Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)

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1 Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) Kurzleitfaden für die betriebliche Praxis Eine ausführliche Anleitung bietet das Lernmodul Betriebliches Gesundheitsmanagement s. Leitfaden BGM Seite 1 von 7

2 Warum Betriebliches Gesundheitsmanagement? Dass die Mitarbeiter einen wesentlichen Wettbewerbsfaktor für das Unternehmen darstellen ist mittlerweile ein viel zitiertes Credo. Die Verantwortung des Arbeitgebers für die Gesundheit seiner Mitarbeiter ist somit nicht nur eine per Arbeitschutzgesetz auferlegte lästige Pflicht, sondern liegt im ureigensten Interesse des Unternehmens. Denn das Wohlbefinden 1 eines Mitarbeiters ist wesentliche Voraussetzung für sein Engagement, seine Kreativität, Innovationskraft und Flexibilität Eigenschaften, die vor dem Hintergrund eines zunehmend schärferen globalen Wettbewerbs immer wichtiger werden. Nutzen Sie die Leistungskraft ihrer Mitarbeiter! Betriebliche Gesundheitsförderung zielt darauf ab, die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter voll auszuschöpfen und für die Zukunft zu erhalten. Gesunde Arbeitsbedingungen schaffen, die Gesundheitskompetenz der Mitarbeiter fördern, Mitarbeiterzufriedenheit auf hohem Niveau erreichen: gelingt dies, werden mittel- bis langfristig die Produktivität und Arbeitsqualität steigen und die Fehlzeitenquote sinken. Was ist zu tun? Um diese Ziele zu erreichen, ist ein ganzheitliches Vorgehen erforderlich. Ein systematisches betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) entwickelt nachhaltige Prozesse, Strukturen und Werthaltungen zur gesundheitsförderlichen Gestaltung der Organisation, der Arbeit und des Arbeitsverhaltens. Denn einerseits muss die Gesamtheit der Bedingungen des Arbeitens im Unternehmen unter gesundheitlichen Aspekten überprüft werden. Dies betrifft alle Facetten der Arbeitsorganisation und -gestaltung ebenso wie der Personalführung und -entwicklung und der Unternehmenskultur. Unerlässlich ist es andererseits auch, die Beschäftigten selbst zu gesundem Leben und Arbeiten anzuregen und zu befähigen. Hier greifen Informationen und Schulungen sowie konkrete Gesundheitsangebote im Betrieb. 1 Gesundheit Definition der WHO: "Gesundheit ist der Zustand des umfassenden körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein des Fehlens von Krankheiten und Gebrechen." Leitfaden BGM Seite 2 von 7

3 Ansatzpunkte des Betrieblichen Gesundheitsmanagements Gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen z.b. durch Ergonomische Arbeitsplätze Arbeitszeitregelungen Laufbahngestaltung Kooperative Arbeitsformen Mitarbeiterorientierte Führung Förderung des individuellen Gesundheitsverhaltens z.b. durch Gesundes Kantinenessen Betriebssport Rückenschule Stressbewältigungskurse Suchtprävention Erhalt und Förderung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit Sichern Sie die Qualität Ihres BGM-Systems! Gesundheitsförderung kann nur erfolgreich sein, wenn sie auf der betrieblichen Entscheidungsebene mitgetragen wird. Leitlinien zur Förderung einer gesundheitsund alternsgerechten Arbeits- und Personalpolitik bilden den notwendigen Rahmen für konkrete Gestaltungsmaßnahmen. Das Europäische Netzwerk für betriebliche Gesundheitsförderung hat dazu die folgenden Qualitätskriterien entwickelt: 1. Integration Gesundheitsförderung wird bei allen wichtigen Entscheidungen und in allen Unternehmensbereichen berücksichtigt. 2. Partizipation Die gesamte Belegschaft wird einbezogen. 3. Projektmanagement Alle Maßnahmen und Programme werden systematisch durchgeführt. 4. Ganzheitlichkeit BGF beinhaltet sowohl verhaltens- als auch verhältnisorientierte Maßnahmen. Leitfaden BGM Seite 3 von 7

4 Wie funktioniert BGM? Betriebliches Gesundheitsmanagement umfasst verschiedene Handlungsfelder, die in alle Unternehmensbereiche eingreifen. Handlungsfelder des BGM In den verschiedenen Feldern werden Handlungsbedarfe ermittelt, Lösungswege konzipiert, umgesetzt und evaluiert. Die Ergebnisse und gewonnenen Erfahrungen fließen in weitere Maßnahmen ein und tragen so zu einer ständigen Verbesserung dieses Systems bei. BGM als kontinuierlicher Prozess Ist-Analyse Evaluation Wirksamkeitsanalyse Systematische Erfolgskontrolle Laufende Verbesserung des Prozesses Gesundheitsmanagement Arbeitsgestaltung Arbeitsschutz Personalmanagement Fehlzeitenmanagement Gesundheitsangebote Steuerungsgruppe Prioritäten und Ziele Problemanalyse Betriebsspezifische Maßnahmenplanung Maßnahmensuche Durchführung Leitfaden BGM Seite 4 von 7

