I Auszug aus dem Protokoll. I September 2008 in Bremen

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1 Der Lebenshilferat in Bremen mit den GastgeberInnen Katriena Gotthard, Andreas Hoops und Achim Giesa I Auszug aus dem Protokoll des Rats behinderter Menschen der Bundesvereinigung Lebenshilfe Warum ist Eingliederungshilfe wichtig? I September 2008 in Bremen 1

2 Was ist der Unterschied zwischen Eingliederungshilfe und Pflegeversicherung? Warum ist die Eingliederungshilfe für die Lebenshilfe so wichtig? Zu diesem Tagesordnungspunkt ist das Vorstandsmitglied Professor Dr. Jeanne Nicklas-Faust aus Berlin nach Bremen gekommen. Sie freut sich über die Möglichkeit, zu diesem wichtigen Thema mit dem Rat ins Gespräch zu kommen. Jeanne Nicklas-Faust beschreibt zunächst die Unterschiede zwischen Eingliederungshilfe und Pfl egeversicherung. Eingliederungshilfe Träger: Staat Ziel: Selbstbestimmung und Teilhabe Arbeit Wohnen Freizeit/Urlaub Neues Lernen 2

3 Pflegeversicherung Träger: Versicherung Ziel: möglichst Selbstständigkeit zum Beispieli Bereich Körperpfl ege, An- und Ausziehen, Essen, Haushalt. Man bekommt Unterstützung wenn man es allein nicht schafft. Viele Fachleute in der Pfl ege wollen, dass die Pfl ege auch Teile der Eingliederungshilfe wie zum Beispiel gesellschaftliche Teilhabe abdeckt. Für die Lebenshilfe ist es sehr wichtig, ob die Pfl egeversicherung auch gesellschaftliche Teilhabe anbietet. Dann kann es nämlich sein, dass die Eingliederungshilfe immer mehr zusammen gestrichen wird. Dabei ist die Eingliederungshilfe die Grundlage für die Finanzierung der Hilfen behinderter Menschen im Alltag (Arbeit, Wohnen, Freizeit und Neues Lernen). 3

4 Warum ist Eingliederungshilfe wichtig? Manche meinen, dass Förderung wichtig ist. Wir sprechen darüber, was Förderung ist. Unter Förderung wird oft verstanden, dass man selbständig wird. Oder dass man Sachen selber machen kann. Ohne Hilfe und Unterstützung von Anderen. Manche fi nden, dass die Wörter Begleitung und Unterstützung besser sind. Förderung hört sich an wie Erziehung. Menschen mit Behinderung, zum Beispiel im Rat, sind aber Erwachsene. Und die werden nicht erzogen. Selbstbestimmung ist wichtiger als Selbstständigkeit. Man muss Dinge nicht selbst tun können (Selbstständigkeit) um darüber bestimmen zu können, was im eigenen Leben passiert. So kann jemand im Rollstuhl zum Beispiel nicht an ein Regal greifen. Wenn er aber Jemandem sagt, dass er etwas vom Regal möchte, dann ist das Selbstbestimmung ohne Selbstständigkeit. 4

5 Manche Pädagogen sagen, dass Selbstständigkeit sehr wichtig ist. Man kann aber auch sagen, dass Lebensqualität sehr wichtig ist. Was ist wichtiger: dass man etwas alleine tun kann (Selbstständigkeit) oder dass man öfter mal was Schönes erlebt, auch wenn man nicht selbstständig ist (Lebensqualität)? Die Mitglieder fi nden, dass das Jeder selbst entscheiden soll! Ein gutes Leben zu haben, ist schon sehr wichtig. Und manchmal hat man auch keine Lust, was zu lernen. Menschen mit Behinderung sollen selbst wählen können, wo sie leben wollen. Keiner soll sagen, dass die eine Wohnform oder die andere Wohnform richtig und toll ist. Das wissen nämlich nur die betroffenen Menschen selbst. Und jeder soll auswählen können, ob er in einem Wohnheim, in einer Wohngruppe oder allein wohnen möchte. 5

6 Es ist gut, wenn man etwas lernen kann. Es soll Angebote zum Lernen geben, zum Beispiel in der Erwachsenenbildung. Es soll aber keinen Zwang geben, etwas lernen zu müssen! Eingliederungshilfe ist (das haben wir in dieser Reihenfolge aufgeschrieben!) Beratung Begleitung Unterstützung Beteiligung an Entscheidungen Hilfe zur Selbsthilfe (Heimbeirat ist wichtig) Förderung ja, wenn man etwas lernen will! Angebote zur Förderung: Ja Zwang: Nein! Manchmal muss man auch Grenzen setzen, vor allen Dingen dann, wenn Leute sich selbst oder andere gefährden! 6

7 Frau Nicklas-Faust bedankt sich bei den Ratsmitgliedern für die gute Arbeit und die tollen Ergebnisse der Diskussion. Sie wird mit Applaus verabschiedet. 7

8 Internet für alle. - in leichter Sprache Bei uns finden Sie viele Informationen Alles ist in leichter Sprache geschrieben Wer will, bekommt die Texte vorgelesen -Adresse: Institut InForm der Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.v. Raiffeisenstraße Marburg Tel.: Fax:

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