Partizipative Forschung mit alten Menschen (Wie) kann das gehen?

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1 Partizipative Forschung mit alten Menschen (Wie) kann das gehen? Prof. Dr. Hella von Unger Institut für Soziologie LMU München Sorgekultur im Alter 8. Internationales IFF-ÖRK Symposium 26. & , Köln

2 Übersicht Vorbemerkung Was ist partizipative Forschung? Stufenmodell der Partizipation Akteure und Umsetzungsmöglichkeiten: Wer partizipiert woran? Stärken und Herausforderungen Fragen für die Diskussion 2

3 3

4 Was ist partizipative Forschung? Partizipative Forschungsmethoden sind auf die Planung und Durchführung eines Untersuchungsprozesses gemeinsam mit jenen Menschen gerichtet, deren soziale Welt und sinnhaftes Handeln als lebensweltlich situierte Lebens- und Arbeitspraxis untersucht wird. In der Konsequenz bedeutet dies, dass sich Erkenntnisinteresse und Forschungsfragen aus der Konvergenz zweier Perspektiven, d.h. vonseiten der Wissenschaft und der Praxis, entwickeln. Der Forschungsprozess wird im besten Falle zum Gewinn für beide Seiten. (Bergold & Thomas 2012) 4

5 Vielfalt der Ansätze Action Research, Participatory Action Research (PAR) Aktionsforschung, Handlungsforschung Praxisforschung Empowerment Evaluation Partizipative Qualitätsentwicklung [ ] Community-basierte partizipative Forschung (CBPR) labels for participatory action oriented methods continue to multiply (Dick 2011) 5

6 Merkmale Partizipativer Forschung (PF) Beteiligung von Co-Forscher/innen Lernprozesse, Kompetenzentwicklung, Empowerment Doppelte Zielsetzung: Verstehen und Verändern (von Unger 2014) 6

7 Definition: Partizipation ( ) die individuelle oder auch kollektive Teilhabe an Entscheidungen, die die eigene Lebensgestaltung und die eigene soziale, ökonomische und politische Situation und damit immer auch die eigene Gesundheit betreffen. (Rosenbrock, Hartung 2012: 9) Partizipation in der Gesundheitsförderung und Prävention: Beteiligung der Zielgruppen, d.h. Teilnahme und Teilhabe der Zielgruppen, an Definitions- und Entscheidungsprozessen. (Wright, von Unger, Block 2010) Folie 7

8 Partizipation in der Forschung Partizipation bedeutet Beteiligung von Stakeholdern (d.h. Beteiligten und Betroffenen) mit Entscheidungsmacht an allen Phasen des Forschungsprozesses - von Zielsetzung über Datenerhebung bis Auswertung, Verbreitung und Nutzung 8

9 Wie viel Partizipation ist möglich? Partizipation ist je nach Praxisbedingungen im Projekt und den Lebensbedingungen der Zielgruppe unterschiedlich realisierbar. Die Aufgabe besteht darin, die jeweils den Bedingungen entsprechende Stufe der Partizipation zu finden. (Mossakowski, Süß, Trojan 2009) Folie 9

10 Stufenmodell der Partizipation 10 (Wright, von Unger, Block 2010)

11 Beteiligung der Akteure nach Projektkomponenten und Beteiligungstiefe Vereinfachte Stufenskala: 3 Information 4 Anhörung 5 Einbeziehung 6-8 Mitbestimmung 11 (von Unger 2012 FQS)

12 Partizipation im Forschungsprozess 1. Partner finden Wer sind die Stakeholder? Wie kann eine Zusammenarbeit gestaltet werden? Welche Ressourcen sind vorhanden & werden benötigt - Projektantrag? 2. Ziele setzen Welches Wissen wird benötigt (Erkenntnisziele) um welche Veränderungen zu bewirken (Handlungsziele)? 3. Studiendesign Forschungsfragen/Hypothesen, Methodik, Ethik, Zeitplan, Community Outreach, Training/Schulung 4. Intervention, Daten erheben Verfahren, Arbeitsteilung, Reflexion 5. Auswertung Prozess-Nutzen (inkl. Kompetenz-Entwicklung) 6. Publikation & Nutzung 12

13 Input und Outcomes Vorschläge, Empfehlungen Politik Politische Ziele realisieren Methodische Innovationen Wissenschaft Erkenntnisse PF Praxis Verbesserte Versorgung Vernetzung und Zusammenarbeit Kompetenz- Entwicklung Community Community- Building 13

14 Vorzüge partizipativer Forschung Forschungsfragen greifen reale Anliegen der Stakeholder und Communities auf Forschungsethische Vorteile: Beteiligte stärken und Schaden vermeiden durch Mitsprache und Kompetenzentwicklung Qualität der Forschung: Verbesserte Erhebungsinstrumente, Rekrutierung & Verbleibquoten, Kontext-/kultursensible Interpretation Ergebnisse mit praktischem Nutzen und Relevanz über das Wissenschaftssystem hinaus PF eröffnet neue Formen der Wissensproduktion, befördert die gesellschaftliche Teilhabe von bislang benachteiligten Gruppen und erweitert Handlungsspielräume 14

15 Grenzen und Herausforderungen Partizipative Forschung ist aufwendig und voraussetzungsvoll PF nicht für alle Fragen, Settings und Akteure gleich gut geeignet Ungleiche Voraussetzungen für Partizipation Machtverteilung, Rollen- und Interessenskonflikte Flexibilität in der Zielsetzung? Methodische Einschränkungen und methodologische Debatten: Die akademische Wissenschaft tut sich schwer (in Deutschland) Widerstände und Trägheitsmomente sozialer Strukturen wie viel Veränderung ist tatsächlich möglich? 15

16 Diskussion PF in der Versorgung alter Menschen: Wer kann partizipieren und woran? Welchen Nutzen haben die Beteiligten? Wie kann Partizipation ermöglicht werden? Inwiefern ist PF mit einer Sorgekultur vereinbar? Können schwer kranke und sterbende Menschen beteiligt werden? Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 16

17 Literatur Bergold, J. & Thomas, S. (2012). Partizipative Forschungsmethoden: Ein methodischer Ansatz in Bewegung. Forum Qualitative Sozialforschung, 13 (1), Art. 30; Dick, B. (2011). Action research literature : Themes and trends. Action Research, 9 (2), Mossakowski, K, Süß, W. & Trojan, A. (2009) Partizipative Ansätze in der gemeindenahen Gesundheitsförderung. Prävention und Gesundheitsförderung, 4, Rosenbrock, R. & Hartung, S. (2012). Gesundheit und Partizipation. Einführung und Problemaufriss. In: Rosenbrock, R. & Hartung, S. (Hg.), Partizipation und Gesundheit (S. 8-26). Bern: Huber. von Unger, H. (2014). Partizipative Forschung: Einführung in die Forschungspraxis. Springer VS. von Unger, H. (2012). Partizipative Gesundheitsforschung. Wer partizipiert woran? [79 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung, 13(1), Art. 7, URN: von Unger, H. & Narimani, P. (2012). Ethische Reflexivität im Forschungsprozess: Herausforderungen in der Partizipativen Forschung. WZB-Discussion Paper SP I ; verfügbar über: Wright, M.T., von Unger, H., Block, M. (2010). Partizipation der Zielgruppe in der Gesundheitsförderung und Prävention. In: Wright, M.T. (Hg.) Partizipative Qualitätsentwicklung in der Gesundheitsförderung und Prävention (S ). Bern: Huber. 17

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