5 Bilden Sie einen Steuerungskreis! Gesundheitsmanagement ist eine Querschnittsaufgabe, die eine systematische Koordinierung im Unternehmen erfordert. Dafür empfiehlt sich die Einrichtung eines festen Steuerungskreises. Dieser Arbeitskreis ist der Motor betrieblichen Gesundheitsförderung. Er plant, strukturiert und steuert die einzelnen Maßnahmen in den verschiedenen Handlungsfeldern, stellt die Realisierung praktischer Lösungen sicher und kommuniziert das Gesamtvorhaben im Unternehmen. Der Steuerungskreis (siehe Tool Steuerungskreis, pdf) Wie setzen Sie BGM um? Um wirksame Maßnahmen der Gesundheitsförderung zu entwickeln, brauchen Sie zunächst ein möglichst genaues Bild vom Gesundheitszustand der Beschäftigten, von den Arbeitsbelastungen und deren möglichen Ursachen. Verschiedene Instrumente und Verfahren helfen, die Belastungs- und Gesundheitssituation eines Unternehmens abzubilden, eine Problemdiagnose zu erstellen und Lösungswege zu entwickeln. Leitfaden BGM Seite 5 von 7

6 Welche Instrumente können Sie nutzen? Instrumente zur Problemermittlung Die Auswahl geeigneter Instrumente richtet sich nach den Bedürfnissen und Möglichkeiten des Betriebes. Sie müssen zu den vereinbarten Zielen, zur Betriebsgröße und -struktur, zur Personal- und Aufgabenvielfalt sowie zu den Produktionsweisen passen. Die am häufigsten verwendeten Instrumente und Methoden der Problemanalyse und -diagnose sind: Fehlzeitenanalysen (siehe Tool Fehlzeitenanalysen, pdf) Mitarbeiterbefragungen (siehe Tool Mitarbeiterbefragungen, pdf) Vorschlagswesen (siehe Tool Vorschlagswesen, pdf) Fehlzeitenstatistiken bieten einen ersten Eindruck über die Gesundheitssituation in Ihrem Unternehmen, haben jedoch den Mangel, dass sie nur die bereits eingetretenen Gesundheitsschäden abbilden können und auch kaum Hinweise auf deren mögliche Ursachen geben. Die Mitarbeiterbefragung und das gesundheitsbezogenen Vorschlagswesen dagegen zielen auch darauf ab, Gesundheitsgefahren zu ermitteln, bevor diese ernsthaft wirksam werden. Instrumente zur vertiefenden Problemanalyse Die so ermittelten Daten bilden die Grundlage der Arbeit in Gesundheitsworkshops und Gesundheitszirkeln. Dort werden sie einer vertiefenden Problemanalyse unterzogen, auf deren Grundlage geeignete Maßnahmen zur Lösung der ermittelten Probleme beschlossen und durchgeführt werden. Gesundheitsworkshops (siehe Tool Gesundheitsworkshops, pdf) Gesundheitszirkel (siehe Tool Gesundheitszirkel, pdf) Leitfaden BGM Seite 6 von 7

7 Überprüfen Sie regelmäßig Ihren Erfolg! Durch eine regelmäßige Wirksamkeitsanalyse, beispielsweise in Form eines regelmäßigen betrieblichen Gesundheitsberichts, werden die Auswirkungen der durchgeführten Gesundheitsförderungsmaßnahmen systematisch ermittelt. So können erforderliche Korrekturen oder Ergänzungen zeitnah vorgenommen werden. Damit sichern Sie die kontinuierliche Verbesserung der Gesundheitssituation im Unternehmen und gleichzeitig des betrieblichen Gesundheitsmanagementsystems. Wirksamkeitsanalyse (siehe Tool Wirksamkeitsanalyse, pdf) Gesundheitsbericht (siehe Tool Gesundheitsbericht, pdf) Wo bekommen Sie Unterstützung? Fast alle Berufsgenossenschaften und Krankenkassen bieten heute umfangreiche Programme und aktive Unterstützung bei der betrieblichen Gesundheitsförderung an. Das reicht bis zur Prozessberatung, Moderation von Gesundheitszirkeln oder auch des Steuerungskreises. Es besteht auch die Möglichkeit, dass Krankenkassen einen finanziellen Bonus für Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung gewähren ( 65 a Abs. 3 SGB V). Einige Krankenkassen haben qualitätsgesicherte Bonussysteme entwickelt. Dabei beziehen sie sich auf die Qualitätskriterien des Europäische Netzwerks für betriebliche Gesundheitsförderung (s. o.). Krankenkassen und Berufsgenossenschaften sind verpflichtet, bei Gesundheitsförderungs- und Arbeitsschutzmaßnahmen zu kooperieren ( 20 SGB V, 14 SGB VII). Leitfaden BGM Seite 7 von 7

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