Urbane Wohnformen im Alter

Größe: px
Ab Seite anzeigen:

Download "Urbane Wohnformen im Alter"

Transkript

1 JOHANNES KEPLER UNIVERSITÄT LINZ NETZWERK FÜR FORSCHUNG, LEHRE UND PRAXIS Institut für Soziologie Abteilung für Wirtschaftssoziologie und Organisationssoziologie Urbane Wohnformen im Alter Diplomarbeit zur Erlangung des akademischen Grades Mag a. rer. soc. oec. im Diplomstudium Soziologie Betreuung: Ass. Prof. Mag. Mag. Dr. Josef Lins Eingereicht im Juni 2012 von Brigitte Schwaiger

2

3 Eidesstattliche Erklärung Ich erkläre an Eides statt, dass ich die vorliegende Diplomarbeit selbständig und ohne fremde Hilfe verfasst, andere als die angegeben Quellen und Hilfsmittel nicht benutzt bzw. die wörtlich oder sinngemäß entnommenen Stellen als solche kenntlich gemacht habe. Die vorliegende Diplomarbeit ist mit dem elektronisch übermittelten Textdokument identisch. Brigitte Schwaiger Linz Datum Unterschrift

4 Inhaltsverzeichnis 1 EINLEITUNG PROBLEMSTELLUNG ZIEL DER ARBEIT FORSCHUNGSFRAGEN METHODISCHE VORGEHENSWEISE AUFBAU DER ARBEIT... 4 ABSCHNITT I DEMOGRAPHISCHE ENTWICKLUNG DEFINITION DES BEGRIFFS DEMOGRAPHIE DEFINITION DES BEGRIFFS SOZIALER WANDEL DEMOGRAPHISCHER WANDEL DEMOGRAPHISCHE ALTERUNG DEMOGRAPHISCHE ENTWICKLUNGEN IN ÖSTERREICH Singularisierung und Feminisierung ALTER DEFINITION ALTER- ALTER(N) DIE ALTEN BEGRIFF: SENIOR GESELLSCHAFTLICHE BEDEUTUNG DES ALTERS THEORIEN ÜBER DAS ALTER CHRONOLOGISCHE ALTERSTHEORIE BIOLOGISCHE ALTERSTHEORIE PSYCHOSOZIALE ALTERSTHEORIEN Defizitmodell Disengagement-Theorie Aktivitätstheorie oder Ausgliederungstheorie Kontinuitätstheorie Wachstumstheorien Kognitive Theorien Theorie der generalisierten Erwartungen Theorie der Anpassung an das Alter PÄDAGOGISCHE ALTERSTHEORIE Das Kompetenzmodell / Ressourcen-Ansatz SOZIOLOGISCHE ALTERSFORSCHUNG ABSCHNITT II DIE STADT DEFINITION DES BEGRIFFS STADT URBANISIERUNG - VERSTÄDTERUNG SUBURBANISIERUNG STADTVIERTEL, STADTQUARTIER, WOHNVIERTEL STADTREGION STADTAGGLOMERATION ZWISCHENSTADT DIE STADT LABORATORIUM DER DEMOGRAPHISCHEN ENTWICKLUNG I

5 ABSCHNITT III WOHNEN UND SOZIOLOGIE DER BEGRIFF WOHNEN Trennung von Arbeiten und Wohnen: Wohnen als Ort der Nichtarbeit Ausgrenzung von Personen: Wohnen als Ort der Kleinfamilie Polarisierung von Öffentlichkeit und Privatheit: Wohnen als Ort der Intimität Entstehung des Wohnungsmarkts: Wohnung als Ware NEUE VERHALTENSMUSTER BEIM WOHNEN WOHNEN IM ALTER IN DER STADT HISTORISCHER RÜCKBLICK URBANES UND SUBURBANES WOHNEN IM ALTER Suburbanes Wohnen im Alter Das Projekt Altengerechte Stadt Wohnen in der altengerechten Stadt WOHNEN IM ALTER DIE BEDEUTUNG DES WOHNENS IM ALTER WOHNSITUATION HEUTE Lebensformen und Lebensphasen DIE ÖKONOMISCHE SITUATION DER SENIORINNEN WOHNMOBILITÄT IM ALTER BARRIEREFREIE WOHNUNGEN ALTENGERECHTE WOHNUNGSANPASSUNG Ziel der Wohnungsanpassung WOHNBERATUNG AUSLÄNDISCHE ERFAHRUNGEN WOHNFORMEN TRADITIONELLE WOHNFORMEN Wohnen in der normalen Wohnung Betreutes Wohnen Wohnen mit Service Betreubares Wohnen in Oberösterreich Finanzierung und Förderung Bauliche Voraussetzungen Voraussetzung für MieterInnen Das Angebot Betreubares Wohnen in OÖ NEUE (ALTERNATIVE) WOHNFORMEN Gemeinschaftliches Wohnen Alters- bzw. Seniorenwohngemeinschaften Selbstorganisierte Wohn- und Hausgemeinschaften Integriertes Wohnen oder Mehrgenerationenprojekte Intergeneratives Wohnen Wohnen im Quartier Ein Konzept für die Zukunft BEDEUTUNG DES WOHNUMFELDES ABSCHNITT IV ERFAHRUNGEN AUS DEM AUSLAND DEUTSCHLAND Beispiel: Bremer Heimstiftung NIEDERLANDE Beispiel: Das Projekt Quartier Moerwijk DÄNEMARK Beispiel: Das Modell Ballerup, Wohnquartier Egebjerggård Das Wohnquartier Egebjerggård II

6 ABSCHNITT V DIE SITUATION IN LINZ ABSCHNITT VI ERGEBNISSE DER QUALITATIVEN INTERVIEWS DIE GESELLSCHAFTLICHEN EBENEN Makroebene Die Stadt Linz Mesoebene Soziale Dienste Seniorenorganisationen Die Wohnungsgesellschaften Mikroebene BewohnerInnen Wohnbiographie der BewohnerInnen Miet- oder Eigentumsverhältnis Wohnumfeld - Nachbarschaft TEILABSCHNITT A WOHNEN WOHNFORM UND AUSSTATTUNG DER WOHNUNG Wohnvorstellungen der BewohnerInnen Wohnen gemeinsam mit Familienangehörigen Wohnen im Betreuten oder Betreubaren Wohnen Wohnen in einer Seniorenwohn- oder Hausgemeinschaft Zufriedenheit mit der derzeitigen Wohnsituation EXKURS: DIE AUSSTATTUNG EINER ALTENGERECHTEN WOHNUNG Eignung der Wohnungen für das Alter Ansichten der BewohnerInnen Ansichten der Sozialen Dienste Ansichten von Seniorenorganisationen Der Nutzen einer altengerecht ausgestatteten Wohnung Ansichten der BewohnerInnen Ansichten der Sozialen Dienste Ansichten der Seniorenorganisationen Ansichten der Wohnungsgesellschaften EXKURS: PLANUNGSZEITPUNKT FÜR EINE ALTENGERECHTE WOHNUNG Notwendigkeit der Planung des Wohnens im Alter Sichtweise der BewohnerInnen Sichtweise Soziale Dienste Sichtweise der Seniorenorganisationen Umzug - Wohnungswechsel Ansichten der BewohnerInnen über einen Umzug Wohnvorstellungen bei einem Wohnungswechsel Hilfen bei Veränderung der Wohnsituation Umbauarbeiten - Umzugshilfen Nachbarschaften Ansichten der Seniorenorganisationen Ansichten der Wohnungsgesellschaften Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Wohnen Ansicht der BewohnerInnen Ansicht der Sozialen Dienste Ansicht der Seniorenorganisationen Ansicht der Wohnungsgesellschaften TEILABSCHNITT B DIE STADT LINZ UND DER WACHSENDE ANTEIL ALTER UND ÄLTERER MENSCHEN Bewertung der Maßnahmen der Stadt Linz durch die Mikro- und Mesoebene im Hinblick auf die demographische Entwicklung Bewertung der BewohnerInnen III

7 Bewertung der Sozialen Dienste Bewertung der Seniorenorganisationen Bewertung durch die Mikro- und Mesoebene über ein gutes Altern im Sozialraum der Stadt Linz Bewertung durch die BewohnerInnen Bewertung durch Soziale Dienste Bewertung durch Seniorenorganisationen Alt werden im Stadtteil Bewertung der BewohnerInnen Stellenwert des Wohnens im Alter für die Mesoebene Bedeutung für Soziale Dienste Bedeutung für Seniorenorganisationen Unterstützungen durch die Mesoebene Wohnungsberatung Verbesserungsmöglichkeiten beim Wohnen im Alter Ansichten der Sozialen Dienste Ansichten der Seniorenorganisationen WOHNUNGSGESELLSCHAFTEN UND DIE DEMOGRAPHISCHE ENTWICKLUNG Wohnungsgesellschaften und ältere und alte Menschen Planung und Berücksichtigung zukünftiger Erfordernisse WOHNUMFELD Bedeutung des Wohnumfeldes Aus Sicht der Sozialen Dienste Aus Sicht der Seniorenorganisationen Erfordernisse im Wohnumfeld Aus Sicht der BewohnerInnen Aus Sicht der Sozialen Dienste Aus Sicht der Seniorenorganisationen Von den LinzerInnen wahrgenommene Veränderung des Wohnumfeldes Äußerungen der BewohnerInnen gegenüber den Sozialen Diensten Äußerungen der BewohnerInnen gegenüber den Seniorenorganisationen Geschlechtsspezifische Unterschiede im Wohnumfeld Aus Sicht der BewohnerInnen Aus Sicht der Sozialen Dienste Aus Sicht der Seniorenorganisationen Aus Sicht der Wohnungsgesellschaften TEILABSCHNITT C EXKURS: GESPRÄCHE DER BEWOHNERINNEN IM FREUNDESKREIS ÜBER DAS WOHNEN IM ALTER ZUKÜNFTIGES WOHNEN DER GENERATION Sichtweise der Sozialen Dienste Sichtweise der Seniorenorganisationen Sichtweise der Wohnungsgesellschaften ZUKÜNFTIGE WOHNFORMEN Zukünftige Wohnformen nach Ansichten von Sozialen Diensten Zukünftige Wohnformen nach Ansichten von Seniorenorganisationen Zukünftige Wohnformen nach Ansichten von Wohnungsgesellschaften INTERESSE DER LINZERINNEN AN ALTERNATIVEN WOHNFORMEN Nach Ansicht der Sozialen Dienste Nach Ansicht von Seniorenorganisationen Nach Ansicht von Wohnungsgesellschaften UNTERSTÜTZUNGSMÖGLICHKEITEN ALTERNATIVER WOHNFORMEN DURCH DIE MESOEBENE Durch Soziale Dienste Durch Seniorenorganisationen SCHWIERIGKEITEN DER VERWIRKLICHUNG ALTERNATIVER PROJEKTE Nach Ansicht der Sozialen Dienste Nach Ansicht der Seniorenorganisationen Nach Ansicht der Wohnungsgesellschaften IV

8 14.11 EINFLUSSMÖGLICHKEITEN ZUR ERRICHTUNG ALTERNATIVER WOHNMODELLE DURCH DIE MESOEBENE Durch Soziale Dienste Durch Seniorenorganisationen ETWAS NEUES GEMEINSAM MIT ANDEREN AUF DIE BEINE STELLEN Durch die BewohnerInnen Durch Soziale Dienste Durch Seniorenorganisationen BEANTWORTUNG DER FORSCHUNGSFRAGEN RESÜMEE LITERATUR: SEKUNDÄRLITERATUR ANHANG BIOGRAPHISCHE DATEN DER INTERVIEWTEN BEWOHNERINNEN DATEN DER WEITEREN EXPERTINNEN INTERVIEWLEITFÄDEN BewohnerInnen Seniorenorganisationen Soziale Dienste Wohnungsgesellschaften V

9 Abbildungen Abbildung 1: Bevölkerungspyramide... 8 Abbildung 2: Bevölkerung nach Lebensform Abbildung 3: Austauschprozess Wohnen Abbildung 4: Heiligen-Geist-Hospital Lübeck Abbildung 5: Fuggerei Augsburg. Zentrale Herrengasse Abbildung 6: Bürgerspital Wien Abbildung 7: Umzugsbereitschaft von 55-75jährigen in Miethaushalten in Westdeutschland Abbildung 8: Umzugswahrscheinlichkeit von MieterInnen und EigentümerInnen Abbildung 9: Wohnumfeld Abbildung 10: Herausforderungen der Kommunen bei der Gestaltung eines altengerechten Wohnumfeldes Abbildung 11: Wanderungssalden Linz Abbildung 12: Bevölkerungsstruktur Familienstand - Hauptwohnsitzbevölkerung Linz Abbildung 13: Anteil der SeniorInnen - 60jährige und älter mit Hauptwohnsitz in Linz Abbildung 14: Betreubare und Betreute Wohnungen in Linz Abbildung 15: Anzahl der Wohnungen in den Linzer Gebäuden Abbildung 16: Bauperiode der Gebäude Tabellen Tabelle 1: Bevölkerungsveränderung... 9 Tabelle 2: Übersicht von Alterstheorien der verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen Tabelle 3: Gemeindegrößen - EinwohnerInnen Tabelle 4: Struktur der Lebensformen nach Alter Jahresdurchschnitt Tabelle 5: Bevorzugte Wohnformen Tabelle 6: Zufriedenheit, Ausstattung und Eignung der Wohnung Abkürzungen BW = BewohnerInnen SO = Seniorenorganisationen SN = Soziale Dienste WG = Wohnungsgesellschaften ÖPNV = Öffentlicher Personen Nahverkehr VI

10 1 Einleitung Die Bedingungen unter denen Menschen altern, haben sich verändert und sind anders als vor vierzig oder fünfzig Jahren. Dazu gehört auch, dass heute immer mehr Menschen ein höheres Lebensalter erreichen. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung wächst. Damit rücken ältere und alte Menschen vermehrt in das Blickfeld öffentlichen Interesses. Altern wird dabei meist mit Altersheimen oder Pflege in Verbindung gebracht und den damit verbundenen hohen Kosten für die Allgemeinheit. Die Realität sieht jedoch anders aus, denn ca. 97 Prozent der über 60jährigen leben in Privathaushalten. Zudem wird in der öffentlichen Diskussion kaum beachtet, wie unterschiedlich die Lebenssituationen der Älteren und Alten sind, die durch gesellschaftliche Ressourcen in finanzieller, gesundheitlicher und sozialer Hinsicht beeinflusst werden. Das zeigt sich auch in der Wohnsituation. Die Möglichkeit, im Alter selbstbestimmt und eigenverantwortlich leben zu können, hängt vorwiegend mit diesen Ressourcen zusammen. Mit dieser Materie setzen sich bei Diplomarbeiten meist jüngere Menschen auseinander sowie mit der Art und Weise, wie die ältere Generation leben und wohnen soll. Da ich selbst zu den Älteren gehöre und direkt von der Thematik Urbanes Wohnen im Alter betroffen bin, habe ich sie zum Gegenstand für meine Diplomarbeit gemacht. Zudem musste ich während der Erstellung der Diplomarbeit umziehen. Diese direkten Erfahrungen, die ich in dabei für die Diplomarbeit gesammelt habe, waren in Bezug auf diese Arbeit sehr aufschlussreich. 1.1 Problemstellung Da das Leben im Alter vor allem Wohnalltag bedeutet, kann es nicht überraschen, dass Wohnen und Wohnumfeld von großer Bedeutung für das Leben älterer und alter Menschen sind, da sie so lange wie möglich selbstbestimmt und eigenverantwortlich leben wollen, Da Wohnungen keine Konsumartikel sind, die für den kurzfristigen Gebrauch produziert werden, haben sie eine lange Lebensdauer. So wie sie gebaut werden, prägen sie Städte und damit die Wohnsituation der Menschen für lange Zeit. Durch die demographische Entwicklung stehen Städte und Bewohner vor der Herausforderung, vorgegebene städtebauliche Strukturen und geänderte Bedürfnisse miteinander in Einklang bringen zu müssen und neue Entwicklungen vorausschauend einzuplanen. Das führt seit einigen Jahren dazu, dass neue und alternative Wohn- 1

11 formen angedacht und in den Medien vorgestellt werden. Spielen sie für die Generation 55+ derzeit aber auch tatsächlich eine Rolle? 1.2 Ziel der Arbeit Ziel der Arbeit ist eine Auseinandersetzung mit urbanem Wohnen im Alter. Neben der theoretischen Beschäftigung mit dem Thema, möchte ich mich mit dem Wohnen im Alter in der Stadt Linz auseinandersetzen, um auf Basis einer empirischen Befragung einen Einblick zu gewinnen, welche Wohnformen sich die Generation 55+ für ihr zukünftiges Alter vorstellen kann und ob ein Zusammenhang zwischen der demographischen Entwicklung und individuellen Wohnformen, die in der Literatur als alternative Wohnformen oder Neue Wohnformen im Alter bezeichnet werden, besteht. Im Rahmen meiner Diplomarbeit möchte ich mich aber auch genereller mit dem Wohnen im Alter in einer urbanen Stadt beschäftigen und nicht nur mit den Wohnformen. Dazu war es erforderlich, auch Akteure der gesellschaftlichen Mikro- und Mesoebene einzubeziehen. 1.3 Forschungsfragen Wo wohnen alte Menschen, bzw. wie wollen Menschen im Alter wohnen? Wie anpassungsfähig sind soziale Systeme mit einem größeren Anteil von alten Menschen in der Bevölkerung in ihren Wohnformen, bezogen auf die Stadt Linz? o Wie stellt sich die Stadt Linz darauf ein? o Wie gehen Wohnungsgesellschaften damit um? 1.4 Methodische Vorgehensweise Als qualitatives Untersuchungsinstrument wurden Experteninterviews in Form von Leitfadeninterviews gewählt. Ob jemand als Experte gilt, hängt in erster Linie vom Forschungsinteresse ab. Deutlich wird dies bei den BewohnerInnen, denen eine wichtige Rolle bei der Informationsbeschaffung über (Neue) Wohnformen im Alter im urbanen Raum zukommt. (Gläser/Laudel 2010: 11) Zur methodischen Durchführung wurden qualitative Befragungen von ExpertInnen mittels Leitfäden und Beobachtungen gewählt. Zudem wurden eigene Milieukenntnisse herangezogen. Als Sekundäranalyse dienten Daten aus dem Internet von Statistik Austria und der Stadt Linz. Zielgruppe Insgesamt wurden zwanzig Interviews geführt. Zielgruppen waren: BewohnerInnen aus der Gruppe der sogenannten Jungen Alten, also Frauen und Männer im Alter zwischen 55 und 75 Jahren. Sie sollten in privaten Wohnungen leben und im 2

12 Stadtgebiet von Linz wohnen. Es konnten Gespräche mit elf LinzerInnen acht Frauen und drei Männer - geführt werden, bei denen sowohl eine ähnliche soziale Lage als auch ein ähnlicher Lebensstil vermutet werden kann. Von den Frauen leben drei allein, fünf sind verheiratet; diese leben jeweils in einem Zwei Personenhausalt. Alle Männer sind verheiratet und wohnen gemeinsam mit ihrer Partnerin in einem Zwei Personenhaushalt. Außerdem wurden Interviews mit ExpertInnen von o drei Seniorenorganisationen, o vier Sozialen Diensten und o zwei Wohnungsgesellschaften geführt. Für die ExpertInnen wurde kein einheitlicher Leitfaden verwendet; dieser unterschied sich je Gruppe. Die Leitfadenvarianten befinden sich im Anhang der Diplomarbeit. Zugang zur Zielgruppe Als Erstes wurde versucht, BewohnerInnen als GesprächspartnerInnen für ein persönliches Interview durch die Senioren-Internetplattform zu finden. Dieser Weg war jedoch, trotz Unterstützung durch die Seniorkom - Redaktion nicht zielführend, denn die Seniorkom-Internetmitglieder aus Linz konnten zu Interviews nicht motiviert werden. Deshalb wurde anschließend über ehemalige berufliche und persönliche Kontakte ein Zugang zu Linzer BewohnerInnen hergestellt. Von den ersten TeilnehmerInnen wurden dann weitere GesprächspartnerInnen vermittelt. Die Gespräche fanden zum Großteil in deren Wohnungen statt. Vor der konkreten Durchführung der Interviews wurden bei der ersten Kontaktaufnahme die InterviewpartnerInnen entweder mittels Telefonat oder per über das Ziel und den Inhalt des Gesprächs vorinformiert. Vor Interviewbeginn erfolgte dann nochmals eine allgemeine Vorstellung der Diplomarbeit. Mit allen in Linz ansässigen Seniorenorganisationen, Sozialen Diensten und Wohnungsgesellschaften wurde mittels Kontakt aufgenommen. Mit den ExpertInnen der Organisationen, die sich dann zu einem Interview bereit erklärt hatten, wurden anschließend an Hand eines Telefonats der Termin sowie der Ort des Gesprächs vereinbart. Die Interviews fanden in den Geschäftsräumen der jeweiligen Institution statt. Den InterviewpartnerInnen wurde Anonymität zugesichert. Die Gespräche dauerten zwischen 45 Minuten und 2½ Stunden. Sie wurden mittels Tonband aufgezeichnet und anschließend transkribiert. Bei der Darstellung der Ergebnisse wurde versucht, Vergleiche zwischen den BewohnerInnen und den ExpertInnen herauszuarbeiten. Die Auswertung der Gespräche erfolgte anhand des Computerprogramms MAXQDA. 3

13 1.5 Aufbau der Arbeit Um einen kurzen Überblick über die Arbeit zu vermitteln, werden hier kurz die verschiedenen Abschnitte vorgestellt. Die Abfolge der unterschiedlichen Themenbereiche, die für die Diplomarbeit als wichtig angesehen wurden, wird im Folgenden kurz dargestellt: Im ersten Abschnitt geht es um die Literaturrecherchen und theoretischen Grundlagen. Neben der Beschäftigung mit der demographischen Entwicklung erfolgt eine Auseinandersetzung mit den Altersbegriffen, den Theorien über das Alter und der Soziologischen Altersforschung. Anschließend, im zweiten Abschnitt erfolgt eine Beschreibung der Begriffe im Zusammenhang mit der Stadt. Der dritte Abschnitt ist eine Zusammenführung der obigen Themenbereiche, skizziert die theoretischen Zusammenhänge und Konzepte zwischen Wohnen und Soziologie, Wohnen im Alter in der Stadt, den Wohnformen und der Bedeutung des Wohnumfeldes. Im vierten Abschnitt wird über ausländische Erfahrungen zum Thema Wohnen und Wohnformen im Alter berichtet. An dieser Stelle wird erwähnt, dass aufgrund der Verschachtelung des Themas eine umfangreiche Literaturrecherche und theoretische Auseinandersetzung notwendig war, die auch zur Erstellung des Interviewleitfadens benötigt wurde. Der fünfte Abschnitt beschäftigt sich mit der Stadt Linz und stellt einen Zusammenhang mit dem empirischen Teil der Diplomarbeit her. Der sechste Abschnitt stellt den empirischen Teil der Arbeit dar. Er ist die Basis für die Beantwortung der Forschungsfragen. Im letzten Teil sollen die Forschungsfragen beantwortet und ein Resümee aus den gewonnenen Erkenntnissen gezogen werden. Abschnitt I 2 Demographische Entwicklung 2.1 Definition des Begriffs Demographie Als Demographie wird eine Wissenschaft bezeichnet, die sich mit der Struktur und Entwicklung der Bevölkerung beschäftigt. Demographie versucht unter anderem die Bevölkerungsgröße, den Altersaufbau, die Fruchtbarkeitsraten und Sterblichkeit sowie Bevölkerungsbewegungen zu beschreiben, zu analysieren und zu erklären. Manchmal unterscheidet man im deutschsprachigen Raum zwischen Demographie, Bevölkerungswissenschaft und Bevölkerungslehre (vgl. Fuchs- Heinritz 1995: 129). Dabei wird der Demographie die Rolle der statistischen Erfassung und Beschreibung der Bevölkerung zugeschrieben, während der Bevölkerungswissenschaft die Auf- 4

14 gabe der Erklärung durch Rückgriff auf soziale Strukturen, historische Bedingungen etc. zukommt. (Fuchs-Heinritz 1995: 129) Für Prognosen von Bevölkerungsentwicklungen bedient sich die Demographie vermehrt statistischer Verfahren und mathematischer Modelle (vgl. Fuchs- Heinritz 1995: 129). Für Höpflinger sind seit den 1980er Jahren vermehrt Überschneidungen zwischen Bevölkerungswissenschaft und Soziologie feststellbar. Verantwortlich dafür sind vor allem zwei Gründe: 1. Es ist vermehrt möglich geworden, anonymisierte Grunddaten aus der Statistik zu erhalten und klassische Methoden der Demographie in die Soziologie einfließen zu lassen. 2. Es haben sich in konzeptioneller und theoretischer Hinsicht deutliche Konvergenzen (Höpflinger 1997: 13) ergeben. Als wichtigstes Beispiel kann die Lebensverlaufsforschung angeführt werden, die traditionelle soziologische Fragestellungen (wie z.b. Mobilitätsforschung) mit sozio-demographischen Fragestellungen (z.b. Familiengründung, Migration) verbindet. Damit werden klassische demographische Konzepte (Geburtsjahrgang (Kohorte), Alter, generatives Verhalten, Sterblichkeit usw.) mit sozialwissenschaftlichen Konzepten (Lebenslauf, Familienzyklus, kritische Übergänge und Statuspassagen usw.) verknüpft (Höpflinger 1997: 13). Durch die Verknüpfung von amtlicher Statistik und individuellen Daten einerseits sowie durch die Verbindung von demographischen und soziologischen Konzepten andererseits gelingt es der Soziologie vermehrt, die Wechselwirkungen zwischen individuellem Verhalten, gesellschaftlichem Wandel und demographischen Prozessen zu bestimmen (Höpflinger 1997: 14). Damit dürfte es möglich sein, demographische Fehlschlüsse zu verhindern, die entstehen wenn die differenzierten und komplexen Wechselwirkungen zwischen allgemeinen und demographischen Entwicklungen und sozialem Verhalten von Individuen und Gruppen ausgeblendet werden. (Höpflinger 1997: 14) 2.2 Definition des Begriffs Sozialer Wandel Unter dem Begriff sozialer Wandel versteht Thieme die umfassende Veränderung sozialer - ineinander verwobener Strukturen (Thieme 2008: 79f). Demographischer Wandel ist als Teil des sozialen Wandels zu betrachten und stellt eine wesentliche Veränderung der Bevölkerungsweise dar. Damit gemeint ist beispielsweise unter anderem die Änderung von der Agrar- zur Industriegesellschaft. In traditionellen Gesellschaften lebte und arbeitete die Mehrheit der Bevölkerung auf dem Land. Moderne Gesellschaften sind Stadtgesellschaften. Die meisten Menschen 5

15 leben und arbeiten in der Stadt. Städte sind hier der Mittelpunkt des wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Lebens. (Thieme 2008: 80) 2.3 Demographischer Wandel Für die Bevölkerungsentwicklung sind drei demographische, voneinander abhängige Bereiche von Bedeutung: Geburten (Fertilität), Todesfälle (Mortalität) und Migration (Zu- und Abwanderung). Demographischer Wandel kann nicht losgelöst von anderen gesellschaftlichen Entwicklungen gesehen werden, sondern ist Teil eines Prozesses des sozialen Wandels (Thieme 2008: 79f.). Demographische Entwicklungen haben Auswirkungen auf das Wohnen, weil sie zum Beispiel die Entwicklung der Zahl und Größe von Haushalten sowie den Bedarf nach neuen Wohnungen beeinflussen. Wenig Geburten bedeuten eine geringere Nachfrage nach Familienwohnungen, und mehr ältere Menschen bedeuten mehr Kleinhaushalte. (Höpflinger 2009: 21) 2.4 Demographische Alterung Dinkel meint, dass derzeit 'Alterung' zu den meisterwähnten sozialen Phänomenen gehört. Allerdings ist damit nicht immer «demographische Alterung» gemeint, also die Alterung der Bevölkerung. [ ] Alterung auf der Ebene von Individuen, wie sie typischerweise in der Biologie oder Medizin betrachtet wird, [...] ist eine Erfahrung die sich am direktesten mit [ ] Aging from birth to death beschreiben lässt. (Dinkel 1994: 62f) Für die demographische Alterung gilt jedoch ein anderer Ansatz: Alle in demographischen Gesamtheiten lebenden Personen altern im individuellen Sinne permanent, zugleich aber wachsen der Gesamtheit durch Geburten und Wanderungen neue Individuen dazu. Demographisches»Altern«ist die Umschreibung von»durchschnittlichen Veränderungen von Bevölkerungsgesamtheiten«, von Altersstrukturen (Dinkel 1994: 63). Nach Meinung von Thieme geht demographische Alterung auf ein Phänomen zurück, das vor etwa 100 Jahren in den Industrieländern begonnen hat. Inzwischen ist davon die ganze Weltbevölkerung betroffen und es wird sich auch deren Bevölkerungswachstum glücklicherweise in einigen Jahrzehnten beenden (Thieme 2008: 20). Für die Verfasser des Handbuchs Altengerechte Stadt ist demographische Alterung ein Teil des historischen und zivilisatorischen Fortschritts, durch den Menschen nach Abschluss der Erwerbsphase - in der Zwänge vorherrschen - noch eine längere Zeit zur Verfügung haben, in der sie selbst bestimmten können, wie sie die Zeit verbringen und womit sie sich betätigen, ob und 6

16 wie sie sich - für sich, für andere und für die Gemeinschaft - einbringen (Grymer et al. 2005: 32). Für Tews findet ein Strukturwandel des Alterns statt, der sich in Entberuflichung, Verjüngung des Alterns, Hochaltrigkeit, Feminisierung und Singularisierung zeigt (vgl. Tews 1996: 14 in Rüßler 2007: 30f). 2.5 Demographische Entwicklungen in Österreich In Österreich verändert sich die Bevölkerungsstruktur ebenfalls. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts stieg stets die Lebenserwartung. Die Gründe dafür sind vor allem der medizinische Fortschritt und die hygienischen Bedingungen, die sich verbessert haben. So ist die Kindersterblichkeit (gestorbene Säuglinge auf 1000 Lebendgeborene) in Österreich zurückgegangen und zwar beispielsweise von 32,7 Promille im Jahr 1961 auf 3,7 Promille im Jahr ( hische_indikatoren/index.html; download ) Außerdem wurden die Arbeitsbedingungen besser und die Arbeitszeiten kürzer. Zudem wurden die Menschen, zumindest in Mitteleuropa, seit über 60 Jahren nicht mehr durch Kriege in Mitleidenschaft gezogen. Die Auswirkungen der vergangenen zwei Weltkriege sind jedoch bis heute in der älteren und alten Bevölkerungsgruppe zu spüren. Betrachtet man die österreichische Geburtenbilanz in ihrer Gesamtheit, dann ist diese auf den ersten Blick negativ. Da als Geburtenbilanz die Differenz zwischen Geburten und Sterbefällen bezeichnet wird, bedeutet eine negative Geburtenbilanz die Erhöhung des Anteils älterer und alter Menschen an der Gesamtbevölkerung. Aus der Tabelle 1 (Seite 9) ist ersichtlich und darauf verweisen auch die Bevölkerungsprognosen der Statistik Austria, dass die Geburtendefizite langfristig durch Zuwanderung kompensiert werden. Bereits seit den 1980er Jahren ist die demographische Entwicklung in Österreich stark von Migrationsbewegungen geprägt. Nach Daten von Statistik Austria sind nach Österreich zwischen 1981 und Nicht- Österreicher - hauptsächlich jüngere Personen (aber nicht nur) - meist im Alter zwischen dem 15. und 45. Lebensjahr - zugezogen. Von einer Alterung der österreichischen Bevölkerung kann also nur dann gesprochen werden, wenn man zur Berechnung lediglich die Bürger des österreichischen Nationalstaates heranzieht. ( /bevoelkerungsveraenderung_nach_komponenten/index.html, download: ) Die negative Geburtenbilanz der österreichischen Bevölkerung verändert sich durch die Geburten von Nicht-Österreichern ins Positive. Das führt dazu, dass der Bevölkerungsstand in Öster- 7

