med. Fakultät der Universität Bonn Vorlesung Medizinische Soziologie Ralf Reiche

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1 med. Fakultät der Universität Bonn Vorlesung Medizinische Soziologie Ralf Reiche Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 1

2 Prävention (Definition, Fragen, Bereiche, Ansätze, Ärzteschaft, Bevölkerung) Gesundheitsförderung (Definition, setting [Betrieb]) Gesundheitsberichterstattung (Defizite, Ziele, Inhalte, GBE) Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 2

3 Prävention Definitionen Unter Prävention versteht man alle medizinischen und sozialen Anstrengungen, die Gesundheit zu fördern und Krankheit und Unfälle sowie deren Folgen zu verhindern (Blohmke 1979) Unter Prävention versteht man vorbeugende Gesundheitspflege. Ziel ist, nicht nur Krankheiten früh und schnell wirksam zu behandeln, sondern die Gesundheit zu bewahren und zu fördern, um Krankheit nicht entstehen zu lassen (Schelp 1993) Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 3

4 Prävention Ausgangsfragen Bei wem, d.h. in welchem Alter und bei welchen Personengruppen ist Prävention sinnvoll bzw. notwendig? Was sollte getan werden? Wer sollte Prävention durchführen? Wo sollte Prävention stattfinden? Wie sollte die Prävention durchgeführt werden? Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 4

5 Prävention Bereiche Primäre Prävention Die primäre Prävention umfasst die Förderung der Gesundheit und Verhütung von Krankheit durch Beseitigung eines oder mehrerer ursächlicher Faktoren, Erhöhung der Resistenz von Individuen und Veränderung von Umweltfaktoren, die ursächlich oder als Überträger an der Krankheitsentstehung beteiligt sind. Sie soll also bereits dann wirksam werden, wenn noch keine Krankheit aufgetreten ist. Unterteilung in: Gesundheitsförderung (unspezifische Maßnahmen) Gesundheitsvorsorge (spezifische Maßnahmen) Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 5

6 Prävention Bereiche Sekundäre Prävention Ziel der sekundären Prävention ist es, Krankheiten möglichst frühzeitig zu erkennen (bevor Beschwerden oder Krankheitssymptome auftreten) und nachfolgende Behandlungen einzuleiten. Vorsorgeuntersuchungen Früherkennungsuntersuchungen Filteruntersuchungen (Screening) Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 6

7 Prävention Bereiche Tertiäre Prävention Die tertiäre Prävention betrifft einen Zustand eines Patienten, in dem bereits eine Krankheit oder ein Leiden manifest ist und behandelt wird. Ziel der tertiären Prävention ist die Verhinderung von Folgeerkrankungen bzw. die Verhütung von Rezidiven Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 7

8 Prävention Ansätze Verhaltensprävention Die Verhaltensprävention umfasst die Beeinflussung von Gewohnheiten, Einstellungen und Handlungsweisen von einzelnen Personen mit dem Ziel der Vermeidung oder Früherkennung von Krankheiten Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 8

9 Prävention Ansätze Verhältnisprävention Die Verhältnisprävention beinhaltet die Ausrichtung der gesellschaftlichen und staatlichen Gegebenheiten in der Art, dass Krankheiten vermieden oder früh erkannt werden können Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 9

10 Prävention Hausarzt Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 10

11 Prävention Bevölkerung Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 11

12 Prävention Bevölkerung Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 12

13 Prävention Bevölkerung U2 U3 U4 U5 U6 U7 U8 U9 obere mittlere untere Teilnahme an den U1- U9 Untersuchungen Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 13

14 Prävention Bevölkerung Soziale Schicht a untere mittlere obere (Anteil in Stichprobe) (23,6) (53,2) (23,2) Maßn. in den letzten 12 Monaten - Männer 3,6 6,5 7,3 - Frauen 4,3 11,1 16,7 Rückenschule (jemals) 8,0 13,5 15, Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 14

15 Prävention aktuelle Entwicklungen Präventionsstifung Präventionsgesetz Präventionsrat Präventionsziele Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 15

16 Gesundheitsförderung I (Ottawa Charta 1986) GF zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen. Um ein umfassendes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden zu erlangen, ist es notwendig, dass sowohl einzelne als auch Gruppen ihre Bedürfnisse befriedigen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen sowie ihre Umwelt meistern bzw. sie verändern können Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 16

17 Gesundheitsförderung II (Ottawa Charta 1986) In diesem Sinne ist die Gesundheit ein wesentlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens zu verstehen und nicht als vorrangiges Lebensziel. Gesundheit steht für ein positives Konzept, das die Bedeutung sozialer und individueller Ressourcen für die Gesundheit ebenso betont wie die körperlichen Fähigkeiten. Die Verantwortung für Gesundheitsförderung liegt deshalb nicht nur bei dem Gesundheitssektor, sondern bei allen Politikbereichen und zielt über die Entwicklung gesünderer Lebensweisen hinaus auf die Förderung von umfassendem Wohlbefinden Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 17

18 Arbeitsschutz Ägypten (Papyrus EBERS) Stress als Ursache für Krankheiten ("Unruhe des Hauses") Steinhauerlunge Mesopotamien und Kleinasien Modern anmutende Arbeitsschutzvorschriften Antikes Griechenland und Römischer Kulturkreis ARISTOTELES: Krankheiten der Botenläufer PLATO: Skelettdeformierungen bei Handwerkern HYPOKRATES: Berufsanamnese, Staublunge Bergmannsknie, Bleivergiftung, Schwefelkonjunktivitis PLINIUS: Vorschriften zur Staublungenprophylaxe Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 18

19 Betriebliche Gesundheitsförderung Ziel Stärkung von Gesundheitsressourcen und -potenzialen Ansätze Verhaltensprävention Veränderung des individuellen Gesundheitsverhaltens Verhältnisprävention Schaffung förderlicher Lebensbedingungen Maßnahmen Organisationsentwicklung Unternehmenspolitikentwicklung Bildungsmaßnahmen Instrumente Bestandsaufnahme Arbeitskreis Gesundheit Gesundheitszirkel Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 19

20 Gesundheitsberichterstattung: Kritikpunkte bzw. Defizite Fehlende Informationen zu wichtigen Krankheitsbereichen Mangelnde systematische Verknüpfung des vorliegenden Datenmaterials Willkürliche und nicht analytische Präsentation der Informationen Nicht ausreichende Validität der Daten Unzureichender Datenzugang Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 20

21 Gesundheitsberichterstattung: Ziele Für wichtige Themenbereiche und Fragenkomplexe Daten und Hintergrundinformationen bereitstellen Unabhängig und wissenschaftlich fundiert Umfassendes in sich geschlossenes System Differenzierte Interpretation Lernfähiger und dynamischer Entwicklungsprozess Breite Zielgruppe Basis für Zusammenarbeit von Wissenschaft und Politik Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 21

22 Gesundheitsberichterstattung: Gesundheitsbericht für Deutschland 1.Ziele und Vorgehensweisen der Gesundheitsberichtserstattung 2.Rahmenbedingungen des Gesundheitswesens 3.Gesundheitliche Lage 4.Gesundheitsverhalten und Gesundheitsgefährdungen 5.Krankheiten 6.Ressourcen der Gesundheitsversorgung 7.Leistungen und Inanspruchnahme des Gesundheitswesens 8.Ausgaben, Kosten und Finanzierung des Gesundheitswesens Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 22

23 Gesundheitsberichterstattung: Gesundheitsbericht für Deutschland Medizinische Soziologie, Ralf Reiche, WS 2005/6 23

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