Pressespiegel. Der Mord an Talaat Pascha 1921

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1 Pressespiegel Der Mord an Talaat Pascha 1921 Heinz Böke

2 Inhaltsverzeichnis Zeitungsartikel nach der Ermordung Talaats Talaat Pascha in Berlin ermordet - Deutsche Allgemeine Zeitung Talaat Pascha ermordet - Vossische Zeitung Die Ermordung Talaat Paschas- Vossische Zeitung Der Mord an Talaat Pascha - Vossische Zeitung Das Geständnis des Mörders Talaat Paschas - Berliner Tageblatt Die Ermordung Talaat Paschas - Deutsche Tageszeitung Zum Tode Talaat Paschas - Kölnische Zeitung Talaat Pascha - Berliner Tageblatt Das Ende Talaats - Berliner Tageblatt Die Ermordung Talaat Paschas - Kölnische Volkszeitung ASSASSIN BOASTS OF TALAAT'S DEATH - The New York Times Talaat Pascha - Hamburger Fremdenblatt THE LATE TALAAT PASHA AN ENGAGING VILLAIN - The Times Der Mörder Talaat Paschas - Vossische Zeitung TALAAT IS MOURNED AS GERMANY'S FRIEND - The New York Times Talaat Paschas Beisetzung & Talaat in englischer Beleuchtung - Deutsche Allgemeine Zeitung Talaat pacha : LA CARRIÈRE DE L' ANCIEN GRAND- VIZIR - La dépêche coloniale Der Mord an Talaat Pascha - Vossische Zeitung Talaat Pascha - Deutsche Überseezeitung Auslands- Ausgabe vom Hamburger Fremdenblatt 35 Zeitungsartikel zum Prozess am 2. u. 3. Juni Die Ermordung Talaat Paschas - Vossische Zeitung Die Ermordung Talaat Paschas - Beginn der Beweisaufnahme - Vossische Zeitung MOTHER'S GHOST ORDERED HIM TO KILL - The New York Times Die Ermordung Talaat Paschas Die Plaidoyers - Vossische Zeitung ARMENIAN ACQUITTED FOR KILLING TALAAT - The New York Times Der Großkriegsverbrecher! - Vorwärts Offener Brief an Professor Lepsius - Vossische Zeitung Der Freispruch Teilirians - Vossische Zeitung Ein Zeugnis für Taaat Pascha - Deutsche Allgemeine Zeitung 55 Zeitungsartikel Talaats Trauerfeier , Beisetzung , Überführung Türkei Trauerfeier für Talaat Pascha - Deutsche Allgemeine Zeitung Die Trauerfeier für Talaat Pascha Vossische Zeitung Talaat Paschas Begräbnis - Deutsche Allgemeine Zeitung Beisetzung Talaat Paschas - Frankfurter Zeitung Überführung in die Türkei - Hamburger Fremdenblatt Ein grosser Patriot in heimatlicher Erde beigesetzt - Türkische Post (Istanbul) Telegramm Franz von Papen an die Gattin des Großwesirs - Türkische Post (Istanbul) Talat Pasa ya Dair Hatirala - Yeni Istanbul Talat Pasa - Yeni Istanbul 68 2

3 Zeitungsartikel nach der Ermordung Talaats Talaat Pascha in Berlin ermordet - Deutsche Allgemeine Zeitung Talaat Pascha in Berlin ermordet Heute mittag wurde in der Hardenbergstraße in Berlin der frühere türkische Großwesir Talaat Pascha von einem armenischen Studenten durch einen Revolverschuß ermordet. Die Frau des Großwesirs wurde schwer verletzt. Hierzu meldet noch ein Berliner Korrespondenzbureau ohne zu wissen, wer der Ermordete war: Große Aufregung verursachte heute mittag in der Hardenbergstraße zu Charlottenburg ein Ueberfall auf offener Straße, bei dem ein Mann sein Leben verlor, während seine Frau schwer verletzt wurde. Straßengänger sahen, wie hinter dem Paar ein jüngerer Mann herging. Als dieser es vor dem Hause Nr. 17 erreicht hatte, klopfte er dem älteren etwa 50 Jahre alten Manne wie einem alten Bekannten auf die Schulter und schoß ihm, als er sich überrascht umdrehte, eine Kugel in den Kopf, so daß er tot zusammenbrach. Durch einen zweiten Schuß verletzte er schwer die Frau. 1 Dann warf er die Waffe neben die Leiche und entfloh. Das Publikum holte den Täter ein, prügelte ihn schwer und übergab ihn hierauf der Polizei. Der Täter soll ein armenischer Student Salomon Teilirian sein. Die junge Türkei, die aus den Freiheitskämpfen von 1908 hervorgegangen war, nannte zwei Namen, deren Träger wesentlichen Anteil an dem Gelingen der türkischen Revolution hatten: Enver und Talaat. Diese beiden Männer, die seit dem Sturz Abdul Hamids, sei es in der Hohen Pforte selbst, sei es hinter den Kulissen, die Schicksalsfäden des osmanischen Reiches in ihren Händen hielten, ließen auch diese nicht fallen, als sie durch die Wendungen des Krieges die Führerposten verlassen mußten. Von diesen beiden ist nunmehr der eine, der frühere Großwisir Talaat Pascha, der seit dem Kriegsende seinen Wohnsitz nach Berlin verlegt hatte, durch Mörderhand gefallen. Talaat Pascha, der im Jahre 1874 in Adrianopel geboren wurde ging aus der Beamtenlaufbahn hervor. Noch kurz vor der türkischen Revolution war er als Telegraphenbeamter in Saloniki tätig, wo er mit den führenden jungtürkischen Kreisen in Berührung gekommen war, in denen er bald einen wichtigen Platz einnehmen sollte. Die ersten Tage der Revolution brachten den Generalpostsekretär von Saloniki in die ersten Reihen der türkischen Freiheitskämpfer, und als solchen in die Reihen der jungtürkischen Partei; im Parlament war er Abgeordneter von Adrianopel. Von diesem Zeitpunkt an beginnt der unaufhaltsame Aufstieg dieses überaus begabten Staatsmannes, der es im Laufe der Zeit vom Minister des Inneren zum Großwesir gebracht hat und auch dann, wenn er einem Kabinett nicht angehörte, als tätigstes Mitglied des Komitees für Einheit und Fortschritt gewirkt hat. Unablässig kämpfte er gegen die Feinde der Jungtürken. Mit aller Energie stellte er sich auch, als die Entscheidungen über die Beteiligung der Türkei am Weltkriege fielen, auf die Seite derjenigen, für die die Neutralität der Türkei die schwerste Gefahr bedeutete, weil sie wußten, daß die Wahrung einer solchen Neutralität ihnen von der Entente niemals ermöglicht werden würde. Was Talaats Haltung in dieser Hinsicht bestimmte, war nicht etwa 1 Es wurde keine Frau bei dem Attentat verletzt. Das wird bei der nächsten Ausgabe korrigiert. 2? vielleicht anatolischen 3 3

4 seine Deutschfreundlichkeit, sondern es war seine politische Ueberzeugung, die stets die Richtschnur seiner Handlungen gewesen ist. Während Enver Pascha der militärische Kopf der jungen Türkei war, war Talaat Pascha der Staatsmann und Diplomat, der mit seltenem Geschick die Staatsgeschäfte leitete. Zu Hilfe kamen ihm hier seine rechts- und staatswissenschaftliche Kenntnisse, die er sich in Saloniki erworben hatte, ferner sein Talent für fremde Sprachen, von denen er französisch in seiner Jugend fließend sprach. Mit seltener Energie hat er sich bei Beginn des Weltkrieges an das Studium der deutschen Sprache gemacht und er hat es auch fertig gebracht, innerhalb weniger Monate hier eine solche Kenntnis zu erwerben, die es ihm ermöglichte, sich in dieser Sprache zu unterhalten. Was ihm an Wissen fehlte, ersetzte er durch Klugheit und Energie, Pflichttreue und zähen Willen, das durchzuführen, was er einmal angefangen hatte. Wer an fremden Staatsmännern mit ihm zu tun hatte, bestätigte die Offenheit, die den Verkehr mit diesem Staatsmanne erleichterte. Äußerlich war Talaat eine kräftige Gestalt, deren kluger Kopf, aus dem zwei dunkle Augen leuchteten, auf starken Schultern ruhte. Quelle: 4

5 Talaat Pascha ermordet - Vossische Zeitung Talaat Pascha ermordet? Auf der Straße erschossen. Ueber einen Mord auf offener Straße mit anscheinend politischen Hintergrund wird berichtet: Heute vormittag gegen 11 Uhr sahen Passanten in Charlottenburg, an der Ecke der Hardenberg- und Fasanenstraße, wie ein junger Mann hinter einem älteren, gut gekleideten Herrn herging. Als er ihn erreicht hatte, klopfte er dem Aelteren auf die Schulter und sprach mit ihm, wie es schien, in freundschaftlicher Weise. Plötzlich zog der junge Mann einen Revolver aus der Tasche, setzte ihn blitzschnell an den Hinterkopf des Herrn und jagte ihm eine Kugel durch den Kopf. Der Herr brach sofort tot zusammen. Der Täter warf die Waffe weg und versuchte zu entfliehen. Einige Passanten stürzten sich auf ihn und schlugen in ihrer Erregung auf ihn ein. Die Mommsenwache wurde sofort benachrichtigt und einige Beamten nahmen den jungen Mann fest und brachten ihn zur Wache. Der Täter, der sehr gebrochen deutsch spricht, ist, wie er angibt, persischer Untertan. Er soll ein Student namens Salomon Teilirian sein und in der Hardenbergstraße wohnen. Wie eine Nachrichtenagentur meldet, ist der Ermordete der frühere türkische Minister Talaat Pascha. (Eine Nachprüfung dieser Angabe war bis zum Schluß des Blattes nicht möglich.) Bei dem Ermordeten wurden nach einer anderen Meldung Visitenkarten auf den Namen Said Ali Ben gefunden. Quelle: 5

6 Die Ermordung Talaat Paschas- Vossische Zeitung Die Ermordung Talaat Paschas. Die Tat eines Armeniers. Die Nachricht von der Ermordung des ehemaligen türkischen Groß-Wesirs Talaat Pascha, die wir im gestrigen Abendblatt bereits mit einigem Vorbehalt mitgeteilt haben, hat sich bestätigt. Ueber die Tat selbst, über den Täter und seine vermutlichen Motive erfahren wir folgende Einzelheiten: Talaat Pascha hielt sich, wie erst jetzt bekannt wird, seit zwei Jahren mit seiner Frau ohne Kenntnis der deutschen Behörden mit Unterbrechungen in Berlin auf. Er wohnte als Ali Say mit seiner Frau in der Pension am Knie in der Hardenbergstraße 4-5. Den Decknamen hatte Talaat Pascha deshalb gewählt, weil er nach dem Vertrage von Versailles als Führer der jungtürkischen Bewegung der Entente hätte ausgeliefert werden müssen, wenn es den deutschen Behörden bekannt gewesen wäre, daß er sich in Berlin oder überhaupt in Deutschland aufhielt. Er lebte vollkommen zurückgezogen, betätigte sich in keiner Weise politisch und stand entgegen anders lautenden Meldungen, mit der deutschen Regierung in keinerlei Verbindung. Ebenso unterhielt er mit seinen Landsleuten kaum Fühlung. Wie fast alltäglich, so unternahm er auch gestern einen Spaziergang. Kaum hatte er seine Wohnung verlassen, als sich ihm ein junger gut angezogener Mann näherte, ihn ansprach und nach einem kurzen Wortwechsel durch einen Schuß von hinten zu Boden streckte. Die Kugel drang durch den Kopf hindurch und Talaat Pascha war sofort tot. Der Mörder warf die Waffe weg und suchte zu entfliehen. Er wurde jedoch verfolgt, von einigen Passanten ergriffen und von ihnen schwer mißhandelt. Man brachte ihn zunächst nach der Mommsen- Wache und von dort nach dem Charlottenburger Polizeipräsidium. Eine Vernehmung des Mörders, der nach den bei ihm vorgefundenen Papieren der vierundzwanzigjährige armenische Student Salomon Teilirian ist, war unmöglich, da er einmal der deutschen Sprache kaum mächtig ist, andererseits aber auch eine so schwere Kopfverletzung erlitten hat, daß er gestern zunächst vernehmungsunfähig war. Auf einige Fragen antwortete er sehr verwirrt, daß er Deutsch nicht verstehe. Ohne Zweifel handelt es sich um ein politisches Verbrechen. Die Leiche des ermordeten Großwesirs ist vorläufig in das Charlottenburger Leichenschauhaus überführt worden. * Talaat ist aus allerkleinsten Anfängen hervorgegangen. In Saloniki, der Hauptstadt des früheren Mazedonien, kam er vor 47 Jahren als Sohn eines dem geistlichen Stande angehörenden Richters zur Welt. In seinen jungen Jahren las er sich brockenweise Kenntnisse auf diesem und jenem Gebiet, wie es sich gerade traf, an: ein bißchen 6

7 Französisch in der Saloniker Schule der Alliance Israelite, ein bißchen Rechts- und Staatswissenschaft, ein wenig Arabisch und Griechisch. Die Zeit zu diesen dürftigen Studien mußte er sich in seinen paar Mußestunden abstehlen; er war beim Post- und Telegraphenamt in Saloniki angestellt, zunächst als unbesoldeter Hilfsarbeiter, dann als kleiner Telegraphensekretär mit wenig Gehalt und viel Dienststunden. Es spricht für seine Begabung und seine eherne Ausdauer, daß er in verhältnismäßig kurzer Zeit zum Generalsekretär des Postamts aufrücken konnte. Was er an freien Stunden übrig hatte, widmete er jetzt der Arbeit für die Sache der jungtürkischen Partei, deren Hauptsitz damals Saloniki war. Schon nach kurzer Zeit gehörte Talaat zu den Führern neben dem Major Enver Bey und dem spantolischen 2 Lehrer Dschawid Bey, dem späteren Finanzminister. Seine engen Beziehungen zur Partei blieben den Spionen Abdul Hamids (er unterhielt nicht weniger als im türkischen Reich) natürlich nicht lange verborgen. Er wurde vor Gericht gestellt, wegen Hochverrats zu drei Jahren Gefängnis verurteilt; der Sultan begnadigte ihn zu dreijähriger Verbannung nach Kleinasien. Er hat auch diese gemilderte Strafe nicht angetreten: denn im Juli 1908 brach der Aufstand der Offiziere in Mazedonien aus, der den Jungtürken die gesamte Staatsgewalt in die Hand gab. Bei Ausbruch des Weltkriegs entschieden sich die Machthaber für den Kampf an der Seite Deutschlands, entgegen dem Einspruch einer einflußreichen Gruppe in der Türkei, an deren Spitze der Finanzminister Dschawid stand. Dschawid trat zurück, und Talaat übernahm neben dem Ressort des Inneren auch das der Finanzen. Im Februar 1917, nach dem Rücktritt Said Halims, wurde Talaat zum Großwesir ernannt. Die Katastrophe des Vierbunds machte ihn zum heimatlosen Flüchtling, und die Entente setzte seinen Namen mit auf die Auslieferungsliste, die Deutschlands Begründung, daß er, ebenso wie Enver Pascha und andere Mitglieder der türkischen Regierung, für die Niedermetzelung der Armenier die Verantwortung trage. Ein Armenier war es, der gestern als Bluträcher seiner Nation in den Straßen Berlins den türkischen Staatsmann tödlich traf. An dem armenischen Volke ist während des Krieges grauenhaft gefrevelt worden. Die türkische Politik hatte es sich offenkundig zum Ziel gesetzt, bei dieser Gelegenheit die uralte, durch gegenseitige Akte jeder Art von Gewalt und Hinterlist gekennzeichnete Fehde durch möglichste Ausrottung der erreichbaren Glieder des weit verzweigten, geistig hochstehenden, schwer zu behandelnden und auch während des Krieges offen die Partei des Gegners ergreifenden Stammes zu beenden. In Deutschland hat man zu spät von dem Furchtbaren gehört, das sich weit über das Maß dessen hinaus, was durch die Kriegsnotwendigkeit vieleicht noch zu rechtfertigen war, im Innern der Türkei abgespielt hatte, zu spät, um noch das Schlimmste zu verhindern. Die Armeniermassakers haben eine verhängnisvolle Rolle in der gegnerischen Propaganda gespielt, und von deutscher Seite konnte aus erzwungener Rücksicht auf den türkischen Verbündeten in der Oeffentlichkeit nichts getan werden, um darzulegen, daß es keinen Deutschen gab, der diese Ausschreitungen gebilligt oder auch nur toleriert hätte Wie weit die Verantwortung für die Armeniergreuel die leitenden Stellen der Türkei trifft und wieviel davon auf das Konto örtlicher Gewalthaber und feindlich gesinnter Nachbarstämme kommt, die die erwünschte Gelegenheit zu Raub und Mord auf eigene Faust benützten, kann dahingestellt bleiben. Die Armenier selbst haben in Talaat, vielleicht zu Unrecht, die treibende Kraft der blutigen Verfolgungen gesehen, denen sie ausgesetzt waren. Er selbst hat seiner Umgebung gegenüber mehr als einmal geäußert, daß er täglich den tödlichen Dolch erwarte. Daß der Anschlag auf den Flüchtling so mühelos gelang, kann keinesfalls der deutschen Regierung zur Last gelegt werden, da Talaat offenbar unter fremden Namen sich verborgen hielt. Die ihm nahestanden sind der Meinung, daß er seine Heimat so sehr geliebt habe, daß 2? vielleicht anatolischen 7

8 er jedes Mittel angewandt hätte, um die Zustimmung der Entente zur Rückkehr zu erlangen. Vielleicht wäre es ihm dann möglich gewesen, daß noch durch Leistungen zu beweisen, daß seine Gegner seinem Wollen unrecht getan haben. Quelle: 8

9 Der Mord an Talaat Pascha - Vossische Zeitung Der Mord an Talaat Pascha. Vernehmung des Mörders. Der Mord an dem ehemaligen türkischen Großwesir Talaat Pascha stellt sich als ein Racheakt dar. Der Mörder, der armenische Student Salomon Teilirian, hat die Tat begangen, um den Tod seiner Eltern, für die er den Ermordeten verantwortlich macht, zu rächen. Teilirian, dessen Verletzungen schwer sind, wurde heute vormittag im Charlottenburger Polizeipräsidium durch Kriminalinspektor v. Manteuffel 3 unter Zuziehung eines Dolmetschers vernommen. Er gab die Tat in leidenschaftlichen Ausdrücken zu und schilderte eingehend die Motive seines Verbrechens: Seine Eltern hätten in einem kleinen armenischen Dorf an der persischen Grenze gewohnt. Eines Nachts seien sie auf Anordnung des damaligen Großwesirs Talaat Pascha aus ihrer Wohnung herausgeholt und verschleppt worden. Er habe später erfahren, daß sie eines schrecklichen Todes gestorben seien. Sofort sei in ihm der Rachegedanke wach geworden; er sei in der Türkei umhergereist, um den Aufenthalt des Mörders seiner Eltern zu erkunden. Endlich habe er in Erfahrung gebracht, daß Talaat Pascha sich in Berlin aufhalte. Obgleich er nur geringe Geldmittel zur Verfügung gehabt habe, sei er unverzüglich nach Berlin gereist. Mit vieler Mühe habe er die Wohnung des Türken ausfindig gemacht. Um ihn ständig beobachten zu können, habe er ein möbliertes Zimmer in der Hardenbergstraße gegenüber der Wohnung Talaats gemietet. Nachdem er die Gewohnheiten seines Feindes kennen gelernt und Geldmittel 4 zur Durchführung seiner Flucht erhalten hätte, sei er gestern zur Ausführung der Tat geschritten. Für seine Flucht ins Ausland habe er sich bereits gefälschte Papiere beschafft. Der Täter zeigte keinerlei Bedauern über seine Tat. Im Gegenteil wies er darauf hin, daß zahllose Landsleute in Armenien aufatmen würden, wenn sie von dem Tod des Ministers Kenntnis erhielten. Er betonte, daß er auch jetzt nicht, nachdem man ihn gefaßt habe, die Tat bereue und daß er seine Verhaftung keineswegs bedaure. nach der Beendigung der Vernehmung wurde der Mörder nach dem Polizeipräsidium Berlin gebracht. Die Leiche des Großwesirs wird heute im Charlottenburger Schauhaus obduziert. Nach der Freigabe durch die Staatsanwaltschaft soll sie in das Gebäude der früheren türkischen Botschaft in der Tiergartenstraße gebracht werden. Dort wird eine Trauerfeier stattfinden. Die Leiche bleibt vorläufig in Berlin und soll, sobald die politischen Verhältnisse es zulassen, nach der Türkei überführt werden. In Kreisen der Berliner türkischen Kolonie hat die Ermordung Talaat Paschas tiefe Trauer hervorgerufen. Man ist der Auffassung, daß sich der Haß des Armeniers zu Unrecht gegen Talaat gerichtet hat. Talaat habe eine kleine Schrift verfaßt, in der er den Nachweis erbracht 3 f%20social%20memory%20in%20ethnically%20motivated%20assassinations.pdf Seite 12 4 Er hat dieses Geld nicht für die Flucht bekommen, denn er sollte nicht fliehen. Das war sein Auftrag. Die Operation Nemesis wollte einen Gerichtsprozess um auf den Völkermord aufmerksam zu machen. 9