17 reich nicht gesunken ist, sondern sich zwischen dem Beginn des Jahres 1981 und dem Ende des Jahres 2009 um Personen erhöht hat. ( gen/ html download: ) Nach Annahmen von Statistik Austria wird die Bevölkerung auch in Zukunft stark wachsen und zwar bis 2030 auf neun Millionen und bis 2050 auf 9,5 Millionen Menschen (Abbildung 1). ( ngsprognosen/index.html; download: ) Abbildung 1: Bevölkerungspyramide Quelle: Statistik Austria, download: Parallel zum Wachstum der Bevölkerung verändert sich die Altersstruktur. Kräftige Zuwächse werden bei der über 60jährigen Bevölkerungsgruppe erwartet. Die Baby-Boomer-Jahrgänge der späten 1950er und 1960er Jahrgänge erreichen dann das Pensionsalter. Zusätzlich wird angenommen, dass mehr Menschen als früher ein höheres Alter erreichen werden. Wenn die Prognosen stimmen, dann werden in Österreich im Jahr ,07 Millionen Menschen über 60 Jahre alt sein. Das sind um 10 % mehr als 2008 (1,88 Mio.). Ein noch größerer Anstieg wird bei den 75-Jährigen erwartet waren Personen älter als 75 Jahre. Für das Jahr 2030 werden 8

18 1,02 Millionen prognostiziert; dies wäre ein Anstieg von 54 % gegenüber ( ngsprognosen/index.html; download: ) Tabelle 1: Bevölkerungsveränderung Bevölkerungsveränderung seit 1981 nach Staatsangehörigkeit Jahr Jahresanfang Geburtenbilanz Wanderungsbilanz Einbürgerungen Statistische Korrektur Veränderung insgesamt Jahresende Österreicher Nicht-Österreicher Quelle: Datengrundlage: Statistik Austria - eigene Berechnungen ( erungsveraenderung_nach_komponenten/index.html; download: ) Bezogen auf die prognostizierte Gesamtbevölkerung des Jahres 2030 von 9 Millionen Menschen würden dann 11,3 % der österreichischen Bevölkerung über 75 Jahre alt sein. Da die Prozentpunkte den jeweiligen Anteil an der Gesamtbevölkerung ausdrücken, sind Änderungen möglich, wenn die Geburtenraten einen anderen Verlauf als in der Gegenwart nehmen und sich auch sonst keine Änderungen ergeben, wie beispielsweise durch Umweltkatastrophen oder wissenschaftliche Erkenntnisse. In diesem Zusammenhang sei auf den Pillen-Knick in der Bevölkerungsentwicklung verwiesen, der von Demographen nicht vorauszusehen war. Als ziemlich sicher kann aber angenommen werden, dass sich das Verhältnis von jungen und älteren Personen zugunsten der älteren und alten Menschen verschieben wird. ( ngsprognosen/index.html; download: Singularisierung und Feminisierung Die privaten Haushalte weisen in verstärktem Maße eine Tendenz zur Singularisierung - also zur Verkleinerung der Haushalte - auf. Dies führt dazu, dass der Bedarf an Wohnungen ansteigt waren es noch 5,4 % der Männer und 12,1 % der Frauen, die allein in einem Privathausalt gelebt haben. Im Jahr 2009 lebten in Österreich von den Privathaushalten hingegen schon 13,8 % der Männer, bei den Frauen sogar 17,2 % allein und dies vorwiegend in städti- 9

19 schen Gebieten. Geschlechtsspezifische Unterschiede nehmen im steigenden Alter noch weiter zu. Während die Männer in den höchsten Altersgruppen hauptsächlich in Partnerschaften leben, sieht das Bild bei den Frauen eindeutig anders aus. Frauen leben im Alter hauptsächlich allein. Man kann annehmen, dass gemeinschaftliche neue Wohnformen daher hauptsächlich für Frauen von Bedeutung sein könnten. (Vgl. sformen/index.html; download: ) Nach Prognosen von Statistik Austria werden die Einpersonenhaushalte jedoch noch weiter ansteigen und zwar viermal so stark wie die Zahl der Mehrpersonenhaushalte; sie dürften 2050 einen Anteil von 41,3 % stellen (Abbildung 2). (Vgl. nd_familienprognosen/index.html#index1; download: ) Dies zeigt auch die folgende Grafik: Abbildung 2: Bevölkerung nach Lebensform Quelle: Statistik Austria ( lienprognosen/index.html#index1; download: ) Laut einer 50+Studie in Deutschland sieht die Hälfte der Befragten der Altersgruppe 50+ andere Lebensformen im Alter als unausweichlich an. Danach zeigten 60 % bei der Befragung ein 10

20 Interesse an alternativen Wohnformen. Sollten also tatsächlich neue Wohnformen im Trend liegen, dann werden die demografischen Veränderungen Auswirkungen auf die Entwicklung der Städte bzw. Stadtregionen mit sich bringen (vgl. Otten 2008: 242). Ebenso kann man annehmen, dass dies Einflüsse sowohl auf die Ausstattung der Wohnung als auch auf die Beschaffenheit des Wohnumfeldes mit sich bringen wird. 3 Alter Beschäftigt man sich mit dem Wohnen im Alter, dann erscheint es notwendig, sich zuerst mit dem Alter(n) auseinanderzusetzen, denn wie gewohnt wird steht mit dem Alter(n) in engem Zusammenhang. Fast jeden Tag kann man zu den unterschiedlichsten Themen in den Medien etwas über das Alter lesen. Sei es wegen der Kosten für die sozialen Sicherungssysteme, des Generationenvertrages, einer kaufkräftigen Konsumentengruppe oder neu als gesellschaftliche Ressource der Bürgergesellschaft. Welche Alten gerade gemeint sind, ist meist jedoch nicht klar. Da es keinen allein gültigen Altersbegriff gibt, kann Alter(n) immer nur relativ gesehen werden: Einerseits nach der persönlichen Einschätzung und andererseits nach der gesellschaftlichen Bewertung. (Vgl. Thieme 2008: 29) Altern findet zwar auf der Zeitskala statt, trotzdem werden meist nicht nur Jahre gezählt, sondern Beziehungen hergestellt. Zum Beispiel kann man zu alt für die Besetzung eines bestimmten Arbeitsplatzes sein oder zu jung für den Seniorentarif bei den österreichischen Bundesbahnen. Zeit und Wertungsdimensionen sind untrennbar miteinander verknüpft. (Göckenjan 2000: 29) 3.1 Definition Alter- Alter(n) Das Alter ist eine wichtige lebenslaufstrukturierende Passage aber es gibt kaum etwas, was typisch für das Alter ist (Göckenjan ). Wie aber definiert man dann Alter? Sprachwissenschaftler sind der Meinung, dass man das Wort alt vom indogermanischen Wortstamm al her begründen kann, das wachsen und reifen bedeutet. Würde man alt jedoch nur biologisch, auf eine Person bezogen betrachten, wäre der Alternsprozess lediglich ein natürlicher Wachstums- und Reifeprozess und Alter(n) hätte lediglich mit biologischen Vorgängen zu tun. (Vgl. Behl/Moosmann 2008: 8) So einfach kann man also die Frage was alt bzw. Alter(n ) bedeutet, nicht beantworten. Der Verweis auf die Biologie zur Begriffsbestimmung reicht jedenfalls nicht aus. Der Begriff Alter(n) beschreibt ein Phänomen, das vom Altern der Zelle bis hin zur demographischen Alterung der Bevölkerung reicht - je nach dem, aus welcher Perspektive Alter gesehen wird. (Vgl. Kielmansegg 2008: vi) 11

21 Abhängig von der Betrachtungsweise wird z. B. von biologischem Alter(n), sozialem, psychologischem, chronologischem Alter(n) gesprochen. Die mit dem Alter verbundenen Stereotypien ändern sich im Lauf der Zeit und unterliegen auch Modeströmungen. Die Definition des Alters ist eine gesellschaftliche Konstruktion. Sie ist zwar nicht völlig beliebig, [ ] doch gibt es keine in der Natur festgelegten Grenzen. (Schröter/Prahl 1999: 46) Schröter/Prahl verweisen auf die Definitionen von Bango, der unter anderem folgende Altersbegriffe verwendet: Kalendarisches Alter: die seit der Geburt vergangene Zeit Biologisches Alter: der körperliche Zustand des Menschen aufgrund der biologischen Vorgänge von Wachstum, Reifung, Abbau und Verfall Rechtliches Alter: die dem (kalendarischen) Alter entsprechenden Rechte, Pflichten und Mündigkeiten Funktionales Alter: altersmäßige Funktionalität, Leistungsfähigkeit im Gesamt des sozialen Lebens, besonders des gesellschaftlichen Arbeitsteilungssystems Psychologisches Alter: das Verhältnis des Individuums zu sich selbst, die Selbstdeutung des eigenen Zustandes, sich»so alt«zu fühlen und entsprechend zu verhalten. Soziales Alter: Übernahme der in der Gesellschaft altersspezifisch üblichen Rollen und Positionen. Personales Alter: Zusammenwirken und Integration aller Altersaspekte während des gesamten Lebens und des Alternsprozesses zur personalen und sozialen Identität. (Bango 1994: 109f in Schröter/Prahl 1999:48) 3.2 Die Alten Alter ist also nicht nur eine biologische Gegebenheit, sondern auch eine gesellschaftliche Konstruktion - die menschlichen Lebensalter (sind) sozial konstruiert. (Kohli 1994a: 234). Altersbilder erzeugen oder beeinflussen die Wirklichkeit und werden dann zu einer selbst erfüllenden Prophezeiung, wenn die/der Einzelne sich gemäß dem der Altersgruppe entsprechenden - Rollenmuster verhält. (Vgl. BMFSFJ 2010: 45) Orientiert man sich beim Begriff der/die Alte nach sozialpolitischen Gesichtspunkten, dann sind der/die Alte Menschen, die mit ihrem Pensionsantritt aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind und deshalb sozialstaatliche Leistungen in Anspruch nehmen. Demnach wäre beispielsweise ein 50jähriger Pensionist bereits alt, hingegen ein 75jähriger - der noch als Künstler tätig ist, z.b. Udo Jürgens - jung. Dieses Beispiel zeigt, wie ungenau die sozialpolitische Definition ist. (Vgl. Göckenjan 2000: 29) 12

22 Soziologie und Gerontologie versuchen Ausdifferenzierungen. Von ihnen wird zwischen jungen und alten Alten sowie Hochbetagten unterschieden bzw. vom dritten und vierten Alter gesprochen. (Walter et al. 2006: 40) Es wird differenziert zwischen: jungen Alten : alten Alten : ca Jahre ab 75 Jahre Hochbetagten : ab ca. 85 Jahre (vgl. Walter et al. 2006: 40). 3.3 Begriff: Senior Der Begriff Senior, von lat. senior = älter, hatte ursprünglich eine fachspezifische Bedeutung, meinte den Älteren im Familienverband (als Gegensatz zum Junior), den Ältesten einer kirchlichen Gemeinschaft oder die sogen. Alten Herren der studentischen Korporationen. [ ] Erst in den 1970er Jahren erlebt der Begriff eine semantische Verschiebung und wird zur generellen Bezeichnung der Angehörigen des hohen Lebensalters. [ ] Senior meist in der Pluralform Senioren gebraucht soll den weitgehend negativ besetzten Begriff der Alten umgangssprachlich früher meist alte Leute genannt ersetzen und aufwerten. [ ] der Begriff der Senioren in seiner aktuellen Bedeutung (ist) zwar selbstverständlicher Teil offizieller Sprechweisen (in Politik und Wirtschaft) geworden, (wird) jedoch in der Umgangssprache keineswegs nur positiv bewertet (manchmal wird er mit senil in Verbindung gebracht) ( download: ). Nach Andrea Bramberger wäre die Verwendung des Begriffes Senior zur Aufweichung des negativen Altersbildes entstanden. Sie bezieht sich auf die Schlussfolgerung von Kondratowitz wonach: Senioren nicht länger in den Arbeitsprozess eingegliedert (sind), aber auch (noch) nicht als umfassend hilfsbedürftige Mängelwesen verstanden werden (können). (Bramberger 2005: 57f, zit. nach AG Fachbericht, zit. nach Kondratowitz 1990: 240) In Österreich ist der Begriff Senioren im 2 des Bundes-Seniorengesetzes geregelt. Als Senioren gelten sie dann, wenn sie auf Grund eines Gesetzes oder Vertrages aus eigener Tätigkeit eine Pension, gleichgültig welcher Art, beziehen oder ein bestimmtes Alter erreicht haben; dieses ist bei Frauen die Vollendung des 55. Lebensjahres und bei Männern die Vollendung des 60. Lebensjahres. ( ; download: ) 3.4 Gesellschaftliche Bedeutung des Alters Nach Meinung von Frank Thieme hat es die Gesellschaft zum ersten Mal in ihrer Geschichte geschafft, dass Alter zu einer für alle wahrscheinlich erlebbaren und zugleich gemeinhin le- 13

23 benswerten Lebensphase wurde (Thieme 2008: 16). Alte Menschen stellen eine immer größer werdende Bevölkerungsgruppe dar, die bei politischen Entscheidungsprozessen sowie beim Konsumverhalten an Bedeutung gewinnt. (Vgl. Thieme 2008: 16) Jedoch nicht nur die zahlenmäßige Zunahme und der Anteil älterer Menschen sind zu beachten. Auch viele wohn- und sozialpolitische Erörterungen mit Bezug auf demographische Prozesse unter Einbeziehung gleichzeitig ablaufender gesellschaftlicher Veränderungen dürfen nicht vernachlässigt werden. Gerade bei Altersfragen, aber auch bei Wohnungsfragen verbinden sich Prozesse demografischer Alterung mit Prozessen gesellschaftlichen Wandels in komplexer Weise, und tatsächlich unterliegen heute späteres Erwachsenenalter und höheres Lebensalter dreifachen Wandlungsprozessen (Höpflinger 2009: 21): (Vgl. Höpflinger 2009: 21) 1. Bei der deutlichen demographischen Alterung der Bevölkerung ist zusätzlich zu den niedrigen Geburtenraten auch die erhöhte Lebenserwartung von Bedeutung. 2. Neue Generationen die so genannten Babyboomer - erreichen ein höheres Lebensalter. Sie weisen andere Bildungs-, Lebens- und Freizeitinteressen auf als die früheren Generationen; dies wird sich auch auf ihre Wohnbedürfnisse auswirken. 3. Mit dem Älterwerden der Babyboomer-Generationen ist zu erwarten, dass sich neue Formen des Alters etablieren. Das Leben ab dem Alter 50+ wird aktiver gestaltet sein, als dies bis jetzt der Fall war, die Tendenz ist bereits erkennbar. (Vgl. Höpflinger 2009: 21) Es sind also neben den quantitativ demographischen Veränderungen auch die Entwicklungen des Generationenwandels sowie neue Formen des Alterns zu betrachten, damit nachvollzogen werden kann, wie sich die Wohnbedürfnisse ab dem 50. Lebensalter entwickeln werden. Vor allem die Kombination des Alters sozial und kulturell mobiler Generationen mit neuen Modellen aktiven und kompetenzorientierten Alterns führt zu einer verstärkten Dynamik der späten Lebensphase, die historisch neu ist. (Höpflinger 2009: 21) (Vgl. Höpflinger 2009: 21f) 4 Theorien über das Alter Wie unterschiedlich der Prozess des Alter(n)s wahrgenommen wird, zeigt sich auch in den mannigfachen Theorien des Alter(n)s. Jede Wissenschaftsdisziplin betrachtet Alter(n) unter dem ihr wichtigen Aspekt. Wie aus Tabelle 2 hervorgeht, wurden von den verschiedenen WissenschaftlerInnen spezielle Alterstheorien entwickelt. Dabei handelt es sich nicht immer um wissenschaftliche Theorien sondern auch um Erklärungsansätze, die den Prozess des Alterns und sich daraus ergebende Probleme beschreiben. Trotzdem werden sie unter dem Begriff Alterstheorien zusammengefasst (Beeken et al. 2009: 174). 14

24 Tabelle 2: Übersicht von Alterstheorien der verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen. Chronologische Alterstheorie Kalendarisches Alter Biologische Alterstheorie Biologisches Altern Psychosoziale Alterstheorie Defizitmodell Disengagement-Theorie Aktivitätstheorie Kontinuitäts-Theorie Wachstumstheorien Kognitive Theorien Pädagogische Alterstheorie Kompetenz -Theorie / Ressourcen-Ansatz (Vgl. Beeken et al. 2009: 174) 4.1 Chronologische Alterstheorie Mit fortschreitender Lebenszeit altert der Mensch. Die Lebenszeit wird nach dem Kalender bemessen; deshalb wird ein bestimmtes Alter als kalendarisches Alter bezeichnet (vgl. Beeken et al. 2009: 174). 4.2 Biologische Alterstheorie Biologische Alterstheorien beziehen sich auf Forschungen in der Biomedizin. Dabei wird meist auf zwei Theorien des Alters zurückgegriffen: die Verschleißtheorie und die Programmtheorie. Die Verschleißtheorie geht davon aus, dass sich in den Mitochondrien den Kraftwerken der Zellen - durch Abfallprodukte freie Radikale bilden, die die DNA und andere Zellstrukturen angreifen. Ist die Abwehrkraft der Zellen erschöpft, nimmt der Alterungsprozess seinen Lauf. Nach der Programmtheorie unterliegt die Zelle einem biologischen Mechanismus, der die Lebensdauer der Zelle begrenzt. Nach einer inneren Uhr altert und stirbt sie (Erlemeier 2003: 225). (Vgl. Erlemeier 2003: 225) 4.3 Psychosoziale Alterstheorien Defizitmodell Das Defizitmodell beruht auf einer biologischen Alternstheorie und wurde auf Basis empirischer Untersuchungen während des ersten Weltkrieges in den USA entwickelt. (Vgl. Lehr 2003: 47) Auf der Vorstellung, dass der Lebensverlauf von Aufstieg, Höhepunkt und Abstieg gekennzeichnet ist, sollte mit aufwändigen medizinischen und psychologischen Tests - bei denen Angehörige des Militärs bevorzugt wurden - nachgewiesen werden, dass körperliche, geistige und emotionale Leistungen im Alter abnehmen. 15

25 Die Resultate haben zwar die Erwartungen eines Leistungsabfalls im Alter bestätigt. Die Ergebnisse waren aber von Beginn an umstritten, denn die älteren Teilnehmer wiesen eine wesentlich schlechtere Schulbildung auf als die jüngeren Testpersonen. (Vgl. Wiese 2010: 57) Das Defizitmodell gilt längst als überholt, die Vorstellung vom Alter als Abbau ist jedoch noch immer fest in manchen Köpfen verankert. (Vgl. Backes/Clemens 2008: 97) Disengagement-Theorie Aufbauend auf einer groß angelegten Studie in den USA kamen die Psychologen Elaine Cumming und William Henry in den 1950er und 1960er Jahren zu dem Schluss, das im Alter die persönlichen Kontakte nachlassen und die Anzahl ihrer Rollen weniger werden würden. Sie entwickelten daraus die Disengagement-Theorie, nach der sich die Menschen im Alter automatisch von der Gesellschaft zurückziehen würden, weil ihre psychische Energie abnehmen würde, sie sich nach innen wenden und den nahen Tod als unabwendbar anerkennen würden. Als positiv dabei würde die neue Freiheit gesehen, die dieser Rückzug mit sich bringt. Die Disengagement- Theorie löste zahlreiche Diskussionen aus und wurde von Beginn an kritisch betrachtet. Kritikpunkt war, dass individuelle Unterschiede in der Lebensführung zu wenig beachtet würden und von einem universellen Rückzug aus dem sozialen Leben allgemeingültig nicht gesprochen werden könne. Würde die Disengagement-Theorie zutreffen, würde dies allen Ansätzen der praktischen Altenarbeit widersprechen, da die Disengagement-Theorie davon ausgeht, dass die Förderung zwischenmenschlicher Kontakte und gesellschaftliche Aktivitäten von den alten Menschen selbst nicht gewünscht wären. (Vgl. Wiese 2010: 59) Als Gegenreaktion auf die zahlreichen Kritikpunkte wurde die Aktivitätstheorie entwickelt Aktivitätstheorie oder Ausgliederungstheorie Die Aktivitätstheorie gründet sich auf der Wechselbeziehung zwischen Lebenszufriedenheit und einem hohen Maß an Aktivität im Alter. Zu den Vertretern der Aktivitätstheorie zählt vor allem Tartler in Deutschland und Havighurst. Sie gehen davon aus, dass Menschen nur dann glücklich und zufrieden sind, wenn sie etwas leisten können, eine Funktion im gesellschaftlichen Umfeld und das Gefühl haben, gebraucht zu werden. Werden sie aus sozialen Rollen ausgegliedert, dann müsse der ältere Mensch der Einschränkung sozialer Kontakte entgegenwirken, die durch die Berufsaufgabe oder den Tod naher Angehöriger entsteht und die ehemaligen Kontakte durch andere ersetzen und weiterhin aktiv bleiben. Aktivitäten in verschiedenen sozialen Rollen würden zu einem positiven Selbstbild führen, das wiederum wichtige Voraussetzung für ein positives Lebensgefühl im Alter sei. (Vgl. Lehr 2003: 57) 16

26 Disengagement-Theorie und Defizitmodell haben allenfalls nur mehr historischen Stellenwert, die Aktivitätstheorie hingegen hat nach wie vor beträchtliche Bedeutung für die Gerontopsychologie (Wiese 2010: 60). Bestehende Kritikpunkte zur Aktivitätstheorie ergeben sich daraus, dass die Aktivitätstheorie genauso wie die Disengagement-Theorie einen allgemein gültigen Anspruch erhebt und ebenfalls die individuellen Lebensläufe und Lebensbedingungen älterer Menschen nicht berücksichtigt. Außerdem bezieht sich die Aktivitätstheorie nur auf die jungen Alten und berücksichtigt die Hochaltrigen nicht, für die aufgrund sich einstellender Gebrechen die wünschenswerte Aktivität nicht mehr möglich ist. (Vgl. Wiese 2010: 60) Kontinuitätstheorie Die Kontinuitätstheorie wurde vom Soziologen Atchley entwickelt, der sich mit dem Übergang vom mittleren zum späteren Erwachsenenalter auseinandergesetzt hat. Seiner Meinung nach bräuchten die Menschen in dieser schwierigen Situation ihres Lebens Kontinuität. Erreichen können sie dies dadurch, dass sie vertraute Strategien an vertrauten Schauplätzen ihres Lebens anwenden können. Innere und äußere Strukturen zu bewahren ist für den Übergang in dieser Altersphase besonders wichtig. (Vgl. Wiese 2010: 62) Die Fortdauer von Vorlieben, Fähigkeiten, psychischen Einstellungen, Erfahrungen, Ideen und des Temperaments sind dabei Gegenstand der inneren Kontinuität, während sich die äußere Kontinuität auf das Leben und Verhalten in vertrauter Umgebung, die Ausübung vertrauter Handlungen und die Interaktion mit vertrauten Personen bezieht. Um die inneren und äußeren Veränderungen, die mit dem Älterwerden unweigerlich verbunden sind, bewältigen zu können, muss der alternde Mensch seine eigene Identität bewahren. (Wiese 2010: 62) Wachstumstheorien Im Unterschied zur Ansicht, dass das Alter mit Verlusten verbunden ist, bringen Wachstumstheorien das Alter mit einer Zunahme an Reife und Weisheit in Verbindung. Daraus wurde von Ryff ein neues Konzept des Wohlbefindens im Alter entwickelt, welches auf fünf Bedingungen verweist: Das Akzeptieren der eigenen Person, positive Beziehungen zu anderen Menschen, Bildung von Autonomie, die Beherrschung der Umgebung das Gefühl, ein Ziel im Leben zu haben. (Vgl. Lehr 2003: 67) 17

27 Es besteht nicht nur die Notwendigkeit, diese fünf Qualitäten auszubilden, sondern es ist andauernd daran zu arbeiten, um damit das eigene Potential zu Wachstum und Erweiterung der eigenen Person zu entwickeln. (Vgl. Lehr 2003: 67) Wachstumstheorien gehen davon aus, dass das Ziel darin bestehe, im Alter eine spezifische Weisheit zu erreichen; ein praktisches Wissen, das den älteren Menschen in die Lage versetzt, auf seine eigene Weise Alltagsprobleme zu lösen, sowie ein Wissen, das ihn dazu befähigt, den Sinn des Lebens zu suchen. Menschen, die diese Altersweisheit erreicht hätten, würden eine hohe Ich-Integrität aufweisen und hätten somit die höchste Stufe der Reifung der Persönlichkeit erreicht (Wiese 2010: 62). (Vgl. Wiese 2010: 62) Kognitive Theorien In den letzten Jahrzehnten sind zahlreiche Versionen kognitiver Theorien entstanden, die sich auf das Verhalten, die Gefühle oder die sozialen Interaktionen beziehen. Gemeinsam ist ihnen die Aussage, dass nicht ein äußerer Reiz oder die,objektive Qualität einer Situation, sondern deren subjektive Wahrnehmung, Interpretation oder,repräsentanz Ausmaß und Art der Reaktion auf diese Situation bestimmen (Lehr 2003: 69). (Vgl. Lehr 2003: 69) Theorie der generalisierten Erwartungen Eine Form kognitiver Theorien ist die Theorie der generalisierten Erwartungen, die in der Psychogerontologie in abgewandelter Form verwendet wird. Das Gefühl oder Erlebnis der persönlichen Kontrolle über gewisse Aspekte einer momentanen Situation kann die Anpassung an Probleme im Alter positiv beeinflussen. (Vgl. Lehr 2003: 69f.) Theorie der Anpassung an das Alter Die Theorie der Anpassung an das Alter nach Thomae richtet sich nach der subjektiven Wahrnehmung einer Situation und macht sie abhängig von den individuellen Bedürfnissen einer alternden Person. Wesentlich dabei ist die Ausgewogenheit zwischen den individuellen Bedürfnissen und den Möglichkeiten, die wahrgenommenen werden können, um eine befriedigenden Anpassung im Alter zu erreichen. (Vgl. Lehr 2003: 70) 4.4 Pädagogische Alterstheorie Das Kompetenzmodell / Ressourcen-Ansatz Das Kompetenzmodell kann als Gegenposition zum Defizitmodell angesehen werden. Es hebt die Stärken, die das Alter mit sich bringt, hervor. Als Kompetenz werden dabei die Fähigkeiten und Fertigkeiten des Menschen zur Aufrechterhaltung eines persönlich zufrieden stellenden, selbständigen und selbstverantwortlichen Lebens verstanden. Beim Kompetenzmodell werden zwei Kriterien hervorgehoben: Intelligenz und Kontrolle. 18

28 Man geht von der Annahme aus, dass Intelligenz im Alter nicht abnimmt. Intelligenz wird als besonders wichtige Voraussetzung alter Menschen erachtet, um mit ihrem sozialen und sachlichen Umfeld eine erfolgreiche Wechselbeziehung eingehen zu können. Kontrolle gilt deshalb als wichtige Komponente, weil sich das Gefühl und die Fähigkeit, das eigene Leben selbst bestimmen zu können und die Möglichkeit zu haben, die eigene Situation bei Bedarf aktiv verändern zu können, dabei positiv auf den physischen und psychischen Zustand der älteren Personen aus(wirken) (Wiese 2010: 58). (Vgl. Wiese 2010: 58) Mit der Kompetenz-Theorie wird auf die Kompetenzen und Ressourcen verwiesen, die einer Person im Alter zur Verfügung stehen. Das Kompetenzmodell wird deshalb auch als Ressourcenansatz bezeichnet. (Vgl. Beeken et al. 2009: 179) Auf das Wohnen bezogen würde das Kompetenzmodell bzw. der Ressourcenansatz am ehesten den Erfordernissen eines selbstbestimmten Wohnens entsprechen. Das Wohnmodell, das am ehesten den Erwartungen der Senioren entspricht, wird dasjenige sein, das möglichst viel Freiraum für Wahlmöglichkeiten - zum Rückzug oder zur gesellschaftlichen Teilnahme offen lässt, denn in der Realität wird Altern sowohl Defizite und als auch Wachstum mit sich bringen. 5 Soziologische Altersforschung Für Irmhild Saake sind Theorien über Alter und Altern der Rahmen, in dem die Gruppe alte Menschen dargestellt werden. Diese Theorien würden ihren Teil dazu beitragen, die Beobachtungsperspektive 'unsere Senioren' zu verfestigen. (Saake 1998: 12) Bei der Auseinandersetzung fehlt aber die wissenschaftliche Inklusion der Betroffenen als Betroffene, - wie das beispielsweise auch in der Frauenforschung der Fall war - da das Alter meist von Jungen beschrieben wird, die unter Alter nur Hilfebedürftigkeit verstehen können (Saake 2006: 10) und die naturgemäß selbst noch nie in der Situation von Alten waren (vgl. Saake 2006: 10). Interessiert man sich nicht als Altersforscher für dieses Thema, sondern als Soziologe, dann wird darüber hinaus sichtbar, dass der Diskurs über das Alter vom 'Reflex des Parteiergreifens' geprägt ist. [ ] Es geht um die Beobachtung, dass alte Menschen nicht einfach alte Menschen sind, sondern dass sie als solche sichtbar gemacht werden, dass sie als solche angesprochen werden, dass es also vielleicht auch Ansprechbarkeiten systemtheoretisch würde man sagen: Adressen gibt, die jenseits der Kategorie 'Alter' funktionieren, obwohl sie sich auf 50 bis 70jährige beziehen (Saake 2006: 10f). Die Altersbilder in der soziologischen Forschung lassen sich chronologisch darstellen: 19

