Lieber Herr Zahn, verehrte Frau Zahn, lieber Herr Dr. Knabe, ggf. BezBm Norbert Kopp o.v. werte Anwesende!

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1 1 Laudatio für Hans-Eberhard Zahn Zur Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdinestordens der Bundesrepublik Deutschland am 25. Februar 2011 in der Seniorenresidenz Domizil, Altmarkstraße 27 in Berlin Steglitz durch Sts André Schmitz Lieber Herr Zahn, verehrte Frau Zahn, lieber Herr Dr. Knabe, ggf. BezBm Norbert Kopp o.v. werte Anwesende! 2 als wir die Auszeichnung für Sie, lieber Herr Zahn, auf den Weg gebracht haben, hatten wir uns ein anderes gesundheitliches Umfeld für Sie vorgestellt. Als uns Herr Dr. Knabe während der konstituierenden Sitzung des Beirates der Gedenkstätte Hohenschönhausen berichtete, wie es Ihnen geht, haben wir das alle mit großer Betroffenheit aufgenommen. Deshalb möchte ich zunächst Ihnen die besten Wünsche für Ihre Gesundheit sowohl in meinem Namen wie dem des Stiftungsrates der Gedenkstätte überbringen. Ich hoffe und wünsche von ganzem Herzen, dass Ihr Rehabilitationsprozess Fortschritte macht und wir sie bald wieder auch in den Sitzungen und Veranstaltungen begrüßen zu können.

2 Vielleicht kann ja unsere kleine Feierstunde dazu einen beschiedenen Beitrag leisten! 3 Lieber Herr Zahn, als wir uns mit der Anregung befassten, dem Bundespräsidenten zu empfehlen, Sie mit dem Bundesverdienstkreuz auszuzeichnen, war mein Erstaunen groß, weil ich wie selbstverständlich davon ausgegangen war, sie hätten ein solches schon längst bekommen. Nun kommt es doch noch, wenn auch spät, aber nicht zu spät. 4 Der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland zeichnet damit ein Leben für die Freiheit aus, denn Freiheit und Demokratie ist das Thema Ihres Lebens, dem Sie sich aufgrund Ihrer Vita und Ihres Engagements verschrieben haben. Ihr Leben und Ihr Wirken waren und sind geprägt von der Auseinandersetzung mit Diktatur und Verfolgung und für das Eintreten für Demokratie und Freiheit. Es ist zugleich ein Spiegel der (West-) Berliner und der deutschen Geschichte. Mit dem Fall der Mauer in Berlin und dem Zusammenbruch des SED-Staates, wurde etwas Wirklichkeit, wofür Sie über Jahrzehnte eingetreten und wofür Sie verfolgt worden sind.

3 5 Doch der Reihe nach: Sie haben sich für die Freie Universität entschieden und für deren Aufund Ausbau gearbeitet - von der Zeit Ihrer Studienaufnahme bis zu Ihrer Pensionierung als Hochschullehrer im Jahre Sie haben sich ehrenamtlich im Sozialreferat der Freien Universität um die Unterstützung der im Osten zurückgelassenen Angehörigen der FUB gekümmert. Dazu schufen Sie ein Netz von Helfern, die in Ost-Berlin jeweils kleine Einzahlungen vornahmen. Als Sie im November 1953 einem Ost-Berliner Kommilitonen Geld und Einzahlungslisten überbringen wollten, wurden Sie von Angehörigen des MfS verhaftet. 6 Nach monatelanger Untersuchungshaft verurteilte Sie das Stadtgericht Berlin u.a. wegen Gefährdung des Weltfriedens und Agententätigkeit zu sieben Jahren Zuchthaus. Diese Haftstrafe mussten Sie in den Zuchthäusern Berlin-Rummelsburg, Brandenburg und Bautzen sowie im Haftarbeitslager X des MfS in Berlin-Hohenschönhausen vollständig absitzen. Wer in Ihrem Buch zu den Haftbedingungen und Geständnisproduktion in den Untersuchungshaftanstalten des MfS nachliest, was Sie und Ihre Leidensgenossen dort durchmachen mussten, kann ahnen, dass Sie alles tun wollten, um dem entgegen zu treten.