10 habe, daß allein die Militärbehörden für die Armeniergreuel verantwortlich seien. 5 Er selbst habe wiederholt mit armenischen Führern verhandelt, um einen Ausgleich der türkischen und armenischen Gegensätze herbeizuführen. Die Armenier hätten seine Vorschläge abgelehnt, da sie glaubten, die Entente werde ihre Unabhängigkeit durchsetzen. Nach dem Scheitern der Verhandlungen sei die türkische Regierung den führenden Militärs gegenüber ohnmächtig gewesen, und diese hätten dann die Armeniergreuel veranlaßt. Quelle: 5 Es ist interessant, dass die Türken in Berlin 1921 von Armeniergräueln sprechen - also diese im Gegensatz zu heute nicht leugnen. 10

11 Das Geständnis des Mörders Talaat Paschas - Berliner Tageblatt Das Geständnis des Mörders Talaat Paschas Vernehmung im Polizeipräsidium Das Verbrechen an dem früheren Großwesir Talaat Pascha ist jetzt durch die Ermittlungen der Charlottenburger Kriminalpolizei in allen seinen Einzelheiten geklärt. Der Mörder, der armenische Staatsangehörige SalomonTeilirian, wurde heute vormittag von Kriminalinspektor v. Manteuffel vernommen und zeigte sich in diesem Verhör geständig. Er erklärt, daß er lediglich nach Deutschland gekommen sei, um Talaat Pascha zu ermorden. Seine Eltern seien, wie unzählige Armenier, die Opfer der Armenierdeportation geworden; auch sei er damals nur durch einen Zufall gerettet wurde und habe sich geschworen, am Großwesir Rache zu üben. Zu diesem Zweck wurde er von vielen Landsleuten mit Geldmitteln unterstützt und hielt sich bereits seit längerer Zeit in Berlin auf. Er wohnte hier in verschiedenen Pensionaten, so auch in der Augsburgerstraße und in der Tauentzienstraße. Als er vor wenigen Wochen erfuhr, daß der frühere Großwesir in der ersten Etage des Hauses Hardenbergstraße 4 wohnte, mietete er sich gegenüber in einem Hause ein, um den Pascha ungestörter beobachten zu können und sich mit dessen Lebensgewohnheiten vertraut zu machen. Gestern vormittag sah er nun, wie Talaat Pascha seine Wohnung verließ und folgte ihm. Talaat Pascha pflegte jeden Morgen gegen 9 Uhr seine Wohnung zu verlassen, um einen Verwandten in der Nähe des Zoologischen Gartens zu besuchen und dort die Morgenzeitungen zu lesen. Der junge Armenier ging auf diesem Wege immer dicht hinter dem Pascha her. Erst als dieser sich gegen 11 Uhr vormittags auf dem Rückweg befand, glaubte er einen günstigen Zeitpunkt zur Ausführung der Tat gefunden zu haben. Er trat nun vor dem Hause Hardenbergstraße 17 an den früheren Großwesir heran und gab nach kurzem Wortwechsel mit Talaat Pascha den tödlichen Schuß ab, der in den Hinterkopf des Pascha einschlug, das Gehirn durchbohrte und durch die Stirndecke seinen Ausgang fand. Der Täter versuchte dann zunächst zu entfliehen, wurde aber durch Straßenpassanten gestellt. Die Verletzung, die ihm durch einen heftigen Stockschlag beigebracht wurde, ist sehr schwerer Natur. Es ist eine etwa 20 Zentimeter lange und tief klaffende Wunde. Obwohl der Täter die Nacht durch den großen Blutverlust in hohem Fieber zugebracht hat, sprach er heute vormittag bei seiner Vernehmung gefaßt und bestimmt. Er ist ein schmächtiger, großer, junger Mann und spricht leidenschaftlich und erbittert über das traurige Ende seiner Eltern. Er ist, nachdem er die Tat ausführlich geschildert, nicht etwa zusammengebrochen, sondern aufrecht und bewußt, einen Racheakt verübt zu haben. Er erklärt, daß es ihn glücklich mache, daß seine Landsleute, wenn sie von dem Tode des Massenmörders hören werden, erleichtert und stolz auf die Tat ihres Landsmannes aufatmen werden. Dies Gefühl hat ihn allein veranlasst, die Tat auszuführen, und er selbst gebe zu, daß es ein kalter, mit vollkommener Berechnung vorbereiteter Mord sei, dessen Verantwortung er leichten Herzens trage. 11

12 Nachdem der Mörder die Tat in allen Einzelheiten eingestanden hat und die Motive klargestellt sind, wird der noch im Laufe des Nachmittags dem Amtsgericht Charlottenburg wegen Mordes vorgeführt werden. Es steht bis jetzt nur noch nicht fest, ob Teilirian Mitwisser oder Mittäter gehabt hat. Die Angaben mehrerer Zeugen, die sich meldeten und vernommen wurden, schienen darauf hinzudeuten. Die Zeugen 6 teilten mit, daß nach ihren Beobachtungen kurz nach der Tat mehrere Personen orientalischen Aussehens vom Bahnhof Zoologischer Garten in der Richtung nach dem Bahnhof Friedrichstraße gefahren seien. Sie hegten den Verdacht, daß diese mit dem Mord irgendwie in Verbindung stehen können. Die Wohnung des Verhafteten wurde vorläufig verschlossen und versiegelt. Alle seine Papiere wurden beschlagnahmt und werden geprüft. Ali Sali Bei Unser R.-Mitarbeiter hatte Gelegenheit, mit einem nahen Verwandten des Ermordeten zu sprechen, der sich über die Tat in folgenden Worten äußerte: Das das Verbrechen der Racheakt eines Armeniers sein mußte, war vom ersten Augenblick an, als wir von der Tat hörten, klar. Der Großwesir war nach seiner Flucht aus der Türkei häufig von Armeniern bedroht worden und mietete daher unter dem Namen Ali Sali Bai in der Hardenbergstraße 4 in der ersten Etage von einem Fräulein Gemper eine 9 Zimmerwohnung. Hier verkehrten viele Mitglieder und Anhänger der früheren türkischen Regierung, mit denen der Pascha sich hauptsächlich über die politischen Tagesereignisse in der Türkei unterhielt. Der Mörder ist uns völlig unbekannt; ob ihn der Großwesir gekannt hat, soll aus den von der Polizei beschlagnahmten Briefschaften des Palastes festgestellt werden. Die Dame, die sich in der Begleitung des Ermordeten befunden haben sollte, war eine Fremde. Sie ging zufällig auf dem Bürgersteig an der Seite des Paschas, brach, als der Schuß fiel, ohnmächtig zusammen, und erlangte erst wieder auf der Unfallstation das Bewußtsein. Die Leiche des Wesirs wird, sobald sie von der Staatsanwaltschaft freigegeben ist dies dürfte noch heute nach der Obduktion geschehen vom Leichenschauhaus zur hiesigen türkischen Botschaft überführt werden. Hier wird auch die Trauerfeier für den ehemaligen türkischen Großwesir stattfinden. Die Leiche wird zunächst einbalsamiert und in einem Zinksarg eingesargt werden, um später in sein Vaterland überführt zu werden. An der Trauerfeierlichkeit werden die in Berlin weilenden Mitglieder der türkischen Kolonie, die sämtlich Anhänger des Großwesirs waren, teilnehmen. Die Gattin des Ermordeten wird in Berlin bleiben. Quelle: 6 Diese Zeugen sind bei Gericht wohl nicht gehört worden 12

13 Die Ermordung Talaat Paschas - Deutsche Tageszeitung Die Ermordung Talaat Paschas Zu dem Mord in der Hardenbergstraße, dessen Opfer nunmehr als der ehemalige türkische Großwesir Talaat Pascha einwandfrei festgestellt worden ist, erfahren wir weiter: Der Mörder, der Student Salomon Teilirian, konnte auf dem Polizeiamt in Charlottenburg nur kurz vernommen werden. Weil ein armenischer Dolmetscher noch nicht zugegen war. Es kommt hinzu, daß er durch starken Blutverlust sehr geschwächt ist. Der Mörder wurde von dem Publikum, das ihn ergriff, vor Eintreffen der Polizei sehr übel behandelt. Er erhielt u. a. einen Schlag auf den Kopf, der ihm eine 22 cm lange klaffende Wunde beibrachte, die vom Scheitel bis in die Backe [h]inein läuft. Bei dem vorläufigen Verhör gestand der Verhaftete, Talaat Pascha mit Ueberlegung und Vorbedacht aus Rache erschossen zu haben. Er wird deshalb wegen Mordes dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Teilirian behauptet, Talaat Pascha sei Schuld an dem gewaltsamen Tode seiner Eltern. Er selbst habe sich durch die Flucht gerettet und Talaat Rache geschworen. Wie die Charlottenburger Kriminalpolizei feststellte, hat sich Teilirian schon längere Zeit in Groß-Berlin in verschiedenen Wohnungen aufgehalten. Er ist ohne Zweifel lediglich zu dem Zweck hierhergekommen, um Talaat Pascha ausfindig zu machen, und hat auf der Suche nach ihm an verschiedenen Stellen, so auch in der Tauentzienstzraße, Wohnung genommen. Als er die Wohnung des Verfolgten in der Hardenbergstraße entdeckte, bezog er dieser gegenüber ein möbliertes Zimmer, um ihn ständig beobachten zu können. Daß er nicht schon früher zur Ausführung seines Plans schritt, erklärt sich wohl daraus, daß es ihm an Mitteln zu der beabsichtigten Flucht fehlte. Man fand bei ihm jetzt annähernd M. Wie er angibt, hat er dieses Geld erst vorgestern durch Scheck überwiesen erhalten. 7 Jetzt besaß er die Mittel zur Flucht, und da führte er seinen Racheplan aus. Das Einschreiten des Publikums durchkreuzte jedoch seinen Fluchtplan und lieferte den Mörder der Polizei in die Hände. Erst wurde gemeldet, daß Teilirian auch auf die Gattin seines Opfers geschossen und die sehr schwer verletzt habe. Das war ein Irrtum. Es erklärt sich daraus, daß während Talaats Gattin zu Hause war, zufällig eine andere Dame ganz in seiner Nähe auf dem Bürgersteig ging, als ihn die tödliche Kugel erreichte. Diese Dame brach vor Schreck zusammen und mußte nach der Unfallstation gebracht werden. Hier nahm man zunächst an, daß sie die Gattin des Erschossenen sei. 7 Für die Flucht hat er das Geld nicht erhalten. Entweder war es der Lohn für seine Tat oder nur eine Scheinüberweisung, denn die Operation Nemesis wollte ja nicht, dass Teilirian flieht. 13

14 Die Ermittlungen der Kriminalpolizei richten sich auf die Frage, ob Teilirian Mitwisser oder Mittäter gehabt habe. Die Angaben mehrerer Zeugen schienen darauf hinzudeuten. Die Zeugen teilten mit, daß sie nach ihren Beobachtungen kurz nach der Tat mehrere Personen orientalischen Aussehens vom Bahnhof Zoo nach der Friedichstraße zu weggefahren seien. Sie hegten den Verdacht, daß diese mit dem Morde irgendwie in Verbindung stehen können. Nach den bisherigen Ermittlungen scheint das aber nicht der Fall zu sein. Quelle: 14

15 Zum Tode Talaat Paschas - Kölnische Zeitung Zum Tode Talaat Paschas. Die Tatsache der Ermordung des ehemaligen türkischen Großwesirs Talaat Pascha haben wir mit einigen Daten aus seinem Leben in Nr. 198 schon mitgeteilt. Unser langjähriger K- Berichterstatter im Orient widmet dem Verstorbenen noch folgenden Nachruf: Mit Talaat verschwindet eine sehr eigenartige Gestalt. Der gestern ermordete frühere Großwesir Talaat war bis zur Erhebung des Volkes gegen die Willkürherrschaft Abdül Hamids ein unbekannter kleiner Postbeamter. Tief in der Provinz, in Salonik[i], schloß er sich dem Komitee Einheit und Fortschritt an, dem auch Enwer, Remsi und andre Türken angehörten, deren Namen später berühmt geworden sind. Während die Offiziere des Komitees den gewaltsamen Umschwung leiteten, wurde Talaat einer der Führer der inneren Organisation der Partei. Er wußte ihre Kräfte zusammenzufassen und den Offizieren die wichtige Stütze des Volkes zu bieten. Ernst und zähe, von volkstümlicher Beredsamkeit wurde Talaat allmählich einer der einflußreichsten Persönlichkeiten der nachhamidischen Türkei. Er nahm das Staatssekretariat an und wurde endlich während des Weltkrieges Großwesir. Er war überzeugt, daß die deutsche Politik weder eine politische Unterjochung, noch eine Minderung der Kraft und des Ansehens der Türkei verfolgte, und wünschte aus tiefer innerer Überzeugtheit des Sieg der deutschen Waffen. Danach handelte er. Der schwarze Adlerorden 8 ist nachdem an keinen Türken verliehen worden und wahrscheinlich auch nicht vor ihm. Talaat ist ein Opfer armenischer Rache geworden. Solche Rachtaten treffen selten den Schuldigen. Freilich sind unter Talaat die Abschiebungen der Armenier aus ihren Wohnsitzen angeordnet worden. Ähnliche Maßnahmen hatten die Engländer, nicht ohne militärische Begründung ergriffen, als ihre Züge auf der Strecke Kapstadt Johannesburgbeständig von den Buren mit Hilfe der Bevölkerung zu beiden Seiten der Bahn beunruhigt wurden. Nicht die Maßregel ist unverantwortlich und grausam; sie kann dies aber durch Art der Ausführung werden. Die Ausführung ruhte in der Hand der Militärs, und darauf hatte der Großwesir, namentlich während des Krieges, nicht den entscheidenden Einfluß. Talaat war eine wohlwollende Persönlichkeit, einem freundlichen Leben und Lebenlassen nicht abgeneigt; auf seine Rechnung sind von niemand, der die Dinge beobachtet hat, die empörenden Grausamkeiten geschrieben worden, die bei der Verbannung der Armenier, z. B. in der Wüste des Deir-el-Sor, begangen worden sind. Oft genug hatte der damalige deutsche Botschafter gegen diese Härten eine warnende und tadelnde Stimme erhoben, und wenn es ihm gelingen konnte, manchmal Milderungen zu erreichen, so war es dank der 8 Der Hohe Orden vom Schwarzen Adler war der höchste preußische Orden. 15

16 Unterstützung, die ihm Talaat dabei gewährte. Indessen, das armenische Komitee brauchte seine Rache, und da es die wahren Schuldigen nicht treffen konnte, so hat es Talaat zum Tode verurteilt und das Urteil vollstreckt. Wir verlieren in Talaat einen treuen Freund, einen Schicksalsgenossen. Die Türkei verliert mehr. Sie verliert einen Mann, der seinen natürlichen bedeutenden Eigenschaften noch die Erfahrungen der letzten Jahre zugefügt hätte und wohl der geeignete Mann gewesen wäre, das von Mustafa Kemal begonnen Werk zu vollenden. Quelle: 16

17 Talaat Pascha - Berliner Tageblatt Talaat Pascha Der Staatsmann des Komitees J.S. 9 Halbvergessen, landflüchtig und unter falschem Namen verborgen, sein zerschlagenes Lebenswerk beklagend, und doch vielleicht seiner neuen Stunde harrend, starb durch Mörderhand der Mann, der fast ein Jahrzehnt lang als der treibende Geist die Geschicke der Türkei bestimmte. Er hatte schon immer damit gerechnet, daß seine schnelle, glänzende und abenteuerliche Karriere einmal auch ein abenteuerliches Ende finden werde. Die politische Natur des Mordes ist klar. Der Name des Täters gibt ihn sicher als einen Armenier zu erkennen. Ohne Zweifel sind schon seit längerem armenische Fanatiker hinter Talaat so gut wie hinter Enver und einigen anderen Jungtürkenführern in Europa und Asien her wie der Jäger hinter dem Wilde. Sie haben ihnen Rache geschworen. Die ganze Welt weiß wofür. Es ist durch die Schriften des Dr. Lepsius ein für allemal aufgeklärt. Daß durch die grauenhafte Armenierverfolgung des Frühjahrs 1915 die jungtürkische Regierung versucht hatte, nach dem Muster ihres Vorgängers Abdul Hamid die armenische Frage ein für allemal durch Gewalt zu lösen. Talaat, der anfänglich dem Unternehmen nicht geneigt war, ließ sich dann doch von Enver, den anderen Militärs und den entschiedenen Zentralisten umstimmen und trat dann mit der bei ihm selbstverständlichen Energie für die Vernichtungsmaßregel ein. Er hat diese Schuld mit dem Tode gebüßt. Insofern ist er einem politischen Attentat zum Opfer gefallen. Hingegen handelt es sich keineswegs um eine Abrechnung von seiten der Gegner seiner allgemeinen Politik und des ganzen Werkes seiner staatsmännischen Laufbahn. Gewiß hat er, eine Kampfnatur von leidenschaftlicher Rücksichtslosigkeit, solche Gegner immer gehabt, ebensoviele als Bewunderer. Aber es ist nicht so, als ob der Sturz des jungtürkischen Regimes, der die natürliche Folge der militärischen Niederlage war, auch den Ideen, die er vertrat, den Garaus gemacht hätte. Das Jungtürkentum lebt weiter und hat immer noch die Volksmehrheit für sich, wenn auch selbstverständlich die Regierungen, die seither als Marionetten der alliierten Besetzungen in Konstantinopel walteten, sich alle aus kleinen Gegnern zusammensetzten. Die Ideen der Nationalisten von Angora, denen es eben gelungen ist, den Vertrag von Sevres zu zerreißen, sind im Kerne die Ideen des Komitees. Wenn es auch selbstverständlich ist, daß ihre heutigen Träger ihre Politik den völlig veränderten Machtverhältnissen anpassen. Talaat ist es gewesen, der am nachhaltigsten den Geschicken der Türkei die Richtung auf die Verwirklichung dieser Ideen gegeben. Nicht als Großwesir, denn diese höchste Würde erlangte er erst spät im Kriege, auch nicht eigentlich als Minister des Inneren, der seit 1911 mehrmals und jahrelang gewesen. Sondern als Präsident des Komitees für Einheit und Fortschritt, in dessen Händen seit dem Falle des Roten Sultans immer die eigentliche Macht im osmanischen Reich gelegen. Regierung und Parlament waren mehr oder weniger nur Atrappe und ausführende Organe des Komitees. Und Talaat konnte beinahe von sich sagen: Das Komitee bin ich. Jedenfalls war er im Kreise dieser Geister, in dem sich viel militärisches Abenteuerwesen mit unklarem 9 John Schikowski? 17