29 1960er Jahre: In den 1960er Jahren begann die klassische Altersforschung mit der grundlegenden Frage: Hat Alter einen Sinn? (Saake 1998: 13). Vor gesellschaftstheoretischem Hintergrund war Alter als eine Strukturvariable sichtbar geworden, in der man folgerichtig auch eine Funktion und so auch einen Sinn vermutete. (Saake 1998: 13) Die Frage warum eigentlich alte Leute gesellschaftliche Bedeutung und Sinn leben sollten beantwortet Göckenjan (ebd. 2000: 393) mit Michel, der darauf aufmerksam gemacht (hat), dass auch Jüngeren der Zugang zu generalisierenden Sinndimensionen fehlt (Michel in Göckenjan 2000: 393). Aufbauend auf dem Strukturfunktionalismus befand Parsons auf der Suche nach einer gesellschaftlichen Funktion des Alters, dass alte Menschen in einer eigenen, funktionslosen Situation wären, weil sie ohne Erwerbsarbeit ihrer Möglichkeiten beraubt wären, etwas leisten zu können. (Vgl. Saake 1998: 13) Für Shmuel N. Eisenstadt bestand der Sinn des Alters in der Tradierung von Wissen. Hohes Alter lässt sich in der Übermittlung von Wissen als End- und Höhepunkt und als Reifegrad der menschlichen Entwicklung verstehen. (Vgl. Saake 2006: 44) Helmut Schelsky sieht im Alter die Ermöglichung von Freiheit. Mit Blick auf die Industriegesellschaft bezeichnet er drei, den Alternsprozess entscheidend beeinflussende gesellschaftliche Bereiche: Familie, Arbeit und Freizeit. In allen drei Bereichen ist für ihn der Funktionsverlust der alten Menschen erkennbar. Nach der Formel von Tartler Innere Nähe bei äußerer Distanz beobachtet Schelsky in den familiären Konstellationen die Tendenz alter Menschen, getrennt von der Eltern-Kinder-Familie zu leben, mit dieser aber enge Kontakte pflegen zu wollen. (Vgl. Saake 2006: 52) 1970er Jahre : Auf Talcot Parsons Strukturfunktionalismus aufbauend wurde in den 1970er Jahren gefragt: Wird man alt gemacht? (Saake 1998: 13) Jürgen Hohmeier bezeichnet Alter als ein Ergebnis einer spezifischen gesellschaftlichen Verfassung, die mit ihrem (Werte-) Zentrum auch ihren Rand benennt, an dem sich die alten Menschen befinden. Parsons Beobachtung von Funktionslosigkeit wurde so als Marginalisierung des Alters begründet, die in den 1970er Jahren auf die Arbeitslosigkeit von vermehrt älteren Arbeitnehmern zurückgeht. (Vgl. Saake ) Die 1980er Jahre: In den 1980er Jahren ging es um die Problemstellung: Wann ist man alt? (Saake 1998: 13) Martin Kohli und Ursula Lehr beschreiben aus völlig gegensätzlichen Positionen Gesetzmäßigkeiten des Alterslebens. Für Kohli sind die gesellschaftlichen Strukturen die ausschlaggebenden 20

30 Bestimmungsgrößen. Von ihm wurde die Marginalisierungsthese um die Vermutung eines Identitätsverlusts durch den Ruhestand (ergänzt) (Saake 1998: 13). Als Grundlage für die soziale Identität nannte er die Arbeitsgesellschaft und führte als Vergesellschaftungsinstrument den Lebenslauf an. (Vgl. Saake 2006: 198) Lehr propagierte dagegen die Möglichkeiten einer gero-prophylaktischen Veränderung des problematischen Alterns. (Saake 1998: 13) Ihr Ziel ist die Erreichung eines hohen Lebensalters bei psychophysischen Wohlbefinden (Lehr 1979a VI in Saake 2006: 221). Als Methode zur Umsetzung nennt sie die Intervention und setzt auf eine umfassende Therapeutisierung des hohen Alters zum Wohle der Menschheit (Lehr 1983: 23 in Saake 2006: 221). Dazu wäre ein Erziehungsprogramm wie in der Kindheit notwendig. (Vgl. Saake 2006: 221f.) 1990er Jahre: Die 1990er Jahre zeichnen sich durch Erklärungsversuche folgender Frage aus: Sind alte Menschen anders? (Saake 1998: 13) Mit einer Synthese aus gesellschafts- und individuumszentrierten Ansätzen fasst Hans Peter Tews und Gerhard Naegele mit der als Differenzansatz bezeichneten Lebenslage-Forschung alte Menschen als eine Gruppe zusammen. Dies bietet der Altersforschung die Gelegenheit für ungleichheitssoziologische Fragestellungen, indem sie Alter ganz gleich wie unterschiedlich die Alten auch sind mit Hilfebedürftigkeit gleichsetzt. (Vgl. Saake 1998: 13) Abschnitt II 6 Die Stadt Ist in dieser Diplomarbeit von Stadt die Rede, dann ist die europäische Stadt gemeint sowie ein erweiterter Stadtbegriff, der die Stadtrandlagen mit einschließt. 6.1 Definition des Begriffs Stadt Der Begriff Stadt leitet sich vom althochdeutschen stat ab. Mit stat wurde ein Standort, eine Stelle bezeichnet (vgl. download: ). Für soziologische Zwecke kann die Stadt definiert werden als eine relativ große, dicht besiedelte und dauerhafte Niederlassung gesellschaftlich heterogener Individuen (Wirth 1974, orig. 1938: 48 in Löw/Steets/Stoetzer 2008: 11). Städte werden als Kristallisationsorte sozialer und damit ästhetischer, räumlicher, politischer Entwicklungen etc. (verstanden), die Auswirkungen auf umgebende und vernetzte Orte haben (Löw/Steets/Stoetzer 2008: 11). (Vgl. Löw/Steets/Stoetzer 2008: 11) 21

31 Städte sind also: 1. relativ große, dicht besiedelte und dauerhafte Niederlassungen gesellschaftlich heterogener Individuen 2. strukturelle, strategische Knoten- und Kristallisationsorte der Arbeitsorganisation und Konsumption einer Gesellschaft 3. wahrgenommene, über Erfahrung zugängliche Räume im Deutungsfeld innen und außen sowie vertraut und fremd (Löw/Steets/Stoetzer 2008: 13). 6.2 Urbanisierung - Verstädterung Mit den Begriffen Urbanisierung (von lat. urbs = Stadt) (vgl. download: ) oder Verstädterung meint man die Ausbreitung städtischer Siedlungsformen. Heute lebt bereits die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. (Vgl. download: ) In statistischer Hinsicht ist in Österreich jede Gemeinde mit mehr als Einwohnern eine Stadt. Nimmt man als Merkmal für die statistische Bestimmung einer Stadt eine Einwohnerzahl von mehr als Menschen, von einer Großstadt von mehr als Menschen, dann lebt die österreichische Bevölkerung in ländlichen Gebieten und in kleinen und mittleren Städten mit bis Einwohnern. Jedoch hatten seit 1961 Gemeinden zwischen und Einwohnern im Zuge der Suburbanisierung einen 40 %igen Einwohnerzuwachs; in den Landeshauptstädten leben heute um 32,3 % mehr Menschen. Die suburbanen Gemeinden um die Landeshauptstädte und um Wien verzeichnen das schnellste Wachstum. (Vgl. download: ) Betrachtet man die statistischen Daten im Gesamten, dann leben auch in Österreich die meisten Menschen in Städten. Dies zeigt auch Tabelle 3. Differenziert man die Zahlen nach Bundesländern, dann ergibt sich zwar ein etwas anderes Bild, wie das Beispiel aus Oberösterreich zeigt. Werden als Basis für die statistische Einteilung die Gemeinde- und Stadtgrenzen herangezogen, dann können diese jedoch nicht hinreichend den verdichteten Siedlungszusammenhang in größeren Agglomerationsräumen abbilden. Gemeinden, die im Einzugsbereich größerer Städte liegen, können sich zwar formal als kommunalpolitisch selbständige Körperschaften behaupten, sie werden in ihrer städtebaulichen und siedlungsstrukturellen Entwicklung jedoch maßgeblich von 22

32 ihrer Einbindung in die übergeordnete Stadtregion geprägt (Krämer 2005: 58f). Ergebnis sind dann die so genannten verstädterten Landschaften (vgl. Krämer 2005: 58f). Tabelle 3: Gemeindegrößen - EinwohnerInnen Gemeindegrößen - EinwohnerInnen Österreich Oberösterreich absolut % absolut % bis , , bis , , bis , , bis , , bis , , bis , , bis , (Linz) 13, bis , über (Wien) , , ,00 Quelle: Statistik Austria, Bevölkerung 2001 nach Gemeindegrößenklassen und Bundesländern; eigene Berechnungen (vgl. ngsstand/ html; download: ) 6.3 Suburbanisierung In seiner ursprünglichen Verwendung leitet sich das englische Wort suburb vom lateinischen Begriff sub urbe ab, was so viel bedeutet wie unter der Herrschaft der Stadt stehend. Ursprünglich wurde der Begriff in der Geschichte des Urbanismus auch gemäß dieser Bedeutung verwendet, denn Vorstädte waren Wohngebiete, deren Einrichtungen und Lebensgrundlagen stark von den städtischen Zentren abhängig waren. (Vgl. Giddens 1999: 522) Mit den Begriffen Suburbanisierung oder Stadtflucht beschreibt man die zunehmende Abwanderung einer ursprünglich städtischen Bevölkerung und die Auslagerung von Funktionen aus der Kernstadt an die Ränder der Städte. Dies führte zur Bildung von Stadtagglomerationen, bzw. Stadtregionen (vgl. download: ). Jürgen Friedrichs definiert Suburbanisierung als die Verlagerung von Nutzungen und Bevölkerung aus der Kernstadt, dem ländlichen Raum oder anderen metropolitanen Gebieten in das städtische Umland, bei gleichzeitiger Reorganisation der Verteilung von Nutzungen und Bevölkerung in der gesamten Fläche (Friedrichs 1975: 40 in Schäfers 2006: 90f.) Sieverts meint, dass durch den wachsenden Anteil älterer Menschen es dazu kommen könnte, dass die Kernstädte als Wohnstandorte wieder an Attraktivität gewinnen und ein Teil des gegenwärtigen Suburbanisierungsprozesses wieder rückläufig werden würde, denn in den älteren Ein- 23

33 familienhausgebieten werden der demografische Wandel und Besitzerwechsel zu tiefgreifenden Umstrukturierungsmaßnahmen führen. (Sieverts 2004: 90) 6.4 Stadtviertel, Stadtquartier, Wohnviertel Als Stadtviertel, Stadtquartier oder Wohnviertel bezeichnet man einen Teil einer Stadt. Die Begriffe gehen zurück auf die römischen Städte, die meistens planmäßig angelegt und oft durch die im Zentrum sich kreuzenden beiden Hauptstraßen in vier Teile geteilt worden waren (vgl. download: ). Ein Stadtviertel ist ein überschaubares, häufig nur aus einigen Straßenzügen bestehendes, soziales Bezugssystem, das sich sowohl räumlich/geografisch als auch von der sozialen oder ethnischen Struktur seiner Bewohner her von anderen Stadtvierteln abgrenzt. Eine offizielle Grenzziehung existiert dabei meist nicht. Das Gebiet wird durch seine Bewohner definiert und ist unabhängig vom Gebiet eines Stadtteils oder Stadtbezirks. ( download: ) Nach Ansicht von Steffen/Baumann/Fritz wird der Begriff Quartier für alles Mögliche verwendet. Ihrer Meinung nach gibt es jedoch eine klare Definition: Quartiere sind innerstädtische oder in Stadtteilen gelegene Stadträume, haben eine Ausdehnung von zwei bis vier Hektar, weisen eine wahrnehmbare und vielfältige Nutzungsmischung auf, bieten öffentlichen Raum wie Wege, Grünanlagen und Plätze, sind in ihrer Struktur und ihrem Selbstverständnis homogen und stabil, beinhalten Entwicklungspotential (Steffen/Baumann/Fritz 2007: 41). Steffen/Baumann/Fritz heben bei dieser Definition ausdrücklich das Städtische hervor. Der Begriff soll jedoch nicht durch starre administrative Abgrenzungen (wie Wahl-, Schul- oder statistische Bezirke) eingeschränkt werden, denn Kennzeichen dafür ist eine Handlungs- und Subjektorientiertheit. Im Mittelpunkt stehen das Alltagsleben in der Stadt und der Einfluss der stadträumlichen Konstellationen auf den Alltag der Nutzerinnen und Nutzer. (Vgl. Steffen/Baumann/Fritz 2007: 41) Der Quartiersansatz beruht auf einem integrativen Blick, bei dem Bauliches, soziale Beziehungen und Kultur zusammenkommen (Steffen/Baumann/Fritz 2007: 41). 6.5 Stadtregion Da Städte nicht mehr wie im Mittelalter durch symbolträchtige Bauwerke wie Stadtmauern vom Umland getrennt sind, ist eine Abgrenzung schwierig. In allen größeren Städten Österreichs - 24

34 genauso wie in anderen Industrieländern hat der Suburbanisierungsprozess zur Entstehung von Stadtregionen geführt. Der Begriff Stadtregion wurde erstmals von Olaf Boustedt verwendet. Unter Stadtregion versteht man eine sozio-ökonomische Raumeinheit, die die engen wirtschaftlichen und sozialen Verflechtungen zwischen einer Kernstadt und ihrem Umland erfassen und typisieren soll. [ ] Seit Ende der 1960er Jahre wurden kommunalpolitisch und verwaltungstechnisch erste Konsequenzen aus den räumlichen Verflechtungszusammenhängen zwischen Stadt und Umland gezogen (Schäfers 2006: 91). (Vgl. Schäfers 2006: 91) 6.6 Stadtagglomeration Von Stefan Carsten werden städtische Agglomerationen als Siedlungsgebiete bezeichnet die in ihrem baulichen Erscheinungsbild und in der wirtschaftlichen und sozialen Struktur ihrer Bevölkerung als stark urban angesehen werden können. Ab wann ein Siedlungsgebiet als städtische Agglomeration gilt, hängt insbesondere von seiner Größe, dem baulichen Zusammenhang, der Wirtschaftsstruktur und der Verflechtung der Pendler mit der Kerngemeinde ab (Carsten 2005: 37). Im Gegensatz zur Stadtregion, die Carstens als sozioökonomische, funktionale Raumeinheit beschreibt, die sich im Umlandbereich im Agglomerationsraum einer (großen) Stadt (befindet), dessen Einwohner überwiegend nichtlandwirtschaftliche Berufe ausüben und von denen der überwiegende oder zumindest ein erheblicher Teil seine Existenzgrundlage in den Arbeitsstätten der Kernstadt hat (Carsten 2005: 37), zeichnen sich Agglomerationsräume eher durch sozioökonomische Abgrenzungskriterien aus. (Der Begriff Agglomerationsraum wird teilweise in der gleichen Bedeutung wie Verdichtungsraum verwendet (vgl. download: ).) Als Abgrenzungsmerkmale des Verdichtungsraums wird dabei von mindestens Einwohnern ausgegangen, einer Ausdehnung von mindestens 100 km² und einer Einwohnerdichte von Einwohnern je km². (Vgl. Carstens 2005: 37) 6.7 Zwischenstadt Der Begriff wurde von Thomas Sieverts geprägt und bezeichnet den Bereich zwischen den alten historischen Stadtkernen und der offenen Landschaft, zwischen dem Ort als Lebensraum und den Nicht-Orten der Raumüberwindung (sprich: den Verkehrsflächen), zwischen den kleinen örtlichen Wirtschaftskreisläufen und der Abhängigkeit vom Weltmarkt (Sieverts 1997: 7 in: Schäfers 2006: 96). In den Mittelpunkt rückt Sieverts jene stadtsoziologisch bisher schwer fassbare Gemengelage aus Vorortsiedlung, Gewerbepark, Autobahnanschluss, Freizeit-Center, Multiplexkino und 25

35 Landschaftsresten (Löw/Steets/Stoetzer 2008: 108), die für alte und ältere Menschen teilweise schwierig zu erreichen sind. Nach Ansicht von Prigge ist eine Zwischenstadt hingegen überall zu finden, denn Peripherie ist überall (Prigge 1998 in Löw/Steets/Stoetzer 2008: 111) und Zwischenstädter müssen nicht notwendigerweise am Stadtrand wohnen. Die Bewohner der Zwischenstadt sind nicht mehr - wie Prigge es bezeichnet - Teil der inneren Urbanisierung. Von ihnen erfolgt keine Beteiligung an der Form von Urbanität, die auch politische Kultur ist, die ein aktives Einmischen in und Mitgestalten von städtischen Verhältnissen verlangt (Prigge 1998 in: Löw/Steets/Stoetzer 2008: 111). Mit diesem gesellschaftlichen Phänomen fällt der Wissenstransfer über die Vorbilder für urbanes Verhalten weg. Damit ist es fraglich geworden, inwieweit Kinder noch heute auf den Straßen jenes»bisschen öffentliche Verantwortung«erlernen (Herlyn 2004: 128), das in urbanen öffentlichen Räumen notwendig wäre. (Vgl. Herlyn 2004: 127f) 6.8 Die Stadt Laboratorium der demographischen Entwicklung Walther meint, dass die derzeitige Form der europäischen Stadt nicht geeignet ist, sich im Alter in der Stadt zu Hause zu fühlen. Jedoch würde es für Politik und Planende viele Möglichkeiten geben, die Situation zu verbessern, denn Städte sind für eine Gesellschaft Laboratorien (Walther 2007: 284) zum Üben, die man stärker nützen könnte. Nach Ansicht von Walther wurde von Politik, Wohnungsunternehmen und Wohlfahrtseinrichtungen in den letzten Jahrzehnten auf eine bestandsorientierte Alterung (Walther 2007: 284) gesetzt. Damit werden die bestehenden Muster und Tendenzen der wohnungsbezogenen sozialräumlichen Segregation fort- und nicht umgeschrieben (Walther 2007: 284). Ergebnis ist ein widersprüchliches Bild: Einerseits richtet sich die Hoffnung auf eine kleinräumliche Bindung an die Stadt, weil private und öffentliche Mittel für Wohnungssanierung und Anpassung, Bring- und Pflegedienste eine wirtschaftliche Schubkraft erzeugen und damit im Endeffekt die kleinräumige Vielfalt der städtischen Wohnsituationen im Alter stärken könnten. Man könnte damit erreichen, dass auf diese Weise die europäische Stadt - mit ihren kompakten Siedlungsstrukturen und kurzen Wegen - bewahrt und die nahräumliche Versorgung erhalten werden kann, die man heute als gefährdet sieht. Anderseits werden auch Zweifel laut: Die sozialen Unterschiede der heutigen Stadtgesellschaften werden von Alterungsprozessen überlagert. Die Abstände zwischen arm und reich, Integrierten und Ausgeschlossenen setzen sich im Alter fort und verstärken sich. Ohne entsprechende Stadtumbauprogramme wird es zu sozialen Polarisierungen (arm / reich) kommen. (Vgl. Walther 2007: 284f) 26

36 Unabhängig davon, ob man zur Alterung eine positiven oder negativen Standpunkt einnimmt, für beide Ansichten bleibt eine Gemeinsamkeit: Es ist die Europäische Stadt, mit ihren Vorzügen der Kompaktheit, Größe, Mischung und Dichte und ihren gegenläufigen Tendenzen (Walther 2007: 285), die sich nun so wie einst die Städte wegen des Zustroms Jüngerer auf eine stabile Altersstruktur setzen konnten - auf eine stabile Tendenz der Alterung einstellen (Walther 2007: 285) wird müssen. (Vgl. Walther 2007: 284f). Abschnitt III 7 Wohnen und Soziologie Die Bedürfnisse jedes einzelnen Menschen und ihre Interessen sind widersprüchlich und verändern sich. So ist es auch beim Wohnen; damit ist es kaum möglich eine eindeutige Definition des Begriffs Wohnen zu finden. (Vgl. Häußermann/Siebel 2000: 332) Genauso wie beim Begriff des Alter(n)s, ist Wohnen Gegenstand verschiedener Disziplinen. Es hängt vom jeweiligen wissenschaftlichen Interesse ab, was mit Wohnen beschrieben werden soll. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit der Wissenschaftsbereiche erscheint inzwischen nötig. Einigkeit dürfte jedoch darüber herrschen, dass es sich dabei um einen Prozess handelt, der im Lauf der Geschichte von sozialen und kulturellen Einflüssen geformt wurde. Beim Projekt der Altengerechten Stadt wird unter Wohnen nicht nur die Nutzung der Wohnung, sondern auch das Erleben der Wohnung verstanden (Abbildung 3). Wohnen wird als Austauschprozess zwischen Person und Umwelt betrachtet. (Vgl. Grymer et al. 2008: 111) Abbildung 3: Austauschprozess Wohnen Quelle: Projekt: Altengerechte Stadt ( nrw/veroeffentlichungen/hb_altengerechte_stadt_web.pdf; download:

37 7.1 Der Begriff Wohnen Im Lexikon zur Soziologie wird der Begriff Wohnen als historisch und sozial wandelbarer Begriff für die Art und Weise der Unterkunft definiert (Wehrheim 2007: 735). Für Häußermann / Siebel wird das Wohnen der bürgerlichen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts idealtypisch durch vier Dimensionen charakterisiert: (Vgl. Wehrheim 2007: 735) Trennung von Arbeiten und Wohnen, Ausgrenzung von Personen, Polarisierung von Öffentlichkeit und Privatheit und Entstehung des Wohnungsmarkts (Häußermann/Siebel 2000: 22) Im Gegensatz zum Ganzen Haus, das Otto Brunner (o.s. in Häußermann/Siebel 2000: 22) als Selbstversorgungseinheit bezeichnet, in der im Haushalt noch alle Lebensvorgänge - wie Arbeit, Erholung, Essen und Beten, Gesinde, Kinder, Mann und Frau - eingeschlossen waren, haben sich im modernen Wohnen die materiellen und symbolischen Arrangements nach Funktionen und Personen ausdifferenziert. Essenzubereitung, Schlafen, Waschen oder Spielen erfolgt beispielsweise in speziell dafür vorgesehenen Räumen. Körperlichkeit und Emotionalität werden der Öffentlichkeit entzogen und finden im Privaten, in der Wohnung statt. (Vgl. Häußermann/Siebel 2000: 22ff) Trennung von Arbeiten und Wohnen: Wohnen als Ort der Nichtarbeit War das Ganze Haus noch eine Arbeits- und Wohngemeinschaft gewesen, bricht mit der Entwicklung der Lohnarbeit dieser Lebenszusammenhang auseinander. Gewisse Arbeitsbereiche werden herausgelöst und an einem besonderen Arbeitsort geregelt. Die nicht direkt mit der Produktion verwendete Zeit wird aus dem Arbeitsprozess ausgesondert und konzentriert sich auf das Ende des Arbeitstages. Damit und das ist neu - entsteht Freizeit. Mit dem Prozess der räumlichen und zeitlichen Abtrennung von Teilen der produktiven Arbeit entwickelt sich erst Wohnen - wie wir es heute kennen - als räumliches, zeitliches und inhaltliches Gegenstück zur im Betrieb organisierten beruflichen Arbeit. Indem Erwerbsarbeit aus der Wohnung ausgelagert wird, kann sich das Wohnen entfalten und mit Bedeutung aufladen. (Vgl. Häußermann/Siebel 2000: 24ff) Für Martin Heidegger und Otto Friedrich Bollnow kommt dem Wohnen eine dem menschlichen Wesen innewohnende existenzielle Bedeutung zu. (Vgl. Saup 1993: 91f) Für den Prozess der Urbanisierung ist die Entstehung einer Infrastruktur durch Dienstleistungen von Bedeutung, die zur Entlastung der Haushalte von den unterschiedlichsten Arbeiten und Verpflichtungen führen zum Beispiel können nun alte Menschen in sozialen Einrichtungen unter- 28

38 gebracht werden. Voraussetzung dafür ist die Einbindung in das Netz von privat- und öffentlich organisierten Versorgungs- und Entsorgungseinrichtungen und die Integration der Menschen in das System der Berufsarbeit und des Sozialstaats. Große Bereiche der Reproduktionsarbeit verbleiben aber als Hausarbeit in der Wohnung und werden vorwiegend zur Sache der Frauen. Die Wohnung ist Ort, Gegenstand und Ziel vielfältiger, nicht beruflich organisierter Arbeit (Häußermann/Siebel 2000: 29). (Vgl. Häußermann/Siebel 2000: 29) Die verbliebene notwendige Arbeit wird in spezialisierte Räume abgedrängt, die so klein wie nur möglich sind und in den unattraktiven Bereichen der Wohnung angesiedelt werden. Demgegenüber nimmt die Größe und Ausstattung des Wohnzimmers zu. Sichtbar wird der Wunsch nach einer Gegenwelt zur belastenden beruflichen Arbeit, nach Zurschaustellung von Ordentlichkeit und erreichtem Lebensstandard ebenso wie nach einem Ort des verpflichtungsfreien, entspannten Beisammenseins in der Intimgemeinschaft der Familie (Häußermann/Siebel 2000: 29). (Vgl. Häußermann/Siebel 2000: 29) Ausgrenzung von Personen: Wohnen als Ort der Kleinfamilie Bis zum 18. Jahrhundert zählten die weiteren Verwandten und die Dienerschaft zur Familie. Mit der Abwanderung der Arbeit aus dem Haushalt werden auch die damit befassten nicht verwandten Haushaltmitglieder nicht mehr gebraucht und müssen ausziehen. Die soziale Einheit des modernen Wohnens reduziert sich auf die Eltern mit ihren Kindern. (Vgl. Häußermann/Siebel 2000: 29f) Die immer wieder beschriebene vorindustrielle Drei-Generationen-Großfamilie ist ein Mythos. Genau so wenig stimmt das Bild von der isoliert und eigenständig wirtschaftenden Kleinfamilie. Die moderne städtische Kleinfamilie wohnt zwar allein in der eigenen, abgeschlossenen Wohnung (Häußermann/Siebel 2000: 30), ist räumlich von weiteren Verwandten getrennt, aber häufig mit ihnen in engem Kontakt. (Vgl. Häußermann/Siebel 2000: 30) Auf gesellschaftliche Institutionen wurden zwar mehr Funktionen übertragen - wie die Arbeitslosen- oder Pensionsversicherung trotzdem nahmen die individuellen Entscheidungsmöglichkeiten an der Lebensplanung im Zuge der Industrialisierung durch bestimmte Rollenverschiebungen, bzw. Änderungen der Rollen gegenüber dem Familienverband zu. Andererseits erwartet die industrielle Gesellschaft durch die Institutionalisierung des Lebenslaufs (Kohli 1985 in Häußermann/Siebel 2000: 31) eine strengere Gliederung der biographischen Abläufe. Als Norm für eine Normalbiographie gilt beispielsweise die Kernfamilie, deren Kennzeichen klar gegliederte Lebensabschnitte durch eine Dreiteilung des Lebenslaufs in Kindheit, Erwerbstätigkeit und Alter sind. (Vgl. Häußermann/Siebel 2000: 31f.) 29

39 7.1.3 Polarisierung von Öffentlichkeit und Privatheit: Wohnen als Ort der Intimität Erst die Auslagerung der Produktion aus dem Haushalt in Markt, Staat und das System betrieblich organisierter Lohnarbeit, sowie der Auszug (Häußermann/Siebel 2000: 32) von nicht zum engen Familienverband gehörenden Personen aus dem Haushalt schaffen den Raum für die Kultivierung von Intimität. Möglich wird eine bürgerlich geprägte Privatsphäre, die räumlich als Wohnung, rechtlich als privater Verfügungsraum und sozial-psychologisch als Intimität gegenüber anderen abgegrenzt wird (Häußermann/Siebel 2000: 32). Der soziale Platz, an dem die bürgerliche Gesellschaft entstehen kann, ist die Stadt. Eine Stadt ist eine Ansiedlung, in der das gesamte, also auch das alltägliche Leben die Tendenz zeigt, sich zu polarisieren, d.h. entweder im sozialen Aggregatzustand der Öffentlichkeit oder in dem der Privatheit stattzufinden (hat) (Bahrdt 1969: 60 in Häußermann/Siebel 2000: 32). (Vgl. Häußermann/Siebel 2000: 32) Entstehung des Wohnungsmarkts: Wohnung als Ware Bis in das 18. Jahrhundert waren Mietwohnungen lediglich eine Ausnahmeerscheinung, die in den meisten Fällen von den Ärmsten der Bevölkerung bewohnt wurden, also von jenen, die nicht Mitglied des Haushalts waren. Ab dem 18. Jahrhundert entstand in Handels- und Gewerbestädten ein Wohnungsmarkt. Jedoch erst im 19. Jahrhundert bildet sich durch das schnelle Wachstum der Bevölkerung und der starken Verstädterung ein Wohnungsmarkt, auf dem der einzelne Haushalt den Wohnraum als Ware durch Kauf oder Miete erwirbt, zum dominierenden Mechanismus der Wohnungsversorgung (Häußermann/Siebel 2000: 42). (Vgl. Häußermann/Siebel 2000: 42) Die Formen der Aneignung und Einflussnahme der Personen auf die materiellen und sozialen Wohnbedingungen am Wohnungsmarkt sind auch heute gering. Das Angebot ist fast immer von der Stange (Häußermann/Siebel 2000: 42), eine Einflussmöglichkeit auf die Planung haben selbst Eigentümer kaum. Mitbestimmungsmöglichkeiten von Mietern bei der Verwaltung oder der Modernisierung und Anpassung der Wohnungen auf geänderte Lebensumstände sind ebenfalls nur vereinzelt möglich. (Vgl. Häußermann/Siebel 2000: 42) Damit werden auch die Schwierigkeiten bei der Realisierung von neuen und alternativen Wohnformen für alte und ältere Menschen erklärbar. Beim Wohnen im Alter kann man auf den von Häußermann/Siebel beschriebenen Prozess des modernen Wohnens zurückgreifen und die Frage stellen, inwieweit ältere und alte Menschen nach ihren Vorstellungen wohnen können oder ob die Wohnmöglichkeiten und Wohnweisen nicht eher den Ansichten von Sozialpolitikern und den für Wohnbau zuständigen Professionisten entsprechen. (Häußermann/Siebel 2000: 43). 30

40 7.2 Neue Verhaltensmuster beim Wohnen Nach Häußermann/Siebel zeigt sich beim Wohnen eine Individuierung im Privaten und (in) neue(r) Nachbarschaft (Häußermann/ Siebel 2000: 320). Sichtbar wird dies in neuen Wohnformen, wie den Wohn- und Hausgemeinschaften, bei denen eine Öffnung des privaten Bereichs gegenüber einer allerdings sehr eng umgrenzten Nachbarschaft stattfindet (Häußermann/ Siebel 2000: 320). Werden die Grenzen zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit durchlässiger - wie bei neuen Wohnformen - dann möchte man sich die Nachbarn auch genauer aussuchen können. Die soziale und kulturelle Auswahl der Beteiligten geschieht über meist sehr aufwändige Partizipations- und Planungsprozesse, die über Jahre dauern können. Während dieser Prozesse verabschieden sich Menschen, die nicht zueinander passen. Anders als in den skandinavischen Ländern werden in Deutschland und Österreich in diesen Wohnexperimenten fast nie Einrichtungen vergemeinschaftet, die zur Führung eines gemeinsamen Haushalts notwendig sind. Gemeinschaftliche Küchen oder gemeinschaftliche Waschmaschinen, wie in Wohnprojekten der 1970er Jahre oder bei Studentenwohngemeinschaften, konnten sich nicht durchsetzen. Die Schritte, die man zu den Nachbarn hin und mit ihnen gemeinsam unternimmt, sind vorsichtig und vielfältig und unter Berücksichtigung einer geschützten Privatsphäre. Die neuen selbst gewählten Nachbarschaften funktionieren auf Basis ähnlicher Lebensauffassungen und weitgehender sozialer Homogenität, beruhen also auf feinkörniger sozialer Segregation (Häußermann/ Siebel 2000: 321). (Vgl. Häußermann/ Siebel 2000: 321) 8 Wohnen im Alter in der Stadt Städte sind für Lütke Daldrup ein räumliches und soziales Abbild gesamtgesellschaftlicher Veränderungen (und) seit je her einem stetigen Wandel unterworfen (Lütke Daldrup 2008: 17). Eine der großen Herausforderungen, denen sich Städte zu stellen haben, betreffen die derzeitige Situation und die künftigen Perspektiven, die in Zusammenhang mit dem demographischen Wandel stehen. (Vgl. Lütke Daldrup: 17) Die durch Alterung erzwungenen Anpassungen sind nicht nur eine Herausforderung für die Infrastruktur, sondern berühren zentrale Lebens- und Funktionsbedingungen in den Städten. Städte müssen zumindest in Teilbereichen eher langsamer als schneller, eher entspannter als aufgeregter und eher integrierter als spezialisierter werden (Lütke Daldrup 2008: 17). 8.1 Historischer Rückblick Im Mittelalter lebten zwar über 80 % der Menschen auf dem Lande. Wenn es jedoch um das Wohnen im Alter geht, sind bei einem historischen Rückblick die mittelalterlichen Städte von größerer Relevanz. 31

