Demokratie und Kapitalismus - Ende einer Beziehung?

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1 Demokratie und Kapitalismus - Ende einer Beziehung? 9. Wirtschaftsgespräch, Attendorn, 30. September 2010 Dr. Stefan Bergheim, Direktor Dr. Stefan Bergheim 1. Oktober 2009 Seite 1

2 Zentrum für gesellschaftlichen Fortschritt Unabhängige Denkfabrik; gemeinnütziger e. V.; finanziert über Spenden von Personen und Stiftungen; Projektzusammenarbeit. Interdisziplinärer Brückenbauer zwischen Universitäten und internationalem Wissen sowie Politik, Presse und Öffentlichkeit. Engagement zum Wohle der Allgemeinheit, statt Vertretung von Partikularinteressen. Eigene Themensetzung, statt bezahlte Auftragsarbeiten. Gesellschaftlichen Fortschritt in Deutschland nachhaltig fördern: mehr Lebenszufriedenheit, mehr Freiheit, mehr Vertrauen etc. Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 2

3 Agenda 1. Welchen Wandel nach der Krise? 2. Kapitalismus und Demokratie weltweit. 3. Etwas Theorie bitte! 4. Die menschlichen Schwächen. 5. Was tun? Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 3

4 Die große Depression nach 1929 Massenarbeitslosigkeit & Armut Diktaturen und Kriege Neues Erfolgsmaß: BIP Neue ökonomische Theorie: Keynes Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 4

5 Die große Krise? Das deutsche Bruttoinlandsprodukt Inflationsbereinigt, Index 1991= Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 5

6 Agenda 1. Welchen Wandel nach der Krise? 2. Kapitalismus und Demokratie weltweit. 3. Etwas Theorie bitte! 4. Die menschlichen Schwächen. 5. Was tun? Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 6

7 Marktwirtschaft und Kapitalismus Marktwirtschaft: Arbeitsteilig organisierte Wirtschaftsordnung, in der die Koordination von Produktion und Konsum über das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage auf Märkten erfolgt. Grundlegende Elemente: Eigentumsrecht, Vertragsfreiheit und Wettbewerbsordnung. Kapitalismus: Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, die auf Privateigentum an den Produktionsmitteln sowie der dezentralen privatunternehmerischen Planung der Wirtschaftsprozesse beruht, die über den Marktmechanismus koordiniert werden. Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 7

8 Erfolgsmaßstab Bruttoinlandsprodukt Wert aller in einem Jahr über den Markt gehandelten Güter und Dienste für den Endgebrauch. Heimproduktion? Verbrauch natürlicher Ressourcen? USA ganz weit vorne. Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 8

9 Freiheit für den Markt Index der wirtschaftlichen Freiheit des Economic Freedom Networks. Angelsachsen und die Schweiz ganz weit oben. Deutschland im Mittelfeld der reichen Länder. Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 9

10 Wohlstand für alle? Gini-Koeffizient misst Verteilung des Einkommens. 0: Gleichverteilung 100: Eine Person hat alles Relativ hohe Ungleichheit in den USA. Keine klaren Ländergruppen zu sehen. Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 10

11 Ungleichheit und Krisen Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 11

12 Demokratie - Definition Allgemein: Herrschaft des Volkes Amartya Sen: Die Qualität einer Demokratie kann man daran messen, ob verschiedene Stimmen aus unterschiedlichen Bereichen der Bevölkerung wirklich gehört werden. (Theory of justice) Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 12

13 Mitsprache und Verantwortlichkeit Weltbank misst die Mitsprachemöglichkeit der Menschen und leitet daraus Prioritäten für ihre Arbeit ab. Skandinavien und die Niederlande ganz vorne. USA mit erheblichen Defiziten. China weit unten. Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 13

14 Die Qualität der Demokratie Die Economist Intelligence Unit hat die Qualität der Demokratie gemessen. Wieder Skandinavien und die Niederlande ganz vorne. Wieder die USA mit Defiziten. Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 14

15 Gute Demokratien mit gutem Staat In den guten Demokratien macht der Staat die richtigen Dinge (und die Menschen zahlen dafür gerne Steuern). Die Weltbank misst die Effektivität des Staates als Teil ihres Institutionen- Ansatzes der Entwicklungszusammenarbeit. Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 15