18 Opportunistentum mengte, die stärkste Persönlichkeit, das zielbewußte Temperament, die entschiedenste staatsmännische Begabung. Dieses Talent, dieser Blick für das Bedürfnis der Stunde und die Gabe zum Handeln, zum Bestimmen, Ueberreden, Führen und Fortreißen war es, das ihn emporbrachte. Klein hatte er angefangen. Weit entfernt von dem Kreise der alten Würdenträger, die ihren Weg in die neue Ordnung fanden, war er auch keiner der französisch orientierten Intellektuellen, die diese zuerst aufstellten. Er war noch kurz vor der Revolution ein kleiner Telegraphenbeamter in Saloniki. War noch jung, denn er ist 1875 in Adrianopel geboren, also nur 46 Jahre alt geworden. Aber Saloniki war das Zentrum der revolutionären Energie von Anfang an. Dort hatte er sich, vom alten Regime schon früh um Kerker verurteilt, nach Mazedonien verbannt und dann doch zurückgeholt, jahrelang an der geheimen Organisation beteiligt, der im Sommer 1908 ein so verblüffend schneller Erfolg beschieden war. Sein Aufstieg im Komitee, dem er sich mit unermüdlicher Arbeitskraft widmete, war dann selbstverständlich. In wenigen Jahren wurde er nacheinander Abgeordneter von Adrianopel, Vizepräsident der Kammer, allmächtiger Präsident des Komitees für Einheit und Fortschritt, Minister des Inneren(etwa sechs Jahre lang), schließlich 1917 nach dem Rücktritt des Prinzen Said Halim Großwesir. Seine Beredsamkeit, sein Organisationstalent, seine Konsequenz, Tatkraft und Entschlossenheit entschieden, lenkten, ordneten alles. Er war äußerlich keine glänzende Erscheinung. Orientalisch untersetzt, dunkelfarbig, mit charakteristisch starkem Schnurrbart in dem vollen Gesicht, sah er nichts weniger als aristokratisch aus. Ein gewisser Adel seiner Natur lag nur in der patriotischen Leidenschaft, in der Festigkeit seines Willens und im rücksichtslosen Einsetzen seiner Person. Seine Methoden waren gewiß nicht immer die des europäischen Westens. Aber es war vielleicht auch schwer möglich, mit diesen Methoden allein sich mit der Erbschaft Abdul Hamids abzufinden. Auch seine Erbfolge waren beschränkt. Ganz natürlich. Es war schließlich schon allein eine Leistung, gegen einen Rattenkönig von inneren und äußeren Intrigen das jungtürkische Regime aufrechtzuerhalten. Und dann: das Reformwerk, das die Jungtürken sich vorgesetzt hatten, konnte nur ein Werk von langer Hand sein und hatte zur Voraussetzung eine Aera äußeren Friedens. Statt dessen ist seit zehn Jahren, seit dem Tage, da Italien verlangend seine Hand nach Tripolis ausgestreckt, die Türkei aus dem Kriege überhaupt nicht herausgekommen. Das osmanische Volk hat Ungeheures geleistet und sich schwer erschöpft in diesen Kriegen, die ihm aufgenötigt waren. Man darf sagen, auch die Teilnahme an dem Weltkriege, zu der die Türkei sich schon in den ersten Monaten entschloß, war ihr aufgenötigt durch die einfachste politische Ueberlegung. Talaat und Enver und alle ihre Mitverantwortlichen konnten gar nicht anders als auf die Seite der Gegner Rußlands treten in einem Kriege, dessen tiefster Sinn die Entscheidung über das Begehren Rußlands nach Konstantinopel war. Sie hatten auch die militärische Stärke ihrer Verbündeten nicht falsch eingeschätzt, nur den politischen Verstand, der in Deutschland regierte. Im September 1918 kam Talaat nach Berlin (kurz ehe die Bulgarenfront zusammenbrach), aber nur um zu sagen: Wir können nicht mehr. Er ist dann, als alles verloren war, hier geblieben und hat anscheinend die ganze Zeit zurückgezogen, abwartend und beobachtend, unter uns gelebt. Ein Auslieferungsbegehren, das das Konstantinopler Kabinett auf Ententegeheiß hierher richtete, wurde von der deutschen Regierung mit Recht abgelehnt. Seine grimmigsten Gegner haben ihn doch aufzuspüren verstanden. Aber sie haben nicht zu verhindern vermocht, daß die Freudenbotschaft von dem türkischen Erfolg auf der Londoner Konferenz, der Ausblick auf bessere Zeiten für seine ferne Heimat noch seine letzten Tage verschönt hat. Quelle: 18

19 Das Ende Talaats - Berliner Tageblatt Das Ende Talaats. T. W. 10 Der Mann, der gestern mittag in der Hardenbergstraße erschossen wurde, war doch nicht, wie die polizeiliche Meldung irrtümlich sagte, ein älterer Herr und der türkische Staatsangehörige Sali Ali Bei, sondern, wie man zuerst vor dieser Irrtumsverbreitung angenommen hatte, Talaat Bey, ehemals Minister des inneren, Pascha und Großwesir. Talaat hatte sich nur in einen Sali Ali verwandelt, weil er sich verfolgt und umlauert fühlte und die falsche Visitenkarte ihm in diesem unsicheren Dasein nützlich schien. Er war unbestreitbar der stärkste Kopf und, wie man hinzufügen könnte, der härteste Schädel der jungtürkischen Partei. Er war auch einer der wenigen im Comite, die nicht nach fremden Schätzen austreckten, und es ist nur sehr bedauerlich, daß diese Hände nicht ebenso rein von Blut geblieben sind. Die Geschichte seines abenteuerlichen Lebens, seines plötzlichen Aufstiegs, seiner Herrschaft und seines Sturzes wird hier an anderer Stelle erzählt. Man kann ihn zu den Politikern aus Leidenschaft zählen und kann sagen, daß die Politik, die seinen Genossen oft nur Mittel zur Erlangung anderer Genüsse diente, ihm der Genuß selber war. Ich habe ihn zuletzt einige Zeit nach dem Zusammenbruch gesehen. Ein jungtürkischer Literat arrangierte diese Begegnung mit dem Flüchtigen, der sich über manches aussprechen wollte, was man ihm auch in Deutschland vorgeworfen worden sei. Talaat erwartete mich in seinem Hause in der Kantstraße, in einer hochgelegenen Wohnung, die nicht nach einem Heim aussah und deren möblierte Oede allenfalls durch etwas Zigarrenduft gemildert schien. Er hatte viel von seiner Leibesfülle verloren, war ziemlich schlank geworden, hatte aber in dem frischen Gesicht keine Falte und in dem schwarzen Haar keinen grauen Schimmer und war durchaus noch kein älterer Herr. Alles was er sagte, klang nach ungebrochener Selbstsicherheit, und sein Optimismus war beinahe verblüffend und anscheinend durch keinen Zweifel gestört. Er setzte mir auseinander, daß die Türkei die Jungtürken brauche und sie bald wieder zurückrufen werde, denn es gebe, und darin hatte er vielleicht recht, außer ihnen nichts Festes, keinen Halt, keine Regierungsfähigkeit. Die alliierten Mächte würden sich allmählich auch entschließen müssen, das einzusehen. Vermutlich haben ihn in den letzten Monaten die Erfolge des türkischen Nationalismus und die Verlegenheit der Alliierten noch optimistischer gemacht. Es schien ihm ganz sicher, daß noch einmal für ihn die Stunde kommen müsse, und gewiß hat der Glaube erst geendet, als statt der erwarteten Stunde die Todesstunde kam. Ein Schuldgefühl, ein Empfinden für die Schrecklichkeit des in Armenien Verübten, dürfte nicht auf ihm gelastet haben, und man konnte auch annehmen, daß er an dieser Austilgung eines Volkes weniger beteiligt gewesen sei als die begierige Verwandtschaft Envers und anderer Leute des Komitees. Die im Einverständnis mit dem Auswärtigen Amt, von Johannes Lepsius herausgegebenen diplomatischen Aktenstücke lassen aber deutlich erkennen, daß er nicht nur die Rolle des Pontius Pilatus gespielt, nicht nur die deutschen Botschafter, die gegen die abscheuliche 10 Theodor Wolff verantwortlicher Leiter des Berliner Tagblatts

20 Würgerei protestierten, mit Ausflüchten und beruhigenden Versicherungen hingehalten, sondern auch geradezu gegenüber dem Botschaftsmitgliede Dr. Mordtmann 11 die Absicht, mit den inneren Feinden gründlich aufzuräumen, und den Weltkrieg dafür zu benützen, ausgesprochen hat. Er war ein Politiker, der die politische Einheit durch die Austilgung Fremdgläubiger und Fremdrassiger sichern wollte, ganz wie der spanische Philipp II. und wie mancher andere Nichtasiate neuerer Zeit. Er hätte gewiß die milderen Mittel vorgezogen, aber er duldete, daß erdrosselt wurde, da es mit dem Streicheln nicht ging. Ob dieser zweifellos staatsmännisch sehr begabte, aber doch vor allem durch eine ruhige Energie wirkende Talaat einen Beweis von Kurzsichtigkeit gab, indem er die Türkei ganz an das Schicksalsschiff Deutschlands kettete, und ob er nicht das alte, von Abdul Hamid meisterhafte geführte Spiel mit allen Mächten hätte fortsetzen müssen, wird immer ein schwer lösbare Frage sein. Der Mißerfolg allein entscheidet nicht. Talaat und die Jungtürken konnten unmöglich all die Fehler und Sinnlosigkeiten erwarten, die in Deutschland begangen wurden, und nicht damit rechnen, daß es den deutschen Nationalisten einfallen werde, schließlich auch noch Amerika in den Krieg hineinzuziehen. Wäre wenigstens dieser Irrtum vermieden worden und hätte der Krieg mit einem Vergleichsfrieden geendet, so wäre die jungtürkische Politik vielleicht nicht so falsch gewesen, wie sie heute erscheint. Eine leichter lösbare Frage ist es, ob die deutsche kaiserlicher Politik sich nicht auf einen Irrweg verrannt hat, als sie durch die enge Verbindung mit der Türkei und durch die Schützerrolle, die sie in Konstantinopel spielen wollte, sich immer mehr und immer stärkere Feindschaften schuf. Die deutsche Orientpolitik war, was auch dagegen eingewendet worden ist, anfangs ganz richtig gewesen, denn um diplomatische Geschäfte machen zu können, muß man zunächst Einfluß und Objekte wie die Bagdadbahn gewinnen, aber diese Orientpolitik mußte, in Gemeinsamkeit mit der Nachgiebigkeit gegenüber Wien, zu einem Malheur werden, weil die deutsche Staatskunst sich darin verbiß, in dem Mittel ein Ziel sah, die Militärs sich einmischen ließ, nichts vom scheinbaren Besitz hergeben wollte und zum Einlenken und Ablenken nicht die nötige Schmiegsamkeit besaß. Die Revolverkugel eines von Haß und vom Wunsche nach Vergeltung getriebenen Armeniers hat gestern Talaat niedergestreckt. Die Visitenkarte mit dem Namen Sali Ali hat nicht den verhüllenden Zauber einer Tarnkappe gehabt. Die von Talaat geduldeten, mindestens nicht verhinderten Metzeleien entschuldigen die Mordtat des Armeniers nicht. Ein Verbrecher bleibt jeder, der ohne Prozeß und Verhör sich zum Rächeramte berufen glaubt. Hier ist ein Fanatismus gegen den anderen geprallt. In der sonst angenehm zivilisierten Hardenbergstraße, wo höchstens einmal ein Nationalantisemit seinen Wunsch nach Rassenaustilgung äußert, endete die furchtbare Tragödie, die Kleinasien mit Leichengestank verpestet hat. Quelle: 11 Johann Mordtmann: Kaiserlich-deutscher Generalkonsul in Konstantinopel , dessen Aktennotizen und Berichte Aufschluss über den Verlauf des Völkermordes geben. 20

21 Die Ermordung Talaat Paschas - Kölnische Volkszeitung Die Ermordung Talaat Paschas. D Berlin, 16. März (Drahtber.) Der junge Mann, der gestern Talaat Pascha in der Hardenbergstraße erschoß, ist der armenische Student Salomon Teilirian. Er erklärte aus Blutrache gehandelt zu haben, weil Talaat Pascha seine Eltern habe hinrichten lassen. Nach einer ergänzenden Meldung hat sich das Attentat folgendermaßen abgespielt: Talaat Pascha befand sich mit seiner Frau auf einem Spaziergang, als der Attentäter ihn auf wenige Schritte von hinten durch den Kopf schoß. Ein zweiter Schuß verletzte die Gattin des Großwesirs schwer. 12 Einige Landsleute des Erschossenen erschienen zufällig im Augenblick des Attentats. Sie erkannten Talaat Pascha sofort und sorgten für die Verhaftung des Täters. 13 Talaat ist eine Persönlichkeit, die stets auf seiten der Deutschen stand. Es ist auf tiefste bedauerlich, daß seinem noch nicht abgeschlossenen Werk durch den Schuß eines Fanatikers, zum Schaden seiner Heimat und auch zum Schaden Deutschlands vorzeitig ein Ende bereitet worden ist. * Während nach den ersten Meldungen die Identität des Ermordeten nicht zweifelsfrei feststand, hat es sich inzwischen bestätigt, daß Talaat Pascha der mörderischen Kugel des armenischen Fanatikers zum Opfer gefallen ist. Der plötzliche Tod dieses hervorragenden Staatsmannes ist für die Türkei ein um so schwererer Verlust, als er vielleicht doch noch einmal berufen gewesen wäre, bestimmend in die Geschicke seines Vaterlandes, um dessen Zukunft zurzeit in London gerungen wird, einzugreifen. Talaat Pascha gehört zu den repräsentativen Persönlichkeiten der modernen Türkei. Ihre Geschichte ist mit seinem Namen, ähnlich wie mit dem Enver Paschas, auf das innigste verknüpft. Die politische Laufbahn des Verstorbenen ist eine ganz ungewöhnliche; hat er es doch vom kleinen Telegraphisten zum mächtigen Großwesir, d. h. Ministerpräsidenten, gebracht. Bis zu den Revolutionstagen von Saloniki im Jahre 1908, die der Gewaltherrschaft Abdul Hamids ein Ziel setzte, war Talaat Pascha Beamter im dortigen Telegraphenamt mit einem Gehalt von 250 Frs. Doch schon lange vor dem entscheidenden Umschwung war er zur unbestrittenen Führerschaft in der jungtürkischen Bewegung gelangt. Während Enver Pascha den militärischen Teil der Umwälzung von 1908 bestritt, war Talaat Pascha der leitende Geist in der politischen Umbildung der Türkei. In der ersten türkischen Kammer bekleidete er das Amt des Vizepräsidenten; dabei hielt der die Leitung der jungtürkischen Partei fest in der Hand, auch als er im Sommer des Jahres 1909 das Ministerium des Innern übernahm und damit zugleich die ministerielle Verantwortung für die innere Reorganisation des türkischen Reiches. Mit seltener Energie und Tatkraft widmete er sich dem schwierigen Werke, mit dem orientalischen Schlendrian in der Staatsverwaltung aufzuräumen und modernen Methoden und Grundsätzen überall zur praktischen Durchführung zu verhelfen. Nach einer Zeit stiller 12 Seine Frau war nicht dabei. Es gab auch keinen zweiten Schuss. 13 Auf der Wache wusste man aber nicht, dass es ich um Talaat handelte. 21

22 Zurückgezogenheit übernahm er im Juni 1913 nach der Ermordung Mahmud Schewket Paschas 14 erneut das Ministerium des Inneren. Der Verlust des Balkankrieges, dessen Anforderungen die junge, gerade in der Umwälzung begriffene Türkei nicht gewachsen sein konnte, stellte Talaat Pascha vor die schwierigsten Aufgaben. Mit welchem Erfolge er sie in treuem Zusammenwirken mit Enver Pascha, der sich um die Reorganisation des Heeres bemühte, meisterte, hat der Weltkrieg gezeigt. Diese beiden Männer waren die Seele des Bündnisses, das die Türken als Waffengefährten an die Seite Deutschlands und Österreich- Ungarns brachte. Am 4. Februar 1917 übernahm Talaat Pascha als Nachfolger des Prinzen Said Halim Pascha 15 das Großwesirat. Ende März desselben Jahres verlieh ihm der Deutsche Kaiser den höchsten Orden, den er zu vergeben hatte, den Schwarzen Adlerorden. Den äußeren Anlaß zu dieser Auszeichnung bot das Zustandekommen der Vereinbarungen zwischen der Türkei und Deutschland, welche nach Abschaffungen der Kapitulationen die Rechtsverhältnisse der Deutschen in der Türkei auf Grundlage der modernen Verhältnisse regelten. Talaat Pascha weilte zum ersten Mal in Berlin im Jahre 1909, wo er eine Zusammenkunft Kiderlen-Wächter 16 hatte. Als Großwesir ist er noch zweimal zur Besprechung schwebender politischer Fragen nach Deutschland gereist, und zwar im April 1917 und im September Der unglückliche Ausgang des Weltkrieges brachte auch für Talaat Pascha das Ende seiner politischen Laufbahn. In den ersten Oktobertagen des Jahres 1918 sah er sich zum Rücktritt gezwungen. Er verließ sein Vaterland und begab sich nach Deutschland. Seit zwei Jahren lebte er mit seiner Gattin in größter Zurückgezogenheit in Charlottenburg. Quelle: 14 Mahmud Şevket Pascha (* 1856 in Bagdad; 11. Juni 1913 in Konstantinopel war ein osmanischer Militär (zuletzt Marschall) und Politiker, der eine bedeutende Rolle bei der Absetzung Sultan Abdülhamids II. spielte. Vom 23. Januar bis zum 11. Juni 1913 war er Großwesir des Osmanischen Reiches. Der plötzliche Tod Şevkets bahnte jüngeren und radikaleren jungtürkischen Führern den Weg zur Macht: Seit Herbst 1913 bildete sich das Triumvirat der Offiziere Enver Pascha und Cemal Pascha (die 1914 zum Kriegs- bzw. Marineminister aufstiegen) und des zivilen Innenministers Talaat Bey, des späteren Talaat Pascha Mit seiner Ernennung zum stellvertretenden Staatssekretär des Auswärtigen Amtes wurde 1908 das unfreiwillige Exil Kiderlens unterbrochen. Durch sein Verhandlungsgeschick trug er zur Überwindung der Bosnien-Krise bei und handelte ein deutsch-französisches Abkommen über Marokko aus. Nach der Entlassung des Reichskanzlers Fürst Bernhard von Bülow wurde Kiderlen 1910 zum Leiter des Auswärtigen Amts ernannt Hier hat Talaat wahrscheinlich auch seine Flucht im Dezember 1918 also zwei Monate besprochen, bzw. die Möglichkeiten einer Unterkunft und gefälschte Ausweise zu bekommen. 22