41 Die Entwicklung der Städte und des städtischen Lebens waren für Wohnen und Versorgung im Alter von besonderer Bedeutung, weil neue Versorgungsformen begründet wurden. Dabei spielte in den mittelalterlichen Städten der Übergang von der ständischen zur städtischen Gesellschaft und damit zusammenhängend die Ausbreitung der Hospitäler eine wichtige Rolle. Sichtbar wird dies an Hand der Gebäude die gebaut wurden, wie z. B. das Heiligen-Geist-Spital in Lübeck (Abbildung 4) oder die Fuggerei (Abbildung 5) in Augsburg. Abbildung 4: Heiligen-Geist-Hospital Lübeck Quelle: de.wikipedia.org ( Hospital_von_Westen_gesehen jpg&filetimestamp= ; download: ) Die Entstehung der mittelalterlichen Städte war in doppelter Weise von Bedeutung: Einerseits veränderte sich die Zuständigkeit für die Wohlfahrtseinrichtungen für Armut, Alter und Krankheit, die bisher in den Händen der Klöster und des Adels gelegen war. Abbildung 5: Fuggerei Augsburg. Zentrale Herrengasse Quelle: de.wikipedia.com ( , download: ) 32

42 Diese Entwicklungslinien von Wohnen und Versorgung im Alter reichen bis in die heutige Zeit, dies zeigt sich z. B. in der Fuggerei in Augsburg. (Vgl. Tews 2005: 15ff) Die Wohlfahrtseinrichtungen gingen verstärkt in die Hände von Laien über, die jetzt die Betreiber waren und nun auch das Personal für die Hospitäler stellten. Für Armut, Alter und Krankheit waren damit ritterliche Spitalsorden die zuständigen Instanzen, wie z.b. Johannitern oder Malteser, bzw. Laienbruderschaften. (Vgl. Tews 2005: 18) Neben der Verbürgerlichung des Personals führte die Entwicklung der Städte dazu, dass auch die Versorgung für ihre Kranken und alten Bürger in den Verantwortungsbereich der Städte selbst fiel. Sie übernahmen die Hospitäler der Klöster oder gründeten eigene, bürgerliche Spitäler. Die Gründe für das Interesse der Städte an eigenen Hospitälern waren unterschiedlich: Ein Kriterium war sowohl der schon damals beträchtliche wirtschaftliche Faktor. Ein anderer Grund war die Möglichkeit der Einflussnahme und die Vermehrung des Besitzes durch Pfründner-Verträge. (Vgl. Tews 2005: 19) Beispiele für städtische Spitäler sind die Bürgerspitäler in Graz oder Wien (Abbildung 6), welches zwischen 1783 und 1790 in ein Zinshaus umgewandelt wurde. Die beträchtlichen Zins-Einkünfte kamen dem Bürgerspitalfonds zugute. ( (Graz); download; ). Abbildung 6: Bürgerspital Wien Quelle: de.wikipedia.com ( download: ) Eine andere Form des Wohnens waren Stifte. Stifte können als eine eigenständige Alterssicherung für bürgerliche Schichten angesehen werden. Durch Einkauf konnte man ein Wohnrecht in einem Stift erwerben. Wobei das Alter nicht als wichtigstes Aufnahmekriterium galt, sondern 33

43 Geschlecht, Familienstand und Konfession. Aufgenommen wurden vornehmlich ledige Frauen des Bürgertums, klassische (Haus-)Lehrerinnen (Tews 2005: 24f) oder langjährige Haushälterinnen, im Alter zwischen 40 und 60 Jahren, die dann ein kleines Appartement mit Wohn- und Schlafzimmer, Küche, Keller und Bodenraum zur Verfügung hatten. (Vgl. Tews 2005: 24) Betrachtet man die Lebensbedingungen im Alter, dann unterscheiden sich die mittelalterlichen Verhältnisse in der stationären und halbstationären Altenhilfe bis zum Ende des Ersten Weltkrieges kaum. Auch die Diskussionen über eine demographische Überalterung der Bevölkerung und eine Feminisierung des Alters reichen zurück bis in die 1920iger Jahre des 20. Jahrhunderts. Aus dieser Zeit stammen bereits Forderungen nach neuen Konzepten der Altersvorsorge. Einerseits laufen sie im Wesentlichen auf eine aktive Wohnungspolitik für Ältere in Form von Altenheimen und Altenwohnheimen hinaus (Tews 2005: 27ff). Andererseits wurde auch die Schaffung von Altenwohnheimen mit größerer Selbständigkeit und deutlicherem Wohncharakter gefordert. Auch um 1920 waren die Kleinrentner jener Zeit in der Mehrzahl keineswegs durch den Typus des klassischen,rentiers repräsentiert, sondern gerade die Haustöchter, d. h. berufslose, unverheiratete Töchter ökonomisch selbständiger bürgerlicher Familien, machten den überwiegenden Anteil dieser Gruppe aus (von Kondratowitz 1990: 129 in Tews 2005: 29). (Vgl. Tews 2005: 27ff) Für Häußermann/Siebel haben sich über lange Zeit Wohnen und Familie aufeinander zubewegt, bis die soziale Einheit des Wohnens, der Haushalt, wie selbstverständlich mit Familie assoziiert wurde. Jetzt beginnen sie wieder auseinanderzutreten, so wie es auch früher neben Familien sehr unterschiedliche Haushaltformen gegeben hat (Klöster, Stifte, Kollegien, Herbergen usw.). Ähnlich wandeln sich auch die funktionalen (Wohnen - Arbeit), sozialpsychologischen (Öffentlichkeit - Privatheit) und verfügungsrechtlichen (Miete Eigentum) Merkmale des Idealtypus modernen Wohnens (Häußermann/Siebel 2000: 332). 8.2 Urbanes und suburbanes Wohnen im Alter Anders als im Mittelalter lebt heute die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung (55,4 %) (Tabelle 3) in Städten oder verstädterten Räumen. Im Zusammenhang mit der demographischen Entwicklung bedeutet dies eine Auseinandersetzung mit der Zukunft der Stadt. Diskussionsbedarf besteht jedoch nicht nur für die Innenstädte, sondern auch für alle übrigen Stadtbereiche. (Vgl. Grymer et al. 2008: 17) Die neuen Formen des Zusammenlebens treten als neue Wohnformen neben und zusätzlich zum Gewohnten auf. [ ] Die neuen Tendenzen [ ] stellen den Wohnungsbau vor differenzierte und 34

44 teilweise widersprüchliche Anforderungen. Einmal müssen neue Bauformen und Infrastrukturangebote entwickelt werden, die auf sehr spezialisierte Anforderungen bestimmter Gruppen in bestimmten Lebensphasen zugeschnitten sind, zum anderen aber verändern die Menschen ihre Wohnformen im Laufe ihres Lebens häufiger und radikaler als früher. Auf der einen Seite also besteht die Notwendigkeit, sehr spezialisierte Bauformen anzubieten, auf der anderen Seite müssen die gebauten Strukturen sehr flexibel gegenüber sich verändernden Verhaltensweisen sein (Häußermann/Siebel 2000: 333) Suburbanes Wohnen im Alter Suburbanisierung bietet vielen Menschen die Gelegenheit, die Vorteile städtischer Infrastruktur mit einem ruhigen Wohnumfeld verwirklichen zu können. Für eine Gesellschaft mit einem größer werdenden Anteil älterer und alter Menschen geschieht dies jedoch nicht ohne wachsende Probleme. Die demographische Entwicklung lässt erwarten, dass sich der Anteil der Älteren im städtischen Umland und in den Randgebieten wohin die Menschen bereits vor 30, 40 Jahren gezogen sind gegenüber den Kernstädten noch stärker erhöhen wird. Dies deshalb, weil Menschen in den meisten Fällen auch im Alter an den Standorten leben wollen, an denen sie bereits vorher gelebt haben. Die Probleme die damit für SeniorInnen verbunden sind, gehen darauf zurück, dass viele Angebote im Umland der Städte nur mit einer hohen, individuellen Mobilität zu erreichen sind. Stehen dazu nur die öffentlichen Verkehrsmittel zur Verfügung, ergeben sich im Alter im suburbanen Raum häufig Schwierigkeiten. (Vgl. Krämer 2005: 59ff) Krämer ist der Meinung, dass es - im Vergleich zu den städtischen Quartieren im suburbanen Raum schwieriger wird, ältere Bewohner organisatorisch und strukturell mit unterstützenden oder pflegerischen Dienstleistungen zu versorgen. Kommunen und Leistungsanbieter werden sich daher einer wachsenden Herausforderung stellen müssen. (Vgl. Krämer 2005: 65) Das Projekt Altengerechte Stadt Die Kriterien für eine altengerechte Stadt, die von Grymer et al. erarbeitet wurden, beschreiben einerseits eine konventionell gedachte altengerechte Stadt, mit einer traditionellen, undifferenzierten Sicht des Alters, in der ein klassisches Altersbild vorherrscht. Andererseits stellen sie die Sichtweise einer zukünftigen altengerechten Stadt dar, in der Aktivität, Engagement, Selbstorganisation und Partizipation als zum Lebenslauf im Alter gehörig erachtet wird. (Vgl. Grymer et al. 2008: 65f.) Bezogen auf die Probleme, die im Alter auftreten können, wird die traditionelle Stadt als eine Anbieter- und Versorgungsstadt wahrgenommen, weil die Alten als eine hauptsächlich zu versorgende Bevölkerungsgruppe angesehen werden, der man Angebote macht. Als Zukunftserfor- 35

45 dernis wird der traditionellen Stadt eine aktivierende und ermöglichende Stadt (Grymer et al. 2008: 65) gegenübergestellt: eine altengerechte - einem aktiven Altersbild entsprechende Stadt. Beide Stadttypen werden keinesfalls als Gegensätze oder einander ausschließende Alternativen aufgefasst, sondern als eine für die jeweils verschiedenen Lebensphasen des Alters notwendige Form. Aus zukünftiger Perspektive wird eine Stadt dann als altengerecht angesehen, wenn folgendes angeboten werden kann: 1. Möglich gemacht werden sollte Partizipation und Mitbestimmung, jedoch in anderer Weise als bisher. Nicht nur, weil sich die SeniorInnen als große Gruppe zu wenig vertreten fühlen, sondern weil ihr Beitrag in Zukunft vielleicht gewünscht oder als notwendig angesehen wird. 2. SeniorInnen brauchen in der Stadt die Möglichkeit zur Selbstorganisation und das auf den unterschiedlichsten Gebieten. Dies bedeutet ein Umdenken von Wir machen für die Alten hin zu: Die Senioren machen selbst für sich und andere (Grymer et al. 2008: 70). 3. Eine Stadt ist dann altengerecht, wenn sie von den Senioren nicht nur Beiträge zum städtischen Alltagsleben fordert und erwartet, sondern dazu auch die notwendigen Ressourcen, wie Flächen, Räume, Kommunikationsmittel, Organisationswissen zur Verfügung stellt und erreichbar macht. 4. In einer altengerechten Stadt wird das vielfältige Potenzial der PensionistInnen begrüßt. Es wird möglich gemacht, dass sie sich auf freiwilliger und selbstbestimmter Basis gesellschaftlich nützlich und produktiv betätigen können. Für jene, die eine niedrige Pension haben, soll die Chance gegeben werden, sich in Non-Profit-Organisationen etwas zur Pension dazu verdienen zu können. 5. Im Gesamten betrachtet müsste in den städtischen Angeboten ein Paradigmenwechsel stattfinden: ein Wechsel von einer passiven zu einer aktiven Rolle der SeniorInnen; weg von den bloß konsumtiven Veranstaltungen für Senioren, hin zu einem Modell von Mitwirkung und Teilhabe am städtischen Leben (Grymer et al. 2008: 70). (Vgl. Grymer et al. 2008: 69f.) Wohnen in der altengerechten Stadt Beim Wohnen in der altengerechten Stadt ergeben sich Zusammenhänge mit unmittelbarer Wohnung, dem Wohnumfeld, der Nachbarschaft, der Ausstattung und Qualität des Stadtteils, einschließlich der sozialen Bezüge, die dort mehr oder weniger geplant entstehen oder entstehen könnten (Grymer et al. 2008: 71), denn man eignet sich Identität und Selbstwert nicht in der Wohnung, sondern im sozialen Raum der Stadt an. Vergesellschaftung findet im Stadtteil oder Stadtviertel statt. Dazu aber braucht es drei Bedingungen: Raum - man benötigt Räume, in denen man sich treffen kann 36

46 Sprache man muss sich verständigen können Problem man braucht einen Anlass, um miteinander zu reden denn Probleme die man nicht allein lösen kann, muss man mit anderen besprechen können. (Vgl. Grymer et al. 2008: 70). In einer altengerechten Stadt zu wohnen bedeutet, dass aktive Senioren ins Zentrum stadtrelevanter Aktivitäten rücken, nicht allein aber mit anderen. Voraussetzung dafür ist, dass man Defizite in den Wohngebieten wahrnimmt, Verbesserungen auf vielen Gebieten für möglich hält, als etwas das einen angeht; als Betätigungsfeld auf dem man selbst etwas bewegen kann, statt auf Diakonie, Caritas, Jugendamt oder Sozialamt zu warten (Grymer et al. 2008: 71). Eine altengerechte Stadt wird nicht als eine beruhigte, bequeme, bedürfnisgerechte Stadt gesehen, sondern als eine Stadt die das Zusammenwirken und Abstimmen aller Gruppen erfordert. (Vgl. Grymer et al. 2008: 71). 9 Wohnen im Alter Die Qualität der Wohnsituation älterer Menschen ist ein wesentliches Einflusskriterium für die zukünftige Entwicklung einer Gesellschaft, in der die Menschen länger leben. Deshalb sollte man bei der Planung eines Gebäudes die verschiedenen Lebensalter der Bewohner berücksichtigen. Wohnen spielt eine entscheidende Rolle für das Wohlbefinden im Alter. Innovative Wohnformen, die heute geplant und umgesetzt werden, helfen mit, die Zukunft einer Gesellschaft langlebiger Menschen optimal zu gestalten (Höpflinger 2006: 21). (Vgl. Höpflinger 2006: 21) 9.1 Die Bedeutung des Wohnens im Alter Im Hinblick auf die demographische Entwicklung verweist Giessler darauf, dass für etwa 94 Prozent der über 60jährigen die Wohnung immer mehr der Mittelpunkt des selbständigen Lebens sein wird, denn mit der steigenden Lebenserwartung werden sich immer mehr BewohnerInnen für immer längere Lebensabschnitte in der eigenen Wohnung aufhalten (müssen). Eine vertraute Wohnumgebung erleichtert die selbständige Lebensführung, weil die SeniorInnen häufig schon seit Jahren in ihrer Wohnung leben und damit über soziale Kontakte verfügen, auf die sie gegebenenfalls zurückgreifen können. Weiter ist zu erwarten, dass die Pflege künftig stärker zu Hause geleistet werden wird müssen. Dadurch entstehen neue Bedürfnisse und Anforderungen, die die eigene Wohnung, aber auch eine neu gebaute oder gekaufte Wohnung erfüllen soll. (Vgl. Giessler: 145) Eichener weist darauf hin, dass in Deutschland immer weniger ältere Menschen die Möglichkeit haben werden, in ein Pflegeheim zu ziehen, weil durch die restriktive Anerkennungspraxis der 37

47 medizinischen Dienste der Krankenkassen [ ] in der Zukunft weitaus weniger Personen die Berechtigung erhalten werden, einen Pflegeheimplatz durch die Pflegeversicherung finanziert zu bekommen (Eichener 2001: 175). Ähnliches ist auch in Österreich zu erwarten. Das bedeutet, dass Formen des Wohnens, die zwischen der Normalwohnung und einer institutionalisierten Wohnform anzusiedeln sind und selbständiges Wohnen ermöglichen, an Bedeutung gewinnen werden. Giessler ist der Ansicht, dass auch in zunehmendem Maße wohnpsychologische und soziale Forderungen zu erfüllen sein werden. Eine allein auf bauliche Normvorgaben bezogene Ausführung, wie breitere Türen, ausreichende Bewegungsflächen oder Schwellenfreiheit für RollstuhlfahrerInnen oder Behinderte wird nicht ausreichen. (Vgl. Giessler 2007: 145) Nach Eichener ist altengerechtes Wohnen in zwei Bereiche zu gliedern: Erstens die baulich-technische Dimension, bei der wir (vereinfachend) keine besondere Ausstattung, eine altersgerechte Ausstattung nach DIN Teil 2 (in Österreich ÖNORM B1600) und die Heimanlage (nach Heimmindestbauverordnung) unterscheiden wollen (vgl. download: ). Und zweitens die Dimension der wohnbegleitenden Dienst- und Betreuungseinrichtungen, die entweder gar nicht vorhanden sind oder nur ambulant angeboten werden [ ] oder in Form eines erweiterten Hausmeisterservices oder Dienste, die in der Wohnanlage integriert sind, oder schließlich durch heimverbundene Dienste angeboten werden (Eichener 2001: 175f). Werden diese zwei Bereiche miteinander kombiniert, dann ergibt sich zwischen der Normalwohnung - die nicht altengerecht ausgestattet ist und keine Betreuungsmöglichkeiten bietet - und dem Heim ein breiter Spielraum von Wohnformen, der von der reinen Altenwohnung ohne besondere Dienstleistungsangebote bzw. der Normalwohnung, die mit mobilen Diensten versorgt wird, über eingestreute Altenwohnungen bis hin zu heimverbundenen abgestuften Altenwohnanlagen reicht (Eichener 2001: 176). Die Antwort auf die Frage, was attraktive altengerechte Wohnungen sind, besteht für Eichener darin, dass die Wohnung die Möglichkeit bietet, dort selbständig - so lange dies irgendwie möglich ist leben zu können. Alle Wohnformen, die das nicht ermöglichen, erscheinen wenig attraktiv. Wenig Anziehungskraft besitzt das Wohnen im klassischen Altersheim, aber genauso auch das Zusammenleben mit den Kindern. Für den Fall, dass Pflege und Hilfe zur Bewältigung des Alltags und des Haushalts notwendig werden, werden Angebote angestrebt, die in erster Li- 38

48 nie Versorgungssicherheit, aber auch einen entsprechenden Komfort gewährleisten. (vgl. Eichener 2001: 176) 9.2 Wohnsituation heute Für Höpflinger / Perrig-Chiello haben sich die Größe der Haushalte und die Größe der Wohnungen älterer Menschen diametral entwickelt. Die Haushalte werden kleiner und die Wohnungen größer. Wohnungsgröße und Haushaltseinkommen sind jedoch eng miteinander verknüpft. Trotz der sozialen Unterschiede haben in der Schweiz und dies dürfte auch in Österreich so sein finanziell nicht so gut situierte ältere Menschen mehr Wohnraum zur Verfügung als dies früher der Fall war oder als gleichaltrige Menschen in vielen anderen europäischen Ländern in Anspruch nehmen können. (Vgl. Höpflinger / Perrig-Chiello 2009: 67) Lehr ist der Meinung, dass die immer wieder gemachte Feststellung zu hinterfragen wäre, dass Menschen im Alter weniger Wohnraum benötigen. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall, denn die Tatsache, dass nach der Berufsaufgabe beide Partner den Großteil ihrer Zeit zu Hause in der Wohnung verbringen, erfordert getrennte Wohn- und Aufenthaltsräume. Außerdem verlangen gesundheitliche Einschränkungen (z. B. Pflegebedürftigkeit eines Partners) häufig getrennte Schlafräume. Bei Bewegungseinschränkungen wird die Wohnungsgröße noch wichtiger, denn eine zu kleine Wohnung schränkt körperliche Aktivitäten noch mehr ein und führt in der Folge zu einem völligen Verlust der Beweglichkeit. Wird im Pflegefall eine Hilfskraft notwendig, kann für diese ein Gästeraum in der Wohnung erforderlich werden. (Lehr 2004: 6) Es gilt jedoch noch immer: So wie die Wohnungen jetzt gebaut werden, sind Probleme im Alter vorprogrammiert. Für Renate Narten wurde der Wohnungsbau bisher ganz überwiegend für die Zielgruppe junger Familien betrieben. An die Bedürfnisse älterer Menschen wurde nur gedacht, wenn es um Sonderwohnformen für diese Zielgruppe ging: Altenwohnungen, Betreutes Wohnen, Seniorenresidenzen, Heime usw. Dies hatte zur Folge, dass ältere Menschen früher als nötig in solche Wohnformen umziehen mussten, weil ihre herkömmlichen Wohnungen bei eintretenden Handicaps nicht mehr problemlos zu nutzen waren. ( arten_impulsreferat_workshop1.html; download: ) Auch für Feuerstein/ Havel sind die Wohnbedingungen vieler alter Menschen der Grund, warum sie nicht mehr in ihrer Wohnung leben können und in ein Altersheim ziehen müssen (vgl. Feuerstein/ Havel 2004: 224f). Betrachtet man die Zahlen von Statistik Austria, dann zeigt sich, dass im Alter vorwiegend in Normalwohnungen gelebt wird: 39

49 Zum waren Personen über 60 Jahre alt. Von diesem Teil der österreichischen Bevölkerung hatten im Jahr 2008 lediglich Personen - 0,65 % der gesamten österreichischen Bevölkerung ( ) - oder 2,86 % der über 60jährigen ihren Hauptwohnsitz in einem Pflege, Pensionisten- oder Altersheim. (Vgl. sformen/ html; download: ) Die Tabelle 4 zeigt, dass die überwiegende Mehrheit von ihnen, also 97,14 % in Privathaushalten leben und dort wollen die Menschen nach Möglichkeit auch in Zukunft leben. Tabelle 4: Struktur der Lebensformen nach Alter Jahresdurchschnitt 2009 Lebensformen Gesamt Jahre Jahre Jahre und älter In Privathaushalten (ohneheime) ,0% ,76% ,31% ,93% 100% davon: Paare (verheiratet/lebensgefährte) ,90% ,84% ,06% ,10% 100% mit einem Elternteil (Mutter /Vater) ,79% ,54% ,10% ,36% 100% Vater ,02% ,30% 15,33% Mutter ,52% ,10% ,06% 84,67% 100,00% sonstiges Haushaltsmitglied ,45% ,48% ,73% ,79% 100% Männer ,96% ,76% ,17% 22,89% Frauen ,52% ,97% ,62% 77,11% 100,00% Singlehaushalte ,43% ,56% ,54% ,90% 100% davon: alleinstehende Frauen ,28% ,84% ,00% 73,12% alleinstehende Männer ,27% ,70% ,90% 26,88% 100,00% ,43% Differenz von 7800 Personen statistisch nicht interpretierbare Werte Insgesamt ,0% Quelle: Statistik Austria - Eigene Berechnungen. (Vgl html; download: ) Aus Tabelle 4 wird ersichtlich, dass ältere und alte Personen vorwiegend in zwei Haushaltstypen leben: In Partnerhaushalten und Single-Haushalten. Fast 60 % (59,90 %) der über 60jährigen leben mit einem Partner oder einer Partnerin zusammen. Außerdem leben in den Partnerhaushalten fast 4 % (3,79 %) noch mit einem Elternteil, sowie einem sonstiges Haushaltsmitglied (5,45 %). Beinahe ein Drittel der Personen, die 60 Jahre alt sind (30,43 %,) lebt in Ein-Personen- Haushalten, wobei der Frauenanteil mit fast drei Viertel (73,12 %) überwiegt. Es werden sich daher in besonderem Maße Frauen mit dem Thema Wohnen im Alter, bzw. mit neuen Wohnformen auseinandersetzen müssen. 40

50 Der Wunsch in Privathaushalten leben zu können, wird jedoch nur dann realisierbar sein, wenn eine stärkere Beteiligung der älteren Generation an der Gestaltung zukünftiger Wohn- und Versorgungsformen stattfindet. Für den Beirat der Bertelsmann Stiftung würden sich zur Stärkung der Selbsthilfekräfte der älteren Generation daher in besonderer Weise neue Wohnformen eignen, weil sie die Selbständigkeit der Lebensführung betonen. Notwendig wird aber eine frühzeitige Auseinandersetzung der Menschen mit dem eigenen Alter(n) sein, denn die Weichen, wie man im Alter wohnen möchte, würden bereits im mittleren Erwachsenenalter gestellt werden. Zu beachten ist auch, dass Wohnen und Wohnformen im Alter mit dem Wandel der Lebensformen und den unterschiedlichen Lebensphasen in Zusammenhang stehen. (Vgl. Positionspapier Perspektiven für das Wohnen im Alter, S. 5; 01positionspapier_wohnen.pdf, download: ) Lebensformen und Lebensphasen Für Höpflinger verbinden sich bei Wohnfragen Prozesse demographischer Alterung mit Prozessen gesellschaftlichen Wandels in vielschichtiger Weise. Seiner Meinung nach sind späteres Erwachsenenalter und höheres Lebensalter dreifachen Wandlungsprozessen unterworfen: 1. Neben der demographischen Alterung, den niedrigen Geburtenraten und der höheren Lebenserwartung erreichen 2. neue Generationen - die Babyboomer ein höheres Lebensalter. Sie haben andere Bildungs-, Lebens-, und Freizeitinteressen als frühere Generationen. Davon werden die Wohnbedürfnisse beeinflusst. Damit in Zusammenhang setzten sich 3. neue Modelle und Formen des Alterns durch. Dies zeigt sich darin, dass kompetenzorientierte Modelle des Alters hervorgehoben werden. Ab 50+ wird das Leben aktiver gestaltet, als dies früher der Fall war. Parallel dazu wird die Tendenz sichtbar, dass das Alt sein später beginnt. (Vgl. Höpflinger 2009: 21) Alle drei Wandlungsprozesse beeinflussen sich gegenseitig, und neben den quantitativ demographischen Veränderungen sind deshalb auch Prozesse des Generationenwandels sowie neue Modelle des Alterns zu berücksichtigen, um zu verstehen, wie sich die Wohnbedürfnisse in der zweiten Lebenshälfte (50+) entwickeln (Höpflinger 2009: 21). Teilt man ein Leben in zwei Hälften, dann umfasst nach Ansicht Höpflingers die zweite Lebenshälfte verschiedene Lebensphasen mit unterschiedlichen Wohnbedürfnissen: a) Im höheren Erwachsenenalter bzw. Seniorenalter (etwa Jahre) unterscheiden sich die Lebenslagen (aber nicht nur dann) aufgrund unterschiedlicher Biographien. Viele le- 41

51 ben in kleinen Haushalten - in oft zu großen Wohnungen - von ein bis zwei Personen. Manche verfügen über ein relativ hohes Einkommen und dominieren damit den so genannten Seniorenmarkt. Bezogen auf den Immobilienmarkt haben sie entweder Immobilienbesitz geerbt, wollen eine Eigentumswohnung kaufen oder für die nachkommende Generation Wohnungseigentum (mit)finanzieren. (Vgl. Höpflinger 2009: 25f) b) Hinweise darauf, dass Personen im gesunden Rentenalter (zumeist 63/65 80/84 Jahre) (Höpflinger 2009: 26:) nach dem Ende der Berufstätigkeit unter einem Pensionsschock leiden würde, sind kaum festzustellen. Jedoch verstärkt sich mit der Pensionierung die Bedeutung der Wohnung. (Vgl. Höpflinger 2009: 26f) c) Auch bei gesunder Lebensführung treten im hohen Lebensalter mit verstärkter «Fragilität» (häufig ab 80/84 Jahren ) (Höpflinger 2009: 27) altersbedingte Beschränkungen auf. Es ist zwar noch möglich, einen selbständigen Haushalt zu führen und selbstständig zu wohnen, wenn die Wohnung den Bedürfnissen angepasst wurde und auf ambulante Hilfe und Unterstützung zurückgegriffen werden kann. Jedoch wird eine hindernisfreie Wohnung und Wohnumgebung bedeutsamer und betreute Wohnformen werden wichtiger. (Vgl. Höpflinger 2009: 27f) d) Pflegebedürftiges Alter und Lebensende (Höpflinger 2009: 29): Auch in diesem Alter muss nicht zwangsläufig Pflegebedürftigkeit eintreten, jedoch steigt bei den über 85jährigen das Risiko. Meist können pflegebedürftige alte Menschen nur bei intensiver häuslicher Pflege in ihrer vertrauten Wohnung bleiben. (Vgl. Höpflinger 2009: 29) 9.3 Die ökonomische Situation der SeniorInnen Die SeniorInnen sind zwar heute jedenfalls gegenüber früheren Zeiten - gut versorgt, jedoch sind Einkommen und Vermögen ungleich verteilt. In Österreich lag das mittlere Nettojahreseinkommen der in Pension befindlichen Frauen im Jahr 2008 bei , --, wobei die Höhe der jährlichen Pensionen zwischen 4.922,-- (10 % der Pensionistinnen) und ,-- (ebenfalls 10 % der Pensionistinnen) schwankten. Das mittlere Nettojahreseinkommen der in Pension befindlichen Männer betrug im Jahr ,--. Ihre Pensionshöhe lag mit einem jeweiligen Anteil von 10 % der niedrigsten und höchsten Pensionsbezieher zwischen und ,--. Dass sich diese Einkommensunterschiede auch auf die Wohnsituation im Alter auswirken kann nachvollzogen werden. (Vgl. download: ) 42

52 9.4 Wohnmobilität im Alter Nach Ansicht von Tews zeigt das Wohnverhalten älterer Menschen drei Verhaltensorientierungen: Wohnen bleiben so lange wie möglich, umziehen zur rechten Zeit, aber wann ist es die rechte Zeit, umziehen, wenn es nicht mehr anders geht. (Tews 2005: 37) Mit dem Sprichwort Einen alten Baum verpflanzt man nicht wird noch immer die Wohnmobilität im Alter beschrieben. Im Alter nicht verpflanzt zu werden entspricht auch dem Wunsch der meisten Menschen. So gelten ältere Menschen auch allgemein als eine wenig mobile Bevölkerungsgruppe, denn sie haben mit der Wohndauer auch eine Bindung an die Wohnung und Wohnumgebung aufgebaut. Wahl/Oswald verweisen auch auf ein Wohnzufriedenheitsparadoxon (Wahl / Oswald 2007: 56) Damit gemeint ist eine hohe Zufriedenheit auch bei vielen Umweltbarrieren und sonstigen ungünstigen Umweltmerkmalen in und/oder außerhalb der Wohnung" (Wahl / Oswald 2007: 56), welche häufig zu einer Entscheidung gegen eine andere Wohnung führt. (Vgl. Wahl / Oswald 2007: 56) Abbildung 7: Umzugsbereitschaft von 55-75jährigen in Miethaushalten in Westdeutschland Quelle: download:

