Rückenschmerz und psychiatrische Erkrankung

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1 Rückenschmerz und psychiatrische Erkrankung Prof. Dr. Georg Juckel Tel.: 0234 /

2 Depression: Epidemiologie Infektion der unteren Atemwege 1 1 Ischämische Herzerkrankung Diarrhöische Erkrankungen 2 2 Unipolare schwere Depression Zustand während der Perinatalperiode Verkehrsunfälle Zerebrovaskuläre Erkrankung Unipolare schwere Depression 4 5 Chronisch obstruktive Ischämische Herzerkrankung 5 Lungenerkrankung Zerebrovaskuläre Erkrankung 6 6 Infektion der unteren Atemwege Tuberkulose 7 7 Tuberkulose Masern 8 8 Krieg Verkehrsunfälle 9 9 Diarrhöische Erkrankungen Kongenitale Anomalien HIV Murray & Lopez 1996 WHO Global Burden of Disease Study

3 Depression: Epidemiologie Ersterkrankungsgipfel zwischen 30. und 40 Lj. Frauen : Männer = 2 : 1 hohe Mortalität (Suizidrate %) jährliche Kosten von mind. 1,3 Mrd. Euro für BRD

4 Depression: Symptomatik Hauptsymptome Somatische Symptome gedrückte Stimmung Freud- und Interessenverlust verminderter Antrieb Zusatzsymptome Konzentrationsstörungen vermindertes Selbstwertgefühl Schuldgefühl, Wertlosigkeitsgefühl negative Zukunftsperspektiven Suizidgedanken Schlafstörungen verminderter Appetit morgendliches Früherwachen Morgentief psychomotorische Hemmung oder Agitiertheit deutlicher Appetitverlust Gewichtsverlust deutlicher Libidoverlust SCHMERZEN/Brennen in Brust Schweregrade: leicht: 2 Hauptsymptome + 2 Zusatzsymptome mittel: 2 Hauptsymptome Zusatzsymptome schwer: 3 Hauptsymptome + 4 Zusatzsymptome Dauer > 2 Wochen

5 Schmerz und Depression psychischer Schmerz synonym zu depressiver Gemütszustand (Griesinger, ) Anaesthesia psychica dolorosa (von Kraft-Ebing, 1887) Melancholia hyperalgetica (Groen, 1984) larvierte / maskierte Depression (Walcher, 1969) die endogene Depression ist hinter der Larve körperlicher Symptome verborgen (Huber, 1987)

6 Schmerz und Depression: primäre und sekundäre/reaktive Komorbidität 25% d.f. mit majorer Depression Schmerz Depression 50% d.f. mit chron. Schmerzsyndrom Katona et al. (2005) Clin Med Fishbain et al. (1997) Clin J Pain

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10 Serotonin und Noradrenalin: Modulation von Stimmung und Schmerzwahrnehmung Basal Ganglia Limbic System Prefrontal Cortex Midbrain Pons Medulla Periaqueductal Gray Matter Locus Coeruleus Nucleus Raphe Magnus Afferent Connections NE Descending Pathway 5-HT Descending Pathway Dorsal Horn

11 Schmerz und Depression akuter Schmerz akuter Stress Sympathikus Hypothalamus Hypophyse CRH ACTH Nebennierenmark Nebennierenrinde Adrenalin & Noradrenalin Glukokortikoide metabolische Effekte stressassoziiertes Verhalten

12 Schmerz und Depression akuter Schmerz akuter Stress Hypothalamus negatives Feedback Hypophyse Nebennierenrinde CRH ACTH Glukokortikoide

13 Schmerz und Depression chronischer Schmerz chronischer Stress Hypothalamus negatives Feedback Hypophyse Nebennierenrinde CRH ACTH Glukokortikoide

14 Schmerz und Depression chronischer Schmerz chronischer Stress Impulsrate monoaminerger Neurone Depression Hypothalamus Hypophyse Nebennierenrinde Glukokortikoide CRH ACTH

15 Schmerz und Antidepressiva chronischer Schmerz chronischer Stress Impulsrate monoaminerger Neurone Depression Hypothalamus Hypophyse Nebennierenrinde Glukokortikoide CRH ACTH Antidepressiva (z.b. Amitriptylin, Venlafaxin, usw.)

16 Antidepressiva für unspezifische Kreuzschmerzen Schlussfolgerungen der Autoren Es gibt keine eindeutigen Hinweise darauf, dass Antidepressiva bei der Behandlung von Patienten mit chronischen Kreuzschmerzen effektiver als Placebo sind. Diese Befunde bedeuten nicht, dass schwer depressive Patienten mit Rückenschmerzen nicht mit Antidepressiva behandelt werden sollten; darüber hinaus gibt es Hinweise auf ihre Verwendung bei anderen chronischen Schmerzen.

17 Vorgehen und Behandlung Psychoedukation, Arbeiten am psychischen statt somatischen Krankheitsmodell Abwenden der Gefahr der Chronifizierung mit Verstärkung der Symptomatik, Einfordern immer aggressiverer Behandlungsmethoden (OPs, EKT, usw.), Entwickeln artifizieller Störungen Lernen: Psychotherapie statt somatische Verfahren (Tabletten) Antidepressiva (z.b. SSRI/Cipralex; Amitriptylin) unterstützend nützlich, aber vor allem Psychotherapie (Verhaltenstherapie): mentale Strategien mit Exposition, Reaktionsverhinderung und Floading/Habituation Entspannungsverfahren: YOGA, Hypnose, s. DÄB 2016

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20 Fazit: Depression und Rückenschmerz Rückenschmerz zu ungefähr 85% funktionell ( psychisch ) bedingt. Strukurelle und funktionelle Auffälligkeiten im präfrontalen Kortex, Hippocampus und weitere Regionen. Ein Zusammenhang mit der Entstehung von z.b. somatischen Symptomen wie Schmerz bei der Depression ist über z.b. das serotonerge System und über neurotrophe Faktoren zu sehen. Hier Ansatzpunkte für Pharmakotherapie mit z.b. Antidepressiva (oder Pregabalin, Gabapentin usw,) und Psychotherapie (Verhaltenstherapie). Cave: Opiate und Opiatentzug!

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