23 ASSASSIN BOASTS OF TALAAT'S DEATH - The New York Times ASSASSIN BOASTS OF TALAAT'S DEATH 'It Is Not I Who Am the Murderer It Is He,' Says Young Armenian. Copyright, 1921, by The New York Times Company, Special Cable to THE NEW YORK TIMES. BERLIN, March 16.--The assassination of Talaat Pasha was really the last act of a tragedy whose earlier scenes were enacted in the blood-stained deserts of Asia Minor. "It is not I who am the murderer. It is he," said the young Armenian, Salomon Teilierian, to the police a moment after firing the fatal shot. In the course of a later examination Teilerian told how one night his ages parents were dragged from their village home near the Persian frontier by one of the Commissioners or Talaat, who was then Grand Vizier, and were driven into the desert, where they perished. Ever since, he said, I have lived only to revenge the deaths not only of my own mother and father, but also the persecution and massacres of the Armenian people of whom Talaat Pasha was the wholesale murderer. To fulfill that oath of revenge, sworn long ago, is the task to which Teilerian devoted three years. He was baffled again and again, but the persisted, driven by undying hatred and Oriental cunning. Even so, it is still a mystery how at last he tracked down his victim. It was nearly three years ago when Talaat disappeared from Constantinople, and only a few intimate friends knew that he spent months wandering over Turkey searching for his prey, and says it was an accident which put him on the right trail and brought him here. Without means, according to his own story, he worked his devious way to Germany, spurning all hardships, in the certainty that the end of his examination he said to the police that he regarded the crime with a light heart, adding: It fills me with happiness to know that when my compatriots hear of his death they will be proud of the deed of their fellow-countryman. The authorities are skeptical as to Teilerian s boast that his discovery of his victim s whereabouts and identity was entirely his own work. They are inclined to the view, he is an agent of the Armenian Revolutionary Committee and find support for this theory in the fact that his passport was issued in Paris and has a Geneva visa. 23

24 Quelle: 095D6CF&scp=5&sq=talaat&st=p 24

25 Talaat Pascha - Hamburger Fremdenblatt Einer der Führer der Jungtürken, während des Krieges Großwesir, ist in Berlin, wo er als Privatmann lebte, von dem persischen Studenten Teilirian ermordet. Quelle: 25

26 THE LATE TALAAT PASHA AN ENGAGING VILLAIN - The Times THE LATE TALAAT PASHA. AN ENGAGING VILLAIN A Correspondent writes: -- The assassination of Talaat by an Armenian in Berlin brings vividly to my mind the last occasion on which I saw him. It was at the Sublime Porte towards the middle of September, He was then Minister of the Interior in the Said Halim Cabinet and was looked upon as the strong man of Turkey. I had called to say good-bye to him before leaving Constantinople. In his rooms was Vertkes Effendi, whom Talaat introduced at his dear friend, and whom he treated with a great show of affection. Vartkes was one of the leaders of the Armenian Nationalist movement and had, I believe, been kind to Talaat in earlier days. Subsequently Talaat had him, Zohrab, and many another dear friend murdered. 18 I had known Talaat since 1909, the year after the Young Turk Revolution. His amiable stolidity, big gipsy eyes, and obvious intelligence attracted me. I knew he had been deep in all the Young Turk plots, and that he had the reputation of being one of the few-men who had ever managed to outwit Abdul Hamid. A few months later he became Minister of the Interior, and was responsible, with Dr. Nazim 19 and others, for the system of Turkifaction introduced by the Young Turks in , which began with the massacre of Albanians and ended with the creation of the Balkan League that linked the Balkan States against the Turks in the first Balkan war. Little by little Talaat underwent a transformation. Though his personal appearance, with his dark eyes, regular features, and ample paunch, was unchanged, he threw off his Jacobin attitude, and behaved more and more as an orthodox Musulman. How deep his orthodoxy went in reality I was presently to discover. In the summer of 1913 I saw him at his little Turkish house in Constantinople. He greeted me with a great show of cordiality and professed himself anxious to remove all misunderstandings between Turkey and Great Britain. He added: You Englishmen must not think that we intend to turn you out of India. We do not desire anything of the kind. We need only economic, social, and kultural (Talaat knew the sacred German word already) relations with India, and if you are friendly to us we shall not turn you out. 18 Armenian parliamentary deputies Zohrab and Vartkes are arrested in Constantinople and later murdered while in custody in Kara-Kopru In den Verfahren des Istanbuler Kriegsgerichtshofes wurden aufgrund ihrer Beteiligung am Völkermord in insgesamt 17 Fällen die Todestrafe verhängt, wovon allerdings nur drei vollstreckt wurden. Der Rest der Verurteilten entzog sich der Exekution durch Flucht. So auch die Hauptverantwortlichen Talaat, Enver, Djemal und Nazim. Aus Martin Rades"Christliche Welt" und Armenien von Axel Meißner, S

27 I cut him short and said: Let me give you a piece of advice. You do not know much about Englishmen. They are quit folk, not easily roused. But in the belly of every Englishman there lies asleep a strange wild rodent. If you wake it, it will gnaw your blessed Empire to pieces. It will bite you out of Constantinople before you turn us out of India. Talaat smiled sweetly, changed the conversation, and presently invited me to dinner. Next day I had a visit from Djemal Pasha, then Military Governor of Constantinople. Djemal had heard of my interesting talk with Talaat the day before. Would I repeat it to him? I did. Djemal said it was a new point of view they had not thougt of. I found they had no notion that the British Empire might have any effective fighting power. I went to Talaat s dinner. It was in Ramazan, the month of fasting. I found Talaat already at table when I arrived. He said he was so hungry he could not wait for the appointed hour. He was swallowing a pound of caviar, washed down by three tumblers of raki, or Turkish brandy. Then he began his dinner a mightly feast. Two bottles of claret disappeared as rapidly as the raki, and afterwards he drank as many bottles of champagne. Then, well on the road of inebriation, he expatiated on the future of the Ottoman Empire. The detail of his views can have little interest now, but I gathered from what he said in his truthful tipsiness that he and his fellows had no faith whatever in the future of the Empire, and that their whole experiment in revolutionary government was for them a gigantic gamble, with beati possidentes as their supreme principle. It was not until later that Talaat himself sought personal gain. On the whole, he was an engaging villain. He worked hard in his Turkish way, and could be a good fellow according to his lights. He could also be absolutely unscrupulous at a pinch. When the pinch came he showed it. After all, with all his crimes and depredations, he was perhaps the most honest of the whole Young Turkish gang. Quelle: 27

28 Der Mörder Talaat Paschas - Vossische Zeitung Der Mörder Talaat Paschas. b. Genf, 16. März Der Mörder Talaat Paschas, der am 21. November v. J. mit einem in Paris einige Tage vorher ausgestellten Paß aus Paris nach Genf gekommen war und von hier bereits am 2. Dezember nach Berlin verreiste, scheint das Verbrechen gegen den ehemaligen türkischen Großwesir seit längerer Zeit bereits geplant zu haben. Während seines hiesigen Aufenthaltes hatte er häufig Zusammenkünfte mit Armeniern, die im Hotel de la Paix wohnten. Auffällig ist, daß er schon bei der Abreise nach Berlin seine künftige Adresse, Oranienstr. 75, auf dem Polizeibüro angab, obwohl er früher nie in Berlin gewesen zu sein und dort auch keine Beziehungen gehabt zu haben behauptet hat. Auf eine Anfrage seiner Wirtin, ob er wieder nach Genf zurückkehren werde antwortete er, er werde wohl, obwohl es ihm in Berlin gar nicht gefalle, einige Zeit dort bleiben müssen, weil er dringende Angelegenheiten aus der Zeit vor dem Kriege zu regel habe. Einer der angesehenen Führer der hiesigen armenischen Kolonie Agathon Bei behauptet, Teilirian nicht zu kennen, und erklärt, die hiesige armenische Kolonie mißbillige das Verbrechen Teilirians entschieden, da es nur Anlaß zu neuen Ausschreitungen gegen die Armenier geben könnte. Das Visum zur Einreise nach der Schweiz hatte Teilirian unter der Angabe verlangt, er wolle hier Ingenieurwissenschaften studieren. Quelle: 28

29 TALAAT IS MOURNED AS GERMANY'S FRIEND - The New York Times TALAAT IS MOURNED AS GERMANY'S FRIEND Murdered Ex-Vizier Said to Have Had a 10,000,000-Mark Fortune in a Berlin Bank. Copyright, 1921, by The New York Times Company. By Wireless to THE NEW YORK TIMES. BERLIN, March 16--The German press mourns in Talaat Pasha's death the loss of a friend of Germany who remained true up to the last few days before Turkey finally collapsed. The authorities say they had been ignorant of Talaat s presence in Berlin. He lived in Hardenbergstrasse under an assumed name, but some of his many countrymen here knew of his presence, and sometimes he went to the Turkish Club on Motzstrasse, where he was generally regarded as the coming man who would pull his country out of its misery. The wife of Talaat, too, was well known in certain Berlin circles in the character of Said Ali Bey s wife. She was considered to be a very refined, modern woman and a champion of woman s emancipation. There was a story that even before she married Talaat she used to brave the wrath of the Turkish clergy by appearing publicy unveiled. She took a deep interest in Talaat s work, and is said to have been in constant communication with certain circles in Constantinople. Talaat had a plenty of money, which enabled him to rent a very large flat on the fashionable Hardenbergstrasse and surround himself with European and Turkish comforts. There are stories that the Deutsche Bank has his fortune of more than 10,000,000 marks in safekeeping. A check for 12,000 marks which Salomon Teilirian, the assassin of Talaat, received two days before the crime was committed leads the authorities to believe that this money was sent him by conspirators to enable him to fly after the deed, which he had prepared for and rehearsed many days bit only decided to commit after he had cashed the check and thus secured means for escaping. Quelle: 9C946095D6CF&scp=3&sq=talaat&st=p 29

30 Talaat Paschas Beisetzung & Talaat in englischer Beleuchtung - Deutsche Allgemeine Zeitung Talaat Paschas Beisetzung. Seit 10 Uhr war vor dem Hause Hardenbergstraße 4 eine große Menschenmenge versammelt. Man sah eine große Anzahl von Orientalen mit rotem und schwarzem Fez. 20 Die Sipo 21 hatte eine Mannschaft zur Aufrechterhaltung der Ordnung zur Stelle beordert. Um 10 Uhr begann in der ehemaligen Wohnung Talaat Paschas die Leichenfeier. Die Leiche war in einem Zinksarg aufgebahrt. Sie ist einbalsamiert worden, da sie in späterer Zeit, wenn die Verhältnisse sich wieder geordnet haben, nach der türkischen Heimat befördert werden soll. Ueber dem Sarg war eine rote türkische Fahne mit dem weißen Halbmond gebreitet, und am Kopfende des Sarges stand nach türkischer Sitte ein roter Fez. Reiche Kranzspenden waren gekommen und wurden auch noch in letzter Stunde gebracht. Man sah u. a. einen Kranz von der Deutschen Bank, vom Auswärtigen Amt mit folgender Inschrift: "Dem großen Staatsmann und treuen Freund!", von der Deutsch-türkischen Vereinigung usw. Unter den Anwesenden bei der Feier bestanden sich Vertreter der türkischen Botschaft und verschiedener türkischer Konsulate, Vertreter ägyptischer, persischer, indischer, afghanischer und anderer Verbindungen, sogar ein Vertreter der neuen Republik Haidar Pascha. Zugegen waren ferner der frühere Marine- und Arbeitsminister Mahmud Pascha, der Ministerialdirektor Goeppert, v. Zimmermann, Staatssekretär v. Kühlmann, General v. Seeckt, General Kress v. Kressenstein, verschiedene Abteilungschefs der Ministerien, der Direktor der Deutschen Bank v. Gwinner, Freiherr v. Oppenheim. Die Reichsleitung hatte ihr Beileid durch Herrn v. Schulenburg ausdrücken lassen. Die Gebete begannen um 10 Uhr vor stark ergriffener Zuhörerschaft. Das mohammedanische Gebet sprach Schükri Bey, der geistliche der hiesigen türkischen Botschaft. Auch türkische Frauen waren zugegen. Um ½ 12 Uhr war die Gebetsverrichtung zu Ende. Dann bewegte sich der Zug vom Totenhaus aus durch die Hardenbergstraße, Tauentzienstraße, Kleiststraße, Yorkstraße zum Matthäi-Kirchhof. Im Matthäi-Kirchhof wir die Leiche aufgebahrt werden: der Tote wird also nicht begraben werden. Am Grabe haben im Namen der Türken Dr. Behaeddin Schakir, im Namen der Inder Pilai Karma und verschiedene deutsche gesprochen. Quelle: Sicherheitspolizei (Weimarer Republik) 30

31 Talaat in englischer Beleuchtung Wie der ermordete Großwesir Talaat Pascha in England beurteilt wird, zeigt eine Notiz des Konstantinopeler Korrespondenten der Times, der natürlich den ermordeten Großwesir wegen seiner ententefeindlichen Haltung überhaupt als Jungtürken bekämpft, auch die Armenierfrage in den Vordergrund schiebt, aber folgendes zugeben muß: Das Geheimnis von Talaats Erfolg war der Umstand, daß er von allen Führern des Komitees Einheit und Fortschritt der am meisten türkische war. An ihm war nichts Europäisches oder Levantinisches 22. Er gab den Eindruck eines kühnen, herzhaften rumelischen Bauern, der nicht ohne Humor und von außerordentlichem Mut, und zugleich eine wahre Persönlichkeit sowie ein sehr traurig, aber auch rücksichtsloser Politiker war. Nachdem der Korrespondent die Unbestechlichkeit Talaats in der Zeit vor dem Kriege betont hat während des Krieges war der Berichterstatter nicht am Goldenen Horn und kann daher nur unverbürgtes und unwahres Geschwätz wiedergeben sagt er: Mit allen seinen Fehlern behielt Talaat die Achtung sogar zahlreicher seiner politischen Gegner, zum Teil wegen seines Mutes, seiner Entschlossenheit und seiner ehrlichen Vaterlandsliebe, besonders aber, weil er ein so ausgesprochener Türke war. Der Korrespondent der Times erwähnt auch die Tatsache, daß Talaat, nachdem er bereits einmal Minister des Inneren gewesen war, beim Ausbruch des Balkankrieges als gewöhnlicher Freiwilliger zu den Fahnen eilte, und beim Rückzug von Kirk-Kilisse von Djemal Pascha persönlich in einem Umstande völliger Erschöpfung aus einem Graben gerettet wurde. Seiner Abstammung nach war Talaat übrigens Pomake. Die Pomaken sind zum Islam übergetretene Bulgaren. Ethnographisch sind die Bulgaren und Osmanen bekanntlich nahe verwandt, nur haben die eigentlichen Bulgaren, die, bevor noch die Türken überhaupt auftraten, den Schrecken der Byzantiner bildeten, zusammen mit dem orthodoxen Christentum eine slawische Sprache angenommen. Quelle: 22 Der Ausdruck Levantiner bezeichnet die Bewohner der so genannten Levante, also der Länder des Mittelmeerraumes östlich von Italien, insbesondere des Küstenstreifens zwischen der südlichen Türkei und dem Sinai. Im engeren Sinne bezeichnete man die nicht-muslimischen Minderheiten bis zum 19. Jahrhundert im Osmanischen Reich, insbesondere in Konstantinopel, als Levantiner. 31

32 Talaat pacha : LA CARRIÈRE DE L' ANCIEN GRAND- VIZIR - La dépêche coloniale Talaat pacha LA CARRIÈRE DE L' ANCIEN GRAND-VIZIR Ascension et chute rapide A LA SOLDE DE L' ALLEMAGNE Talaat pacha, l ancien grand-vizir qui a été assassine á Berlin, formait avec Enver et Djemal le triumvirat qui, pendant la régime jeune-turc, détint le pouvoir absoluen Turquie. La carrière politique de Talaat est des plus curieuses. Fils d un paysan et d une gipsy, il était né en Turquie d Europe près de Kirjala. Le jeune homme, après avoir fait quelques vagues études á Andrinople, devint employé au service des postes et télégraphes aux appointements des dix livres turques par mois. Il débuta á Salonique et là fit rapidement la connaissance des personnalités israélites qui devaient plus tard déclancher le mouvement révolutionnaire. A la loge maçonnique italienne «La Macédoine ressuscitée «qui joua un grand rôle dans la révolution turque de Il entra en relations avec les officiers jeunes-turcs qui conspiraient contre le régime. Des la révolution. Il se fit élire députe d Andrinople et gagna la capitale. La fortune politique de Talaat commençait ; le petit employé des postes allait. Dans l espace de huit ans, gravir tous les échelons du pouvoir jusqu'à devenir premier ministre en ********* Talaat, sans croyances religieuses, amoral, cruel et sanguinaire tout á la fois, allait devenir le champion du nationalisme turc intégral, de l ottomanisation de l empire du panislamisme et du pantouranisme. Cette dernière attitude de Turc avant tout fut sans doute une des causes de a rapide ascension politique. En 1900 Talaat vint á Paris. Il fut fêté dans certains milieux politiques où l on croyait voir en lui l apôtre du libéralisme turc : A son retour en Turquie il devenait ministre de l intérieur, pour peu de temps, il est vrai. Pendant la guerre balkanique Talaat est ramassé dans un fossé par Djemal pacha au moment de la retraite de Kir-Kilissé ; accusé ensuite de propagande subversive dans l armée, il est obligé de fuir et de se cacher, mais le coup d Etat de janvier 1913 marqué par l assassinat du ministre de la guerre, Nazim pacha, lui permit de rentrer en scène avec la plupart des autres Jeunesturcs et de devenir à nouveau ministre de l intérieur. Au début de la guerre européenne, Talaat, qui très certainement avait déjà partie liée avec Berlin, passa à l Allemagne et inaugura vis-à-vis des populations chrétiennes d Asie Mineure une politique de répressions cruelles qui dégénéra rapidement en massacres en masse de plusieurs colonies arméniennes. ********* En janvier 1916 Talaat atteignait l apogée de sa puissance, il devenait grand-vizir. Plénipotentiaire turc à Brest-Litovsk et à Berlin en 1918, il rentra à Constantinople en septembre 1918 pour apprendre les désastres du Vardar et de la Palestine et assister à l effondrement du comité Union et Progrès. Talaat eut juste le temps de s enfuit sur un navire 32

33 allemand pour gagner la côte russe et de là Berlin, où il a résidé jusqu'à sa mort. Pendant ces deux dernières années, il fit de nombreux voyages en Suisse ou il allait conférer avec les émigrés de tous pays qui complotent contre l Entente. Passe a la solde de l Allemagne, il devint chef du service de l espionnage allemand en pays musulman ; c est lui qui dirigeait vers la Tripolitaine, l Egypte, le Levant et l Inde les équipes d agitateurs recrutes avec soin et chargés de porter le trouble chez les sujets musulmans de l Entente. La mort de Talaat est une grosse perte pour le service de propagande allemand. L ancien commis des postes et télégraphes Talaat, devenu grand-vizir affectait, lorsqu il était au pouvoir, de copier Robespierre ; il acceptait avec satisfaction le surnom d incorruptible, ce qui ne l a pas empêche, arrivé den 1908 à Constantinople avec une livre turque en poche, d amasser une fortune considérable en spéculant sur les sucres et en achetant à vil prix les fonds de boutiques des Arméniens terrorises. Quelle : 33

34 Der Mord an Talaat Pascha - Vossische Zeitung Der Mord an Talaat Pascha. Die Untersuchung nach den politischen Motiven, die zur Ermordung des früheren Großwesirs Talaat Pascha geführt haben, wird von der Abteilung IA des Berliner Polizei-Präsidiums fortgesetzt. Der Mörder, der armenische Student Salomon Teilirian, ist nunmehr, nachdem er von den Folgen der Lynchjustiz wiederhergestellt ist, in das Untersuchungsgefängnis Moabit eingeliefert worden. Der Vorstand der armenischen Kolonie in Berlin hat einen Aufruf erlassen, in dem gesagt ist, daß die Armenier in dem Attentat auf Talaat Pascha keinen Mord, vielmehr einen politischen Befreiungsakt erblicken. Quelle: 34