53 Der Wunsch in den eigenen vier Wänden alt zu werden widerspricht jedoch nicht besonders bei den jungen Alten - der Bereitschaft zur Mobilität. Ist in der eigenen Wohnung eine selbständige Lebensführung nicht weiterhin möglich, weil sie nicht den Erfordernissen entsprechend gestaltet ist, zieht man vermehrt eine Adaptierung der Wohnung oder einen Umzug in Erwägung. (Vgl. Fuchs/Orth 2003: 134) Untersuchungen zeigen, dass die Mobilität älterer Menschen häufig unterschätzt wird. In Westdeutschland liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Ein- oder Zweipersonenhaushalt bei 52 Prozent - dessen Bewohner jetzt 55 Jahre alt sind bis zum Alter von 75 Jahren noch einmal umzuziehen (Abbildung 7). Die Bereitschaft dazu ist jedoch abhängig von einem Wohnungsmarkt mit attraktiven Angeboten für altengerechte Wohnungen, sowie von der Unterstützung bei der Finanzierung und der Organisation des Umzugs. (Vgl. Heinze u.a. 1997: 17f; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) 1998: 197) Auf die hohe Bedeutung einer altengerechten Wohnung der individuelle Grund der jungen Alten für einen Wohnungswechsel - verweisen die Schader-Stiftung und das Bundesministerium für Bau- und Wohnungswesen. Bei der älteren Altersgruppe spielen die Push-Effekte wie Verlust des Partners, Krankheit und dergleichen, als Umzugsmotive die größere Rolle. Realisiert werden (individuelle) Push Effekte dann, wenn den BewohnerInnen bewusst wird, dass die Wohnung in Bezug auf ihre Größe und Ausstattung, der Zustand des Wohnumfeldes und die vorhandenen Dienstleistungen nicht mehr mit ihren Erfordernissen übereinstimmen. Push-Effekte verweisen auf die Differenz zwischen den Bedürfnissen der BewohnerInnen und der Eignung der Wohnung; sie regen Veränderung der aktuellen Wohnsituation an. (Vgl. Heinze u.a. 1997: 43)»Pull-Effekte«hingegen entstehen, wenn das Angebot an Wohnalternativen den älteren Menschen attraktiver erscheint als die derzeitige Wohnung und dies sowohl hinsichtlich der Ausstattung (bessere Bewegungsmöglichkeiten, Barrierefreiheit etc.) als auch im Hinblick auf die Wohnumgebung. Push-Effekte drücken generelle Anreize zu einem Wohnungswechsel aus, Pull- Effekte hingegen beziehen sich auf eine konkrete Wohnalternative. (Vgl. Heinze u.a. 1997: 43) Die Umzugsbereitschaft ist davon abhängig, ob sich die Wohnung, bzw. das Haus im Eigentum befindet oder gemietet wurde: Bei HausbesitzerInnen bzw. EigentümerInnen war nach Heinze die Mobilitätsbereitschaft wesentlich geringer als bei MieterInnen (Abbildung 8). Bei der ersten Gruppe wirken Push-Effekte auf die Mobilität. Für diese war ihre Wohnung die für sie am 44

54 geeignetsten und nur äußere Faktoren wären deshalb ein Grund, ihre Wohnung, bzw. ihr Haus zu verlassen. (Vgl. download: ) Die zwei größten Probleme eines Umzugs liegen für die SeniorInnen in den finanziellen Kosten und der Organisation. Zudem gestaltet sich - je älter man wird - ein Wohnungswechsel ohne Hilfe immer schwieriger. Deshalb bieten in Deutschland zahlreiche Kommunen und Wohnungsunternehmen Hilfestellungen an, um die Umzugsbarrieren abzubauen. Jedoch scheinen finanzielle Anreize allein - wie zum Beispiel Umzugsprämien - ältere Menschen kaum dazu zu bewegen, aus ihrer bisherigen Wohnung auszuziehen. Abbildung 8: Umzugswahrscheinlichkeit von MieterInnen und EigentümerInnen Quelle: Schader-Stiftung ( download: ) Entscheidend für einen Umzug ist ein komplexes Umzugsmanagement, das aus einer Verbindung von Prämien, organisatorischen und technischen Hilfen besteht. Ob diese Angebote dann angenommen werden, hängt davon ab, wie die Zusammenarbeit zwischen den Kommunalverwaltungen, der Wohnungswirtschaft und den freien Wohlfahrtsträgern funktioniert. ( download: ) 9.5 Barrierefreie Wohnungen Eine Wohnanlage ist dann barrierefrei, wenn alle zur Wohnung gehörenden Räume und alle Anlagen, die den Bewohnern gemeinsam zur Verfügung stehen, barrierefrei zugänglich sind. Gemeinschaftsräume - von der Waschküche bis zur Tiefgarage - sollen von allen Bewohnern weitgehend unabhängig, ohne fremde Hilfe benützt werden können. Das sollte zwar selbstverständlich sein, ist es aber häufig nicht. (Vgl. Ebner 2007: 20) 45

55 9.6 Altengerechte Wohnungsanpassung Besteht ein gesellschaftliches Interesse, Menschen ein Leben - so lange dies geht - in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen, dann kommt der Wohnungsanpassung eine große Bedeutung zu. Wohnen im Alter wird mit der altengerechten Gestaltung der Wohnung und des Wohnumfeldes jedoch meist erst dann in Verbindung gebracht, wenn die,bedürfnisgerechtheit eines Gebäudes oder einer Wohnung im Hinblick auf alte Menschen betont werden soll (Feuerstein/ Havel 2004: 235). Hinweise, was unter den Begriffen altengerechte Gestaltung und Bedürfnisgerechtheit verstanden werden kann, sind den ÖNORMEN zu entnehmen. Klare bauliche Anforderungen an Gebäude definieren die ÖNORM B 1600 Planungsgrundsätze für Barrierefreies Bauen und die ÖNORM B 1601 Planungsansätze für spezielle Baulichkeiten für behinderte und alte Menschen. Unklar ist jedoch, auf welche Arten körperlicher und geistiger Einschränkungen, die im Alter auftreten können, aber nicht müssen, mit baulichen Maßnahmen reagiert werden (kann). Wo sollen diese baulichen Maßnahmen vorgesehen werden, in jeder Wohnung, in öffentlichen Gebäuden, im öffentlichen Raum? (Feuerstein/ Havel 2004: 235) (vgl. Feuerstein/ Havel 2004: 235) Ziel der Wohnungsanpassung Grundlage jeder Anpassungsmaßnahme müsste sein, dass bestehende normale Wohnungen so ausgestattet werden, dass sie sich an den Bedürfnissen älterer und alter Menschen orientieren, damit sie selbständig ihren Haushalt führen können. Als Schwerpunkte sollten die Beseitigung von Barrieren jeglicher Art, sowie Alltagserleichterungen, aber auch technische Hilfen gelten. Dabei ist zu unterschieden zwischen einer strukturellen Wohnungsanpassung: Damit ist gemeint, dass eine bestehende Wohnsiedlung oder ein ganzer Wohnblock von Barrieren befreit wird. Dies würde nicht nur für die älteren Menschen, die bereits hier wohnen von Vorteil sein, sondern vor allem für jene, die später einziehen wenn man nicht ohnehin gleich einen ganzen Gebäudekomplex zur Gänze barrierefrei errichtet. In beiden Fällen sind sowohl die Infrastruktur als auch die barrierefreie Gestaltung des Wohnumfeldes in die Berücksichtigung einzubeziehen. individuellen Wohnungsanpassung: Damit soll eine einzelne Wohnung durch bautechnische Veränderungen an die Bedürfnisse des/der Bewohners/in angepasst werden. Es geht dabei um kleinere bis mittlere baulich-technische Adaptierungen. Für die Durchführung individueller Anpassungsmaßnahmen bietet man in Deutschland die Wohnberatung an. (Vgl. Kremer-Preiß/Stolarz 2003: 33f) 46

56 9.7 Wohnberatung Die Wohnberatung gilt in Deutschland als wichtiges Instrument zum Aufbau von Strukturen, die es ermöglichen eine entsprechende Hilfe zur Verbesserung der räumlichen Wohnverhältnisse anzubieten. Im Jahr 2003 gab es ca. 200 bis 250 Wohnberatungsstellen. Die Wohnberatung beschränkt sich dabei nicht nur auf Beratungsleistungen, sondern von zentraler Bedeutung sind die praktische Hilfe, die Begleitung und organisatorische Unterstützung bei der Planung und Durchführung von Anpassungsmaßnahmen, sowie das Aufzeigen von Wohnalternativen. (Vgl. Kremer-Preiß/Stolarz 2003: 33f) Eine Wohnberatung, bzw. Wohnungsanpassung scheint für die Kostenträger, also die öffentliche Hand, eine gute Investition zu sein. Eine interne Untersuchung im Kreis Unna ( Einwohner) hatte im Jahr 2002 bei 378 Wohnungsanpassungsmaßnahmen folgendes Ergebnis gebracht: bei 50 %: Reduzierung des Hilfe und Pflegebedarfs bei 40 %: Verminderung einer Zunahme des vorhandenen Bedarfs bei 50 %: Unfallrisiken verhindert bei 18 %: Heimunterbringung verhindert. Als Einsparpotenzial wurden jährlich ca , für drei Jahre also angegeben. (Vgl. Bayrisches Staatsministerium 2004: 26 Wohnberatung- und Wohnungsanpassung) 9.8 Ausländische Erfahrungen Deutschland und Großbritannien sind die einzigen Länder, von denen individuelle Wohnungsanpassungen und die entsprechende Beratung und Unterstützung im größeren Umfang durchgeführt werden. Die individuelle Wohnungsanpassung wurde in Großbritannien schon zu Beginn der 1980er Jahre entwickelt. Diese Erfahrungen waren ein wichtiger Anstoß für die Etablierung des Konzepts in Deutschland. Der Unterschied zwischen Deutschland und Großbritannien besteht vor allem darin, dass in Großbritannien im Mittelpunkt die Anpassung und Instandhaltung des von den SeniorInnen selbst genutzten Eigentums steht. An der Finanzierung der Maßnahmen ist auch das dortige Bauministerium mitbeteiligt, weil viele ältere Eigentümer dazu nicht in der Lage wären. Zurückzuführen ist dies darauf, dass in Großbritannien wie in den Niederlanden - der Anteil des selbst genutzten Eigentums fast 70 Prozent beträgt. Der Anteil privater Mietwohnungen liegt lediglich bei 10 Prozent und spielt deshalb kaum eine Rolle. (Vgl. Kremer-Preiß/Stolarz 2003: 64) Interessant erscheint auch die strukturelle Wohnanpassung ganzer Wohnkomplexe in den Niederlanden. Mit dem Konzept Anpassbares Bauen sollen normale Wohnungen so geplant werden, dass sie - für den Fall, dass die Bewohner behindert werden - auf einfache und billige Art 47

57 adaptiert werden können. Überdies sollen die Wohnungen für jeden auch für Rollstuhlfahrerinnen - besuchbar (Kremer-Preiß/ Stolarz 2003: 64) bleiben, denn als Hauptziel gilt, dass der Wohnungsbestand systematisch für jede Altersgruppe geeignet gemacht werden kann. Dazu bietet in den Niederlanden der größere soziale Mietsektor von ca. 43 Prozent eine gute Voraussetzung. Deutschland hingegen hat einen hohen Anteil privater Vermieter, die wohntechnischen Maßnahmen gegenüber weniger aufgeschlossen sind. (Vgl. Kremer-Preiß/ Stolarz 2003: 65) 10 Wohnformen Betrachtet man die historische Entwicklung, dann spiegeln Wohnformen immer auch die gesellschaftlichen und sozialen Entwicklungen wider. So haben sich im Laufe der Zeit die Anforderungen an die Wohnungsgröße, den Wohnungszuschnitt und die Wohnungsausstattung geändert. Aufgrund der historischen Entwicklung veränderten sich die Lebens- und Wohnsituation im Alter, das Wohnen in den eigenen vier Wänden und die Betreuung durch die Familienangehörigen oder die Pflege durch mobile Dienste, die Übersiedlung in ein Pensionisten-, Alters- oder Seniorenheim und die Unterbringung in einem Pflegeheim (vgl. Feuerstein/ Havel 2004: 225f). Beschäftigt man sich mit den Wohnformen im Alter, dann findet man sowohl ein vielseitiges, als auch unübersichtliches Angebot. Bei der zahlreich vorhandenen Literatur über das Wohnen im Alter werden meistens die unterschiedlichen Wohnformen dargestellt; den Beschreibungen fehlt dann aber fast immer eine Strukturierung. Es gibt es keine einheitlichen Begriffe (Integriertes Wohnen, Betreutes Wohnen, Service-Wohnen, gemeinschaftliches Wohnen, Seniorenwohnen) und auch rechtlich sind sie nicht geschützt. Vergleicht man die verschiedenen Wohnformen, dann kann grob zwischen privat organisierten und kollektiv organisierten Wohnformen unterschieden werden. Kollektiv organisierte entsprechen eher den traditionellen, die privat organisierten eher den neuen (alternativen) Wohnformen. (Vgl. Höpflinger 2006: 99) 10.1 Traditionelle Wohnformen Zu den traditionellen Wohnformen sind auf jeden Fall institutionalisierte Wohnformen wie Altersheime zu zählen. Bei dieser Diplomarbeit wird diese Wohnform - außer den Formen des betreuten Wohnens und Wohnens zu Hause - nur der Vollständigkeit halber und in Hinsicht auf die historische Entwicklung des Wohnens (siehe Pkt.8.1) im Alter erwähnt, eine ausführliche Beschäftigung mit diesen erfolgt jedoch nicht. Auf das normale Wohnen als traditionelle Wohnform soll jedoch eingegangen werden, sowie auf das Betreute Wohnen bzw. Service-Wohnen. Die letzteren Formen gelten als Weiter- 48

58 entwicklung der traditionellen Altenhilfe, da sich die Wohnangebote der Altenhilfe selbst verändern und diese Wohnformen (betreutes Wohnen; Service-Wohnen) zwar als neue Wohnformen, jedoch als Vorstufen bzw. Alternativen einer institutionalisierten Wohnform angesehen werden (BMFSFJ 1998: 98). Nach Eichener gelten sie derzeit auch als die beliebteste Wohnform im Alter (vgl. Eichener 2001: 185) Wohnen in der normalen Wohnung Wie bereits mehrfach erwähnt, wollen die meisten Menschen auch im Alter in ihrer normalen Wohnung und in ihrem vertrauten Umfeld leben. Normale Wohnungen sind jedoch nicht immer altengerecht ausgestattet. Die Kommission des BMFSFJ fordert im Vierten Bericht zur Lage der älteren Generation für Deutschland deshalb auch nicht die quantitative Ausweitung des Wohnraumangebotes, sondern das Ziel ist vielmehr die qualitative Ausstattung von Wohnung und Wohnumfeld. In baulicher Hinsicht sieht man in Hinblick auf die Barrierefreiheit sowohl beim Zugang zu Gebäuden und Wohnungen, als auch bei einer altersfreundlichen Umgestaltung von Bad- und Sanitärbereich Handlungsbedarf. (Vgl. BMFSFJ 2002: 25; Anlagen/PRM Altenbericht-Teil- I,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf; download: ) Betreutes Wohnen Wohnen mit Service Nimmt man den Begriff Betreutes Wohnen wörtlich, so wird damit eigentlich keine Wohnform beschrieben, denn die Wohnform ist unabhängig von der Art der Betreuung. Betreutes Wohnen ist auch in einer normalen Wohnung möglich (vgl. BMFSFJ 1998: 112). In Verbindung mit den Alterstheorien, entspricht das Betreute Wohnen das bzw. das Service-Wohnen dem Kompetenzmodell des Alterns (siehe Pkt ). Nach Höpflinger sind in verschiedenen Ländern so auch in Österreich Formen des Betreuten Wohnens entstanden, die vorerst als ein Angebot mit dem Charakter einer «Zwischenstufe» zwischen Altersheim und eigenständigem Haushalt, angeboten für hilfsbedürftige, aber nicht schwer pflegebedürftige alte Menschen, die nicht auf Angehörigenhilfe zurückgreifen können (Höpflinger 2009: 164) angesehen werden können. Für die Schader-Stiftung ist das Betreute Wohnen eine Weiterentwicklung des Konzepts der Altenwohnung. Man wollte damit die selbständige Lebensführung mit der heimähnlichen Versorgungssicherheit kombinieren. Diese Kombination erscheint vielen älteren Menschen sehr attraktiv. Das Interesse an dieser Wohnform war daher ursprünglich auch sehr groß. Nur hat die Praxis in den letzten 20 Jahren einen grundlegenden Widerspruch zwischen Anspruch und Wirk- 49

59 lichkeit des Betreuten Wohnens gezeigt. Der Widerspruch liegt darin, dass die Bewohner eine umfassende Betreuung eine Art Rund-um-die-Uhr-Sicherheit erwarten. Diese verursacht jedoch hohe Bereitschaftskosen, die die BewohnerInnen nicht bezahlen wollen, so lange sie selbst keine Leistungen in Anspruch nehmen. (Vgl. download: ) Da es keine einheitlichen Service- und Betreuungsangebote der AnbieterInnen gibt, sind ihre Angebote beliebig und selten miteinander vergleichbar. Auch das Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz verweist darauf, dass das Betreute Wohnen in Österreich keinen gesetzlichen Rahmenbedingungen unterliegt. (Vgl. download: ). Die Angebote der Betreuungsleistungen können von einer Notrufeinrichtung bis zu Dienstleistungsverträgen mit einem Sozialhilfeträger reichen. Derzeit besteht rechtlich keine Möglichkeit, einen Vertrag über Serviceleistungen mit einem Mietvertrag zu koppeln. Eigentlich entspricht dies auch der Idee des Betreuten Wohnens, denn die Entkoppelung von Betreuung und Wohnen gilt als ein Hauptmerkmal des Betreuten Wohnens. Nach Ansicht von Feuerstein/Havel verknüpft Betreutes Wohnen ein bauliches Konzept mit einem Betreuungskonzept. Die Wohnungen können gefördert oder frei finanziert, als Miet- oder Eigentumswohnungen erstellt werden (Feuerstein/Havel 2004: 238). (Vgl. (Feuerstein/Havel 2004: 238). Betreutes Wohnen kann nach zwei grundsätzlichen Modellen unterschieden werden: nach der Anordnung: o Zusammenfassung der Wohnungen in einer Wohnanlage o Eingestreute Wohnungen in anderen Wohnanlagen oder Einrichtungen. (BMFSFJ 1998: 114) Beide Modelle unterscheiden sich im Wesentlichen durch die Anzahl der zusammengefassten Wohnungen für ältere Menschen. Sie lassen sich mit anderen Wohnangeboten in vielerlei Weise koppeln. Möglichkeiten dazu bestehen beispielsweise einerseits im Normalwohnungsbau oder andererseits mit den Einrichtungen der Altenhilfe (z.b. Altenheime, Tagespflege). Versteht man Betreutes Wohnen nicht als ein allgemeingültiges Konzept, sondern als eine konkrete Wohnform, so wie sie unter diesem Namen angeboten wird, so sind folgende Konzeptbausteine kennzeichnend: Anonyme Mieter (Eigentümer) von selbständigen, barrierefreien Wohnungen; Abschluss von Mietverträgen. In einem zusätzlichen Betreuungsvertrag abgesicherte Betreuungsleistungen. Diese sind aufgeteilt in 50

60 o Grundservice, für den ein pauschales Entgelt eingehoben wird und o einen Wahlservice, der individuell je nach Inanspruchnahme abgerechnet wird. Grundservice: z.b. Notruf, haustechnischer Service, Nutzung aller Gemeinschaftseinrichtungen, Erreichbarkeit von Personal in dringenden Fällen, Vermittlung von Dienstleistungen und Hilfen, sowie Beratung und Förderung von Kontakten zwischen den Bewohnern. Wahlservice: z.b. Reinigung der Wohnung, Wäschereinigung, Verpflegung, abrufbare sonstige hauswirtschaftliche Hilfen und Pflege. Bei diesen Leistungen besteht auch Wahlfreiheit bezüglich des Leistungserbringers. (Vgl. BMFSFJ 1998: 114). Das Betreute Wohnen wird mit einer gewissen Euphorie als die Zukunftslösung für das Wohnen älterer Menschen propagiert und gleich noch mit als Lösung für die Bereitstellung von freiwerdendem Wohnraum für jüngere Familien. Insbesondere dann, wenn mit diesem Angebot der Neubau von betreuten Wohnanlagen propagiert wird und damit auch ein Massenumzug älterer Menschen in diese neue Wohnform, erscheinen solche Visionen fragwürdig (BMFSFJ 1998: 112f). Für den Geschäftsführer der Deutschen Altenhilfe, Michell-Auli, würde das Betreute Wohnen in einer Gesellschaft zudem nicht nur zu Finanzierungs- und Personalengpässen führen, sondern auch zu einer Ausgrenzung eines erheblichen Teils der Altersbevölkerung (Michell-Auli 2009: 8), für die keine Wohnungen dieses Typs zur Verfügung stehen. (Vgl. Michell- Auli 2009: 8). Dies könnte meiner Meinung nach auch für das oberösterreichische Modell des Betreubaren Wohnens zutreffen. Beim Wohnen im Alter kann man keinesfalls die Entwicklung des normalen Wohnungsbestands außer Acht lassen, denn davon ist die Nachfrage nach Sonderwohnformen für ältere Menschen im besonderen Maße abhängig. Je besser der normale Wohnungsbestand baulich ausgestattet ist, je mehr ambulante Dienste zur Verfügung stehen und je besser alte Menschen in informellen Hilfsnetzen eingebunden sind (Narten 2005: 97), desto geringer ist ihr Interesse für einen Umzug und umso weniger Sonderwohnformen müssen von den Kommunen errichtet werden, was letztendlich eine Kostensenkung bedeuten würde (vgl. Narten 2005: 97) Betreubares Wohnen in Oberösterreich Mit Einführung des Pflegegeldes 1993 haben sich in Österreich alle Länder dem Bund gegenüber verpflichtet Bedarfs- und Entwicklungspläne zur Pflegevorsorge zu erstellen. Oberösterreich hat ein eigenes Modell des betreuten Wohnens mit dem Betreubaren Wohnen geschaffen. Das 51

61 Land Oberösterreich hat dabei das 1996 in Deutschland entwickelte Qualitätssiegel Baden Württemberg aufgegriffen. Bei der Konzeptentwicklung in Oberösterreich wurden die Erfahrungen mit den betreuten Wohnformen in der Kleeblatt GmbH in Ludwigsburg berücksichtigt. Die Kleeblatt GmbH hat ein Versorgungskonzept erstellt, in dem Einrichtungen der Kurzzeitpflege, Tagesbetreuung, betreute Wohnungen und Heime (mit jeweils 24 bis 26 Plätzen), die in jedem Stadtteil und den Randgemeinden errichtet wurden, miteinander kooperieren (Feuerstein 2008: 153). Mit dem Begriff Betreubares Wohnen werden wohnbaugeförderte Mietwohnungen, mit einer besonderen Ausführung für ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen, verstanden. In den Förderungsvoraussetzungen für Betreubares Wohnen in Oberösterreich werden nicht nur bauliche Standards festgelegt, sondern es wird auch ein verbindliches Betreuungskonzept des Betreibers verlangt. Betreubares Wohnen wird als eine Alternative zur Betreuung in einem Alten- oder Pflegeheim betrachtet und ist für Menschen mit einem leichten Hilfe- und Betreuungsbedarf gedacht. Gemeinden, die Betreubares Wohnen anbieten, müssen daher eine Abstimmung mit dem - für mobile Dienste - zuständigen Sozialhilfeverband vornehmen Finanzierung und Förderung Um das Betreubare Wohnen auch für Ältere mit geringen Einkommen zu ermöglichen, wurden besondere Förderungsformen entwickelt. Die Förderungen, die mittels eines Landesdarlehens gewährt werden, gehen nicht im direkten Weg an die Menschen, sondern über gemeinnützige Bauvereinigungen, Gemeinden und gemeinnützige soziale Vereine. Gefördert wird die Errichtung von Mietwohnungen, die vom Sozialreferat als Betreubare Wohnungen deklariert werden. Die Förderung beträgt 90 % der Baukosten, mit einer Darlehenslaufzeit zwischen 46 und 48,5 Jahren und einer Verzinsung von einem Prozent während der gesamten Laufzeit. Von der FörderungswerberIn waren lediglich zehn Prozent an Eigenmittel zu erbringen. (Vgl. C9AD3780-FF61A032/ooe/hs.xsl/13873_DEU_HTML.htm; download: ) Bauliche Voraussetzungen Als bauliche Voraussetzungen wird die Errichtung von barrierefreien und behindertengerechten Mietwohnungen mit Lift gefordert, mit einer Wohnungsgröße von ca. 50 m 2, mit getrenntem Wohn- und Schlafraum, Kochnische oder kleine Küche, Bad /WC, jedoch keine Badewanne, sondern bodengleiche Dusche Vorraum, Loggia oder Balkon 52

62 Darüber hinaus müssen energetische und verbindlich-ökologische Kriterien erfüllt werden Voraussetzung für MieterInnen Das Vergaberecht für eine Betreubare Wohnung liegt meistens bei den Gemeinden. Um eine Betreubare Wohnung zu erhalten, müssen die Personen entweder: über 70 Jahre alt sein, einen leichten bis mittleren Pflegebedarf haben (Pflegegeldbezug bis höchstens Pflegestufe 3, aber auch RollstuhlfahrerInnen) 60 Jahre und älter sein und in einer schlechten Wohnsituation leben (kein Lift, schlechte Heizung, entlegene Lage). Außerdem können ältere Menschen oder Menschen mit Behinderung, die über Empfehlung der mobilen Dienste aufgrund einer besonderen sozialen Situation vorgeschlagen werden, eine betreubare Wohnung erhalten Das Angebot Betreubares Wohnen in OÖ. Beim Betreubaren Wohnen" werden Grund- und Wahlleistungen angeboten und zwar: Barrierefrei und behindertengerecht gestaltete Kleinwohnungen Betreuungssicherheit rund um die Uhr durch eine Notrufanlage (Rufhilfe, Rotes Kreuz oder Arbeitersamariterbund) Pflege- und Betreuungseinrichtungen bei Bedarf (Wahlleistungen) Soziale Betreuung durch eine fachlich geeignete Ansprechperson (Beratung, Vermittlung, Gestaltung gemeinsamer Aktivitäten etc. Grundleistungen). Zu den Wahlleistungen, die gesondert bezahlt werden müssen, zählen mobile Dienste, Hilfe im Haushalt, Essen auf Rädern, Wäschedienst usw. Zudem müssen die Betreubaren Wohnungen zentral liegen und es muss möglich sein, Einkäufe im Umkreis von 300 Metern durchführen zu können. Hauskrankenpflege kann auf Veranlassung des behandelnden Arztes durch diplomiertes Pflegepersonal durchgeführt werden. Mobile Betreuung und Hilfe wird als Unterstützung für hilfe- und pflegebedürftige Menschen angeboten, um den Verbleib in der betreuten Wohnung zu ermöglichen. (Vgl. download: ) 53

63 10.2 Neue (alternative) Wohnformen Gegenüber den skandinavischen Ländern stellen neue Wohnformen in Österreich lediglich eine Minderheit dar. Dennoch sollte man die Bedeutung dieser Wohnformen nicht unterschätzen, denn in Anbetracht der Heterogenität der älteren Wohnbevölkerung ist anzunehmen, dass neue, zielgruppenorientierte Wohnformen an Aktualität gewinnen werden. Außerdem bieten sie ein Experimentierfeld für künftige Entwicklungen für das Wohnen im Alter. Was aber unterscheidet traditionelle Wohnformen von den neuen? Neue Wohnformen wollen einerseits Alternativen zu den einseitigen wohnungs- und haushaltszentrierten Miet- Wohnungseigentumsverhältnissen bieten, zum anderen sich von versorgungsdominanten institutionellen Wohn- und Heimformen abheben. Zunächst sind es Wohnformen, und möglichst normales Wohnen steht im Vordergrund gegenüber institutioneller Versorgung, der Wohnen untergeordnet ist (Tews 2000: 216 in Rüßler 2007: 53). Während sich die (traditionellen) Wohnangebote in den Altenhilfeinstitutionen (Altenheim, Altenwohnheim, Altenpflegeheim, Altenstift, Altenwohnung, Betreutes Wohnen, Hospiz(bewegung)) hauptsächlich auf die Versorgung älterer Menschen mit unterschiedlichen Graden der Hilfsbedürftigkeit konzentrieren, scheint dies bei sogenannten alternativen Wohnprojekten zwar ebenfalls von Bedeutung zu sein, aber nicht im Mittelpunkt zu stehen. Der Bedarf an Hilfe im Notfall und nach einer entsprechenden Sicherheit wird eher oder auch durch gegenseitige Hilfe gedeckt. Ein besonders wichtiges Motiv für das Engagement in solchen Wohnprojekten scheint der Wunsch nach selbst gewählter Gemeinschaft zu sein. (BMFSFJ 1998: 98; download: ) Hauptkern neuer Wohnformen ist also die Teilhabe an Entscheidungen bei Planung, Realisierung und Verwaltung und die formale Sicherung sozialer Gemeinschaften. (Vgl. Brech 1999: 90) Lehr und die Verfasser des Handbuchs Altengerechte Stadt verweisen auf den Zweiten Altenbericht, in dem vor der Entwicklung zu vieler neuer Wohnformen gewarnt wird (vgl. Lehr 2003: 306; Grymer et al. 2008: 111). Diese Aussagen sind nicht nachvollziehbar, denn von der Expertenkommission wird im Zweiten Altenbericht lediglich verlangt, dass zur Förderung neuer Modelle des gemeinsamen Wohnens jüngerer und älterer Menschen sowie Wohngemeinschaften älterer Menschen (BMFSFJ 1998: 242) angemessene Rahmenbedingungen zu schaffen sind und dies ist meiner Ansicht nach auch sinnvoll. Kremer-Preiß bringt einen differenzierteren Standpunkt als Lehr zum Ausdruck. Für sie steht die Altenhilfe vor einem Strukturwandel, da in Zukunft ein Wechsel von der Versorgungs- zur Mitwirkungsgesellschaft notwendig sein wird. Dies wird am ehesten in kleinräumigen, sozial überschaubaren Wohnquartieren zu ermöglichen sein, denn gegenseitige Hilfe und Unterstützung 54

64 kann am ehesten in einer kleinräumigen Organisation altengerechter Wohn- und Versorgungsangebote im vertrauten Wohnumfeld angeboten werden. (Vgl. Kremer-Preiß 2009: 10) Gemeinschaftliches Wohnen Für Häußermann / Siebel sind - gegenüber früher - Wohngemeinschaften die einzige Form eines neuen Haushaltstypus (vgl. Häußermann/ Siebel 2000: 323). Wohngemeinschaften kann man definieren als gemeinsamer Haushalt von mindestens drei Erwachsenen mit oder ohne Kinder, die in der Regel nicht miteinander verwandt sind (Spiegel 1986: 132 in Häußermann/ Siebel 2000: 326) Mit Wohngemeinschaften werden Symptome eines gesellschaftlichen und ökonomischen Wandels erkennbar. Diesen Haushaltstyp gibt es erst seit dem Ende der 1960er Jahre, nachdem die Vermietung von Wohnraum an unverheiratete Paare nicht mehr unter Strafe gestellt wurde (Wegfall des Kuppeleiparagraphen ). (Vgl. Häußermann/ Siebel 2000: 326ff). In Deutschland werden alle Wohnformen, in denen irgendeine Art des gemeinschaftlichen Zusammenlebens mit Menschen höheren Alters praktiziert wird, Gemeinschaftliches Wohnen im Alter genannt. Damit können Wohn- und Hausgemeinschaften gemeint sein, aber auch Nachbarschafts- und Siedlungsgemeinschaften. (Vgl. download: ) Die Schader-Stiftung betrachtet das gemeinschaftliche Wohnen als einen Überbegriff für eine Vielzahl unterschiedlicher Wohnkonzepte. Dabei wird zwischen selbst organisiertem, gemeinschaftlichen Wohnen und ambulant betreuten Wohngruppen unterschieden. Selbstorganisierte Wohnprojekte sind eine Wohnform der jungen Alten, ambulant betreutes Gemeinschaftswohnen dagegen ist eher den alten Alten zuzuordnen. (Vgl. download: ) Inzwischen ist die Idee gemeinschaftlicher Wohnprojekte in Deutschland weit verbreitet. Es besteht jedoch ein Missverhältnis zwischen öffentlichen und privaten Interesse und der tatsächlichen Verwirklichung der Projekte. Das Forum für gemeinschaftliches Wohnen im Alter e.v. berichtet über 6800 Anfragen im Jahr 2002, mit steigender Tendenz. Neu realisiert wird jedoch pro Jahr lediglich höchstens eine Handvoll. Kremer-Preiß/Stolarz geben als Grund für die geringe Zahl der realisierten Projekte die noch immer bestehenden Verfahrenshürden für die Entwicklung selbst organisierter Wohnformen an. Wären die Rahmenbedingungen besser, könnte die Zahl der Projekte wesentlich größer sein. Sie verweisen auf Erfahrungen in den Niederlanden, Dänemark und Hamburg, denn die Nachfrage 55

