unsichere Lebenserwartung jedes Einzelnen kollektiv: Zins- und Preisentwicklung nicht genau prognostizierbar private Formen der Altersvorsorge, durch die diese Risiken aufgefangen werden können: Annuitäten (Leibrenten) ökonomische Funktion: Konsumglättung

2 Soziale Sicherung B.1.2 Marktversagen bei der Alterssicherung (1): Adverse Selektion Gute Risiken sind hier aus Sicht potentieller Versicherungsgeber solche Wirtschaftssubjekte, die eine geringere Lebenserwartung aufweisen Grundsätzlich werden potentielle Versicherungsnehmer besser über ihre eigene Lebenserwartung informiert sein als potentielle Versicherungsgeber Wenn die Anbieter von Leibrenten ihre Prämienforderungen an der durchschnittlichen Lebenserwartung orientieren, bleiben die Versicherungsgeber mit einem Pool an schlechten Risiken sitzen (Negativauslese) Empirische Untersuchungen aus z.b. U.K.: Lebenserwartung der Bevölkerungsgruppe, die einen Leibrentenvertrag abschließt, ist um ca. 10% höher als die derjenigen ohne eine solche Versicherung Ob adverse Selektion im Markt für Annuitäten ausgeprägt genug ist, um ein staatliches Rentensystem zu begründen, ist empirisch umstritten

3 Soziale Sicherung B.1.3 Marktversagen bei der Alterssicherung (2): Mangelnde Voraussicht möglich: viele Menschen sparen, wenn sie sich selbst überlassen bleiben, selbst dann nicht genügend für ihren Ruhestand an, wenn sie nicht länger als erwartet leben paternalistische Perspektive: Private sollten gezwungen werden zu sparen, so dass eine angemessene Altersvorsorge sichergestellt ist paternalistischer Staatseingriff umstritten: konsequent individualistischen Perspektive: es sollte den privaten Einzelnen überlassen bleiben, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, selbst wenn dies (hin und wieder) zu Fehlentscheidungen führt stärker konsequentialistische Perspektive: unverantwortlich, sich um in Armut lebende Ältere nicht zu kümmern, selbst wenn diese an ihrem Schicksal selber schuld sind

4 Soziale Sicherung B.1.4 Marktversagen bei der Alterssicherung (3): Moral Hazard Private sorgen möglicherweise deswegen nicht ausreichend für ihr Alter vor, weil sie davon ausgehen, dass der Staat sie im Fall von Altersarmut finanziell unterstützen wird (Verhaltensrisiko oder moral hazard ) staatlicher Zwang zur Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Rentenversicherung: gerechtfertigt als eine Antwort auf das durch dieses moral hazard hervorgerufene ineffizient geringe Sparvolumen

5 Soziale Sicherung B.1.5 Marktversagen bei der Alterssicherung (4): Entscheidungsfindungs- und Verwaltungskosten Wenn öffentliche Entscheidungsträger ein angemessenes Leibrentenprogramm für jeden auswählen können, müssen die Einzelnen keine knappen Ressourcen für ihre eigenen Entscheidungen einsetzen Gegenargument: nichts spricht dafür, dass staatliche Akteure bzw. Behörden gute Entscheidungen für jedermann treffen können, weil unterschiedliche Menschen auch unterschiedliche Präferenzen haben eine grv mit Zwangsmitgliedschaft und stark eingeschränkten Versicherungsoptionen kann mit viel geringeren Verwaltungskosten betrieben werden als private Versicherungsunternehmen Gegenargument: Vorteil, den Einzelne daraus haben, dass sie ihre individuellen Versicherungsbedingungen an ihre Präferenzen anpassen können

6 Soziale Sicherung B.1.6 Marktversagen bei der Alterssicherung (5): Einkommensumverteilung Staatliche Rentenversicherungen sind typischerweise so ausgestaltet, dass Wirtschaftssubjekte mit hohen Lebenseinkommen im Verhältnis kleinere Erträge auf ihre Beiträge erhalten als Wirtschaftssubjekte mit geringem Lebenseinkommen In einem gewissen Ausmaß verteilt eine grv also Einkommen um, was bei privaten Leibrenten nicht der Fall ist mit Blick auf die Zielsetzung der Verteilungsgerechtigkeit kann dieser Effekt erwünscht sein

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