»Es tut mir leid«, sage ich noch einmal. Hopper hört es schon nicht mehr. Er vollführt akrobatische Kunststücke Oleg Popow lässt grüßen und er

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2 »Es tut mir leid«, sage ich noch einmal. Hopper hört es schon nicht mehr. Er vollführt akrobatische Kunststücke Oleg Popow lässt grüßen und er schafft es oben auf das Auto. Dann benutzt er das Dach als Sprungbrett und landet mit einem Satz auf dem höher gelegenen Stück über dem Wassergraben. Ich suche etwas, womit ich mir das Blut abwischen kann. Auf dem Armaturenbrett liegt die Quittung der letzten Tankstelle. Während ich sie an meine Augenbraue klebe, finde ich auch noch einen kleinen Schwamm in der Türablage. Ich rieche daran und stecke ihn in meine Hosentasche. Die Tür auf meiner Seite geht gerade weit genug auf. Ich lasse mich aus dem gekenterten Wagen fallen. Kaum haben meine Füße den Grund des Entwässerungskanals erreicht, steht mir das Wasser bis zum Rand

3 in den Schuhen. Die Autonase zeigt nach oben. Dort ist die Bergstraße, auf der Hopper im strömenden Regen an seinem Smartphone fummelt. Mein Blick folgt der Strecke, die wir zurückgelegt haben. Und danach der Strecke, die uns gedroht hätte, wenn wir nicht mit den Hinterrädern im Entwässerungskanal gelandet wären. Sobald ich nach unten schaue, spüre ich, wie die unergründliche Tiefe an mir zerrt. In Gedanken sehe ich den Wagen auf den Abgrund zufahren und auf den Felsen zerschellen cut, cut, cut. Hopper hat sein Smartphone eingesteckt und geht zum Verkehrsschild, das ich geschrammt habe. Die linke Seite ist verzogen. Seiner rechteckigen Form nach ist es ein Ortsschild. Ich knurre, klettere aus dem Graben und steige zur Straße hoch.»farbe!«, ruft Hopper.»Irgendein

4 Witzbold hat das ganze Schild schwarz gesprüht.«und als Schießscheibe benutzt. Meine Finger fahren an den Einschusslöchern entlang.»ich glaube nicht, dass die Leute hier sehr gastfreundlich sind.hauptsache, sie haben eine Autowerkstatt«, sagt Hopper. Unter dem Ortsschild hängt ein kleineres, das ebenfalls beschmiert ist. Hopper nimmt sein Schweizer Messer und sucht nach dem geeigneten Werkzeug. Er entscheidet sich für den Dosenöffner der hat eine flache Seite und schabt damit über das kleine Schild wie mit einer Münze über ein Rubbellos. Wir haben gewonnen. Unter der schwarzen Farbschicht kommt ein Ortsname zum Vorschein: Odrín. Daneben ist ein Wanderer abgebildet und ein Pfeil, der zur Bergwand auf der anderen Straßenseite weist.

5 Der läuft wenigstens noch. Hopper klappt sein Taschenmesser zu und lässt es in die Hosentasche gleiten.»und, hast du jemanden erreicht?«, frage ich. Er schüttelt den Kopf. Aus seinen nassen Haaren fliegen die Tropfen.»Ich habe keinen Empfang. Aber vielleicht da oben.«bevor ich protestieren kann, überquert er die Straße und verschwindet im Gebüsch. Plötzlich habe ich Angst, allein zurückzubleiben, und folge ihm schnell. Der Berghang ist nicht so uneinnehmbar, wie ich zuerst dachte. Ein Weg schlängelt sich nach oben.»sollen wir nicht lieber unsere Rucksäcke mitnehmen?«, frage ich. Hopper dreht sich kurz um.»und wie sollten wir das machen, du Schlaukopf?«Hätten wir sie doch bloß einfach auf die

6 Rückbank gelegt statt in den Kofferraum.»Ich weiß, dass die Heckklappe nicht aufgeht, aber ich dachte Überlass das Denken ruhig mir«, sagt Hopper.»Und beeil dich mal ein bisschen.«die Quittung ist von meiner Augenbraue gerutscht, aber die Wunde blutet immer noch. Ich friemele das Schwämmchen aus meiner Hosentasche und halte es dagegen.»wir brauchen aber Geld!«, rufe ich.»hab ich bei mir. Und die Pässe auch.«er klopft auf seine Lederjacke. Meine Prepaid-Kreditkarte wird wohl auch dabei sein. Die habe ich speziell für diesen Urlaub von meinem Vater bekommen. Das heißt, ich durfte sie zwei Minuten festhalten und musste sie dann Hopper geben, denn so jemand wie ich kann nicht für sich selbst sorgen, glaubt Pa.»Du kannst ja nicht mal auf deine Worte achten, geschweige denn auf

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