35 Talaat Pascha - Deutsche Überseezeitung Auslands- Ausgabe vom Hamburger Fremdenblatt 35

36 Zeitungsartikel zum Prozess am 2. u. 3. Juni Die Ermordung Talaat Paschas - Vossische Zeitung Die Ermordung Talaat Paschas. Leiden des armenischen Volkes. Eine Flutwelle östlicher Leidenschaft an den kühlen Gestaden Moabits. In das Dunkel unentwirrbarer und im einzelnen kaum nachzuprüfender äußerer und innerer Geschehnisse versucht die ordnungsliebende deutsche Rechtspflege hineinzuleuchten. Sie hat das Recht und die Pflicht: denn der Schlußakt der großen politischen Tragödie Talaat-Pascha spielte sich unter uns ab. Der Mörder des türkischen Staatsmannes mußte freilich aus dem Inneren Armeniens die große Reise antreten, bis er hier in Berlin sein Opfer fand. War er damals in der Absicht aufgebrochen, sein Opfer zu suchen oder gewann die Absicht des Tötens erst zuletzt Herrschaft über sein Gemüt? Das ist die wesentliche Frage, die das Gericht zu entscheiden hat. Dieser Prozeß ist ein Plaidoyer des gequälten armenischen Volkes und die Gerichtstüren sind belagert von dunkelschönen Menschen, die mit brennenden Wünschen dem Mörder beistehen. Vielen gelang es in den Zuschauerraum zu gelangen. Auf dem Balkon über das Uhrgehäuse lehnt eine prachtvolle romantische Gestalt in hellblauer Bluse jedes Wort gierig aufsaugend. Der Mörder selbst Salomon Teilirian scheinbar der wenigst romantische. Schlank, dunkel gekleidet, hohe, schmale, feingewölbte Schädelbildung des Intellektuellen. Unter dem kleinen Schnurrbärtchen ein willensschwaches Kinn. Sonderbar nur die Augen unter dem halbmondförmigen dichten Brauen der leidenschaftsfähige, aber auch der verschlagene Orientale. Der dunkelhäutige Dolmetscher überträgt gewandt die Aussage Teilirians. Er erzählt die unsäglichen Leiden der Familie des Angeschuldigten. Mit Eltern, Geschwistern 36

37 und tausenden anderen Volksgenossen vom Heimatherde vertrieben die nächsten Angehörigen vor seinen Augen vergewaltigt, erschlagen. Man fragt ihn nach Einzelheiten. Teilirian hebt die schmale Hand an die weiße Stirn er will nicht an jene Tage des Grauens erinnert werden. Es bedarf einiger Ausführlichkeit, um ihn von der Notwendigkeit genauer Schilderung zu überzeugen. Ob er sich im Sinne des Eröffnungsbeschlusses der überlegten Handlung schuldig fühle? Nein mein Gewissen ist rein. Aber Sie waren doch in die Hardenbergstraße gezogen, um Talaat Pascha nahe zu sein. Ich habe ihn getötet. Für ihn steht das moralische Recht zur Tötung des Mannes, den er für das Unglück seines Volkes verantwortlich macht, fest. Er wiederholt auch heute vor Gericht, daß er sich von seiner Tat befriedigt fühle, die ihm von der im Traum erschienen Mutter anbefohlen war. Nun wird auch traumhaftes Geschehen vor diesem Gericht zu deuten sein. Teilirian ist Epileptiker, die medizinischen Sachverständigen stehen vor Grenzfragen ihrer Kunst. Staatsrechtliche Fragen spielen hinein, und zwischen den Anwälten Dr. v. Gordon und Dr. Werthauer sitzt als dritter Verteidiger (ein seltener Fall) der berühmte Staatsrechtler Niemeyer aus Kiel. Die Tat selbst erfordert nur kurze Feststellungen. Unter den Zeugen taucht für Augenblicke die Witwe des Ermordeten auf die zierliche, jugendliche Gestalt in einem seidenen Trauergewand, das nicht ganz aus der europäischen Mode zu erklären ist, - frei komponiert nach orientalischen Motiven. Indessen der Gerichtshof verzichtet auf ihre Vernehmung. Sie versteht auch kein Wort Deutsch. Und so geht sie, ohne recht zu wissen, warum man gerade sie nicht hören wollte. Verhandlungsbericht Den Vorsitz in der heutigen Verhandlung führt Landgerichtsdirektor Dr. Lehmberg. Die Anklage wird von Staatsanw.-Rat Dr. Gollnick vertreten, die Verteidigung liegt in den Händen der Rechtsanwälte geh. Justizrat Dr. von Gordon, Justizrat Dr. Werthauer und des bekannten Staatsrechtslehrers Prof. Dr. Niemeyer=Kiel. Da der Angeklagte der deutschen Sprache nicht mächtig ist, sind zwei Dolmetscher der armenischen und der französischen Sprache geladen. Unter den zahlreichen von der Anklage und der Verteidigung geladenen Zeugen befindet sich die Witwe des Ermordeten, Frau Talaat Pascha, General Liman von Sanders, Lektor Hahn=Charlottenburg. Als Sachverständige sind anwesend Geh. Sanitätsrat Dr. Schmielinkin=Charlottenburg, Prof. Dr. Cassirer, Prof Forster, Geh. Rat Prof Liepmann, Medizinalrat Dr. Störmer, prakt. Arzt Dr. med. Schloß, Kaufmann Bahen, Hofbüchsenmacher Barella. Der jetzt 24 Jahre alte Angeklagte ist in Pakaritsch in der Türkei geboren und hat von früher Jugend an Erzinzirn in Türkisch-Armenien gelebt. Auf Befragen des Vorsitzenden schildert er zur Vorgeschichte der Tat ausführlich die türkischen Greuel in Armenien. Im Jahre 1915 sei die armenische Bevölkerung seines Heimatlandes durch die Nachricht in die höchste Erregung versetzt worden, daß die türkische Regierung gewaltsame Maßregeln gegen die Armenier ergreifen werde. Er war damals 18 Jahre alt. Es sei plötzlich das Gerücht gekommen, daß die Schulen geschlossen und die angesehensten Personen der Stadt weggebracht werden würden. Das sei dann auch geschehen; die Bevölkerung sei in Kolonnen unter Führung von Gendarmen und Soldaten, denen sich zahlreicher Pöbel angeschlossen habe, weggeschleppt worden, nachdem man den Leuten ihr Geld und ihre 37

38 Habe weggenommen habe. Es sei dann ein Massaker veranstaltet worden, dem auch seine Eltern und Geschwister zum Opfer gefallen seien. Er selbst habe, nachdem seinem jüngsten Bruder mit einem Beil der Schädel gespalten worden sei, einen Schlag auf den Kopf erhalten, so daß er bewußtlos zu Boden stürzte. Nach seiner Meinung sei er erst nach zwei Tagen wieder zu sch gekommen. Die Leiche seines ältesten Bruders habe auf ihm gelegen. Die Irrfahrten des Angeklagten Auf weitere Fragen des Vorsitzenden erklärt der Angeklagte durch Vermittlung des Dolmetschers: Seit jenem Tage habe er weder Eltern noch Geschwister wiedergesehen und auch bis heute noch keine Spur von ihnen wiedergefunden. Er sei dann in das nächste Dorf gewandert, wo ihn eine zum Stamme der Kurden gehörende alte Frau beherbergte, bis seine Wunden geheilt waren. Dann habe ihm die Frau bekundet, daß sie ihm nicht weitere Gastfreundschaft gewähren könne, da die Regierung es verboten habe, armenischen Flüchtlingen Obdach zu gewähren. Nachdem sie ihm, da seine eigenen Kleider blutbefleckt waren, alte kurdische Kleidung gegeben hatte, flüchtete er in die Wildnis und stieß in den Bergen auf zwei Leidensgenossen. Sie wären zu dreien dann des nachts marschiert, und am Tage hätten sie geschlafen, da sie nicht von den türkischen Gendarmen sehen lassen durften. Einer der Genossen sei gestorben, als er giftiges Gras gegessen hatte. Nach zweimonatiger Wanderung seien sie in dem Kaukasus auf russisches Gebiet gekommen und dort von russischen Gendarmen festgenommen worden. Der Angeklagte schildert dann sein weiteres, ruheloses Hin- und Herwandern in Persien und anderen Ländern. Als er gehört hat, daß seine Vaterstadt wieder befreit sei, sei er dorthin zurückgekehrt; habe aber nur noch zwei Familien der armenischen Bevölkerung vorgefunden. Als er sein völlig verwaistes und verödetes Vaterhaus betreten, sei er ohnmächtig zusammengesunken und habe sei[t]dem mehrfach solche Anfälle gehabt. Von seinen Eltern wußte er, daß sein Vater etwas Geld in der Erde vergraben hatte, er habe danach gefahndet und auch 4800 türkische Pfund ausgraben können. Er sei dann nach Tiflis gegangen, habe dort Russisch gelernt, nach zweijährigem Aufenthalt daselbst sei er Anfang Februar 1919 nach Konstantinopel gegangen, wo inzwischen ein völliger Umschwung stattgefunden hatte. Der Angeklagte ist dann nach Saloniki und von dort aus nach Paris gegangen. Auf Befragen nach dem Grunde dieses Hin- und Herreisens erklärte er, daß er studieren wollte. Die Armenier haben Talaat Pascha für den Urheber und Verantwortlichen für die Massakers angesehen und allgemein sei die Empörung gegen diesen Mann gewesen. Schon damals sei ihm der Gedanke gekommen, Rache für die an seiner Familie begangenen Verbrechen zu nehmen Geh. Rat Prof. Dr. Niemeyer: Ist dem Angeklagten bekannt, daß Talaat Pascha vom Kriegsgericht in Konstantinopel wegen der armenischen Greuel zum Tode verurteilt worden ist? Prof. Dr. Niemeyer bittet den Angeklagten gleichzeitig zu fragen, ob er weiß, daß die Armenire im Jahre 1908 die Revolution gemeinschaftlich mit den Jungtürken unternommen hatten und daß man insbesondere auf Talaat Pascha und Enver Pascha große Hoffnung gesetzt hatte. Später habe es sich gezeigt, daß die Jungtürken es noch schlimmer trieben wie der Sultan Abdul Hamid. Der Angeklagte erklärt, daß er von der Verurteilung Talaats gehört habe. Später habe man ihm auch erzählt, daß unter dem armenischen Volk nach den im Jahre 1904 erfolgten Massakern, denen zirka Armenier zum Opfer gefallen waren, über die Jungtürken große Enttäuschung entstanden sei. 38

39 Der Angeklagte ist, wie er weiter angibt, zunächst auf Grund eines vom persischen Generalkonsul in Paris ausgestellten Passierscheins am 21. November 1920 von paris nach Genf gegangen, erhielt am 29. November 1929 vom deutschen Konsulat die Genehmigung zur Reise nach Berlin und hier nahm er zunächst im Tiergarten-Hotel Wohnung. Am 8. Dezember erteilte ihm die Charlottenburger Polizei widerruflich die Aufenthaltsgenehmigung. Dann mietete er in der Augsburger Straße 51 ein möbliertes Zimmer. Anfang März zog er nach der Hardenbergstraße 37. In dem gegenüberliegenden Hause Hardenbergstraße 4 wohnte Talaat Pascha unter dem Namen Ali Saln Bei. Der Angeklagte hatte ihn zufällig einmal auf er Straße gesehen, seine Wohnung erkundet und dann das gegenüberliegende Zimmer gemietet, wo er Talaat Pascha beobachten konnte. Vorsitzender.: Wir kommen nun zu der Tat selbst. Herr Dolmetscher, veranlassen Sie den Angeklagten, sich ausführlich über die Tat selbst zu äußern. Teilirian erklärt folgendes: Ich ging in meinem Zimmer auf und ab und sah Talaat pascha aus dem hause kommen. Da hörte ich die Worte meiner Mutter und sah den Mann, der nicht nur das Blut meiner Mutter, sondern von anderen Armeniern auf sich geladen hatte. Ich stürzte auf meinen Koffer, holte die Pistole heraus und lief auf die Straße hinter Talaat Pascha her. Als ich dicht hinter ihm war, schoß ich ihm aus unmittelbarer Nähe in den Kopf. Talaat Pascha sank sofort tot zu Boden. Auf Fragen des Vorsitzenden erklärt der Angeklagte, daß er nicht wisse, daß er nach der Tat sofort weggelaufen und erst an er Ecke der Fasanenstraße festgenommen worden sei, nachdem er die Pistole weggeworfen hatte. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er nicht wisse, daß das deutsche Gesetz einen Mord verböte, erklärte der Angeklagte: Ich bin nicht als Mörder aufgetreten. Vors.: Existiert in Armenien die Blutrache? Angekl.:Nein. Geheimrat Prof. Niemeyer: Kann sich der Angeklagte erinnern, daß er bei seiner Festnahme gesagt hat: Ich nicht Deutscher, der da (auf die Leiche Talaat Paschas zeigend) auch nicht. Was haben Deutsche damit zu tun, Deutsche haben keine Arbeit damit! Staatsanwalt Gollnick weist darauf hin, daß das gegen Talaat Pascha gefällte Todesurteil von der neuen Regierung der Türkei ausgesprochen worden sei, als sich Konstantinopel unter der Drohung der englischen Schiffskanonen befand. Was unter diesen Verhältnissen von der Gültigkeit des Todesurteils zu halten sei, müsse dem Ermessen des Gerichts anheimgestellt werden. Ferner sei die Behauptung aufgetaucht, daß das angebliche Massaker nicht von den Türken, sondern von kurdischen Räuberbanden angerichtet worden sei. Es sollen dabei sogar türkische Gendarmen getötet worden sein. Der Angeklagte bestreitet dies auf das entschiedenste. Quelle : 2F%2Fzefys.staatsbibliothekberlin.de%2Foai%2F%3Ftx_zefysoai_pi1%255Bidentifier%255D%3Dace9c0fa dbea ab8f 39

40 Die Ermordung Talaat Paschas - Beginn der Beweisaufnahme - Vossische Zeitung Die Ermordung Talaat Paschas Der Beginn der Beweisaufnahme In dem Prozeß 23 gegen den Mörder des früheren türkischen Großwesirs Talaat Pascha, den armenischen Studenten Teilirian, werden nach Vernehmung des Angeklagten die Zeugen der Tat vernommen. Der Zeuge Jessen hat beobachtet, daß der Angeklagte, ohne ein Wort zu sagen, sich von hinten Talaat Pascha genähert und ihm eine Kugel in den Kopf geschossen hat. Nach der Tat hat der Angeklagte die Pistole fortgeworfen und ist geflohen. Auf der Polizeiwache hat der Angeklagte auf Befragen nach dem Grunde der Tat erklärt: Er Ausländer, ich Ausländer, das schadet nichts, das ist für Deutschland kein Schade. Mehrere Landsleute des Angeklagten, die als Zeugen vernommen werden, wissen von Anfällen zu erzählen, die der Angeklagte verschiedentlich erlitten hat. Andere Armenier bekunden Einzelheiten über die Massakres in Erzerum und in anderen Ortschaften Armeniens. Der Zeuge Effian erklärt auf Befragen eines Verteidigers, daß man in armenischen kreisen Talaat Pascha für die Massakres verantwortlich mache. Der Angeklagte habe niemals davon erzählt, daß er eines Tages unvermutet Talaat Pascha auf der Straße getroffen habe. Geheimer Justizrat Amtsgerichtsrat Schulze bekundet, daß der Angeklagte bei seiner ersten richterlichen Vernehmung gesagt habe, er habe schon nach dem Massakre 1915 den Entschluß gefaßt, Talaat zu töten. Der Angeklagte erinnert sich nicht, eine solche Aussage gemacht zu haben. Geheimrat Schultze sagt weiter aus, daß der Angeklagte keineswegs aufgeregt gewesen sei und ausdrücklich zugegeben habe, daß er sich gegenüber der Wohnung des Ermordeten eingemietet habe, um ihm besser auflauern zu können. Der Dolmetscher habe sich dahin geäußert, daß der Angeklagte in den Augen seiner Landsleute ein großer Mann sei, den sie alle bewunderten. 23 Das vollständige Gerichtsprotokoll: 1/das-gerichtsprotokoll/Gerichtsprotokoll_vom_2_und_3_Juni_1921.pdf?attredirects=0&d=1 40

41 Der als Zeuge vernommene Dolmetscher Kolusdian hat die Empfindung gehabt, als ob der Angeklagte über seine Tat sehr zufrieden war; er habe erklärt: Ich habe ihn getötet, ich habe ihn überlegt getötet. Frau Baschian 24 entrollt aus eigenen Erlebnissen ein erschütterndes Bild von den armenischen Greueln, die bei den Massendeportationen durch türkische Soldaten verübt worden sind. Sie erzählt entsetzliche Szenen, bei denen Armenier aneinandergebunden und ins Wasser geworfen worden seien; andere seien vor den Augen ihrer Frauen verstümmelt oder totgeschlagen worden. Professor Dr. Niemeyer bemerkt zu der Aussage dieser Zeugin, daß ihre Angaben viellecht etwas phantastisch klingen könnten; wenn aber irgendein Zweifel an der Richtigkeit ihrer Aussage vorhanden sein sollte, so könne er sagen, daß tausend solcher Berichte tatsächlich vorliegen. Es folgen nunmehr die Gutachten der beiden Sachverständigen Geheimrat Lepsius und General Liman von Sanders. Die Armenier-Massacres. Geheimrat Professor Dr. Lepsius äußert sich zur armenischen Frage. Vors.: Sind Greuel in großem Umfange vorgekommen und verdienen die Schilderungen der Zeugen und des Angeklagten Glauben? Prof. Dr. Lepsius: Die allgemeine Deportationsorder wurde im April 1915 vom jungtürkischen Komitee beschlossen und von Talaat als Minister des Inneren und Enver als Kriegsminister angeordnet. Die Deportation hat die gesamte armenische Bevölkerung der Türkei mit gewissen Ausnahmen betroffen. Vor dem Kriege gab es Armenier in der Türkei. Die Order ging dahin, die Armenier in den Nordrand der mesopotamischen Wüste zu deportieren. In einem amtlichen Telegramm heißt es: Das Verschickungsziel ist das Nichts. Das war auch der Sinn der Order. Und für diese Durchführung wurde gesorgt. Von der ostanatolischen armenischen Bevölkerung sind kaum 10 v. H. am Ziel angekommen. Die anderen Männer, Frauen und Kinder sind unterwegs durch Hunger, Krankheit, Massakres umgekommen. Diesen Feststellungen liegen die Berichte der deutschen Konsuln und des deutschen Botschafters zugrunde. Nach dem Urteil des Botschafters in Konstantinopel sind eine Million armenische Männer, Frauen und Kinder umgekommen. Günstiger lag es bei den aus Südanatolien, Cilicien deportierten Massen. Der Weg war kürzer, auch wurden zum Teil Bahnen benutzt. Diese Bevölkerung ist nur dezimiert worden. Die Armenier sind systematisch dem Tode entgegengeführt worden. Sobald die Konzentrationslager durch Zuzug überfüllt waren, wurden die Leute in die Wüste geführt und dort abgeschlachtet. Die Türken sagten, daß sie das Beispiel ausgeführt haben, das die Engländer in den Konzentrationslagern der Buren gezeigt haben. Es war keine Umsiedelung, sondern die offene Absicht, ein ganzes Volk zu vernichten. Nur mit den brutalsten Methoden konnte in so kurzer Zeit eine Million Menschen vernichtet werden. Das hat auch das Kriegsgericht, das 1919 Talaat, Enver und andere Jungtürken zum Tode verurteilte, festgestellt. Verschont blieben Armenier in Konstantinopel, Smyrna und Aleppo. Das ist das Verdienst von General v. Liman und des deutschen Konsuls von Aleppo, Roesler. Auch General a. D. Goltz verhinderte in Mossul die Verschickungen. 24 Tersibaschian 41