16 Demokratie funktioniert ohne Korruption Spiegelbild einer guten Demokratie und eines guten Staates: wenig Korruption. Korruption (Missbrauch von Macht im eigenen Interesse) wird von Transparency International erfasst. Wieder: Skandinavien oben, USA mit Defiziten. Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 16

17 USA: Viel Markt aber die Demokratie? Vorne in den Bereichen: Einkommen, Freiheit. Hinten in den Bereichen: Einkommensgleichheit, Mitsprache, Qualität der Demokratie, Qualität des Staates, Korruption. Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 17

18 Schweden: Demokratie und Gleichheit Vorne in den Bereichen: Einkommensgleichheit, Mitsprache, Qualität der Demokratie, Qualität des Staates, niedrige Korruption. Hinten in den Bereichen: Freiheit Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 18

19 Deutschland: Wohin? Vorne: Einkommensgleichheit (zumindest im Jahr 2000). Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 19

20 Agenda 1. Welchen Wandel nach der Krise? 2. Kapitalismus und Demokratie weltweit. 3. Etwas Theorie bitte! 4. Die menschlichen Schwächen. 5. Was tun? Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 20

21 Der Prozess gesellschaftlicher Entwicklung Erweitert Prioritäten Bildung Gesundheit Innovation Wirtschaftlich Arbeit Einkommen Wirtschaftliche Entwicklung Zufriedenheit Engagement Toleranz Kulturell Vertrauen Selbstbestimmung Freiheitsrechte Effektiver Staat Wenig Korruption Institutionell Demokratisierung Erweitert Rechte Nach: Inglehart, Ronald & Welzel, Christian (2005): Modernization, Cultural Change and Democracy The Human Development Sequence Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 21

22 Agenda 1. Welchen Wandel nach der Krise? 2. Kapitalismus und Demokratie weltweit. 3. Etwas Theorie bitte! 4. Die menschlichen Schwächen. 5. Was tun? Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 22

23 Die menschlichen Schwächen Selbstüberschätzung: Die Wahrscheinlichkeit eines Gewinns wird von jedermann mehr oder weniger überschätzt, die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts von den meisten Menschen unterschätzt. Adam Smith (1759) Kurzfristorientierung: Das Leben ist kurz und wir wollen den Kuchen heute. Materialismus: Fokus auf materielle Dinge als Weg zu Zufriedenheit. Illusion (Kahnemann) bzw. Täuschung (Smith). Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 23

24 Diese Rolltreppe funktioniert eigentlich Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 24

25 Agenda 1. Welchen Wandel nach der Krise? 2. Kapitalismus und Demokratie weltweit. 3. Etwas Theorie bitte! 4. Die menschlichen Schwächen. 5. Was tun? Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 25

26 Was können wir tun? Kluge Regeln setzen: die menschlichen Schwächen berücksichtigen. Auf allen Ebenen mitsprechen und Mitsprache zulassen: Schulen, Unternehmen, Gemeinden, Städte, Bundesländer und sogar auf Bundesebene. Fortschritt messen: um Ressourcen effizient einzusetzen. Strukturiert mit der Zukunft befassen: um Ressourcen am gewünschten Ort einzusetzen. Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 26

27 Die Fortschrittsmessung floriert Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 27

28 Zukünfteforschung (Futures studies) Definition: Die Verwendung eines breiten Methodenspektrums, um gemeinsam und strukturiert über mögliche Zukünfte nachzudenken, um besser auf sie vorbereitet zu sein und sie wo möglich zu gestalten. Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 28

29 Heute bessere Entscheidungen treffen Eine oder mehrere wünschenswerte oder bevorzugte Zukünfte aus der Vielzahl möglicher Zukünfte herausfiltern und versuchen, diese wahrscheinlicher zu machen. Auch: Unerwünschte Zukünfte durch entsprechendes Handeln weniger wahrscheinlich machen. Größen und Indikatoren identifizieren, anhand deren Beobachtung man frühzeitig (bzw. frühzeitiger als ohne die Zukunftsanalyse) erkennen kann, auf welche Zukunft man sich zu bewegt. Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 29

30 Agenda 1. Welchen Wandel nach der Krise? 2. Kapitalismus und Demokratie weltweit. 3. Etwas Theorie bitte! 4. Die menschlichen Schwächen. 5. Was tun! Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 30

31 Vielen Dank! Dr. Stefan Bergheim 30. September 2010 Seite 31

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