65 ist dort besonders groß, wo das Angebot besonders weit entwickelt ist, in Deutschland ist dies beispielsweise in Hamburg, NRW oder München der Fall. (Kremer-Preiß/Stolarz 2003: 71) Für Kremer-Preiß/Stolarz geht der hauptsächliche Impuls zu selbst - organisierten gemeinschaftlichen Wohnformen von der Zwischengeneration der jüngeren Alten aus (Kremer- Preiß/Stolarz 2003: 72). Dies nicht nur, weil sie noch mehr Energie besitzen, sich auf die mühsamen Partizipations- und Planungsprozesse und das ungewohnte Zusammenleben in einer solchen Wohnform einzulassen, sondern weil diese Zwischengeneration auch die Frage zu beantworten hat, wie sie für sich selbst für die lange Lebensphase der Hochaltrigkeit vorsorgt und wie sie in dem neuen, relativ langen Zeitraum zwischen Beruf bzw. Familie und dem eigentlichen Alt sein leben will. (Vgl. Kremer-Preiß/Stolarz 2003: 72) Zudem dürfte sich generell das Wohnen von jungen Alten und von Hochaltrigen erheblich unterscheiden. Für Höpflinger sind es primär drei Motive, wenn sich ältere Menschen für eine gemeinschaftliche Wohnform entscheiden: 1) Kontakte und soziale Austauschbeziehungen 2) Erhöhung der Sicherheit und Betreuung unter Wahrung der Selbstbestimmung, besonders im hohen Lebensalter 3) Die wirtschaftlichen Vorteile durch Führung eines gemeinsamen Haushalts und geteilte Mieten. (Vgl. Höpflinger 2006: 103) Narten ist der Ansicht, dass für die älteren Menschen in Deutschland ein häufiger Grund gegen einen Umzug in eine neue Wohnform die zumeist damit einhergehende erhebliche Verkleinerung der Wohnfläche spricht und damit ein Verzicht auf den gewohnten Wohnkomfort in Kauf genommen werden muss. Viele Menschen interessieren sich zwar für eine gemeinschaftliche Wohnform, letzten Endes entschließen sie sich aber aus den vorher genannten Gründen für den Verbleib in ihrer Wohnung. (Narten 2005: 85) Alters- bzw. Seniorenwohngemeinschaften Zumindest ein Teil der jungen Alten hat in ihrer Jugend in einer Wohngemeinschaft gelebt und Erfahrungen mit wohngemeinschaftlichen Lebensformen gemacht. Für diese teilweise wohngemeinschaftlich erfahrene Generation (Höpflinger/Perrig-Chiello 2009: 67) genießen Wohngemeinschaften eine erhöhte Akzeptanz. Der Begriff einer (Senioren)Wohngemeinschaft wird in der Literatur nicht einheitlich gebraucht. Am häufigsten werden damit kollektive Wohnformen gemeint, in denen zumeist nicht miteinander verwandte ältere Menschen in einer gemeinsamen Wohneinheit leben. Teilweise werden 56

66 unter dem Konzept der Alterswohn- bzw. Altershausgemeinschaft nur gemeinschaftliche Wohnformen gezählt, die unter maßgeblicher und aktiver Beteiligung ihrer Bewohner realisiert werden. Gemeinschaftliche Wohnformen in diesem Verständnis werden nicht für ältere Menschen entwickelt, sondern von älteren Menschen selbst aktiv gestaltet. Was sie beispielsweise von professionell geführten Wohngruppen unterscheidet (Höpflinger 2009: 154). Im Unterschied zu Hausgemeinschaften benützen Bewohner einer Seniorenwohngemeinschaft Bad, Küche und Wohnzimmer gemeinsam. Dies dürfte auch der Grund dafür sein, dass - anders als Hausgemeinschaften - Wohngemeinschaften von älteren Menschen meistens lediglich als eine Idee akzeptiert werden; eine konkrete Verwirklichung kann sich jedoch nur eine Minderheit vorstellen (vgl. Höpflinger/Perrig-Chiello 2009: 68). In einer Seniorenwohngemeinschaft zu leben, bedeutet die richtige Balance zwischen Privatleben und Gemeinschaftlichkeit zu finden. Ein Grundproblem bei vielen Projekten besteht darin, dass sich die älteren Menschen primär für das Wohnen, jedoch weniger für die Gemeinschaft interessieren. (Vgl. Höpflinger 2004: 103f) Selbstorganisierte Wohn- und Hausgemeinschaften Die Begriffe Selbstorganisierte Projekte oder gemeinschaftliches Wohnen beschreiben eine Vielzahl von Wohnprojekten, die auf den unterschiedlichsten Konzepten beruhen und an verschiedene Nutzergruppen adressiert sind. Bei diesen Projekten teilen sich entweder nur ältere - oder jüngere und ältere Menschen eine Wohnung oder ein Haus. Jeder Bewohner lebt in einem eigenen Wohnbereich oder einer abgeschlossenen Wohnung. Gemeinsam ist den Projekten, dass die Organisation des Zusammenlebens und die Verwaltung des Projekts so weit wie möglich von den Mitgliedern selbst übernommen werden. Ein weiteres Merkmal besteht darin, dass es sich bei den Bewohnern um keine Zufallsgemeinschaft, sondern um eine Wahlgemeinschaft handelt. Die Kontakte zwischen den zukünftigen Bewohnern werden häufig bereits während der Entwicklung und Entstehung des Projektes gepflegt und Nutzungskonzepte gemeinsam erarbeitet. (Vgl. Feuerstein 2008: 111ff) In der Regel finden sich bei den Initiatoren eines selbstorganisierten Projektes Menschen zusammen, für die Selbstbestimmung ihrer Wohn- und Lebensweise besonders wichtig ist und die daher im hohen Umfang bei der Gebäudeplanung mitbestimmen wollen. Im Idealfall werden neben der zukünftigen Verwaltung des Wohnprojektes Regelungen für den Eintritt eines Krankheits- oder Pflegefalles über eine gegenseitige Hilfe getroffen. (Vgl. Narten 2005: 83). Von den Bewohnern erfordert diese Art des Zusammenlebens ein hohes Maß an Toleranz und Kommunikationsbereitschaft. Fuchs/Orth bezeichnen selbstorganisierte Haus- und Wohngemeinschaften auch als Soziales Kunstwerk und empfehlen deshalb bei Konflikten, die bei die- 57

67 ser Wohnform häufig auftreten, eine begleitende Konfliktmoderation, Mediation oder Supervision. (Vgl. Fuchs/Orth 2003: 28ff) Integriertes Wohnen oder Mehrgenerationenprojekte Intergeneratives Wohnen Unter integrierten Wohnen versteht man das Zusammenleben von jungen und alten Menschen, Familien und Alleinstehenden in einer Wohnanlage. Durch die Ansiedlung von Menschen mit unterschiedlichen Lebenslagen, Aktionsräumen und individuellen Fähigkeiten sollen nachbarschaftliche und quartiersbezogene soziale Netzwerke angeregt werden. (Saup 1993:127) Mehrgenerationenprojekte richten sich nicht gezielt an ältere Menschen, sondern das Ziel ist eine Durchmischung der Generationen. Ein Grundgedanke ist die Annahme, dass jüngere und ältere Menschen von den gegenseitigen Kontakten profitieren. Intergenerative Wohnprojekte können vereinfacht in drei Grundtypen unterschieden werden: Intergenerative Wohn- und Hausgemeinschaften Intergenerative Hausgemeinschaften Intergenerative Siedlungen und Wohngenossenschaften. (Vgl. Höpflinger 2009: 150) Intergeneratives Wohnen im gleichen Haushalt findet vor allem in frühen Phasen des Familienlebens statt - wenn Kinder bei ihren Eltern wohnen. Wenig beliebt sind gemeinsame Haushalte in einer späteren Lebensphase, bei denen die Eltern dann bei den Kindern wohnen. Auch die Idee, dass alte Menschen in zu großen Wohnungen einen Teil ihrer Wohnung an junge Leute, wie Studenten vermieten, konnte sich nicht durchsetzen. Beliebter sind hingegen intergenerative Hausgemeinschaften. Hier wird unter einem Dach gewohnt, aber mit getrennten Wohnungen oder Haushaltseinheiten. (Vgl. Höpflinger 2009:151) Auch bei einer altersmäßigen Durchmischung einer Hausgemeinschaft kann man nur dann - so Höpflinger - von einer intergenerationellen (Höpflinger 2009: 152) Gemeinschaft sprechen, wenn die generationenübergreifenden Kontakte über ein nachbarschaftliches Nebeneinander hinausgehen. Auch hat sich die Vorstellung, dass sich gute intergenerationelle Kontakte und Beziehungen automatisch ergeben, als sozialromantisch geprägte Illusion erwiesen (Höpflinger 2009:151). Auf die Qualität der Beziehungen wirkt sich positiv eine entsprechende architektonische Gestaltung aus, da Begegnungen durch ansprechende Gemeinschaftseinrichtungen leichter möglich werden. (Vgl. Höpflinger 2009:151f) Nach Höpflinger benötigen Kontakte mit deutlich jüngeren Menschen vielfach mehr Kraft, als Kontakte mit gleichaltrigen Menschen. So eignen sich intergenerative Wohnformen nicht für alle 58

68 älteren Menschen (und wahrscheinlich auch nicht für alle jüngeren). Positiv sind sie vor allem für jene älteren Menschen, die ihre Individualität zugunsten gemeinschaftlicher Aktivitäten zurückstellen und die aktiv an sozialen Aktivitäten interessiert sind (Höpflinger 2009:153). (Vgl. Höpflinger 2009:151ff) Wohnen im Quartier Ein Konzept für die Zukunft Alter und Stadt sind durch konträre Entwicklungstendenzen gekennzeichnet: Bezieht man sich auf die älteren und alten Menschen, dann wird wie bereits erwähnt - sowohl die Zahl derer zunehmen, die ihr Leben eigenständig gestalten wollen, als auch die Zahl jener, die Unterstützung benötigen werden. Betrachtet man die Situation in den Städten, so haben sich zwar Suburbanisierung und Trennung der Funktionen weiter fortgesetzt, gleichzeitig kann man aber auch Tendenzen der Re-Urbanisierung und damit die Aufwertung städtischen Wohnens erkennen. Damit bekommt das Stadtquartier wieder einen Stellenwert. (Vgl. Feuerstein 2008: 123f) Quartiersbezogene Konzepte beziehen sich auf einen ganzen Stadtteil bzw. ein Wohnquartier. Bei diesen 'kleinräumigen' Konzepten werden die Wohnungen älterer Menschen in ein Versorgungsnetz eingebunden. Damit wird es möglich, dass normale Wohnungen auch im Alter die wichtigsten Wohnformen bleiben (Stiftung Warentest 2006: 186 in Rüßler 2007: 53f). Von Wohnformen, wie z. B. gemeinschaftliches Wohnen, unterscheiden sich quartiersbezogene Wohnkonzepte durch die Organisation von Angeboten für Wohnen, Betreuung, soziale Kontakte und gegenseitige Hilfen für den ganzen Stadtteil, ein Wohngebiet oder ein Wohnquartier (Kremer-Preiß/Stolarz 2003: 161). Mit quartiersbezogenen Konzepten könnten einerseits spezielle Wohnformen für alle Personen zur Verfügung gestellt werden, die sie benötigen, und anderseits bietet das Wohnen im Quartier zusätzlich eine Reihe von Vorteilen: Normale Wohnungen können auch im Alter die wichtigste Wohnform bleiben, weil sie in das Versorgungsnetz eingebunden werden können. In einem Stadtteil oder Quartier sind soziale Kontakte oder gegenseitige Unterstützung zwischen den Generationen einfacher, weil die Generationen ohnehin zusammen leben. Wird ein Umzug in eine traditionelle Alterswohnform notwendig, dann kann dem Bedürfnis, im vertrauten Wohnumfeld verbleiben zu wollen, leichter entsprochen werden, weil diese Wohnformen in das Gesamtkonzept für eine Betreuung im Wohnviertel eingegliedert sind. (Vgl. Kremer-Preiß/Stolarz 2003: 161) Interessant erscheinen quartiersbezogene Konzepte deshalb, weil damit einerseits neue Wohnformen mit dem normalen Wohnen im Alter vernetzt und anderseits traditionelle Wohnformen 59

69 selbst in ein Quartierskonzept integriert werden können. Das entscheidende Merkmal von Quartierskonzepten ist der kleinräumige Ansatz. Denn wird für die Zukunft eine bedarfsgerechte Versorgung der älteren Menschen im Stadtquartier angestrebt, dann reicht die Entwicklung einzelner zukunftsfähiger Wohnformen nicht aus. Ebenso von Bedeutung ist auch die Vernetzung und Einbindung von Wohn- und Betreuungsmodellen in bestehende Versorgungsstrukturen und Wohngebiete. Seniorenhilfe ist für eine Stadtteilentwicklung zwar Teil jedes integrierten Handlungskonzepts, aber bei der Wichtigkeit gehört sie dann doch zu den hinteren Rängen (vgl. Becker/Böhler/Meyer 2003: 84 in Steffen / Baumann / Fritz 2007: 6). Diese Schwerpunktsetzung zeigt sich häufig im Problembewusstsein der Stadtteilbewohner: die Förderung junger Menschen wird bei Stadtteilbefragungen als wichtiger erachtet (vgl. Steffen / Baumann / Fritz 2007: 6). 11 Bedeutung des Wohnumfeldes Altern steht besonders mit den Ressourcen und Begrenzungen in Zusammenhang, die das Wohnumfeld bietet. Langjährig gewohnte bzw. optimal angepasste, in ihrer Infrastruktur geeignete Umwelten besitzen das Potenzial, die Lebensqualität älterer Menschen zu unterstützen wie z. B. eine Gehbeschränkung, die durch den Einbau eines Liftes gemildert werden kann. Das BMFSFJ verweist darauf, dass eine altengerechte Wohnung allein nicht ausreicht. Hat das Wohnumfeld erhebliche Barrieren und steht die entsprechende Infrastruktur nicht zur Verfügung, kann der Verbleib in der eigenen Wohnung in Frage gestellt sein. Wohnt man z. B. in einer Hanglage, kann es beschwerlich werden, die täglichen Bedürfnisse zu erledigen. Grundvoraussetzung für eine freie Beweglichkeit im Wohnumfeld ist eine sichere Wegegestaltung. Ebene und rutschfeste Bodenbeläge, geringe Steigungen, ausreichende Überquerungshilfen bei stark befahrenen Straßen, gute Beleuchtung, eine Mindestbreite der Wege, um mit Gehhilfen die Wege zu passieren, ausreichende Ruhemöglichkeiten sowie das Vorhandensein öffentlicher Toiletten sind wichtige Anforderungen an die altersgerechte Gestaltung öffentlicher Räume. An den Hauptwegen sollten Sitzmöglichkeiten nicht weiter als 100 Meter voneinander entfernt sein. Auch der ÖPNV sollte fußläufig erreichbar und die Haltestellen sollten barrierefrei zugänglich sein. (BMFSFJ 2009: 24). (Vgl. BMFSFJ 2009: 24) Für das Kompetenznetzwerk Wohnen beginnt das Wohnumfeld außerhalb der Wohnungstür; also dort, wo der private Wirkungsbereich vom öffentlichen Bereich abgetrennt ist und sich privates Verhalten in öffentliches Verhalten ändert (Vgl. download: ). Das Wohnumfeld unterteilt sich in verschiedene Bereiche mit unterschiedlichen Ausstattungselementen und Verhaltensweisen (Kompetenznetzwerk Wohnen), in denen soziale Kontakte 60

70 möglich sind. Das Wohnumfeld besteht aus privatem, privat/gemeinschaftlichem, halböffentlichem und öffentlichem Raum und erfasst den gesamten Aktionsraum der SeniorInnen (Abbildung 9). Abbildung 9: Wohnumfeld Quelle: Bayrisches Staatsministerium ( ) Das Wohnumfeld ist ganzheitlich zu sehen als Lebensraum von Menschen [ ]. Es ist zum einen räumliches Wohnumfeld, das durch markante städtebauliche Grenzen und/oder durch spezifische Nutzungsweisen der Bewohner selbst definiert wird. Zum anderen ist es soziales Wohnumfeld, in dem besonders soziale Netze aufgebaut, soziale Dienste angeboten / nachgefragt werden, in dem nachbarschaftliches Verhalten der Bewohner stattfindet. Die Lebensqualität im Wohnumfeld bestimmt sich nicht nur nach Art, Umfang und Nützlichkeit" von gebauten/geplanten Elementen, von Sozial- und Dienstleistungseinrichtungen, sondern auch von informellen und institutionalisierten Organisationsstrukturen." (Großhans 2001: 22 in Kompetenznetzwerk Wohnen). Wohnumfeld ist Teil der Umwelt, die wir täglich erleben und nutzen können. (Vgl. Bayrisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen) Eine altengerechte und sichere Wohnumgebung spricht eigentlich für Quartiers-Konzepte, denn obwohl das Leben im Alter vor allem Wohnalltag bedeutet, haben ältere Menschen in ihrem 61

71 Wohnumfeld doch noch eine Menge zu erledigen. Sie sind meist in der Zeit von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr außer Haus (vgl. Kreimer 2010: 315). Im Positionspapier der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) gilt neben der Barrierefreiheit der Wohnungen auch die Anpassung des Wohnumfeldes an die Bedürfnisse älterer Menschen als wesentliche Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Wichtige Bedürfnisse sind Erreichbarkeit, Versorgung, Teilhabe und Integration, sowie Sicherheit. (Vgl. BAGSO 2004: Positionspapier; download: ) Die meisten Schwierigkeiten (Abbildung 10) so eine bundesweite Befragung in Deutschland - scheinen die Kommunen hinsichtlich der Gestaltung eines altengerechten Wohnumfeldes und einer altengerechten Infrastruktur zu haben. (BMFSFJ 2006: 40) Abbildung 10: Herausforderungen der Kommunen bei der Gestaltung eines altengerechten Wohnumfeldes Häufiger Schwierigkeiten bei der... (13,30 % ohne Angaben)...barrierefreien Gestaltung des Wohnumfeldes (n=233) 44,40 %...Bereitstellung einer altersgerechten Infrastruktur (n=232) 42,30 % Quelle: Wohnen im Alter (BMFSFJ 2006: 41) Die Gründe dafür liegen in dem, von den Städteplanern kritisierten stillen Tod der innerstädtischen Kultur- und Einkaufslandschaften. (Vgl. html; download: ). Er wird hervorgerufen durch die Shoppingcenter am Stadtrand, mit den dort etablierten Einheitsläden internationaler Konzerne, die inzwischen auch in den Innenstädten vermehrt die Strukturen vorgeben. Von den Gemeinden können aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit Geschäfte und Einrichtungen des täglichen Bedarfs kleinräumig vielfach nicht 62

72 mehr zur Verfügung gestellt werden; damit sind sie zu Fuß von den älteren Menschen nicht mehr erreichbar. (Vgl. BMFSFJ 2006: 42) Die Einflussnahme der Kommunen auf diese Entwicklungen ist zwar begrenzt, dessen ungeachtet werden sie auch zum Teil auf Basis politischer Entscheidungen getroffen, wie die oft unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten erfolgte Ausdünnung des öffentlichen Nahverkehrs, die Konzentration des Einzelhandels auf der grünen Wiese im Rahmen der Bauleitplanung oder der Verkauf kommunaler Wohnungsbestände zur Haushaltssanierung. Solche Entscheidungen müssen im Zuge der demographischen Entwicklung neu überdacht werden. (BMFSFJ 2006: 42) Nach Ansicht des BMFSFJ wird daher in Zukunft auszuloten sein, wie Kommunen die Entwicklung der Infrastruktur stärker auf die Bedürfnisse älterer Menschen ausrichten können. Als wichtiges Mittel wird die Bauleitplanung angesehen, die im regionalen und kommunalen Rahmen genutzt werden wird müssen, um die benötigte Siedlungsstruktur zu entwickeln. (Vgl. BMFSFJ 2006: 42) Abschnitt IV 12 Erfahrungen aus dem Ausland 12.1 Deutschland In Deutschland werden vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung mit dem Forschungsprogramm Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt) die räumlichen Bedingungen unterstützt, damit ältere Menschen in städtischen Quartieren wohnen bleiben können. Mit dem Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser hat Deutschland seit 2008 etwa 500 derartige Einrichtungen gefördert - manche sind neu entstanden, die meisten jedoch haben sich aus bestehenden Einrichtungen entwickelt. Sie gelten als treibende Kraft für bürgerschaftliches Engagement. Jedes Mehrgenerationenhaus erhält für die Dauer von fünf Jahren jährlich Euro an Förderung. Von den 500 Häusern erhalten 200 eine Ko-Finanzierung aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds. (Vgl. Das_20Aktionsprogramm/01 Was ist das Aktionsprogramm/01 Was_20ist_20das_20Aktionsprogramm.html; download: ) Auf die deutsche Situation wurde bereits während dieser Arbeit häufig eingegangen. Ein Projekt mit historischem Hintergrund - die Bremer Heimstiftung - soll jedoch noch vorgestellt werden: Beispiel: Bremer Heimstiftung Die Gründung der Bremer Heimstiftung geht eigentlich bis ins späte Mittelalter zurück. Anno 1499 wurde das Gasthaus der heiligen Elisabeth von Rat und Bürgerschaft der Hansestadt Bre- 63

73 men gestiftet, um armen Kranken ein Obdach zu geben. Nach dem Krieg wurde der Stiftung von der Stadt Bremen ein Betrag von DM (ca ) als Stiftungsgrundstock zur Verfügung gestellt. Inzwischen beträgt das Stiftungskapital 8 Millionen Euro, der Jahresumsatz 70 Mill. und die Bilanzsumme 200 Mill.. (Vgl. download ). Bis heute wurden 20 große Einrichtungen von einfach bis luxuriös - in allen Stadtteilen geschaffen. In den Stiftungsresidenzen, Stadtteilhäusern und Stiftungsdörfern leben ältere und behinderte, aber auch junge Menschen. Die Stadtteilhäuser und Stiftungsdörfer gelten als lebendige Drehpunkte. Außerdem ist die Heimstiftung Kooperationen wie z. B. mit dem Netzwerk SONG (Soziales neu gestalten) und der Freiwilligenagentur eingegangen. (Vgl. download ) Ein umfangreiches Angebot steht Personen zur Verfügung, die weiterhin in ihrer normalen Wohnung leben wollen. Dies reicht von Pflegeangeboten bis hin zur Haus- und Gartenpflege oder dem Umzugsservice. Außerdem werden Handwerksbetriebe, Beratungen für barrierefreies Bauen und Wohnen sowie Beratungen in finanzieller Hinsicht vermittelt. (Vgl ) download: 12.2 Niederlande Die Niederlande haben ca. 16,5 Millionen Einwohner. Der Anteil der über 65jährigen Personen an der Gesamtbevölkerung lag im Jahr 2004 lediglich bei 14 % (vgl. Enquetekommission 2004: 96). Bereits in den 1980er Jahren gab es Überlegungen hinsichtlich der demographischen Veränderungen. Seit Ende der 1990er Jahre begann man altengerechte und pflegefreundliche Wohnquartiere zu entwickeln. Von der Stiftung STAGG (Stichting Architectenon-derzoek Gebouwen Gezondheidszorg) wurden 1995 verbindliche Richtlinien für die heute sehr populären betreuten Wohnzonen (woonzorgzones) veröffentlicht. In diesen, als Wohnzonen bezeichneten (gewöhnlichen) städtischen Quartieren, Siedlungen oder Dörfern sollen möglichst optimale Bedingungen für selbständiges Wohnen bis ins hohe Alter geschaffen werden. Das Konzept der Wohnzonen beruht auf einer engen Verflechtung von Wohnen, verschiedenen Dienstleistungen, dem Gemeinwohl und der Pflege. (Harnack/Schluchtner 2009: 118) Die Frage, was eine Dienstleistung kostet, ist in den Niederlanden weniger tabuisiert als bei uns, denn das gesellschaftliche Wohl steht mehr über dem des individuellen. So erstaunt es nicht, dass eine Änderung dieser Situation mit einem im Jahr 2007 in Kraft getretenen Gesetz für gesellschaftliche Unterstützung eingeleitet wurde. Dieses Gesetz setzt auf die Eigenverantwortlichkeit der Bürger. Von den Gemeinden wird nun gefordert, Quartiersarbeit, freiwillige Pflege- 64

74 dienstleistungen und soziale Netzwerke in den Quartieren auszubauen und zu verstärken, damit ältere oder behinderte Menschen so lange wie möglich zu Hause betreut werden können, auch wenn keine Hilfe durch die Familie oder Freunde erbracht werden kann. (Vgl. Harnack/Schluchter 2009: 118) Es dürfte jedoch nicht erst die gesetzliche Änderung aus dem Jahr 2007 der Anlass für alternative Wohnformen gewesen sein, denn so Renate Narten - die niederländischen Kommunen haben bereits relativ früh erkannt, welche Entlastung selbstorganisierte Wohnprojekte für soziale Sicherungssysteme bedeuten. Sie verweist im Jahr 2005 in Gemeinschaftliches Wohnen im Alter darauf, dass es in den Niederlanden bereits mehr als 300 realisierte gemeinschaftliche Wohnformen gibt, mit mehr als Wohnungen. Rechnet man die niederländische Bevölkerungszahl von ca.16,5 Millionen auf die Österreichs um, dann müsste es hier ca. 150 Projekte von gemeinschaftlichen Wohnformen im Alter mit ca Wohnungen geben. Den Grund für die Verwirklichungen sieht Narten in der langjährigen Mitbestimmungskultur der Niederländer im Wohnungsbau. Niederländische Wohnungsunternehmen haben weniger Vorbehalte gegenüber Gruppen, die bei der Planung mitreden wollen. In Deutschland - und dies gilt meiner Meinung nach auch für Österreich haben bei Mitbestimmungsfragen Wohnungsunternehmen große Vorbehalte (vgl. Narten 2005: 82f). Die Initiative des Großteils der Projekte geht auf soziale Organisationen oder Kommunen zurück. Von diesen werden die Interessenten auf kommunaler Ebene zusammengeführt und während des Gruppenbildungsprozesses bis zur Konsolidierungsphase begleitet. Im Unterschied zu Deutschland und Österreich wurde in den Niederlanden ein einheitliches Leitbild für ein gemeinschaftliches Wohnen entwickelt, das klar zwei Projekttypen unterscheidet: generationengemischte und generationenhomogene Projekte. Generationengemischte Projekte sind im Verein Centraal Wonen erfasst. Bei diesen Projekten handelt es sich vorwiegend um gemeinschaftliche Wohnformen jüngerer Menschen, insbesondere um junge Familien. Generationenhomogene Projekte - der zweite Projekttyp wird von der LVGO, der Landesweiten Vereinigung Gruppenwohnen von Älteren organisiert, in denen nur Menschen, die älter als 55 Jahre sind, leben. Der gravierende Unterschied gegenüber Deutschland sind für Narten die altershomogenen Wohnprojekte. Diese sind seit den 1980er Jahren als neue Projekte entstanden und grenzen sich bewusst gegen eine Altersmischung ab. Ältere Menschen sind der Meinung, dass altershomogene Projekte eher ihren Bedürfnissen entsprechen. Es wurde auch von Anfang an darauf Wert 65

75 gelegt dies gilt für jeden Bewohner als selbstverständlich - dass jede(r) in einer abgeschlossenen eigenen Wohnung lebt und die Teilnahme an gemeinschaftlichen Aktivitäten freiwillig ist. (Vgl. Narten 2004: 54) Einerseits wird sehr viel Wert auf Privatsphäre und Freiwilligkeit gelegt, andererseits gibt es eine große Bereitschaft, sich an die Regeln des Zusammenlebens zu halten, die das Leben in einer Gemeinschaft mit sich bringen. Im Laufe der Jahre haben sich in den Niederlanden die Ansprüche der Projektmitglieder an das Gemeinschaftsleben vom Idealismus zum Realismus (Narten 2005: 85) gewandelt. (Vgl. Narten 2005: 85). Die Haushaltsstrukturen bestehen sowohl aus alleinstehenden Frauen und Männern, als auch aus Paaren. Alleinstehende Frauen bilden jedoch den größeren Anteil. Nach Meinung der meisten Wohngruppen sollte man beim Einzug das Alter von 70 Jahren nicht überschritten haben, weil dann die Sorge besteht, dass bei einen zu hohen Anteil Hochaltriger nicht mehr ausreichende Ressourcen für gemeinschaftliche Aufgaben zur Verfügung stehen. (Vgl. Narten 2004: 54) Die Größe der Projekte schwankt zwischen vier und über 100 Wohneinheiten, der Trend geht jedoch zu Gruppengrößen zwischen 21 bis 30 Wohneinheiten. Diese Größe wird auch von den niederländischen Beratungsstellen empfohlen. Als Gütekennzeichen für eine SeniorInnen-Wohnung wurde von den Niederländern ein Seniorenlabel eingeführt. Als Standard des altengerechten Wohnbaus gilt die 3-Zimmer-Wohnung mit m² Wohnfläche, weil sie flexibel für unterschiedliche Haushalts- und Wohnbedürfnisse nutzbar ist. Für 2-Personen-Haushalte erfüllt sie für ältere Ehepaare das Bedürfnis nach zwei getrennten Schlafzimmern. Bei 1-Personen-Haushalten trägt man dem Bedürfnis nach einem Gästeraum Rechnung. Seit Mitte der 1980er Jahre kann eine konstant steigende Zahl von 3-Zimmer-Wohnungen festgestellt werden. 2-Zimmer-Wohnungen werden kaum noch gebaut. Beim Bau der Häuser wird darauf geachtet, dass sie jederzeit in normale Mehrfamilienhäuser zurückverwandelt werden können. (Vgl. Narten 2004: 54ff) Beispiel: Das Projekt Quartier Moerwijk Moerwijk ist der älteste Teil der Siedlung des Stadtteils Zuidwest / Escamp ( Einwohner) in Den Haag. Moerwijk mit ca Einwohnern ist die erste betreute Wohnzone in den Niederlanden, die in einer bestehenden Siedlung entstanden ist, denn Moerwijk stellte mit einer überproportionalen Zunahme von SeniorInnen und mit einem nicht mehr zeitgemäßen Wohnungsbestand ein gutes Versuchsfeld dar. Die Verknüpfung von baulichen und sozialen Aktivitäten sowie die im Quartier organisierten Pflege- und Servicedienste werden als das Besondere des Projekts dargestellt. Da ja ein generelles Interesse der Kommune besteht, SeniorInnen ein selb- 66