42 Die armenische Frage ist eine Folge des Gegensatzes der russischen und englischen Diplomatie wurden 50000, Armenier anläßlich der großen anatolischen Massakers getötet, ohne daß England oder Rußland einen Finger gerührt hätten. Die armenische Reformfrage hatte schon Sultan Abdul Hamid einen Verfolgungswahn gegen die Armenier eingeflößt. Auch 1913 war man auf jungtürkischer Seite über das Wiederauftauchen der Reformfrage derart aufgeregt, daß mir gegenüber eine maßgebende Stelle die Drohung äußerte: wenn das eintrete, werde etwas passieren, demgegenüber die Massakers Abdul Hamids ein Kinderspiel wären. Der Grund war, daß die Jungtürken befürchteten, daß die armenische Frage zur Aufteilung der Türkei führen könnte. Was nicht türkisch war, wollte man vernichten. Talaat als der stärkste Kopf des Jungtürkischen Komitees hatte sich für die Durchführung der Maßnahmen eingesetzt. Das Gutachten Liman von Sanders General Liman von Sanders fügt den Ausführungen des Prof. Lepsius noch einige Bemerkungen vom militärischen Gesichtspunkte hinzu. Alles was in Armenien geschehen sei, sei in zwei Teilen zu betrachten. Erstens bestand der Befehl der jungtürkischen Regierung in Bezug auf die Deportation der Armenier. Zweitens aber sind Kämpfe, die in Armenien stattgefunden haben, daraus entstanden, daß die Armenier sich ihrer Haut wehrten gegen die angedrohte Entwaffnung, der sie sich nicht fügen wollten und daraus, daß sie zugunsten der Russen gegen die Türken aufgetreten sind. Die jungtürkische Regierung hat die Deportation der Armenier verfügt auf Berichte der Zivil- und Militärbehörden hin. Betont muß werden, daß die Armeeführer und kommandierenden Generale im Kaukasus stets Türken waren; das muß betont werden, weil in der Oeffentlichkeit so viele falsche Behauptungen aufgestellt worden sind. Die türkischen Gendarmen waren vor dem Kriege recht gut, gewissermaßen eine Elitetruppe von Mann, nachher sind sie in die verschiedenen Truppenkörper verteilt worden. Die deutsche Regierung hat alles getan, was sie nach Lage der Dinge damals tun konnte. Sie hat in verschiedenen Fällen durch Vermittlung des Botschafters Grafen Metternich und des Markgrafen Pallavicini gegen Greuel energisch Stellung genommen. Kein deutscher Offizier ist jemals an einer solchen Maßregel gegen die Armenier beteiligt gewesen. Ich habe nie einen Befehl von Talaat erhalten, sondern nur einige kleinere von Enver, die nicht erfüllt werden konnten, weil sie vielfach unsinnig waren. In einem besonderen Falle bin ich ganz energisch gegen eine beabsichtigte Deportation eingeschritten. Es ist eine der größten Verleumdungen der ausländischen Presse, daß die deutschen Offiziere und auch die Beamten an irgendeiner solchen Greuelmaßregel sich beteiligt hätten. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Wieweit Talaat Pascha persönlich an den Verordnungen über die Deportationen beteiligt war, kann ich nicht sagen, sie sind von dem Komitee geschaffen und vom Ministerrat angeordnet. Die Durchführung lag in den Händen der Wals und der entsetzlichen Gendarmen. Die Schilderungen über die Greueltaten gegen die Armenier werden durch den katholischen Bischofsvertreter Monsignore Krikoris Balakian, der aus Manchester direkt zum Termin gekommen ist, in gebrochenem Deutsch in ausgiebigster Weise vermehrt. Der Zeuge hat sich mehrfach in Armenien aufgehalten, auch im Jahre 1915 und Er ist selbst deportiert worden und hat die fürchterlichsten Scheußlichkeiten erlebt und weiß, daß ein ganzes Vernichtungsprogramm gegen Armenien bestand und direkt Befehle gegeben wurden, ungezählte Männer, Frauen und Kinder zu töten. Auf Befragen der Verteidiger bestätigt der Zeuge, daß nicht nur in Armenien allgemein die Ueberzeugung herrscht, daß 42

43 Talaat Pascha der Verantwortliche für die Greuel war und von ihm die Bemerkung gefallen sei: Ich habe für die Lösung der armenischen Frage mehr getan als Abdul Hamid in 30 Jahren. Auf die von Geh. Justizrat Dr. v. Gordon und Justizrat Dr. Werthauer beantragte Vorlesung einiger Depeschen von Talaat Pascha wird verzichtet. Die medizinischen Sachverständigen Es folgen dann die Gutachten der medizinischen Sachverständigen über den Geisteszustand des Angeklagten. Medizinalrat Dr. Störmer hat keinen Zweifel daran, daß der Angeklagte ein Epileptiker ist. Dies müsse bei der Beurteilung seiner Tat ins Gewicht fallen. Er könne aber nicht sagen, daß 51 St.G.B. anwendbar sei; der Angeklagte befand sich bei der Begehung der Tat nicht in einem epileptischen Zwangszustande, die freie Willensbestimmung war nicht ausgeschlossen. Prof. Liepmann schließt sich im Allgemeinen diesem Gutachten an. Die schauerlichen Erlebnisse des Angeklagten mit ihren schweren seelischen Erschütterungen haben den Angeklagten in einen Zustand der Affekt-Epilepsie gebracht, der ihn anders zu beurteilen zwingt als andere Menschen. In Uebereinstimmung mit diesem Sachverständigen neigt Prof. Dr. Cassirer der Ansicht zu, daß es sich bei dem Angeklagten um Anfälle handelt, die mit seinem ganzen Seelenleben in engster Verbindung stehen. Er sei durch die gräßlichen Erlebnisse ein schwerer Psychopath geworden; denn er habe die schwersten seelischen Erschütterungen durchgemacht, die für einen Menschen nur denkbar seien. Prof. Dr. Forster kommt zu dem Schluß, daß er der persönlichen Ansicht zuneige, daß auf den Angeklagten der 51 St.G.B. anwendbar sei. Zu der letzteren Ansicht kommt auch der letzte Sachverständige Dr. med. Haake. Hierauf wird die Verhandlung um 6 ½ Uhr auf heute vormittag 9 Uhr vertagt. Quelle: F%2Fzefys.staatsbibliothek- berlin.de%2foai%2f%3ftx_zefysoai_pi1%255bidentifier%255d%3d d-f1e6-4e01-88a4-3944edb6d8af 43

44 MOTHER'S GHOST ORDERED HIM TO KILL - The New York Times SAYS MOTHER'S GHOST ORDERED HIM TO KILL Armenian on Trial in Berlin for Murder of Talaat Pasha Reveals Vision. TELLS OF TURKS' BUTCHERY Case Regarded as One Against German Rule in Near East-- Liman von Sanders Attends. Copyright, 1921, by The New York Times Company. Special Cable to THE NEW YORK TIMES. BERLIN, June 2.--"I am not guilty because my conscience is clean. A fortright before this deed the scenes of the massacre of Erzerum reappeared to me. I saw my mother, brother and ravished sisters lying as corpses. Suddenly the dead body of my mother stood up, placed itself before me and said: 'You know that Talaat Pasha is here. You are utterly indifferent. You are therefore not my son. I then became suddenly awake and reached a decision to kill Talaat. That was the dramatic defense today of Salomon Teilirian, 24 an undersized, swarthily palefaced Armenian, at his trial for the shooting and killing of the Young Turk leader, Talaat Pasha, in March of last year in thronged Hardenberg Street, the fashionable West End section. There Talaat, a refugee and condemned to death as a Turkish war criminal, lived incognito as plain Herr Ali Saly Bei. Berlin s most picturesque and most sensational criminal trial in years is in reality the case of the massacred Armenian people versus the Turkish and German war leaders who perpetrated, ordered and condoned the many massacres. Berlin s most famous criminal lawyers are defending the young Armenian murderer and with them is associated one of the foremost German international law authorities, Privy Councillor Niemeyer, of Kiel. The damning German angle to the Turkish war atrocities in Armenia was patent to all present, but counsel for the defense 44

45 announced they would do everything possible to protect Germany s legitimate interests. The defense of Teilirian is that he acted in a brainstorm. Witnesses summoned included General Liman von Sanders, German Commander in Chief in the late Turkish Empire. Talaat s attractive young Turkish widow, fashionably attired in modern black silk mourning, was also present. A half dozen professional German alienists completes the picture. As Teilirian was narrating, through an Armenian interpreter, the Turkish atrocities in Armenia, his Oriental temperament got the better of him and he shrieked, Rather will I die than again live through the black days when my mother and sisters were outraged and murdered and my father and brother were butchered. I won t discuss it further. Finally persuaded by the presiding German Judge the accused told the following story: In 1915 the Armenian populace of Erzerum was suddenly alarmed by the news that the Turkish Government planned violent measures. Shortly afterward the populace was herded together and driven off in columns under the conduct of Turkish soldiers. After being robbed of their money and belongings the massacre, in which my family were victims, took placed. After I had seen my brother s skull split, I was hit on the head and lay unconscious probably one or two days. In an neighboring village an aged Kurdish woman gave me some food and old Kurdish clothes in exchange for my blood-covered Armenian garments, but she feared to conceal me any longer. After two months of wandering I reached Russian territory in the Caucasus. I wandered about in Russia and Persia until I heard of my home town being freed again. I returned there and found only two Armenian families still living. My paternal house was deserted and devastated. I knew my father had buried some gold in the ground so I searched and found 4800 Turkish pounds. Then I went to Tiflis and remained there two years until the beginning of I went then to Constantinople, then to Saloniki and to Serbia, back to Saloniki and then to Paris, where the Persian Consul gave me a pass to Geneva where the German Consulate gave me a vise to Berlin. I accidentally recognized Talaat on the street, found out where he lived, rented a room in a house opposite and then observed him. Then followed his dramatic story of his murdered mother s ghost inspiring the shooting. The paintaking German Justice must now decide whether Teilirian made his long odyssey from Armenia to Berlin with intent to kill Talaat. Quelle: 639EDE&scp=4&sq=talaat&st=p 45

46 Die Ermordung Talaat Paschas Die Plaidoyers - Vossische Zeitung Die Ermordung Talaat Paschas Die Plaidoyers. Sofort nach der Eröffnung der heutigen Sitzung verliest der Vorsitzende des Schwurgerichts, Landgerichtsdirektor Dr. Lehmberg, die Schuldfragen. Den Geschworenen werden drei Fragen vorgelegt: nach Mord, nach Totschlag und für den Fall der Bejahung der Frage nach Totschlag die Unterfrage nach mildernden Umständen. Dan nimmt Erster Staatsanwalt Dr. Gollnick das Wort zur Schuldfrage. Er führt aus, daß nicht die juristische Seite dieser Strafsache es sei, die ihr die Bedeutung verliehen und die Aufmerksamkeit des In- und Auslandes erregt hat. Die Tat hat ein außergewöhnliches psychologisches Interesse und ihre Motive gehen auf die Wirren des Weltkrieges zurück. Es ist ein Mann zu Tode gebracht worden, der als ein treuer Verbündetet des deutschen Volkes in der Geschichte verzeichnet stehen wird. Der Angeklagte hat die Tat ruhigen Blutes vollführt, er hat gut gezielt, so daß sein Opfer sofort tot zu Boden stürzte. Es ist kein Zweifel, daß er die Tat gewollt hat. Er hat sich also nach dem deutschen Gesetze strafbar gemacht, denn es ist gleichgültig, ob die Tat von einem Deutschen oder von einem Ausländer begangen ist. Der Umstand. Aß es sich um zwei Ausländer handelt, ist also in strafrechtlicher Beziehung gleichgültig. Es handelt sich hier zweifellos um eine politische Straftat, der Angeklagte hat sie verübt aus politischem Haß und politischer Rachsucht. Es ist zweifellos, daß entsetzliche Taten und ruchlose Verbrechen an dem armenischen Volk verübt worden sind; zweifellos hat der Angeklagte und seine ganze Familie Entsetzliches erlebt. Da ist der Gedanke der Rache in ihm erwachsen. Die Beweisaufnahme hat sich auch erstreckt auf die Frage, ob Talaat Pascha wirklich der moralische Urheber ist, wenn es auch zur Beurteilung der Tat selbst ganz gleichgültig ist. Es wäre ein Leichtes gewesen, zahlreiche Personen vorzuführen, die in der Türkei gelebt haben und ganz anderer Ansicht sind. So interessant die Ausführungen des Professor Dr. Lepsius waren, so haben sie doch den Fehler der zu großen Systematik und daß sie geschöpft sind aus späteren Berichten. Größere Bedeutungen haben die Bekundungen des Generals Liman v. Sanders, der im 46

47 Lande dort in hervorragender Stellung gelebt hat und zu dem Schluß gekommen ist, daß von den aus dem Verhalten der Armenier selbst erklärlichen Anordnungen der Regierung die Art der Ausführung dieser Maßregeln durch die aus bedenklichen Elementen zusammengesetzte Gendarmerie und ein mordgieriges Gesindel zu trennen sei. Es ist also nicht berechtigt, zu sagen, daß Talaat Pascha persönlich und moralisch verantwortlich für die Untaten ist. Die Tat des Angeklagten ist keinen unedlen Motiven entsprungen und menschlich verständlich. Der Staatsanwalt sucht dann nachzuweisen, daß der Angeklagte vor und nach der Tat sich kaltblütig und besonnen benommen hat; er hat die Tat mit Ueberlegung ausgeführt, und es fragt sich nur, ob er im Besitze seiner freien Willensbestimmung war. Einheitliche Aeußerungen der Sachverständigen liegen hierüber leider nicht vor. Drei von ihnen haben die Anwendbarkeit des 51 verneint, zwei andere haben sie bejaht. Die Geschworenen werden sich deshalb selbst ein Urteil darüber bilden, den ersten drei Gutachten folgen müssen. Das kommende Strafgesetzbuch sieht für den Mord die Todesstrafe vor, aber es gewährt die Zubilligung mildernder Umstände, so daß event. auf eine Freiheitsstrafe erkannt werden. Das bestehende Strafgesetzbuch kennt solch mildernden Umstände bei Mord nicht. Ich beantrage den Schuldigspruch wegen Mordes. Man muß sich doch auch das Opfer der Tat ansehen. Es ist ein Mann aus dem Leben geschieden, in der Vollkraft seines Alters, dessen Tod betrauert wird von der Witwe und den Angehörigen, ein Mann, der bei seinen Volks- und Glaubensgenossen in dem Rufe eines guten Patrioten und ehrlichen Mannes gestanden hat. Ich beantrage nach alledem den Angeklagten des Mordes schuldig zu sprechen und d[as] Weitere der Gnadeninstanz zu überlassen. Es folgen die Plaidoyers der Verteidiger. Als erster Verteidiger nahm Geheimer Justizrat Dr. v. Gordon das Wort. Er widersprach den Ausführungen des Staatsanwaltes über die Persönlichkeit Talaat Paschas und betonte, daß der Angeklagte nicht auf den Weg der Gnade verwiesen werden wolle; er wolle lediglich sein Recht. Der Verteidiger schildert dann in längeren Darlegungen das Schicksal, von dem der Angeklagte und seine Familie betroffen worden sei. Nach ausführlicher Erläuterung der Tat, der Vorbereitung der Tat und des Seelenzustandes des Angeklagten kommt Dr. v. Gordon zu dem Schluß, daß die Tat nicht mit Ueberlegung ausgeführt sei. Der Angeklagte müsse freigesprochen werden, da nach dem Gutachten der Sachverständigen mindestens begründete Zweifel an der freien Willensbestimmung des Angeklagten bei Begehung der Tat vorhanden sind. Zu dem gleichen Resultat kommt Justizrat Dr. Werthauer auf Grund längerer juristischphilosophischer Darlegungen, in denen er u. a. ausführt, daß der Angeklagte in seinen etwas primitiven Rechtsanschauungen sich gewissermaßen als Rächer des armenischen Volkes gefühlt und sich vielleicht für befugt gehalten habe, das gegen Talaat Pascha wegen der armenischen Greuel und anderer Verbrechen ergangene Todesurteil zu vollstrecken. Auch Dr. Werthauer weist auf die bekannte Reichsgerichtsentscheidung hin, nach welcher schon Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit eines Angeklagten dessen Freisprechung bedinge. Universitätsprofessor Dr. Niemeyer = Kiel, der bekannte Staatsrechtslehrer, schildert die religiösen und rechtlichen Anschauungen des armenischen Volkes und die Empfindungen, welche der Angeklagte, der in diesen Anschauungen erzogen worden sei, gehabt haben mag, als er die Tat verübte. Für den Angeklagten sei rechtliche und sittliche Richtigkeit gleich. Der Angeklagte sei unschuldig vor sich selbst und auch unschuldig vor dem Gesetz, da die Tat der Ausbruch eines krankhaften Triebes sei. Ein Freispruch mache die Eltern und Geschwister des Angeklagten nicht wieder gesund, aber ein Freispruch gebe dem Angeklagten das, was jeder Mensch zu verlangen habe, nämlich Gerechtigkeit. 47

48 Nach einer längeren Rechtsbelehrung durch Landgerichtsdirektor Dr. Lehmberg ziehen sich die Geschworenen zur Beratung zurück. Quelle: F%2Fzefys.staatsbibliothek- berlin.de%2foai%2f%3ftx_zefysoai_pi1%255bidentifier%255d%3dcd35eccb-fd a305-ccbe3b06bd43 48

49 ARMENIAN ACQUITTED FOR KILLING TALAAT - The New York Times ARMENIAN ACQUITTED FOR KILLING TALAAT Defense Introduces Accounts of Grand Vizier's Brutality in Conducting Massacres. BERLIN, June 3 (Associated Press). Salomon Teilirian, the Armenian student who in March last shot and killed Talaat Pasha, former Grand Vizier and Minister of Finance of Turkey, was acquitted in the Assize Court here today. Teilirian in his defense asserted that his mother, who was murdered in 1915 during the massacres in Armenia, had appeared before him in a vision and exhorted him to kill Talaat in revenge for the massacre of 100,000 Armenians. Talaat was killed in Charlottenburg, a suburb of Berlin. The Armenian accosted him in the street and shot him dead, also wounding Talaat s wife. Their destination is the void, Professor Lepsius, an Armenian leader, told the court today were Talaat Pasha s instruction when ordering the deportation of Armenians into the Mesopotamian desert. Professor Lepsius, in his testimony for the defense, unfolded a gruesome tale of how tens of thousands of the deportees either were massacred or succumbed to starvation and exhaustion. The Turkish gendarmes, Professor Lepsius asserted, frequently tied ten or twenty Armenians together and threw them into the water. Another witness testified that he had seen a telegram from Talaat to a high Turkish official, which said: Wire me how many are dead and how many still are alive. Five messages signed with Talaat s name were introduced in evidence, one of which contained orders to remove the children from orphanages in order to eliminate future danger from antagonist elements. Quelle: 285F9 49

50 Der Großkriegsverbrecher! - Vorwärts Der Großkriegsverbrecher! Der Prozeß gegen den Armenier Teilirian, der mit dem Freispruch des Angeklagten endete, war der erste wirkliche Kriegsverbrecherprozeß. Nur mit der einen Einschränkung, daß nicht der Kriegsverbrecher, sondern der Rächer unter Anklage stand. Aber in Wirklichkeit saß in diesen zwei Tagen auf der Anklagebank der blutbefleckte Schatten Talaat Paschas: nicht seine Hinrichtung durch eins der wenigen am Leben gebliebenen Opfer, sondern die entsetzlichen Armeniergreuel waren der wahre Gegenstand der Anklage. Jedenfalls verdient dieser Prozeß weit eher den Titel eines Kriegsverbrecherprozesses als alles, was bisher in Leipzig geschehen ist. Wir haben schon einmal darauf hingewiesen, daß man in Leipzig nur die Detaillisten des Kriegsverbrechens, die kleinen und kleinsten Folterknechte als Angeklagte sieht. Im Berliner Schwurgerichtsprozeß gegen Teilirian erwuchs dem deutschen Volk zum erstenmal das deutliche Bild des Großkriegsverbrechens. Hier handelt es sich nicht mehr um die Brutalität eines ob seiner Machtfülle größenwahnsinnig gewordenen Korporals, der schubst, pisakt, ohrfeigt und mit dem Gewehrkolben hantiert. hier stand ein ausgerottetes und niedergemetzeltes Volk aus seinen Gräbern auf, um laute Anklage gegen die Scheusäligkeit des Krieges, gegen die unerhörte Brutalität seines Henkers zu erheben. Quelle: Schaefgen, Schwieriges Erinnern: Der Völkermord an den Armeniern, S