4 Diese Erfahrung und das damit verbundene Leid haben Sie für Ihr weiteres Leben geprägt. Ihr berufliches wie auch ihr privates politisches Engagement galt (und gilt) der Aufklärung und der Sicherung von Demokratie und Freiheit. Mit Ihrem nachhaltigen und prominenten Wirken in der Notgemeinschaft für eine Freie Universität wollten Sie sich allem entgegenstellen, was die Freiheit der Wissenschaft und der Meinung beeinträchtigt. Freiheit so heißt es nicht zu Unrecht ist ein hohes Gut, das immer wieder neu erkämpft bzw. verteidigt werden muss und kein Besitz, dessen man sich auf Dauer erfreuen kann. 7 8 Genau dies wiederum war und ist nach meiner Wahrnehmung die Triebfeder für Ihr Engagement für den Aufbau und Ausbau der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen und Ihrer Zeitzeugenarbeit in Wort und Bild, bei Führungen, Vorträgen und sogar sehr erfolgreich auch auf der Bühne. Sie gehören zu den Förderern der Gedenkstätte von der ersten Stunde an. Sie waren einer der Motoren ihres Auf- und Ausbaus und begleiten deren Arbeit nicht nur als Zeitzeuge, sondern auch in den Gremien. Sie tun dies seit Jahrzehnten, um aufzuklären über Diktatur und Verfolgung, damit sich auf deutschem Boden und anderswo solches nicht wiederholen möge.

5 Und Sie treten denen entgegen, die das Unrecht und die Unterdrückung klein reden oder vertuschen wollen. Sie haben immer wieder Mut bewiesen, im eigenen Widerstand gegen Unterdrücker, aber auch im Meinungsstreit mit Andersdenkenden und DDR-Nostalgikern. Sie haben sich in Höhle des Löwen bei Ex-Stasi-Veranstaltungen gewagt und dort das Wort ergriffen, auch wenn Sie Gefahr liefen, dass dieses Ihnen im Munde umgedreht wird. Sie sind, lieber Herr Zahn, jemand, den man am treffendsten mit dem Begriff eines streitbaren Demokraten kennzeichnet. Sie stehen für ein festes Wertesystem und haben eine klare politische Orientierung, aber Sie sind auch immer jemand gewesen, der auf Argumente hören, sie bewerten und auf sie eingehen kann Sie können auch unterschiedliche Meinungen die den Kern einer Demokratie ausmachen gelten lassen, auch wenn Sie sie nicht teilen. Ich freue mich sehr, dass ich dies auch selbst in unseren Diskussionen um die besten Wege für Hohenschönhausen erleben durfte. Sie, verehrte Frau Zahn, haben Ihren Mann durch alle Kämpfe und Konflikte hindurch begleitet, haben oft auf ihn verzichten müssen, wenn er auf den zahlreichen Veranstaltungen und Sitzungen für seine Überzeugungen eingetreten ist. Sie wussten, dass das unauflösbar zu seinem Leben gehört und es für ihn keine Alternative dazu gibt. Sie haben ihn begleitet, angeregt und unterstützt. Ohne Sie hätte er das alles nicht leisten können.

6 Daher gelten auch Ihnen mein Dank und meine Anerkennung sowie meine besten Wünsche gerade in dieser schwierigen Lebenssituation für Sie beide. 11 Mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Sie, lieber Herr Zahn, würdigt der Bundespräsident das alles, was Sie für Freiheit und Demokratie getan haben und was ich hier im Einzelnen gar nicht vollständig aufzählen kann, und er würdigt Ihre Haltung als Demokrat. Ich freue mich sehr, dass ich als Stiftungsratsvorsitzender der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, die Ihnen so viel zu verdanken hat, nun Ihnen diese besondere Auszeichnung mit den herzlichsten Glückwünschen überreichen zu dürfen. (Urkunde verlesen)

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