76 ständiges Wohnen so lange es geht zu ermöglichen, waren bauliche und soziale Maßnahmen zu ergreifen, die auch kontinuierlich fortgesetzt werden. Im öffentlichen Bereich werden barrierefreie Fußgängerwege errichtet, die die wichtigsten Orte im Quartier verbinden. (Vgl. Harnack/Schluchter 2009: 118f) Versorgungsangebote, die man früher nur in Pflegeheimen finden konnte, werden heute im Quartier dezentral zur Verfügung gestellt. Quartiersstützpunkte sind im Umkreis von 300 Metern von jeder Wohnung entfernt und zu Fuß erreichbar. Da sich Barrierefreiheit in Moerwijk durch Umbauten des Wohnbestandes als schwierig herausstellte, wurden nach Einführung der betreuten Wohnzone Stadterneuerungsmaßnahmen beschlossen. Viele aus der Nachkriegszeit stammende Häuser, mit - um ein halbes Geschoß erhöhten - Erdgeschoßwohnungen, wurden abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Angestrebt wird ein breit gefächertes Wohnungsangebot, das aus vier Wohnungstypen bestehen soll: Beschütztes Wohnen, entspricht einem Wohnen im Pflegeheim, wird jedoch so kleinräumig wie möglich geplant. Versorgtes Wohnen ; damit soll Wohnen in unmittelbarer Nähe eines Pflegezentrums, dessen Angebote die Bewohner nützen können, erfüllbar werden. Vertrautes Wohnen findet in einem klar gekennzeichneten, übersichtlichen Wohnumfeld statt. Kontakte zu den Nachbarn werden speziell gefördert und gegebenenfalls auch vermittelt. Selbständiges Wohnen bietet ein von Institutionen unabhängiges Wohnen. (Vgl. Harnack/Schluchter 2009: 119) 12.3 Dänemark Dänemark hat 5,4 Millionen Einwohner, ist ebenfalls von der Überalterung der Bevölkerung betroffen und beim Wohnen im Alter als besonders innovativ (vgl. Enquetekommission 2004: 97). Zielsetzungen und Strukturen des dänischen Wohnungsbaues sind darauf ausgerichtet, das Miteinander der Generationen in den Quartieren zu fördern. Dänemark kann auf eine lange Tradition der öffentlichen Wohnbauförderung zurückblicken. Auf Basis von Vorgaben der Kommunen werden von Wohnbaugesellschaften Wohnungen für Jugendliche, Senioren und Behinderte errichtet. Diese Wohnungen werden meistens in bestehende Wohnquartiere eingestreut. Dies führt dazu, dass sich unmittelbare Nachbarschaften von Familien, Jugendlichen und älteren Menschen ergeben. (Vgl. Tornow 2009: 97f) Eine dänische Besonderheit sind private Genossenschaften (andelsboligforeninger). Sie gelten häufig als dritte Wohnform, angesiedelt zwischen Miet- und Eigentumswohnungen. Sie unterliegen einer gesonderten gesetzlichen Regelung (lov om andelsboligforeninger) und können öf- 67

77 fentliche Wohnungbauförderung erhalten. Diese privaten Genossenschaften sind die beliebteste Rechtsform für die in den letzten 15 Jahren populär gewordenen selbstorganisierten Gruppenwohnprojekte für SeniorInnen (seniorbofællesskaber). (Vgl. Tornow 2009: 97f) Wie in den Niederlanden, so sind auch in Dänemark gemeinschaftliche Wohnformen stark vertreten. Die Rahmenbedingungen für das Wohnen im Alter werden in Dänemark von den Kommunen festgelegt. Es gibt dort sogenannte Altenräte, die den Einfluss der Älteren auf die Politik geltend machen sollen. Dänemark verfolgt das Ziel, älteren Menschen so lange wie möglich ein Leben in ihrer gewohnten Umgebung zu ermöglichen. Dazu werden Fähigkeiten und Ressourcen verstärkt ausgebaut. Die Unterbringung in Heimen soll damit verzögert oder vermieden und die sozialen Ausgaben der Kommunen reduziert werden. Mit dem Senioren-Wohngesetz von 1988 wurde geregelt, dass keine neuen Alten- und Pflegeheime mehr gebaut werden, sondern flexible und bedürfnisgerechte Wohnformen. Bestehende Heime sollen schrittweise zu eigenständigen Wohneinheiten umgebaut werden. (Vgl. Schönfeld 2005: 37; Tornow 2009: 97) Beispiel: Das Modell Ballerup, Wohnquartier Egebjerggård Ballerup- mit Einwohnern - liegt am nord-westlichen Rand des Großraums Kopenhagen. Ballerup betreibt eine aktive Seniorenpolitik, mit mehreren Altenzentren mit Pflegewohnungen, Cafés und therapeutischen Angeboten in den Stadtteilen. Gefördert werden Altentreffpunkte, die kulturelle und soziale Veranstaltungen in den Quartieren anbieten und die von den SeniorInnen in eigener Verantwortung und ehrenamtlich organisiert werden. (Vgl. Tornow 2009: 97) Das Wohnquartier Egebjerggård Das Wohnquartier Egebjerggård liegt ca. zwei Kilometer nördlich des Stadtzentrums von Ballerup. Von Egebjerggård wurde als städtebauliches Modellvorhaben eine differenzierte Gliederung entwickelt, die heute als ein Qualitätsmerkmal Egebjerggård s gilt. Der Stadtteil wurde in fünf Gebiete mit jeweils 150 bis 200 Wohnungen gegliedert, die erneut in Wohngruppen unterteilt wurden. Jede Wohngruppe besteht wiederum aus 20 bis 80 Wohnungen. Die Freiflächen dazwischen bestehen aus großzügigen öffentlichen Grünflächen und kleinen wohnungsbezogenen Gärten. (Vgl. Tornow 2009: 99) Die soziale Infrastruktur richtet sich vor allem an ältere Menschen. An einem zentralen Drehpunkt des Quartiers wurde gezielt das Altenzentrum Egely errichtet, in dem, im Gegensatz zu anderen Wohnanlagen für ältere Menschen, verschiedene Wohnungstypen und Rechtsformen unter einem Dach vereinigt wurden. Es wurden acht Eigentums- und 24 gemeinnützige Mietwohnungen gebaut, wobei es zwei Wohngemeinschaften mit jeweils sieben Wohneinheiten gibt. Ein mit Glas überdachter Innenhof grenzt an die Wohnungen, wodurch ein wettergeschützter Aufenthalt möglich wird. Im Innenhof stehen auch die gemeinschaftlichen Waschmaschinen; 68

78 damit soll das Atrium als Treffpunkt zur Förderung der Kontakte beitragen. Außerdem gibt es eine Gästewohnung, therapeutische Behandlungsräume und ein Café, das allen älteren Bewohnern des gesamten Quartiers offen steht und jeden Tag einen Mittagstisch anbietet. (Vgl. Tornow 2009: 100) Eine Integration der älteren Bewohner dürfte aber trotzdem schwierig sein, denn obwohl die Wohnungen für ältere Bewohner zentral platziert sind, haben sie sich kaum in das Quartier integriert. Dies wird auf die zunehmenden gesundheitlichen Probleme der Menschen zurückgeführt, die sich um die Altenwohnungen bewerben. Diesem könnte aber eine gezielte Belegung durch die Kommune (mit jungen Alten) entgegengewirkt werden. Bewährt zu haben scheint sich aber trotzdem die Unterbringung Älterer unter einem Dach in verschiedenen Wohnungstypen. Besonders das Atrium ist zu einem beliebten Treffpunkt geworden. (Vgl. Tornow 2009: 103) Abschnitt V 13 Die Situation in Linz Linz ist nach Wien und Graz die drittgrößte Stadt Österreichs. Am Beispiel der Stadt Linz wird sichtbar, dass es schwer fällt eine politische Gemeinde - wie die Gemeinde Linz - als eine vom Umland (z.b. von Leonding) getrennte Einheit zu betrachten, weil die Region um die Stadt Linz in einem vielschichtigen Beziehungsgeflecht zur Stadt Linz steht. Wie in anderen Städten hat auch in Linz der Suburbanisierungsprozess zur Entstehung von Stadtregionen geführt. Betrachtet man die Stadtregion Linz, so liegt Linz laut offizieller Statistik (2007) mit EinwohnerInnen deutlich vor Graz ( ) und Salzburg ( ). In den suburbanen Gemeinden um Linz (Linz-Land) und Eferding hat sich die Bevölkerungszahl um 50,1 Prozent erhöht. (Vgl. download: ) Obwohl Linz in den 1990er-Jahren einen drastischen Bevölkerungsrückgang (-10 %) durch eine Wanderung in die Umlandgemeinden zu verzeichnen hatte, ist die Gesamtregion unvermindert gewachsen (+5,2 %) (Arlt 2009:16). Auch für Linz scheint sich die Annahme für eine gewisse Renaissance des urbanen Wohnens und die Tendenz der Menschen zu einem städtischen Wohnstandort in den Kernstädten zu bestätigen (Abbildung 11). Man wird jedoch erst in Zukunft feststellen können, ob städtische Erreichbarkeitsvorteile mit suburbanen Qualitätsmerkmalen des Wohnens (Müller/Siedentop 2004: 24 in Rüßler 2007: 37) verbunden werden können. 69

79 Abbildung 11: Wanderungssalden Linz Quelle: Bevölkerungsprognose Linz ( &HitCount=1&hits=346d+&hc=18&req=Altersverteilung%26+; download: ) Auch für den Linzer Agglomerationsraum dürfte zutreffen, was Sieverts/Schneider für Zürich feststellen konnten: Bei den BewohnerInnen können wenig gemeinsame innere Vorstellungen eines verknüpften Lebensraumes gefunden werden. Sichtbar ist eine Vielfalt von nebeneinander bestehenden Weltsichten, Lebensstilen und Lebensmustern, die sich auf ein Spektrum zwischen traditionell ländlichen, großstadtkritischen Lebensweisen einerseits (aufspannen), die das Leben und die Ziele der lokalen Politik immer noch an der Fiktion des vorindustriellen Dorfs oder der industriellen Kleinstadt ausrichten und den beweglichen, hochmobilen, großstädtischen Lebensweisen andererseits, die meist durch eine geringe Ortsbindung an die Wohngemeinde gekennzeichnet sind und die verkürzten Reisezeiten dazu nutzen, die Agglomeration [ ] «à la carte» wie eine zusammenhängende Stadt zu nutzen (Sieverts /Schneider 2010: 16). Die «Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen» eine These von Ernst Bloch ist einerseits der schnellen, nur wenige Jahrzehnte dauernden Entwicklung zuzuschreiben und zeigt andererseits die Unterschiedlichkeit der Lebensmuster und Lebensräume der verschiedenen Generationen (Sieverts /Schneider 2010: 16). Zum Stichtag betrug die Linzer Hauptwohnsitzbevölkerung Personen. Davon sind Personen (25 %) über 60 Jahre alt. (Vgl. download: ). 70

80 Nach Bevölkerungsprognosen steigt bis zum Jahr 2021 die Zahl dieses Personenkreises stark an. Bei den 60-69jährigen wird ein Anstieg von 5,9 % angenommen. Bezogen auf den Anteil an der Gesamtbevölkerung (2007: 11,1 %) wird sich ihr Anteil aber nur marginal verändern. Die Gruppe der 70-79jährigen soll mit 25,5 bis 27,5 % am stärksten wachsen und sich von derzeit 7,4 % auf 8,8 bis 9,3 % der Gesamtbevölkerung erhöhen. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung der über 80jährigen lag 2007 bei 5,7 % und wird sich, wenn überhaupt nur geringfügig verändern (Abbildung 12). ( ver%5clinz%5fde&hitcount=1&hits=346d+&hc=18&req=altersverteilung%26+; Seite 27, download: ) Abbildung 12: Bevölkerungsstruktur Familienstand - Hauptwohnsitzbevölkerung Linz Quelle: download: Stellt man sich die Frage, wie in den 36 Linzer Bezirken der statistische Anteil der über 60jährigen verteilt ist, dann ist festzustellen, dass lediglich in 15 Bezirken ihr Anteil unter 25 % der Hauptwohnsitzbevölkerung liegt. In 21 Bezirken reicht er von 25,4 % in St. Peter bis zu 48 % am Freinberg (Abbildung 13). In den 15 Bezirken mit einem niedrigeren Altersquotienten besteht eine Korrelation mit einem hohen Ausländeranteil. ( download: ). 71

81 Abbildung 13: Anteil der SeniorInnen - 60jährige und älter mit Hauptwohnsitz in Linz Quelle: Linz, Politik Verwaltung ( download: ) Zu Beginn des Jahres 2010 standen in Linz 352 Betreubare Wohnungen zur Verfügung; 42 Projekte waren noch im Bau. Bis zum Jahr 2015 sind noch 320 Wohnungen geplant, davon werden 240 Betreubare Wohnungen und 80 Betreute Wohnungen (Weißenwolffstraße, Maderspergerstraße, Rudigierstraße) errichtet. (Abbildung 14) (Vgl. download: ) 72

82 Abbildung 14: Betreubare und Betreute Wohnungen in Linz Quelle: In anderen Städten werden Wohnplätze in Seniorenwohngemeinschaften angeboten, dieses Angebot fehlt jedoch bisher in Linz (vgl. Arlt 2009: 34). Daraus ergibt sich, dass die Mehrheit der über 60jährigen (ca Personen) fast ausschließlich in normalen Wohnungen lebt; also dort, wo ihnen das Wohnen vertraut ist und wo sie vermutlich auch weithin leben wollen. Ermöglicht wird dies vermehrt durch den Einbau von Liften. Durch die Montage von über 1000 Liftanlagen bei Geschosswohnungen hat sich die Situation seit 1996 maßgeblich verbessert, jedoch ist ein Drittel der Wohnungen mit vier und mehr Geschossen noch ohne Lift. (Vgl. download: ). Dazu kommen noch die Gebäude mit Geschosswohnungen von weniger als vier Stockwerken. In Linz befindet sich die Mehrheit der Wohnungen in Gebäuden mit bis zu zwei Wohnungen (Abbildung 15). 73

83 Zum gab es in Linz ca Wohngebäude mit Wohnungen. Linz ist mit ca Mietwohnungen eine Stadt der Mieter; dies trotz des hohen Eigentümeranteils bei den Gebäuden. ( download: ) Abbildung 15: Anzahl der Wohnungen in den Linzer Gebäuden Quelle: Betrachtet man die Eigentümerstruktur der Gebäude, dann ist feststellbar, dass sich der weitaus größte Teil in Privateigentum - mit ein bis zwei Wohnungen befindet. In den Stadtteilen mit einem hohen Eigentumsanteil liegt der Anteil der über 60jährigen Personen in den meisten Fällen über dem Linzer Altersdurchschnitt von 25 %. ( TE_1/; download: ) 74

84 Abschnitt VI 14 Ergebnisse der qualitativen Interviews Der empirische Abschnitt gliedert sich in drei Teile. Der Teilabschnitt A bezieht sich auf die Interviews, die das Wohnen der BewohnerInnen betreffen. Im Teilabschnitt B wird versucht, die Makroebene darzustellen, indem die Sichtweisen der Mikro- und Mesoebene auf das Wohnen - bezogen auf die Stadt Linz beschrieben werden. Der letzte Teilabschnitt C beschäftigt sich mit zukünftigen Wohnvorstellungen im Alter Die gesellschaftlichen Ebenen Einleitend wird festgestellt, dass bei den Interviews mit den verschiedenen InterviewpartnerInnen die ineinander verflochtenen Makro- Meso- und Mikroebenen einer Stadtgesellschaft und ihr Wechselverhältnis zueinander sichtbar und das enge Beziehungsgeflecht gesellschaftlicher Akteure erkennbar werden Makroebene Die Stadt Linz Die Makroebene stellt die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für das Wohnen und Leben im Alter zur Verfügung. Auf dieser Ebene werden die politischen Entscheidungen getroffen. Hier werden die gesellschaftliche Bedeutung und der Stellenwert der älteren und alten Menschen in einer Stadtgesellschaft und das Verantwortlichsein für diese Menschen erkennbar. Zur Erfüllung der Aufgaben kooperiert die Stadt Linz mit den Akteuren der Mesoebene - den Wohnungsgesellschaften, sozialen Diensten und Seniorenorganisationen und übt damit Einfluss auf die Lebenssituation der Menschen auf der Mikroebene aus. Dies zeigt sich in den Bauordnungen und Förderrichtlinien sowie der Verwendung der Mittel für die Wohnbauförderung: Beispielsweise errichten Wohnungsgesellschaften Objekte für das Betreubare Wohnen oder bauen Liftanlagen in bereits bestehende Objekten ein Mesoebene Soziale Dienste Gemäß des Artikels 15a B-VG wurde zwischen Bund und Ländern eine Vereinbarung getroffen, in der sich die Länder unter anderem verpflichtet haben, Personen in besonderen sozialen Lagen durch die Sozialen Dienste Hilfe zu ermöglichen. Soziale Dienste werden von freien Wohlfahrtsverbänden, Ländern und Gemeinden angeboten. Die Leistungen dieser Dienste werden zum Teil selbst erbracht, aber auch von Non-Profit- Organisationen, Vereinen oder privaten Trägern (z.b. kirchennahe Vereine, Vereine im Nahe- 75

85 verhältnis zu politischen Parteien, andere überregionale Wohlfahrtsvereinigungen) vorgenommen. (Vgl. download: ) Im Rahmen dieser Kompetenzverteilung werden in der Stadt Linz von den Sozialberatungsstellen Kompass Informationen und Hilfestellung durch die Vermittlung der Sozialen Dienste angeboten. Das Angebot der Sozialen Dienste besteht unter anderem aus mobilen Diensten, wie Hauskrankenpflege, Heimhilfe, Essen auf Rädern oder mobiler Altenbetreuung. Damit soll ein Verbleiben in der eigenen vertrauten Wohnung ermöglicht werden. ( ) Für die vorliegende Arbeit konnten Gespräche mit je einer Expertin bzw. einem Experten von vier Linzer Sozialen Diensten geführt werden Seniorenorganisationen Gemäß 1 des Bundesseniorengesetzes vertreten Seniorenorganisationen die Anliegen der älteren Generation gegenüber den politischen Entscheidungsträgern auf Bundesebene. Durch sie soll Beratung, Information und Betreuung von Senioren sichergestellt werden. Im Sinne dieses Gesetzes gelten freiwillige Vereinigungen von Senioren mit eigener Rechtspersönlichkeit nur dann als Seniorenorganisationen, wenn ihnen gesamtösterreichische Bedeutung zukommt. Seniorenorganisationen dürfen zwar selbst keine politische Partei im Sinne des Parteiengesetzes sein, aus den Homepages der jeweiligen Seniorenorganisationen können sie jedoch politischen Parteien zugeordnet werden. ( ; download ) Für diese Diplomarbeit war es möglich, mit ExpertInnen von drei Seniorenorganisationen Gespräche zu führen. Neben ihrer Funktion als SeniorenvertreterInnen haben die ExpertInnen, wie von ihnen bei den Interviews erwähnt wurde, jeweils auch eine Funktion in einer Wohnungsgesellschaft inne. Auf Grund der Milieukenntnisse der interviewten BewohnerInnen kann gesagt werden, dass zum Interviewzeitpunkt keine(r) Mitglied einer Seniorgenorganisation war. 76

86 Die Wohnungsgesellschaften Für die Diplomarbeit wurden Interviews mit je einem Experten und einer Expertin von zwei Wohnungsgesellschaften geführt. Wohnungsgesellschaften kann man auch beim Wohnen im Alter in der Stadt als einen der wichtigsten Akteure auf der Meso-Ebene definieren. Sie stehen einerseits durch Förderungen, wie der Wohnbauförderung in einem Beziehungsgeflecht zur Makroebene der Gesellschaft. Ersichtlich wird dies in den Mitteln aus dem Steueraufkommen, die vom Bund den Ländern für den geförderten Wohnbau zur Verfügung gestellt werden. Nach einem Artikel von Czaja im DER STANDARD vom 07./ sind das auf ganz Österreich bezogen rund 1,8 Milliarden Euro jährlich. Andererseits sollen Wohnungsgesellschaften auch gesellschaftliche Verantwortung gegenüber der zu bauenden und der bereits gebauten Umwelt erfüllen, die sozusagen das materialisierte Gedächtnis der gesellschaftlichen Entwicklung darstellt. Sie stehen vor dem Problem bestehende städtebauliche Strukturen vorzufinden, die bewirken, dass eine Gesellschaft zu jeder Zeit mit siedlungsstrukturellen Gegebenheiten umgehen muss, die in früheren Phasen entstanden sind und oftmals nicht optimal mit den Anforderungen der Gegenwart harmonieren (Zakrzewski 2001: 47). (Vgl. Zakrzewski 2001: 47) Es ist anzunehmen, dass diese Harmonie zwischen den früher errichteten Objekten im mehrgeschossigen Wohnbau und den Bedürfnissen, die ältere Menschen aufgrund des demographischen Wandels haben, häufig nicht vorhanden ist. Wohnungsgesellschaften stehen damit vor der Herausforderung, die (älteren) Wohnungen entsprechend anpassen und sich zudem mit den zukünftigen Wohnerfordernissen von einer immer größer werdenden Gruppe älterer Menschen auseinandersetzen zu müssen Mikroebene BewohnerInnen Wohnbiographie der BewohnerInnen Generell kann gesagt werden, dass alle elf interviewten BewohnerInnen im Agglomerationsraum der Stadt Linz geboren wurden. Inzwischen leben sie schon sehr lange in Linz. Ihre Wohnungen befinden sich im Stadtteil Bindermichl, am Froschberg, in der Neuen Heimat, im Rathausviertel, in Urfahr. Die UrfahranerInnen leben in Harbach und St. Magdalena. Alle wohnen in Mehrfamilienwohnanlagen, bzw. Mehrfamilienwohnhäusern. Außer zwei Wohnobjekte, die jedoch lediglich eine Geschoßhöhe von je zwei Stockwerken aufweisen, sind die Wohnanlagen mit Liften ausgestattet. (Siehe Anhang Biographische Daten) Aus den Wohnbiographien geht hervor, dass die Bautätigkeit, die nach dem 2. Weltkrieg ab den 1960er Jahren in Linz verstärkt stattfand (Abbildung 16), den Interviewten die Möglichkeit bot, 77

87 in eine damals neu erbaute Wohnung zu ziehen. (Vgl. download: ) 03BW: Ja, denn da sind wir immer hergegangen und haben geschaut, wie weit der Baufortschritt ist. Das muss Anfang 65, muss das begonnen worden sein, oder gar 64 schon. Also jedenfalls, wir sind schauen gegangen erst ab 65, als wir gewusst haben, wir bekommen da eine Wohnung. Abbildung 16: Bauperiode der Gebäude Quelle: ) Seit dem Bezug der Wohnungen haben sich für die BewohnerInnen neben den Erfordernissen auch die Ansprüche an die Wohnungen geändert. 01BW: ( ) Es ist okay. Nur dass ich früher zu fünft in der Wohnung gewohnt hab, mit [Partner; A.d.V.] drei Kindern und jetzt: alleine. Jetzt passt es aber auch für mich. Ja, ich hätte mir nichts gedacht früher ( ). Jedoch dürften sie die neu errichteten Wohnungen, in die sie damals gezogen sind, auch beim Bezug als nicht ihren damaligen Bedürfnissen entsprechend empfunden haben, denn es wurden entsprechende Anpassungsmaßnahmen vorgenommen. 04BW: ( ) Aber ich glaube eher, die Wohnungen werden eh schon so...besser gebaut. Also ich meine, in dieser Wohnung war ja gar nichts drinnen. Ich glaube mein Mann und ich hätten eine Weltreise um das Geld machen können, was da zum Richten war [beim Bezug der neu erbauten Wohnung; A.d.V.]. Da war nichts herinnen. Der eine schiache Boden da und keine Dusche, keine Fliesen, nur ein Ölanstrich Das weiß heute keiner mehr und trotzdem waren wir froh. Zuerst haben wir nur ein Zimmer gehabt in der Turmstraße und da waren das Wasser am Gang und die Brause im Keller und das waren nur 12 m 2. Das muss man sich vorstellen. Heute denkt wenn ich das meinen Sohn Mama, wie hast du denn das gemacht?" Einen Kocher hab ich gehabt, für mehr war gar kein Platz und da hab ich gekocht und Windel gewaschen und alles und es ist auch gegangen. Es ist einfach so: Wenn du es nicht hast, geht es nicht anders. 78

Die demographische Entwicklung Vorarlbergs

Die demographische Entwicklung Vorarlbergs Die demographische Entwicklung Vorarlbergs Bevölkerungsentwicklung Vorarlberg nach Altersgruppen 1985-2075 Die Bevölkerungsentwicklung Vorarlbergs wird in den nächsten Jahrzehnten bis 2075 von zwei Trends

Mehr

Lebensphase Alter. Gertrud M. Backes, Wolfgang Clemens. Eine Einflihrung in die sozialwissenschaftliche Alternsforschung

Lebensphase Alter. Gertrud M. Backes, Wolfgang Clemens. Eine Einflihrung in die sozialwissenschaftliche Alternsforschung Gertrud M. Backes, Wolfgang Clemens Lebensphase Alter Eine Einflihrung in die sozialwissenschaftliche Alternsforschung 3., iiberarbeitete Auflage 2008 Juventa Verlag Weinheim und Miinchen Inhalt 1. Einleitung

Mehr

Die Alterung der Gesellschaft

Die Alterung der Gesellschaft Peter Schimany Die Alterung der Gesellschaft Ursachen und Folgen des demographischen Umbruchs Campus Verlag Frankfurt/New York Inhalt Vorwort 11 Einleitung 13 TEILI Bevölkerungssoziologische Grundlagen

Mehr

https://cuvillier.de/de/shop/publications/2645

https://cuvillier.de/de/shop/publications/2645 Friedrich Hainbuch (Autor) Die Verbesserung der Vitalkapazität der Lunge in Folge eines gezielten moderaten, halbjährigen Ausdauertrainings. Zugleich ein Beitrag zur Geroprophylaxe zur Steigerung der Alltagskompetenz

Mehr

Herausforderungen des Alterns und des Alters

Herausforderungen des Alterns und des Alters Herausforderungen des Alterns und des Alters Impuls zur Fachtagung Gemeinsam sind wir stärker im Rahmen des Europäischen Jahres für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen PD Dr. Andreas

Mehr

François Höpflinger Generationenwandel des Alterns.

François Höpflinger Generationenwandel des Alterns. François Höpflinger Generationenwandel des Alterns www.hoepflinger.com Demografische Alterung und gesellschaftlicher Wandel gleichzeitig: A) Das Altern unterliegt einem deutlichen Generationenwandel, und

Mehr

Altersbilder neu denken

Altersbilder neu denken Altersbilder neu denken 09.09.2016 1 Altersbild = Entstehen von Altersbildern individuelle / gesellschaftliche Vorstellungen des Alters (Zustand des Altseins) individuelle / gesellschaftliche Vorstellung

Mehr

Leben und Wohnen in Hermannstein

Leben und Wohnen in Hermannstein Leben und Wohnen in Hermannstein Ein Projekt der in Zusammenarbeit mit der Ablauf der Präsentation 1. Zielsetzung und Fragestellung des Projektes 2. Allgemeine Informationen zum demographischen Wandel

Mehr

NEUE BEVÖLKERUNGSPROGNOSEN FÜR ÖSTERREICH UND DIE BUNDESLÄNDER

NEUE BEVÖLKERUNGSPROGNOSEN FÜR ÖSTERREICH UND DIE BUNDESLÄNDER Pressekonferenz Wien, 17. Oktober 2005 NEUE BEVÖLKERUNGSPROGNOSEN FÜR ÖSTERREICH UND DIE BUNDESLÄNDER Themenübersicht Österreichs Bevölkerung wächst durch Zuwanderung Wanderungsgewinne kompensieren Geburtendefizite

Mehr

Bevölkerungsentwicklung im ländlichen Raum: Wer gewinnt wer verliert?

Bevölkerungsentwicklung im ländlichen Raum: Wer gewinnt wer verliert? Mag. Alexander Hanika STATISTIK AUSTRIA Direktion Bevölkerung Analyse & Prognose Schloss Seggau 7. November 2012 Bevölkerungsentwicklung im ländlichen Raum: Wer gewinnt wer verliert? Netzwerk Land Jahreskonferenz

Mehr

ISBN

ISBN Unsere Zukunft Meine Stadt Wie stellst du dir die Zukunft vor? Wie soll deine Stadt in 20 oder 30 Jahren aussehen? Wie möchtest du im Jahr 2050 leben? In diesem Buch geht es um ganz konkrete Folgen des

Mehr

kultur- und sozialwissenschaften

kultur- und sozialwissenschaften Renate Schramek/Uwe Elsholz Kurseinheit 8: Demografische Entwicklungen als Herausforderung für die betriebliche Bildung Modul 3D: Betriebliches Lernen und berufliche Kompetenzentwicklung kultur- und sozialwissenschaften

Mehr

SEQUENZ 2: DIE BEVÖLKERUNGSPYRAMIDE

SEQUENZ 2: DIE BEVÖLKERUNGSPYRAMIDE Aktivität 1 Kleingruppe 1 Lies den Text sorgfältig. Erkläre dann die Begriffe Bevölkerungsalterung, Median, Alterungsindex und Abhängigenquotient. Die beiden hauptsächlichen Bestimmungsfaktoren der Altersstruktur

Mehr

11. Bevölkerungsvorausberechnung

11. Bevölkerungsvorausberechnung 11. Bevölkerungsvorausberechnung Dr. Felix Heinzl Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik 1 / 18 11. Bevölkerungsvorausberechnung 11.1 Demographischer Wandel

Mehr

Demographische Trends in Österreichs

Demographische Trends in Österreichs Dr. Konrad Pesendorfer Generaldirektor Wien 24. Mai 2018 Demographische Trends in Österreichs www.statistik.at Wir bewegen Informationen Überblick Wesentliche demographische Trends Bevölkerungswachstum

Mehr

Paulus Akademie, 2. November François Höpflinger Demographischer Wandel.

Paulus Akademie, 2. November François Höpflinger Demographischer Wandel. Paulus Akademie, 2. November 2010 François Höpflinger Demographischer Wandel www.hoepflinger.com Prozess doppelter demographischer Alterung A) Alterung von unten, durch Geburtenrückgang und Kinderlosigkeit.

Mehr

Im Blickpunkt Demografischer Wandel: Herausforderung oder Chance?