51 Offener Brief an Professor Lepsius - Vossische Zeitung Offener Brief an Professor Lepsius. Von Schekib Arslan. Das Mitglied des früheren türkischen Parlaments, der Drusenfürst Schekib Arslan, sendet der Vossischen Zeitung die folgende Entgegnung zu den Ausführungen, die Professor Lepsius in einem Buche und vorgestern in seinem Gutachten im Prozeß gegen den Mörder Talaat Paschas über die Armeniergreuel der Türken und die Ursache der Verschickung der Armenier gemacht hat. D. Red. 25 Sehr geehrter Herr Lepsius! Gestatten Sie mir, daß ich noch jetzt auf Ihr im vorigen Jahre erschienenes Buch zurückkomme, in dem Sie zu beweisen trachten, daß die Deutschen entgegen den Anschuldigen der Entente an den Armeniergreuel unbeteiligt seien, ohne daß Sie jedoch den wahren Kern berühren: ob und bis zu welchem Grade auch auf armenischer Seite Veranlassung zu der Erregung der Türken gegeben war. Niemand hat mehr als ich gegen die Verschleppung der Armenier protestiert und die erforderlichen Schritte zu tun versucht, um sie nach Möglichkeit zu mildern. Ihr früherer Botschafter in Konstantinopel, Herr v. Kühlmann u. a. werden mir dies bezeugen können. Ich stimme indessen in diesem Punkte völlig mit Ihnen überein: Die Handlung war unmenschlich und unpolitisch zugleich. Mir persönlich geht die Menschlichkeit über alles und ich glaube, wie auch immer man denken mag, daß der Staat die beste Politik treibt, der die Menschlichkeit als höchstes Gebot betrachtet. In nachfolgenden Punkten jedoch gehen unsere Ansichten auseinander. 1. Sie haben von den armenischen Massakern Schilderungen entworfen, daß einem Haare vor Entsetzen zu Berge stehen, und haben sich Uebertreibungen zuschulden kommen lassen, die alle Beweisstücke, von denen Sie sprechen, seien es nun Eine Antwort von Lepsius auf diesen Brief hat die Vossische Zeitung verweigert. Siehe Martin Rades"Christliche Welt" und Armenien: Bausteine für eine... von Axel Meißner S

52 oder 4000, nicht bekräftigen können; denn Sie erwähnen auf der anderen Seite mit keinem Wort die von den Armeniern nachweislich verübten Schändlichkeiten: die Verwüstungen der türkischen und kurdischen Länder, an deren Folgen ganz Ostanatolien noch heute zu tragen hat. Sie leugnen unbedingt diese von den Armeniern begangenen Taten, während russische Generale und andere prominente Persönlichkeiten sie feierlichst zugegeben haben und offizielle Berichte russischer Kommandeure vorliegen, die die Provinzen von Van und Erzerum besetzt hielte, und unter deren Fahne die dort wohnenden 2. Sie geben zu, daß man bei den Armeniern Waffen gefunden hat, behaupten aber, daß diese ihnen von dem Komitee für Einheit und Fortschritt selbst gegeben worden seien, als sie gemeinsam für die türkische Verfassung kämpften. Nun, wenn die Muslime den Armeniern Waffen gaben, so taten sie es, weil sie sie als Brüder und unlöslich mit ihnen verbunden betrachteten. Man kann füglich nicht vorstellen, daß diese selben Menschen, nachdem sie ihr Vertrauen den Armeniern gegenüber dokumentiert hatten, grundlos darauf verfallen sollten, sie auszuweisen. Jeder objektiv Urteilende muß und zwar auf Grund Ihrer eigenen Angaben vielmehr schließen, daß die Anhänger der politischen Einheit zuerst mit den armenischen Mitbürgern Hand in Hand gehen wollten, ihr Benehmen gegen sie ändern. 3. Die Türkei hat verschiedentlich die Entente gebeten, eine Untersuchungskommission zu entsenden, die an Ort und Stelle prüfen konnte, was auf beiden Seiten gesündigt wurde. Es wäre dann festgestellt worden, daß die Armenier Verbrechen begangen haben, die denen der Türken und Kurden an Barbarei in nichts nachstehen. Die Entente hat jedoch dem Wunsche der Türkei nie Folge geleistet, und zwar, um einerseits die Türkei strafen zu können, sodann aber, um sich auf Kosten der Armenier Interessensphären zu sichern. Nur einmal hat Europa dem Wunsche der Türkei, eine gerichtliche Untersuchung einzuleiten, entsprochen und zwar in der Smyrnafrage, und in diesem Falle fiel die Untersuchung völlig zugunsten der Türken aus. Die interalliierte Mission stellte einmütig die unerhörten Verbrechen der Griechen fest und verlangten deren Deportation aus Smyrna. Wenn die Türken ein schlechtes Gewissen hätten und, wenn sie nicht davon überzeugt wären, daß eine Untersuchung die große Schuld der Armenier während des Krieges ans tageslicht bringen würde, so hätten sie nicht auf dieser Untersuchung bestanden. Sie haben angesichts der durch armenische Banden verübten, nicht wegzuleugnenden Greuel zu beweisen versucht, daß es sich hier um armenisch-russische Banden gehandelt habe, und daß die türkischen Armenier völlig schuldlos an diesen Greueln seien, die Sie kaum zugeben wollten. Nun erlauben sie mir, Ihnen zu erklären, daß Sie im Irrtum befangen sind; denn diese Banden setzen sich aus türkischen und russischen Armeniern zusammen, wobei Tausende von ersteren vertreten waren 4. Sie wollten die Armenier in ein besseres Licht setzen, als diese es eigentlich selbst tun. In Ihrer ganzen Arbeit verbreiten Sie sich darüber, daß die Armenier während des Weltkrieges sich der Türkei gegenüber durchaus loyal und korrekt verhalten hätten, daß diese Engel von Armeniern ruhig und friedfertig waren, um alsdann lediglich aus muselmanischem Fanatismus von den Türken verschleppt und massakriert zu werden. Das ist die Quintessenz von allem, was Sie sagen wollen. Nun die Armenier selbst haben bekannt, daß sie gleich zu Anfang des Krieges sich in Massen gegen die Türken empört und sich der mächtigen Entente angeschlossen haben. Nicht nur ihre Zeitungen sprechen davon, nicht nur ihre Redner erklärten es in Vorträgen, nein, sogar in den offiziellen armenischen Kundgebungen kann man es nachlesen. Nubar Pascha, der Leiter der armenischen Abordnung, schreibt es an den 52

53 Hohen rat, daß armenische Soldaten in den ersten Tagen des großen Krieges zu den Alliierten übergegangen sind. 5. Wenn Sie zu beweisen suchen, daß die Türken die armenischen Massaker bewußt, ohne irgendeine Veranlassung herbeigeführt haben, was sagen Sie dann zu der Tatsache, daß die Türken England vor dem Weltkriege gebeten hatten, die von Armeniern bewohnten östlichen Provinzen Anatoliens in Verwaltung zu nehmen und Sir Edward Grey seine ursprüngliche Zusage unter dem Vorwande zurückgezogen hat, daß Russland mit scheelen Blicken die Einsetzung englischerer Verwalter in Ostanatolien verfolge? Es liegt natürlich nicht in meiner Absicht, die ganze Armenierfrage hier aufzurollen, ich wollte nur in großen Zügen Ihre Behauptung widerlegen. Sollte es Ihnen jedoch an Einzelheiten zu tun sein, könnte man der Oeffentlichkeit die zahllosen Dokumente übergeben, die erdrückende Beweise darüber enthalten, daß die Armenier Rebellen waren, die sich durch fremde Elemente aufstacheln ließen. Zum Schluß, Herr Lepsius, möchte ich die Frage an Sie richten, wie Sie auf die Idee kommen, zu behaupten, daß die Abschlachtung der Christen eine dem Propheten wohlgefällige Tat sei? Denn so steht es wörtlich in Ihrem Buch! Mohammed sagt kurz vor seinem Tode zu seinen Schülern: Wenn einer von Euch einem Christen oder Juden etwas Böses tut, so werde ich am Tage des jüngsten Gerichts sein Gegner sein! Ich könnte Ihnen unzählige solcher Aussprüche des Propheten und Verse des Korans angeben, aber es würde zu weit führen, weitere hier zu zitieren. Quelle: 2F%2Fzefys.staatsbibliothek- berlin.de%2foai%2f%3ftx_zefysoai_pi1%255bidentifier%255d%3dfe872d6c-29e3-41d8-9a44-ccef49d

54 Der Freispruch Teilirians - Vossische Zeitung Der Freispruch Teilirians. Im größten Teil des gestrigen Abendblattes haben wir bereits das Urteil gegen den unter der Anklage des Mordes an Talaat Pascha angeklagten armenischen Studenten Teilirian mitgeteilt: Nach mehr als einstündiger Beratung gaben die Geschworenen ihren Wahrsprich auf Nichtschuldig ab, worauf die Freisprechung des Angeklagten erfolgte. Das Urteil wurde von den Anwesenden im Zuschauerraum mit minutenlangem Händeklatschen begrüßt. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Nach Schluß der Verhandlung drängten die vielen Landsleute des Angeklagten in dichten Scharen an ihn heran, um ihm mit dem überströmten südlichen Temperament die Hand zu drücken und ihre Freude über seine Freisprechung zu bekunden. Quelle: 2F%2Fzefys.staatsbibliothek- berlin.de%2foai%2f%3ftx_zefysoai_pi1%255bidentifier%255d%3dfe872d6c-29e3-41d8-9a44-ccef49d

55 Ein Zeugnis für Taaat Pascha - Deutsche Allgemeine Zeitung Ein Zeugnis für Talaat Pascha. Von Generalleutnant a. D. Bronsart v. Schellendorf ehemaligem Chef des Generalstabes des türkischen Feldheeres, zuletzt Kommandeur der Königl. preuß. 5. Inf.-Div. Im Prozeß Teilirian werden Zeugen vernommen, die entweder nichts zur Sache aussagen konnten, oder die die zu bezeugenden Geschichten nur "gehört" haben; Augenzeugen, die die Wahrheit gesehen haben, sind nicht vorgeladen worden. Warum hat man die deutschen Offiziere, die zur Zeit der Armeniergreuel auf dem Schauplatz dieser im Prozeß eine so entscheidende Rolle spielenden Begebenheiten dienstlich tätig waren, nicht vernommen? - Sie waren dem Gericht namhaft gemacht, hatten teilweise schon von Gericht die Aufforderung bekommen, sich als Zeugen bereit zu halten, und sind dann schließlich nicht berufen worden. Ich hole darum auf diesem Wege noch nachträglich die ohne meine Schuld versäumte Zeugenflicht nach, um der Wahrheit zu ihrem Recht zu verhelfen. Daß dies so spät geschieht, liegt daran, daß ich mir das Material erst nach und nach beschaffen konnte. Um die dem ermordeten Großwesir zur Last gelegten Armeniergreuel zu verstehen, ist es nötig, einen kurzen Rückblick zu tun. Armeniergreuel sind uralt! Sie geschahen immer wieder, seit Armenier und Kurden im Grenzgebiet Rußlands, Persiens und der Türkei dicht beieinander wohnen. Der Kurde ist Nomade und Viehbesitzer, der Armenier Ackerbauer, Handwerker oder Händler. Der Kurde hat keine Schulbildung, kennt Geld und Geldeswert nicht genau und weiß, daß Zinsennehmen durch den Koran verboten ist. Der Armenier nutzt als Händler die Unerfahrenheit des Kurden skrupellos aus und übervorteilt ihn. Der Kurde fühlt sich 55

56 betrogen, rächt sich an dem Wucherer und die "Armeniergreuel" sind fertig! Es muß ausdrücklich betont werden, daß Gegensätze in der Religion dabei niemals mitspielten. Der uralte Zwist bekam neue Nahrung, als die Armenier während des großen Krieges einen gefährlichen Aufstand in den östlichen Grenzprovinzen der Türkei unternahmen; ein besonderer Grund dazu lag nicht vor, den die von den "Mächten" der Türkei auferlegten Reformen begannen gerade zu wirken. Die Armenier hatten Sitz und Stimme in dem neuen Parlament, stellten sogar zeitweise den Minister des Auswärtigen. Sie hatten die gleichen sozialen und politischen Rechte wie die übrigen Völker des Staates. Die Ruhe in ihrem Lande wurde durch die von dem französischen General Baumann ausgebildete Gendarmerie aufrecht erhalten. Der Aufstand war von langer Hand vorbereitet, [wie die zahlreichen Funde an gedruckten Aufrufen, aufhetzenden Broschüren,] Waffen, Munition, Sprengstoffen usw. in allen von Armeniern bewohnten Gegenden beweisen; er war sicher von Rußland angestiftet, unterstützt und bezahlt. Eine armenische Verschwörung in Konstantinopel, die sich gegen hohe Staatsbeamte und Offiziere richtete, wurde rechtzeitig entdeckt. Da sich alle waffenfähigen Mohammedaner beim türkischen Heere befanden, war es den Armeniern leicht, unter der wehrlosen Bevölkerung eine entsetzliche Metzelei anzurichten; den sie beschränkten sich nicht etwa darauf, rein militärisch gegen die Flanke und gegen den Rücken der in der Front durch die Russen gebundenen türkischen Ostarmee zu wirken, sonder sie rotteten die muselmanische Bevölkerung in jenen Gegenden einfach aus. Sie begingen dabei Grausamkeiten, von denen ich als Augenzeuge wahrheitsgemäß bezeuge, daß sie schlimmer waren, als die den Türken später vorgeworfenen Armeniergreuel. Zunächst griff die Ostarmee ein, um ihre Verbindungen mit dem Hinterlande aufrecht zu erhalten; da sie aber alle Kräfte in der Front gegen die russische Überlegenheit brauchte, auch der Aufstand immer weiter, sogar in entfernteren Gegenden des türkischen Reiches, um sich griff, wurde die Gendarmerie zur Dämpfung des Aufstandes herangezogen. Sie unterstand, wie in jedem geordneten Staate, dem Ministerium des Inneren. Der Minister des Inneren war Talaat, und er mußte als solcher die nötigen Anweisungen geben. Eile tat not, denn die Armee war in ihren sehr empfindlichen rückwärtigen Verbindungen schwer bedroht, und die muselmanische Bevölkerung flüchtete zu Tausenden in Verzweiflung vor den Greueltaten der Armenier. In dieser kritischen Lage faßte das Gesamtministerium den schweren Entschluß, die Armenier für staatsgefährlich zu erklären und sie zunächst aus den Grenzgebieten zu entfernen. Sie sollten in eine vom Krieg unberührte, dünn besiedelte aber fruchtbare Gegend überführt werden, nach Nord- Mesopotamien. Der Minister des Inneren und die ihm unterstehende, von dem französischen General Baumann für ihren Beruf besonders ausgebildete Gendarmerie hatten lediglich diesen Entschluß auszuführen. Talaat war kein unzurechnungsfähiger, rachsüchtiger Mörder, sondern ein weitblickender Staatsmann. Er sah in den Armeniern die zwar jetzt von den Russen und den russisch- 56

57 armenischen Glaubensgenossen aufgehetzten, aber in ruhiger Zeiten doch sehr nützlichen Mitbürger, und hoffte, daß es ihnen, entfernt von russischen Einflüssen und kurdischen Streitereien, in den neuen fruchtbaren Wohnsitzen gelingen würde, diese zukunftsreiche Gegend durch Ihren Fleiß und ihre Intelligenz zu höher Blüte zu bringen. Talaat sah ferner voraus, daß die Ententepresse die Ausweisung der Armenier dazu benutzen würde, eine scheinheilige Propaganda gegen die "Christenverfolgungen" der Türken in Szene zu setzen und hätte schon deshalb gern jede Härte vermieden. Er hat Recht behalten! Die Propaganda setzte ein und hatte tatsächlich den Erfolg, daß überall im Auslande diese unglaubliche Dummheit geglaubt wurde. Christenverfolgung! Man bedenke; just in einem Lande, daß mit christlichen Großmächten eng verbündet, eine große Zahl christlicher Offiziere und Soldaten in seinem Heere als Mitkämpfer hatte. Ich komme nun zur Ausführung des Planes der armenischen Umsiedelung. In einem Lande von der Ausdehnung des türkischen Reiches, das aber so mangelhafte Verbindungen hat, befinden sich die Provinzen in einer mehr oder weniger großen Unabhängigkeit von der Zentralstelle. Die Gouverneure (Walis) haben mehr Gerechtsame als z.b. unsere Oberpräsidenten. Hierauf fußend, nehmen sie für sich in Abspruch, die Verhältnisse an Ort und Stelle oft richtiger beurteilen zu können als dies in Konstantinopel möglich war. Befehle des Ministeriums wurden daher gelegentlich anders ausgeführt, wie beabsichtigt. So ging es auf der Beamtenstufenleiter nach unten weiter, wo in vielen Fällen die Einsicht fehlte. Die ungewöhnlich schwierige Aufgabe, außer vielen Tausenden von muselmanischen Flüchtlingen auch ebenso viele Armenier auf die richtigen Marschstraßen zu leiten, sie zu ernähren und unterzubringen, überstieg die Kräfte der wenigen vorhandenen und noch dazu ungeschulten Beamten. Hier griff Talaat mit größter Tatkraft und allen Mitteln ein. Die von ihm erlassenen zweckmäßigen Anweisungen an die Walis und an die Gendarmerie müssen noch vorhanden sein. Zahlreiche Schreiben des Ministeriums des Innern an das Kriegsministerium, die mir durch meine Dienststellung bekannt wurden, verlangten dringend Hilfe von der Armee; sie wurde gewährt, soweit die Kriegslage es zuließ: Nahrungs- und Beförderungsmittel, Unterkunftsräume, Aerzte und Arzneimittel wurden zur Verfügung gestellt, obwohl die Armee selbst empfindlichen Mangel litt. Leider sind trotz aller Mühe, ihr Los zu erleichtern, Tausende von muselmanischen Flüchtlingen und armenischen Ausgesiedelten den Anstrengungen der Märsche erlegen. Hier liegt die Frage nahe, ob man solche Zustände nicht hätte voraussehen und die Umsiedelung unterlassen können. Abgesehen davon, daß die türkischen Flüchtlinge in ihrer berechtigten Angst vor den armenischen Schandtaten sich einfach nicht hätten aufhalten lassen, muß auch die Staatsnotwendigkeit der armenischen Abwanderung aus den Aufruhrgebieten bejaht werden! Die Folgen mußte man auf sich nehmen! Nehmen wir einmal unsere jetzigen Zustände in Deutschland. Wenn ein Ministerium sich fände und die Macht hätte, anzuordnen: "Alle polnischen Aufrührer werden aus Oberschlesien entfernt und in Gefangenenlager gebracht!" oder: "Alle gewalttätigen Kommunisten werden eingeschifft und an den Küsten Sowjet-Rußlands ausgebootet!", würde nicht ein Beifallssturm durch ganz Deutschland brausen? -- Vielleicht legen sich die Richter im Teilirian-Prozeß solche Fragen nachträglich vor Sie werden dann zu der harten Maßnahme der Armenier-Aussiedelung einen neuen Standpunkt gewinnen! Talaat hat sich der militärischen Forderung, an der Mittelmeerküste alle Griechen ausweisen zu lassen, widersetzt, denn dort wurde "nur Spionage" getrieben. Ein gefährlicher Aufruhr, wie in Armenien, erfolgte nicht, obwohl der Gedanke dazu nahe lag. Talaat war ein Staatsmann, aber kein Mörder! 57