Im Blickpunkt Demografischer Wandel: Herausforderung oder Chance? Im Blickpunkt Demografischer Wandel: Herausforderung oder Chance? Europas alternde Gesellschaft wird im Wesentlichen von drei Faktoren bestimmt: niedrige Fruchtbarkeitsziffern, längere Lebenserwartung

Mehr

I N F O R M A T I O N

I N F O R M A T I O N I N F O R M A T I O N zur Pressekonferenz mit Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer und Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Hiesl am 7. Jänner 2014 zum Thema "Haushalte und Familien im Wandel Ergebnisse

Mehr

Deutsch türkisches Medienseminar zum Thema Familie im Wanbdel der Gesellschaft und im Speiegel der Medien

Deutsch türkisches Medienseminar zum Thema Familie im Wanbdel der Gesellschaft und im Speiegel der Medien Prof. Dr. Gerhard Naegele Altwerden und Altsein in Deutschland Deutsch türkisches Medienseminar zum Thema Familie im Wanbdel der Gesellschaft und im Speiegel der Medien 21. 24. November 2012 Antalya/Türkei

Mehr

GESUND ÄLTER WERDEN Indikator I.1.1. Bevölkerungsstruktur und prognose. Gesundheitsmonitoring Berlin

GESUND ÄLTER WERDEN Indikator I.1.1. Bevölkerungsstruktur und prognose. Gesundheitsmonitoring Berlin Gesundheitsmonitoring Bevölkerungsstruktur und prognose Daten zur Bevölkerungsstruktur und -prognose sind in der Indikatorenübersicht zum Monitoring Gesund älter werden dem Bereich I. Soziodemographie

Mehr

Älter werden in Steindorf

Älter werden in Steindorf Älter werden in Steindorf Ein Projekt der in Zusammenarbeit mit der Ablauf der Präsentation 1. Zielsetzung und Fragestellung des Projektes 2. Allgemeine Informationen zum demographischen Wandel 3. Stadtteilprofil

Mehr

Demografische Entwicklung und Alterspolitik

Demografische Entwicklung und Alterspolitik Demografische Entwicklung und Alterspolitik Prof. Dr. h.c. Jürg Krummenacher Dozent und Projektleiter Institut für Betriebs- und Regionalökonomie IBR Medienkonferenz Stiftung Zukunft Alter 12. Juni 2012,

Mehr

Demographische Entwicklung des Alters in Österreich von Josef Kytir, Rainer Münz

Demographische Entwicklung des Alters in Österreich von Josef Kytir, Rainer Münz Demographische Entwicklung des Alters in Österreich von Josef Kytir, Rainer Münz Die Demographie stellt fest, dass in diesem Jahrhundert einerseits die Menschen immer älter wurden und andererseits die

Mehr

Demografie: Was ist das?

Demografie: Was ist das? Demografie: Was ist das? Entwicklung in den Brandenburger Kommunen bis 2040 Reformkongress zur Verwaltungsstrukturreform 2019, 16.01.2016, Cottbus Dr. Thomas Büttner Demografie und Brandenburg Demografie

Mehr

SOZIALWISSENSCHAFTEN

SOZIALWISSENSCHAFTEN SOZIALWISSENSCHAFTEN Lisa Eckhardt, Annika Funke, Christina Pautzke Bergische Universität Wuppertal WiSe 17/18 Sichtweisen der Sozialwissenschaften Dr. Bongardt Sozialwissenschaften Bereiche Politikwissenschaften

Mehr

Gelingendes Altern Strategien für die hausärztliche Beratung. PD Dr. Birgitta Weltermann, MPH(USA) Institut für Allgemeinmedizin

Gelingendes Altern Strategien für die hausärztliche Beratung. PD Dr. Birgitta Weltermann, MPH(USA) Institut für Allgemeinmedizin Gelingendes Altern Strategien für die hausärztliche Beratung Vortrag Ärztekammer Nordrhein (Kurzversion) 8.12.2010 PD Dr. Birgitta Weltermann, MPH(USA) Institut für Allgemeinmedizin Institut für Allgemeinmedizin

Mehr

Bevölkerungsentwicklung: Zahl der Hochbetagten wird rasant zunehmen Stadtstaaten zeigen die Bandbreite der Zuwachsraten in Deutschland

Bevölkerungsentwicklung: Zahl der Hochbetagten wird rasant zunehmen Stadtstaaten zeigen die Bandbreite der Zuwachsraten in Deutschland Bevölkerungsentwicklung: Zahl der Hochbetagten wird rasant zunehmen Stadtstaaten zeigen die Bandbreite der Zuwachsraten in Deutschland Bertelsmann Stiftung veröffentlicht Prognose bis 2030 Daten und Fakten

Mehr

Die demographische Entwicklung im Bereich der Evangelischen Kirche der Pfalz bis 2030

Die demographische Entwicklung im Bereich der Evangelischen Kirche der Pfalz bis 2030 Die demographische Entwicklung im Bereich der Evangelischen Kirche der Pfalz bis 2030 Dr. Ludwig Böckmann Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz Referat Analysen, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen,

Mehr

LWL-Klinik Paderborn. Der alternde Mensch: Eine Abfolge von Übergängen

LWL-Klinik Paderborn. Der alternde Mensch: Eine Abfolge von Übergängen Der alternde Mensch: Eine Abfolge von Übergängen Altern als - Abfolge von Übergängen - Zeiten des Wandels Was ist mein Alter und wenn ja, wie viele? Biologisches Alter Soziales Alter Psychologisches Alter

Mehr

Generation 50 Plus Chancen und Möglichkeiten

Generation 50 Plus Chancen und Möglichkeiten Generation 50 Plus Chancen und Möglichkeiten VKS Katholische Familienheimbewegung e. V. Diözesanverbandsversammlung am 17. Mai 2008 in Olpe Verena Leve Institut für Gerontologie an der Technischen Universität

Mehr

Wanderungsbewegungen im Fokus der demografischen Entwicklung in Vorarlberg. DI Egon Rücker, Landesstelle für Statistik

Wanderungsbewegungen im Fokus der demografischen Entwicklung in Vorarlberg. DI Egon Rücker, Landesstelle für Statistik Wanderungsbewegungen im Fokus der demografischen Entwicklung in Vorarlberg DI Egon Rücker, Landesstelle für Statistik Inhalt Landesstelle für Statistik Demografische Entwicklung Vergleich der Großzählungen

Mehr

Demographie_Begründungsdokument_ von 5

Demographie_Begründungsdokument_ von 5 Thesen zur Analyse und Zukunftsszenario der flächendeckenden medizinischen Versorgung der Kinder und Jugendlichen in Deutschland Demographie Die Anzahl der Kinder und Jugendlichen in Deutschland und damit

Mehr

Die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Infrastruktur von Kommunen

Die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Infrastruktur von Kommunen Politik Lars Rottstein Die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Infrastruktur von Kommunen Diplomarbeit Die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Infrastruktur von Kommunen Diplomarbeit

Mehr

Lebenserwartung und Mortalität im Alter - ein Überblick

Lebenserwartung und Mortalität im Alter - ein Überblick Lebenserwartung und Mortalität im Alter - ein Überblick Lebenserwartung älterer Menschen Die Lebenserwartung kann als das allgemeinste Maß betrachtet werden, das über den Gesundheitszustand einer Bevölkerung

Mehr

Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Grades Doctor rerum medicarum der Charité Universitätsmedizin Berlin Campus Benjamin Franklin.

Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Grades Doctor rerum medicarum der Charité Universitätsmedizin Berlin Campus Benjamin Franklin. Medizinische Fakultät der Charité Universitätsmedizin Berlin Campus Benjamin Franklin aus dem Institut für Medizinische Soziologie Direktorin: Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey Gesundheitsförderung und Prävention

Mehr

Demographische Situation in Schalkenmehren. Überblick. Historische Bevölkerungsentwicklung

Demographische Situation in Schalkenmehren. Überblick. Historische Bevölkerungsentwicklung Demographische Situation in Schalkenmehren Überblick langfristig gewachsene Ortsgemeinde Die OG Schalkenmehren hat seit 1962 deutlich an Bevölkerung gewonnen. Dass sich das langfristig zu beobachtende

Mehr

Psychologie des Alterns

Psychologie des Alterns Ursula Lehr Psychologie des Alterns 11., korrigierte Auflage Quelle & Meyer Verlag Wiebeisheim Inhalt 1 Einleitung 5 2 Historischer Überblick über die Erforschung der Alternsprozesse 7 2.1 Vorwissenschaftliche

Mehr

Das 21. Jahrhundert - Chance und Risiko, die Zukunft des Gesundheitssystems in Deutschland

Das 21. Jahrhundert - Chance und Risiko, die Zukunft des Gesundheitssystems in Deutschland Medizin Gordon Heringshausen Das 21. Jahrhundert - Chance und Risiko, die Zukunft des Gesundheitssystems in Deutschland Auswirkungen der demographischen Bevölkerungsentwicklung und des veränderten Krankheitsspektrums

Mehr

Demografische Entwicklung und Herausforderungen für Betreuung und Pflege Österreichischer Städtetag 2006 Arbeitskreis 3: Die älter werdende Stadt

Demografische Entwicklung und Herausforderungen für Betreuung und Pflege Österreichischer Städtetag 2006 Arbeitskreis 3: Die älter werdende Stadt Zentrum für Verwaltungsforschung Managementberatungs- und WeiterbildungsGmbH Demografische Entwicklung und Herausforderungen für Betreuung und Pflege Österreichischer Städtetag 2006 Arbeitskreis 3: Die

Mehr

Alten pflege - die Dienstleistung der Zukunft TRAUNER VERLAG. Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Alten pflege - die Dienstleistung der Zukunft TRAUNER VERLAG. Wirtschafts- und Sozialwissenschaften TRAUNER VERLAG UNIVERSITÄT REIHE B: Wirtschafts- und Sozialwissenschaften 86 BARBARA POKORNY Alten pflege - die Dienstleistung der Zukunft Arbeitszufriedenheit als Determinante für Qualität und Attraktivität

Mehr

(Gutes) Altern Handlungsfelder für die Gemeinden

(Gutes) Altern Handlungsfelder für die Gemeinden ProSenior Bern Lebensqualität fördern Altern gestalten 12. Erfa-Tagung, 3. Mai 2016 (Gutes) Altern Handlungsfelder für die Gemeinden Prof. Dr. Carlo Knöpfel, FHNW Ach, die Babyboomer! 2 Übersicht Der demographische

Mehr

(Gutes) Altern Handlungsfelder für die Gemeinden

(Gutes) Altern Handlungsfelder für die Gemeinden Verein Aargauer Netzwerk Alter Aarau, 20.10.2016 (Gutes) Altern Handlungsfelder für die Gemeinden Prof. Dr. Carlo Knöpfel, FHNW Ach, die Babyboomer! Verein Aargauer Netzwerk Alter 2 Übersicht Der demographische

Mehr

https://cuvillier.de/de/shop/publications/2646

https://cuvillier.de/de/shop/publications/2646 Friedrich Hainbuch (Autor) Verbesserung des forcierten exspiratorischen Volumens in der 1. Sekunde (FEV1) der Lunge in Folge eines gezielten moderaten, halbjärigen Ausdauertrainings. Zugleich ein Beitrag

Mehr

Amt der Oö. Landesregierung Direktion Präsidium Information der Abt. Statistik. Vorausschätzung der oö. Privathaushalte nach Größe bis 2060

Amt der Oö. Landesregierung Direktion Präsidium Information der Abt. Statistik. Vorausschätzung der oö. Privathaushalte nach Größe bis 2060 Amt der Oö. Landesregierung Direktion Präsidium Information der Abt. Statistik Vorausschätzung der oö. Privathaushalte nach Größe bis 2060 6/2016 1/2013 Vorausschätzung der oö. Privathaushalte nach Größe

Mehr

Stabilität und Veränderung psychologischer Aspekte im höheren Erwachsenenalter. Dr. Stefanie Becker

Stabilität und Veränderung psychologischer Aspekte im höheren Erwachsenenalter. Dr. Stefanie Becker Stabilität und Veränderung psychologischer Aspekte im höheren Erwachsenenalter Dr. Stefanie Becker Stiftungsgastdozentur der Universität des 3. Lebensalters, Frankfurt, im Sommersemester 2007 Themen der

Mehr

Altersaufbau der Erlanger Titel Bevölkerung 1950 bis 2050

Altersaufbau der Erlanger Titel Bevölkerung 1950 bis 2050 Altersaufbau der Erlanger Titel Bevölkerung 1950 bis 2050 Altersaufbau der Erlanger Titel Bevölkerung 1950 Altersaufbau pyramidenförmig Historische Einschnitte Frauenüberschuss Studentenstadt beginnt sich

Mehr

Die Bevölkerung in Bayern gestern heute morgen

Die Bevölkerung in Bayern gestern heute morgen Die Bevölkerung in Bayern gestern heute morgen Dr. Michael Fürnrohr Bayerisches Landesamt für Statistik www.statistik.bayern.de 2018 ein zweifaches Jubiläumsjahr 1818 Bayern wird zum modernen Verfassungsstaat

Mehr

Demografischer Wandel Chancen und Möglichkeiten für kleinere Städte und Gemeinden

Demografischer Wandel Chancen und Möglichkeiten für kleinere Städte und Gemeinden Demografischer Wandel Chancen und Möglichkeiten für kleinere Städte und Gemeinden Regionale Zukunftskonferenz zur Entwicklung eines seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes für den Landkreis Schwandorf 30.01.2010

Mehr

Demografischer Wandel

Demografischer Wandel TK Lexikon Gesundheit im Betrieb Demografischer Wandel Demografischer Wandel HI2243404 Zusammenfassung LI1615359 Begriff Die Bevölkerung in den industrialisierten Staaten, Ländern oder Kommunen nimmt seit

Mehr

Amt der Oö. Landesregierung Direktion Präsidium Information der Abt. Statistik. Haushalte und Familien im Wandel. Ergebnisse der Registerzählung 2011

Amt der Oö. Landesregierung Direktion Präsidium Information der Abt. Statistik. Haushalte und Familien im Wandel. Ergebnisse der Registerzählung 2011 Amt der Oö. Landesregierung Direktion Präsidium Information der Abt. Statistik Haushalte und Familien im Wandel Ergebnisse der Registerzählung 2011 50/2013 1. Privathaushalte in Oberösterreich 590.000

Mehr

François Höpflinger. Babyboomer.

François Höpflinger. Babyboomer. 18. Juni 2010 François Höpflinger Babyboomer www.hoepflinger.com Zweite Lebenshälfte dreifache Wandlungsprozesse Erstens ergibt sich eine rasche demografische Alterung der Bevölkerung. Zweitens kommen

Mehr

Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels

Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels Rostocker Zentrum... zur Erforschung des Demografischen Wandels Interdisziplinäre Forschungseinrichtung zwischen dem Max-Planck-Institut für

Mehr

Von der Pyramide zum Pilz: Die Bevölkerungsentwicklung als soziales Dilemma?

Von der Pyramide zum Pilz: Die Bevölkerungsentwicklung als soziales Dilemma? 2 Von der Pyramide zum Pilz: Die Bevölkerungsentwicklung als soziales Dilemma? Wie wird Deutschland im Jahr 235 oder gar im Jahr 26 aussehen? Wie Abb. 2.1 zeigt, hat sich der Altersaufbau von einer Pyramidenform

Mehr

Bevölkerungsvorausberechnungen für Deutschland - Projektionen der Alterung Teil II 1

Bevölkerungsvorausberechnungen für Deutschland - Projektionen der Alterung Teil II 1 GeroStat Beitrag im Informationsdienst Altersfragen 05/06 2001 Herausgeber: Deutsches Zentrum für Altersfragen, Berlin Bevölkerungsvorausberechnungen für Deutschland - Projektionen der Alterung Teil II

Mehr

Statistische Berichte

Statistische Berichte Statistische Berichte Bevölkerungsstand Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern A I - j Bevölkerung nach Alter Geschlecht in Mecklenburg-Vorpommern 2004 Teil 1 - Kreisergebnisse Bestell-Nr.: A133K

Mehr

STATISTISCHE Nr. 2/2014 INFORMATIONEN April 2014

STATISTISCHE Nr. 2/2014 INFORMATIONEN April 2014 DIE FRIEDENSSTADT STATISTISCHE Nr. 2/2014 INFORMATIONEN April 2014 Stadt Osnabrück Bevölkerungsprognose 2013 bis 2030 Bevölkerungspyramide Stadt Osnabrück 2012/2030 Stadt Osnabrück, Der Oberbürgermeister,

Mehr

Ablauf der Präsentation

Ablauf der Präsentation Ablauf der Präsentation 1. Zielsetzung und Fragestellung des Projektes 2. Allgemeine Informationen zum demographischen Wandel 3. Stadtteilprofil Nauborn 4. Ergebnisse der Bürgerbefragung 5. Ergebnisse

Mehr

Demographische Veränderungen und Herausforderungen des Älterwerdens

Demographische Veränderungen und Herausforderungen des Älterwerdens Demographische Veränderungen und Herausforderungen des Älterwerdens Aktionstag "Depression und Alter 15. November 2009, DASA Dortmund Dr. Marina Schmitt www.ffg.uni-.de Demografische Veränderungen: Niedrige

Mehr

Österreich ergraut Ursachen und Folgen der demographischen Alterung

Österreich ergraut Ursachen und Folgen der demographischen Alterung Österreich ergraut Ursachen und Folgen der demographischen Alterung 9 186 WAS IST DEMOGRAPHISCHE? Die Bevölkerungsentwicklung Österreichs (Europas) ist in den kommenden Jahrzehnten durch ein geringes Wachstum

Mehr

Die Entwicklung der Pflegebedürftigen in Thüringen bis 2020

Die Entwicklung der Pflegebedürftigen in Thüringen bis 2020 Die Entwicklung der Pflegebedürftigen in Thüringen bis 2020 Die Anzahl alter und hochbetagter Menschen in Thüringen wird immer größer. Diese an sich positive Entwicklung hat jedoch verschiedene Auswirkungen.

Mehr

Statistik-Monitoring Delmenhorst. Thema Bevölkerung. Fachdienst Stadtentwicklung und Statistik (83) Stand: Oktober 2016

Statistik-Monitoring Delmenhorst. Thema Bevölkerung. Fachdienst Stadtentwicklung und Statistik (83) Stand: Oktober 2016 Statistik-Monitoring Delmenhorst Thema Bevölkerung Fachdienst Stand: Oktober 216 1. Bisherige Bevölkerungsentwicklung 82. Delmenhorster Bevölkerungsentwicklung ab 1971 Amtliche Zahlen des LSN im Vergleich

Mehr

11. Bevölkerungsvorausberechnung

11. Bevölkerungsvorausberechnung 11. Bevölkerungsvorausberechnung Dr. Felix Heinzl Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Wirtschafts- und Sozialstatistik 1 / 28 11. Bevölkerungsvorausberechnung 11.1 Demographischer Wandel Der

Mehr

Tritt Indien in Chinas Fußstapfen? Indiens demografische Vorzeichen für wirtschaftliche Entwicklung stehen gut weiterlesen

Tritt Indien in Chinas Fußstapfen? Indiens demografische Vorzeichen für wirtschaftliche Entwicklung stehen gut weiterlesen Schillerstr. 59-10627 Berlin Tel. 030 22 32 48 45 info@berlin-institut.org www.berlin-institut.org Ausgabe 126, 30. September 2011 Der Newsletter DEMOS informiert über demografische Veränderungen und deren

Mehr

11. Bevölkerungsvorausberechnung

11. Bevölkerungsvorausberechnung 11. Bevölkerungsvorausberechnung Dr. Felix Heinzl Dr. Felix Heinzl (Bay. Landesamt für Statistik) Wirtschafts- und Sozialstatistik 1 / 27 11. Bevölkerungsvorausberechnung 11.1 Demographischer Wandel Der

Mehr

ÄLTER WERDEN. MENSCH BLEIBEN.

ÄLTER WERDEN. MENSCH BLEIBEN. ÄLTER WERDEN. MENSCH BLEIBEN. Lebensqualität 70+ Lebensqualität älterer Menschen in Österreich über 70 Eine Bestandserhebung Ergebnisse der Exklusivumfrage 2005 Ziel der Untersuchung, Ansatz Ziel: Erhebung

Mehr

1 Altern und geistige Behinderung aus internationaler Perspektive... 13

1 Altern und geistige Behinderung aus internationaler Perspektive... 13 Inhalt Einleitung................................................. 11 1 Altern und geistige Behinderung aus internationaler Perspektive............................................. 13 1.1 Die Anfänge........................................

Mehr

Demographische Situation in Immerath. Überblick. Historische Bevölkerungsentwicklung

Demographische Situation in Immerath. Überblick. Historische Bevölkerungsentwicklung Demographische Situation in Immerath Überblick im Vergleich stabile und junge Ortsgemeinde Immerath ist eine Ortsgemeinde mit vergleichsweise stabilen demographischen Bedingungen. Die langfristige Betrachtung

Mehr

Jüngste und künftige Bevölkerungsentwicklung der Schweiz

Jüngste und künftige Bevölkerungsentwicklung der Schweiz Jüngste und künftige Bevölkerungsentwicklung der Schweiz Stéphane Cotter Sektionschef der Sektion Demografie und Migration Bundesamt für Statistik (BFS) Plenarkonferenz der IV-Stellen, Neuchâtel, 28. September

Mehr

Bevölkerungsgeographie

Bevölkerungsgeographie Norbert de Lange / Martin Geiger / Vera Hanewinkel / Andreas Pott Bevölkerungsgeographie Ferdinand Schöningh Inhalt Vorwort 9 1 Bevölkerung und Bevölkerungsgeographie 11 1.1 Aktuelle Themen und Problemstellungen

Mehr

Demografische Entwicklung Fluch oder Segen? Weil Deutschland vergreist, wird die Rentenversicherung unbezahlbar. vorgegeben und unausweichlich

Demografische Entwicklung Fluch oder Segen? Weil Deutschland vergreist, wird die Rentenversicherung unbezahlbar. vorgegeben und unausweichlich Demografische Entwicklung Fluch oder Segen? Der halbe Generationenvertrag, die umlagefinanzierte Rente, hielt über 40 Jahre (1957 bis 2000), war grundsolide, verlässlich und er war finanzierbar. Warum

Mehr

Inhalt. Einleitung 11

Inhalt. Einleitung 11 Einleitung 11 1 Altern und geistige Behinderung aus internationaler Perspektive 13 1.1 Die Anfänge 14 1.2 International Roundtable on Ageing and Intellectual Disability.. 15 2 Begriffliche Implikationen

Mehr

Die älteren türkischen Migranten in Deutschland

Die älteren türkischen Migranten in Deutschland Die älteren türkischen Migranten in Deutschland Veröffentlichungen des Islamischen Wissenschafts- und Bildungsinstituts herausgegeben von Hans-Christoph Goßmann und Ali-Özgür Özdil Band 8 Verlag Traugott

Mehr

Die demographische Entwicklung und ihre weitreichenden Folgen

Die demographische Entwicklung und ihre weitreichenden Folgen Die demographische Entwicklung und ihre weitreichenden Folgen Ursachen, Verlauf und mögliche Auswirkungen Perspektiven des demografischen Wandels 2. Jahrestagung des ZEK Ravensburg, den 24.11.2016 PD Dr.

Mehr

Haushalte nach Zahl der Personen

Haushalte nach Zahl der Personen Anteile in Prozent, 1970 bis 2030 Westdeutschland Deutschland Prozent 21.991 Tsd. 35.256 Tsd. 40.439 Tsd. 41.020 Tsd. Haushalte insgesamt 100 90 12,9 15,2 5,0 13,5 3,4 9,4 12,6 2,4 7,1 9,3 Haushalte mit

Mehr

Volkswirtschaftliche Grundlagen

Volkswirtschaftliche Grundlagen Themenbereich I: Volkswirtschaftliche Grundlagen 1 Volkswirtschaftliche Grundlagen Themenbereich I: Volkswirtschaftliche Grundlagen 2 Volkswirtschaftslehre Mikroökonomie Makroökonomie Wirtschaftspolitik

Mehr

Auf der Suche nach neuen Märkten

Auf der Suche nach neuen Märkten Demografischer Wandel im Ruhrgebiet Auf der Suche nach neuen Märkten Prof. Dr. Gerhard Naegele Dr. Vera Gerling Andreas Reichert Forschungsgesellschaft für Gerontologie e.v. Institut für Gerontologie an

Mehr

Kapitel VIII Bevölkerungsstatistik Demographie. Statistisches Bundesamt, Dr. Markus Zwick

Kapitel VIII Bevölkerungsstatistik Demographie. Statistisches Bundesamt, Dr. Markus Zwick Kapitel VIII Bevölkerungsstatistik Demographie www.forschungsdatenzentrum.de Operationalisierungen Bevölkerung als primäres Untersuchungsobjekt der Demographie Die Demographie (griech. demos = Volk, graphein

Mehr

1.4. Ludwigsburg und die demographische Entwicklung

1.4. Ludwigsburg und die demographische Entwicklung Auszug aus: Band 1: Materialien zum Einstieg in das Stadtentwicklungskonzept Stand: 5. Oktober 2004 1.4. Ludwigsburg und die demographische Entwicklung Die Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur beeinflussen

Mehr

Interkulturalität in der alternden Gesellschaft

Interkulturalität in der alternden Gesellschaft Lernmodul 6 Interkulturalität in der alternden Gesellschaft Interkulturelle Perspektiven auf die Chancen und Herausforderungen des demographischen Wandels Dipl.-Päd. Sabine Bertram Demographischer Wandel:

Mehr

Über das Altern einer Generation

Über das Altern einer Generation 12. Fachtagung der Deutschen Alterswissenschaftlichen Gesellschaft (DAWG) e.v. 15./ 16. September 2006 Ludwig-Windthorst Windthorst-Haus Haus,, Lingen Vorstellung der Diplomarbeit Die 68er Über das Altern

Mehr

Wohnsituation und Bedarfe

Wohnsituation und Bedarfe Wohnsituation und Bedarfe Ausgewählte Ergebnisse der Seniorenbefragung 2016 Ich möchte hier wohnen bleiben Wohnraumanpassung, Beratung und Hilfe machen es möglich 5.Brandenburger Aktionstag Potsdam, 05.09.2017

Mehr

2.1 Allgemeine Lebensthemen und Fragestellungen je nach Dezennium 2.2 Faktoren, die die Lebensqualität beim Älter-Werden beeinflussen

2.1 Allgemeine Lebensthemen und Fragestellungen je nach Dezennium 2.2 Faktoren, die die Lebensqualität beim Älter-Werden beeinflussen 1. Einführung............................................ 9 2. Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand....... 10 2.1 Allgemeine Lebensthemen und Fragestellungen je nach Dezennium............................................

Mehr

Was muss man aus der Demografie lernen?

Was muss man aus der Demografie lernen? Was muss man aus der Demografie lernen? Rembrandt Scholz 10. Informationsforum für die Immobilienwirtschaft 2. November 2016 Rathaus am Alten Markt in Stralsund Demografischer Wandel in Deutschland Demografischer

Mehr

Der demographische Wandel als generationenpolitische Herausforderung

Der demographische Wandel als generationenpolitische Herausforderung Gesundheitsamt Graubünden 3. Bündner Forum für Altersfragen 2016 «Betreuende und pflegende Angehörige» 12. Erfa-Tagung, 3. Mai 2016 Der demographische Wandel als generationenpolitische Herausforderung

Mehr

Anforderungen aus der Demographie an die amtliche Statistik Michaela Kreyenfeld und Rembrandt Scholz

Anforderungen aus der Demographie an die amtliche Statistik Michaela Kreyenfeld und Rembrandt Scholz Anforderungen aus der Demographie an die amtliche Statistik Michaela Kreyenfeld und Rembrandt Scholz Max-Planck-Institut für demografische Forschung und Rostocker Zentrum für demographischen Wandel Anforderungen

Mehr

Gesund alt werden im Quartier

Gesund alt werden im Quartier Gesund alt werden im Quartier Gliederung Gesundheit im Alter Veränderungen im Alter Determinanten von Gesundheit Gesundheitsbelastungen und -ressourcen Ansätze zur Gesundheitsförderung und Prävention im

Mehr

Demographischer Wandel Trends, Wirkungen und Handlungsansätze

Demographischer Wandel Trends, Wirkungen und Handlungsansätze Demographischer Wandel Trends, Wirkungen und Handlungsansätze Demographischer Wandel: 3 Haupttrends in Deutschland Bevölkerungsrückgang Alterung der Bevölkerung Heterogenisierung (Internationalisierung)

Mehr

Die Demographische Entwicklung im Saarland und seinen Landkreisen

Die Demographische Entwicklung im Saarland und seinen Landkreisen Die Demographische Entwicklung im Saarland und seinen Landkreisen Das Saarland ist das erste westdeutsche Flächenland, das flächendeckend schrumpfen wird. Es findet sich in seiner demographischen Entwicklung

Mehr

INFORMATION. zur Pressekonferenz. mit. Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer und Familienreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Hiesl

INFORMATION. zur Pressekonferenz. mit. Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer und Familienreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Hiesl INFORMATION zur Pressekonferenz mit Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer und Familienreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Hiesl am 22.September 2010 zum Thema "Die oberösterreichische Familie im

Mehr

Befragung zur Lebenssituation und den Bedürfnissen der Bürger im Babenberger Viertel/Südwest

Befragung zur Lebenssituation und den Bedürfnissen der Bürger im Babenberger Viertel/Südwest Befragung zur Lebenssituation und den Bedürfnissen der Bürger im Babenberger Viertel/Südwest Quantitative Auswertung STAND: JANUAR 2016 Verfasst von: Ulrike Feder (B.A. Soziale Arbeit) Befragung zur Lebenssituation

Mehr

Fachbegriffe der Demographie

Fachbegriffe der Demographie Unterrichtsfach Schulstufe Thema Fachliche Vorkenntnisse Sprachliche Kompetenzen Geographie und Wirtschaftskunde 9 (AHS und BHS) Bevölkerung global Einstieg Wissen sprachlich darstellen können Grundbegriffe

Mehr

Demografische Entwicklung am Beispiel Oberösterreichs

Demografische Entwicklung am Beispiel Oberösterreichs Demografische Entwicklung am Beispiel Oberösterreichs Kommunalkredit Austria AG Mag. (FH) Gerhard Huemer 1 ÖSTERREICHS BANK FÜR INFRASTRUKTUR Inhalt A. Demografische Entwicklung WELT B. Demografische Entwicklung

Mehr

Wie gehen (ältere) Menschen mit Veränderungen um?

Wie gehen (ältere) Menschen mit Veränderungen um? Wie gehen (ältere) Menschen mit Veränderungen um? Zürcher Migrationskonferenz 2015: «Offene Jugend, skeptisches Alter?» 17. September 2015 Hans Rudolf Schelling, Zentrum für Gerontologie UZH Inhalt Wie

Mehr

FORSCHUNGSTELEGRAMM 10/2009

FORSCHUNGSTELEGRAMM 10/2009 FORSCHUNGSTELEGRAMM 10/2009 Peter Zellmann / Sonja Mayrhofer IFT Institut für Freizeit- und Tourismusforschung Neues Arbeitszeit/Gehaltsmodell? Weniger Verdienst für mehr Freizeit für viele eine Alternative

Mehr

Alterndes Österreich im alternden Europa. Ein Blick ins 21. Jahrhundert

Alterndes Österreich im alternden Europa. Ein Blick ins 21. Jahrhundert Alterndes Österreich im alternden Europa. Ein Blick ins 21. Jahrhundert Leiter, Forschung & Entwicklung, Erste Group Konferenz "Zukunft : Lebensqualität Arbeitskreis: Lebensqualität und Demografie Salzburg,

Mehr

Das Missverständnis mit der alternden Gesellschaft Betrachtungen über eine gelingende Zukunft

Das Missverständnis mit der alternden Gesellschaft Betrachtungen über eine gelingende Zukunft Spitalverein Offenburg e.v. Medizin Symposium Ortenau 14. November 2015 Das Missverständnis mit der alternden Gesellschaft Betrachtungen über eine gelingende Zukunft IFT Institut für Freizeit- und Tourismusforschung

Mehr

Bevölkerungsstatistik Demographie. Statistisches Bundesamt

Bevölkerungsstatistik Demographie. Statistisches Bundesamt Bevölkerungsstatistik Demographie Operationalisierungen Bevölkerung als primäres Untersuchungsobjekt der Demographie Die Demographie (griech. demos = Volk, graphein = schreiben) ist eine Wissenschaft,

Mehr