58 Nun aber die Greuel, die absichtlich an den Armeniern begangen worden sind. Sie sind so vielfach bezeugt, daß an der Tatsache nicht zu zweifeln ist. Ich beginne mit den Kurden. Selbstverständlich benutzte dieser Volksstamm die seltene, vielleicht nie wiederkehrende Gelegenheit, die verhaßten Armenier, die noch dazu solche Schleußlichkeiten gegen Mohammedaner begangen hatten, bei ihrem Durchmarsch ausplündern und gegebenenfalls totzuschlagen. Der Leidenszug der Armenier führte viele Tage und Wochen lang durch Kurdistan! Es gab keinen anderen Weg nach Mesopotamien. Über das Verhalten der den armenischen Scharen Truppenweise beigegebenen türkischen Gendarmen lauten die Urteile verschieden. An manchen Stellen haben sie ihre Schützlinge gegen kurdische Banden tapfer verteidigt: an anderen Orten sollen sie geflohen sein. Es wird ihnen auch vorgeworfen, mit den Kurden gemeinsame Sache gemacht, oder auch allein die Armenier ausgeraubt und getötet zu haben; der Beweis, daß sie hierbei auf höheren Befehl gehandelt hätten, ist nicht erbracht worden. Talaat kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden; die Ereignisse spielten sich 2000 km von ihm entfernt ab, und die Gendarmerie hatte, wie bereits erwähnt, bis zum Ausbruch des Krieges eine lediglich französische Ausbildung erhalten. Es kann auch nicht geleugnet werden, daß türkische Offiziere sich an Armeniern bereichert und vergriffen haben, wo aber eine derartige Handlungsweise zur Kenntnis der Vorgesetzten kam, wurde sofort scharf eingegriffen. So ließ Wehib Pascha, Oberbefehlshaber der türkischen Ostarmee, zwei Offiziere aus solchem Grunde kriegsgerichtlich erschießen; Enver Pascha bestrafte den Gouverneur von Aleppo, einen türkischen General, der sich auf Kosten der Armenier bereichert hatte, mit sofortiger Dienstentlassung und langer Freiheitsstrafe. Ich denke, diese Beispiele genügen, um zu beweisen, daß man die Armeniergreuel nicht wollte! Aber es war Krieg, und die Sitten waren verwildert. Ich erinnere an die Grausamkeiten, die Franzosen an unseren Verwundeten und Gefangenen verübt haben. Hat das Ausland endlich diese Schandtaten erfahren? Außer dem ermordeten Großwesir ist, wie ich gehört habe, auch Enver Pascha vor dem deutschen Gericht angegriffen worden. Enver liebt sein Vaterland glühend; er ist ein ehrenhafter Soldat von großer Begabung und beispielloser Tapferkeit, deren Augenzeuge ich wiederholt war. Seiner Tatkraft allein ist die Neuschaffung des türkischen Feldheeres zu danken, das, von seinem Geist erfühlt, jahrelang gegen eine erdrückende Uebermacht kämpfe und heute noch für die Heimat kämpft! Kein deutscher Offizier ist berufener, über ihn und seinen Freund Talaat Pascha zu urteilen, wie ich, der ich von 1914 bis Ende 1917 als Chef des Generalstabes des türkischen Feldheeres in den engsten Beziehungen zu diesen beiden Männern stand. Talaat Pascha ist ein Opfer seiner Vaterlandsliebe geworden! Möge es Enver Pascha gelingen, wenn seine Zeit gekommen ist, sein Vaterland zu neuer Größe zu erheben! Daß diese beiden Männer mir in schwerer Zeit ihr volles Vertrauen, ich darf sagen, ihre Freundschaft, geschenkt haben, ist eine stolze Erinnerung für mich. Quelle: ets]=http%3a%2f%2fzbw.eu%2fbeta%2fp20%2fperson%2f31798%2fabout.de.xml 58

59 Zeitungsartikel Talaats Trauerfeier , Beisetzung , Überführung Türkei Trauerfeier für Talaat Pascha - Deutsche Allgemeine Zeitung Trauerfeier für Talaat Pascha. Wie uns von zuständiger Seite mitgeteilt wird, findet Sonnabend, den 19. März in aller Stille eine Trauerfeier für den dahingeschiedenen Großwesir Talaat Pascha statt. Der Trauerzug wird sich um ½ 12 Uhr vor dem Hause Hardenbergstr. 4 bilden, und nach dem Matthäikirchhof Bahnhof Großgörschenstr. Gehen, wo die Leiche bis zur Überführung nach Konstantinopel aufbewahrt werden wird. Quelle: 59

60 Die Trauerfeier für Talaat Pascha Vossische Zeitung Die Trauerfeier für Talaat Pascha. Heute vormittag um 11 Uhr fand die Trauerfeier für den ermordeten früheren türkischen Großwesir Talaat Pascha in der Wohnung Hardenbergstraße 4 statt. Unter den zahlreichen Trauergästen sah man Vertreter der ägyptischen, der indischen und der persischen Kolonie, den Vertreter der Republik Haidar Pascha und Mahmut Pascha, den früheren persischen Marine- und Arbeitsminister. Ferner waren erschienen Staatssekretär von Zimmermann, Staatssekretär von Kühlmann, General von Seeckt, Ministerialdirektor Goeppert, der Direktor der Deutschen Bank von Gwinner und Graf von der Schulenburg als Vertreter der Reichsregierung. Kränze hatte niedergelegt die ägyptische Kolonie, die Deutsche Bank von Konstantinopel, die indische Kolonie, die Disconto-Gesellschaft, die Dresdner Bank, die Orient-Bank A.G. und die deutsch-türkische Vereinigung. Nachdem der Geistliche der türkischen Botschaft Schakir Bei das Gebet für den Toten gesprochen hatte, wurde der Sarg aus der Wohnung auf die Straße geführt, und der Trauerzug setzte sich durch die Hardenbergstraße, Tauentzienstraße, Kleiststraße und Yorkstraße nach dem Matthäikirchhof in Schöneberg in Bewegung. Auf dem Friedhof hielt zunächst ein Freund des Verstorbenen, Dr. Tschempekaraman Pillay die Trauerrede. Er führte aus, wie Talaat sich bei allen seinen Regierungsmaßnahmen nur von dem Gedanken an das Gedeihen seines Landes habe leiten lassen. Das habe ihm natürlich auch Feinde eingetragen, Einem von ihnen sei er nun zum Opfer gefallen. Man habe Talaat, der die Gegensätze auszugleichen bemüht war, fälschlich für den Urheber blutiger Massakers gehalten; jeder, der den Charakter des ermordeten Großwesir näher gekannt haben mußte wissen, daß er solche Handlungen unfähig war. Der Tote ruht mumifiziert in einem Zinksarg, um später, wenn es die politische Lage gestattet, auf seinem Besitztum am Bosporus in heimatlicher Erde beigesetzt zu werden. Quelle: 60

61 Talaat Paschas Begräbnis - Deutsche Allgemeine Zeitung Talaat Paschas Begräbnis. Kränze, Tränen, Worte der Trauer schenkten die Menschen. Aber der Himmel schenkte einen blauesten und wie eigens zu den Trauerfeierlichkeiten geschaffenen Baldachin von orientalischer Reinheit. Schon gegen 10 Uhr morgens hielt eine kleine Menschenmenge das Haus Hardenbergstraße 4 umlagert. Man sah die fremdartigsten Kopfbedeckungen: Feze, Turbane, Kopftücher, Pelzmützen. Ueber die Menge, aus Autos und Wagen, ragten stelzbeinige Photographen- und Kinoaufnahmeapparate. Und eine Abteilung der "Grünen" sorgte für die Ordnung. In der Wohnung fand zuerst eine Zeremonie statt. Der Geistliche der türkischen Botschaft, Schükri Effendi sang seinen mohammedanischen Gebetsruf: "Allah Akbar!" Gott ist groß. Dann sprach er das Totengebet. Und es folgte die sonderbare Zeremonie des Totengerichts: "Der hier vor Euch liegt, Mehmed Talaat Pascha, war ein Mann von hohen Tugenden, ein Diener Gottes. Ist jemand unter Euch, der das Gegenteil weiß?" Und die Gemeinde der Betenden verneint es. Eine Verneinung folgt auf die andere. Groß und rein geht Mehmed Talaat aus dem Gericht hervor. Nun hält der Imam die Leichenpredigt. Frauen hört man schluchzen... Und dort steht, hoch aufgebahrt, zwischen grünen Büschen und bunten Kränzen, der Sarg, überzogen von einer roten Fahne. Auf dem Kopfende liegt der Fez, den der Tote im Leben trug. Und das rote Tuch und die Blumen leuchten in der Sonne... Um 11½ Uhr wurde der Sarg hinausgetragen. Und ein Stück bunten Orients wandelte feierlich durch die belebtesten Straßen des grauen Berlins. Voran die Sipo, bahnbrechend. Dann der Wagen mit den Kränzen. Dann etwa 100 bis 150 junge Studenten aus allen Nationen des Islam, Araber, Aegypter, Inder, Perser. Alle trugen sie den Einheits-Fez. Folgte der Totenwagen. Hinter ihm schritt der Imam, der Geistliche, im violetten Gewand, einen weißen Turban mit goldner Stirnbinde auf dem Kopf, die Brust reich mit Orden verziert. Und den Schluss des Zuges bildeten zwanzig einfache Türkenburschen in alten Uniformen, deutsche Soldatenmützen auf dem Ohr: Getreue Tataren islamitischen Glaubens. Über die Tauentzienstraße ging der Zug durch den Mittagsverkehr, nach dem Matthäi- Kirchhof. Dort traf der Zug gegen 1 Uhr ein. Die letzten Reste des großen Mannes wurden 61

62 nicht in die Erde gesenkt. Bis auf weiteres bleibt der Zinksarg mit der mumifizierten Leiche in der Leichenhalle des Friedhofs liegen und wartet, bis die Zeit gekommen ist, den Toten der heimatlichen Erde wiederzugeben. Oben, auf den Stufen des Totenhauses wurde der rot verhüllte Sarg mit dem Fez aufgestellt. Der Imam trat dahinter rief sein "Hallal etmek" Erkennt ihn als gerecht an! Die Gläubigen erwiderten im Chor. Und indes stampften hinter den Zypressen und knospenden Reisern des Friedhofs, in denen schon erste Vögel lärmten, die Eisenbahnzüge im nahen Bahnhof ein und aus. Und hoch in den Lüften surrten einige Flieger, gelockt durch das Frühlingswetter... Zwölf kurze Ansprachen wurden am Sarge gehalten. Da war die vornehme Gestalt Dr. Behaeddin Schakir Beys, die hinter dem Sarge auftauchte. Er war der Freund Talaats. Sein jungtürkischer Mitkämpfer. Er vermag kaum zu reden. Die Worte ersticken ihm im Halse. Und ihm schließen sich Mohammedaner aus allen Teilen des gewaltigen Orients an. Es ist, als ob der gesamte Orient seine Vertreter geschickt hätte, um auszurufen: "Wir treten für den Toten ein. Seine Sache war die unsere." Fast bekam dieser Kranz von Reden das Aussehen einer großen politischen Demonstration. Emir Schekib Aslan, ein Araber aus Beyrouth, sprach, ein russischer Mohammedaner aus Kazan sprach: Idris Bey. Der Dichter Abdul Kabir sprach, im schwarzen Kopftuch des Arabers. Ein düstere Türke sprach zwischendurch aufreizend, fanatisch, erhobt die geballte Faust - und verschiedene Anwesende hoben sie mit - zum Schwur: "Rache für den Toten!" Ein Inder mit weißem Turban, Dr. Pillay, sprach - im Namen aller unterdrückten Völker. Ein Aegypter, ein Kaukasier, ein Perser sprach. Und der Lektor am hiesigen Orientalischen Seminar, Mirza Hassan, ebenfalls ein Perser, zitierte in seiner Rede die Worte des persischen Philosophen Sahdi: Die Menschheit ist ein Körper. Wenn ein Glied schmerzt, leidet der ganze Körper." Mirza Hassan trat für die Unschuld Talaats an den Armeniergräueln ein. Von deutscher Seite sprach der ehemalige Generaldirektor der anatolischen Eisenbahn Günther: Die Mitwelt vermag den großen Mann noch nicht zu würdigen. Klio wird es tun mit ehernem Griffel. Wir deutschen tragen ein Denkmal an ihn in unserm Herzen", sagte der Redner, "das Denkmal der Lauterkeit seines Charakters." Und von dem Präsidenten der deutsch-türkischen Vereinigung, Dr. Jaegk, wurde ein Kranz niedergelegt: "Dem großen Staatsmann, dem treuen Freund", stand auf der Schleife. Und Dr. Jaegk sprach die Hoffnung aus, "Talaats Geist möge in den deutsch-türkischen Beziehungen ewig weiter leben." Nach den Ansprachen wurde der Sarg in die von Grün verzierten unterirdischen Räume der Leichenhalle geschafft und aufgebahrt. Und mit einem letzten Gebet des Imam schloss die Feier gegen 3 Uhr. Quelle: 62

63 Beisetzung Talaat Paschas - Frankfurter Zeitung Beisetzung Talaat Paschas (Privattelegramm der Frankfurter Zeitung.) Berlin, 10. Mai. Gestern vormittag wurden auf dem kleinen mohammedanischen Friedhof in der Hasenheide die sterblichen Ueberreste des früheren türkischen Ministers Talaat Pascha beigesetzt, der im März 1921 auf dem Kurfürstendamm in Berlin aus Blutrache der Revolverkugel eines armenischen Fanatikers zum Opfer gefallen war. Die Leiche, die damals nicht nach der Heimat übergeführt werden konnte, hatte in all den Jahren mumifiziert in einem Zinksarg im Keller der türkischen Botschaft geruht, zuletzt in der Leichenhalle des mohammedanischen Friedhofs. Bei der heutigen endgültigen Beisetzung, die ohne jede rituelle Handlung vor sich ging, waren ein Vertreter der türkischen Botschaft und Mitglieder der türkischen Kolonie erschienen. Gleichzeitig wurde der seinerzeit von einem unbekannten Mann in Berlin getötete Kriegsminister Baheddin Shakir Bey und noch ein zweiter hier verstorbener Türke beigesetzt. Quelle: 63

64 Überführung in die Türkei - Hamburger Fremdenblatt Frankfurter Zeitung Überführung in die Türkei Ep. Istanbul, 12. Dezember Die sterblichen Reste des letzten osmanischen Großwesirs Talt Pascha, der nach dem Waffenstillstand von 1918 in Berlin einem Attentat zum Opfer gefallen ist, sollen nun in die Türkei gebracht werden. Eine türkische delegation wird den Kondukt abholen. Nach der Überführung wird der Leichnam dieses aufrichtigen Freundes Deutschlands voraussichtlich in Istanbul auf dem Freiheitsplatz zwischen seinen Kameraden, den jungtürkischen Freiheitskämpfern, deren Führer er gewesen ist, seine letzte Ruhe finden. Quelle: 64

65 Ein grosser Patriot in heimatlicher Erde beigesetzt - Türkische Post (Istanbul) Ein grosser Patriot in heimatlicher Erde beigesetzt Staatsbegräbnis für Talât Paşa auf dem Hügel der ewigen Freiheit Unter großer Beteiligung der Bevölkerung fand gestern das Staatsbegräbnis für den aus Berlin überführten früheren Großwesir Talât Paşa auf dem Hügel der ewigen Freiheit statt. Schon gegen 12 Uhr hatte sich vor dem Sihhatyurdu in Nisantasi, wo der Sarg Talat Pasas aufgebahrt war, eine vieltausendköpfige Menschenmenge versammelt, um den in der Fremde gefallenen Führer der Jungtürken an seine letzte Ruhestätte zu begleiten. Gegen zwei Uhr wurde der mit einer türkischen Fahne bedeckte Sarg auf eine Lafette gehoben und der Zug bewegte sich nach Sisli zu. An der Spitze marschierte mit seiner Flagge ein Infanterieregiment mit gesenkten Gewehren. Es folgte eine Abteilung Polizei und die Regimentkapelle. Dann kam die unübersehbare Reihe der Blumenspenden mit dem prunkvollen Kranz der Republik, Ismet Inönü, sowie den Kränzen des Ministerpräsidenten Saracoglu, der Regierung, der Behörden, einzelner Berufsorganisationen und der persönlichen Freunde und Verehrer des verstorbenen. Ein von den Beamten der Postverwaltung im Gedenken an die Tätigkeit Talat Pasas als ehemaliger Postbeamter geschenkter großer Kranz fiel besonders auf. Dann folgte der auf der Lafette eines mit 6 Pferden bespannten Geschützes ruhende Sarg Talat Pasas und schließlich der an beiden Seiten vom Militär eskortierte zehntausendköpfige Zug der Begleiter, an dessen Spitze namens des Präsidenten der Republik der Generalsekretär des Präsidenten der Republik Kemal Gedelec, namens des Ministerpräsidenten Unterstaatssekretär Cemal Yesil, der Vali und Oberbürgermeister von Istanbul Dr. Kirdar, der Kommandant der Belagerungszone, General Sabit Noyan, der Vorsitzende der Volkspartei von Istanbul, Hayri Ürgüplü, der Kommandant von Istanbul, Izzet Aksalur und zahlreiche andere Persönlichkeiten schritten. Man erkannte darunter viele frühere Arbeitskameraden des Verstorbenen, u. a. den früheren Justizminister Necmeddin Kocatas. Man sah neben den höchsten Vertretern der Regierung und der Volkspartei auch die führenden Männer aus der Zeit der jungtürkischen Regierung, die in dem Schmerz um diesen großen Sohn der Türkei vereint dem einstigen Freiheitskämpfer die letzte Ehre erweisen wollten. Von der Deutschen Botschaft war Marineattache von der Marwitz erschienen. Unter den Klängen eines Trauermarsches bewegte sich der Zug über Sisli nach dem Hügel der ewigen Freiheit zu, wo der Sarg Talat Pasas am Westhang des Hügels feierlich beigesetzt wurde. Quelle: s]=http%3a%2f%2fzbw.eu%2fbeta%2fp20%2fperson%2f31798%2f0041%2fabout.de.x ml&l=0 65

66 Telegramm Franz von Papen an die Gattin des Großwesirs - Türkische Post (Istanbul) Telegramm von Papens an die Gattin des Großwesirs Ankara, 25. Febr. (A:A) Der deutsche Botschafter vom Papen sandte an die Gattin des Verstorbenen Talat Pasa in Istanbul- Sisli, Bayan Hayriye Hamdi Bafrali, folgendes Telegramm: An diesem Tage, an dem die sterbliche Hülle Talat Pasas nach dem heiligen Boden seiner von ihm so sehr geliebten Heimat zurückkehrt, sind meine Gedanken bei Ihnen, die Sie dem großen Staatsmanne, der ein großer Patriot und ein lieber Freund des deutschen Volkes war, lange Jahre hindurch Lebensgefährtin waren. Gleich ihnen empfinde auch ich eine tiefe Genugtuung darüber, daß der gemeinsame und unvergeßliche große Freund unserer beiden Völker von nun an neben seinen Vorfahren und Kampfkameraden auf dem türkischen Hügel der ewigen Freiheit ruhen wird. Franz von Papen Botschafter des Deutschen Reiches Quelle: s]=http%3a%2f%2fzbw.eu%2fbeta%2fp20%2fperson%2f31798%2f0041%2fabout.de.x ml&l=0 66

67 Talat Pasa ya Dair Hatirala - Yeni Istanbul s]=http%3a%2f%2fzbw.eu%2fbeta%2fp20%2fperson%2f31798%2f0042%2fabout.de.x ml&l=0 67

68 Talat Pasa - Yeni Istanbul Zum Vergrößern auf den unteren Link klicken: s]=http%3a%2f%2fzbw.eu%2fbeta%2fp20%2fperson%2f31798%2f0043%2fabout.de.x ml&l=0 68

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